350 im Advent 2025: 16. Türchen

 
Das ist mein 16. Blog-Adventskalender. Beim Schreiben denke ich oft an die, die krank sind oder Unterstüt­zung benötigen, an alle, die einsam oder allein sind. Möge allen Menschen eine im wahrsten Sinne des Wortes wunder­volle Weihnachtszeit beschieden sein. Meine Kerzen brennen auch in diesem Jahr für alle Menschen und Tiere, vor allem für die, die Hoffnung und Trost brauchen, und für die, die Freude an dieser Zeit haben.

 

Liegt es vielleicht doch am fehlenden Schnee …?

 

Beim Lesen bin ich sofort an den Zukunftsglauben in der DDR erinnert. Es ist auch ein Gedicht, das in der DDR entstand (als deutscher Text zu einer portugiesischen Weise). Viel mehr als Geburts- und Sterbejahr und noch zwei, drei andere Gedichte weiß ich nichts von ihr, von der Textdichterin Marianne Graefe.

 

 
Lieblich leuchten tausend Sterne
Marianne Graefe (∗ 1904 – † 1984)

Lieblich leuchten tausend Sterne
an der dunklen Himmelswand,
in der Nähe, in der Ferne
deckt der Schnee das weite Land.
Frieden, freiden tönt die Stille,
Frieden allen Menschen!

Not verklärt sich, neues Hoffen
festigt in den Herzen sich,
helles Leben liegt uns offen,
froh wird uns und feierlich.
«Frieden, Frieden», singen alle,
«Frieden allen Menschen!»

In: Wunderweiße Nacht. Erzählungen, Gedichte und Lieder
für das Weihnachtsfest. Hrsg.: R. & R. Brock. Seite 115
1. Broschierte Auflage 1980.
Verlagsrechte f. d. Ausg. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin
Lizenznr. 414.235/99/80 · Bestellnr. 625 258 8

 

 

Und wieder spielt der das Land bedeckende Schnee eine Rolle in einem Winter-, Advents- oder Weihnachtsgedicht. Damals, als es geschrieben wurde (ich denke, noch weit vor 1980), gab es ihn noch. Ich glaubte an den Frieden für alle Menschen, glaubte daran, daß er über kurz oder lang Wirklichkeit werden könnte. So wie es auch viele andere Menschen glaubten

Und dann begann der Schnee zu fehlen. Mittlerweile fällt nicht mehr genug davon, um die Gletscher überleben zu lassen. Ich wünsche mir wieder viel, viel mehr von der weißen Pracht, die das Leben stiller machte und langsamer, wenigstens für eine Weile. Wer weiß, vielleicht wirkte sich das auch in mehr Hoffnung und Chancen auf Frieden aus …

 

Gestern weggegeben bzw. entsorgt:
Heute Nachmittag sortierte ich einige T-Shirts aus, die zum einen verschlissen sind und die ich sowieso nie wieder anziehen werde (wieviele Jahre die wohl aus nostalgischen Gründen im Schrank lagen).

 

Ich schleiche mich davon und wünsche eine schöne Advents- und Weihnachtszeit.

Der Emil

 

P. S.: Gestern, am 15. Dezember 2025 war ich zufrieden mit diesem Gefühl der Nähe, mit einem Gedankenaustausch, mit richtig warmen Füßen am Abend.


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349 im Advent 2025: 15. Türchen

 
Das ist mein 16. Blog-Adventskalender. Beim Schreiben denke ich oft an die, die krank sind oder Unterstüt­zung benötigen, an alle, die einsam oder allein sind. Möge allen Menschen eine im wahrsten Sinne des Wortes wunder­volle Weihnachtszeit beschieden sein. Meine Kerzen brennen auch in diesem Jahr für alle Menschen und Tiere, vor allem für die, die Hoffnung und Trost brauchen, und für die, die Freude an dieser Zeit haben.

 

Ich vermisse einige Besucher, aber es ist gut, wie es ist.

 

Nun ist sogar der Dritte Advent schon vorbei. Himmel, wie die Zeit vergeht!

Im Erzgebirge ist diese Zeit traditionell auch die der (gegenseitigen) Besuche und die der Hutznohmde (auch -obnde, Hutzenabende, mehr oder weniger geplante Zusam­men­künfte der Nachbarschaft/Dorfgemeinschaft). Da trifft sich Alt und Jung, es gibt Kaffee, es wird geschnitzt und geklöppelt oder andere (kunsthandwerkliche) Tätigkeit ausgeübt, es wird gescherzt, gesungen, erzählt, sich das Maul zerrissen … Und es riecht. Nach Weihnachten, nach Ofenfeuer, Räucherkerzen und Tabakrauch. Das alles gehört dazu, manchmal sogar eine Zither und eine Quetschkommode. Hach ja, die Heimeligkeit im Gebirg.

Und so hoffte ich, daß sich im Advent gute Bekannte bei mir einfinden würden. Der Waldschrat Elim, Tante Erdmute, vielleich auch Peterchen noch ein zweites Mal oder der Patient. Aber nix! Die scheinen alle den Advent am anderen Ende der Welt zu verbringen. (Gut, ein paar Tage haben sie alle noch Zeit; doch meine Hoffnung schwindet.) Vielleicht ist es zum Teil ja meine eigene Schuld – vielleicht bin ich in diesem Jahr nicht offen genug gewesen für sie alle? Sperrt sich etwas in mir gegen diese Figuren, hab ich sie vielleicht schon auserzählt? (Nein, ganz sicher nicht.) Ist meine Verbindung zu ihnen etwa abgebrochen? … Da erinnere ich mich an die Jahre, da ich den Kontakt zur Herkunftsfamilie abgebrochen hatte, nicht ohne Grund, echt nicht, aber ich konnte das damals nicht mehr ertragen. Also den Umgang mit der Herkunftsfamilie. Nach etwa zehn Jahren ging es wieder. Da gehören Familie und Gegend wieder zusammen. Kann das auf die Figuren, die ich mir nicht bewußt ausgedacht habe, auch zutreffen?

Zwingen kann ich niemanden, zu mir zu kommen. Nicht im realen Leben, nicht in meinen Geschichten. Deshalb – oder unter anderem deshalb – schaffe ich es ja auch nicht, eine großen, langen Text fertigzubekommen. Es braucht sozusagen den guten Willen meiner Protagonisten, damit ich Neues über sie erfahre und aufschreiben kann. Und wenn sie alle in der Advents- und Weihnachtszeit andere Pläne haben, dann muß ich das akzeptieren.

Ich werde ja zur Weihnacht nicht bei mir zuhause sein, sondern im Zuhause meiner Kindheit und Jugend. Wer weiß, wie oft das noch möglich sein wird. Und ich fahre dahin, weil ich mich dafür entschieden habe, nicht weil ich muß oder soll. Diese Freiheit gewähre ich meinen Gestalten auch, obwohl ich sie gern „gesehen” hätte.

Eine Advents- und Weihnachtszeit ohne Besuchsverpflichtung ist tatsächlich viel entspannter, meiner Erfahrung nach.

 

Gestern weggegeben bzw. entsorgt:
Einige leere Kartons (kann ich ja irgendwann mal brauchen) brachte ich ins Altpapier.

 

Ich schleiche mich davon und wünsche eine schöne Advents- und Weihnachtszeit.

Der Emil

 

P. S.: Gestern, am 14. Dezember 2025 war ich zufrieden mit dem ausprobierten Geschenk, mit einem vorabendlichen „Mittags”-Schläfchen, mit der Zeit in der Badewanne.


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348 im Advent 2025: 3. Advent

 
Das ist mein 16. Blog-Adventskalender. Beim Schreiben denke ich oft an die, die krank sind oder Unterstüt­zung benötigen, an alle, die einsam oder allein sind. Möge allen Menschen eine im wahrsten Sinne des Wortes wunder­volle Weihnachtszeit beschieden sein. Meine Kerzen brennen auch in diesem Jahr für alle Menschen und Tiere, vor allem für die, die Hoffnung und Trost brauchen, und für die, die Freude an dieser Zeit haben.

 

Haltet euch die Ohren zu, denn das gefällt bestimmt nicht allen!

 

Ach, wir – also eine ganze Menge anderer Leute und ich – waren mal ein Gudrun-Lange-Fanclub, vor 30 Jahren (jaja, dreißig Jahre). Das war deutsche Country-Musik, die Band gründete sich noch in der DDR, und das war noch nicht ganz verschlagert. Okay, beim Weihnachtsalbum kommt das schon durch … (Leider fand ich keine funktionierende andere Quelle für dieses Lied.)

 

 

Ein Winterlied, dessen musikalische Ausgestaltung gewöhnungsbedürftig is. Ich hör es mir jedes Jahr an, das ganze Album von 1995. Und gestern ist mir aufgefallen, daß ich das Original – What About Tonight – überhaupt nicht kenne; oder ist das vielleicht von Gudrun Lange und Kaktus und nur der englische Titel dieses Liedes? Ich weiß es nicht, aber ich habe auch noch nicht nach einem englischsprachigen Original gesucht.

Ich bin mal neugierig, wie lange noch Winterlieder gesungen werden, wie lange Menschen noch wissen, was Schnee hierzulande bedeutet, wie Schneewehen und Schneetreiben aussehen. Naja, für mich gehören ann die Dinge zum Winter dazu, und der Winter gehört zum Jahr, ohne den würde etwas fehlen bzw. fehlt mir etwas.

Ohne all die Country-Weihnachtsalben auch.

 

Erinnerung des gestrigen Tages:
Es muß 2004 oder 2005 gewesen sein, da fuhr ich zu meinem Geburtstag mit herunter­ge­lassenen Scheiben durch die Gegend – und laut lief die Weihnachtsmusik von Truck Stop.

 

Ich schleiche mich davon und wünsche eine schöne Advents- und Weihnachtszeit.

Der Emil

 

P. S.: Gestern, am 13. Dezember 2025 war ich zufrieden mit mit der leichten Verbesserung, mit Weihnachtsmusik quer durch den Gemüsegarten, mit dem Wissen um ein Geheimnis.


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347 im Advent 2025: 13. Türchen

 
Das ist mein 16. Blog-Adventskalender. Beim Schreiben denke ich oft an die, die krank sind oder Unterstüt­zung benötigen, an alle, die einsam oder allein sind. Möge allen Menschen eine im wahrsten Sinne des Wortes wunder­volle Weihnachtszeit beschieden sein. Meine Kerzen brennen auch in diesem Jahr für alle Menschen und Tiere, vor allem für die, die Hoffnung und Trost brauchen, und für die, die Freude an dieser Zeit haben.

 

Als ich Kind war, gab es so hohe Schneehaufen wirklich noch.

 

 
Ist es dunkel oder weiß?

Sie heißt häufig die „dunkle” Jahreszeit
Und beginnt doch mit unzähligen Lichtern.
Und bei Vielen macht sich Vorfreude breit
Und die zeigt sich auch auf den Gesichtern.

Wieso nur dunkel, ich mein': Sie ist weiß?
Die Landschaft ist ganz mit Schnee überstreut.
Den schieben zur Seite mit sehr großem Fleiß
Und türmen zu hohen Haufen die Leut'.
Dann gräbt man ein Loch in den Schneeberg hinein,
Es sitzen da drin oft die Kinder.
Sie sitzen darinnen im Kerzenschein
Und sie lieben den schneeweißen Winter.

 

 

Es wäre schon schön, wenn für die Kinder wieder große Schneehaufen aufgetürmt und ausgehölt werden könnten. Denn das In-einer-Schneehöhle-Sitzen vergißt man nicht so leicht. Habt ihr das mal erlebt?

 

Erinnerung des gestrigen Tages:
So lang ist es gar nicht her, daß hierzustadt der Straßenbahnverkehr wegen zuviel Schnee ein­gestellt wurde (Weihnachten 2010 und Anfang Februar 2021).

 

Ich schleiche mich davon und wünsche eine schöne Advents- und Weihnachtszeit.

Der Emil

 

P. S.: Gestern, am 12. Dezember 2025 war ich zufrieden mit der Ruhe (die ich mir gönnen kann), mit schneller Nudelsuppe, mit Kräutertee mit Zitrone und Honig.


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346 im Advent 2025: 12. Türchen

 
Das ist mein 16. Blog-Adventskalender. Beim Schreiben denke ich oft an die, die krank sind oder Unterstüt­zung benötigen, an alle, die einsam oder allein sind. Möge allen Menschen eine im wahrsten Sinne des Wortes wunder­volle Weihnachtszeit beschieden sein. Meine Kerzen brennen auch in diesem Jahr für alle Menschen und Tiere, vor allem für die, die Hoffnung und Trost brauchen, und für die, die Freude an dieser Zeit haben.

 

Selbst in der besinnlichen Adventszeit geht's mit mir durch.

 

Da saß ich letzthin wiedereinmal dort am Schreibplatz und versuchte, wenigstens ein kleines Advents- oder Weihnachtsgedicht zu schreiben. Versuch 1:

Lieber guter Weihnachtsmann,
hör dir erst mein Liedlein an,
ehe du die Rute nimmst
und damit meinen Arsch vertrimmst.

Nein. Ich schüttlte innerlich sehr heftig mit dem Kopf. So kann kein Weihnachts­ge­dicht anfangen, das geht nicht, das ist viel zu subkulturell. Aber hmpf, solche Dinge geistern eben zuhauf in meinem Denkicht herum, wenn meine Sehnsucht wächst. Versuch 2:

Lieber Ruprecht, komm herein,
darfst mein Gast für heute sein,
mit mir trinken, mit mir rauchen,
oder meine …

Der einzige Reim, der mir dazu einfiel, ist gebrauchen. Das geht ja nun überhaupt nicht. Ich denke, ich müßte zuerst mal dafür sorgen, daß ich meine Bedürftigkeit los­werde. Nur wie, wenn eins so ziemlich alleine ist? Versuch 3:

Unter einem Weihnachtsbäumchen
träume ich ein feuchtes Träumchen:

Nein. Schluß. Aus. So geht das nicht. Hallo? WEIHNACHTSGEDICHT!? Ich lehnte mich zurück, dachte an den versprochenen Adventsleuchter, an dem ich eine Kerze nach der anderen anzünde. Und dann sehe ich den Wachstropfen zu, die sich ihren Weg nach unten bahnen. Und erinnerte mich an die Tropfkerzen, die zur Weihnachtszeit bei meinen Eltern brannten und die die Flasche, auf die sie gesteckt worden waren, mit einem Mantel aus buntem Wachs umhüllten. Versuch 4:

Ach nee, nicht mehr an diesem Tag. Ich griff mein Telefon und schrieb jemandem eine Nachricht.

 

Erinnerung des gestrigen Tages:
So mit 14 begann ich, mit einer Motor-Laubsäge (Scheibenwischermotor vom Trabant P601) Schwibbögen aus Sperrholz auszuschneiden.

 

Ich schleiche mich davon und wünsche eine schöne Advents- und Weihnachtszeit.

Der Emil

 

P. S.: Gestern, am 11. Dezember 2025 war ich zufrieden mit nichts, denn ich bin doof krank (okay, es kamen ein erwartetes und ein unerwartetes Paket an).


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345 im Advent 2025: 11. Türchen

 
Das ist mein 16. Blog-Adventskalender. Beim Schreiben denke ich oft an die, die krank sind oder Unterstüt­zung benötigen, an alle, die einsam oder allein sind. Möge allen Menschen eine im wahrsten Sinne des Wortes wunder­volle Weihnachtszeit beschieden sein. Meine Kerzen brennen auch in diesem Jahr für alle Menschen und Tiere, vor allem für die, die Hoffnung und Trost brauchen, und für die, die Freude an dieser Zeit haben.

 

Ob wohl viele Menschen einen solchen Schuhkarton haben?

 

 

Wie in jedem Jahr kurz vor Weihnachten nimmt er den Schuhkarton aus dem Schrank, den mit den Erinnerungen. Einen Tag in der Advents­zeit sitzt er dann da und schaut auf sein Leben – nein: auf seine Vergangenheit zurück. Manches läßt ihn lächeln, manches findet er zwar in den Notizen und Fotografien, manches tut tat­säch­lich weh. Aber all das gehört zu seiner Vergangenheit, und die hat dafür gesorgt, daß sein Leben so war und ist, wie es war und ist. Unzufrieden kann er wohl nicht sein.

An diesem Tag liegt eine Weihnachtskarte auf dem Tisch neben dem Schuhkarton, für sehr lange Zeit. Er hat sie nicht selbst geschrieben, aber geerbt und über all die Jahre aufgehoben. Weil sie … Nun, weil sie sein eigenes Erleben ziemlich gut vorwegnahm. Vorn drauf steht: Ein frohes Fest …

 

Text von der Karte: «… wünsch ich Dir und ein gutes nächstes Jahr. So wollte ich es Dir schreiben. Aber dann warst Du am zweiten Advent nicht mehr da. Und nun, nun bedaure ich, daß wir nie über eine Sache redeten. Denn ich wußte schon Jahre von Deiner Freundin, davon, wie wichtig sie für Dich gewesen sein muß … Mir geht es ja jetzt wie Dir: Wie Du sitze ich zur Weihnachtszeit zu Hause und wäre lieber ganz woanders. Ich hätte Dir gern noch Danke gesagt dafür, daß Du all die Jahre zuhause und für und Kinder da warst, Vater. Du fehlst.«

Der in einer – fiktiven – Weihnachtskarte zu lesende Text
Im Blogbeitrag weiter unten im Klartext zu lesen. (Und auch als ALT-Text hinterlegt.)

 

Er weiß, wer sie wann geschrieben hat (er war es nicht selbst). Er weiß, warum sie nie abgeschickt wurde. Und er schämt sich wie der Schreiber dafür, nie mit seinem Vater gesprochen zu haben über dessen Freundin. Deshalb weiß er wie sein Vater von seinem Vater nicht, was genau das war. Ob eine Freundschaft oder ein Verhältnis. Doch aus seinem eigenen Leben kennt er das Dilemma der gestoh­lenen Stunden, das schlechte Gewissen zu Heiligabend, wenn die Familie zusammensitzt und er sich wegwünschte aus der heilen Welt. Hin zu der, die er noch immer seine Seelenverwandte nennt. Und doch ist auch er nie gegangen wie schon sein Großvater und sein Vater nie gegangen waren, war verhaftet den Konventionen um das Familienfest. Vielleicht hatten sie alle drei nur zu wenig Mut, zu wenig Kraft, zu sich selbst zu stehen.

Der Tee ist kaltgeworden, die Kerzen auf der Pyramide sind fast heruntergebrannt. Er löscht sie und packt dann seine Erinnerungen wieder sehr sorgfältig ganz oben hinten in den Schrank.

 

 

Text von der Karte: «… wünsch ich Dir und ein gutes nächstes Jahr.
 
So wollte ich es Dir schreiben. Aber dann warst Du am zweiten Advent nicht mehr da. Und nun, nun bedaure ich, daß wir nie über eine Sache redeten. Denn ich wußte schon Jahre von Deiner Freundin, davon, wie wichtig sie für Dich gewesen sein muß … Mir geht es ja jetzt wie Dir: Wie Du sitze ich zur Weihnachtszeit zu Hause und wäre lieber ganz woanders.
 
Ich hätte Dir gern noch Danke gesagt dafür, daß Du all die Jahre zuhause und für uns Kinder da warst, Vater.
 
Du fehlst.«

 

Zunächst: Ich habe Schwierigkeiten, das Bild passend und sich selbst anpassend einzufügen. Und nein, das ist keine Weihnachtskarte aus meinem Schuhkarton. Ich habe sie geschrieben, aber der Text ist nicht meiner, der ist von Ich-weiß-nicht-wem. Das geschieht manchmal. Im Bereich Esoterik heißt das „Channeling”. Allerdings habe ich in meinem Schrank tatsächlich so einen Schuhkarton voller Erinnerungen …

 

Erinnerung des gestrigen Tages:
Ganz seltsam, aber: Ich erinnerte mich an meinen ersten Besuch (alleine) an einem FKK-Strand (ich war 15 Jahre alt).

 

Ich schleiche mich davon und wünsche eine schöne Advents- und Weihnachtszeit.

Der Emil

 

P. S.: Gestern, am 10. Dezember 2025 war ich zufrieden mit zwei Ideen, mit etwas zu Fuß Abgeholtem, mit Spaghetti Carbonara.


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344 im Advent 2025: 10. Türchen

 
Das ist mein 16. Blog-Adventskalender. Beim Schreiben denke ich oft an die, die krank sind oder Unterstüt­zung benötigen, an alle, die einsam oder allein sind. Möge allen Menschen eine im wahrsten Sinne des Wortes wunder­volle Weihnachtszeit beschieden sein. Meine Kerzen brennen auch in diesem Jahr für alle Menschen und Tiere, vor allem für die, die Hoffnung und Trost brauchen, und für die, die Freude an dieser Zeit haben.

 

Etwas, das für mich zum herannahenden Jahresende dazugehört.

 

 

Am Strauch vor dem Haus, gleich links vom Gartentürchen, neigt eine einsame dunkelrote Rosenblüte sich zur tiefstehenden Dezem­ber­sonne hin. Selbst reifbedeckt entgegnet sie dem Winter noch: Auch Du wirst nicht ewig bleiben.

Ihr Rot verdeutlicht für mich die Hoffnung, daß alles Vergehende neu ersteht.

 

 

Gestern weggegeben bzw. entsorgt:
Ich habe nochmal acht Trinkgläser aussortiert und ins Haus gestellt, sie scheinen alle neue Besitzer gefunden zu haben.

 

Ich schleiche mich davon und wünsche eine schöne Advents- und Weihnachtszeit.

Der Emil

 

P. S.: Gestern, am 9. Dezember 2025 war ich zufrieden mit etwas mehr Platz in einem Schrank, mit einem erhalteten Paket (ich war echt von den Socken!), mit erstem eingeräumten Krempel.


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343 im Advent 2025: 9. Türchen

 
Das ist mein 16. Blog-Adventskalender. Beim Schreiben denke ich oft an die, die krank sind oder Unterstüt­zung benötigen, an alle, die einsam oder allein sind. Möge allen Menschen eine im wahrsten Sinne des Wortes wunder­volle Weihnachtszeit beschieden sein. Meine Kerzen brennen auch in diesem Jahr für alle Menschen und Tiere, vor allem für die, die Hoffnung und Trost brauchen, und für die, die Freude an dieser Zeit haben.

 

Fürsorglicher als manch anderer zu dieser Zeit.

 

 

Es war Winter in der Stadt. Der brachte eines Nachmittags Schnee auf die Straßen und Plätze. Wie schon seit Monaten saß da der Mann mit dem großen Hut mit seinem Hund neben der Bushalte­stelle auf dem Boden. Mit dem Rücken lehnte er sich immer wieder an die große Werbetafel des Discounters. Manchmal las der Mann, manchmal schrieb er etwas in ein Schulheft. Vor dem Hund ein Schüs­selchen mit Futter, ein Schüsselchen mit Wasser, vor dem Mann ein Becher mit wenigen Münzen und ein Schild: „Wenn mein Hund satt ist, habe auch ich Hunger. Danke.”

Wenn es feucht war, lag der Hund auf einer Matte, der Mann saß meist auf Karton. Auch bei Schnee war das so. An diesem Nach­mit­tag schneite es in dichten Flocken. Als ich auf den Bus wartete und darüber nachdachte, ihm von meinem Kleingeld zu überlassen, geschah, was ich nie erwartet hätte. Der Mann nahm seinen Schal vom Hals, schlug den Kragen seiner Jacke hoch und deckte dann den Hund mit dem Schal zu. Der hob dann den Kopf, sah sein Herrchen an und legte die Schnauze wieder auf seine Pfoten. Ich sah Sorge in den Augen des Mannes, Sorge um seinen Begleiter.

Als ich in die Hocke ging und Geld in seinen Becher gab, hörte ich ihn zu ersten Mal sprechen: „Danke. Sie dürfen den Hund gerne auch kraulen.” Ich tat es kurz, hörte den Bus um die Ecke lommen und wünschte einen … Nein, ich sagte auf Wiedersehen, denn wie sollte ich ihm und dem Hund einen guten Tag wünschen können? „Er begleitet mich seit 17 Jahren. Ihn sehe ich also jeden Tag wieder …” Als der Bus abfuhr, beobachtete ich, wie draußen neben der Haltestelle ein sehr fürsorglicher Mann liebevoll seinen lang­jäh­ri­gen Freund streichelte.

 

 

Erinnerung des gestrigen Tages:
Die Weissagung in der Kirche St. Wolfgang in Schneeberg, zur Mettenschicht mitten in der Nacht.

 

Ich schleiche mich davon und wünsche eine schöne Advents- und Weihnachtszeit.

Der Emil

 

P. S.: Gestern, am 8. Dezember 2025 war ich zufrieden mit den trotz spätem Aufstehen geschafften Dingen, mit dem zusätzlichen Kaffee am Nachmittag, mit der das Fliewatüüt betreffenden Entwar­nung (ich konnte keinen Fehler feststellen).


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342 im Advent 2025: 8. Türchen

 
Das ist mein 16. Blog-Adventskalender. Beim Schreiben denke ich oft an die, die krank sind oder Unterstüt­zung benötigen, an alle, die einsam oder allein sind. Möge allen Menschen eine im wahrsten Sinne des Wortes wunder­volle Weihnachtszeit beschieden sein. Meine Kerzen brennen auch in diesem Jahr für alle Menschen und Tiere, vor allem für die, die Hoffnung und Trost brauchen, und für die, die Freude an dieser Zeit haben.

 

Ein Wintergedicht aus dem Erzgebirge, natürlich im Dialekt.

 

 
's riecht schu nooch Schnee

's riecht raacht nooch Schnee,
's werd wuhl ball schnein,
Zeit wär'sch derzu, wie mer su spricht;
de Aardäppeln sei langsoot rein,
in Kaller liegn se aufgeschicht.

An jeden Früh dr Naabel schmiert
in Tol rüm, doß mer nischt derkennt;
's is aah racht kalt, sein Laabn verliert
äns orndtlich un hot klamme Händ.

Ne gruße Fräd ze daarer Zeit
is doch es Stöckholz vür ne Haus.
Waar viel gespält, daar war gescheit
un wärmt die Tog is Stübel aus.

Hellmuth Steglich in “Behüt eich fei dos Licht”, S. 22
Herausgegeben von Manfred Blechschmidt. 3. Aufl. 1976.
© VEB Friedrich Hofmeister Musikverlag Leipzig 1976
Lizenznr. 484 – 250/A201/76, LSV 7109 · Bestell-Nr. 519 490 2

 

 

Eine Übersetzung? Nein, heute mal ohne. Nur drei Hinweise: a) „langsoot” ist lange genug (weil genug auch satt bedeutet), b) „sei Laabn verliert” heißt Blutwärme oder Lebensenergie verlieren und c) „gespält” bedeutet gespalten. Es ist nicht das Erzge­bir­gisch, das in meiner Herkunftsgegend gesprochen wird, sondern etwas weiter östlich üblich ist, in und um Zschopau. Steglich war nämlich Zschopauer. Es gibt auch keine verbindliche Schreibweise fürs Erzgebirgische, aber das Doppel-A ist der breite, gemütliche Laut zwischen a, ä und e, den es dort meines Wissens nach in allen örtlichen Varianten des Dialekts gibt. Und es sind nicht wenige Erzgebirger, die noch heute der Meinung sind, daß die Leute in jedem Dorf anders sprechen, andere Worte benutzen.

Ist das dort, wo ihr mit Mundart oder Dialekt aufgewachsen seid, auch so gewesen: Jedes Dorf hat seinen eigenen Klang?

 

Erinnerung des gestrigen Tages:
Natürlich nochmal Weihnachtsmärkte: Früher war weniger Freß- und Saufbude, ganz sicher.

 

Ich schleiche mich davon und wünsche eine schöne Advents- und Weihnachtszeit.

Der Emil

 

P. S.: Gestern, am 7. Dezember 2025 war ich zufrieden mit dem Dösen am Morgen, mit einem erneuten Rundgang übern Weihnachtsmarkt (heute mit Brille, aber nicht viel weniger unüber­ra­schend als ohne), mit Bratwurst und Kartoffelbrei zuhause.


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341 im Advent 2025: 2. Advent

 
Das ist mein 16. Blog-Adventskalender. Beim Schreiben denke ich oft an die, die krank sind oder Unterstüt­zung benötigen, an alle, die einsam oder allein sind. Möge allen Menschen eine im wahrsten Sinne des Wortes wunder­volle Weihnachtszeit beschieden sein. Meine Kerzen brennen auch in diesem Jahr für alle Menschen und Tiere, vor allem für die, die Hoffnung und Trost brauchen, und für die, die Freude an dieser Zeit haben.

 

Ich bin manchmal altmodisch, sogar ewiggestrig mit meinen Marotten.

 

Nachher sitze ich, wie seit Jahren schon, allein am Tisch. So zwischen Acht und Neun. Vor mir Kaffee und Speku­la­tius und mein Adventsleuchter, auf dem heute, am 2. Advent zwei Kerzen brennen. Ja, ein Leuchter. In Bogenform. Irgendwo hier im Blog ist er zu sehen – ach ja, dort: im 17. Türchen von 2016. Ich habe keinen Adventskranz und kein Adventsgesteck. Früher, ja, früher habe ich manchmal sogar selbst einen Kranz gebunden. Aber da stand im Garten am Haus auch ein Nadelbaum, der das notwendige Reisig dafür gab. Seit in einem Jahr ein solcher Kranz in einem kurzen unachtsamen Moment in Flammen aufging, habe ich nur noch den bzw. einen Leuchter. Aber der ist für mich nicht weniger weihnachtlich als ein Kranz oder Gesteck.

Natürlich erinnere ich mich in jedem Jahr an all die verlorengegangenen Dinge, die zur Adventszeit dazugehörten: der Weihnachtsberg im Blumenfenster bzw. als Fuß für den Weihnachtsbaum, das schwere Stanniol-Lametta. An all die Vorbereitungen, die für das Fest notwendig waren: Mandeln schnappen und mahlen, eben jenen Weihnachtsberg aufzubauen, die Männlein zu putzen und zu reparieren. Räucher­kerzen anzünden, in die Flammen der Kerzen sehen. Schon als kleiner Junge auch Kerzen anzünden, mit Streichhölzern, immer wieder. Das mache ich übrigens heute noch (bis auf seltene Ausnahmen): Kerzen mit Streichhölzern, nur mit Streichhölzern anzuzünden. Jede Kerze mit einem eigenen Streichholz. Ja, es gibt einen Grund dafür: Seemänner und durchgefärbte rote Kerzen. Irgendwann werde ich der letzte Mensch sein, der noch Zündhölzer, Schwefelhölzchen, Streichhölzer benutz, obwohl ich auch genügend Benzin- und Gasfeuerzeuge (zumeist sogar mit Sturmflamme) habe und sogar eines dieser per USB aufzuladenden mit einem Lichtbogen. Aber mit dem, das schwöre ich, habe ich noch nie eine Kerze angezündet.

Wahrscheinlich werde ich etwa neun Uhr heute beim Kaffee am Morgen sitzen. Mit Lebkuchen und Spekulatius, den ich in den Kaffee tunke. Ich hoffe, daß er nicht als Schlamm in der Tasse versinken wird, habe aber vorsichtshalber einen Telöffel bereit­liegen. Die zwei Adventskerzen werden brennen, es wird nach ausgeschüttel­tem Zünd­holz riechen. Und wenigstens ein Neudorfer Weihrichkaarzl wird seinen Duft verströmen. An der Zimmerdecke hängen der Herrnhuter Adventsstern und die Lampe, die bei meinen Großeltern im Haisl hing. Die hängt aber schon seit Jahren immer da, denn sie ist ein Erinnerungsstück an meinen Großvater, der sie geschnitzt hat. Wie gerne würde ich noch einmal Advent und Weihnachten mit ihnen und all den Dingen aus meiner Erinnerung erleben.

Und darf ich einmal neugierig sein? Womit habt ihr heute die zwei Adventskerzen entzündet: Mit einem Feuerzeug, mit einem Streichholz? Oder gar mit einem Kienspan? (Ich weiß, die allerwenigsten wissen noch, was ein Kienspan ist.)

 

Gestern weggegeben bzw. entsorgt:
Als ich unterwegs war, stellte ich sieben Bücher in einen Öffentlichen Bücherschrank.

 

Ich schleiche mich davon und wünsche eine schöne Advents- und Weihnachtszeit.

Der Emil

 

P. S.: Gestern, am 6. Dezember 2025 war ich zufrieden mit der Überraschung im anderen Advents­kalender, mit einen kurzen Schwätzchen auf dem Weihnachtsmarkt, mit einem Lacher, den mir Glattauers Weihnachtshund bescherte.


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