Wieder eine Kolumne der noch immer nicht ganz bekannten Figur.
To get a Google translation use this link.
Was ich sonst streng voneinander trenne
Das liebe ich am November: Den ganzen Tag wird es nicht richtig hell, bleibt es grau. Das gibt mir die Gelegenheit, auch tagsüber hin und wieder die Augen zu schließen. Als freiberufich arbeitender Mensch kann ich mir meine Zeit ja wirklich einteilen, wie ich mag. Und ganz ehrlich: Nach so einem Nickerchen schaffe ich mehr, als wenn ich mich müde an den Schreibtisch setzte und recherchierte und zu schreiben versuchte. Und in diesem wundervoll diffusen Licht, das heute durchs Fenster kommt, schmeckt mir mein Tee außerdem viel besser.
Natürlich ist meine Stimmung jetzt nicht himmelhoch jauchzend. Heimelig ist mir, weil ich es mir hier zuhause heimelig mache. Ich habe sowieso kaum direktes Licht – nur am Schreibtisch, in der Küche auf der Arbeitsplatte und am Spiegel im Bad. Mit den dicken Socken und den Wohlfühlpullis macht es mir auch nichts aus, daß es draußen kühler ist. Neben dem Teelicht im Stövchen brennen noch drei in einem Stück Wurzel auf dem Couchtisch. Hier drin ist es gemütlich, heimelig eben – nein, ich werde das nicht hygge oder sonstwie nennen. Das deutsche Wort gefällt mir ausnehmend gut. Ich muß schon für meine Arbeit zu viele neudeutsche Anglizismen einsetzen. Warum muß alles, was gemocht wird, denn „in” sein und Gutes immer „top”?
Nein, ich gehöre weiß Gott nicht zur Sprachpolizei. Ich unterscheide dennoch zwischen beruflichem Schreiben, das ich am Geschmack der Auftraggeber ausrichte, und meinem privaten Schreiben, in dem ich mich einfach nur wohlfühlen möchte. Nur sehr selten, wie jetzt in dieser Kolumne zum trüben November, lasse ich die Vermischung beider Bereiche zu.
Ich liebe den November als Ganzes, weil ich da meinem Bedürfnis nach Heimeligkeit ganz offiziell nachgeben kann, und meine Melancholie hilft mir manchmal dabei. In diesem Sinne: Machen Sie es sich gemütlich.
(R. Pel.)
Erinnerung des Tages:
Bei einem seiner Besuche kam Onkel Herbert aus HL/EU (ich weiß das Kennzeichen nicht mehr genau, und der Ort wechselte vom einem zum anderen Zulassungsbezirk) mit seinem goldfarbenen Opel Senator.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
P.S.: Zufrieden war ich am 18. November 2024 mit dem gestern vorgekochten Essen, mit meiner Herumgammelei, mit einer Idee zu einem Wochenendgrundstück (noch ist nichts entschieden).
© 2024 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Also wie dein Protagonist bemühe ich mich auch Anglizismen zu vermeiden, was oft einfacher ist, als gedacht.
Schön, deine Worte über das Heimeligsein!
Wegen der gewissen Worte, da reicht „top“ nicht aus, es muss „mega“ sein!
Liebe Grüße von Sonja