107.2026: Moralisch verwerflich

Unanständig sehnsüchtige Träume, die aufwühlen.

 

 

So aufzuwachen, so schlagartig aus einem Traum zu fallen, und dann so verwirrt sein. Wieso nur waren solche Szenen nie in ihren Jugend­träumen vorgekommen? Was soll sie jetzt tun gegen ihre, für ihre Lust … Tante Erdmute bleibt ein paar Minuten auf dem Bett sitzen. Noch spürt und sieht sie die Frau aus ihrem Traum. Ja, eine Frau! Aber das geht doch nicht, das ist unmoralisch und widerlich – aber zumindest fühlte es sich wundervoll an. Nun, im Alter gönnt sie sich ja doch ein paar mehr Freiheiten, Freizügigkeiten als früher. Zum Beispiel die nackten Spaziergänge morgens im Garten. Oder auch den zweiten Mann ihres Lebens, der sie mittlerweile besser und lustvoller kennt als der erste. Denn ihm und auch sich selbst gestattet sie viel mehr Erotik als ihrem Ehegatten. Selbst im ehe­li­chen Schlafzimmer ging es immer gesittet zu, hielt sie sich immer zurück. Ja, die Moral. Die machte sie immer steif und unglücklich, und sie schämte sich jedes Mal. Aber er, er war über so viele Jahre geschlechtslos in ihren Augen. Als er vor Jahrzehnten in ihren Dienst trat, in den ihren und den ihres Gatten, durfte er von Anfang an etwas, was sie dem Ehemann nie erlaubte: Er bediente und umsorgte sie auch, wenn sie sich ein Wannenbad gönnte. Vor ihm schämte sie sich nicht ein einziges Mal für ihre Nacktheit. Ach, in wenigen Minuten wird er ja zu ihr kommen.

Aber der Traum … Ein Liebesspiel mit einer jüngeren Frau … Wie viele Gelegen­heiten hatte sie wohl verpaßt? Und was alles hat sie verpaßt? Tante Erdmute hat keinerlei Vorstellung davon. Sie weiß ja auch nicht viel über das, was dabei in einem Mann vorgeht, denn darüber sprach sie bisher nur mit einem einzigen Mann. Und auch nur dieser weiß oder ahnt vielleicht auch nur, was er in ihr auslöst, an und in ihrem Körper und in ihrem Kopf. Warum sprechen viele Menschen nicht über so wichtige Dinge miteinander? Ja, die Moral. Und die daraus sich ergebende Scham. Der sogenannte Anstand führte zu so vielen Jahren des Schämens, des Versteckens, des Verbergens; und es waren so viele Dinge, die sie sich deswegen untersagte, verbot. Jetzt aber, jetzt kann sie über diese Hürde springen.

Sie hat sich gerade aufreizend zurück aufs Bett gelegt, als er die Tür öffnet. Sie wird ihm gleich hinterher von ihrem Traum erzählen. Und auch darauf freut sich Tante Erdmute.

 

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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106.2026: Ein erstes Mal

Ja, wirklich, das gibt es auch mit knapp 63 Jahren noch.

 

Es war wirklich das erste Mal in meinem Leben. Heute, an einem Sonntag, war ich in einer Bäckerei – gut, in einer Filiale einer Bäckereikette. Ich fuhr extra hin. Brot und Brötchen brauchte ich nicht, davon habe ich zur Zeit sogar mehr als genug: Was ich gestern zu erwähnen vergaß, war die Unmenge davon in einem Fairteiler, bei der ich zugriff. Doch ich möchte morgen früh nicht nur einen Keks essen, sondern etwas anderes. Ich wußte, daß ich morgen schlechte Laune haben würde, wenn ich meinen Gelüsten nicht heute bereits nachgegeben hätte. Also holte ich mir nach dem Training der Ritterschaft ein Croissant und ein Stück Streuselkuchen. Noch nie vorher war ich sonntags beim Bäcker.

Leider – Leider! – hat der zu leckere Streuselkuchen den Heimweg nicht überstanden. Hoffent­lich wird mir der morgen früh nicht zu sehr fehlen.

Heute habe ich nochmal Zettel gescannt, aber es ist kein Fortschritt zu erkennen. Die Haufen sind noch immer zu hoch, die Kisten noch immer voll. Meine Güte. FairScan produziert ausschließlich PDF, ist also keine Option – wie auch die Handykamera keine Option ist oder ein anderer Fotoapparat. Denn vieles lagert(e) bei mir gefaltet und ist deshalb auf dem Scanner besser flachzukriegen. Und wieder brauchte ich etwa anderthalb Minuten für zwei Scans. Wenn das so weitergeht, werde ich Arbeit für noch einige Jahre damit haben. (Und wenn ich dann tot bin, wird sich niemand dafür interessieren. Tja. Muß mir irgendwann mal überlegen, was mit meinen Festplatten, Sticks und all dem anderen Zeug werden soll.)

So sieht also mein Alltag aus, ein Sonntag ist nicht wirklich anders als andere Tage. (Dank unseres Bahnhofs hätte ich auch zu einem Discounter gehen können.)

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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105.2026: Sonnabendlicher Alltag

Es passierte heute tatsächlich kaum etwas; und ich bin's zufrieden.

 

Im Traum suchte ich immer wieder nach meinem Dritthandy und fand es an den unmöglichsten Stellen wieder. Dann mußte ich mit einem Oberstleutnant (einer, den ich kannte) verschiedene Apps installieren und testen. Ständig störte mein Vater die wichtige Arbeit mit irgendwelchem Schnickschnack, der für ihn wichtig war. Ich hatte ein sehr schlechtes Gewissen, weil ich weder ihm richtig helfen noch den Auftrag vernünftig abschließen konnte.

Mit diesem Gefühl von schlechtem Gewissen wurde ich wach. Nach und nach verging es, war ganz weg, als ich mich an den zweiten Rechner setzte, den ich zum Scannen nutze. In zwei Stunden schaffte ich nur 48 zweiseitige Zettel (für einen Scan brauchte ich also knapp anderthalb Minuten). Hm, ob ich mal versuche, die Scan-App im Telefon zu nutzen (FairScan)? Davor schaue ich mir mal die erzielten Auflösungen und die Dateiformate an (ich bevorzuge unkomprimierte TIF), aber nicht mehr heute und auch nicht morgen.

Dann mußte ich doch nochmal einkaufen, weil das Brot schimmlig war und ich unbe­dingt süß-saure Soße haben wollte und Wattestäbchen. Danach packte ich meine Kamera ein und machte mich auf den Weg in die Stadt. Abermals fand ich in zwei Stunden nichts, das ich wirklich ablichten wollte. Vielleicht war ich mit meinem Kopf auch zu wenig beteiligt an allem, was außen stattfand: Ich träumte vor mich hin, einfach so. Schlenderte ziellos vom Rannischen Platz über den Steg zum Hallmarkt (ich weiß, daß es an diesem Weg mit Sicherheit Fotomotive gibt, ich weiß es – aber ich sah heute kein einziges davon). Am Marktplatz packte ich sechs Bücher in das Öffentliche Bücherregal, saß noch eine Weile da und beobachtete Menschen, Hunde und Tauben. Und den Dudelsackspieler, der nicht zu überhören war.

Mittlerweile habe ich mich an meine Heißluftfritteuse gewöhnt. Dennoch werd ich noch eine ganze Weile damit herumprobieren müssen. Backofenpommes werden besser als normale, Putenbrust gelingt auch recht einfach. Den Lachs mußte ich noch etwas nachgaren. Heute war es Backfisch, und der gelang auf Anhieb. Morgen mach ich mir dann Hühnchennuggets (dafür die süß-saure Soße). Nach dem Abendessen schrieb ich diesen Text hier; und aus heute morgen notierten Stich­worten formte ich ein paar Sätze, die noch keine komplette Geschichte wurden.

Alltagserleben an einem Sonnabend. Unspektakulär. Und ich bin zufrieden mit mir, auch wenn es nicht zu einem einzigen Foto kam.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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104.2026: Einfach so

Normalerweise spricht er nicht über Sexuelles.

 

 

Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Und leider stellt man das immer erst fest, wenn man schon angefangen hat – oder verwirk­licht hat, was man sich so völlig wunderschön vorstellte … Mein Bekannter wirkte ziemlich niedergedrückt und verunsichert, als er zu sprechen begann.

Denn diesmal war das Ganze etwas … heikel, schlüpfrig sogar. Er hatte seine Freundin – eine sexuell sehr aufgeschlossene Person, eine, die sozusagen die Erfüllung seiner Träume war – zu ihrem Geburtstag überraschen wollen. Nun ja, und so kaufte er ihr einen sehr großen Dildo. Einen wirklich großen. (Sie hatte einmal kurz erwähnt, daß sie so ein Ding gern mal probieren würde.) Er war ja selbst neugierig, ob „das” passen könnte. Also ja, es paßte. Ihr sogar noch besser als ihm. Denn seit ihrem Geburtstag kam er selbst sich deshalb ziemlich klein vor. Bis vor drei Tagen, als sie zu ihm in die Zwei-Zimmer-Wohnung zog, bemitleidete er sich selbst. Seither hat er kaum noch eine Viertelstunde Zeit für sich allein.

Das jedoch ist eine ganz andere Geschichte, meint er. Trinkt sein Bier aus und geht nach Hause. Schweren Herzens. Zu ihr. Als mein Bier dann auch leer ist, geh ich die paar Schritte bis zu meiner Wohnung, in der nur mein leeres Bett und der Computer auf mich warten.

 

 

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Der Emil


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103.2026: Mal wieder Dada

Gestern am frühen Abend ritt mich der Reimegaul.

 

Das passiert mir hin und wieder: Plötzlich „leiert” ein Büttenredenrhytmus in meinem Kopf. Und dann entstehen solche Machwerke:

 

 
Einhorndrama
 

Ein Einhorn lief im dunklen Wald
vor einen Baum, 'nen großen.
Es hatte Kopfweh – und sehr bald
schon wurde es erschoßen.

Da lag es, tot und atemlos,
die ganze Nacht hindurch.
Der Schütze blieb nicht namenlos:
Es war ein blöder Lurch …

 

— — — — — — — — — — —

 
Buchstabensalat
 

Gennt de Wemmse oblimant,
nobleros getechtet,
Hadi hempfe nudigant
galasan entfechtet.
Hodi mido umbewerk!
Tassi wehm erdeutent!
Ohna Kumpe weberserk
helti nopf gesleutent.

 

 

Es ist wohl beides Dada, das eine nur ein wenig verständlicher als das andere. Ich möchte die beiden „Glanzstücke” allerdings nicht nur im Fediverse lassen – und deshalb erscheinen sie nun auch hier. Tut mir leid, daß das jetzt irgendwie nur eine Wiederholung ist.

 

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102.2026: Eigentlich egal

Ein spätes Geständnis kann die Vergangenheit nicht ändern.

 

 

„Nur selten hat sich mein Ärger” sie seufzt vernehmbar, „gegen die tat­säch­lichen Ursachen meines Leidens oder der von mir wahr­ge­nommenen Ungerechtigkeiten gerichtet. Stattdessen suchte ich nach einem Sündenbock und nach einfachen Lösungen. Ich wollte mir nicht die Mühe machen, die Umstände und mich selbst zu erforschen. Immer habe ich alle Schuld für meine eigenen Dumm­heiten und meine Fehltritte auf etwas Äußeres geschoben, sie nie in mir gesucht.” Sie seufzt wieder und stellt das Bild ihres längst verstorbenen Mannes zurück auf den kleinen Tisch neben dem Fenster. Tante Erdmute bedauert heute, über all das niemals mit dem gesprochen zu haben, der unter ihren Launen leiden mußte – heute wäre ihr die dahinter verborgene eigene Scham eigentlich egal. Denn sie vermeidet die ihr unangenehmen Gespräche nicht mehr, wenn ihr dienstbarer Geist sie auf ihr längst überwunden geglaubtes Verhalten hinweist.

 

 

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101.2026: Vor den Träumen

So manche können sich tatsächlich erfüllen.

 

Und ehe ich mich meinen Träumen zuwende, von denen ich bereits weiß, womit sie mich überraschen werden, habe ich noch einen Gedanken, den ich loswerden will. Obwohl: Darf ich soetwas hier öffentlich kundtun, wenigstens andeuten?

Grad ist es mir scheißegal, ob ich darf oder nicht.

Es geht, so weit kann ich konkret sein, um meinen Montagstermin. Auf den freue ich mich sehr, denn ich weiß: Der wird wundervoll, schön, befriedigend und herzwär­mend. Vorfreude wird zwar als schönste Freude bezeichnet und gefeiert, aber die Freude des Erlebens ist schöner, inniger, nachklingender als die davor je sein kann. Ja, die Träume werden sich um das drehen, was morgen geschieht. Und dann …

Keine meiner Hochzeiten und Hochzeitsnächte war so schön, wie meine Montage mittlerweile sind. Und ja, ich hoffe darauf, daß auch der Rest der Woche und die Wochenenden genau so werden, wie die Montage jetzt sind. Vielleicht noch ein paar Jahre so leben zu können, zu dürfen, das wäre es doch … Und mit all diesen Andeutungen und Unklarheiten lasse ich euch jetzt allein, denn: Ich geh träumen.

 

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100.2026: Drauflos

Und zwar wirklich einfach so, ohne Bedenken, ohne Idee.

 

Es liegt alles bereit: Papier, Tinte, Feder. Und dann sitze ich da und mir fällt nichts ein. Also versuche ich es damit, einfach draufloszuschreiben. Ohne roten Faden, ohne die Idee, ohne etwas, das ich ausformulieren möchte. Egal. Ich schrieb dann wirklich einfach los. Auf Zettel, nicht in eine meiner Kladden. So mache ich das öfter, wenn ich kein Ergebnis erwarte, sondern ahne, daß ich das Aufgeschriebene nicht verwenden, sondern zerreißen werde.

Heute war es genau so. Ich saß 45 Minuten da, schrieb in knapp 40 Minuten drei Seiten voll. Unzusammenhängendes Durcheinander. Ich sprang von Tante Erdmute zu Peterchen, notierte einige Sätze über Geschlechtsteile und ihre Nutzung, ich versuchte mich an einem Haiku (in dem ein Wort gleich dreimal vorkam). Es gab auf dem Papier nur zwei durchgestrichene Wörter, die Buchstabendreher enthielten (weider und Aufsall). Dann meldete sich mein Kurzzeitwecker (kennt ihr das Wort und das Ding noch?) und ich hörte auf. Mit dem Schreiben. Machte eine Pause, einen Cappucino (aus Pulver, mit Spekulatiusgeschmack).

Danach scannte ich einige Zettel ein, 28, um genau zu sein. Und danach sah ich mir das Aufgeschriebene an. Las, was ich da auf das Papier gestammelt hatte, und schüttelte mit dem Kopf. Sicher, da standen Sätze, die ich vielleicht hätte irgendwann, unter sehr günstigen Umständen hätte ausbauen, verwenden können. Aber … Dann nahm ich die drei Zettel und schob sie in den Reißwolf. Drauflosschreiben bringt bei mir nur selten etwas, wenn da nicht schon Ideen vorhanden sind. Ja, das geht nur selten gut aus, endet meist so wie heute. Mit Papierschnipseln.

Und nun habe ich einmal mehr … Nein, das war nicht umsonst. Das war nicht ergebnislos, nicht sinnlos oder überflüssig. Es war notwendig zu schreiben. Die Hand zu trainieren. Das Zittern auszuhalten, das mir seit einiger Zeit beim Schreiben Schwierigkeiten bereitet, und das sich im Laufe der Zeit verringerte, am Ende verschwunden war. Also: Mehr schreiben, viel mehr. Und wenn es nicht anders möglich ist, dann eben einfach drauflos.

 

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099.2026: Mein Heute

Ich wollte elektrische Autos fahren und nach meinen Bedürfnissen leben.

 

Meine Zukunft, die ich erwartete und erhoffte in einer gewissen naiven Reife, wurde zu Vergangenem, Vergessenem, Verstecktem, Verschwiegenem, zur Fiktion, noch ehe ich sie leben konnte.

Was nun ist, wie bewerte ich mein Heute? Vielleicht lasse ich das Bewerten besser sein und genieße mein Heute, wie es mir möglich ist …

 

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098.2026: Ungezählt

Was mich beim Warten und Suchen bewegt und ereilt.

 

 

Ungezähmter Sturm
Eingeschlossen in Träumen
Spiralen ins Nichts

Mit geschlossenen Augen
Tanz des fallenden Blattes

Ein Tanka.

 

 

Ich hab sie nicht gezählt, die Versuche, einen Text für dieses Blog zu schreiben. In den letzten Tagen kamen wieder viele dazu: einige Versuche, die ich nach drei Sätzen abbrach, und einige, die ich beim Abtippen dann für … naja, mit diesem Neeee-So-geht-das-nicht-Blick betrachtete und nicht veröffentlichte.

Uff. Das muß ich mir jetzt genauer ansehen.

Im Moment bin ich mit meinem Leben ganz zufrieden, es geht mir sogar gut mit vielem, was hier passiert. Ich komme mir nicht so zerfasert vor wie so oft schon, bin recht sicher auf das Schöne fokussiert, das abseits vom Netz passiert. Tatsächlich. Und doch schaffe ich es nicht, über den Fokus zu schreiben und über das, was ihn bringt, über das, worauf er liegt. Jedenfalls nicht in irgendeinem Blog. Da scheint etwas noch reifen zu müssen … Aber ich bin doch nicht der, der wie bei einem Roman erst alles planen und konstruieren muß, ehe ich es aufschreiben kann? Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, daß mich das trotz meiner allgemeinen Zufriedenheit unzufrieden macht.

Und so warte ich. Warte auf die Idee zu einer Geschichte, die ich herzeigen muß und kann. Warte darauf, daß aus der Idee Worte werden, die sich zu einem Ganzen fügen. Zu einem Ganzen, das nicht banal bleibt. Bis das geschieht, schreibe ich weiter ungezählte Worte auf Papier, mit Stahlfeder und Tinte. Die Füllfederhalter im Glas schauen zu, aber zur Zeit habe ich fast keine Verwendung für sie. Sollte ich mich zwingen, den einen oder anderen von ihnen zur Hand zu nehmen und damit die herausfließenden Gedanken dauerhaft sichtbar zu machen? Vielleicht heute am Abend? Oder unterwegs, in Bus und Bahn und Funkenkutsche, wo dann doch immer ein Füllfederhalter für das Verfertigen von Notizen genutzt wird …

Ich warte. Ich warte wie die Schlange, vor der das Kaninchen sitzt, auf den nächsten Schritt, auf die nächste Störung des Gleichgewichtes, der Routinen, der Gewohn­hei­ten, auf das Erwachen aus einer Erstarrung oder Erschlaffung, auf das – erneute? – Durchbrechen der alltäglichen Realitäten und Ängste. Ich warte nicht untätig, nur ist nirgends zu sehen, was ich unternehme und anstelle, welche Verrenkungen ich mir abfordere, um den Zustand zu verändern. So bleiben auch die Versuche, die Anläufe, die Abbrüche und das „Scheitern” ungezählt.

Ein heftiges Kuddelmuddel, ein wirres Durcheinander, ein Chaos, ein Tohuwabohu. Bei manchen ist es Wohn- und Lebensstil, doch im Moment habe ich eine tiefe Sehnsucht nach geordneteren Verhältnissen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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