2025 – 170: Besinnung

Das Überkommene hat bei mir eine Zukunft.

 

Meine Großeltern im Erzgebirge hatten im „Haisl” (Wochenendhäuschen) anfangs keinen Strom, und solange es sich im Besitz der Familie befand, gab es nie einen Wasseranschluß. Wasser wurde sommers wie winters vom Überlauf des Trink­was­ser­sammelbehälters geholt, der früher auch im Hochsommer bis auf ganz wenige Ausnahmen Wasser führte. Aber solange ich das Haisl kenne, solange wurden dort mit einer handge­kur­bel­ten Kaffeemühle die Bohnen zu Kaffeepulver gemahlen.

Lange, sehr lange Zeit stand genau diese Kaffeemühle bei meiner Mutter auf dem Küchenschrank:

 

Abbildung der unten beschriebenen Kaffeemühle.

Geerbte Kaffeemühle.
Kleine, elfenbeinweiße Handkurbel-Kaffeemühle mit quadratischem Grundriß. Oben ist die klappbare Kurbel aufgesteckt. Globusähnliches Firmensignet: Leinbrock's MOKKA Ideal. Auf gestickter, weißer Tischdecke, Mobiliar und Accessoirs im Hintergrund unscharf.

 

Seit der Kaffee so teuer geworden ist (diese eine Sorte von der einen Marke z. B. von 4,49 € auf 6,99 € und mehr), hole ich mir wieder ganze Bohnen: Die gibt es noch immer zu 10,99 € je Kilogramm. Die Tüte, die jetzt bei mir zuhause liegt, wird wohl komplett mit der Hand gemahlen – und für einen Teil davon benutze ich Großmutters Kaffeemühle, die da oben. Ich mahlte mit der, da war ich im Kindergarten, und mahlte noch mit der, als ich in dievierte Klasse ging.

Ich besinne mich (zurück) auf Geräte und Fertigkeiten aus alter Zeit (das ist ja mehr als 50 – in Worten: FÜNFZIG – Jahre her!) und trage damit zum Stromsparen bei. Auch wenn das Mahlen auf diese Art und Weise länger dauert als notwendig: Ich will das so. Und wenn mir diese Kaffeemühle zu klein ist, dann habe ich die viermal so große Mühle der Mecklenburger Großmutter jetzt auch.

 

Erinnerung des Tages:
Für den echten Bohnenkaffee von Oma und Opa mußten zwei Füllungen der abgebildeten Mühle durchgeleiert werden.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 19. Juni 2025 war ich zufrieden mit den einigermaßen erträglichen Temperaturen, mit einer geglückten Fahrt, mit den geerbten Dingen.


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2025 – 169: Gottlos

Noch ein Moment krude philosophierender Betrachtung.

 

Eine meiner Phantasien; eines meiner Gedankenspiele, das ich noch längst nicht zuendedenken kann. Weil ich nichts darüber weiß und nicht sagen kann, welche ganz individuelle Einstellungen, Erfahrungen und Erwartungen eine Rolle spielen.

 

Wenn es plötzlich überall auf dieser Welt zur Erkenntnis käme, daß kein Gott, kein höheres Wesen existiert, sondern alles nur entsprechend den gegebenen Natur­ge­setzen, soweit deren Gültigkeit derzeit allgemein anerkannt ist und sie im Moment auch nicht widerlegbar sind, geschehen und sich entwickeln kann und muß: Wäre die Welt eine friedlichere?

Es wäre doch ein Streitpunkt kein Streitpunkt mehr – meine Religion ist die einzig wahre, Du hängst einem Unglauben an, Dein Gott ist weniger wert als meiner oder wie auch immer man das ausdrücken würde – und damit wären die allermeisten Scheinargumente für viele Konflikte einfach nicht mehr vorhanden.

Vielleicht wäre eine gottlose Gesellschaft auch nicht der Schrecken aller Menschen, sondern eher eine erlöste Art zu existieren? Denn gottlos ist in meinen Augen nicht gleichzusetzen mit moralfrei … Und das Versprechen einer Glückseligkeit bleibt vage in seiner nachweisbaren Erfüllbarkeit …

 

Unausgegorenes aus meinem Denkicht, nicht mehr.

 

Erinnerung des Tages:
Die seltsamsten Religionen bzw. Denkgebäude, mit denen ich mich beschäftigte, waren der Jainismus und Chaosmagick.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 18. Juni 2025 war ich zufrieden mit den abgeholten Medikamenten, mit den Vorberei­tungen auf das Wochenende, mit meinem Gurkensalat.


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2025 – 168: Ähm

Aber nicht nur ich stelle mir sonderbare Fragen, stimmt's?

 

 

Sich aus der Seele, aus dem Herzen schreiben zu können, was beschränkt, einengt, begrenzt: Wohltat, (Selbst-)Täuschung oder Frevel – oder eher je nachdem?

 

 

Vielleicht denke ich auch nur viel zu viel über all das nach, was eigentlich unwichtig ist. Hauptsache, ich schreibe, kann schreiben. Natürlich bin ich oft nicht zufrieden mit dem, was dabei rauskommt. Aber das ist es doch: Es kommt was raus. Und wenn es nicht herzeigbar ist – wofür es verschiedene Gründe gibt: Na und? Mir tut es gut, mir hilft es, schriftlich zu denken. Das alles ist mir völlig klar. Und dennoch stelle ich mir Fragen wie die da oben, immer und immer wieder.

Es ist eine der zutiefst menschlichen Sachen, glaube und hoffe ich: das eigene Handeln (und sich selbst) immer wieder infrage zu stellen.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich brachte zwei definitiv kaputte Notebooks in den Container für Elektronikschrott.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 17. Juni 2025 war ich zufrieden mit dem späten Aufstehen, mit dem Besuch beim Hausarzt, mit zwei Bechern Nougateis.


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2025 – 167: Nachtgeschehen

Sehr Intimes, von dem normalerweise niemand erfährt.

 

 

Mitten in der Nacht wurde M. wach, um genau zu sein: 3.33 Uhr. Mal wieder hatte er davon geträumt, auf offener Straße an einen Laternenmast pinkeln zu müssen. M. kennt diese Träume, deshalb wird er wach. Im Dunkeln, ohne ein Licht einzuschalten, findet er den Weg ins Bad. M. vermeidet es, die verklebten Augen zu öffnen – er mag dieses schläfrige Gefühl; es wird ihm auch heute helfen, schneller wieder einzuschlafen.

M. klappt den Deckel hoch und läßt sich nieder. Alles tausendmal in völliger Dunkelheit mit geschlossenen Augen geübt. Er sitzt und wartet, bis … Der seltsame Schmerz im Bauch läßt ihn sitzen­blei­ben. Auch den kennt er. Und so sitzt M. und wartet – beinahe unbeteiligt – darauf, daß sein Darm tut, was er tun muß. Er kennt sich und seien Körper gut genug und weiß, daß nichts außer Warten und Geschehenlassen hilft. M. hat keine Möglichkeit, das gerade Passierende zu beeinflussen. Wie so oft bei so vielem in seinem Leben.

M. ist müde und würde gern wieder im Bett liegen und schlafen. Zumindest können ihm die Augen nicht zufallen, denkt er noch, während sein Bewußtsein sich langsam auf den Weg ins Traumland macht. Das Rumoren in seinem Innern wird sanfter, ist aber noch nicht beendet. M. zwingt sich wachzubleiben, bis er seinen Besuch im Badezimmer ordnungsgemäß beendet hat.

Zurück im Bett. Mit noch immer geschlossenen Augen greift M. zur Wasserflasche, trinkt etwas. Dann legt er sich wieder hin. Allerdings öffnet er doch noch ein Auge und schaut auf den Wecker: 4.08 Uhr. Wo ist die Zeit nur hin – diese Frage begleitet M. in seinen Traum zurück.

 

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Eine ganze große Einkaufstasche voller Altpapier (zum Teil geschreddert) wurde in den Container geleert.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 16. Juni 2025 war ich zufrieden mit einem wegsortierten Stapel Krempel und Papier, mit einer zur Hälfte geleerten Kiste voller mehr oder weniger überflüssiger Erinnerungsstücke, mit gehörter uralter Musik (1980/82).


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2025 – 166: Bewetterung

Wetter gibt es auch nicht-meteorologisch!

 

Keine Ahnung, wie ich die Sommerzeit übestehen werde. Es ist mir heute – wie gestern schon – zu warm und zu schwül gewesen (Taupunkt bei 20 °C). Alleine der Gedanke an Bewegung verursacht heftige Transpiration.

Dennoch war ich draußen unterwegs. Das ist ja für jeden Tag geplant und fällt bisher nur aus, wenn es zu heftig regnet. Die Hitze wird es mir in den kommenden Wochen sicher auch immer mal wieder unmöglich machen, mehr als nur meinen Einkauf zu erledigen, länger als unbedingt notwendig unterwegszusein. Heute erlebte ich in knapp zwei Stunden: schwül, windig, starker Regen, leichter Regen, Sonne, schwül – und dazu gab es Donnergrollen und drei oder vier Blitze. Hauptsächlich war es aber scheißschwül.

Wie in den vergangenen Jahren fällt mir auf, daß bei diesem Wetter auch das Denken nicht so gut funtkioniert, wie ich es von mir selbst erwarte. Dann sitze ich vorm Papier, habe ein Schreibgerät in der Hand und im Kopf ist nur ein: „ … whm …”.

Dann kommt eben nur so ein Text zustande, wie ihr ihn jetzt lesen könnt …

Ach ja: Bewetterung gehört zum untertägigen Bergbau und heißt nichts anderes, als die Gewährleistung einer ausreichenden Luftqualität im Grubenbau – und bei sehr warmen Bedingungen eben auch die Kühlung der Luft. Und für die wäre ich zur Zeit sehr dankbar.

 

Erinnerung des Tages:
In Karl-Marx-Stadt ging ich nur zur FKK-Zeit ins Stadtbad (Hallenbad), sonst nicht.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 15. Juni 2025 war ich zufrieden mit meinen Ventilatoren, mit dem Regen in der Stadt, mit dem Steak zum Abendessen.


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2025 – 165: Beleuchtet

Melancholisch-romantische Sehnsuchtshoffnungsbeschreibung.

 

 

So ein kleiner Strahl
Das Licht der Morgensonne
Und alles leuchtet

Ich ahne Deine Träume
Hinter sich kräuselnder Stirn

Ein Tanka.

 

 

Nach einem Traum, in dem ich einmal mehr etwas vermißte, das ich noch nie hatte, fanden diese Worte ihren Weg auf das Papier. Auch die Tagträume davon machen mich … ja, machen mich weicher als sonst. Dann kann ich mir sogar vorstellen, morgendliches Sonnenlicht zu jeder Jahreszeit zu genießen, weil es nur Beiwerk ist zu dem, was ich viel intensiver genießen und erleben mag.

 

Erinnerung des Tages:
Ich habe in der ersten Klasse bereits Schwimmen gelernt, außerschulisch im Geitner-Bad in Schneeberg.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich leise seufzend davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 14. Juni 2025 war ich zufrieden mit den funktionierenden Ventilatoren, mit dem Unterwegssein in der Stadt, mit der Ruhe in der Badewanne.


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2025 – 164: Speziell

Es ist Freitag, der dreizehnte: mein Lieblingsdatum.

 

Ich mag diesen Tag, den so viele Menschen als Unglückstag fürchten. Nein, mir ist an einem Freitag, dem 13. noch nie etwas passiert, was auch nur in die Nähe eines Unglücks kam. Mag sein, daß es daran liegt, daß ich an einem 13. geboren wurde, mag sein, es ist nur meine Einstellung zu diesem Tag und zu des Teufels Dutzend (der Zahl 13) …

Jedenfalls habe ich die Aktion von gestern fortgesetzt und nun das aktuelle stabile Release meines Betriebssystems auf dem Rechner: Fedora 42. Der Grund für die gestrigen Fehlermeldungen waren zwei veraltete, mittlerweile überflüssige Pakete zu LibreOffice; die hatte ich am Morgen händisch entfernt. Und ein Programm, das ich gerne nutze, habe ich ebenfalls zunächst deinstalliert und nach dem Uprgade wieder installiert.

Nun, ebenfalls kein Unglück war, daß meine Kaffeemaschine (eine Filtermaschine ein­fachster Bauart) an einer Verstopfung litt: Es lief dennoch nichts über, es lief nichts aus. Die Reinigung war einfach und wurde jetzt einfach eine Woche früher als geplant durchgeführt. Die handgemahlenen Bohnen können zum Verstopfen beige­tragen haben – ich hab den Reinigungsplan jetzt von zwölf- auf achtwöchigen Turnus umgestellt.

Alles in allem ein ruhiger Tag mit einigen angenehmen Erlebnissen. Naja, daß ich beim Einkaufen ausgerechnet das Brot vergaß und deswegen nochmal losgehen mußte, war auch kein Unglück. Ich kaufte auch noch Trauben und ein Eis, welches ich direkt vorm Laden aufaß. Puh, schon sehr lange nicht mehr gemacht.

Ich freue mich auf nächstes Jahr: 2026 sind der 13. Februar, der 13. März und der 13. Oktober ein Freitag. 2027 ist nur der 13. August und 2028 nur der 13. Oktober ein Freitag. Und im Jahr 1963 war der 13. Juni ein Donnerstag …

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ein Mikrowellenteller, zwei jahrelang ungenutzte Schüsseln aus Glas und drei Vasen stellte ich ins Haus – die waren schnell weg.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 13. Juni 2025 war ich zufrieden mit der gerade noch erträglichen Temperatur (es soll noch wärmer werden – ächz!), mit dem sofort gegessenen Eis und damit, den Gelüsten nach Brathering nachgegeben zu haben.


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2025 – 163: Aktualisieren

Erfolgreich erledigt, doch nur zum Teil.

 

Einige Wochen schob ich es schon vor mir her: Das Betriebssystem meines Rechners muß aktua­lisiert werden. Das hab ich schon öfter gemacht und es ist auch nicht kompliziert – aber wie immer bin ich etwas ängstlich.

Zunächst lief deshalb heute die Datensicherung. Und die dauerte. Ich weiß nicht, ob diese Langsamkeit am Dateisystem der externen Festplatte (BTRFS) lag – jedenfalls habe ich noch eine zweite Sicherung auf einer anderen mit ext4-Filesystem gemacht, sicher­heitshalber, die doch etwas schneller ging. Bescheuert? Gut möglich.

Noch überlegte ich, ob ich beim Upgrade gleich zwei Releases weitergehe, oder eines nach dem anderen. Die letzten Male habe ich immer gleich die nächste gerade Version genutzt (von 34 auf 36, von da auf 38 und von 38 auf 40), denn ein Upgrade pro Jahr reicht mir. Und in schöner Regelmäßigkeit kommt im April eines Jahres die gerade und im Oktober/November die ungerade Version heraus, so daß ich jetzt, im Juni, schon ein wenig spät dran bin mit der Installation.

 

Mooooooooment.

 

Gegen 16.30 Uhr war dann die Datensicherung fertig. Es blieb also genug Zeit, das Upgrade heute noch vorzunehmen. Streng nach Anleitung tippte ich die ersten drei Kommandos in die Konsole. Und erntete Fehlermeldungen. Hm. Eine Version zu überspringen funktioniert nicht. Also heute wenigstens auf Version 41 umstellen? Ich riskierte es und hatte nach etwa einer Stunde das Upgrade erledigt. Meine Angst bis hierher war also unbegründet. Und mit der 42er Version warte ich noch ein paar Wochen; vielleicht sind dann die Abhängigkeiten-Probleme erledigt.

Ja, die Computer helfen uns, die Probleme zu lösen, die wir ohne sie nicht hätten.

 

Erinnerung des Tages:
Ich habe vergeblich versucht, mich an die Versionsnummer des ersten bei mir installierten Fedoras zu erinnern, vielleicht war es die 9. Am 21. April 2011 lief bei mir jedenfalls Fedora 14.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 12. Juni 2025 war ich zufrieden mit der abgeschlossenen Datensicherung, mit dem durch­ge­führten Upgrade, mit einem wieder scharfen Messer.


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2025 – 162: Zwei Tage

Wochenende, Arbeit, Auszeit. Gedankensammelsurium.

 

So ein Wochenende besteht aus zwei Tagen: Sonnabend und Sonntag. Zwei Tage, an denen die Menschen sich ausruhen sollen von der Arbeit der vergangenen Woche und Kraft tanken sollen für die Arbeit der nächsten Woche.

Jaja, nachdem vor vielen, vielen Jahren die Sechs-Tage-Woche abgeschafft wurde, soll das so sein. Aber: Genauer betrachtet gibt es ziemlich viele, die am Sonnabend und Sonntag arbeiten müssen. Im Handel, im Verkehrswesen, im Gesundheitswesen, in der Gastronomie, bei Polizei, Feuerwehr und Co. – und bitte vergeßt nicht, daß auch am Wochenende Hausarbeit und Gartenarbeit zu verrichten sind, wobei manches davon nur am Wochenende machbar ist.

Zwei Tage Auszeit, die ein Mensch sich nimmt, zwei Tage, an denen nichts von dem geschieht, was zum Alltag gehört: Das ist für viele eine angenehme Vorstellung (und noch etwas Anderes als ein Wochenende). Einmal komplett unberührt sein von allen Sorgen, Ängsten, Pflichten, ohne alle anstrengende Konversation, ohne schlechte Nachrichten. Das klingt doch nach zwei Tagen voller Glückseligkeit. Nur das tun, was man selbst wirklich will, das, wofür sonst keine Zeit und keine Gelegenheit ist: traum­haft, oder? Und wenn dazu noch keine Mühe mit dem Essen und Trinken anfällt, weil all das dazu Notwendige von anderen Menschen erledigt wird: beinahe paradiesisch, nicht wahr? Ja, zwei solche Tage könnten zu den wunderbarsten Tagen eines Lebens gehören.

Wenn, ja, wenn diese zwei Tage nach dem eigenen freien Willen so ablaufen …

Für mich sind die Mittelalter-Märkte Auszeiten der angenehmen Art (die dennoch mit ziemlich viel Arbeit vorher und nachher verbunden sind).

Die anderen Möglichkeiten, zwei Tage „auszusteigen”: Von denen erzähle ich diesmal nichts. Über die will ich auch nicht nachdenken, denn die sind … Sagen wir mal: nicht so schön.

 

Erinnerung des Tages:
Bei der ersten Beerdigung, die ich bewußt miterlebte, konnte ich Opa im offenen Sarg sehen (ich war damals Neun; und nächste Woche Freitag wird die Urne meines Vaters beigesetzt).

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 11. Juni 2025 war ich zufrieden mit dem erfreulichen Anblick, den ich den halben Tag vor Augen hatte, mit einer Spielerei mit der Drei, mit Numiroso satt.


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2025 – 161: Bitterkeit

Wir alle haben doch ein gutes Leben.

 

Bitterkeit und Bitternis. Zwei Worte, bei denen ich das Verschwinden aus dem allgemeinen Sprachgebrauch befürchte. Alles, was sie beinhalten, wird heutzutage wohl in „trouble” u. ä. Anglizismen gesteckt. Menschen verbittern noch – noch! Doch die Bitterkeit eines Scherzes, die Bitternis eines Geschehens: die werden kaum noch so benannt.

Bitternis ist der bittere Geschmack bzw. im übertragenen Sinne ein unangenehmes Leiden. Bitterkeit ist die Eigenschaft des bitteren Geschmacks und im übertragenen Sinne die Eigenschaft, verbittert zu sein. Bitternis in meinem Sprachgebrauch sagt über den Geschmack nur, daß er bitter ist; dabei kann die Bitterkeit des einen Geschmacks sich von der Bitterkeit eines anderen Gaschmacks unterscheiden.

Verbittert bin ich, wenn ich keine Freude mehr empfinden kann und mich nicht zu einem Verzeihen durchringen kann. Das aber ist mein Gefühl. Möglich, daß das niemand verstehen oder nachvollziehen oder akzeptieren kann. Doch das ist nicht ungewöhnlich, nicht war? Und ja, ich war lange Jahre verbittert, glaubte zumindest, verbittert zu sein. Vielleicht war das „nur” die Depression?

Hm. Worte, die Unangenehmes beschreiben. Gibt doch nichts Unangenehmes mehr in einem guten Leben. Und wir alle leben doch nur noch gute Leben? Also brauchen wir doch auch keine Worte mehr für etwas, das es nicht mehr gibt. Bitterkeit und Bitternis gehören zu diesen Wörtern, zu diesen Befindlichkeiten, Empfindungen, Gefühlen.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Zwei kaputte Hemden, für die ich mir am Wochenende Ersatz besorgte, sind im Alttextilien­container gelandet.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 10. Juni 2025 war ich zufrieden mit erledigter Nacharbeit, mit dem Hinnehmen der Mattigkeit, mit einer großen Portion Oliven (die ich bis vor etwa 10 Jahren überhaupt nicht aß).


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