Da waren so viele. Und nun sind es Ängste.
Ich las gestern in einigen von meinen alten Kladden. Manchmal mache ich das, um mich an Zeiten zu erinnern. Nein, nicht nur an die guten. Und ich möchte ab und zu lesen, wo ich früher stand mit meinen Gedanken, meinen Gefühlen, meinen Entscheidungen. Immer wieder überrasche ich mich dabei selbst mit dem, was mein Vergangenheits-Ich notierte. (Wahrscheinlich ist das Unterscheiden von Vergangenheits-Ich und Jetzt-Ich gar nicht so sinnvoll, oder?)
Gestern fiel mir auch noch etwas anderes auf. Nämlich mein Zorn, meine Gehässigkeit, die ich bemerkte. Was stehen da nicht alles für Gemeinheiten, Bosheiten und Lügen auf den Seiten, die ich beschrieb. Mir kommt es vor, als würde ich solches Zeug heute nicht mehr aufschreiben. Ist das nun die Schere in meinem Kopf, eine Selbstzensur? Oder bin ich nicht mehr so gehässig? Lasse ich also meinem Zorn woanders freien Lauf oder unterdrücke ich ihn? Hat sich geändert, wie ich auf besondere Reize ragiere – nicht mehr mit Gemeinheiten, sondern mit (machmal auch untauglichen) Versuchen des Verstehens, den Verständnisses, der Anerkennung von Unterschieden?
Zugenommen haben die Sätze und Seiten über meine Angst, meine Ängste. Ganz verschiedene. Die Höhenangst. Die Angst vorm Verlassenwerden. Die Angst vor Schmerzen beim Sterben. Die Angst davor, einfach (nur) mißverstanden zu werden. Ist mein Leben wirklich so angsterfüllt geworden? Wenn ja, woher kommt das? Sind dafür – auch – Gemeinheiten und Bosheiten verantwortlich, denen ich ausgesetzt war und bin? Hadere ich zu sehr mit dem, was allgemein Schicksal genannt wird?
Meine eigenen Notizen lassen in mir viele Fragen entstehen und viele Fragen offen. Sollte ich weniger bis überhaupt nicht mehr in ihnen lesen?
Wie haltet ihr das damit, falls ihr soetwas wie ein Tagebuch führt?
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
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