156.2026: Lochfraß

Bei der Arbeit mit über 50 Jahre alten Fotos bemerkt.

 

Tja. Ich weiß, wer auf dem Foto zu sehen ist. Und ich weiß, wo es gemacht wurde, mit damals üblichem NP15/NP20/NP22 (selten NP27) von ORWO. Aber wann war das nur? Oder: Ich weiß, wann und wo die Aufnahme gemacht wurde, aber mindestens eine Person, manchmal auch alle, kann ich nicht erkennen und benennen. In einer Tabelle erfasse ich, was ich zum gescannten Foto weiß (Ort, Datum oder wenigstens Jahr, abgebildete Personen und andere Informationen zum Motiv). Puh. Bei fast jedem Bild brauche ich eine Weile, um mein Gehirn, meine Erinnerungen zu durchforsten.

Ich habe etwa ein Zehntel der Fotos mitgenommen, die mir übergeben wurden. Aber ich möchte alle digitalisieren und dann wieder zurückgeben. Behalten werde ich sie erst, wenn ich der Älteste der Familie bin.

Dennoch ist es für mich schon erheiternd, wenn ich mich im zarten Alter von knapp eineinhalb Jahren in einem Teich in Alt Sammit plantschen sehe oder im Alter von Zwölf im Schrebergarten der Familie auf der Hollywood-Schaukel lümmeln. Das Foto vom Schulanfang (mit riesiger Zuckertüte) und das von der Jugendweihe (mit Plateausohlen) zeigen, wie sich meine Statur während meiner Schulzeit veränderte.

Und da? Ist auf dem Bild mein Bruder zu sehen? Einer der Cousins? Gar eine Cousine? Oder bin das doch ich?

Ach, die Löchrigkeit des Gedächtnisses ist schon eine Krux – und natürlich auch ein Glück, denn wer, frage ich euch, möchte sich an alle Einzelheiten der eigenen Vergangenheit erinnern?

Es lebe der Lochfraß!

 

Erinnerung des Tages:
In der Familie gab es zwei Onkel mit dem Namen Herbert, und einer meiner Cousins ist acht Jahre älter als sein jüngster Onkel.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 17.07.2026 eine getroffenen Absprache, leckeres Eis, der Fortschritt beim Scannen.


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155.2026: Nur noch in mir

Wenn eintritt, wovor ich mich fürchte, werde ich das geschrieben haben.

 

Ja, ich habe Angst davor, wie mein Vater aus der Welt zu verschwinden in einer Demenz. Bei Mutter glaube ich ja auch, daß ich erste Anzeichen davon bemerke … Deshalb möchte ich diese Sätze und viele mehr vorher notiert haben, sozusagen im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte. (Ich arbeite mich schon eine Weile daran ab.)

 

 

Und sollte es irgendwann geschehen, daß ich Dich nicht mehr erkenne, Angst vor Dir zu haben scheine, gleichgültig bleibe bei allem, was Du sagst und tust: Denke daran, Du kennst mein Herz und meine Seele, und was Du da siehst, ist nur noch mein Körper. Dann bin ich nur nicht mehr fähig, Dir meine Liebe zu zeigen – aber sie wird noch immer sein in mir …

 

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich saß heute am Scanner und konnte ziemlich viel Papier einfach entsorgen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 16.07.2026 kalter Kaffee (cold brew), eine gekaufte einfache Kühlbox, eine gute Anzahl erledigter Sans (Flachbettscanner).


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154.2026: Offene Tür

Es fühlt sich allerdings etwas sonderbar an.

 

Es ist wieder warm; für mich sogar zu warm. Exakter: Es ist schwül und ich könnt' durchdrehen. Dazu kommt, daß ich nur Fenster in Richtung SSW habe. Querlüften ist deshalb jedenfalls nicht drin. War mir zumindest bisher nicht wirklich möglich.

Gestern habe ich nach langer, langer Zeit dann doch wieder damit begonnen. Mit dem Querlüften, ja. Dazu muß ich allerdings meine Wohnungstür offenlassen. Genau die Tür, die sonst immer zugeschlossen ist, wenn ich in meiner Wohnung bin. Von innen stehen vor der Tür, die handbreit geöffnet ist, die Lebens- und die Schreibkiste des Marktmönchs. Eine von beiden läßt sich beim Versuch, weiter aufzumachen, nicht verschieben, weil zwei hölzerne Stäbe genau zwischen diese Kiste und die gegenüberligende Wand des Flurs passen. Ein dementsprechender Versuch sollte genügend Lärm verursachen, um nicht unbemerkt zu bleiben.

So war das gestern schon, so ist es heute wieder. Hier oben im neunten Stock zieht es da schon heftig vor der offenen Wohnungstür; zwei Ventilatoren blasen die durch­aus kühlere Zugluft weiter ins Wohnzimmer. Dort steht ein Fenster offen. Selbst wenn die Sonne hereinscheint, bleibt es so – und siehe, es ist nicht mehr weit über 30 °C im Zimmer. Das sonderbare Gefühl wegen der offenstehenden Wohnugstür ist wirklich und nicht angenehm. Doch das muß ich aushalten, wenn ich nicht sauna­ähnliche Luft hier haben will

Naja. Was sonst immer gut verschlossen und sogar abgeschlossen war und ist, bleibt jetzt lange Zeit des Tages offen. Ganz wohl fühle ich mich genau deswegen nicht … Und wenn die Tür ab und zu von alleine zugeht: Das ist schon gespenstisch.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Als ich heute einkaufen ging, stellte ich wieder einige Bücher ins Öffentliche Bücherregal.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 15.07.2026 die erträglich bleibende Temperatur, zwei Eis aus meinem Gefrierfach, Bockwurst mit Brot am Abend.


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153.2026: Altersgemäß

Mal so gemeint und mal so gemeint, verschieden angewendet.

 

Heute habe ich ein fast 100 Jahre altes Bettlaken aussortiert, das altersgemäß an einer bestimmten Stelle immer wieder heftig beansprucht und deshalb dort sehr fadenscheinig wurde. Und andere Gegenstände in meinem Haushalt sind hier und da berieben, haben Patina angesetzt: Auch das ist ihrem Alter geschuldet – also ist der Zustand altersgemäß. Ja, einige Sachen in meinem Besitz sind älter als ich. Unter anderem habe ich Aussteuerstücke meiner Großmutter (wie das oben genannte Bettlaken), die irgendwann um 1930 heiratete (ich weiß es wirklich nicht genauer). Wäschestücke heutiger Produktion werden bei allfälliger Nutzung allerdings nie mehr als hundert Jahre halten, oder? (Es wird wohl Premium-Produkte geben, die es schaffen; aber die überwiegende Mehrzahl …) Und auch (einfache) Geräte wie Hand­kaffee­mühlen werden nicht so lange funktionieren wie die, die ich habe: Allesamt vom Anfang der 60er des 20. Jahrhunderts. Alle drei lassen sich noch tadellos nutzen zum Kaffeemahlen. Ob die nach 2000 hergestellten nach 2065 auch noch nutzbar sind? Na klar, bei meinen ist hier und da der Lack ab, Metallteile waren oder sind rostig. Selbst im Holz finden sich Risse, die repariert, also verschlossen wurden. Keramik wird halten, aber Plastegehäuse!?

Falls ich heutzutage gefragt werde, wie es mir geht, wie ich mich fühle, wie es um meine Gesundheit bestellt ist: Ja, dann antworte ich mit meinen 63 Jahren ebenfalls mit dem Wort altersgemäß. Stimmt ja auch. Allerdings hätte ich schon vor Jahr­zehnten anfangen sollen, dieses Wort als Antwort zu nutzen.

Übrigens bezeichne ich auch diverse Fragen und Gedankengänge, mit denen ich derzeit befaßt bin, einfach als altersgemäß. Ob ich wohl in jüngeren Jahren auf die Problematik gestoßen wäre, die ich gestern hier erwähnte? Ich glaube nicht. Es ist für so manches eine altersgemäße Reife, eine altersgemäße Abgeklärtheit, eine altersgemäße fatalistische Attitüde notwendig. Meint ihr nicht auch?

 

Erinnerung des Tages:
Heute sah ich mir wieder einige Kinderfotos von mir an; es sind auf denen einige Personen festgehalten, an die ich micht nicht erinnern kann. Schade.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 14.07.2026 ein paar von mir gemachte Fotos, gehörte Worte, Backcamembert am Abend.


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152.2026: Unvorstellbar

Wenn die Menschen eine Fähigkeit verlieren würden.

 

Ich wachte heute auf und hatte einen sehr sonderbaren Gedanken, eine echt irre Frage im Kopf:

Wenn alle Menschen auf einmal und ganz plötzlich, unvorhergesehen die Fähigkeit verlieren würden, Fische und Wirbeltiere zu töten …

Was dann?

Nun, Wurst und Fleisch gäbe es vielleicht noch immer, aber nur von Tieren, die eines „natürlichen” Todes gestorben sind. Ich bin mir nicht sicher, ob das auch bei Fischen möglich wäre. Was ich sehr positiv an dem Gedanken finde: Das Töten von Menschen würde auch aufhören.

Die weitere Ausgestaltung dieser Utopie oder Dystopie überlasse euch allen, jeder und jedem für sich.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich brachte zehn Bücher und eine größere Anzahl an CDs in ein öffentliches Bücherregal.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 13.07.2026 einiges Weggeräumtes, ein paar notierte Phantasien, abgeschlossene Vorbereitungen für morgen.


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151.2026: Kühlende Phantasie

Einen Sommernachmittag im Garten genießen.

 

 

Tante Erdmute sitzt im Garten, im Schatten. Es ist heiß, zu heiß für ihren Geschmack. Dennoch will sie draußen sein …

Seit vielen Jahren schon trägt sie keine BHs mehr und hat auch nicht vor, sich wieder damit einzuengen. Aber jetzt, jetzt phantasiert sie von einem solchen Kleidungsstück. In die Körbchen können Kühlpads eingelegt werden, je nach Gusto aus dem Kühlschrank oder aus dem Eisfach. Bei dieser Vorstellung richten sich ihre Brustwarzen auf und sie bekommt eine wohlige Gänsehaut. Und es ist ihr mittlerweile wirklich egal, ob er das bemerkt – ja, sie wünscht sich zuweilen, daß er etwas sieht und sie dann lüstern betrachtet. So kommt es, daß Tante Erdmute jetzt ruft: „Bring mir bitte noch eine Limonade mit Eis und ein Schälchen mit extra Eiswürfeln, ja?” Im Alter wurde und wird sie immer mutiger und frivoler, denkt sie sich und knöpft ihre dünne Bluse ganz auf.

Als er das Gewünschte auf den Tisch neben ihr stellt, sieht er diese Frau sehr interessiert und einen Augenblick zu lange an.

 

 

Erinnerung des Tages:
Es war normal, am FKK-Strand/im FKK-Bereich nackte Menschen zu sehen; und selbst als Pubertierender war man nicht geneigt, nackte Frauen anzustarren …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 12.07.2026 sehr interessante Komunikation und Phantasien am Morgen, pünktliche Züge, die Badewanne zuhause.


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150.2026: In einer Hecke

Ich hatte Zeit, das alles zu beobachten.

 

Es geht lebhaft zu. Denn in der Hecke des Nachbarn sollen nach dessen Aussagen mindestens vier Spatzenpaare Junge ausgebrütet haben. Und die letzten von denen flogen vorgestern aus. Seither flattert es beinahe unaufhörlich in der Hecke und um sie herum. Leise ist es auch nur selten, in der größten Hitze zum Beispiel. Zu allen anderen Zeiten – das kann ich vom Fenster aus gut beobachten – herrscht im Vogelbad Hochbetrieb. Da sind auch junge Amseln dabei und Rotschwänzchen. Für Fotos ist die Stimmung dort zu aufgekratzt, da hält kein Vogel lang genug still dafür.

Spatzen (oder Sperlinge). Fürher waren sie fast eine Plage – wegen ihrer Häufigkeit in den Städten und Dörfern. In meiner kleinen Großstadt sind sie selten geworden. Hier im Dorf gab es auch schon Bedenken, weil eine große Hecke beseitigt werden mußte (Krankheit der Gehölze und Probleme mit der Sicht an einer Kreuzung), in der jahrzehntelang eine erkleckliche Anzahl von Spatzenpaaren brütete. Doch die ehema­ligen Bewohner haben sich offensichtlich recht gut auf die Nachbarschaft verteilt.

Neben den Spatzen mag ich auch Tauben sehr gern. Weder finde ich sie häßlich und/oder unangenehm, noch kann ich sie als Ratten der Lüfte sehen. Allerdings nehme ich mir auch Zeit, sie zu beobachten.

Und dann große Aufregung am Vogelbad: Eine der wenigen Katzen versucht, sich anzuschleichen. Aber sie hat keine Chance, denn alle Vögel fliegen auf und verschwin­den lauthals zeternd in Hecken und Bäumen.

 

Erinnerung des Tages:
Früher gab es hier im Dorf viel mehr Katzen und viel mehr Vögel, dafür hielten weniger Leute Hunde.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 11.07.2026 ein Vier-Generationen-Gespräch, Zeit zum Beobachten, Wissen um verborgene Dinge.


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149.2026: Besonderer Tag

Und eine Frage der Gewichtung für mich …

 

Heute vor 23 Jahren trug ich ein besonderes T-Shirt (mit einem darauf gedruckten Spruch). Und jemand sagte zu mir: „Ich will …” Im Vorübergehen, in der Frühstückspause. Zu Mittag gab es ein Gespräch und einen Griff in die Haare. Und seither kennen wir uns. Dreiundzwanzig Jahre mittlerweile. Ganz schön lange, nicht wahr? Und vergessen kann ich dieses Ereignis nicht.

Heute vor 86 Jahren wurde nämlich meine Mutter geboren. Mitten im Krieg. Ich merke ihr das Alter deutlich an (und nicht nur das). Noch immer habe ich als Kind nach ihrer Pfeife zu tanzen wie vor 50 Jahren – und wenn ich das nicht tu, dann steigt das Streßniveau. Unschön, vor allem weil ich nicht aggresiv genug dagegenhalten will oder kann. Andererseits … Wer weiß, wie oft ich sie noch besuchen kann. Also schicke ich mich drein und schlucke so manches Ärgenis hinunter.

Noch denke ich, daß die Mutter Vorrang hat vor allem anderen. Aber wie lange bleibt das noch meine Meinung? Ich habe keine Ahnung …

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Etwa 60 doppelt vorhandene CDs gelöscht

 

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Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 10.07.2026 geschaffte Arbeit, gelöschte doppelte Daten, leckeres Essen am Abend.


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148.2026: Stichworte

Ja, ich habe welche, kann sie aber grad nicht benutzen.

 

Tse! Das war heute sonderbar. Ich habe mir im Verlauf des Tages mehrere Stichworte notiert und mir will zu keinem einzigen davon eine Textidee kommen? Was ist los? War ich zu abgelenkt heute von der Musik, mit der ich mich beschäftigte (was ich vor ungefähr 30 Jahren am liebsten hörte: Country)? Keine Ahnung. Jedenfalls finde ich auch zu keiner Kombintion davon eine Textidee.

Ihr vielleicht? Da, schaut mal:

  • Brombeerkratzer
  • Gartenberegnung
  • Softeis
  • Sandgrube
  • Dünengras
  • Höhlen-/Stollenluft
  • Backmischung
  • Milchbar

Bei all diesen Begriffen hatte ich wahrscheinlich … Nein, keine Ahnung wie ich auf diese Worte kam. Einfach nur aufgeschrieben – und die Wörter und das, was ich mir zu ihnen dachte, sofort wieder vergessen. Hmpf.

Gab es in den Milchbars in der DDR eigentlich Softeis? Ich kann mich nicht mehr daran erinnern …

 

Erinnerung des Tages:
Jemand, der Mark hieß, wurde auf einem Country-Festival konsequent mit Pfeng (sächsisch-ergebirgisch für Pfennig/Pfennige) angesprochen.

 

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Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 09.07.2026 'ne ganze Semmel zum Frühstück, ein Gang durchs Dorf, eine erleichternde Nachricht.


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147.2026: Randlage

Monolog über eine doppelte solche.

 

 

Bis ins Zentrum ist es schon ein ordentliches Stück, das stimmt. Aber dafür hab ich es hier angenehm ruhig. Jedenfalls immer dann, wenn kein Zug fährt. Außerdem wohne ich schon so lange hier, daß ich die Eisenbahn gar nicht mehr höre, mir fällt eher auf, wenn mal ein Zug fehlt. Und bei den Fahrplanumstellungen ist es auch immer interessant. Da nämlich dauert es immer zwei oder drei Tage, bis sich bei mir wieder alles eingependelt hat. Letztens die Baustelle in Richtung Süden sorgte auch für einige Verwirrung, weil sich die Fahr­zeiten um ungefähr zwölf Minuten verschoben – da war mein Zeitgefühl ziemlich aus dem Takt gekommen. Aber sonst hatte das auf mich keine Auswirkungen, wirklich keine.

Frührer war das hier eine wirklich ruhige Gegend am Rand der Stadt. Bevor der Güterbahnhof erweitert wurde. Nun lebe ich sogar in zweifacher Randlage: an dem der Stadt und an dem vom Güterbahnhof. Umziehen? Nein, das möchte ich nicht mehr, dazu bin ich zu alt. Ich bleibe in meinem Zuhause.

 

 

Erinnerung des Tages:
Ich habe mir heute einen ganzen Stapel Kinderfotos von mir angesehen, alle in schwarz-weiß.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 08.07.2026 eine reibungs- und verspätungslose Fahrt, ein paar gelesene Seiten (Jürgen Kuczinsky: Dialog mit meinem Urenkel), Bäckerbrot.


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