Nº 027 (2022) – Verpaßt

Oder versäumt oder daran gehindert.

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Mit den Jahren, so hoffte ich, würde sich das Eine oder Andere beruhigen in meinem (Er-)Leben. Mich nicht mehr so aufwühlen, so beschäftigen bis tief ins Innerste hinein. Ich hoffte, die Erschüt­terungen positiver und anderer Art würden mich mit wesentlich geringeren Ausschlägen treffen. Aber dem ist nicht so. Denn: Ich hätte mit den Jahren gelassener, mehr in mir ruhend werden müssen, damit ich all das so wahrnehmen könnte. Aus Angst vor Abstumpfung (wie ich sie in der tiefen Depression kennenlernen mußte) habe ich allerdings versäumt oder gar verhindert, gelas­se­ner und ruhiger zu werden. Nun will ich wenigstens in einigen Bereichen meines Lebens mich dahingehend verändern.
 
(Die derzeitigen Umstände allerdings sind dieser Veränderung nicht gerade zuträglich.)

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 27.01.2022 das „frühe” Aufstehen, das Redaktionsgespräch, einige sehr erfreuliche Nachrichten.
 
Für Morgen zog ich die Tageskarte Zwei der Münzen.

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Nº 026 (2022) – Papier ist geduldig

Ich bin es in diesem Moment nicht. Und komme zur Generalfrage.

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Schon das dritte Blatt zerknülle ich. Mittlerweile genervt. Nein, Durchstreichen und Weiterschreiben sind in handschriftlichen Briefen keine Option – wie es neudeutsch so „schön” heißt. Da wird die Seite immer und immer wieder von neuem geschrieben. (Und die gerade zerknüllte vorher wieder glattgestrichen, damit ich den bisher verfaßten Text abschreiben kann.) Natürlich, das würde nicht geschehen, wenn ich mit dem Computer schriebe und dann den Ausdruck per Post oder den Text per eMail versendete. Allerdings gibt es (für mich) noch immer Briefe, die mit der Hand geschrieben sein müssen. Weil sich das so gehört. Weil ich damit … Ach, was weiß ich denn, was ich damit ausdrücken will und was die Empfängerin damit verbindet. Für mich gehört sich das eben so.

Anekdote am Rande: Ich erfuhr ja, daß ein Brief an mich wegen unzureichen­den Portos (seit 1.1.2022 müssen es 85 ct sein) an den Absender zurückging und neu geschrieben wurde. Nun: Heute kam die Briefpostkarte zu mir zurück, mit der ich meinem Vater zum Geburtstag gratulieren wollte. Auch ich hatte die Preissteigerung übersehen.

Außerdem versuche ich, diesen Brief mit lateinischen Buchstaben, also der heute üblichen deutschen Schreibschrift zu verfassen. Das ist, als wenn ich früher Russisch, d. h. mit kyrillischen Buchstaben schreiben mußte: Wie gingen nochmal das kleine d und das kleine b in kyrillischer Schreibschrift? Meine mangelnde Übung führt dazu, daß ich immer wieder versucht bin, das Kurrent-h zu schreiben oder das Lang- bzw. Schluß-s. Ich muß höllisch aufpassen. Und ich frage mich, warum zwei verschiedene Handschriften schwieriger sind als zwei verschieden gebunden Schleifen für Schnürsenkel? (Oh, fragt nicht: Seit etwa zwei Jahren binde ich linken und rechten Schnürsenkel mit verschiedenen, gespiegelten Schleifen, wirklich. Manchmal finde selbst ich das absonderlich. Ich muß mal versuchen, das auf irgendeine Weise zu filmen.)

 

Und so kommen zu den Fragen, die ich wirklich gerne brieflich beantworten müchte, noch eine ganze Reihe weiterer Fragen hinzu. Wieso kann ich viele Dinge sehr einfach und fast automatisiert auf zwei verschiedene Weisen tun und andere nicht? Wieso stören mich kleine Makel (also Schreibfehler z. B.) hier nicht und da so extrem heftig? Warum muß das, was ich verfertige, hier perfekt und dort nur hinreichend gut sein?

Und dann die Generalfrage: Warum messen Menschen – und damit meine ich ganz besonders auch mich – in so viele Fällen mit zweierlei Maß?

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 26.01.2022 den begonnenen Brief, die für meine Begriffe sehr einfühlsamen Dialoge, Bockwurst mit Senf im Brötchen.
 
Für Morgen zog ich die Tageskarte XVIII – Der Mond..

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Nº 025 (2022) – Schopenhauerei

Zum Denken anregend.

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Das Neue ist selten das Gute, weil das Gute nur kurze Zeit das Neue ist.

Arthur Schopenhauer

 

 

Stimmt doch so, oder? Aber warum? Und wer denkt öfter daran, an diese Wahrheit? Und warum wird das Neue so oft nicht als etwas Gutes gesehen?

 

Fragen über Fragen. Und noch fand ich keine allgemeingültige Antwort, keine einzige. Auch nicht bei Schopenhauer.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 25.01.2022 den Schlaf von kurz vor Sieben bis Elf, mehrere Ferngespräche, Pommes rot/weiß.
 
Für Morgen zog ich die Tageskarte Neun der Stäbe.

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Nº 024 (2022) – Zweiundachzig

Die zur Verfügung stehende Zeit habe ich nicht gut genutzt.

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Heute wurde mein Vater 82 Jahre alt. Geboren mitten im Krieg. Seine Eltern, er und vier Geschwister flohen mit einem Pferdewagen von Pommern nach Meck­lenburg übers zugefrorne Oderhaff. Irgendwann blieb er dann im Alter von 21 im Erzgebirge.

Wahrscheinlich habe ich viel zu wenig mit ihm gesprochen über seine Kindheit und Jugend. Aber ich habe ja die Zeit so etwa ab 1966 miterlebt, so miterlebt, daß ich mich durchaus noch daran erinnern kann. Deshalb war ich immer der Meinung, ich kennte sein Leben. Meine Lebenswirklichkeit war ja eine ganz andere und forderte mich täglich – irgendwie war für mich als Kind und später Jugendlicher deshalb das Leben der Vorgängergeneration auch nicht besonders interessant. Das eigene Leben war wichtiger.

Wahrscheinlich haben viele (unserer Generation) zuwenig, viel zuwenig mit den eigenen Eltern gesprochen. Jetzt, da der Vater dement ist und ich nicht mehr wirklich mit ihm sprechen kann, jetzt bedaure ich das. Natürlich sagen jetzt sicher einige Menschen, daß das Wissen um das Leben meiner Eltern in ihrer Jugend ja nichts ändern würde für diese Welt. Die Zeiten seither haben sich geändert. Was damals passierte, hat doch keinen Einfluß mehr auf uns, auf unsere Kinder und Enkel. Wie denn auch … (Ich bin da zum Teil anderer Meinung.)

Zweiundachzig Jahre. Vaters Vater wurde 1896 geboren und starb ebenfalls mit über achzig Jahren. Die Großmutter, Opas zweite Frau und meines Vaters Mutter wurde 79 Jahre alt. Wenn ich zweiundachzig werden möchte, dann muß ich noch 24½ Jahre durchhalten. Aber ich weiß nicht, ob ich das will, bei all den Entwicklungen, die sich heute weltweit so abzeichnen.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 24.01.2022 draußen unterwegs gewesen zu sein zum bücherwegbringen, die gekauften Briefmarken, den Friesentee am Abend.
 
Für Morgen zog ich die Tageskarte XII – Der Gehängte.

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Nº 023 (2022) – Entscheidendes

Etwas zum Zeitgeist und dem Umgang damit.

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Die Zeit, in der wir Menschen leben, darf doch nicht das vorrangig Entscheidende in unserem Zusammenleben sein. Und die Ziello­sigkeit, der Egoismus oder die Hektik unserer Tage sollten es erst Recht nicht sein, für niemanden. Das Zusammenleben der Men­schen bedarf doch ganz anderer Dinge, die es erst ermöglichen: des Zuhörens, der Unterstützung, des Mitfühlens, der gegensei­ti­gen Achtung, der Berührungen und des Miteinanderträumens. Einer wie auch immer gearteten gemeinsamen Sprache usw. usf. Jede:r darf diese Liste so vervollständigen, daß sie zum eigenen Leben paßt. Und ich wünsche, daß dann mindestens ein Mensch mit passender Liste sich dazufindet.
 
Wir Menschen sind in der Lage, den Zeitgeist zu ändern. Nur wir Menschen sind dazu in der Lage.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 23.01.2022 die Gnocchi mit Käsesoße, meinen 212ten Beitrag hier, einen angefangenen Brief (von dem ich noch nicht weiß, ob ich ihn abschicken werde; doch das Schreiben tat bisher gut).
 
Für Morgen zog ich die Tageskarte Ass der Stäbe.

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Nº 022 (2022) – Mittendrin

Wie ich mit meiner „Faulheit” zufrieden bin.

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Wenn ich dann zufrieden, aber viel später als gedacht Schlaf fand, ist der nächste Tag ein sehr müder Tag. Zum Glück hatte ich heute keinen Esel zu kämmen. Also verlümmelte ich den Tag auf der Schlafcouch. Den ganzen Tag. Immer irgendwo zwischen Wachen und Schlafen schwebend. Draußen war es nebelgrau. Drinnen bei mir brannten Kerzen, ich hörte Weihnachtsmusik (ja, genau die) und schrieb immer mal wieder in meiner Kladde herum. Ich hatte mir heute nichtmal Kaffee gekocht, sondern trank Tee (ja, die wirklich weih­nacht­liche „Weihnachtsmischung”). Mein Weihnachtsstollenrest wure auch kleiner. Was? Weihnachten ist schon längst vorbei? Bei mir nicht. Nein, bei mir nicht. Ich kann sogar im Hochsommer in meine Weihnachtsstimmung kommen, mit Musik und Gerüchen.

Gestern hatte ich tagsüber leichte Erkältungssymptome, Husten und etwas Schnupfen. Aber, wie ich schrieb, kein Fieber. Das Erkältungsbad war auch hilfreich, denke ich. Mein letztes Selbsttest-Kit zeigte heute nur die Kontrollinie. Puh! Ich bleibe dennoch bei meinem Vorhaben, am Montag irgendwo einen PCR-Test machen zu lassen. Und dann werd ich wohl in der Woche auch noch meine 3. Impfung bekommen. Heute jedenfalls war ich nur schläfrig, kein Naselaufen und kein Schnupfen, kein außergewöhnlicher Husten. Ich hoffe weiter, daß es nur eine Erkältung ist. War.

Und nun frage ich mich: Habe ich heute irgendetwas verpaßt? Ich habe meine Medikamente genommen, genügend gegessen und getrunken. Ich habe gelesen. Luzid geträumt. Den Tag vorüberfließen lassen. Am Rechner war ich heute bisher nur, um diesen Text hier abzutippen und fertigzumachen. Ich bin noch immer schläfrig und müde. Und ganz erhlich: Heute habe ich das ganz ohne schlechtes Gewissen genossen und ich genieße es noch immer, häufig im Zustand zwischen Schlaf und Wachen zu schweben.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 22.01.2022 meine Faulheit (besser: Muße), das (zurückgekehrte) Weihnachtsgefühl, den Linseneintopf (der auch noch für morgen reicht).
 
Für morgen zog ich die Tageskarte Acht der Stäbe.

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Nº 021 (2022) – Überwindung

Manchmal frage ich mich tatsächlich:
Wozu mache ich den Scheiß? Und mach damit weiter.

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Natürlich gibt es Tage, an denen sprudelt die Tinte nur so aufs Papier. (Gestern war soeiner, beinahe.) Die sind wunderbar und großartig, meiner Meinung nach aber viel zu selten geworden in letzter Zeit. Denn mittlerweile (ich sag mal, seit Juni oder Juli 2020) kostet es mich jeden einzelnen Tag Überwindung, mich hin­zu­setzen und etwas aufzuschreiben. Es ist mein Wunsch, etwas Sinnhaltiges zu schreiben. Eine leere Seite liegt vor mir, jeden Tag, mehrfach. Am Morgen, weil ich seit Jahren mich an Morgenseiten versuche und nur in Ausnahmefällen erfolgreich bin damit; vielleicht schaffe ich es an drei oder vier Tagen im Monat, meine Träume festzuhalten. Wenn ich am Morgen nichts schreibe, dann sitze ich zu Mittag wieder mit dem Stift in der Hand vor einer leeren Seite, vor der ich keine Angst habe. Nein, Angst habe ich vor dem Moment, in dem ich mich fünfundvierzig Minuten später wieder von dem leeren Blatt abwende. Und dann muß ich mich nochmal und nochmal und nochmal hinsetzen und alles daran­setzen, ein paar Worte und Sätze einfangen und niederschreiben zu können. Die Befürchtung eines erneuten &bdqu;Scheiterns” ist groß, und so muß ich mich täglich überwinden, immer noch einen weiteren Versuch zu unternehmen. Am Ende fahre ich notfalls mit Bus und Funkenkutsche (Straßenbahn), weil ich da inspirierendes Menschengeräusch um mich habe …

Mittlerweile ist das Überwinden und Neuversuchen Routine. Das Schreiben bleibt mein Geländer, an dem ich mich festhalte. Deshalb schreibe ich weiter. Irgendetwas schreibe ich jeden Tag, und es ist immer mehr als dieser eine Blogartikel hier. Aber Überwindung braucht es trotz allem, jedes Mal, auch dann, wenn ich schreiben möchte, will, muß – und das klingt nicht nur paradox, das ist es auch. Und doch ist es so normal wie das Lampenfieber, das ich nach über zehn Jahren noch immer vor jeder Radiosendung habe.

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 21.01.2022 ein Erkältungsbad, daß ich kein Fieber habe, beinahe fertiger Linseneintopf.
 
Für Morgen zog ich die Tageskarte I – Der Magier. (Ja, dieselbe Karte wie gestern.)

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Nº 020 (2022) – Arbeitsurlaub

In einer sehr komfortablen Ferienwohnung.

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Das ist schon eine sehr sonderbare Unterkunft, diese „Ferien­woh­nung in der Burg”, in der ich jetzt eine Woche bleiben werde. Ja, eine Burg ist es, oben auf einem Hügel. Aber erstens ist die Burg nur noch halb Burg und zur anderen Hälfte Ruine, und zweitens wohnt hier niemand. Niemand bis auf die gele­gent­lichen Nutzer der Ferienwohnung. Zwei Zimmer in einem erhaltenen Burgturm, übereinander: unten ein gemütlicher Wohnbereich mit offenem Kamin und Küche, oben ein Schlaf­zimmer und ein Bad, sogar mit Badewanne. Und wer sich hier einmietet, darf auch noch höher hinaufsteigen in dem Turm durch eine sehr schwere Holztür im Schlafraum und über die dahinter in einem Dämmerlicht liegende Treppe. So sagte es der Besitzer der Burg vorhin bei der Schlüsselübergabe, als ich wegen des einen dunklen und übergroßen Schlüssels am Bund fragte. Nur nachts sollte man dies nicht tun, denn ab und an … Naja, an Gespenster glaube ich nicht mehr. Und weil ich hier oben gerade meine Reisetasche ausgepackt habe, werfe ich auch einen Blick hinter die alte Tür. Zweimal muß ich den Schlüssel umdrehen, ehe ich sie öffnen kann. Von der anderen, der Turmseite, ist sie mit einer dicken Stoffschicht beschlagen, die wohl zur Wärmedämmung dient. Und dahinter befindet sich wirklich nichts weiter als eine nach oben führende Treppe, über die die weiteren zwei Etagen des Turms zu erreichen sind. Heute steige ich da nicht hinauf, entscheide ich, und schließe die Tür wieder. Das braucht einige Kraft mehr als das Öffnen und ich schließe sie wieder zweimal zu. Eine kleine Lampe neben dem breiten Bett schalte ich an – ohne wirklich zu wissen, wieso ich das tu – und dann steige ich hinab zu den Kladden und dem Rechner ein Stockwerk tiefer.

In einer dünnen Mappe auf dem Schreibtisch finde ich einige ausgedruckte Seiten, „Weiterführende Informationen” steht außen darauf. Ich blättere lustlos darin herum, bis ich das Paßwort für den Zugang zum WLAN auf der Rückseite finde neben der Telefonnummer des Besitzers und der des orts­an­säs­sigen Pfarrers. „GeisterFormel”. Das Netz „Spukturm” – ich lächle ob des seltsamen Humors vor mich hin – ist wirklich so gut, wie es angepriesen wird, und ich arbeite einige Zeit vor mich hin. Die beiden vorhandenen Heizkörper sorgen für eine angenehme Wärme im Burgturm. Als es draußen zu dämmern beginnt, mache ich eine Pause. Ich koche mir einen Tee, mache mir ein paar Brote. Stelle Tee und Teller auf den Tisch neben meinen Rechner. Ich steige hinab, zwei Stockwerke weiter unten ist die Eingangstür zum Turm, die der im Schlafraum gleicht. Aber hier ist ein modernes Schloß eingebaut. Ich schließe ab, gehe wieder hinauf, verschließe auch die Tür zur Ferienwohnung. Nur kurz überlege ich, daß ich mir damit meinem Fluchtweg erschwere. Doch als Schlafwandler, der ich bin, fühle ich mich hinter abgeschlossenen Türen wohler.

Später, nach dem Essen und ein paar weiteren abgetippten Sätzen, muß ich dann nach oben gehen, ins Bad. Zum zweiten Male steige ich die 21 Stufen der offenen Treppe hinauf. Als ich wieder aus dem Bad heraustrete, scheint die schwere Holztür zur Treppe weiter hinauf offenzustehen, einen Spalt nur, aber eindeutig offenzustehen. Moment. Die hatte ich vorhin ab­ge­schlossen, zweimal. Wieso ist sie jetzt …? Ich öffne sie ganz, und was ich dahinte

 

 

In diesem Moment brach meine Verbindung zu der Person im Turm ab.

 

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Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 20.01.2022 Stollen zum Frühstück (ja, ich früchstückte heute entgegen meiner Gewohnheit), die Kreativität in der Kladde, den Tee mit Orangenaroma am Abend.
 
Für Morgen zog ich die Tageskarte I – Der Magier.

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Nº 019 (2022) – Reizwort

Geheimnis der Sprache: Nach dem Zusammensammeln nachsehen.

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Wörterliste: Zukunft, Abkunft, Ankunft, Niederkunft, Herkunft, Auskunft, Übereinkunft, Unterkunft, Zusammenkunft, Einkunft …

Überall steckt -kunft drinnen. (Und irgendwie sieht – in meinen Augen – dieses -kunft auch sonderbar aus im Schriftbild.) Und in meinem Gedächtnis habe ich nicht mehr Wörter gefunden, die mit dieser Silbe gebildet werden. Was ist das. Was heißt das, dieses -kunft? Wer von euch weiß das aus dem Kopf, ohne erst nachschlagen zu müssen? Ich mußte heute Das Deutsche Wörterbuchnetz bemühen! Weil mir den lieben langen Tag (seit 10 Uhr) dieses vermaledeite Wort Kunft immer wieder im Kopf herumspukte. Und ich mir echt den Kopf zerbrach über dieses Wort. Jetzt aber weiß ich es wieder: Kunft ist ein (sehr) altes Substantiv zu „kommen”

Genauer steht das alles Grimmschen Wörterbuch. Dort könnt ihr es ja selbst nachlesen.

Wenn aber jetzt in all den Wörten mit -kunft diese Silbe durch -kommen ersetzt wird, wandelt sich bei vielen die Bedeutung, nicht wahr? Sie wird für mich prozessualer.

Jedenfalls sitze ich hier und schüttele im Geiste noch immer den Kopf ob meiner scheinbaren Unwissenheit … Ach: Und ich empfehle euch das Wörterbuchnetz (Link s. o.) als Nachschlagewerk.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 19.01.2022 einen geschriebenen Text (den ich hier nicht veröffentlichen werde), daß ein weiterer Karton voller Bücher jetzt auf dem Schrank steht, ein mehrfach verwendeter Umschlag mit einem Buch von Irmtraud Gutschke darinnen im Briefkasten (meinen allerüberraschtesten und von Herzen kommenden Dank dafür).
 
Für Morgen zog ich die Tageskarte Sieben der Münzen.

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Nº 018 (2022) – Konjunktiv

Kurzes Gedicht. Mehr nicht.

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Wenn ich nur wüßte, was mir fehlt,
was mir das Leben vorenthält,
was mich noch treffen wird, was nicht:
Darüber schrieb' ich ein Gedicht!

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 18.01.2022 einen nur selten unterbrochenen Dialog, Durch- und Aussortiertes, Rosenkohl.
 
Für Morgen zog ich die Tageskarte Sechs der Stäbe.

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