336 – Advent 2024: 1. Advent

 
Das ist der 15. Adventskalender hier. Ich widme ihn allen, die krank sind oder Unterstüt­zung benötigen, allen, die einsam oder allein sind. Möge allen Menschen eine im wahrsten Sinne des Wortes wunder­volle Weihnachtszeit beschieden sein. Meine Kerzen brennen wieder für alle Menschen und Tiere, vor allem für die, die Hoffnung und Trost brauchen.

 

Heute brennt die erste Kerze im Adventskranz, -leuchter oder -gesteck.

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Vorbemerkung: Ich brauche für mein Weihnachtserleben nicht unbedingt die Geschichte von Geburt im Stall und Krippe. Aber das ist eben als Motiv oder in anderer Funktion in vielen weihnachtlichen Bräuchen des Erzgebirges enthalten. Aus der Zeit, da das Geleucht noch ein Frosch, ein Kienspan oder eine Talglampe war, untertage, vorm Ort, stammen viele Bräuche zum Fest. Damals waren die Bergleute noch tiefgläubig. Also kann ich den christlichen Bezug nicht ganz aus meinem Adventskalender heraushalten.

 

Wieder hat sie begonnen, die für mich schönste Zeit des Jahres. Advent und Weihnacht. So ganz fühle ich meine zugehörige Stimmung noch nicht, aber die kommt bestimmt bald. Wieder riecht es bei mir nach Neudorfer Weihrauchkerzen. Wieder esse ich Leb- und Pfefferkuchen, Spekulatius, Dominosteine, Stollen, Weihnachtsplätzchen. Natürlich werde ich auch Glühwein und andere saisontypische Getränke zu mir nehmen, am häufigsten wohl heißen Met. Doch die Menge von all dem mußich weit geringer halten als im Vorjahr und noch früher – der Diabetes verlangt das von mir. Ob ich irgendwo einen kandierten Apfel essen werde? Orangen und Mandarinen, die früher Weihnachtsobst waren, kann ich ja mittlerweile das ganze Jahr über genießen. Marzipan – auch eine eher weihnachtliche Spezialität – gibt es heute auch jederzeit.

Viele Leute haben besondere Beleuchtungen installiert zu dieser Zeit. Leuchter, die im Fenster der guten Stube als Engel und Bergmann und Schwibbogen stehen, haben heute nur noch selten echte Kerzen; auch auf denen leuchten zumeist elektrische oder gar ganz moderne LED-Leuchtmittel. Überall hängen Lichterketten in Fenstern und Gärten, an Balkonen und auf Dächern. Am liebsten ist mir warm­weißes Licht; bunte Blinkerei und wilde Farbwechsel entsprechen meiner Meinung nicht dem hierzulande noch besinnlichen Charakter der Weihnachtszeit. Und ich freue mich, wenn ich Weihnachtsmusik höre, deren Text ich verstehen kann.

Ihr merkt, meine Advents- und Weihnachtszeit wird wohl immer eine klassische sein, eine ohne modernen Schnickschnack. Vielleicht zu großen Teilen wieder ohne Familie, allein, aber nicht einsam. Melancholisch, sentimental wird so mancher Tag werden. Ich werde Weihnachtsgeschichten lesen, viele davon nicht zum ersten Mal. Und vielleicht, vielleicht gehe ich zu einer Christvesper oder Christmette, am Ende dieser Zeit. Ich sag ja: So ganz kann ich den christlichen Bezug nicht heraushalten aus meiner Advents- und Weihnachtszeit.

Heute erinnere ich euch aber auch noch an eine ganz einfache Weisheit:

Advent! Advent! Ein Lichtlein brennt!
Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier,
und wenn das fünfte Lichtlein brennt:
Dann haste Weihnachten verpennt!

Achtet also bitte auf eure Kerzen. Ich muß das in diesem Jahr intensiver als sonst machen. Einer meiner Adventskalender sind 24 Teelichter, auf deren Grund besondere Botschaften für mich zu finden sein werden. Ich bin ja mal gespannt.

 

Ich schleiche mich davon und wünsche eine schöne Advents- und Weihnachtszeit.

Der Emil

 

P. S.: Zufrieden war ich gestern, am 30. November 2024 auch noch mit der zu großen Teilen funktionierenden Beleuchtung, mit lange nicht mehr gehörter Weihnachtsmusik, mit der getroffenen Vorbereitung für das heutige Frühstück.


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335–2024: Idealisiert

Im Kliniktagebuch wiedergefunden.

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Meine (idealisierte) Vorstellung, mein Traum von einer irgend­wann – endlich! – gelebten großen Liebe ist tatsächlich viel schwieriger zu erreichen und dann sicher auch zu leben, als ich mir das in meiner unbedarften Hoffnung auf das große Glück jemals denken konnte.

 

 

Im November 2011 notierte ich das im verpflichtend zu führenden Kliniktagebuch, in dem ich heute zum Auffrischen von Erinnerungen las. Und ja, eben, die idealisierte, romantische, diese vollkommene Liebe. Wer hat wirklich nie von ihr geträumt? Wer war noch nie enttäuscht, wenn eine reale Beziehung der Vorstellung nicht nur nicht nahekam, sondern auch noch auf andere Art und Weise zerbrach?

Aber ehrlich: Ich habe bisher nicht aufgegeben und werde nicht aufgeben, davon zu träumen, darauf zu hoffen, daß (s)ich wenigstens ein kleines Zipfelchen davon in mein wirkliches Leben integrieren kann …

 

Erinnerung des Tages:
Ich sah mir heute alle ersten Beiträge meiner Adventskalender an, wirklich nur die ersten.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 30. November 2024 mit meinen Adventskalenderbeginnen, mit dem Unterwegssein draußen, mit Gurkensalat am Abend.

P.P.S.: Ab morgen werden meine Beiträge (im Rahmen meines Adventskalenders 2024) schon um 06.00 Uhr am Morgen erscheinen, damit auch diese „Türchen” morgens geöffnet werden können.

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334–2024: Umstellung

Zum 15. Mal werde ich es tun, mein Adventskalender-Schreiben.

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Der ganze Text heute ist nichts anderes als eine Content-Warnung. Jedenfalls so ziemlich.

Am Sonntag beginnt nicht nur der Dezember, sondern auch die Advents- und Weihnachtszeit. Und weil ich es schon seit 14 Jahren mache, werde ich auch in diesem Jahr die diesmal nur 24 Tage – es ist ja, wenn der erste Advent noch im November liegt, immer einer mehr – zu meinem Blog-Adventskalender machen. Das heißt: Thematisch wird es um Advent und Weihnacht gehen, um Brauchtum, Unsinn und Kritik daran. Vielleicht wird das der einen oder anderen etwas zuviel davon, mag sein, die Weihnachten-Nichtmöger:innen verzichten auf Besuche hier. Aber genau dieses Adventskalenderschreiben brachte mich ja auf die Idee, auch sonst täglich einen Beitrag veröffentlichen zu wollen, wenigstens für einen Monat. Klar, es kam etwas anders als gedacht: Ich begann am 1. Januar 2011 mit meinem Blogmarathon, der mittlerweile fast 5100 aufeinanderfolgende tägliche Beiträge zählt.

Ab Sonntag wird mein täglicher Beitrag dann auch wieder schon früh am Morgen erscheinen, ich denke, 6.00 Uhr ist dafür eine gute Zeit. Denn auch die Türchen anderer Adventskalender werden am Morgen geöffnet, nicht wahr? Und so können Leser:innen morgens, versorgt mit dem Getränk ihrer Wahl und vielleicht Spekulatius dazu, nachschauen, was sich in den Türchen (Beiträgen) meines Adventskalenders (Blogs) während dieser 24 Tage entdecken läßt.

Die Vorlage (das HTML-Grundgerüst mit all den Dingen, die überall gleich sind, und mit Platzhaltern für andere Teile) wurde nochmal angepaßt heute; ich hatte in ihr nicht berücksichtigt, daß ein Schaltjahr ist, ich habe die Reihenfolge von Elementen geändert, ich habe drei Schreibfehler korrigiert. Damit mußte ich auch die schon vorgefertigten HTML-Dateien nocheinmal öffnen und darin all diese Veränderungen einarbeiten. Ich habe es geschafft.

Morgen dann ein vorerst letzter Beitrag am Abend. Noch weiß ich nicht, ob ich schon am ersten Weihnachtstag umstelle auf die für/ab nächstes Jahr vorgesehene, etwas frühere Veröffentlichungszeit (mir schwebt 19.45 Uhr vor, ich mag es, irgendwie eine Konstante zu sein) oder nicht. Und mal sehen, was sich im Laufe der Zeit bis dahin noch verändern wird …

 

Erinnerung des Tages:
Ich sah mir heute meinen meinen 1000sten Beitrag und auch meinen meinen 100sten Beitrag des täglichen Bloggens an.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 29. November 2024 mit abgeschlossenen Vorbereitungen, mit Geschrie­benem, mit meiner Zeit in der Badewanne.


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333–2024: Keilerei

Wer kennt diese Eselsbrücke nicht?

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„Drei drei drei – bei Issos Keilerei.”

Diesen Spruch benötigte / lernte wohl so manche im Geschichtsunterricht. Ebenso, glaube ich, wie das: „Bedächtig kommt einhergeschritten – vier Drittel Pi mal R zur dritten.” Mathematik, Kugelvolumen. Und für Geographie: „Iller, Isar, Lech und Inn – fließen nach der Donau hin. – Altmühl, Naab und Regen – fließen ihr entgegen.” Und als Kraftfahrer lernte ich einst: „Massse mit M wie Minus mit I ist links.” (Das war bei Ural, UAZ, SIL-135, B1000, W50 / L60, Garant und Trabant jedenfalls so.) Und in der Astronomie: „Mein Vater Erklärt Mir Jeden Sonnabend Unsere Neun Planteten.” Und „Eine Alte Dicke Gans Hat Eier” war für die Gitarre nützlich. Ach, ich weiß auch noch von einer aus der Anatomie, die Handknochen betreffend, aber die fällt mir partout nicht ein.

Eselsbrücken. Ich habe auch so einige private davon. Zum Beispiel die Gabelseite. Oder „Einschalten von außen nach innen, Ausschalten von innen nach außen.” Ungarn grüßen in umgekehrter alphabetischer Reihenfolge: Regelt, Napot, Este (auf die diakritischen Zeichen verzichte ich hier). Das erinnert doch an die Methoden, mit denen Gedächtniskünstler arbeiten, nicht wahr?

Ach so, ihr wollt wissen, wie ich auf diese absonderliche Idee für diesen Blogbeitrag kam? Nun, das hier ist der 333. Beitrag in diesem Jahr, es folgen noch 33 und dann haben wir ein nächtes, ein „neues” Jahr.

Und da ich euch jetzt eine Frage beantwortet habe, könntet ihr mir auch eine beantworten, oder nicht? Welche schönen Eselsbrücken kenne ich noch nicht oder habe ich zu erwähnen vergessen?

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich entsorgte heute mehrererererere Umverpackungen von technischen Geräten (Notebooks, Radios, Festplatten, Fernseher) im Altpapier.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 28. November 2024 mit der Physiotherapie (boah, das waren Schmerzen), mit dem erledigten Einkauf, mit der ausgebliebenen Enttäuschung (okay, eher mit deren sehr traurigem Aushalten).

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332–2024: Wozu

Vier Zeilen aus der Reimeschmiede im Denkicht.

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am abend dann prüf ich die lage
und stell eine einfache frage
und suche die antwort dazu
wozu nur wozu nur wozu

 

 

Nein, da ist nichts akut. Jedenfalls nichts Wesentliches. Und die Frage muß auch nicht beantwortet werden, nicht einmal von mir für mich.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Der alte, noch funktionierende, sauschwere Röhrenfernsehapparat mit kaputtem Gehäuse steht zur Entsorgung bereit; zum Abtransport brauch ich aber Hilfe.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 27. November 2024 mit dem aufgebauten LCD-TV-Gerät, mit dem Rest der Nudeln, mit einem ersten Beitrag für meinen Adventskalender.

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331–2024: Wartezeit

Die gibt es dort nicht; niemand muß dort vorm Termin erscheinen.

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Ich bin positiv überrascht. Tatsächlich. Denn wie oft schon saß ich bis zu zwei Stunden in einem Wartezimmer oder -bereich, wohlgemerkt bis zu zwei Stunden nach dem vereinbarten Termin. Nicht nur bei Ärzt:inn:en, nein, sondern auch bei Behörden und in Firmen. Das, so wurde mir heute vormittag gesagt, gibt es bei „meiner” Physiotherapie nicht. Ich muß nicht eine Viertelstunde vorm Termin dort sein, besser ist es, wenn ich zum Termin ± 2 min erscheine. Also zwischen 9.58 Uhr und 10.02 Uhr, wenn ich auf 10.00 Uhr bestellt bin. Damit würde ich helfen, Menschen­an­samm­lun­gen in der Praxis zu vermeiden – und zu ihnen kommt man ja auch nicht, wenn kein Termin vereinbart ist (es sei denn, da liegt eine neue Verord­nung vor). Aus der Erfahrung heraus wissen die Mitarbeiter in der Praxis, wann ihre Patienten mit der Straßen­bahn hinkommen können, und auf diese Ankunftszeiten werden die Bestell­zeiten angepaßt.

Das nenne ich mal gute Terminverwaltung. Ich weiß, daß das beim Hausarzt oder anderen Ärzt:inn:en so nicht umsetzbar ist, weil dort – im Gegensatz zur physio­thera­peutischen Praxis – nicht klar ist, wieviel Zeit der Patient tatsächlich braucht. Ich bin aber auch von der deutlichen Kommunikation ganz positiv angetan! So verstehe ich, warum ich nicht 20 min vorm Termin auftauchen soll, so kann ich auch gegen mein übliches Bedürfnis, einiges vorher anwesend zu sein, exakt auf die Minute dort eintreffen …

 

Erinnerung des Tages:
Bei meinen ersten Schwiegereltern gab es Spaghetti immer mit gebratenen Würfelchen von Touristenblutwurst, Jagdwurst o. a. war bei denen verpönt.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 26. November 2024 mit der Physiotherapie, mit einem sehr notwen­digen Mittagsschlaf, mit den Nudeln mit roter Soße und Käse.

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330–2024: Flußdampflok

Für die Traumdeuter, aus der vergangenen Nacht.

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Unterwegs mit einem Segelboot auf einem Fluß. Es weht gerade genug Wind, um sehr, sehr langsam flußaufwärts voranzukommen. Wir überlegen, die Paddel einzusetzen, um schneller zu werden. Dann stehen alle bis auf den Steuermann an der Reling, gut zwei Meter über dem Wasser, und stechen im Takt mit den Paddeln immer wieder in die Luft. Das Boot wird langsamer, treibt bald mit der Strömung flußabwärts. In der hereinbrechenden Abenddäm­me­rung wird eine altertümliche blaue Dampflok vor das Segelboot gepannt. Die zieht uns, in der Flußmitte auf dem Wasser fahrend, in zwei Stunden bis hinauf zur Quelle am Fuß eines freistehenden Felsens.

 

 

Absurd. So absurd, wie nur ein Traum sein kann. Nein, ich versuche mich nicht an seiner Deutung, habe auch nicht im WWW danach gesucht. An das Blau der Lok kann ich mich lebhaft erinnern, an die Farbe der Segel nicht. Jedenfalls war das Blau so wichtig, daß ich es auf dem Zettel unterstrich, als ich die Traumfetzen notierte. Am späten Morgen bzw. am sehr frühen Vormittag lag ich heute nochmal auf der Couch, gönnte mir den Luxus des Dahindämmerns und luzider Träume. Von denen kann ich ob ihres Inhalts hier aber nichts erzählen.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Altglas zum Container und sieben Bücher in ein Öffentliches Bücherregal gebracht.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 25. November 2024 mit den luziden Träumen zwischen Acht und Zehn, mit völlig unerwarteter und mich sehr berührender Post, mit dem getätigten Kauf eines Fernsehapparates.

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329–2024: Vorfreude

Auch an einem traurigen Tag kann ich mich freuen.

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Ich dachte heute viel an die vielen Abschiede ohne Wiedersehen, die ich schon erleben mußte. Am frühen Nachmittag fuhr ich zum Nordfriedhof. Dort brennt jetzt auf einem sehr wahrscheinlich vergessenen Grab ein Grablicht. Kurz war ich noch beim Training der Ritterschaft, einige organisatorische Dinge besprechen. Und seit Anbruch der Dämmerung leuchten heute ein paar Kerzen, wo sonst immer nur ein Teelicht brennt. Und ich sitze da, trinke Kräutertee und denke an die, die nicht mehr leben.

Ewigkeitssonntag, letzter Sonntag im Kirchenjahr, Totensonntag. Im Dorf wurden vor dem schon die Gräber abgedeckt, winterfest gemacht. Wahrscheinlich erst ab 1990 wurden dann auch immer öfter Kerzen aufgestellt, die am Abend des Totensonntags brennen. So mancher Friedhof ähnelt einem Lichtermeer, der, auf dem ich heute war, wird nicht dazugehören.

Ab morgen gibt es dann Weihnachtsdeko bei mir, darauf und auf die ganze Advents- und Weihnachtszeit, die bei mir bis Mariä Lichtmeß geht, freue ich mich jetzt schon.

 

Erinnerung des Tages:
Da waren heute ziemlich viele: an meine Großeltern, an meinen Sohn, an Onkel und Tanten, an einige Bekannte und sogar Unbekannte.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 24. November 2024 mit dem sehr langen Schlaf am Morgen, mit der Zeit auf dem Friedhof, mit vielen schönen Erinnerungen.

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328–2024: Unverständlich

Aus einem mich schockierenden Moment entstandene Gedanken.

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Ich muß mir mal was Akutes von der Seele schreiben, ich „komm' sonst einfach nicht drüber weg”.

Ich weiß ja nicht, wann und aus welchen Gründen sich das geändert hat, aber: Früher™ gehörten kleine Mißerfolge, Enttäuschungen, gemachte Fehler zum Alltag – und darum wurde nicht viel Aufhebens gemacht. Ja, da klappte oder paßte etwas nicht, da ging ein Wunsch nicht in Erfüllung, da reagierte jemand nicht ganz wie erwartet oder gehofft: Na und? Das ist doch völlig normal und auch zu erwarten, oder? Außerdem: Wer wertete denn eine enttäuschte Erwartung, einen fehl­ge­schla­genen Versuch, einen geplatzten Traum auf zu einem Weltuntergang?

Heute scheint mir das anders zu sein: Wenn die Welt sich nicht nach dem richtet, was ich will und zu brauchen glaube, dann ist doch alles sinnlos, Humbug, idiotisch, falsch, ein totaler Weltuntergang. Dann haben sich doch alle und alles gegen mich verschworen. Die anderen machen das doch nur, um mir zu schaden, meinen Erfolg zu verhindern und mir zu vermiesen, um mir mein Leben schwerzumachen. Weil sie mir aber auch absolut nichts gönnen. Menschen fühlen sich sofort angegriffen und abgelehnt, wenn jemand eine andere Meinung, Überzeugung, Methode hat. Wer nicht so ist, denkt, handelt und fühlt wie ich, wer nicht für mich ist, der ist ein Feind. Und wenn es nur der Straßenbahnfahrer ist, der pünktlich abfährt und nicht auf mich wartet, oder der Zugbegleiter, der mich darauf hinweist, daß ich mit der falschen Fahrkarte unterwegs bin (das erlebte ich heute mit, und was der sich anhören mußte von dieser Frau!): Feind. Todfeind. Arschloch. Ganz gleich, wie richtig das (gegen mich!) Vorge­brachte ist und wie korrekt mit dem Geschehen umgegangen wird: Das macht der Idiot doch nur mir zum Schaden und zum Hohn!

Alles, was nicht nach deren Pfeife tanzt, was nicht exakt so gemacht und bewertet wird, wie es von solchen Menschen erwartet, angeordnet, verlangt wird, alles das ist minde­stens Blödsinn. Sie sind egoistisch, egomanisch, narzisstisch, selbstgerecht, über­heblich und selbst­herrlich – all das auf einmal. Gab es früher auch so viele Menschen von dieser Sorte? Habe ich sie nur nicht gesehen, wahrgenommen? Wo kommen die alle her? Warum wurden die so?

Realitätsverweigerer. Manchmal, in einigen speziellen Situationen, bin ich das wohl auch. Doch nur kurz und eben nur in diesen besonderen Momenten. Hinterher sehe ich mir das noch einmal an und sehe, daß ich da Blödsinn angestellt habe. Ja, ich bin natürlich in der Lage, Teile meiner Lebenswirklichkeit (zeitweise) zu ignorieren, aus­zu­blenden, und muß das wahrscheinlich sogar tun. Aber ganz wohl ist mir dabei nie. Und ich kann „die Umstände” auch nicht komplett ignorieren, mich nicht der ganzen Wirklichkeit verweigern.

Realitätsignoranten und Realitätsverweigerer: Gibt es einen Unterschied – und was ist schlimmer?

(Was so eine miterlebte Szene doch in mir auslöst. Ich hab mich wirklich fremd­ge­schämt für diese Person und für ihre Äußerungen und ihren Umgang mit anderen. Solches Benehmen ist mir einfach nur unverständlich.)

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich weiß nicht, wieviele es waren, aber ich brachte heute leere Schachteln und Kartons ins Altpapier (zwei große Einkaufstaschen voll, u.a. Verpackungen von drei gekauften Notebooks).

 

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Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 23. November 2024 mit der Ruhe am Vormittag, mit meinem Weg durch die Stadt, mit heißen Knackern und Brot und Senf.

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327–2024: Aufwachen

Etwas aus einem Buch, das ich gerade (u. a.) lese.

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Eines der drei Bücher ist eine Anthologie der Reihe „SF Utopia” aus dem Verlag Das Neue Berlin, erschienen 1988 (1980). Darin sind Texte polnischer, sowjetischer und tschechischer Autoren über Kyborgs, Unsterbliche und Mutanten versammelt, in denen die Fragen nach Menschlichkeit und Menschsein gestellt werden. Eine der faszinierenden Geschichten heißt „Schaben”. Deren Anfang ist … Nun, das dort Beschriebene werden vielleicht viele kennen:

 

 

Ich habe keine Lust aufzuwachen. Ich weiß genau, mache ich die Augen auf, fängt das Karussell wieder von vorne an. Eine Umdrehung in vierundzwanzig Stunden. Tagaus, tagein, Monat um Monat und Jahr um Jahr. Im Schlaf kann mann die Welt formen, wie es einem gerade gefällt: sie nach eigenem Gutdünken zuschneiden und mit den wunderlichsten Gestalten besiedeln, die Zeit aufhalten oder sie mir nichts, dir nichts zurückdrehen.

Im Schlaf bin ich der Herr der Welt, doch am Tage … Aber es lohnt ja nicht, Gedanken daran zu verschwenden. Man soll zehn Minuten mit geschlossenen Augen liegenbleiben und sich ausschließlich angenehme Dinge vorstellen. Ein blödes Rezept. Mit anderen Worten, nicht an das denken, was einen in der Wirklichkeit erwartet. Nicht an den anbrechenden Tag, nicht an das Manuskript auf dem Tisch. Am besten an gar nichts denken! Eine uralte, naive Weisheit, kindliche Vorstellung von der Allmacht der menschlichen Psyche. Der bewußte Strohhalm für den Ertrinkenden.

Ilja Warschawski: Schaben. In Erik Simon (Hrsg.):
Die Rekonstruktion des Menschen. Phantastische Geschichten. S. 173
© Verlag Das Neue Berlin, Berlin, DDR · 1988 (1980).
1. Auflage dieser Ausgabe. ISBN 3-360-00846-5

 

 

Ich gönnte mir dieses Liegenbleiben sehr lange Zeit, pflegte währenddessen luzide zu träumen. Das dauerte durchaus auch mal zwei Stunden und war immer sehr angenehm für mich. Ich habe jedoch nie wachgelegen und an ausschließlich positive Dinge oder gar gar nichts gedacht.

Seit Juni dieses Jahres werde ich morgens zwischen 4.00 Uhr und 6.00 Uhr wach, ohne einen Wecker zu brauchen. Warum das so ist und wieso sich das sozusagen von einem auf den nächsten Tag änerte: Ich habe keine Ahnung. Ich habe üblicher­weise Lust aufzustehen und den Tag so früh mit Kaffee und Keks beginnen. Ich lebe gut mit dem neuen Rhythmus, nicht schlechter und nicht besser als „damals” als Eule, nur anders. Das luzide Träumen am Morgen fehlt mir ein klein wenig, doch oft habe ich die Gelegenheit dazu in einem Nickerchen tagsüber. Diese dreiviertel bis eine Stunde Pause gönne ich mir.

Und über diese Allmachtsphantasie, die ich in der Depression in anderer Form hatte (ich wäre am ganzen Elend der Welt schuld, bildete ich mir oft ein), lächele ich heute nur müde. Denn sie hält keiner Überprüfung in der Wirklichkeit stand. Was würde meine Nichtexistenz denn schon an der Gesamtsituation ändern? Die Politikerdar­steller wären deshalb nicht empathischer als jetzt, die Kriege fänden auch ohne mich statt, Sozialleistungen in der BRD wären auch ohne mich oft viel zu niedrig.

Für viele ist das erwähnte Karussell nichts anderes als das Hamsterrad, in das man täglich gezwungen wird. Welcher Zwang das genau ist, spielt keine Rolle. Vier oder fünf Tage jeder Woche ist es mindestens notwendig, fall man sich nicht gerade „nur” um den Haus­halt und / oder die Familie kümmern muß. Das oben im Zitat erwähnte Rezept jedenfalls: Hilft das irgendjemandem wirklich?

 

Erinnerung des Tages:
Vor vielen Jahren hatte ich die Idee zu einem Bastelprojekt, über das ich heute ein kurzes Gespräch führte.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 22. November 2024 mit dem schnellen Einkauf (keine 45 min für zwei Geschäfte und Weg), mit der nachmittags auf der Couch verbrachten Zeit, mit dem unverhofften Gespräch über längst vergangene Zeiten.

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