Welche Erinnerungen mit diesem verschwindenden Wort einhergehen.
Das waren damals aber auch noch Zeiten! Als ihr Neffe noch im Garten zwischen den sorgsam gepflegten Beeten herumtollte. Und immer, wenn der Rotzlöffel in eines der Beete hineintrat, rief sie ihn zu sich und schimpfte mit ihm. Das waren noch Zeiten …
Aber das waren nur wenige Jahre. Irgendwann wurde er zu dem jungen Mann, der ihm bei der Gartenarbeit zunächst zur Hand ging und sie schließlich für einige Zeit ganz übernahm. Oh doch, Tante Erdmute war sehr zufrieden mit seiner Arbeit! Aber irgendwann zog er weiter weg, konnte sich deshalb nicht mehr so intensiv um die Beete kümmern, wie es notwendig gewesen wäre. Und jetzt, jetzt kommt er ab und zu, einmal im Monat oder auch nur alle acht Wochen vorbei, manchmal sogar über Nacht. Und obwohl er mittlerweile ein Erwachsener in seinen besten Jahren ist, sieht sie in ihm immernoch diesen fröhlichen Jungen, der beim ausgelassenen Spielen mal einen Tritt daneben tat. Den, den sie, wie sie heute denkt, damals zu Unrecht einen Rotzlöffel nannte.
Und wenn Tante Edmute es recht bedenkt, so ist es nicht schade um das Wort Rotzlöffel, das aus dem modernen Sprachgebrauch wohl ganz verschwunden ist. Doch wenn sie daran denkt, daß er am nächsten Wochenende wieder zu Besuch sein wird … Sie sieht in ihrem Neffen immer wieder diesen kleinen, fröhlichen, im Moment lebenden Jungen. Da ähnelte er auch ihr, die sie als kleines Mädchen manchmal heimlich und absichtlich durch die Beete stakste und das als großartige Freiheit empfand.
Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Einige Bücher nahm ich aus dem Regal und legte sie in die Tasche mit den wegzubringenden.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
P.S.: Zufrieden machten mich am 19.10.2026 schnelle Linsensuppe am Mittag, der Nachmittagstermin, vier Bilder in einem Lost Place.
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(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


