Er ist in der Versenkung verschwunden.
Ja, so makaber könnte ich es sagen. So könnte ich das nennen, was heute geschah. Und ich meine es mit Sicherheit nicht respektlos, denn auch er würde darüber lachen.
Urnenbeisetzung. Die Asche meines Vaters. In der Versenkung verschwunden war er schon lange: in der Versenkung der Demenz. Es tat nicht immer gut, ihn so zu sehen. In den letzen fünf seiner fünfundachzig Jahre wurde er immer blasser, immer durchscheinender, war immer weniger von ihm zu sehen. Ziemlich früh war er ins Vergessen eingetaucht.
Die Mutter meint, sie sei jetzt schon fünf Jahre allein gewesen, Vater gab es schon nicht mehr. Irgendwo und irgendwie hat sie damit Recht. Und sie sagt immer wieder: Jetzt hat er seine Ruhe (und ich denke dazu: auch vor ihr).
Aber wer weiß, wielleicht ist es doch nicht so makaber, wenn ich sage: Er ist in der Versenkung verschwunden, denn verschwunden ist er, langsam, gründlich. Das heute, das war „nur noch” seine Asche. Das war nicht mehr mein Vater.
Wer weiß, vielleicht gibt es ja doch irgendetwas nach dem Tod und er sitzt jetzt lachend oder schmunzelnd mit einem Bier und einem Boonekamp in einer guten Skatrunde oder er kegelt endlich wieder.
Bitte hinterlaßt heute keine Kommentare oder Fediverse-Replies. Danke.
Erinnerung des Tages:
Ganz viele an all die guten Momente mit meinem Vater.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
P.S.: Am 20. Juni 2025 war ich zufrieden mit dem Kaffee am Morgen in aller Ruhe, mit meiner Stabilität, mit der Vielzahl der getroffenen Verwandten.
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(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

