2025 – 313: Was ich wünsche

Weiß nicht, ob das meiner Vorstellung entsprechend ginge.

 

Ich weiß nicht, wie oft im Leben ich mir bisher oder wie lange ich mir schon einen gewissen gelassenen Größenwahn wünschte. Einen, der weitab von Überheblichkeit sein soll. Nein, nicht nur Selbstbewußtheit und Selbstsicherheit, sondern wirklich Größenwahn. Aber nicht in der Form des Allmachts-Wahns, den ich in der Depression hatte. Ich stelle mit eine (eingebildete, nicht wirklich existente) Überlegenheit vor, die Empfin­dung eines Darüberstehens: Wär das nicht wunderbar?

Ein Denkanstoß, der mich noch eine Weile beschäftigen wird.

 

Erinnerung des Tages:
Ich weiß nicht mehr, wann ich am Abend von der Öffnung der Grenze in Berlin erfuhr; es war sicher noch nicht in der Tagesschau, aber am Abend.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 9. November 2025 war ich zufrieden mit ein paar aussortierten Büchern (noch nicht weggebracht), mit der Teilnahme am Training der Ritterschaft (für mich nur Orga), mit der Zeit in der Badewanne.


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2025 – 312: Der Antrieb

Und meine Verwunderung über diese eine spezielle Frage.

 

Seit einiger Zeit stehe ich auf, setze den Kaffee an und mich an den Schreibplatz. Manchmal gelingt es mir, Erinnerungsfetzen von Träumen zu notieren. Manchmal sind es Ideen, die ich gleich nach dem Wachwerden hatte, kurz wälzte und dann festhalten will. Wohlgemerkt: vorm Kaffee. Vor einiger Zeit hatte ich ja einen anders verschobenen Tageslauf, den, der morgens schon um Fünf anfing. Jetzt ist es zwischen halb Sieben und halb Neun, daß ich von der Schlafstatt klettere. Zu 99 % ohne Wecker; es funktioniert noch immer, daß ich wachwerde zu der Zeit, für die ich mir das am Abend zuvor vornehme. Neu ist, daß ich nicht zuerst am Rechner sitze und dort meinen Kaffee und einen Keks zu mir nehme, neu ist, daß ich sogar noch vorm Kaffee Zeug aufschreibe. Darüber wundere ich mich wirklich. Woher kommt das, was treibt mich dazu? (Und ganz ehrlich: Noch immer frage ich mich, wieso ich so unbedingt schreiben muß, viel mehr schreiben muß, als ich in allen meinen Blogs herzuzeigen mich wage.)

In der zuendegehenden Woche war die Frage nach diesem Antrieb täglicher Bestand­teil der morgendlichen (und anderen) Notizen. Und bis auf die Phrase „weil ich eben muß” fand ich nichts, das als Antwort darauf tauglich wäre. — Nun, es gibt in meinem Leben viele unbeantwortete Fragen, bei denen es mich absolut nicht stört, daß sie unbeantwortet blieben und bleiben. Doch diese eine ist anders. Es geht nicht um mein ganzes Leben, nein nein, sondern wirklich nur um dieses eine ganz besondere Ding, das Schreiben. Das „laut Denken” mitten hinein in die Welt, aus mir heraus, mit Worten auf Papier (und danach ins Netz gestellt). Ja, ich weiß auch, daß es für sehr viele Sachen keinen Grund und keinen (erkennbaren) Anlaß braucht, die passieren einfach. Aber es läßt mich nicht los, beinahe bei jeder Notiz frage ich mich, wieso ich schreiben muß (nicht beim Einkaufszettel, nicht bei verschiedenen Listen). Das braucht doch etwas, das es anstößt?

Hätte ich ein Sendungsbewußtsein, das ich so manchen (Profi-)Schriftstellerinnen und Schriftstellern zuschreibe: Das wäre eine vorerst akzeptable Erklärung; doch dann wollte ich ganz sicher wissen, wo dieses Sendungsbewußtsein herkäme. Kann ich akzeptieren, daß das Schreibenmüssen zu meinem Naturell gehört, einfach Bestandteil meines Lebens, meines Schicksals ist? Schaffe ich es irgendwann, mich von dieser Frage nach meinem Antrieb zu lösen? Kann ich auch einmal einfach so nicht schreiben, nichts notieren? (Ich habe es schon oft versucht, aber das ist mir nicht möglich, nicht länger als zwölf Stunden kann ich mich davon abhalten.) Mal sehen, ob ich heute Abend und/oder morgen früh ohne diese eine Frage auskomme. Und für wie lange ich noch vorm Kaffee Tinte, Feder und Papier zur Hand nehmen werde.

 

Erinnerung des Tages:
Ich gönnte mir heute nochmal 90 min „Die größten Hits des Ostens (1)”; die Sendung lief gestern Abend im MDR und ich kannte fast jedes Lied.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 8. November 2025 war ich zufrieden mit den morgendlichen Notizen, mit dem Einkauf noch vor Mittag, mit der spätnachmittäglichen Zeit in der Stadt.


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2025 – 311: Ausgeklebt

Mittendrin fällt mir ein sonderbares Bild ein.

 

Da saß ich heute ziemlich früh schon am Schreibplatz, notierte mir die erinnerbaren Fetzen eines Traumes, und zwischendrein krachte mir dieser Satz aufs Papier (ich schrieb ihn nicht mit der üblichen Handschrift nieder).

 

 

So mancher Traum ist wie eine alte Leimrute, mir der vor vielen Jahren Vögel gefangen wurden: Funktioniert nicht mehr, weckt aber Erinnerungen an zarte Geschöpfe und Töne …

 

 

Da stand er, irgendwie störend in seiner lateinischen Blockschrift zwischen meinem Kurrent. Und zum Glück erinnerte ich mich kurz vor der Blogzeit an ihn. Sonst hätte ich heute wohl den täglichen Beitrag verpaßt.

 

Erinnerung des Tages:
Früher (also in der DDR) waren Mehrfachverteiler/-steckdosen (diese Verlängerungsschnüre mit mehreren Steckdosen) aufschraubbar, reparierbar; heute scheint das nicht mehr gewollt zu sein.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 7. November 2025 war ich zufrieden mit dem Schreiben am Morgen, mit der Nach­mit­tags­zeit auf der Schlafstatt, mit unbegreiflichem Vertrauen.


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2025 – 310: Verschiedene Nuancen von Grün

Diese Verschiedenheit trifft aber nicht nur auf Farben zu.

 

Seht euch doch einmal eine stinknormale Wiese an, im Frühjahr, im Sommer, im Herbst. Oder stellt euch einfach eine vor. Dort ist doch nie nur ein einziges Grün zu finden, es sind immer viele verschiedene Grüntöne zu entdecken. Helles, dunkleres, ins Gelbe gehend oder ins Graue. Und so ist es mit vielen Farben, mit Himmelblau zum Beispiel (das unterscheidet sich im Zenit von dem am Horizont auch sehr deutlich). Selbst das Violett in einem Fliederbusch: ganz sicher nicht nur ein einziger Farbton.

Selbst bei Schwarz findet sich das Phänomen. Ein Beispiel aus meinem praktischen Erleben: Es gibt schwarze Tinte, die beim Hindurchsehen grün ist und solche, die dann rot erscheint. Und so ist es auch bei gefärbten Textilien: beim Auswaschen von Jeans entpuppen sich die einen als rötlich, andere als grünlich. Ja, es gibt auch wirk­lich schwarze Textilien, die nur ausgrauen/ergrauen. Mittlerweile sogar häufiger als noch vor Jahren.

Was aber meiner Meinung nach zutrifft: In der Natur gibt es keine „reinen” Farben, außer im Regenbogen. Selbst eine rote Rose – eine einzelne! – hat nicht durchge­hend den einen Rotton von z. Bsp. 706 nm, sondern mindestens mehrere diskrete Wellenlängen zwischen 650 nm und 780 nm, vielleicht sogar (mehrere) kontinu­ier­liche Wellenlängenbereiche zwischen den Eckwerten.

Und jetzt seht euch andere Dinge und Wesen an, ganz besonders solche, die oft zu einer „einheitlichen”, „homogenen” Gruppe/Menge zusammengefaßt werden. Was meint ihr: Fällt euch dabei auch die Verschiedenheit auf, die durch die zusammen­fassende Vereinfachung, die vereinfachende Zusammenfassung überdeckt/versteckt wurden?

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich warf weitere weihnachliche Deko weg, die unreparierbar kaputt und nur noch aus nostal­gischen Gründen bei mir war.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 6. November 2025 war ich zufrieden mit dem fortgesetzten Aussortieren, mit Gelesenem, mit dem späten Unterwegssein.


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2025 – 309: An einem Novemberabend

Genauer: Donnerstag, 5. Nov. 1863 in der Nähe von Weilheim a. d. Teck

 

 

Es ist noch dunkel, wenn ich geweckt werde, und kalt im ganzen Haus. Als erstes wird das Feuer im Küchenherd angemacht, Wasser aufgesetzt. Dann ist den ganzen Tag dies und das zu erledi­gen, kaum daß genügend Zeit für ein Mittagessen bleibt. Oft verschiebt sich das sogar so weit, daß es zum Nachtessen wird. Wie heute. Nun, süßer Hirsebrei ist nicht ganz mein Geschmack, ein Stück Braten oder Geflügel wäre mir viel lieber gewesen.

So war ich den ganzen Tag auf den Beinen. Und jetzt, da im Hause Ruhe einkehrt, sitze ich wieder in der Küche. Lausche dem Wetter, das mit den Fenstern und den Läden spielt. Einmal noch gebe ich frische Scheite in den Ofen. Wie das knistert und knackt … Draußen ist es vollkommen finster, denn der Mond verschwindet immer wieder hinter den Wolken. Ich sitze am Küchentisch und spüre dem vergehenden Tag nach. Wie jeden Abend, an dem ich um diese Zeit noch nicht zu müde und erschöpft bin.

Ich zünde eine Kerze an. Und dann nehme ich die Feder zur Hand, tauche sie ins Tintenfaß und schreibe das Wichtigste des Tages in den Kalender. Direkt unter den den Spruch für den Tag. („Uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was Sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.” 2. Kor. 4, 18)

 

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich habe heute drei defekte Lichterketten entsorgt.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 5. November 2025 war ich zufrieden mit dem ungeplant längeren Schlaf, mit dem Einkauf im Baumarkt, mit dem Schreiben in der Funkenkutsche.


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2025 – 308: Im Vorübergehen

Hier seht ihr eine meiner Jugendsünden …

 

 

So im Vorübergehen warf ich hin
die Worte, die ich ohne Sinn
dem Wind entgegenrief am Strand.
Dann starrte ich die Ostsee an
bis meine letzte Trän' verran –
gleich danach nahm ich Deine Hand.

 

 

Das schrieb ich im Frühjahr 1981, in der 11. Klasse, mit 17 Jahren. Himmel, daß ich mich traue, ein solches Reim-Dich-oder-ich-freß-Dich herzuzeigen! Aber: Das war nicht mein erstes Gedicht, das gehört nicht zu meinen ersten Schreibversuchen. Und da ich weder 1980 noch 1981 überhaupt an der Ostsee war, weiß ich mit ziem­li­cher Sicherheit, daß die wenigen Zeilen nicht auf einem damals aktuellen Geschehen beruhen. Ich versuchte wohl, eine Phantasie auszudrücken, eine Melancholie, eine Enttäuschung, eine Versöhnung. Ich wüßte wirklich zu gern, was der Dichter uns damit sagen wollte …

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Dreißig unlesbar gemachte Daten-CDs/-DVDs gingen in die Gelbe Tonne.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 4. November 2025 war ich zufrieden mit dem Morgenschriebs, mit den bestellten Brillen, mit der leeren CD-Mappe.


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2025 – 307: Schonwieder Montag

Noch acht davon gibt es in diesem Jahr.

 

Nur noch 60 (sechzig) Tage, und dann muß ich mich an eine neue Jahreszahl gewöh­nen. Huch? Gestern war doch noch Anfang März, denke ich und bin wieder erstaunt, wie wenig von diesem Jahr in meinem Kopf hängengeblieben ist (dazu ist das meiste vom Hängengebliebenen auch noch beschissen). Noch acht Montage bleiben …

Was war denn heute bei mir los? Ich habe es wieder geschafft, ziemlich bald nach dem Aufstehen einiges zu notieren. Mit von den Nachrichten noch unverdorbenem Geist scheint das durchaus zu funktionieren. Da waren auch einige Gedanken dabei, die ich bisher immer vermieden/gemieden habe, zu all dem Krempel, den ich hier bei mir so angehäuft habe, den ich hier horte. Ich gebe ja schon Dinge weg; allerdings viel zu wenige selbst nach meinem eigenen Geschmack. Heute schrieb ich zu einer lange in meinem Schrank liegenden Kinderbrille alles auf, was ich noch dazu weiß, und alles, was mich bisher daran hindert(e), diese Brille zu spenden. Und nun, glaube ich, bin ich bereit dazu. Wenn ich das, dieses Verschriftlichen von Erinnerungen und Gefühlen, mit nur einem Stück täglich weitermachen kann, dann schaffe ich es, 400 Dinge im Jahr wegzugeben – zusätzlich zu den Büchern. (Was will ich mit mittlerweile fünf Handkaffeemühlen? Aber jede hat ihre eigene Geschichte …)

Heute erreichte ich endlich einen existentiell wichtigen Zahlungsempfänger (vorher war es wegen des Wochenendes einfach nicht möglich). Nun, die kürzlich ver­bes­serte Über­prü­fung der Kontodaten finde ich ganz richtig, aber wenn der Name des Kontoinhabers sich wegen der Umbenennung eines Unternehmens verändert, wäre es ziemlich wichitg gewesen, diesen neuen Namen zu wissen. Was soll ich sagen: Die Bezeichnung des Kontoinhabers hat nichts, wirklich nichts mit dem geänderten Firmennamen zu tun. Laut telefonischer Auskunft wurden die Mitteilungen über die diesbezüglichen Veränderungen am 30. Oktober in den Versand gegeben. Äußerst rechtzeitig, wenn dann trotz Feiertagen das Geld am ersten eines Monats auf dem Empfängerkonto sein muß. Hmpf.

Nun, auch einige Mails habe ich heute verschickt und beantwortet. Und anderen Kleinkram zuhause erledigt. Am Nachmittag ein wenig auf der Schlafstatt herüm­ge­lümmelt. Am späten Nachmittag CDs kopiert und aussortiert (Daten sind jetzt auf einer Festplatte). Und alles andere, das jeden Tag passieren muß, geschah ja heute auch noch.

Wenn der Blog gleich veröffentlicht ist, setze ich mich nochmal an den Schreibplatz. Für eine weitere Adventskalendergeschichte notierte ich mir ein paar Stichworte, mal sehen, ob ich wieder hineinfinde.

Ja, ich bin noch immer genervt von der Unzuverlässigkeit einer anderen Person. Mittlerweile sehr heftig. Auf der anderen Seite möchte ich keine Kraft mehr vergeu­den an unter Umständen wenig erfolgreiches Ärgern. Irgendeine praktikable Lösung werde ich da hoffentlich noch in diesem Jahr finden, ich habe ja noch 60 Tage Zeit dazu.

 

Erinnerung des Tages:
Nachdem ich endlich (wieder) eine Brille trug, konnten sich auch andere Familienmitglieder damit anfreunden.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 3. November 2025 war ich zufrieden mit niedergeschriebenen Gedanken, mit dem geschafften Kleinkram, mit der herumverlümmelten Zeit.


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2025 – 306: In der Kürze

Und ich fand keine Ruhe in meinem Herzen.

 

 

Dröhnend und schäumend
Tief hinab ins enge Tal
Gedanken fließen

Jetzt noch den Geist zu weiten
Will mir nicht recht gelingen

Ein Tanka.

 

 

Erinnerung des Tages:
Ich mußte an den vergeblichen Versuch denken, mir Entspannung durch PMR beizubringen …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 2. November 2025 war ich zufrieden mit zwei kurz nach dem Aufstehen beschriebenen Seiten, mit dem Unterwegssein in der Stadt, mit der Zeit in der Badewanne (noch andauernd).


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2025 – 305: Es fehlt mir etwas

Das war heute hoffentlich ein erfolgreicher erster Schritt.

 

Da kaufte ich mir eine Kamera, und seither habe ich mit ihr noch keine 50 Bilder aufgenommen. Mir fehlt etwas. Das Fotografieren auch, aber ohne Motivation und ohne einen Blick fürs Motiv (die fehlen mir beide) trage ich die Kamera viel zu oft unbenutzt mir mir herum.

Heute wollte ich das einmal mehr ändern. Also war ich nach dem notwendigen Einkauf von Drei bis Sechs in der Stadt unterwegs. Fast so wie früher. Bin extra losgegangen, um wenigstens drei Bilder zu machen (also drei verschiedene Motive zu finden). Hatte die Kamera in der Hoodie-Tasche, griffbereit. Ich holte sie sogar oft heraus – aber das, was hätte ein Motiv sein können, war dann doch nur langweilig. Ist das nicht bescheuert? Ich fuhr hierhin und dahin, schaute mir dieses und jenes an – und fand mal wieder nichts, das ich ablichten wollte. Wie kann das sein? Wo ist all das hin, was mich vor Jahren noch immer wieder Interessantes sehen und foto­gra­fieren lies? Hat sich meine Welt so weit verändert, daß in ihr nichts Festhaltenswertes mehr findet? Wo ist mein Blick dafür geblieben? — Allerdings ließ ich mich nicht entmutigen. Und sieh da, es wurden doch noch 15 Fotos, die ich machte. Und um die kümmere ich mich morgen.

Am Fairteiler war ich heute auch. Wenn ich Bananen essen würde, gerne essen würde, hätte ich mich heute damit eindecken können. Allein: Bananen sind ganz sicher nicht meine Lieblingsfrüchte. Ein paar Clementinen, eine Pampelmuse, ein Bund Radieschen und zwei Äpfel werden meinen Vitaminbedarf decken. Und in das Öffentliche Bücherregal gleich daneben stellte ich heute fünf Bücher. Hätte es nicht wirklich heftig zu regnen begonnen, wäre ich wohl auch noch über den Marktplatz geschlendert (da war was, zusätzlich zum Silbersalz-Festival, aber ich weiß nicht was). Vielleicht wären dort noch ein paar Bilder entstanden, und vielleicht entstehen dort morgen einige. Irgendwie muß ich mich wieder daran gewöhnen, mit der Kamera hinzusehen, denn das fehlt mir und ich will genau das wieder können.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Fünf Bücher gab ich heute ins Öffentliche Bücherregal.

 

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Der Emil

 

P.S.: Am 1. November 2025 war ich zufrieden mit dem Unterwegssein, mit wenigen (aber gemachten) Fotos, mit Salat satt.


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2025 – 304: Ohne Ende

Wenn ich etwas Zeit zum Denken habe und mir Gedanken notiere.

 

 

Wie oft wünschten sich Menschen wohl schon, das Leben, das sie gerade leben, nicht mehr nur aushalten zu müssen. Ob dieser Wunsch irgendwann komplett vergeht?

 

 

Wenn ich das dazugekritzelte Datum richtig entziffere, notierte ich die beiden Sätze am 1. November 2011 auf einer Karteikarte (01/11/11 – die Schrift paßt nicht zum anderen möglichen Datum im Jahre 2001).

Damals war ich auf dem Weg aus diesem Aushalten heraus, aus einem Aushalten von ziemlich unangenehmen, unschönen Lebensumständen. Doch auf Dauer ist der Wunsch nach mehr als nur aushalten bei mir nicht verschwunden; er kommt immer und immer wieder. Ich bin mir auch nicht sicher, ob es ohne diesen Wunsch ein gutes Leben wäre. Aushalten ist doch etwas, das zum Leben dazugehört. Denn: Selbst wenn etwas gut oder sehr gut ist, muß ich das aushalten (können) …

 

Einmal mehr unsortierte, schon länger vorhandene und längst nicht abgeschlossene Gedankengkänge.

 

Erinnerung des Tages:
Vor Jahren (2017) postete ich an diesem Tag alle 95 Thesen in einem Kurznachrichtendienst/Microbloggingsystem.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 31. Oktober 2025 war ich zufrieden mit der gehörten Musik (Umbra et Imago einmal rauf und runter), mit Kaffee am Nachmittag (mach ich mir selten), mit Bratwürsten am Abend.


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