2021,296: Stolz

Und das an einem durchschnittlichen Tag.

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Heute war ich am Nachmittag wieder draußen unterwegs. Also hier in Ha-Neu und in der Stadt. Ich war auf der Suche nach bunten Herbstbäumen und fand auch ziemlich viele davon. Allein, ich brachte es nicht fertig, auch nur einen davon zu fotografieren. Jedenfalls nicht so zu photographieren, wie ich mir die Bilder vorstelle. Immer war irgendetwas im Weg: Autos, Fahrdrähte der Straßenbahn, blöd aussehende Straßenlaternen. An zwei, nein, drei Bäume, die wirklich wunderbar herbstlich aussahen, war für mich kein Herankommen. Ach, es ist eine Crux mit den selbstgestellten Ansprüchen und der Unzufriedenheit mit den (eigenen) Unzulänglichkeiten. Ich befürchte, ich war früher weitaus unbekümmerter, frecher unterwegs als heute.

Nachdem ich wieder zuhause war, holte ich einen der Rollfilme aus dem Gefrierfach. Ich denke, der ist spätestens am Montag im Kühlschrank komplett aufgetaut. Dann werde ich ihn in meine Uraltklappkamera (eine Beirax von 1952, die Nº 6 in meinem Kameramuseum) einlegen, ein fast gleichaltes Dreibeinstativ dazupacken und mit beidem an die Ententeiche gehen. Ah, den Drahtauslöser darf ich nicht vergessen, denn damit bekomme ich eine wesentlich erschütterungsärmere Auslösung und so mehr verwacklungsfreie Bilder hin als ohne. Es muß doch möglich sein, ein schönes Herbstbild zu machen. (Keine Sorge, ich nehme auch meine digitalen Kameras mit, die Sigma – Nº 4 im Kameramuseum – und die Immerdabeiknipse.) Hmpf. Oder muß ich „nur” meine Ansprüche anpassen an die Realität? Ich lasse mir bis Montag Zeit damit. Und wenn ich auch da nicht zufrieden bin, dann gibt es auch noch Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag d. c. ad lib. Jedenfalls gebe ich nicht auf.

Bücher habe ich heute auch noch weggebracht, in einen der öffentlichen Bücherschränke. Und wurde angesprochen, weil der nächste Besucher noch nie jemanden hat Bücher nur hineinstellen gesehen. Ja, nur hineinstellen, sechs Stück, und kein einziges habe ich heute mitgenommen! Ich bin da durchaus stolz auf mich, denn das gelingt mir nur sehr selten. Also: kein einziges Buch wieder mitzunehmen. Sonst war heute eben ein ganz normaler, durchschnittlicher Sonnabend, der zwar doof anfing, aber doch noch ganz erträglich wurde.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 23.10.2021 waren positiv positiv Wolkenpost von der Nordsee und Urlaubspost von der Ostsee (beides von Inseln), Stolz auf meine Widerstandskraft Nudeln mit meiner selbstgemachten S&szligoße.
 
Die Tageskarte für morgen ist das Ass der Münzen (ich darf zugreifen, muß es aber erst einmal erkennen).

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2021,295: Schreck

Etwas Unwahrscheinliches, von mir nie Erwartetes geschah.

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Drei rote Blätter
Weit über allen Wipfeln
Vorm Fenster taumelnd

Fauchend rüttelnd an Sträuchern
Schiebt sich der Wind durch die Stadt

Ein Tanka.

 

 

Neunter Stock. Mindestens zehn Meter weiter oben als die Spitzen der Straßenbäume vorm Haus. Und dann klatscht ein rötliches Blatt mit entsprechendem Geräusch ans Fenster. Huch! Ich erschrak tatsächlich. Und unterbrach das, was ich gerade tat, um dieses kurze Gedichtchen zu notieren. Es ist nämlich auch heute sehr windig ums Haus, es ist kein Surm mehr wie gestern, aber wieder gibt es Böen um die 70 km/h.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 22.10.2021 waren positiv Kürbissuppe, eine Weile im Wind unterwegs gewesen zu sein, Nachrichten vom Ostseestrand.
 
Die Tageskarte für morgen ist der Ritter der Münzen (den Dingen weiter ihren Lauf lassen).

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2021,294: Küchentext

Wieder ein Einblick in den uninteressanten Alltag.
In das, was ich im kleinsten meiner Räume tu.

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Oh, ich habe lange nicht mehr so viel Zeit in meiner tatsächlich winzigen Küche verbracht wie heute. Denn wenn ich sonst koche, dann ist das meist etwas, das wenig Aufwand erfordert. Wie eben der Hirsebrei: heiß abspülen, 10 min kochen, 20 min nur noch ziehen lassen. Und dazu etwas in der Pfanne schnell Gebratenes. Heute aber, heute habe ich mir eine Nudelsoße zubereitet. Zwei Zwiebeln gewürfelt, ein Pfund Gehacktes angebraten und dann die Zwiebeln dazugegeben. Verschiedene Gewürze dürfen nicht fehlen. Und dann kamen nur noch passierte Tomaten (nein, das ist beileibe keine Sauce Blognese, deshalb heißt sie bei mir ja auch anders) hinein. Während die Soße so vor sich hin köchelte, schnitt ich Suppengemüse und einen Hokkaido (ausgenommen ca. 1,7 kg) in den größten meiner Töpfe. Und siehe da, die Soße Bolonjehse war fertig, als das Suppenzeug fertig geschnippelt war. Topfwechsel auf der heißen Platte.

Dann also mußte ich warten, bis der Kürbis den Weichegrad erreichte, den ich mir wünschte. Die Bolo-Soße konnte nochmal passierte Tomaten vertragen, damit war sie dann für mich perfekt. Drei große Portionen davon mßten in ihren Gefrierbeuteln in das Tiefkühlfach einziehen, jede von ihnen reicht für die 500 g Nudeln einer Packung. Ich hatte Zeit, mich um den Abwasch zu kümmern. Im großen Topf ließ ich letztendlich den Pürierstab kreisen. Hm. Lecker war das, da mußte nur noch etwas Butter und Muskat und Salz ran. Heute hab ich davon zu Abend gegessen. Entweder ich esse auch die nächsten beiden Tage nichts anderes (mein gößter Topf!) als Kürbissuppe (gut, wie früher immer etwas Brot dazu), oder ich muß im Frost Platz schaffen. Wenn ich die Kühlakkus und -pads herausnehme und die Fischstäbchen verbrauche, ob das ausreicht?

Es ist übrigens erst die dritte oder vierte Kürbissuppe, die ich kochte. Früher hätte ich die weder gegessen noch gekocht. Es brauchte dafür – wie für den Hirsebrei – den richtigen Schubs von außen: Ich mußte das ein- oder zweimal gegessen haben. Und dann erst gehe ich auf die Suche nach Rezepten und Zutaten. Dann erst fange ich an, mit solchen „unbekannten” Gerichten zu experimentieren, sie meinem Geschmack anzupassen. Mittlerweile gehören Sachen zu meinem Speiseplan, die ich als Kind nicht ausstehen konnte. Rotkohl. Blumenkohlsuppe. Blutwurst, auch gebraten als Zugabe in eine Linsensuppe zum Beispiel. Nein, Grützwurst mag ich noch immer nicht. Wie früher koche ich mir allerdings heute noch die DDR-Soljanka, ein Gericht zur Resteverwertung. Kartoffeln sind in meiner Küche seltener geworden im Vergleich zu der Zeit vor einem oder zwei Jahren. Und ja, auch Schweinefleisch und Wurst finden sich nicht mehr so häufig bei mir. Aber Vegetarier oder Veganer werde ich nicht werden, nein, dazu esse ich viel zu gern Eier und Käse und Fisch und Schinken und Bockwurst. Und Honig. Usw. usf.

Manchmal blättere ich in meinem alten Kochbuch („Wir kochen gut” im grauen Pappeinband) und lese Rezepte von Gerichten, die ich noch nie versucht habe. Ich liebäugele ja mit den Sauren Nieren; wenn da nicht dieser üble Geruch beim Kochen wäre, vor dem ich zurückschrecke. Aber ich hab sie immer gern gegessen. Wer weiß! Vielleicht nächstes Jahr, mit Hirse, Stampfkartoffeln oder Reis … (Wann hab ich zuletzt Nieren im Angebot gesehen? Leber, ja, Leber gibt es überall. Aber Nieren? Hm. Jetzt hab ich mir selbst einen Floh ins Ohr gesetzt.)

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 21.10.2021 war ich richtig zufrieden mit der Nudelsoße, mit der Kürbissuppe und mit einem (hier aber nicht zu veröffentlichendem) Text.
 
Die Tageskarte für morgen ist XI – Die Gerechtigkeit (fremdauferlegte Normen u. a. immer wieder hinterfragen).

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2021,293: Schreibarbeit

So entsteht u. a. mein täglicher Blogbeitrag.
Ablauf nach der letzten größeren Veränderung.

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Leider, leider begegnet mir in meinem Denkicht nicht jeden Tag eine Figur wie der Bahnmitarbeiter von gestern. Und leider (nein: zum Glück) geschieht auch mir nicht jeden Tag etwas, über das es sich meiner Meinung nach zu schreiben lohnte. Und dann sitze ich am Schreibplatz. Denke nach. Widerstehe dem Schrecken des leeren Blattes bzw. der leeren Seite in der Kladde. Kaue an einzelnen Sätzen. Notiere die dann doch an anderer Stelle. Und plötzlich beginnen die Worte zu fließen. Am Stück schreibe ich einen ein- bis dreiseitigen Text herunter (DIN A5). Manchmal dauert das nur 45 Minuten, manchmal braucht es drei Stunden. Aber die Zeit nehme ich mir, täglich. Wenn ich dann denke, daß der Text beendet, abgeschlossen ist (obwohl er vielleich doch einen prächtigen Cliffhanger bietet an seinem Ende), dann mache ich etwa eine halbe Stunde Pause. Waren da nebenher notierte Sätze, dann sehe ich mir die nochmal an. Ich habe nämlich – Asche über mein Haupt – für solche Ganz-Kurz-Texte eine Twitterkladde, aus der ich vieles eben bei Twitter verbreite; darin notiere ich mir auch das eine oder andere Zitat (heute immer mit einer möglichst genauen Quellenangabe). Ich trinke einen Kaffee, rauche eine selbstgedrehte Zigarette. Wenn der Kurzzeitwecker piepst, ist die Pause vorbei. Ich kehre zum geschriebenen Text zurück. Lese ihn, korrigiere die vielen vergessenen Striche über den Umlauten und den i und y, ergänze die Bogen über den u. Nur selten verändere ich Worte (Groß- und Klein-, Getrennt- und Zusammenschreibung zumeist), Phrasen, Wortstellungen. Manchmal muß ich eine sogar mir auffallende falsche Zeitform korrigieren. All das dauert wieder etwa 30 Minuten. Bis dahin habe ich also jeden Tag (okay, fast jeden Tag, denn manchmal schaffe ich an einem Tag zwei oder drei Sachen und könnte bzw. kann dann einen oder zwei Tage Pause machen) knapp zwei bis etwa vier Stunden mit der Schreiberei zugebracht.

Dann wird es Abend und ich sehe mir die Kladde wieder an, auf der Suche nach einem Text für dieses Blog. Heute waren da drei Seiten Text entstanden, die ich hier allerdings nicht veröffentlichen kann, hier nicht veröffentlichen möchte (vielleicht aber woanders, noch bin ich mir nicht sicher). Auch in den vergangenen Tagen – ich gehe meist bis zu zwei Wochen zurück – ist in der Kladde nichts zu finden, was ich für gut genug halte. Manches sind tatsächlich „nur” Tagebucheinträge, manches genügt meinen Ansprüchen nun beim besten Willen nicht. Und manches eben paßt nicht hierher, weil es um speziellere Themen geht. Manches ist zu explizit. Einiges zu privat. Warum ich solche Sachen überhaupt aufschreibe? Nun, das ist eben meine Routine, die ich Tag für Tag befolge: mindestens 45 Minuten Schreibzeit. Die muß nicht zuhause am Schreibplatz verbracht werden, früher fand die viel öfter als heute in Bus und Straßenbahn statt oder an belebten Plätzen mit Menschengeräusch, das mich wirklich bestens inspiriert. Wenn ich also nichts Passendes finde, versuche ich mich manchmal an Kurzlyrik. Aber auch die gelingt nicht immer. Und in der Twitterkladde wurde ich heute auch nicht fündig … Also saß ich nocheinmal 40 Minuten und schrieb diesen Text in das Notizbuch. Mit diesem Text bin ich zufrieden. Ja, er enthält „nur” Privates, das vielleicht niemanden interessiert. Vielleicht aber fragen sich auch andere Menschen – so wie ich mich frage – nach den Schreibgewohnheiten derer, deren Bücher und Blogs sie lesen? Dann kann es sein, daß ich hiermit jemandes Neugier befriedige, ganz ohne Nachfrage. Eben meine Art der Textentstehung darlege. Und am Ende des Prozesses? Dann wird der Text in einem einfachen Quelltexteditor als HTML-Quelltext kodiert. Einige statistische und Routineangaben werden teils automatisch ergänzt. Ganz zum Schluß erfolgt das Copy & Paste zum Blogbeitrag erstellen. Zum letzten Mal sehe ich mir die Rechtschreibung an, füge ein paar weiche Silbentrennungen ein, ergänze Kategorien und Tags. Meist bin ich gegen 20 Uhr mit allem fertig und plane den Beitrag für die automatische Veröffentlichung um 21 Uhr.

Ihr meint, so zwei bis zu sechs Stunden herumlaborieren an einem Blogbeitrag sei vertane Zeit, ich könnte die auch mit Sinnvollem füllen? Hm. Was für andere Menschen sinnvoll ist, muß es für mich nicht sein. Und: Für mich ist diese Zeit sinnvoll genutzt, verbracht, aus mehreren Gründen.

Ätsch. 😉

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 20.10.2021 waren positiv drei geschriebene Texte, der vollständig abgehakte Einkaufszettel, marinierter Hering am Abend.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Sieben der Kelche (dem Glück zielstrebig entgegengehen).

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2021,292: Grüßaugust?

Er ist alles mögliche, aber das sicher nicht.
Und mir fällt es auf, wenn er nicht da ist.

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Ich kenne ihn. Also: vom Sehen her. Und ich weiß, was er gleich wieder tun wird. Weil er das seit Jahren immer von Donnerstag bis Sonntag macht. Zumindest schon seit 20xx, seit ich bei der Bahn arbeite. Ja, zuerst ist er mir auch nicht aufgefallen. Wer sieht sich schon die Menschen an, die auf den Bahnsteigen stehenbleiben und nicht mit dem Zug mitfahren? Aber so nach einem halben Jahr … Immer, wenn ich hier ankomme, knapp zwanzig Minuten Aufenthalt bis zur Rückfaht habe, sehe ich ihn von Donnerstag bis Sonntag bei mindestens zwei Fahrten auf dem Bahnsteig stehen. Immer in dem Wartehäuschen neben dem Schild für den Abschnitt C. Bei jedem Wetter, bei prallem Sonnenschein, bei klirrendem Frost. Er stand und steht einfach lächelnd – zufrieden und entrückt könnte ich dieses Lächeln nennen – da, nie sah ich ihn sitzen, nein, immer stehend. An immer derselben Stelle. Die, die aussteigen, begrüßt er mit einem Nicken. Wenn wir abfahren, winkt er den Reisenden hinter den Zugfenstern freundlich zu. Und mittlerweile winke ich zurück, wenn ich an ihm vorbeifahre.

Mehr weiß ich kaum von ihm, dem Menschen, der Wildfremde auf einem Bahnsteig grüßt. Als er einmal zwei Wochen lang nicht zu sehen war, fehlte für mich ein wichtiger Teil dieses Bahnhofes. Für mich gehört ein Mensch – der Grüßende Mensch – zu diesem Bahnhof dazu. Warum er fehlte, habe ich überlegt. Aber nach zwei Wochen stand er wieder da. Gekleidet wir immer, mit seiner blauen Bommelmütze. Lächelnd und winkend. Ich glaube, als ich ihm da zurückwinkte, lächelte er besonders herzlich. Was ich von ihm noch weiß oder besser gesagt: vermute, das muß ich hier nicht erwähnen oder preisgeben. Nein, das macht ihn zu keinem anderen Menschen als zu dem, der er ist. Freundlich. Grüßend. Winkend. Nickend. Lächelnd. Und zuverlässig von Donnerstag bis Sonntag immer zu den gleichen Zeiten für mich sichtbar. Für die Kollegen in den anderen Zügen übrigens auch.

Ob es den ankommenden oder abfahrenden Menschen auffallen würde, auffällt, wenn er nicht da ist?

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 19.10.2021 waren positiv um neun Uhr wachzusein, die an mich zurückgegebene Verlängerungsschnur, (wenn ich mich nicht wieder verzählt habe:) der 4000 Beitrag online (hier).
 
Die Tageskarte für morgen ist die Zehn der Schwerter (Hilfe annehmen!).

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2021,291: Zeitreise

Zumindest in bestimmten Bereichen erschien es mir so.

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Für manche Menschen endet eine (überlange?) Woche erst am Montag. Meine am 11. Oktober begonnene endet auch erst heute. Das liegt an dem besonderen Wochenende, das ich nach langer Pause mal wieder im Erzgebirge verbrachte. Sagte ich schon, daß (m)eine Mutter sehr anstrengend sein kann? Noch immer würde es mir viel besser gehen, würde ich alles so machen, wie sie es für mich für gut befindet – das weiß sie ganz genau.

Heute war für mich zum Beispiel Reisetag. Das heißt bei mir, ich esse und trinke vor Antritt der Fahrt nur sehr, sehr wenig bis nichts. Das hat sie schon so oft miterlebt, und doch: Niemand kann mit leerem Magen in einen Zug steigen. Pah! Tu ich das nicht, beginnt meine Verdauung zu rebellieren! Und das ist in den Zügen wirklich nicht notwendig. Ich kenne mich und dieses Problem seit über zwanzig Jahren, von denen ich zehn ohne jeden Kontakt zu meiner Herkunftsfamilie lebte. Ich hatte sogar eine ganze Weile hier in der Stadt Probleme damit, insbesondere wenn ich zu Terminen mußte. Auch das habe ich mit dem Nichtessen vorher in den Griff bekommen. Meine Mutter ist außerdem wirklich schwerhörig. Aber sie hat ganz genau gehört, wann ich in der Nacht dreimal “draußen” war. Nun, die Zeiten stimmten nicht und ich war sogar viermal wach. Aber nein, das kann nicht sein, sie hat mich ja zu den anderen Zeiten und auch nur dreimal gehört – also muß ich das wohl geträumt haben. Und als ich sie von hier nach da fuhr, da gab es zu jedem Fahrmanöver ein “Nein, so macht das niemand!” und wenn ich bei erlaubten 50 km/h Dreißig fuhr, dann hieß es immer: “Fahr nicht so schnell!” Ja, ihr denkt richtig, sie hat keinen Führerschein. Früher, als ich im Auto hinten saß und ihre an meinen Vater gerichteten Kommentare hörte, habe ich nur die Augen verdreht. Heute quasselte sie mich in einer ziemlich aufmerksamkeitsfordernden Situation an und ich fuhr prompt geradeaus, statt abzubiegen. Nicht schlimm, eine Querstraße weiter war das auch noch möglich; aber ich sollte auf der Stelle umkehren! Uff.

Das Verhältnis zwischen ihr und mir möchte sie gerne gestalten wie das zwischen sich selbst und meinem Vater. Der bekam den ganzen Tag angesagt, was er zu tun und zu lassen hatte. Und er hat sich den Anordnungen um des lieben Friedens willen zumeist gefügt. Das werde ich aber nicht (mehr) tun, nein. Der Kontaktabbruch hatte gute Gründe. Jetzt ist die Zeit der Erziehung vorbei. (Aber besuchen werde ich sie und auch meinen Vater auf seiner Demenzstation weiterhin.)

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 18.10.2021 waren positiv der geschaffte 8.30-Uhr-Termin, die wesentlich schneller als geplant gelungene Heimfahrt, ein amüsantes Telefongespräch (jaha – ich fand es anstrengend – und doch amüsant).
 
Die Tageskarte für morgen ist das Ass der Schwerter (Verstand gegen Unwahrheiten und versuchte Manipulationen gebrauchen).

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2021,290: Naßwerden

Der Nutzen moderner Technik kann auch Fluch sein.

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Gäbe es keine Wettervorhersagen, nach denen sich die Mensch­heit heute richten, auf Wetterereignisse vorbereiten könnte: Was dann? Niemand wüßte von einer Vorhersage von wunderpräch­ti­gem Wetter und wäre enttäuscht, wenn es nicht eintritt. Wie lebte es sich denn zu Zeiten, als noch nicht drölfundnölfzig Wetterapps auf dem Smartphone über das bevorstehende Wetter stritten? Ruhiger? Waren Menschen ohne minutengenaue Wettervorher­sage (die nicht möglich ist, ganz nebenbei bemerkt) so viel schlechter dran? Oder reichte ein Blick in den Himmel aus, um aus eigener Erfahrung etwas über die Entwicklung des Wetters in nächster Zeit zu wissen. Damals wußten die Menschen noch, daß der Regen höchstwahrscheinlich besonders heftig wird, wenn er aus einer ganz bestimmten Richtung auf das Dorf zukam. Und war es im Herbst abends sehr klar, dann war eben auch mit niedrigen Temperaturen in der Nacht zu rechnen. Morgennebel hat im Frühling etwas anderes zu bedeuten als in den anderen Jahreszeiten, und an Flüssen und Seen etwas anderes als oben im Mittelgebirge, das wußten die Menschen. Heute reicht die Wetter­vorhersage in den Nachrichtensendungen nicht mehr aus, heute müssen es oft sogar zwei oder mehr Wetter-Apps auf dem Smartphone sein.

Und wenn ich einmal naß werde im und vom Regen, dann ist das eben so. Normalerweise aber habe ich einen Schirm dabei, wenn mit Regen zu rechnen ist (der mir nicht von einer App vorhergesagt werden muß).

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 17.10.2021 waren positiv ein ganzer Mohnzopf zum Frühstück, eine gute Nachricht, etwas Transkription.
 
Die Tageskarte für morgen ist XI – Die Gerechtigkeit (fremdauferlegte Normen u. a. immer wieder hinterfragen).

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2021,289: Achtundzwanzig

Eine wochenendliche Gradzahl aus dem Tal im Walde.

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Sommerwärme war
In greller Mittagssonne
Am murmelnden Bach

Und Forellen sprangen
Munter über die Steine

Ein Tanka.

 

 

An einem Brünnlein saß ich heute, als ich diese Zeilen notierte. Ich saß schon früher dort, vor etwa 50 Jahren zuletzt …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 16.10.2021 waren positiv eine prächtig durchschlafene Nacht, spätes (richtiges) Frühstück, ein Kurzbesuch bei jemandem.
 
Die Tageskarte für morgen ist der Ritter der Stäbe (sofort mit voller Kraft handeln).

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2021,288: Unplanbar

Von Unwägbarkeiten und Unsicherheit.

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All die Unwägbarkeiten, die mir die Zukunft verheißt, führen (doch nur) dazu, daß ich unsicher bleibe. Und damit bleibe ich auch unentschlossen, weiß nicht, was ich wie bewältigen kann und muß. Das menschlichste aller Leben, das ungewisse, nicht planbare (Aber das Leben zu planen ist doch sowieso nie wirklich möglich gewesen?) und immer wieder aus allen Bahnen geworfene Leben macht mir tatsächlich Angst.
 
Aber trotz aller Unsicherheit ist immer Hoffnung.

 

Das stand vor gut zwei Wochen morgens auf dem Zettel, den ich in der Nacht wohl vollkritzelte.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 15.10.2021 war ich zufrieden mit der Fahrt, mit dem Gesundheitszustand des Vaters (vorher klang das schlimmer) und mit dem ruhigen Abend.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Drei der Münzen (mich auch mal auf andere verlassen).

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2021,287: Minutensache

Unter Zeitdruck klappt nur selten irgendwas.

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Mist. Beinahe hätte ich den Blog vergessen. Jetzt hab ich noch eine knappe halbe Stunde Zeit, um etwas Lesenswertes zu verfassen. Heute mag ich aber auch kein Haiku oder ähnlich kurzen Text liefern. Nein. Da sollte schon etwas mehr entstehen. Fünfundzwanzig Minuten also. Nun gut, demnach nicht in die Kladde, sondern direkt in die Tastatur schreiben.

 

 

Auf dem Friedhof habe auch ich Zeit. Zeit, Pflanzen, Tiere und Menschen zu beobachten. Oder auch mal Zeit, ein Nickerchen in der Sonne zu machen. Aber diesmal ist das nicht nötig. Auf der anderen Seite des Gräberfeldes sitzen auf zwei neben­ein­an­derstehenden Bänken zwei Frauen, ja, ältere Frauen. Beide sind bedeckt, dunkel gekleidet. Ihrer beider Männer liegen schon hier, seit Jahren. Und vor zwei Jahren mußte eine von beiden auch einen Sohn bestatten lassen, weil ein LKW zu schnell unterwegs war und die Kurve nicht ganz schaffte. Dessen Fahrer überlebte schwer verletzt, für ihren Sohn aber kam jede Hilfe zu spät.

Zwei Frauen sitzen sichtlich trauernd auf zwei Bänken auf dem Friedhof. Die eine sitzt nach vorn gebeugt, macht sich klein und hat die Hände im Schoß liegen. Wenn ich es aus der Ferne richtig erkenne, hält sie einen Rosenkranz. Ab und zu greift sie eine Perle weiter. Die andere Frau rechts daneben sitzt ganz anders da. Angelehnt, die Beine lang ausgestreckt, das Gesicht zum Himmel erhoben. Ihre Arme liegen auf der Banklehne, die Handflächen zeigen nach oben. Zwei völlig unterscheidliche Haltungen in der Trauer.

Es ist still auf dem Friedhof. Friedlich. Nur Vögel und Insekten sind zu hören. Würde es lauter sein, wenn wir die Gedanken der Besucher hören könnten? Oder schweigen die im Angesicht der Trauer, zwischen den Gräbern?

 

 

Noch acht Minuten. Unter Zeitdruck gelingt mir fast nie ein für mich akzeptabler Text. Mit dem da oben bin ich zufrieden. Jetzt alles auswählen. Kopieren. Beitrag im Netz fertigmachen.

 

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Der Emil

 

P.S.: Am 14.10.2021 waren positiv etwas Sortiertes und Weggeräumtes, entsorgtes Glas und Altpapier, schnelles und leckeres Abendessen.
 
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