2025 – 095: Zurückweichen

So könnte ich es gesehen haben.

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Ein Chow-Chow sitzt vor einem Laden, etwas abseis des Eingangs zwischen zwei Schaufenstern. Ein echter Chow-Chow; und er ist nirgends angebunden. Er sitzt da und rührt sich nicht. Manchmal wird eine Hand nach ihm ausgestreckt als Angebot zum Schnüffeln oder gar Kraulen – dann steht der Hund auf, geht zwei Schritte rückwärts (bis an die Hauswand) oder zwei Schritte zur Seite. Das ist ein deutliches Zeichen, daß er nicht angefaßt werden möchte; und die Menschen – selbst die Kinder – respektieren das. Wenn die „Gefahr” vorüber ist, kehrt der Chow-Chow genau zu der Stelle zurück, an der er vorher saß.

Ein bemerkenswerter Hund. Er ist schon eine imposante Figur, wie er da sitzt, ähnelt er doch den Löwen, die im Fernen Osten Tempel und ähnliche Stätten bewachen. Es stimmt, er ist nicht angebun­den. Und ob er ein Halsband trägt, ist in seinem dichten, dicken, flauschigen Fell nicht deutlich zu erkennen. Er sitzt da und strahlt eine Ruhe und Majestät aus, die mich beeindrucken.

Aus dem Laden kommt eine weißhaarige, kleine Frau mit einem Rollator. Als sie an ihm vorbeigeht, gesellt sich der Chow-Chow zu ihr. „Bei Fuß” geht das sehr eingespielte, seltsame Paar gemächlich um die nächste Hausecke.

 

 

Erinnerung des Tages:
Ich vermisse den Schwan, den ich vor vielen Jahren streicheln durfte.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 5. April 2025 war ich zufrieden mit meinem Vorhaben der Faulheit, mit der Unzu­frie­den­heit mit dem Faulsein, mit dem Unterwegssein im Draußen.


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2025 – 094: Wasserphantasie

Ihr sicheres Eintreten erwarte ich sehnsüchtig.

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Einmal wirst Du mit mir, werde ich mit Dir an einem Wasser sitzen; wir werden unsere Füße hineinbaumeln lassen und nach den Schäf­chen­wolken sehen, die sich um die Sonne scharen. Und es wird warm sein. Und eine sanfte Stille wird uns erlauben, den Gedanken nachzuhängen. Wir werden schmunzeln über all die Verrenkungen und Umwege, die uns notwendig erschienen, um diesen Moment reuelos genießen zu können. Wir werden schmunzeln und atmen mit nassen Füßen und freien Herzen und das Sein spüren mit allen Sinnen. Von da an für immer.

 

 

(Mitten in der Nacht notiert, um danach beruhigt wieder einschlafen zu können.)

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Siebzehn Bücher brachte ich zu einem Öffentlichen Bücherschrank.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 4. April 2025 war ich zufrieden mit dem Verlauf des Vormittags, mit zwei aufgeschrie­be­nen Textchen (das hier ist einer davon), mit zwei gefundenen erzgebirgischen Weihnachtsbüchern (konnte ich nicht liegenlassen).


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2025 – 093: Gestolpert

Ausgebremst und deshalb in die Wissenschaft geflüchtet.

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Ich lese ja immer in mehreren Büchern parallel – nicht gleichzeitig, nein, immer nur in einem, und doch parallel in normalerweise dreien. Im Moment aber …

Zur Zeit nämlich liegen Martin Suters „Die Zeit, die Zeit”, Eva Strittmatters „Briefe aus Schulzenhof” (ja, noch immer), Ingrid Johannis' „Das siebente Brennesselhemd”, Susanne Mischkes „Der Mondscheinliebhaber” und Bernd Schirmers „Sindbads Mütze” bei mir herum. Alle unterschiedlich weit gelesen bisher. Und in allen fünf Büchern komme ich gerade nicht weiter, denn: In jedem von ihnen fand ich einen Satz oder ein kleines Stück Text, das mich nicht weiterlesen läßt. Worte, die mich beschäftigen, die ich im Denkicht wälze, die ich nicht einfach nur lesen kann. Immer wieder nehme ich eines der fünf Bücher zur Hand, schlage es auf, lese die Seite vor dem Stolpertext und die mit ihm, wiederhole den, einmal, zweimal, versinke in Gedanken und klappe das Buch wieder zu.

In keinem Fall kann ich diesmal erklären (auch mir nicht), was genau mich an eben jenen Stellen festhält, fasziniert, beschäftigt. Es arbeitet noch. Ich weiß, daß irgend­etwas darauf wartet, von mir herausgefunden zu werden aus eben diesen Sätzen – vielleicht sogar eine mir bisher noch völlig unvorstellbare Verbindung zwischen einer Szene aus dem Alltag mit Kindern, Sätzen über die Fernwirkung einer poetischen Stimme, dem Satz mit dem Problem der Zeit, einem Satz zum Luxus der Unerreich­barkeit und den Sätzen über Geborgenheit. Da liegen sie, die fünf Bücher, die gerade unweiterlesbar sind. Doch vielleicht geht es morgen schon mit einem weiter oder mit zweien.

Einstweilen habe ich mir deshalb ein weiteres Buch gegriffen, in dem ich hoffentlich nicht so schnell hängenbleibe. Es ist – nun ja, schon etwas speziell. George G. Szipro: „Das Poincaré-Abenteuer”, Untertitel „Ein mathematisches Welträtsel wird gelöst”. Es heißt, daß der Autor darinnen nur zweimal eine mathematische Formel benötigte, um die ganze Geschichte zu erzählen. Die ersten vier Kapitel jedenfalls ließen mich noch nicht steckenbleiben.

 

Wer die Poincaré-Vermutung nicht findet oder mit Wikipedia nicht viel anfangen kann, dem empfehle ich, diesen Link zu besuchen: Michael Eisermann: Was besagt die Poincaré-Vermutung? Dort kann man vielleicht sich annähern an die Bedeutung des Satzes: Jede einfach zusammenhängende, kompakte, unberandete, 3-dimensionale Mannigfaltigkeit ist homöomorph zur 3-Sphäre. Oder ganz allgemein formuliert: Jede geschlossene n-Mannigfaltigkeit mit dem Homotopietyp einer n-Sphäre ist zur n-Sphäre homöomorph.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Weitere unbrauchbare Kassetten wurden entsorgt und weitere leere Kartons ins Altpapier gegeben.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 3. April 2025 war ich zufrieden mit einem Müsli, mit Numiroso, mit einigen im Haus weitergegebenen Kassetten.


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2025 – 092: Buchfund

Eine Deutung möchte ich lieber nicht haben.

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Mir träumte von einem Spaziergang durch eine Kleinstadt. Im Schaufenster eines Buchladens fällt mir etwas auf, nein, es irritiert mich etwas, das ich zuerst nicht entdecke. Doch dann: Da steht ein Buch. Natürlich nicht nur ein einziges, sondern viele Bücher. Aber unter denen steht ein besonderes Buch. Auf dem einfachen nacht­blauen Schutzumschlag ist in weißen Buchstaben zu lesen:

 
Der Emil
 
 
 
GeDACHt
Geschrieben
Erlebt
Gesehen
 
 
 
Schräge Texte von der Seite.
 
 

Oh. Da hat jemand meine Texte? Ich nämlich war es nicht. Im Buchladen lasse ich mir ein Exemplar reichen. Hinten auf dem nachtblauen Schutzumschlag ist ein Foto von mir zu sehen. Ich blättere darin herum, lese hier und da. Ich bemerke, daß einige mir bekannte Fehler von einem Lektorat korrigiert wurden. Als ich nach dem Preis frage, wache ich auf …

Und ich kann mich ums Verrecken nicht daran erinnern, in welchem Verlag das Buch erschienen war im Traum.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Um die 20 Kassetten, bei denen sich das Magnetband nicht bewegen ließ, landeten im Müll.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 2. April 2025 war ich zufrieden mit drei sortierten Kartons voller Musikkassetten (ist nur noch einer), mit 18 gefundenden Video-8- und VHS-C-Bändern (Was da wohl zu sehen sein wird?), mit gehörter alter Musik von Kassette.


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2025 – 091: Müdigkeit

Ein Zitat, das mir sehr Bekanntes ausdrückt.

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Müde werden. Müde über all dem zu Vergessenden. Nicht rühren wollen daran. Nicht gebunden sein wollen an dieses gewordene Ich. Es doch bleiben müssen. Ob erinnert oder vergessen. Der Unter­schied liegt in den Schmerzen. Den Schmerzen beim Erin­nern. — Dagegen ist die Leere nach dem Vergessen angenehm. Angenehm —? — Dieses Gefühl, kalt zu werden. — Bei manchen hat vielleicht das Sterben so angefangen. — Daß ihnen kalt wurde.

Elisabeth Reichart: Februarschatten. Roman. S. 33
Edition Neue Texte im Aufbau Verlag Berlin und Weimar 1985
mit Genehmigung des Verlages der Österr. Staatsdruckerei
© Verlag der Österreichischen Staatsdruckerei, Wien 1984
Lizenznr. 301. 120/29/85 · Bestellnr. 613 227 0

 

 

Noch heute berühren mich diese Sätze aus dem Roman, der so wenig mit mir und meinem Leben zu tun hat und in dem ich dennoch haufenweise Gedanken fand, die ich genauso oder sehr ähnlich wälzte. Ich kannte (und erinnere mich sehr deutlich an) dieses Nicht-Wollen, diese Müdigkeit, diese Schmerzen, dieses Erinnern, dieses Kaltwerden. ALles in mir schrie einst, was da geschrieben steht, voller Verzweiflung schrie ich das und kraftlos schrie ich das. Viel zu leise, damit es auch ja niemand hören konnte und mir vielleicht hätte Hilfe anbieten wollen. Ja, ich erinnere mich noch an diese Zustände; zum Glück erlebe ich sie heute nicht mehr oder nur noch sehr, sehr abgeschwächt.

Und ich möchte nie wieder dahin zurück!

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Einen Stapel alter Magazine (c't u. ä.) ging ins Altpapier. (Oh, das viele Geld …)

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 1. April 2025 war ich zufrieden mit den ignorierten (bzw. nicht bemerkten) Aprilscherzen, mit dem Fortschritt beim Ausräumen des Bettkastens, mit Sauerkrautsalat zum Abendbrot.


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2025 – 090: Niesel

Aus Erlebtem zusammengereimt.

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Ich habe keine Ahnung, warum das unbedingt in dieser Form ausgedrückt werden wollte.

 

 

Dieses unhörbare Rauschen
Wenn ringsum ein Niesel fällt
Läßt mich achtsamer noch lauschen
Auf die Stimmen unsrer Welt

Keine Krähe hör ich rufen
Nirgends klingt ein Hummelbrumm
Laut ist, was wir Menschen schufen
Alles andere scheint stumm

Ach, wie fehlen mir die Klänge
Die ich hörte noch als Kind
Und ich hoff, daß all die Tiere
Nur im Niesel stille sind

 

 

Ja: Da, an genau dieser einen Stelle, da reimt es sich nicht. Na und?

Was ich da beschreibe, fällt mir auch auf andere Art und Weise und zu anderen Gelegenheiten auf – ich sag nur Windschutzscheibe. Und wann hatte denn eine Fahr­rad­fahrerin zum letzten Mal mehrere Mücken zwischen den Zähnen? (Ein Scherz, seht ihn mir bitte nach!) Doch es ist wahr: Bei den letzten Nieselregen vor etwa einer Woche und gestern schwiegen sogar die Dohlen, die sonst im Schloß oder in der Wasserburg fast ununter­brochen zu hören waren, und der Rote Milan. Das ließ mich für kurze, viel zu kurze Moment stutzen, inne­halten, bewußter hinhören. Und außer­dem stehe ich fast täglich am Abend oder gleich nach dem Erwachen an meinem Fenster: Ich lausche für eine Minute oder zwei und freue mich, wenn ich Vögel oder anderes Getier wie Fuchs oder Reh oder Frösche wahrnehmen kann.

Menschengeräusch mag ich ja auch, aber der ganze technische Krach ist mir (trotz der durchaus wichtigen Funktion des Rückwärtsfahrpiepsens) immer öfter zuwider (wie auch sprechende Geräte – warum kann das nicht durch einen Knopfdruck im Aufzug abgestellt werden).

Ich geh jetzt suchen nach Audioaufnahmen aus einem abgelegenen Mittelgebirge oder von einer Insel, ganz ohne technische Geräusche. Mal sehen, ob's da was gibt. Ihr dürft mir dazu gerne Hinweise geben.

 

Erinnerung des Tages:
Ich war ja mal begeisterter CB-Funker mit dem Rufzeichen „Emil der Virus” und verabschiedete mich aus den Gesprächen immer mit: „An alle schnell noch Tschüß, Bye-Bye – und der Kanal ist virenfrei.”

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 31. März 2025 war ich zufrieden mit erledigten Nacharbeiten, mit sortierten Büchern (noch nicht weggegeben), mit einer glücklich beendeten Suche.


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2025 – 089: Hypothetisch

Da ist ein dicker Knoten in meinem Denkicht.

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Auf einem Zettelchen in einer alten Kladde fand ich ein paar Worte, die sich beim Denken zu folgendem auswuchsen:

Es wurde für ein zukünftiges Problem, das mit sehr hoher Wahrscheilichkeit auftreten wird, eine vollständige, einfache und preisgünstig umsetzbare und unter allen Um­stän­den von allen akzeptable Lösung gefunden. Ist diese Lösung dann plötzlich nicht richtig, nichts wert und nie etwas wert gewesen, wenn ein wirklich unvorhersehbarer Zufall dazu führt, daß das erwartete Problem, das mit an Scherheit grenzender Wahr­scheinlichkeit auftretende Problem doch nicht zur Wirklichkeit wird?

Wie sollen diese Lösung, wie die in sie hineingesteckte Arbeit und die verwendeten Ressourcen denn noch bewertet werden, wenn alles überflüssig, in den Augen vieler also nutzlos war?

 

Ja, sowas schwirrt mir im Kopf herum, wenn ich nach Ideen für einen Text suche und fündig werde …

 

Erinnerung des Tages:
(Ergänze ich später.)
Heute früh saß ich mit einem Kaffee neben dem Zuber und dachte daran, wie verschämt ich bei meinem ersten Gang hinein war mit all den fremden Menschen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 30. März 2025 war ich zufrieden mit Spaß und erhaltener Hilfe am Morgen, mit meiner Beteiligung an der Kampfshow (ja, als Mönch), mit der frühen Heimfahrt.


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2025 – 088: Unendlichkeit

Vielleicht ist das übertrieben romantisch.

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Wer liebt, sieht in den Augen des geliebten Menschen vielleicht wie ich die ganze Unendlichkeit dieses Gefühls; und die zeitliche Endlichkeit des Lebens verliert in solchen Momenten jegliche Bedeutung.

 

 

Erinnerung des Tages:
Frisches Brot aus einem Holzofen, mit Speckfett (Griebenschmalz) und Milchkaffee dazu.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 29. März 2025 war ich zufrieden mit dem Aufbau am frühen Morgen, mit lautem Lachen, mit den bisher unbekannten Menschen gemachten Scherzen.


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2025 – 087: Gewißheiten

Unsicherheit (mit als vorherbestimmt befürchtetem Ausgang).

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Ich war Soldat, drei Jahre lang im Kalten Krieg. Nur ein einziges Mal gab es völlig unvorbereitet einen Alarm, zu dem die Einheit mit scharfer Munition und scharfem Waffensystem ausrückte, woandershin als in das übliche Übungsgelände (es war 1983 zu „Able Archer”).

Doch selbst in diesen zwei oder drei Tagen war die Angst vor der Zukunft nicht so groß, wie sie heute bei mir ist.

Vielleicht liegt das daran, daß viele Gewißheiten einfach keine mehr sind (wir glaubten fest an die Vernunft aller Menschen). Daran, daß selbst mein eignes kleines Leben in der sogenannten „sozialen” Marktwirtschaft immer unsicherer, immer prekärer, immer armseliger wurde mit der Zeit. Weil es eben (zum Beispiel) nicht so sehr viele (kulturelle) Veranstaltungen gibt, die ich eintrittsgeldlos besuchen kann oder zu einem Preis, der im Regelbedarf abgebildet ist … Außerdem sorgt schon seit einigen Jahren mein Alter für sinkenden Wert meiner Person und meiner Fähigkeiten und Fertigkeiten „auf dem Arbeitsmarkt” (der in meinen Augen noch nie ein Markt war, nebenbei bemerkt).

Die verschwundenen Gewißheiten in meinem Leben wurden durch immer mehr immer größere Unsicherheiten ersetzt; und mir scheint bei denen ein guter Ausgang für mich der wesentlich unwahrscheinlichere Fall zu sein.

 

Ich habe den von mir am 25. März 2025 auf meinem #WriteFreely im #Fediverse veröffentlichten Text hierher geholt.

 

Erinnerung des Tages:
An einem ersten April schaffte ich es vor Jahren, etwa 30 Menschen auf einmal in den April zu schicken.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 28. März 2025 war ich zufrieden mit etwas Mitgegebenem, mit unerwarteter Post (Danke!), mit dem beladenen Fliewatüüt.


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2025 – 086: Parallel

Eine Form von Multitasking.

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Heute muß so viel parallel gemacht werden! (Aber selbst in der EDV war das am Anfang eher eine Schwindelei, Stichwort „preemptives Multitasking” …)

Früher™ nannten wir das noch gleichzeitig. Und so vieles kann nicht gleichzeitig erledigt werden, wenn es nicht so eingeübt ist, daß da sozusagen Automatismen ablaufen. Als Beispiel nenne ich meine Mutter: Die konnte strickend fernsehen, sich dabei mit dem auf ihrem Brillenbügel sitzenden Wellensittich beschäftigen und dem Vater Anweisungen geben! Bis auf das Gestrickte allerdings …

Gleichzeitig mehrere Dinge zu erledigen fällt mir ziemlich schwer. Ganz im Gegenteil versinke ich oft so tief in dem, was mich gerade beschäftigt, womit ich mich gerade befasse, daß andere Reize nicht zu mir durchdringen. Die, die es tun, müssen wirklich extrem aufdringlich sein. Ja, bei mir zuhause dudelt oft Musik „im Hinter­grund”, sie ersetzt das Menschengeräusch, das mir häufig die Konzentration auf eine Sache, beim Schreiben erleichtert. Ich höre weder das eine noch das andere, aber eine plötzliche Stille bemerke ich. Und doch sage ich, daß auch das, Musikhören und Schreiben, nicht gleichzeitig, nicht parallel von mir getan werden kann.

Nur in Ausnahmefällen versuche ich deshalb, während eines Telefongespräches schnell etwas im Netz zu recherchieren; jedenfalls fällt das zumeist auf, weil ich eben nicht nur abgelenkt erscheine, sondern auch bin. Das behagt mir selbst nicht – ich möchte niemanden um meine Aufmerksamkeit betrügen.

Ich bin auch nicht wirklich in der Lage, etwas schnell mal nebenher zu erledigen. Daran hindert mich mein Ehrgeiz, Dinge so zu erledigen, daß ein gutes Ergebnis entsteht. Nicht das beste, nein, dazu reichen meine Fähigkeiten und mein Geschick nicht aus. Aber ein gutes Ergebnis. Das ja meist ausreicht. Das will ich schaffen. Und in bewußt parallel auszuführenden Prozessen bin ich dazu nicht in der Lage.

 

Erinnerung des Tages:
Heute beim Kaffeemahlen mit der alten Handmühle. Ich durfte noch vor der Einschulung bei meiner Großmutter Kaffe mit der Hand mahlen und auch aufbrühen. Das roch gut und war etwas, das mich stolz machte.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 27. März 2025 war ich zufrieden mit dem abgeholten Fliewatüüt, mit der Hilfe (die ich leisten konnte), mit gepacktem Krempel.


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