2025 – 190: Glanz

Manches kann ich sehen, ohne daß ich es wirklich sehen muß.

 

 

Über dem Wasser liegt heute
im Sonnenlicht nicht nur ein Glitzern.
Der ganze See glänzt in satt goldenem Licht.

Ein 28er nach Helmut Maier.

 

 

Und hier am Ufer dämpft das satte Grün des Laubs grell gleißendes Licht.

Ich hab's zur Zeit mit sommerlichen Bildern, scheint mir. Er ist ja jetzt auch so, wie ich ihn mag: angenehm warm, ab und zur etwas Regen.

 

Erinnerung des Tages:
Was ich heute sehen kann, war Zeit meines Lebens bisher hinter Bäumen und dichtem Gebüsch versteckt, wirklich immer.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 9. Juli 2025 war ich zufrieden mit der reibungslosen Fahrt, mit dem Regen, mit anderen Erinnerungen, die ich mir aufschrieb.


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2025 – 189: Sommerbilder

Irgendwo, wo ein Fluß im Tal durch einen Wald fließt.

 

 

Es ist noch vor Neun, wir führen unsere Fotoapparate aus. Fast will sich ein Frösteln einstellen im Schatten unter den Bäumen im Wald. Nach den zwei Hitzewochen sind fünfzehn Grad im Sommer schon kühl. Und still ist es hier auch. Nein, nicht so still, daß keine Geräusche zu hören sind, aber es sind nur Geräusche, die nicht stören. Vogelzwitschern. Rauschen der Blätter. Knackende Ästchen unter meinen Füßen. Dein Atem neben mir. Sprechen ist nicht nötig. Wir gehen Hand in Hand ohne ein bestimmtes Ziel auf kleinen Wegen durch den Wald. Ich würde ja gern … Aber nein, es ist zu kühl, ich bin da sehr empfindlich und du bist es auch. Und doch tut es uns gut, daß die Hitze sich verzogen hat, zumindest für ein paar Tage, sagt der Wetterbericht. Wir machen Bilder von Blümchen und Gras und Kraut und auch von Insekten. So lange, bis der Film in meiner Kamera voll ist. Dann geht es zurück nach Hause.

Wir werden am Nachmittag einen weiteren Spaziergang machen, du und ich. Zum Fluß hinunter. Der ist schon seit Jahren sauber, es leben Forellen und andere Fische darin, kleine, deren Namen ich nicht kenne. Die sandige Stelle wird dann in der Sonne liegen. Und wenn nicht zu viele andere Menschen dort sein werden, dann liegen wir nackt in der Sonne und sitzen und liegen nackt im Wasser und freuen uns über unsere Gänsehaut. Es sollen 25 °C werden heute. Vielleicht trocknen wir uns gegenseitig ab, du und ich, vielleicht lassen wir uns von der Sonne trocknen. Und wenn wir mutig sind, gehen wir ein Stück des Heimwegs nackt mitten durch den Wald. Es wird ein schöner Nachmittag werden. Und die Kameras sind bestimmt wieder mit uns unterwegs.

 

 

Erinnerung des Tages:
Heute vor 30 Jahren begriff ich nach einer Nacht langsam, daß ein Verlust unumkehrbar war.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 8. Juli 2025 war ich zufrieden mit dem zusammensortierten Zeug, mit dem weggebrachten Pfand, mit veganen Burgern zun Abend.


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2025 – 188: Grau

Was mir an mir heute scheinbar grundlos deutlich auffiel.

 

Er ist wirklich grau geworden, mein Bart. Deutlich grau. (Ja, die Haare auf dem Kopf verhalten sich ähnlich.) Nicht schlagartig, nicht von einem Tag auf den anderen oder innerhalb einer Woche. Ich weiß, daß sich das über eine wesentlich längere Zeit entwickelt hat. Doch im Spiegel und selbst auf Fotos ignorierte und ignoriere ich diese Tatsache meist.

Dann aber gibt es Tage wie heute, an denen mir das Grau direkt ins Auge springt, sich nicht übersehen läßt. Einen Grund oder einen Anlaß dafür konnte ich nicht ausmachen. Aber heute fiel mir auch wieder auf: Ich bewege mich ganz ähnlich wie mein Vater. Als würde ich ihn kopieren wollen. Da bemerke ich Gesten, die ich bisher nur von ihm kannte, Bewegungen, die ich meist als liebenswert schrullig wahrnahm. Ob das allen oder vielen Menschen so geht, daß sie – wie ich – im Alter mehr oder weniger absichtlich und bewußt ihre Eltern kopieren, etwas übernehmen? Oder ist das … Naja, bin ich so besonders?

Ich war übrigens nie jemand, der sich verzweifelt die grauen Haare ausgerissen hat oder über Färbung bzw. Tönung nachdachte, und auch heute ist das kein Thema für mich. Ich bin ja auch immernoch begeistert von weißhaarigen Menschen (oder grau­haarigen), von Menschen, die ihr Alter nicht um jeden Preis verbergen wollen oder müssen.

Zum Schluß noch meine Antwort auf die Klischeefrage (die es auch in der Realität geben soll): Nein, da habe ich wirklich keine grauen Haare.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich brachte um die Mittagszeit 20 Bücher in ein Öffentliches Bücherregal.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 7. Juli 2025 war ich zufrieden mit dem gestern kalt angesetzten Kaffee, mit dem Regen, mit dem halbwegs beladenen Fliewatüüt.


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2025 – 187: Findezwang

Selbstauferlegt, aber würde das irgendetwas leichter machen?

 

 

Es mag notwendig erscheinen, etwas zu vollbringen, das ich nicht schaffen kann, nämlich Worte und Sätze zu finden und nieder­zu­schreiben, die jede und jeder auf Anhieb versteht, ohne Fragen stellen zu müssen – sie dürfen, aber es sollte nicht nötig sein.

 

 

Es mag notwendig erscheinen … Mir. Vielleicht niemandem sonst. So bekloppt wird ja wohl niemand (gewesen) sein. Außer vielleicht – aber nein, sogar Worte und Sätze von Juristen lassen immer Fragen zurück, befürchte ich. Selbst ein klares „Nein!” wird viel zu oft hinterfragt, angezweifelt, für nicht so gemeint gehalten. Tja.

Ja, ich zweifle. An der Notwendigkeit, an der Möglichkeit solcher Worte und Sätze. Denn dem steht wohl entgegen, was menschlich ist … (Und dennoch möchte ich es einmal, wenigstens einmal vollbringen können.)

 

Erinnerung des Tages:
Ich ritt als Kind häufig auf den Ziegen meiner Großeltern in Mecklenburg, fiel auch oft herunter.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 6. Juli 2025 war ich zufrieden mit begonnenen Vorbereitungen für das nächste Wochen­ende, mit einem gefundenen Buch (Erwin Strittmatter: Vor der Verwandlung), mit Bratwürsten zum Abendessen.


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2025 – 186: Beschwerde

Eine von der Art, die das regulierte Leben mit sich bringt.

 

 

Wie weit müssen wir denn noch gehen? Wie weit, frage ich? Was alles neben dem normalen, angefüllten Leben ist denn noch not­wen­dig? Da waren und sind doch schon lernen, arbeiten, Kinder haben und erziehen, Beziehungen pflegen. Und ganz nebenbei soll eins noch ins Ungewisse gehen, sich hineinwagen, hineinspringen sogar? Wieso darf ich das Selbstverständliche nicht für selbst­ver­ständlich nehmen, wozu soll ich ausbrechen aus dem, was ich mir so bequem eingerichtet habe?

Ja, gut, vielleicht ist das, was ich habe, nicht das Glück; und viel­leicht macht es mich auch nicht so zufrieden, wie ich das hoffte, früher, bevor ich das alles hatte. Aber ich habe meine Routine und meine Ruhe. Mich bringt nichts mehr aus der Ruhe, mich stört nur noch wenig. Mich interessiert kaum noch, was andere von mir denken. Na gut, etwas stört mich dennoch selbst an meinem guten Leben: Manchmal überfällt mich eine unspezifische und unruhige Sehn­sucht – und ich weiß einfach nicht, wonach ich mich noch sehnen sollte, könnte und dürfte …

 

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Aus meinem Uralt-Netbook hab ich SSD und RAM ausgebaut, das Gerät brachte ich zum Elektroschrott-Container.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 5. Juli 2025 war ich zufrieden mit dem Fortschritt beim Einrichten, mit dem fast aus­ge­lesenen Buch, mit geshreddertem Papier.


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2025 – 185: Säge

Und zwar eine für Nerven. Ich kam mir heute so vor.

 

Vor ein paar Tagen erwähnte ich es: Ein weiteres Teil meines Technikparks ist auszu­tau­schen, weil das seit über drei Jahren besessene Gerät extrem langsam geworden ist mit der Zeit. Also war ich heute im entsprechenden Fachgeschäft unweit meines Wohnhauses, sah mir die ausgestellten Geräte an, verglich Parameter und stellt fest: Es gibt technisch fast identische und identisch aussehende Geräte zu unterschied­lichen Preisen. (Gut, die Grafik„karte” ist unterschiedlich.)

Von dem preiswerteren Gerät war nur noch das Ausstellungsstück verfügbar. Nachdem ich mein Kaufinteresse mehr als deutlich zum Ausdruck gebracht hatte, wurde es von einem wirklich freundlichen Mitarbeiter abgeklemmt. Mit dem Schild zum Gerät in der Hand holte er die dazugehörige Verpackung. Dann begann er, das Teil von der Gerätesicherung zu befreien. Das Tablet wurde gewienert und poliert – und paßte ganz sicher nicht in die Verpackung. Es war ein gutes Stück zu groß.

Es stellte sich heraus, daß das Gerät nicht das war, wofür es gehalten wurde. Und es hätte auch nur 64 GB Speicher gehabt. Allerdings war im Ausstellungsbereich kein dazugehöriges (Preis-)Schild zu finden. Mit der Packung des gewünschten Teils in der Hand untersuchte der wirklich freundliche und geduldige Mitarbeiter nun einige der ausgestellten flachgeklopften Hexenkugeln (Mittelaltermarkt-Jargon für Tablet und Smartphon). Schon das vierte Gerät war dann das gesuchte. Wir waren beide amüsiert über die verwirrenden Verhältnisse und Zustände im Tabletbereich. Jedenfalls nahmen wir das alles mit ziemlich viel Humor.

In der Zwischenzeit hatte ich mir noch eine passened SD-Karte geholt. Und wieder wurde ein Tablet vom Schutzmechanismus befreit, gewienert und poliert und dann in seine Verpackung gegeben. Schon nach 45 Minuten konnte ich bezahlen, was ich kaufen wollte. Und der freundliche, fröhliche, geduldige Mitarbeiter tat mir beinahe ein wenig leid. Und ich, ich kam mir trotz allen Humors vor wie eine Nervensäge …

Und jetzt habe ich mein Tablet ein zweites Mal gekauft, zwei Generationen verjüngt/​verbessert. Und es war wirklich wieder sehr günstig.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Das ganz alte Tablet gab ich im Fachgeschäft zum Elektroschrott (Vorgänger des Vorgängers).

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 4. Juli 2025 war ich zufrieden mit dem gekauften und eingerichteten Gerät, mit der Zeit in der Badewanne, mit Grillkäse zum Abend.


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2025 – 184: Sehnsuchtsvoll

Ich träume von einem Naturphänomen.

 

Und kurz vorm Veröffentlichen fällt mir noch eine Variante ein, die ich vorher nicht gesehen hatte. Die habe ich dann unten ergänzt.

 

 

All die Tautröpfchen
Vergänglich im Sonnenschein
Glitzernde Pünktchen

Kurze Zeit auf der Wiese
Ein leuchtendes Sternenfeld

Ein Tanka.

 

 

Ich erinnere mich an die Kühle eines Morgens, an dem das zu beobachten ist. Auch an die angenehme leichte Erwärmung, die die aufgehende Sonne verbreitet. Und in mir breitet sich eine Sehnsucht aus, die mir die stehende Hitze (Demse/Demmse/Dämmse) nicht leichter erträglich macht … Und doch ist es eine romantisch schöne Vorstellung.

Na sowas: Das ist schon das zehnte Tanka, das ich in diesem Jahr hier herzeige. Hätte ich die letzten beiden Zeilen weglassen sollen? Dann würde es wohl so aussehen:

    All die Tautröpfchen
    Vergänglich im Sonnenschein
    Ein Sternenfeld glänzt

Dann wäre es ein Haiku oder ein Senryū, nein, es ist ein Haiku. Und das entstand sozusagen nebenbei. Wirklich erst im Prozeß des endgültigen Fertigmachens zum Veröffentlichen.

 

Erinnerung des Tages:
Im tiefsten Winter glitzerten Eisblumen an den Fenstern der Riesenberger Häuser im Sonnen­auf­gang über kniehohem Schnee.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 3. Juli 2025 war ich zufrieden mit der normal sommerlichen Temperatur, mit Geschrie­benem, mit dem Zitronensorbet.


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2025 – 183: Zustandsbeschreibung

Gleich auf der zweiten Seite eines Buches gefunden.

 

 

Wir sollten ehrlich bekennen: Die Rätsel der Erde sind noch nicht gelöst, obwohl wir längst aufgebrochen sind, den Himmel zu stürmen. Die alte Moral und Menschlichkeit haben ausgedient, nun sind wir dabei, uns neu einzurichten. Es ist nicht einmal sicher, ob ein Mann und eine Frau weiter so zusammenleben können wie bisher. Nur Kinder werden geboren wie eh und je, Familien sind brüchig, viele Ehen tot. Weder die Wohnungen noch die Kleider, Schuhe, Straßen, Transportmittel, gleich gar nicht die Städte sind so, wie wir's uns wünschen. Es gibt noch unheilbare Krankheiten, unbewässerte Felder und unbeachtetes Wissen, Können, Talent. Es besteht der Zwang, kostspielige und mörderische Waffen zu schaffen und sie nach wenigen Jahren durch noch kostspieligere und mörderischere zu ersetzen, damit nichts Schlimmes geschieht. Die Musik in den Tanzsälen ist zu laut, die weithergeholten Moden mißfallen uns, und manchmal sind wir von unseren eigenen Kindern entsetzt, die der neuen Art des Zusammenlebens, das wir zu begründen versuchen, gleichgültig oder zweifelnd gegen­über­stehen.

 

 

Ich hatte mich entschlossen, mehr zu lesen, um Ideen zu finden. Den Krimi von Charlotte Link legte ich nach wenigen Sätzen zur Seite. Stattdessen nahm ich dieses Buch zur Hand, das eine maßlose, ungewöhnliche Begegnung eines Professors für Ethik („Moral”) beschreibt, der mit seinen 40 Jahren von einem Tag auf den anderen aus seinem Alltag flieht. Nicht nur diese Sätze regten mein Denkicht an (und viele andere auch meine – zum Teil erotische – Phantasie).

Ein wenig werden sich viele Menschen in den Protagonisten wiederfinden. Auch ich erlebte schon Einiges, sammelte Erfahrungen, das und die mich betroffen machten. Ich mußte deswegen mein Denken und mein Leben ändern, gegen meinen eigenen Widerstand. Es galt auch schon zu genießen, solange das zu Genießende dauerte, und dann nicht nachzutrauern, enttäuscht zu sein von der Endlichkeit des Genusses, der Genießbarkeit. Ja, ich habe mich schon vor vielen Jahren vom Glauben abgewen­det, daß immerwährendes Glück (gleich welcher Art) erstrebenswert oder gar möglich ist.

Doch der zitierte Text wurde von mir aus ganz anderen Gründen ausgewählt.

Ist das nicht eine Beschreibung exakt des Zustands, in dem wir unsere Welt gerade vorfinden? Oder ist der Zustand noch schlimmer, noch hoffnugsloser, als in dieser Zustands­be­schreibung? Ich lese zwischen den Zeilen ein Stöhnen ob der Unab­wend­barkeit und Unveränderbarkeit der Situation. Mancher entdeckt vielleicht sogar Resignation, Dreinfügen in das Gegebene. Und natürlich: am Ende das das Stöhnen über die Jugend, nicht wahr?

Ich bin – allerdings nicht gerade bei dem gegenwärtigen Wetter – nur zu gerne bereit, vieles davon ad absurdum zu führen, vielem davon zu widersprechen, eine laute Musik zu genießen, eine Mode akzeptabel bis angenehm zu finden, Talent und Wissen und Können zu finden und zu verbreiten (wenigstens deren Auswirkungen). In all den anderen Angelegenheiten kann ich versuchen, meinen (kleinen) Teil beizutragen zu allfälligen Veränderungen. Ich kann z. Bsp. Straßen mit einem Greifer verändern, indem ich Müll auflese und dahin werfe, wo er hingehört; die Straße ist dann noch immer nicht so, wie ich sie mir wünsche, aber ein wenig näher meiner Vorstellung, meinem Wunschbild von einer Straße. Und an meiner Moral, an meinem Moralempfinden, meinem Moralverständnis kann ich wohl auch arbeiten – doch ich muß nichts davon dem anpassen, was gerade herrschende Moral genannt wird.

Ja, die Zeit, in der ich jetzt lebe, ist die unsicherste, in der ich bisher je gelebt habe. Die Sätze, die ich oben zitiere, sind aber nicht aus dieser Zeit. Denn sie wurden 1978 veröffentlicht auf Seite 6 im Buch von Eberhard Panitz: Die Moral der Nixe. Eine Sommergeschichte. Erschienen ist es damals in 7. Auflage im Mitteldeutschen Verlag Halle · Leipzig mit der Lizenz-Nr. 444-300/79/86 · 7001 (Best.-Nr. 638 630 8). Und mir scheint, das Zitierte trifft noch immer und vielleicht sogar mehr zu heutzutage.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Heute brachte ich 14 Bücher in einen Öffentlichen Bücherschrank (ich mußte leider draußen unterwegs sein).

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 2. Juli 2025 war ich zufrieden mit der Wirkung meiner Behelfskühlmaßnahmen, mit etwas Aufgetrenntem, mit gefrorenem Joghurt.


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2025 – 182: Zukunft

Eine unschuldige erlernte Utopie, die wohl verloren ist.

 

 

Was kann ich denn guten Gewissens von der Zukunft sagen, die ich gesehen habe? Damals, als Kind? Von der, die so anders sein wird als das, was wir Menschen bisher aus unserer Gegenwart oder Ver­gan­genheit gemacht haben? Immerhin mußte ich miterleben, wie die Gegenwart zur Vergangenheit wurde und die Zukunft zu einer Gegenwart, die nichts, wirklich nichts mit Zukunft gemein hat.

Zukunft wurde abgeschafft, weil die meisten Ideen zu ihrer Gestal­tung abge­tan wurden als Hirngespinste, als bloße Spinnereien von verwirrten Utopisten. Alles sollte bleiben wie bisher und realisierbar sein. Damit wurde entschieden, nichts von all dem umzusetzen, was zu einem Fortschritt hätte führen können. Elektromobilität, wie sie zwischen etwa 1880 und 1910 allgemein anerkannte Technik war, wurde schnell wieder abgeschafft. Schienengebundener Trans­port, also hauptsächlich Eisenbahnen: zurückgebaut. Dazu kamen Monokulturen im Ackerbau, Aufrüstung und immer wieder Kriege, finanzielle Ausgrenzung usw. usf.

Die Menschen wurden erst zu Bürgern und dann zu Konsumenten degradiert, sie verloren zuerst ihre Menschen- und dann auch ihren Bürgerrechte.

Dabei waren in der Zukunft wirklich alle Menschen gleich an Rechten. Und die Pflichten wurden ihnen auferlegt nach dem Maß ihrer Möglichkeiten, Fähigkeiten und Ferigkeiten. Alle trugen dazu bei, das Leben aller Menschen mit der Erde, auf der Erde, für die Erde möglich zu machen. Da stellte sich niemand über seinen Nach­barn oder irgendeinen anderen Menschen. Da war Eigentum an Boden, Wasser, Energie undmöglich. Die Anhäufung von irgend­welchen Reichtümern gab es nur in der Gefühlswelt. Hunger und Notlagen wurden nicht geduldet, Zwang war etwas, das selbstver­ständ­lich ungebräuchlich war (nur in ganz wenigen Ausnahmen war er zulässig und äußerst streng geregelt).

Nein, ich habe diese Zukunft nicht geträumt. Ich habe sie gesehen. Sie wurde mir gezeigt. Und als ich endlich in der Lage gewesen wäre, für sie zu arbeiten … Siehe oben.

 

 

Erinnerung des Tages:
Vor Jahren war ich in der Saale schwimmen, ich glaube, das könnte ich wieder einmal tun.

 

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Der Emil

 

P.S.: Am 1. Juli 2025 war ich zufrieden mit dem langen Schlaf (wieder 12 Stunden), mit dem Weglassen aller ungeliebten Anstrengungen, mit viel kaltem Tee.


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2025 – 181: Frische

Einfach mal nebender Spur – sein und denken.

 

Nach einer knappen Stunde muß ich das Handtuch neu mit kaltem Wasser tränken. Dann legen ich es mir wieder über die Schultern. Ich habe mir einen Ventilator so gestellt, daß ich im Luftstrom sitze. Außerdem steht eine Schüssel mit Kühlakkus neben mir, auch im Luftstrom. Keine Ahnung, ob das wirlich hilft. Aber mir scheint, daß davon ein wenig Frische herrührt.

Nein, Wassermelone mag ich nicht. Und so viel Eis mag ich auch nicht essen (wenn, das eher Sorbet). Nun, zwei Gurken habe ich vorhin in Gurkensalat umgewandelt, auch der war frisch. Angenehm war es heute wirlich nur in diesem einen Discounter, in dem ich die Gurken und ein Päckchen Filtertüten holte.

Morgen werde ich meine Füße wohl in eine Schüssel kalten Wassers stellen über den Tag.

 

Ein frischer Wind wäre jetzt schön. Nicht nur beim Wetter, sondern auch in der Politik überall auf dieser Erde. Endlich wirklich etwas tun gegen die finanzielle (und soziale) Ungerechtigkeit, gegen das Fortschreiten der Erderwärmung, gegen Krieg und Gewalt.

 

Und: Frische Ideen müssen her, ich kann doch nicht die ganze Woche nur über das vom Wetter ausgelöste Mißempfinden schreiben. Also her mit Gedichten von Heinz Kahlau, Kurzgeschichten von Erwin Strittmatter, einem Roman von Charlotte Link. Lesen, lesen, lesen – und nebenher Musik hören, die ich seit Jahren nicht mehr gehört habe. Ein paar von den kurzen Dingen schreiben: Haiku, Senryū, 28er, Tanka, einfache Vierzeiler – einfach nur als Fingerübungen; ja, vielleicht gelingen mir auch ein paar fantasierte Kürzest­ge­schichtchen. Bemühe werde ich mich, denn da ist ja doch ein Ehrgeiz in mir. Und ich werde mich auch nicht davor scheuen, Papier einfach nur vollzukritzeln mit Zeug, das in sich keinen Sinn erkennen läßt (und vielleicht nenne ich das dann Dada). Einfach mal nebender Spur – sein und denken.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Schweren Herzens eine Garnitur völlig verschlissene (fadenscheinige) Bettwäsche in den Müll gebracht.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 30. Juni 2025 war ich zufrieden mit der Kühlung mit einfachen Mitteln, mit weiter­sor­tier­tem Papierkram, mit dem kühlschrankkalten Gurkensalat.


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