2025 – 115: Nachtnotat

Überraschender Fund nach einer nicht ganz so ruhigen Nacht.

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Erst fand ich nicht gut in den Schlaf, letzte Nacht. Dann war ich von halb Zwei bis knapp Vier wach, las und hörte Musik. Schlief schließlich bis halb Acht. Irgendetwas spukte in meinem Kopf herum. In der ersten Schlafphase träumte ich davon, daß ich komprimierte Miniuniversen mit zusätzlichen Komplikationen versah, dazu aber unbedingt ein Rennen gewinnen mußte. Zu dem fuhr ich auf einer weißen Schwalbe. Zur Wettfahrt stand mir ein ramponierter, mercedesgrauer Skoda 110 R (oder 130 RS) ohne Scheiben zur Verfügung, den ich einen Geröllhang hinab in ein Tal steuern sollte. Brrrrrr.

Was ich in der zweiten Phase träumte, weiß ich nicht. Aber ich fand eine Notiz in der Kladde, die immer neben der Schlafstatt liegt. Diese Zeilen da sind also die von heute Nacht und zum Teil sogar mit rotem Gekritzel umrahmt:

 

Schizophrene Resignation. Absolute Relativierungen. Gibt es gesundes Leiden? Wen ich liebe, den will ich bestrafen. Wer mich liebt, wird von mir verurteilt. Wer mich verehrt, den will ich verachten. Wer mich verachtet, den werde ich vernichten. Ich bin das Einzige, das zählt. Außer mir und außerhalb von mir ist nur nie gewesenes Nichts.

Das Nachtnotat.
Das fand ich heute morgen in einer Kladde …

 

Schizophrene Resignation.
Absolute Relativierungen.

Gibt es gesundes Leiden?

Wen ich liebe, den will ich bestrafen.
Wer mich liebt, wird von mir verurteilt.
Wer mich verehrt, den will ich verachten.
Wer mich verachtet, den werde ich vernichten.
Ich bin das Einzige, das zählt.
Außer mir und außerhalb von mir
ist nur nie gewesenes Nichts.

 

Nein, ich kann mich nicht daran erinnern, daß ich das aufschrieb. Nein, ich weiß nicht, was ich mir damit sagen will, woher die Assoziationskette (?) kommt. Welche Kapriolen mein Denkicht da geschlagen, welche Eskapaden es sich geleistet hat. Ich bin ratlos ob dieser Worte.

Den Tag über lag die Kladde, aufgeschlagen an dieser Stelle, neben mir. Von kurz nach Sieben bis kurz nach Sieben, zwölf Stunden lang. Immer wieder sah ich mir kopfschüttelnd das Gekritzelte an. Nein, ich weiß noch immer nicht, was ich mir sagen will, aber vielleicht fällt ja jemandem etwas dazu ein … Und wie immer sage ich mir: Auf irgendeine Art und Weise wird das schon dienlich sein und verwendet werden können.

 

Erinnerung des Tages:
Bei den Eltern zuhause mahlte ich Kaffee auch gern mit der Komet KM 7 (BJ um 1965).

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 25. April 2025 war ich zufrieden mit einigem handgemahlenen Kaffee, mit Hirsebrei und Spiegelei, mit dem Kauf eines Küchengeräts.


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2025 – 114: Menschgemacht

Natürlich. Weil Mensch und Mensch aufeinander reagieren.

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Wie sich doch alle (naja, fast alle) Zeichen dieser Welt für mich zum Guten verändern, wie ich wieder Unmengen von neuen Möglichkeiten erahnen kann für mein Leben! Immer dann, wenn ein Mensch mir auf allen Ebenen näherkommt und sich das stimmig anfühlt für uns beide. Oder wenn ich mich von einem anderen Menschen verabschieden kann oder gar befreien, ohne dabüber ein schlechtes Gewissen zu entwickeln. Ja, das hängt von jenem Menschen, unserem Verhalten und unseren Einstellungen ab.

Aber es ist beides schwer für mich: das Näherkommenlassen und das Gehenlassen …

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Zehn große Ordner stellte ich ins Haus, einige nicht mehr funktionierende Stifte gab ich sehr schweren Herzens in den Müll.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 24. April 2025 war ich zufrieden mit erledigter Einkauferei, mit dem Wegwerfen, mit weggeräumter Wäsche..


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2025 – 113: Farbig

Widersprüchlichkeit, die mich grad sehr interessiert.

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Ich weiß, daß es Synästhesie gibt, und ich kenne auch einige Menschen, die Synäs­the­tinnen sind. Jetzt versuchte ich seit ein paar Tagen, mir vorzustellen, wie dieses Erleben ist, sein kann – denn ich habe diese Gabe nicht. Dabei bleibt mir allerdings eine sehr sonderbare Frage:

Ist es möglich, daß die verküpften Wahrnehmungen in einer Kombination/Konstella­tion auftreten, wovon die eine angenehm, eine andere aber unangenehm ist? Zum Beispiel: eine angenehme Farbe mit einem unangenehmen Klang, oder eine unange­nehme taktile Empfindung mit einem angenehmen Geruch, eine schöne Ziffer/Zahl mit einer unangenehmen Temperatur? Ich weiß, daß es noch einige Möglichkeiten mehr gäbe, aber die alle aufzuzählen ist ja nicht notwendig.

Und: Das wäre für mich ein ernstes Problem, mit dem ich nicht umzugehen wüßte.

Und ja, das braucht mich eigentlich nicht interessieren. Aber ich habe da eine Idee für einen Text … Jetzt wüßte ich wirklich gern, ob es solche widerstreitenden Empfin­dun­gen gibt und wie man damit umzugehen lernen kann.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Knapp 1,5 TB Viertsicherungen von Daten wurden gelöscht.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 23. April 2025 war ich zufrieden mit weiteren Nacharbeiten, mit einer festgehaltenen Textidee, mit Bockwurst im Brötchen mit Senf.


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2025 – 112: Namen

Bei denen klingelt bei mir was – nur was?

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In einem Buch (Gabriele Eckart: Per Anhalter) lese ich diese beiden Worte und ich weiß, das sind Namen. Ich kenne sie. Woher nur? Vielleicht aus dem Deutsch­unter­richt, Literatur in der elften oder zwölften Klasse? Oder doch früher? Las ich davon bei den Deutschen Romantikern – bei Kleist, Günderrode, Arnim, Brentano, Uhland, Hoffmann usw. – oder in einem Essay von Christa Wolf? Ich weiß es nicht. Aber ich kenne diese beiden Namen. Vielleicht etwas Griechisches, ein unglückliches Paar, vermute ich, vielleicht.

Na klar, ich könnte im Netz suchen und würde sicher etwas finden dazu. Würde ich da aber erfahren, woher ich davon weiß? Wahrscheinlich nicht. Ich wüßte wieder, wer die beiden waren und wieso ich mich mit einem Literaturbezug an sie „erinnere”. Aber bestimmt nicht, wo und warum ich mit ihnen in Berührung kam. Wann war das nur …

Zwei Worte. Zwei Namen. Zwei Figuren. Klingelt bei euch etwas, wenn ihr sie lest?

Philemon & Baucis.

(Verratet mir bitte nicht, wer und was sie waren; sagt mir nur, ob und woher ihr sie kennt. Danke.)

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Nein, den abgezognen Bettbezug hab ich nicht mehr gewaschen, der war zu verschlissen und wurde nun weggeworfen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 22. April 2025 war ich zufrieden mit dem frühen Wachwerden, mit einem etwas längeren Mittagsschlaf, mit den bisher erledigten Nacharbeiten (Abwasch, Wäsche u.a.m.).


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2025 – 111: Feiertage

Die sind ja nach der kommenden Nacht erstmal vorbei.

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Es gibt Feiertage, an denen darf nicht gefeiert werden. Jedenfall nicht mit Party, Fete, Tanz und Tollerei. Es gibt Feiertage, an denen wird ausgelassen, ja geradezu exzessiv gefeiert. Es gibt Feiertage, von denen kaum noch jemand weiß, wieso es die gibt. Und zu manchen Feiertagen gibt es „Regeln”, die nur versteht, wer sich mit dem Inhalt, dem Anlaß, der Geschichte beschäftigt.

Hier, die jetzt zum Beispiel: Ostern. Der Karfreitag ist ein Stiller Feiertag, an dem nicht gefeiert werden darf. Und mit dem Wunsch „Frohe Ostern” sind auch viele viel zu früh: Denn das, frohe Ostern, wünscht man sich erst nach der Auferstehung. Nur: Wann war/ist die? Na? Und wieso ist Ostern nicht immer zur gleichen Zeit? Dadurch wird doch auch Pfingsten ziemlich beliebig durch den Kalender geschoben und noch so einige Feiertage mehr. Das ist doch doof, oder?

Frohe Ostern jedenfalls wünschte ich ab Ostersonntag, dem Tag der Auferstehung. Es gab im Mittelalter drei Tage (Ostersonntag, Ostermontag, Osterdienstag) fröhlich zu feiern; der Tag des letzten Abendmahls (Gründonnerstag), der Sterbetag (Karfreitag) und der Tag der Grabesruhe (Ostersonnabend) waren traurige Festtage. Karfreitag und Karsonnabend schweigen die Kirchenglocken. Es soll noch heute (christliche) Kirchen geben, in denen an diesen beiden Tagen keine Musik erklingt – eben weil es an diesen beiden Tagen nichts zu feiern, sonder den Verlust des Weltenretters zu betrauern gibt.

Genug des Religiösen. Wenden wir uns nun den Schokolade- und Marzipaneiern zu und überlegen einmal, wieso ausgerechnet ein Hase sie zu uns bringt … Hinweis: Eine Dissertation aus dem Jahre 1682 scheint die erste belegbare Erwähnung des Osterhasen zu sein.

 

Erinnerung des Tages:
ich kann mich an einige Osterfeste erinnern, zu denen noch richtiger Winter mit Schnee war.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 21. April 2025 war ich zufrieden mit nochmal vielen netten Menschen, mit dem vernünftigen Wetter, mit dem schnellen und trockenen Abbau.


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2025 – 110: Ausgeschlafen

Veränderungen, die ich miterlebe.

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Zu Ostern und Pfingsten – nur zu den beiden Sonntagen – tobte in meiner Kindheit immer ein Wettbewerb: Wer wird Pfingstochse bzw. Osterlümmel? Es war stets das Familienmitglied, das als letztes aus dem Bett fand an diesen Tagen. Echt, ich habe nie verstanden, warum und wozu man an Ausschlaftagen nicht ausschlafen durfte. Denn für uns stand kein Kirchbesuch an, obwohl auch meine Eltern formal der Kirche angehörten. Bei den Mecklenburger Großeltern akzeptierte ich das frühe Aufstehen, bei denen waren ja Tiere zu versorgen im Stall, und ich half dabei gern. Aber woanders …

Und da ich als Erwachsener wirklich nicht viel mit dem Osterfest anfangen kann, verstehe ich das noch weniger. Bei mir ist nichts entsprechend dekoriert, es gibt keine Schokoladenosterhasen, kein Osternest, keine versteckten Eier. Dafür gönne ich es mir, einfach nur auszuschlafen. Ohne Wecker, ohne das Vorhaben, zu einer bestimmten Zeit zu erwachen. Und vorm Aufstehen noch ein paar luzide Träume genießen. Das tat ich heute auch, im Schlafsack im Zelt. Die ersten Nachbarn waren schon kurz vor Acht radiomorgenshowmoderatorlustig, da drehte ich mich nochmal um. Halb Zehn war mir dann recht für den ersten Kaffee. Das Ausschlafen ist ein echter Luxus für mich.

Das Frühaufstehen war für mich als Schüler und Student normal. Damals kam ich aber auch mit viel weniger Schlaf aus, konnte Nächte mit weniger als sechs Stunden Schlaf einfach so „wegstecken”. Und zum Studium, wo es ab und zu zur nullten Stunde, also vor sieben Uhr, in den Hörsaal oder Seminarraum ging, war das auch noch kein Problem. Heute allerdings … Es ist ja auch so, daß ich eben nicht mehr nach sieben Stunden Schlaf wachwerde, nein, das sind mittlerweile neun Stunden, die sein müssen. Oder in genehmige mir, wenn das doch mal nicht möglich ist, ein Schläfchen zwischendurch. Ach, nicht nur das Ausschlafen ist ein Luxus, sondern auch die Möglichkeit, dann zu schlafen, wenn ich müde bin.

Heute hatte und war ich ausgeschlafen. Morgen wird es ebenso sein. Ich sehe die senile Bettflucht als etwas an, das mich hoffentlich nie betreffen wird. Und weiterhin gilt: Nicht die Uhrzeit des Aufstehens ist wichtig, sondern die ausreichende Dauer des Schlafs; hätte ich um Fünf schon meine neun Stunden Schlaf weg, könnte ich den Tag auch zu dieser Zeit beginnen. Egal ob am Osersonntag oder an jedem anderen Tag.

 

Erinnerung des Tages:
Da war heute ein Gespräch über die Zahl Zwölf.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 20. April 2025 war ich zufrieden mit dem Ausschlafen trotz Nachtigallengesang, mit dem Besuch von meinem Sohn, mit bösen Witzen und lauten Lachern.


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2025 – 109: Merkzettel

Nie gefragt, und jetzt völlig unverständlich.

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Und dann fand ich in seinem alten Wohzimmerschrank mehrere Zigarrenkisten voller Zettel. Nicht Einkaufszettel, die nicht. Aber Merkzettel, diese handschriftlichen Versionen von (offiziellen) Merkblättern. Die, auf denen in Stichpunkten und Stichworten festgehalten wird, was nicht vergessen werden darf. Mein Vater hatte zu seinen Lebzeiten immer wieder Notizen gemacht, auf solchen Zetteln, eine halbe Postkarte groß. Ich hab mich verdammt oft gefragt, was er da aufschrieb. Und er tat das immer: als ich noch zur Schule ging, als ich bei der Armee war, während meines Studiums, und als ich dann wieder im Elternhaus wohnte und er schon Rentner war. Seine Marotte. Immer notierte er irgendetwas auf solche Merkzettel. Doch nie, wirklich nie wäre mir in den Sinn gekommen, nachzusehen oder zu fragen, an was er sich da unbedingt erinnern will.

Jetzt räume ich die Wohnung meiner Eltern aus. Mutter ist seit acht Jahren nicht mehr. Und jetzt ist Vater ihr hinterher, wie er ihr immer hinterher ist Zeit ihres Lebens. Da sind also all die Merkzettel, die er anfertigte. Das Datum kann ich lesen. Aber nicht das, was er da auf­schrieb. Vielleicht ist es nur eine Art Tagebuch? Ich weiß es nicht. Was ich auch nicht wußte: Daß er Gabelsberger beherrschte, also Stenografie. Als Busfahrer, und das war er, solange ich ihn kenne, bis zur Rente, hat er das ja nie gebraucht. Warum also?

Wahrscheinlich liegen all seine Geheimnisse vor mir – und ich kann sie nicht lesen. Ich hätte fragen sollen.

 

 

Erinnerung des Tages:
Heute traf ich mehrere Leute, die mich seit Jahren immer wieder besuchen. Da waren viele „weißt du noch” …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 19. April 2025 war ich zufrieden mit dem trockenen Wetter, mit vielen lächelnden Menschen, mit extrem leckerem Knobibrot.


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2025 – 108: Erbstück 033

Tagebuch A: Mittwoch, 2. Februar.

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Heute morgen mit der Frage aufgewacht: Was passiert, wenn ich aus meiner Schreibzeit eine Denkzeit mache? Denn das Denken ist die Hauptarbeit beim Schreiben. Hm. Beim Kaffee habe ich darüber nachgedacht und bin zu keinem eindeutigen Ergebnis gekommen. Also geht es, geht alles erstmal so weiter wie bisher. Im alten Trott.

Früher konnte ich mich sehr viel besser als heute an neue Dinge und Abläufe gewöhnen, war ich irgendwie beweglicher. Ist das jetzt beginnender Alterstarrsinn? Oder ist es ein Zeichen für die mit dem Alter schwindenden Fähigkeiten? So früh schon? Ich hatte gehofft und hoffe noch immer, daß mir bis dahin noch wesentlich mehr Zeit bleibt: Ich bin noch keine 50 Jahre alt! Andererseits wollte ich ja sowieso nie so alt werden, als ich noch wesentlich jünger war.

Ach verflixt. Jetzt denke ich über dieses Altersding nach und finde deswegen in nichts Anderes hinein. Hab ja sonst nichts zu tun, an nichts Anderes zu denken, mich um nichts Anderes zu kümmern – ich kann mir ja beliebig viel Zeit nehmen für dieses ergebnislose Herum­denken. Dabei bin ich froh, daß das heute nicht in Grübelei ausartete, die mich in einer Spirale hinunterzieht in irgendwelche Abgründe. Dennoch: Dieses Thema hat mich heute blockiert, läßt mich jetzt, am Abend, unzufrieden sein mit dem Nichtschaffen über den ganzen Tag. Und weil es auch jetzt nichts bringt, ergebnislos am Schreibplatz zu sitzen, gehe ich schlafen.

Meine Frau hat sich bis heute nicht ein einziges Mal gemeldet, ist wie vom Erdboden verschwunden. (Das macht mein Leben leider auch nicht einfacher. Ich mache mir Sorgen um sie und um ihr Wohlergehen.)

 

 

Mit diesem Text wird das geerbte Tagebuch fortgesetzt. Alle Teile der Erbkladden-Serie sind in diesem Link in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge (neueste zuerst) zu finden. Über eines der Notiz­bü­cher erzählte ich ja schon vor langer Zeit, im November 2012. Ich tippe die kleinen blauen lateinischen Buchstaben ab, immer mal wieder. Erst jetzt nämlich darf ich abschreiben aus den „von einem Freund geerbten” Kladden mit dieser winzigen Schrift.

 

Erinnerung des Tages:
Als Kind war ich mit den Großeltern in der Pelzmühle Rabenstein, dort verkündete ich laut: „Die Schweine spielen Zug!“ Zu sehen war im Tierpark eine Kopulation bei Hängebauchschweinen …

 

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P.S.: Am 18. April 2025 war ich zufrieden mit der reibungslosen Fahrt, mit dem trockenen und schnellen Aufbau, mit einem schönen Schwatz am frühen Abend.


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2025 – 107: Wandererdilemma

Manchmal hilft in dem ein schnödes Ignorieren.

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Zumindest war damals noch keine Depression diagnostiziert bei mir, denn es wurde zur Wendezeit von mir geschrieben (und ich weiß wirklich nicht mehr, wieso):

 

 

Auf so vielen Wegen scheint zumindest die Richtung zu stimmen, bis man auf die am Wegrand lauernde Katastrophe trifft.

 

 

Ist das Pessimismus oder knallharter Realismus? Gültig zu sein scheint es mir – für mich – noch heute, denn da ist immer wieder ein Haufen, in den ich trete, ein Stein, über den ich bös stolpere. Aber es hält mich nicht vom Weitergehen ab.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Immer wieder sammelt sich im Fliewatüüt Unrat; heute entsorgte ich den wieder einmal.

 

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Der Emil

 

P.S.: Am 17. April 2025 war ich zufrieden mit der Mithilfe beim Ausladen, mit dem im Fliewatüüt verladenen Zeug, mit der beginnenden Freude auf das lange Wochenende.


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2025 – 106: Beiwerk

Von den Zweifeln und der Nebensächlichkeit beim Schreiben eines Gedichtes.

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Da saß ich und wollte mich wiedereinmal poetisch betätigen. Auf ein weißes Blatt Papier wollte ich ein Gedicht schreiben, ein neues, noch nie dagewesenes. Und da saß ich und fragte mich: Was, wenn die ganze Welt, die Erde, das Weltall, einfach alles schon das eine, das einzige perfekte Gedicht ist – und alles andere nur Fußnoten, Beiwerk, Randbemerkungen, die getrost übersehen werden können?

Ich ließ in diesem Augenblick das Gedichtschreiben bleiben und freute mich statt­dessen mit einem Tee meines Lebens.

 

Erinnerung des Tages:
Im Kindergarten waren alle meine Dinge mit einer Brottasche gekennzeichnet – einer dunkel­braunen aus Leder. Meine war aus hellbraunem Leder.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 16. April 2025 war ich zufrieden mit dem nichtgeschriebenen Gedicht, mit einer Kanne Tee, mit den fürs Wochenende vorbereiteten Dingen.


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