070.2026: Auf auf!

Über die Kunst, mir selbst den notwendigen Arschtritt zu verpassen.

 

Den getellten Wecker habe ich heute früh nicht gehört: Ich war vorher wach. Gut, nach achteinhalb Stunden Schlaf (nicht ununterbrochen). Und doch machte es mich dezent grummelig.

Mein Plan war es, 10 Uhr loszufahren. Geht nur nicht, weil mir noch etwas gebracht werden muß; und das soll 11 Uhr geschehen. Ich liebe es, wenn ich meine Pläne wegen anderer Leute … Egal. Ich werde … Nicht umsonst reise ich nicht erst morgens am ersten Makrttag an, sondern schon heute, am Tag zuvor. Dann kann ich alles in Ruhe aufbauen, einsortieren, einrichten. Wir haben Zeit, miteinander zu schwatzen, uns zu begrüßen und zu umarmen. Ich habe Zeit anzukommen.

Bis es dann Zeit zum Starten ist, geh ich nochmal in die Badewanne, bringe die eine Kiste mit Vorräten und Ausrüstung ins Fliewatüüt, packe das, was noch mitmuß, in den Rucksack. Erledige nachher noch den Abwasch. Als letztes vorm losgehen fahre ich den Rechner herunter. Ich würde ihn gern mitnehmen, aber auf den Märkten habe ich nur Strom aus Powerbank und Batterie. Telefon und Tablet (mit Tastatur) müssen wie schon seit Jahren reichen.

Dieser Text hier, der ist übrigens der mir von mir verpaßte Arschtritt. Nach seiner Veröffentlichung habe ich noch etwa zwei Stunden, um das noch Notwendige zu erledigen. Ich tauch dann mal ab.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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069.2026: Überwunden

Trotz meiner Startschwierigkeiten läuft der Tag ganz gut.

 

Am Wochenende bin ich zum ersten Mal für dieses Jahr wieder der Marktmönch Bruder Emil. Ja, mit der deutschen Handschrift (Kurrent! Kurrent! Sütterlin gab es nur etwa 20 Jahre, Kurrent mehrere hundert Jahre!) werde ich wieder dasitzen, Späße machen, Schreibgeräte anfertigen (Holunderästchen) und über große Irrtümer der Geschichte erzählen.

Weil mein Tag nicht besonders gut startete, hatte ich wenig Hoffnung auf einen guten Verlauf. Doch es wurde besser. Den Rest meines Krempels habe ich eingepackt und schon ins Fliewatüüt gebracht. Nur noch mein Rucksack will befüllt und mit hinuntergenommen werden. Das schaffe ich morgen ganz sicher. Was auffällt: Mittlerweile schleppe ich mehr Eigenes auf die Märkte; das Zelt, ein Tisch und eine Biertischgarnitur sind weniger Gewicht und Volumen. Im Fliewatüüt sieht es sehr übersichtlich aus.

Ich nehme ein paar Seiten mit, die in Kurrent geschrieben wurden. Ich werde versuchen, die zu übertragen, in heute lesbare Schrift zu wandeln. Und: Endlich wieder normale Bekloppte treffen … Die Schwierigkeiten des Tagesbeginns sind überwunden.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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068.2026: Nöhlend

Wenn ein Tag nicht wirklich zu beginnen scheint.

 

Schlecht geschlafen hab ich sowieso, war viel zu oft wach. Ab Fünf etwa dämmerte ich nur noch vor mich hin, mit sonderbaren (luziden) Träumen. In einem zogen mich, der ich auf einem Handwagen saß, einige Nutrias über eine Straße mit ziemlich dichtem Verkehr: Nach jedem Unfall startete das Wagnis erneut, mit immer anderen Fahrzeugen auf der Straße. Halb Acht schaltete ich meine Kaffeemaschine ein. Kurz nach Neun holte ich ihn mir an den Tisch, da war ich grad aus einem Tiefschlaf erwacht.

Watte im Kopf oder sehr, sehr dichter Nebel. Es brauchte einige Zeit, mich zu sor­tie­ren. Aber wenn ich sonst mindestens zwei Stunden brauche, um zu einem Gefühl des Alltagslebens zu kommen, dauerte es heute nur wenige Minuten. Grund: Ein Fernge­spräch (Kennt ihr das Wort noch, nutzt ihr es noch?), ein sehr erwünschtes. Aber nach dem zog sich mein Geist wieder zurück für eine Stunde.

Ich laß ihm die Ruhe, die er braucht. Hab nur schnell notiert, was mir auffiel. Werde jetzt wieder zurücksinken in den Nebel und mir die notwendige Zeit gewähren …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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067.2026: Ach so

Einmal mehr Gedankenspielerei.

 

 

Wer sich, mehr oder weniger gewollt, mit seiner / ihrer Vergangenheit beschäftigt, muß auch akzeptieren, daß gemachte Fehler nicht auszulöschen sind. Die Erfolge aber, die sind leicht in die Bedeutungslosigkeit zu verdrängen.

 

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.


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066.2026: Reimspielerei

Das fiel beim Lesen und Kritzeln nebenbei aufs Papier.

 

Manchmal kann ich nicht so ganz ernsthaft und tiefsinnig sein. Und als ich in einem Buch von einem überraschenden Regenguß las, produzierte mein Hirn mitten in der Nacht dieses Reimspiel:

 

 

Es dämmert draußen vor dem Haus.
Ein Wind faucht: „Trau dich endlich raus!”
Kaum stehe ich am Straßenrand
und bin vom Wolkenspiel gebannt,
da fällt herab ein Regenwasser –
und ich bin wach und deutlich nasser
als ich mir wünsche grad zu sein.
 
Das ist nicht fein.

 

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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065.2026: Belohnung

Aber womit? Über die Schwierigkeit, etwas Passendes zu finden.

 

Bei manchem, das ich so erledigen muß/will, gibt es solche Fortschrittsmarken. Also wenn wieder ein Heft durchgeblättert, gescannt und zerrissen ist, wenn ein Stück vom Nähhaufen fertiggeworden ist. Und ehe ich das nächste zur Hand nehme, würde ich mich gern belohnen. Allerdings nicht mit einer Zigarette oder etwas Süßem – irgendetwas anderes wäre aber schön.

Allein: Da schlägt meine Ideenlosigkeit wieder zu. Denn es sollte nicht ungesund sein, nicht lange dauern (um den Arbeitsfluß nicht zu lang zu unterbrechen) und … Tja, was noch? Ich probierte es vorhin damit, nach jeder Fortschrittsmarke zwei Seiten des gerade angefangenen Buches zu lesen. Ja, das könnte ein Belohnung sein, wenn es nicht gleichzeitig eine Strafe wäre, nach nur zwei Seiten wieder aufzuhören!

Deshalb suchte ich gerade etwa 30 Minuten nach Anregungen für diese Belohnung, las hier und da über von mir schon verworfene oder mir als unpraktikabel erschei­nende Methoden. Puh. Ich kenne vieles, das mich erfreut, zufrieden macht, anspornt; aber nichts davon geht so schnell, wie ich es mir für diesen bestimmten Zweck vorstelle. Womit also …

Noch immer bin ich weit davon entfernt, etwas Passendes gefunden zu haben. Ich wechsele die Tätigkeit und erledige erstmal den Abwasch.

 

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Der Emil


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064.2026: Am Abend

Der Klang ist so charakteristisch: Das große Orchestrion.

 

Draußen wird es dunkel, der Sonntag geht seinem Ende entgegen. Wie jeden Abend sitze ich da und überlege, was ich heute alles „geschafft” habe. Aufstehen, Schreiben, etwas Scannen, zwei Stunden anwesend sein beim Vereinstraining – bei dem ich nichts zu trainieren habe, aber Informationen bekomme und loswerde.

Einmal mehr wundere ich mich darüber, daß die Zeit auch beim scheinbaren Nichts­tun so schnell verrann und verrinnt. Dabei bin ich mir sicher, heute nicht getrödelt oder Zeit verträumt zu haben. Und doch scheint einiges davon vergangen zu sein, ohne daß ich (bewußte) Erinnerungen daran habe. Deswegen werde ich dennoch nicht anfangen, mir alles akribisch aufzschreiben, aufzulisten. Wobei sollte mir das helfen können? Eben, bei nichts, das wirklich von Bedeutung ist.

Daran bleibe ich hängen: was wirklich von Bedeutung ist. Ich versuche, mir dazu Notizen zu machen. Aber wie kann ich all die Dinge beschreiben, die mir in den Kopf kommen. Und zählt „Blowjob” tatsächlich dazu oder „Klopapier”? (Entschuldigung, aber das waren die ersten beiden notierten Begriffe.) Ich bin weder mit der Frage noch mit irgendeiner Art von Notizen als Antwort darauf fertig und werde beides mit in den Schlaf nehmen, denke ich.

Die schweren Brocken fallen mir zumeist abends zu. Und es dauert dann länger, einschlafen zu können, weil das Karussell im Kopf sich mit lauter, nach übergroßem Orchestrion klingender Rummelmusik noch dreht. Nachher schick ich den, der mit seinem Hund in der Nacht auf dem Rummelplatz Wache hält, zum Hauptschalter; der kümmert sich hoffentlich darum.

 

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Der Emil


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063.2026: Unbegreiflich

Es betrifft mich nicht, ich denke trotzdem drüber nach.

 

Kurz nach dem Aufstehen daran gedacht: Heute ist Frauentag. Der war wichtig in meinem Heimatland – vom Muttertag wußte kaum jemand etwas. (Oder hatte der ein Nazi-Geschmäckle und wurde deswegen „vergessen”?) Der Frauentag war so wichtig wie der Lehrertag, der 1. Mai und der 7. Oktober. Na, das liegt mittlerweile Jahrzehnte zurück. Aber das, was wir Kinder gelernt haben zu diesem Tag, das haben nur wenige von uns vergessen, nicht wahr?

Daß einmal wieder für ganz normale Rechte der Frauen gekämpft werden muß (ich weiß, ich wollte mich für sieben Wochen solcher Vokabeln enthalten), war für mich unvorstellbar, ist mir unbegreiflich. Vor allem: Jetzt wird für die oft längst überfällige Umsetzung geltenden Rechts gestritten, was einfach absurd ist – und zwar in allen Lebensbereichen und Rechtsgebieten (UN-BRK, SGB II, Mietrecht usw.).

Kopfschüttelnd trank ich meinen Kaffee und dachte daran, daß auch dort damals nicht alles gut und richtig war; aber wenn ich mit Frauen rede, die das erlebten, dann gefiel ihnen einiges am Recht besser als heute.

 

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Der Emil


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062.2026: Ich saß auf einem Steine

… und hatte echt nichts mit Walther von der Vogelweide zu tun.

 

Ich war heute zweimal in der Stadt unterwegs. Beim ersten Mal mußte ich einen Einkauf erledigen. Beim zweiten Mal war ich nur unterwegs. Und dann saß ich auf einem Stein. Da saß ich, saß einfach nur in der Gegend herum und schien mich zu langweilen. Aber nein, ganz im Gegenteil: Ich genoß die Muße, bis die Muse mich zu küssen versuchte. Sehr oft geschieht das sowieso nicht, auf den Musenkuß warte ich oft vergeblich. Aber wenn es passiert, dann glaube ich einen Satz zu hören, dann huscht nach einiger Zeit etwas schnell und unscharf im Augenwinkel durch mein Blickfeld. Und wie intensiv und wie lange ich auch nach einem vermeintlichen Tier Ausschau halte – am Ende war es eine Ahnung, ein Phantom, eine der ungeweinten Tränen.

Heute war die Eingebung in dem Augenblick verschwunden, da ich – endlich – die Kladde aus dem Rucksack hatte. Nicht schlimm, dachte ich, hatte ich doch eine Weile all den Ärger der Weltlage vergessen. Und außerdem: Die Zeit zum Herumsitzen nehme ich mir gern.

 

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Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 07.03.2026 das gekaufte Gerät, die acht weggebrachten Bücher, die verdöste Zeit draußen.


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061.2026: Denkweise

Ein paar zaghaft und unsauber formulierten Gedanken dazu.

 

Ich bin mir sicher, daß ich in der Schule auch das Denken lernte. Jedenfalls die Art und Weise des Denkens, welches Bildung und Neugier und Phantasie und Utopie unbedingt brauchen. „Wissenschaftlich” mag ich es nicht nennen, aber vielleicht rational-logisch? Jedenfalls gehörten dazu auch das Finden von Fakten, die Prüfung von Behauptungen, das Erkennen von Unrichtigem. Und es war die Art und Weise des Denkens, das Denken, das ich selbst tun konnte und mußte. Ja, ich glaube, das habe ich in der Schule gelernt.

Mir half diese Fähigkeit auch über die drei Jahre Wehrdienst bei der NVA hinweg. Über die Zeit, in der selbst zu denken nicht überall gern gesehen war. Mitdenken im Dienst war dennoch gefragt, notwendig sogar, denn es machte hin und wieder einiges leichter, gar überflüssig, jedenfalls weniger zwanghaft. Natürlich hatten wir damals ein anderes Denkgebäude, in dem wir uns bewegten; und es sah von außen betrachtet oft anders aus als es war, denn „schöne” Fassaden konnten wir schaffen, Fassaden, die vor all dem standen und vieles von dem schützten, was wir so dachten.

Denken lernen. Nein, ein Schulfach gab es dafür nicht. Die Schulen im Land waren ja polytechnisch (stark naturwissenschaftlich-technisch ausgerichtet) und sollten zur Bildung von „allseitig und harmonisch entwickelten sozialistischen Persönlichkeiten”, später (also zu meiner Zeit) zu der von „vollwertigen Mitgliedern der sozialistischen Gesellschaft” beitragen. Ich denke noch immer, wir bekamen ein durchaus solides Grundwissen, eine recht gute Allgemeinbildung vermittelt – abseits aller politischen „Indoktrination”. Viele Lehrer schafften es, den Schülern auch Grundlagen des (nicht nur marxistischen) Humanismus' zu ver­mit­teln. Dafür bin ich ihnen dankbar (selbst einem StaBü-Lehrer, der schonungslos ehrlich war).

Das prägt mich bis heute. Ich hinterfrage, wo andere (Resigniert? Desillusioniert? Uninteressiert? Überdrüssig?) nur folgen oder abwinken. Eine große Wirkung auf das Hier und Jetzt habe ich damit nicht, Vorteile kann ich mir dadurch auch nicht erschleichen. Vielleicht macht mir diese Art und Weise zu denken mein Leben auch schwerer als notwendig? Ich weiß es nicht. Aber, so mühevoll es auch sein sollte, so interessant ist es auch für mich. Ich bleibe also dabei …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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