Notwendige Auszeit vom üblichen Umfeld.
Die Schreibmaschine klappert. Schnell, die Anschläge sind jedoch nicht hart. In regelmäßigen Abständen tönt die Klingel, dann folgt das typische Geräusch beim Zurückschieben der Walze (mit Zeilenvorschub).
Erinnerungen tauchen auf aus weit zurückliegenden Zeiten. Das Klassenzimmer in meiner Berufsschule: 28 Arbeitsplätze mit rein mechanischen! Schreibmaschinen, und immer Doppelstunden. Das waren jeweils 90 Minuten echter Lärm. Ab und zu hab ich das kaum aushalten können, ich bekam davon Kopfschmerzen. Anmerken lassen durfte ich mir das aber nicht. Und jetzt höre ich jemanden sehr routiniert arbeiten an der alten Schreibmaschine; genau, da arbeitet jemand, denke ich. Dabei ist hier doch alles auf dem neuesten Stand der Technik: Computer, Laptops, Laserdrucker. Wie es sich für ein größeres Dienstleistungsbüro und Callcenter gehört. Warum also sitzt da jemand an dieser alten, mechanischen Schreibmaschine?
Meine Neugier ist dann doch gro, und ich gehe zum Kopiererraum und schaue durch die Tür. Die Chefin sitzt dort. Sie schreibt etwas. Blickt hoch, sieht mich an und sagt: „Manchmal muß ich raus aus all dem Gesumme und den Stimmen, die telefonieren. Ich hab das hier” – sie streicht über die Schreibmaschine – „ja noch so wie Sie gelernt. Da kann ich meine Wut, meine Unzufriedenheit besser abbauen als am Computer.” Ich murmele etwas Verständniszeigendes. Ich vertehe sie da wirklich, denn auch ich brauchte während meiner Ausbildung zum Facharbeiter für Schreibtechnik immer wieder eine Auszeit. Schließlich war ich damals der einzige Kerl in der Klasse neben 27 Mädchen …
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
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