2025 – 105: Gründlich

Synonym oder „nur” zusammengehörig?

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Solange ich lebe, tat ich das meiste, das ich gründlich erledigte, auch immer sorgfältig. Beim Betrachten der heutigen Jugend und ihres Handelns allerdings scheine ich zu bemerken, daß beides nicht mehr allgemein üblich und modern ist.

 

 

Das könnte vor hundert oder zweihundert Jahren schon so mancher Lehrer, so manches Elternteil genau so gedacht und aufgeschrieben haben. Meint ihr nicht auch? Und ja, ich weiß sicher, daß es Ausnahmen gibt. Also Jugendliche und junge Erwachsene, bei denen das nicht so ist. Und Ältere, bei denen es so zu sein scheint, die keinen Wert (mehr) auf Gründlichkeit und Sorgfalt legen. Zum Teil wird das wohl auf dem Schnell-Schnell beruhen, das unsere Zeit und unser Tun immer mehr beherrscht hat und beherrscht – aber das als einzige Erklärung für das von mir beobachtete Phänomen ist mir dann doch etwas zuwenig. Doch was bleibt mir schon übrig, außer das Ganze leicht traurig (und erschüttert) zur Kenntnis zunehmen?

O tempora o mores! (Hatten die Lateiner schon Ausrufezeichen!?)

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt: Aus dem Bettkasten der Schlafcouch habe ich heute knapp 20 Zeitschriften ins Altpapier gegeben, ohne nochmal darin zu blättern.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 15. April 2025 war ich zufrieden mit der Schreiberei, mit Kartoffelbrei und Fischstäb­chen, mit vielen Wohlfühlmomenten.


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2025 – 104: Voila

Und immer die Frage: Wierum muß der Akzent?

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So manche – auch ich nämlich – haben ein Faible für Fremdwörter. Dabei werden Anglizismen und Scheinanglizismen von vielen gar nicht mehr als Fremdwörter wahr­genommen, sondern gehören zum täglich geradebrechten Denglish.

Gallizismen allerdings … Als Erzgebirger (und damit Sachse) kenne ich einige davon. Noch meine Großeltern mütterlicherseits nutzten Palletoh, Plümoh und Trottewar/Trottowar im täglichen Sprachgebrauch; und manche denken, daß selbst Bistro ein Wort aus dem Französischen sei – obwohl es aus dem Russischen stammt. Baggett wurde übrigens erst später modern. Dabei war und ist die Aussprache oft ziemlich nahe an der der Franzosen. Und niemand kümmerte sich in den alltäglichen Notizen um die korrekte Schreibweise vom Schäslong!

Mir fällt auf, daß es mit den aus dem Italienischen entlehnten Wörtern anders ist. Bei denen ist die Schreibweise oft korrekt, aber die Aussprache! Gnottschi und Expresso, Strattschatella und Bruschetta/Bruszschetta – recht deutlich zeigt sich, daß die orale Überlie­ferung aus den Zeiten der Französischen Hofkultur hierzulande weiterwirkt, während es die für Italienisch nunmal nicht gibt. Nebenher taucht in meinem Gedan­ken­fluß dann auch die Frage auf, ob das C im Lateinischen nun als K oder Z (wie ts) gesprochen werden muß (Caesar: Zäsar oder Käsar; Circus: Zirkus oder Kirkus)?

 

Jaja, mit solchen Dingen beschäftigt sich mein Denkicht. Und das nur, weil ich in einem Text den Ausruf „Et violá voilà!” nutzen wollte! Schließlich verzichtete ich auf den Gallizismus und benutze die passende Deutsche Wendung.

Und: Siehe da! Ein Blogbeitrag war geschrieben.

 

Erinnerung des Tages:
Bei meinem Mecklenburger Großvater sah ich als Kind sogar noch ein Chemisette.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 14. April 2025 war ich zufrieden mit einem Mittagsschlaf, mit einem Schnäppchen beim Discounter, mit begonnenen Vorbereitungen auf das Osterwochenende.


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2025 – 103: Sonnenstrahl

Seit Jahren hüte ich diese Erfahrung wie meinen Augapfel.

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Als ich noch wirklich tief in der Depression stak, lebte ich in einer ziemlich lichtlosen Welt. Es war nicht absolut dunkel, aber ich sah nirgends einen hellen Schein in all den Schattierungen von Grau bis Schwarz. Noch heute gibt es für mich trübe Tage, an denen der Himmel wolkenlos ist und im makellosen Blau dieses gelbe Etwas steht – nur dringt davon nichts in mein Inneres. Aber da gibt es einen Unterschied zu früher, den ich nicht mehr missen möchte: Heute kann ich eine Umarmung und ein paar an mich gerichtete Worte wahrnehmen als einen Sonnenstrahl, als goldenen hellen Moment, der das Trübe durchdringt und dies und das in den verschiedensten Farben zum Leuchten bringen kann, in mir.

Als ich diese Erfahrung zum ersten Mal machte, fürchtete ich mich davor. Das war so erschreckend unbekannt. Jetzt, nach vielen Jahren, ist ein solcher Moment einfach nur schön, bestärkend, so „Hach”.

 

Erinnerung des Tages:
Es waren heute viele schöne Erinnerungen an so manche unerwartete oder gewünschte und passierte Umarmung, die mich kurz auf Wolke 7 schickte.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 13. April 2025 war ich zufrieden mit dem wiedereingeschlafenen „Verschlafen”, mit so einigen sortierten Gedanken, mit dem langsam sichtbaren Fortschritt bei einer Putzaktion.


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2025 – 102: Wirklichkeiten

Oder eher zwei Hälften, zwei Teile der einen Wirklichkeit.

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Nein, ich kann mich mit der handfesten Wirklichkeit, die mich alltäglich umgibt, und mit der harten Realität meiner Tage nicht vollständig zufriedengeben: Neben der Umwelt ist da ja noch die andere Wirklichkeit, die unsichtbare, die, in der meine Gedanken, Gefühle, Hoffnungen und Träume zuhause sind. Und in welcher davon fühle ich mich mehr ich und bin ich mehr ich?

 

 

Erinnerung des Tages:
Als ich heute im Geschäft an einer Haushaltsreinigerflüssigkeit schnüffelte, merkte ich: Ich vermisse den Westpaket- und Intershop-Geruch.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 12. April 2025 war ich zufrieden mit den längeren Nachträgen ins Tagebuch, mit einer weiteren geleerten und mit einem Backup bespielten 4-TB-Platte, mit Gurkensalat und Brot am Abend.


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2025 – 101: Ideenklau

Die zweite mögliche Variante: Schuhe II.

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Natürlich fragte ich die Mützenfalterin, ob ich den Satz „klauen” darf.

 

 

Neben der Bank im Park steht ein Paar Schuhe, mit den Spitzen zum Gehweg, ordentlich parallel ausgerichtet. Und diese Pumps aus tannengrünem Veloursleder wirken hier völlig depalziert. Was machen solche Schuhe an diesem Platz, wie kamen sie hierhin? Kann jemand einen guten Grund gehabt haben, sie hier genau so abzustellen?

Da war gestern dieser Jungesellinnenabschied da drüben am Spiel­platz. Mehrere junge Frauen versuchten in leicht angetrun­ke­nem Zustand, die Vorübergehenden zu sonderbaren Spielchen zu bewegen oder zu einer Geldspende für das Paar, dessen Braut peinlich berührt in ihrer Mitte saß. Doch sie alle trugen Sneaker, Turnschuhe, vielleicht auch Ballerinas. Jedenfalls nicht so festliche Pumps. Keine von ihnen hatte so elegante Schuhe an. Und in der Kneipe vorne an der Kreuzung gab es auch keine „geschlossene Gesellschaft” – auf einer solchen könnte ich mir diese edlen Teile vorstellen oder in der Oper. Hier in der Stadt gibt es keine Oper, und auch ein Theater existiert nicht mehr.

Wie kann ein Mensch übrigens mit so hohen Absätzen unfallfrei gehen? Schuhgröße 42, schätze ich. Fast neu, wirklich sehr elegant. Und diese wunderbare satte Farbe! Aber ich möchte nicht einmal versuchen, ob ich mit den Schuhen wenigstens stehen könnte; und an mir fände ich ihren Anblick lächerlich. Ich gehe weiter, mit einem Kopfschütteln und unbeantworteten Fragen. Noch immer steht neben einer Bank im Park ein paar Schuhe, mit den Spitzen zum Gehweg, ordentlich parallel ausgerichtet. Elegante Pumps aus tannen­grünem Veloursleder mit ziemlich hohen Absätzen. Und das könnte auch der Anfang eines Krimis sein …

 

 

Es wird noch mindestens ein weiteres Textlein dazu entstehen, ein erstes zeigte ich vor vier Tagen. Danke für die Erlaubnis, diesen Satz zu verarbeiten. Ach, und ehe ich es vergesse: Die Mützenfalterin hat auch ein sehr empfehlenswertes Blog.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Sechzehn Festplatten, die in meinem Schrank lagern, habe ich begonnen zu untersuchen; zwei drei sind jetzt sicher gelöscht.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 11. April 2025 war ich zufrieden mit der begonnenen Datenträgerarchäologie, mit dem Wohlfühlen beim Lümmeln auf der Couch, mit vielen gegessenen Mandarinen.


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2025 – 100: Sattelfest

Einfach mal Luft machen …

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Niet- und Nagelfest ist etwas. Sattelfest ist jemand (auf einem bestimmten Gebiet).

Sorry, aber in diesem Vertragsentwurfsmachwerk ist nichts bis wenig niet-und nagelfest. Allerdings sind die, die es zusammenschrieben, verdammt sattelfest im Schwurbeln, im Vernebeln und in der Dampfplauderei. Wer wie die die Wissenschaft für eine Sache des Glaubens hält, ist in meinen Augen jenseits von Gut und Böse.

Aus einem solchen Pamphlet Kauderwelschwust (oder auf dessen Grundlage) vernünftige Realpolitik für die nächsten Jahre zu machen … Ich zweifle daran, daß das möglich ist. (Die Betonung soll auf vernünftig liegen.)

Sorry, ich bin erwartungsgemäß enttäuscht und könnte im Strahl k… Und werde das Ganze bestimmt nochmal lesen. Und ich weiß wirklich nicht, ob ich Kommentare per WordPress freischalten werde.

 

Erinnerung des Tages:
Es stand mehr Wahres und Konkretes in den Dokumenten des VIII. Parteitages …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 10. April 2025 war ich zufrieden mit dem Verweilen auf meiner Couch, mit (anderem) Geschriebenen, mit grünem Tee am Abend.


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2025 – 099: Zeitpunkt

Ein Überbleibsel aus der Vergangenheit.

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Auf dem Zifferblatt
Ein seltsamer schwarzer Fleck
Sichtbarer Zeitpunkt

Großväterchens Armbanduhr
Blieb schon vor Jahren stehen

Ein Tanka.

 

 

Ich fand diesen Versuch auf einem Zettel, der zwischen den Seiten einer uralten (könnte sogar aus der Tschernobyl-Zeit stammen) Kladde stak. Nein, ich hatte nie eine solche Uhr, aber ich glaube, daß ich vorm/beim Schreiben ein Bild betrachtete: geborstenes Uhrenglas, verbogene Zeiger, dunkler Fleck auf dem weißen Ziffenblatt mit Römischen Ziffern. War es die eines Liquidators? Jedenfalls sah ich ähnliches vor mir, als ich die wenigen Worte las.

Ich habe – obwohl Zwergenbein noch immer nicht seinen Platz bekommen hat – eine weitere Aufräumsache angefangen. Bis zu meinem Geburtstag möchte ich drei Fächer in meinem Schrank entrümpeln und danach wenigstens zwei davon komplett geleert haben. Ein paar Stifte warf ich bereits weg (und das fiel mir sehr, sehr schwer), Papier hab ich zerrissen, diese Kladde an den Platz geräumt, wo sie hingehört. Und nun klopfe ich drei Mal auf Holz …

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Einige Bücher und CDs brachte ich in einen Öffentlichen Bücherschrank.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 9. April 2025 war ich zufrieden mit Sortiertem, mit der mir gegönnten Ruhe, mit einer Vorfreude.


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2025 – 098: Das Rindenschiffchen

Der kleine Traumtransporter.

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Im Sommermittag gehen wir in das Wäldchen hinterm Garten, durch das ein munterer Bach mit kühlem, klaren Wasser tollt. Wir liegen in der wärmenden Sonne und lassen uns auf der kleinen Lichtung streifenlos bräunen. Das Gespräch springt von einem zum nächsten Gegenstand. Längst sitze ich schnitzend neben Dir, und aus dem Stück Kiefernrinde in meiner Hand wird ein kleines Boot. Würde ein kleines Boot werden, wären meine Augen nicht immer wieder von Deinem Anblick abgelenkt. Wir erzählen uns von den geheimen Träumen, die wir haben, und von der Unmöglichkeit ihrer Erfüllung. Denn als Freunde sprechen wir zwar darüber, doch erfüllen können wir sie einander nicht, ohne diese Freundschaft zu gefährden. Ich schaffe es schließlich doch, zwei dünne Hölzchen als Masten in das fertiggewordene Schifflein zu stecken; Du holst zwei Blätter von einem Strauch, die als Segel dienen sollen.

Wir lassen die Decke und alles andere liegen und gehen nackt, wie wir sind, hinüber zum Bach. Du flüsterst dem Rindenschiffchen einen Traum in das eine Segel, ich einen in das andere. Wir setzen es zu zweit hinter einem Stein aus und lassen es über Sand und Gras und Äste und Moos im Wasser davonhüpfen, gehen ein Weilchen nebenher. Händchenhaltend. Als es irgendwann aus unserem Blickfeld verschwindet, kehren wir auf die Lichtung, in die Sonne zurück. Und Du beginnst, ausgestreckt auf dem Rücken liegend, mir den mitgeschickten Traum zu erzählen. Dabei gleiten Deine Hände über Dich, ich kann nur danebensitzen und den Anblick – mich mühsam beherrschend – genießen. Ich bemerke, daß Du gerade in die erträumte Szene eintauchst, sie miterlebst, sehe deutlich, daß Du sie auf ihr Ende hintreibst mit flinken Fingern, die sich weniger zart und immer fordernder bewegen. Du sprichst nicht mehr, atmest nur noch, hältst die Luft an. Plötzlich wirst Du laut, setzt Dich auf, ohne das Spiel Deiner Hand zu unterbrechen. Und läßt mich diesen Moment in Deinen erstaunten, sehnsüchtigen, feuchten, unergründlichen Augen miterleben.

Wir liegen Arm in Arm, einander festhaltend, in der Sonne. Du zitterst noch leicht, als ich Dir zuflüstere, daß mein per Schiff verschickter Traum soeben in Erfüllung ging. Mit einem verschwitzten Lächeln fragst Du nach Revanche, schließlich sei das unter so guten Freunden so üblich.

 

 

Verzeiht mir, aber heute wiederhole ich mich. Denn dieser Text vom 7. April 2017 ist einer, den ich noch immer für einen von meinen besser gelungenen halte. Allerdings verlinke ich hier zum umgezognen Artikel und nicht mehr zur .com-Ursprungs­adresse.

 

Erinnerung des Tages:
Eines der letzten größeren von mir besuchten Konzerten war in Leipzig im Clarapark: Melissa Etheridge gastierte dort 2015, vor zehn Jahren.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 8. April 2025 war ich zufrieden mit meinem Mut zur Wiederholung, mit guter Sülze, mit dem ausgelesenen Suter-Buch (Die Zeit, die Zeit).


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2025 – 097: Ideenklau

Die erste mögliche Variante: Schuhe I.

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Natürlich fragte ich die Mützenfalterin, ob ich den Satz „klauen” darf.

 

 

Neben der Bank im Park steht ein Paar Schuhe, mit den Spitzen zum Gehweg, ordentlich parallel ausgerichtet. Und sie sehen kaputt aus und sehr abgetragen. Einer ist schon mit Panzertape geflickt. Ich stehe davor und überlege, ob es schon warm genug ist, um barfuß heimzugehen? Die Schuhe haben meine Schuhgröße. An meinen Füßen trage ich ähnliche Turschuhe, die ich gestern erst kaufte und heute einlaufen wollte. Doch jetzt stehe ich, gerade einmal von meinem Haus über die Straße in den Park gegangen, hier und habe eine Idee. Was der auf der Bank Schlafende wohl denken und sagen würde – wird! –, wenn ich meine Schuhe einfach danebenstelle oder gegen die zertretenen tauschte? Habe ich die Zeit zu warten, bis der Schläfer erwacht? Habe ich den Mut, seine Latschen wegzuwerfen, wenn ich meine neuen Schuhe stattdessen hinstelle? Klaut die dann vielleicht jemand, der hier vorbeigeht? Was wäre richtig?

Schließlich stelle ich die zerschlissenen Turnschuhe auf den Papier­korb neben der Bank und meine dahin, wo die anderen bis eben standen. Neben der Bank im Park steht ein Paar Schuhe, mit den Spitzen zum Gehweg, ordentlich parallel ausgerichtet. Auf der Bank schläft ein Mann, dessen Reaktion ich nicht vorhersehen kann. Und ich gehe barfuß wieder heim.

 

 

Es sind noch mindestens zwei weitere Textlein dazu im Entstehen begriffen. Danke für die Erlaubnis. Ach, und ehe ich es vergesse: Die Mützenfalterin hat auch ein sehr empfehlenswertes Blog.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Seit mehr als 20 Jahren habe ich diese Whiteboard-Marker im Schrank gehabt, die heute endlich im Müll landeten.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 7. April 2025 war ich zufrieden mit dem Verschlafen (ja, wirklich), mit den verschiedenen Schreibideen, mit dem angefangenen Ausräumen eines Schrankfachs.


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2025 – 096: Erbstück 032

Tagebuch A: Dienstag, 1. Februar.

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Ein Monat vorbei. Ich saß kurz vor Neun am Rechner, hatte Kaffee und sogar etwas gegessen Kaffee geht alleine, aber so richtig frühstücken … Ja, ich habe es heute versucht, doch habe ich nicht wirklich richtig essen können. Was ich gestern schrieb, stimmt tatsächlich. Nunm die eine Scheibe Toast mit schinkenwurst ist dennoch besser, als gar nichts gegessen zu haben.

Ich setzte mich mit der letzten Tasse Kaffee an den Schreibplatz und blätterte dort ziemlich lustlos durch meine verschiedenen Geschichten bzw. deren Anfänge. Womit sollte ich weitermachen? Womit nur? Irgendwie bin ich bei allen raus aus dem Fluß, ein Zugang wollte mir heute nirgends gelingen. Nachdem ich eine gute halbe Stunde unruhig und wortlos saß, machte ich mir eine Kanne Tee. Kaminfeuer heißt die Mischung, der ich noch einen Beutel Ingwertee hinzufügte. Schmeckt wirklich weihnachtlich, werde ich auch nach der Weihnachtszeit noch trinken. Aber auch dieser Tee ließ mich nicht in eine der Geschichten finden. Also griff ich zum Schmier­papier und begann zu kritzeln. Ach, wenn ich doch nur Zeichnen oder Malen könnte! Da hätte ich eine Möglichkeit, mich auch außerhalb der Schriftsprache auszudrücken. An Tagen wie heute merke ich überdeutlich, wie sehr mir das fehlt. Oder Disziplin und mehr vom „Das schaffe ich jetzt aber.”

So kritzelte ich. Eine Stunde. Anderthalb Stunden. Schließlich zeich­nete ich wie als Schüler Rosetten auf kariertem Papier. Nichts davon war produktiv. Nichts. Ich kann rein gar nichts davon ins Positive umdeuten. (Umdeuteln. – Wer hat das eigenlich noch nie versucht?) Irgendwann später saß ich dann lesend am Schreibplatz, doch ich las kein Buch. Ich hatte mir aus dem Schrank die alten Kalender herausgeholt, die aus Spruchpostkarten bestehen. Ich weiß, es ist dumm, alte Kalender aufzuheben. Aber meine hier bestehen ja aus (meist kitschig-) schönen Bildern und (altklugen) Kalendersprüchen. Manchmal gibt mir eines der Bilder oder einer der Sätze den not­wen­digen Schubs in einen meiner Texte hinein.

Heute gab es auch einen Anstoß. Einen zum Denken: „Verliert euch nicht; findet euch wieder.” Gilt das nur für Menschen gegenseitig? Ist damit nur ein einziger, ein einzelner Mensch gemeint? Geht es dabei um Familien, ganze Menschengruppen? Wer fühlt sich ange­spro­chen von „Verliert euch nicht; findet euch wieder.” Und aus welchem Grund steht da das Wort „WIEDER”? Als hätten sich die Menschen, alle Menschen (jede und jeder!), als hätte sich der einzelne und konkrete Mensch sich längst schon verloren. Wenn dem so wäre, wozu dann die Aufforderung, sich nicht zu verlieren? Das paßt doch irgendwie nicht. Aber ich kam zu dem Schluß, daß nur beide Aufforderungen zusammen wirklich wirsam umgesetzt werden können.

Und so will ich das, dieses Nichtverlieren und Wiederfinden als Zusammengehörendes, das will ich jetzt verinnerlichen. Und es bleibt in mir eine gewisse Angst, das eine oder andere Verlorene nicht, niemals nicht wiederfinden zu können. Und eine vage Hoffnung bleibt in mir, mit der ich jetzt ohne einen anderen Text ins Traumland gehen werde. Allein.

 

 

Mit diesem Text wird das geerbte Tagebuch fortgesetzt. Alle Teile der Erbkladden-Serie sind in diesem Link in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge (neueste zuerst) zu finden. Über eines der Notiz­bü­cher erzählte ich ja schon vor langer Zeit, im November 2012. Ich tippe die kleinen blauen lateinischen Buchstaben ab, immer mal wieder. Erst jetzt nämlich darf ich abschreiben aus den „von einem Freund geerbten” Kladden mit dieser winzigen Schrift.

 

Erinnerung des Tages:
Bei der NVA durfte man nach dem Wecken nicht mehr im Bett liegen; die Sitzhaltung, in der wir noch gut 30 Minuten weiterschliefen, beherrsche ich noch heute.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 6. April 2025 war ich zufrieden mit dem luziden Träumen, mit dem komplett gelesenen Buch (H. G. Wells: Das Land der Blinden. Diogenes-Verlag.), mit der Sonntagsruhe.


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