241.2026: Sonderbar

Am Wegesrand auf einer Wiese mitten im Wohngebiet.

 

Da saß ein Tier. Es äugte so gespannt zu Boden, daß ich stehenblieb und dem Tier zusah. Den Kopf so schiefgelegt, mal nach links und mal nach rechts, wißt ihr? Dann trippelte es drei Schritte zur Seite und gleich wieder zurück, mehrfach. Immer wieder legte es den Kopf schief. Dann sprang das Tier beinahe wie ein Fuchs – nein, eher wie ein Flummi vier-, fünfmal auf der Stelle. Und setzte sich wieder mit schiefgelegtem Kopf an genau dieser Stelle hin. Es war ein wirklich sonderbarer Anblick. Nach kurzer Zeit hüpfte das Tier wieder dreimal. Saß dann still und äugte. Als eine Elster neben ihr landete, machte die Nebelkrähe einige dieser typischen Krähengaloppschritte und flog davon.

Kopfschüttelnd ging ich weiter. Auf dem Rückweg sah ich das Tier zwar noch sitzen auf der Wiese und äugen, aber es hüpfte nicht noch einmal.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Beim Aufräumen unterm Schreibtisch fiel einiger Müll an.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 07.10.2026 ein echt putziger Vogel, der erledigte Einkauf, eine ausgeräumte Ecke.


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240.2026: Verschwiegen

Nur eine kurze Unmutsäußerung.

 

Also heute, nech, heute ist ja der 7. Oktober. An diesem Tag ist Deutsche Geschichte wahrscheinlich unwichtig, denn es ging immer nur um den 7.10. von vor drei Jahren. Ich habe nirgends auch nur ein Wort in den Nachrichten gehört, daß am 7. Oktober sintemalen auch die DDR gegründet wurde – das wird heute einfach verschwiegen … Kann man so machen, muß man aber nicht, oder?

Na gut, am 23. Mai wird auch nicht über Deutsche Geschichte geredet. Vielleicht erst wieder in drei Jahren, zum Achzigsten. Aber es wurmt mich schon. Ob wenigstens die Tageschau heut' Abend?

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

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239.2026: Sorgenlos

Ein komplizerter, langer Satz, der auch drei Sätze sein könnte.

 

Ich weiß nicht, wann der bisher letzte Tag in meinem Leben war, den ich wirklich sorgenlos (er-)leben konnte – er muß lange, sehr lange zurückliegen; und wieso seit­her kleinere und größere, oft durchaus begründete Sorgen um so viele verschiedene Menschen und Dinge und Ereignisse und auch um die Zukunft zu meinen alltäg­li­chen Gedanken zählen, kann ich mir auch nicht ganz erklären.

Ist das bei euch anders?

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Mehrere Dinge aus mehreren Behältnissen wanderten in den jeweils passenden Müll.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 06.10.2026 erhaltene Post, ein lang anhaltendes Lächeln, Durchsortiertes.


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238.2026: Widerstreit

Zwei Seelen wohnen – Ach! – in meiner Brust …

 

Da hab ich vor neun Tagen eine blöde Bewegung gemacht und hatte an dem Tag heftige Rückenschmerzen, konnte mich nur noch sehr eingeschränkt bewegen. Etwas Gymnastik führte dazu, daß Drehen und Beugen am Abend wieder funk­tio­nierten, aber nicht wirklich völlig schmerzfrei. Und so blieb es die ganze Woche.

Die Tage in Rabenstein machten es nicht besser. Eher im Gegenteil. Und so war ich am Sonntag abends recht froh darüber, daß jemand den Großteil der Ausrüstung vom Standplatz zum Auto trug. Aber dann mußte ich spätabends zuhause meinen ganzen Krempel hochschaffen in den neunten Stock, fünf Mal war ich dazu unter­wegs. Ich hoffte ja, daß ein schön warmes Wannenbad mir Linderung verschaffen würde – aber Pustekuchen.

Heute versuchte ich auszuschlafen. Irgendwann wußte ich nicht mehr, wie ich noch liegen könnte. Und ich … Ach, ich wollte mitfahren zum Wollmarkt nach Beskow. Aber das geht nicht, wirklich nicht. Ich hatte/habe die Symptome eines ganz klassischen Hexeschusses und soll für die nachsten Tage (zwei Wochen halte ich sicher nicht durch, ich muß ja irgendwann einkaufen gehen) Heben und Tragen und Hüpfen dringend vermeiden. Aber: Mir wurden zwei gymnastische Übungen empfohlen, die ich mehrmals täglich praktizieren soll: mit der Hüfte kreisen und das Becken kippen. Vor allem letzteres stelle ich mir als durchaus obszönen Anblick vor …

Und so widerstreiten in mir die Loyalität zum Verein und die Sorge um meine Gesundheit. Doch ich sehe ein, daß ich krank nicht wirklich nützlich sein kann …

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ein original DDR-Brustbeutel, mehrere (ur-)alte Zeitungen und Zeitschriften sowie eine große Anzahl für mich unbrauchbarer City-Post-Cards verschwanden aus meiner Wohnung.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 05.10.2026 die gerichtete Brille (ich saß am Sonnabend darauf), das Achten auf meine Gesundheit, Entspannungszeit in meiner Badewanne.


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237.2026: Herbstzeit

Ich wiederhole/zitiere mich wieder einmal selbst

 

Oh, 2018 ist wirklich schon ein paar Jahre her. Damals schrieb ich ein Monatsgedicht für den Oktober:

 

 
Frech, fröhlich, frei

Oktober! Oktober!
Ein Rot wie Zinnober
glüht jetzt aus dem Wein.
Das Korn ist geschnitten.
Am Baum dort die Quitten,
die duften schon fein.

“Time to remember
a day in september”
ist lang schon vorbei.
Im Heu, dort im Schober,
da bin im Oktober
ich frech, fröhlich, frei.

Eigenes Werk. Erstveröffentlichung am 01.10.2018 in meinem Blog
(damals noch bei deremil[dot]wordpress[dot]com)
Frech, fröhlich, frei (Nº 274/2018).

 

 

Nachtrag: Übers Abbauen und Einladen und Heimfahren hab ich es nicht geschafft, die Erinnerung und das Zufriedenmachende einzutragen. Jetzt aber …

 

Erinnerung des Tages:
Vor zehn Jahren tauchte Tante Erdmute bei mir auf – es ist schade, daß sie sich nicht mehr bei mir meldet.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 04.10.2026 sehr viele lauthals lachende Besucher, ein schneller Abbau mit tatkräftiger Hilfe, die trotz nebliger Stellen reibungslose Rückfahrt.


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236.2026: Befürchtung

Auf welche Fragen ich doch immer wieder stoße …

 

In unseren Beziehungen beobachten wir uns viel zu genau, viel zu mißtrauisch. Ist es wirklich notwendig oder hilfreich, alles zu sezieren, zu analysieren bis ins kleinste Detail? Haben die Menschen, habe ich verlernt oder versage ich es mir gar, einen anderen Menschen als eine wertvolle Ergänzung des eigenen Ich anzunehmen (es geht, erinnert euch, um unsere bzw. meine Beziehungen)?

Nein nein, da ist nichts akut, das kommt vom Lesen alter Notizen.

 

Erinnerung des Tages:
Vor sehr vielen Jahren bekam ich einen Liebesbrief auf Französisch, doch ich kannte diese Sprache absolut nicht.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 03.10.2026 das Ignorieren des Feiertages, ein Bälle-Zuspielen vom Feinsten, leckeres Sauerkraut von der Braterei.


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235.2026: Gelöst

Es ist ja nun wirklich nichts Weltbewegendes …

 

 

Ein Wunsch an mich und meine Mitmenschen: Diskussionen sollten nicht mehr verbissen gegeneinander geführt werden, sondern auf alle Fälle in gelöster Stimmmung miteinander. Und: Nicht die Lautstärke der Diskutierenden, sondern die vorgebrachten Argumente sollen sein, was wahrgenommen wird.

 

 

Erinnerung des Tages:
Ostsee, Insel Ummanz: Um dort schwimmen zu können (Ostseecamp Suhrendorf), mußte ich etwa 30 Meter vom Strand ins Wasser waten.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 02.10.2026 eine störungsfreie Fahrt, tatkräftige Hilfe beim Tragen und Aufbauen, viele angenehme Wiedersehen.


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234.2026: Fixierung

Und wieso denn eigentlich auf genau das?

 

Ich weiß nicht, ob ihrs wußtet, aber: Beim Denken stolpere ich immer mal wieder über meine Fixierungen auf dies oder jenes. (Nein, es geht hier ausdrücklich nicht um irgendwelche sexuellen Sachen.) Und das Wort beschreibt den Zustand besser, als es andere Möglichkeiten des Ausdrucks bzw. der Bewertung – die es ja durchaus gibt – je könnten.

Ihr wollt ein Beispiel? Nun, dann nehm ich mal das Beispiel Literatur. Für mich ist nur das nutzbare Literatur, was ich auf Papier gedruckt lesen kann. Ja, eBooks wären vielleicht ökologisch unbedenklicher und Hörbücher wohl auch. Aber ich bin fixiert auf bedrucktes Papier (okay, es gibt eine Ausnahme: Blogs und andere Websites). Ich habe es mit beidem probiert. Die MEGA habe ich als PDFs: Nicht einmal die mir bekannteren Teile (Manifest, Anti-Düring) kann ich am Bildschirm lesen; das geht einfach nicht. Die Chroniken von Narnia zum Beispiel als Hörbuch/Hörbücher: Neeee, ich mußte sie lesen als Bücher aus der Stadtbibliothek. Außerdem bleibt, was ich gehört habe, nicht in meinem Gedächtnis hängen. Fürchterlich.

Ein anderes Beispiel? Bitte: Filterkaffee. Ganz einfacher Filterkaffee. Nix Kapsel- oder Padmaschine, und wenn ich es kann, meide ich auch den Kaffee aus Siebträger­ma­schinen. Die Stempelkannen fallen sowieso durch, weil da immer Krümel im Kaffee bleiben. Und geh mir bloß weg mit Kaffee, der mit irgendetwas aromatisiert wurde. Erst vor Kurzem wollte mir jemand etwas ganz Gutes bieten und hatte dann Haselnußkaffee eingeschenkt – und ich wußte nicht, wie ich freundlich und ohne der Person auf die Füße zu treten hätte sagen können, daß ich lieber auf einen Kaffee verzichte, als nocheinmal einen Haselnußkaffee zu trinken.

Es ist nicht so, daß ich alles andere ablehne und deshalb auf Papierbücher und Filterkaffee fixiert bin. Nein, ich bin fixiert und alles andere mag ich einfach nicht …

Und nur der Vollständigkeit halber (und um den allfälligen Fragen zuvorzukommen): Ja, natürlich, es gibt auch im Sexuellen Fixierungen bei mir – und welche das sind, werde ich hier nicht erwähnen! Auch nicht in einem Kommentar.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Vier Stehrümchen stellte ich unten ins Haus – sie fanden bestimmt neue Besitzer.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 01.10.2026 eine dringend notwendige Raucherpause, Kartoffelbrei mit Fischstäbchen, die Zeit in der Wanne.


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233.2026: Containern

Kraft meiner Wassersuppe.

 

Das Lager des Vereins ist mittlerweile ein alter, im Speditionsbereich nicht mehr nutz­barer Schiffscontainer (20 ft.). Darin ist Platz genug für all das, was an Ausrüstung dem Verein gehört – und ja, es sammelt sich auch immer wieder Müll in einer Ecke an. Der Grund für die Ausmusterung aus dem Warentransport: Das Ding ist leicht verzogen, eine der Verriegelungen ist zu weit abgenutzt, die Türen lassen sich nur sehr schwer schließen.

Heute kämpfte ich alleine mit dem Monstrum. Für das kommende Wochenende mußte ich noch einiges ins Fliewatüüt laden. Zu meinem Erstaunen bekam ich den Container recht leicht auf. Das Verladen ging schnell. Die Tür ging … nicht zu. Zwei weiteren Versuchen mit Kiai oder Gihap (jap. oder korean. Kampfschrei, schlecht ausgeführt) folgte wegen plötzlich anwesender Nachbarn einer ohne. Und mit dem schaffte ich es, die Sch…tür zu schließen.

Puh. Wenn ich das aber nicht geschafft hätte … Ich mag nicht drüber nachdenken. Außerdem habe ich diese andere Art des Containerns ja Kraft meiner Wassersuppe hinbekommen.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Noch nicht ganz weggegeben, aber wieder ein Dutzend Bücher aussortiert (auch den Miller, den ich abbrach).

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 30.09.2026 aussortierte Bücher, eingeladener Kram, Abendessen nach Appetit: Fisch.


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232.2026: Ein Kampf

Und ein Sieg auf ganz andere Weise.

 

 

Genügsam will ich mich bescheiden
Und dort auf dieser Wiese weiden
So spricht der Wolf zur Ziegenherde
Die Tiere finden das nicht recht
Denn Ziegen sind ja keine Narren
Ich seh sie mit den Hufen scharren
Und Staub steigt aus der trocknen Erde
Dem Wolf gefällt das sichtlich schlecht
Er dreht sich um und schleicht von hinnen
Die Ziegen feiern ihr Gewinnen

 

 

Erinnerung des Tages:
Wenn eins so wie als Kind mit Murmeln spielt, sind das auch wieder ganz viele.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 29.09.2026 das Spielen mit Murmeln, mehrere laute Lacher, Pasta Carbonara.


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