136.2026: Sommersonntag

Sommersonnenwende, Sommeranfang, extrem heißer Tag.

 

Ich wurde um Acht wach. Die Nacht war eine tropische (Temperatur immer über 20 °C), ein leichter Windhauch ließ mir die Verhältnisse noch einigermaßen angenehm erscheinen. So blieb ich einfach liegen, döste vor mich hin. Und noch vor dem Kaffee gab es dann nach Zehn einen übriggebliebenen Eiskaffee.

Schwül. Verdammt schwül ist der Tag. Bis zum Mittag trank ich schon drei Liter. Und als das Regenradar zeigte, daß es hier mäßig regnet, fiel – natürlich – kein einziger Tropfen. Wie so oft machte der Regen einen Bogen um HaNeu. Zwischendurch kletterte der Taupunkt (ein für mich praktikables Maß für die Schwüle) auf 27 °C – und schon ab 16 °C ist es schwül …

Am späten Nachmittag hatte ich dann 4,5 Liter Tee intus. Ich weiß nicht, wie oft ich einen Lappen in eine der Schüsseln mit Wasser und Kühlakku tauchte, um mir damit dann Schultern, Ellenbogen, Handgelenke und andere Stellen zu befeuchten und mich abzukühlen. Sehr viel Linderung verschaffte mir das leider nicht. Die Ventila­toren konnten auch nichts anderes, als warme Luft hin- und herzuwedeln.

Und wenn ich richtig gelesen habe, dann soll das Wetter mindestens für noch weitere zehn Tage so ungesund bleiben.

Uffz. Mir reicht's aber jetzt schon …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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135.2026: Blablabla

Bei dem Wetter fiel mir heute sogar das Zuhören schwer.

 

„Na? Macht Dir die Hitze auch so zu schaffen? Oder ist es für Dich nur bestes Badewetter?”

Ich stöhnte nur, statt darauf mit Worten zu antworten. Und dann, dann wurde mir vom Erdgeschoß bis in den neunten Stock ein Ohr abgekaut. Ich habe keine Ahnung, wie jemand in so kurzer Zeit mit so vielen Worten so viele Nebensächlichkeiten (in meinen Ohren und Augen war es nichts anderes) von sich geben kann.

Nach der Hitze draußen war das eine weitere Belastung, die ich mir heute lieber gespart hätte. Und fagt mich bitte nicht, was mir da genau erzählt wurde: Ich weiß es schlicht nicht. Jetzt seh ich mir drei Star-Trek-Filme am Stück an …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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134.2026: Gedankenblitz

Manchmal denke ich über die Bedeutung meiner Worte später nach.

 

 

Stell Dir vor: Du bist frei vom Zwang, jemandem die Schuld geben zu müssen …

Zuerst veröffentlicht im #Fediverse (nicht bei Mastodo!) am 16.06.2026.

 

 

Das war so ein Gedankenblitz, der mir durchs Denkicht schoß. Doch doch, ich kenne es, diesem Zwang nicht zu unterliegen, diesem Drang mich nicht entgegenstellen zu müssen. Da ist allerdings keine Schicksalsergebenheit, wirklich nicht. Nur aus meiner eigenen Erfahrung heraus dachte ich, die Weitergebe dieser Idee sei eine gute Idee.

Niemandem die Schuld geben zu müssen, nichteinmal mir selber … Ist das „radikale Akzeptanz”? Gleichgültigkeit? Gar Abstumpfung? Oder einfach nur klare Sicht auf die Realität … Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, daß die Freiheit von diesem Zwang, jemandem die Schuld geben zu müssen, befreiend ist, sehr befreiend. Deshalb übe ich mich darin, genau diese Freiheit nicht wieder zu verlieren.

Das alles heißt nicht, daß ich Kausalitäten nicht erkenne und/oder nicht akzeptiere. Nur: Das ist etwas ganz anderes als jede Schuldzuweisung. Oder?

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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133.2026: Wetterbedingt

Es ist für viel zu vieles einfach das falsche Klima.

 

 

 Wolkenverhangen
 Stehende Luft viel zu schwül
 Schattenloser Strand

 Traumlose Tropennächte
 Und wirklich kein Hautkontakt

Ein Tanka.

 

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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132.2026: Kunst

Ein bemerkenswerter, unvergessener Satz eines Lehrers.

 

 

Braucht es immer ein vollständiges Bild? Mein Kunstlehrer (zu DDR-Zeiten) sagte mal:

»Die Kunst des Malers besteht im Weglassen des nicht Notwendigen.«

Der Mann soff sich vor Sehnsucht tot. Auch ein Weg, Mauern zu überwinden …

 

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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131.2026: Urlaubslyrik

Solange es aber nicht auch noch schwül ist …

 

 

Sonnenschirmschatten
Warmer Sand ohne Ende
Saharaurlaub

Es fehlen Wellenrauschen
und ein salziger Wind

Ein Tanka.

 

 

Oh weh, wenn ich an das vorhergesagte Wetter für die nächsten Tage nur denke: Schweiß rinnt an mir hinab.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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130.2026: Geglättet

Ein Satz aus einem nicht so ganz fremden Tagebuch.

 

 

Die Erinnerung glättet die Vergangenheit, verschließt die offenen Wunden – und daher scheinen in der Erinnerung so viele Momente vollständig und unversehrt, als sei nichts Böses geschehen (aber so war es eben nicht).

 

 

Vor über 40 Jahren schrieb Tante Erdmute diesen Satz in ihr Tagebuch. Ich denke seit einiger Zeit darüber nach, ob er vielleicht auch ohne den Teil in Klammern stimmen kann.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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129.2026: Zwickmühle

Diese verdammt unruhige Faulheit – ich versteh sie nicht.

 

Sonntag. Langsam hab ich ihn begonnen, gegen Neun. Aber …

Ich hatte irgendwie keine Ruhe und Hummeln im Hintern. Doch ich konnte mich zu nichts aufraffen. Zu gar nichts. Ja, eine Festplatte habe ich kopiert, eine in einem alten Notebook. Ich werde mir die Daten nochmal ansehen, mit denen im aktuellen Hauptrechner vergleichen und dann wohl löschen. Und irgendwann das alte Note­book zerlegen und bis auf RAM, Festplatte und DVD-Laufwerk entsorgen müssen. Weitergeben kann ich das Ding nicht, der Akku ist nicht wechselbar und tot.

Ich habe zu schreiben versucht. Das leere Blatt in der Kladde blieb leer; selbst auf den bereitliegenden Schmierzetteln änderte sich nichts. Und die alten Texte, die ich noch immer weiterführen möchte, inspirierten mich auch zu keinem einzigen Satz. Und die Unruhe blieb. Die Unzufriedenheit wuchs. Ich packte die Kamera in den Rucksack, eine Flasche Wasser. Dann machte ich mich auf den Weg. Wollte eine Runde durch die Stadt drehen. Es dauerte, bis die Unruhe über die Faulheit Lust­losigkeit siegte …

Als ich am Hauptbahnhof ankam, begann es zu regnen. Mist. Zum Rumstreunern war mir das zu naß. Ich blieb ein Weilchen im Bahnhof, die Kamera aber blieb im Ruck­sack. Hmpf. Aus dem Gang durch die Stadt wurde dann eben nur eine Straßen­bahnrundfahrt. Ich sah mir die Stadt an durch die regennassen Scheiben. Wartete an zwei Endhaltestellen jeweils 20 min auf die nächste Funkenkutsche. Aber auch da sah ich nichts, was ich hätte fotografieren wollen.

Nun ja. Kein Bild. Aber die Rundfahrt half gegen die Hummeln im Arsch. Jetzt setz ich mich hin und seh mir die alten Daten an, ich verschaffe mir zumindest einen groben Überblick. Ob ich etwas Besonderes finde?

 

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Der Emil

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128.2026: Spätabends

In der Erinnerung an ihre frühere Karriere.

 

 

Eine Flasche noch. Eine ganze. So wie früher, als es noch jeden Tag notwendig war, bis zu drei Mal täglich.

Nur einen Unterschied macht sie zu früher. Es sind nicht mehr 0,7 Liter, die sie trinkt. Früher ging das auf ex; heute läßt sie sich Zeit dafür. Wirkungstrinken, darin war sie geübt. Doch sie hat damit vor 20 Jahren aufgehört.

Sie setzt wieder an. Und nimmt noch einen großen Schluck. Ah! Wie das durch ihren Hals rinnt! Und es bleibt nur noch ein weiterer Schluck in der Wasserflasche, ein Schluck von einem halben Liter. Ja, es ist teurer als in größeren Flaschen, aber das ist zu ihrem Prinzip geworden: Mehr als 0,5 l darf keine Flasche haben, aus der sie trinkt. Und heute genehmigt sie sich auch mehr als drei Flaschen am Tag.

 

 

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Der Emil


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127.2026: Vier Stühle

Am Morgen danach erklärt sich noch immer nicht alles.

 

 

Die Nacht war verdammt kurz. Beim Kaffee auf der Terasse, unterm Dach vorm Regen geschützt, schwiegen die drei sehr lange. Und an der Feuerschale standen noch immer vier Stühle.

Alle drei hingen ihren Gedanken nach. Aber keiner von ihnen wollte als erster das Wort ergreifen. Denn noch immer waren sie alle beschäftigt mit der Nachricht, die sie am Abend erhielten. Die Nachricht, die den leeren Stuhl erklären könnte. Wenn sie nicht so unwirklich gewesen wäre, wie sie es noch immer ist. Dann gehen sie los und räumen auf, sammeln die Flaschen ein, nehmen die Asche aus der Feuerschale. Alles hat seinen Platz, auch dann, wenn es nicht mehr brauchbar ist. Und genau das denken sie auch über den vierten Stuhl. In Zukunft ist der ja überflüssig, unnötig.

Sie waren alle knapp Sechzig, alle vier. Hatten sich vorgestellt, in den noch verbleibenden Jahren dies und jenes zu unternehmen, zusammen, zu viert. Die Pläne waren groß, versprachen Spaß ohne Ende und wären nicht allzu kostspielig gewesen. Rügen, Litauen, Spreewald, Klagenfurt, Elend, Sorge und Klingenthal wollten sie besuchen. Ja, und die Landeskrone. Ha, Schwalbengeschwader. Der bekloppte Name für ihr Quartett. Der wurde auch gestern genannt. Neben dem Vito, der die Vorfahrt nicht beachtete. Ein Unfall, eine Tote, vier Stunden Vollsperrung.

Deshalb blieb der vierte Stuhl leer. Deshalb waren sie wortkarg.

Noch immer wissen sie nicht, wie sie mit einem solchen Verlust umgehen sollen. Vier Stühle, und nur noch drei Lebende.

 

 

Es begann mit diesem Text: Gespräch – Mit diesem Wortwechsel ist wirklich alles geklärt. Und nach fünf Jahren geht es damit weiter.

 

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Der Emil


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