2025 – 303: Das fiel mir auf

Ein Gedankengang, aus einer Nacht zu zwein entsprungen.

 

Im Buch ist einer (der Protagonist sogar) krank und kehrt nach Jahren in die Gegend seiner Jugend zurück, und damit auch zurück zu den Menschen, die schon in der Vergangenheit eine Rolle spielten in seinem Leben.

 

 

Sie sagt Ja, wenn sie Ja meint, und Nein, wenn ihr nach Nein zumute ist. Ich habe mit ihr geschlafen, wir haben eine Nacht miteinander verbracht, es war wie früher, doch ich spüre, daß ich daraus keine Rechte ableiten darf. Ich fürchte fast, sie könnte, wenn ich mit ihr darüber spräche, auflachen und Na und? fragen. Na und? Schließlich sind wir allesamt nicht gerade zimperlich, jedenfalls geben wir uns so, Schwache werden an die Wand gedrückt, gehen am guten Glauben zugrunde, daran hat sich nicht viel geändert, trotz aller schönen Vorsätze; oft genug sind wir gezwungen, jemand zu sein, der wir nicht sind, wir machen uns was vor und wissen am Ende nicht mehr, wie wir heißen.

Armin Müller: Meine verschiedenen Leben. S. 83
© Greifenverlag zu Rudolstadt 1978. 2. Auflage 1981
Lizenz-Nr. 384-220/21/81 · Bestell-Nr. 525 180 7

 

 

Da kommt einer – vielleicht hat er ein nicht mehr ganz so gutes Gewissen – vom Hölzchen zum Stöckchen; und irgendwie unerwartet (für mich) stehen da Worte über das im eigenen Empfinden erlebte Elend der menschlichen Existenz, der eigenen Existenz, der Selbstverleugnung. Das verallgemeinernde wir (im Teil nach dem Semikolon) scheint mir zu Recht dort geschrieben zu stehen.

Mit Sicherheit liegt es (auch?) an meiner ganz persönlichen Erfahrung, an meiner Geschichte, daß mich dieses Stück Text aus der Erzählung so heftig berührt, anrührt. Ich kenne Menschen, die – so glaube ich – über diese Sätze einfach so hinweglesen würden, denen nichts daran auffiele. Bin ich allgemein empfänglicher für solche Wendungen, solche scheinbar abrupten Richtungswechsel in einem Gedankenfluß? Und wenn dem so ist, bin ich es dann immer, oder nur zu bestimmten, aber unbestimmbaren Zeiten?

Das Buch übrigens habe ich an einem Nachmittag komplett gelesen. Und ich werde es mit Sicherheit mindestens ein zweites Mal lesen, möglicherweise noch öfter. Ich will ein Verstehen finden, nicht nur das Angerührtsein. Das unterscheidet Müllers Erzählung von vielen, von den meisten Büchern, die ich las und lese. Das Buch arbeitet in mir …

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Als ich heute meine Einkäufe erledigte, stellte ich 14 Bücher in ein Öffentliches Bücherregal.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 30. Oktober 2025 war ich zufrieden mit den erledigten Einkäufen (morgen ist ja Feiertag, sind alle Geschäfte geschlossen), mit einem Mittagsschlaf, mit Spaghetti Carbonara.


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2025 – 302: Wer nicht verstehen will

Heute hatte ich mehrere Momente der Art |: Kopf → Tisch :|

 

Es gibt tatsächlich Leute, die wollen nicht verstehen, was ihnen mitgeteilt wird.

Natürlich gibt es auch für mich viele Dinge, die ich nicht verstehen kann. Weil mir eine eigene Erfahrung fehlt, weil mir Vor- und Grundwissen fehlt und wer weiß was sonst noch. Ich frage dann, woher oder von wem ich mehr Information bekommen kann – und selbst dann, wenn mir ein Buch empfohlen wird: Ich versuche, mehr zum Thema zu erfahren.

Wer nicht verstehen will, fragt meiner Beobachtung nach eher nach »Belegen«, nach anekdotischen Evidenzen. Oder tönt von Verblendung, Schlafschafen und Humbug und Unmöglichkeit. Da zählt nur Meinung, und zwar die eigene – und wer anderer Meinung ist, egal wie faktenbasiert die auch ist, wie sehr die auch wissenschaftlich anerkannte Tatsache ist, der liegt falsch, ist dumm.

Bei anderen Sachverhalten geht das bis zur Leugnung von Wahrheit und Tatsache. Und manchmal geht mir das so sehr auf die Nieren, daß ich mir darüber Luft machen muß. (Nein, heute erlebte ich das nicht online.)

 

Erinnerung des Tages:
Als eine Meinung noch eine Meinung war und die Menschen anerkannten, daß es mehrere gleichermaßen berechtigte davon gibt – was war das angenehm!

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 29. Oktober 2025 war ich zufrieden mit zwei Stunden Mittagsschlaf, mit Rührei und Butterbrot, mit dem Zulassen meiner Schlappheit.


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2025 – 301: Statt Lesezeichen

Die Handschrift leicht nach links geneigt und sehr rund.

 

 

Etwas Besonderes hatte er schon mitgebracht, mein alter Freund. Er weiß ja, daß ich Zettel sammle, Einkaufszettel und andere, die so auf den Wegen herumliegen, die ich gehe. Als er bei einem Tee anfing, von seinem Ausflug nach Karlovy Vary zu erzählen, von dem, den er vor acht Wochen ungefähr mit der Eisenbahn gemacht hatte, holte er dann bald einen Zettel aus der Hosentasche. Ihm gegenüber saß – von Johangeorgenstadt bis Nejdek – ein Mädchen, zumindest aber eine sehr junge Frau, und las in einem Buch. Der Zug fuhr schon wieder los vom Bahnhof Nejdek, da sah er das Buch noch auf dem Sitz gegenüber liegen – sie hatte es beim Aussteigen liegengelassen, vergessen. Er warf nahm es und warf einen Blick hinein, die kyrilli­schen Buchstaben konnte er allerdings nicht lesen. Doch diesen Zettel da … Er reichte ihn mir.

Einmal alle Konventionen mißachten, vergessen, ignorieren, drauf pfeifen. Und all das ausleben, das ich mir in meinen geheimen Träumen erlaube: Geld ausgeben und verschenken, Leute anquatschen; Menschen fragen, ob ich sie splitternackt zeichnen oder wenigsten einmal so sehen darf; Wände beschreiben und alle Arten von Scheiben; in einer Kirche anzügliche Lieder singen und dazu nackend tanzen. Alle Scham ablegen, ich sein, ganz pur und unverstellt …

Das Buch ließ er beim Aussteigen in Karlsbad auch im Zug liegen, den Zettel mußte er mitnehmen. Ob sie ihn geschrieben hatte, die Leserin? Er meinte noch, daß er keinen Mann kenne, der nach links geneigt schriebe. Also bis auf mich. Aber ich sei ja Linkshänder und das zählte also nicht. So brabbelte er, während ich die Worte schnell abschrieb. Denn schenken wollte er mir diesen Zettel keinesfalls, nur zeigen. Naja, knauserig war er schon immer …

 

 

Erinnerung des Tages:
Eines der ersten Bilder, die mir per MMS geschickt wurden (ich glaube, das dritte), war eines von jenen, die niemand anderes hätte jemals sehen dürfen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 28. Oktober 2025 war ich zufrieden mit gebügelter und verräumter Wäsche, mit Linsen­ein­topf, mit einem heute kopmlett gelesenen Buch (Armin Müller: Meine verschiedenen Leben).


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2025 – 300: Beim Hinausgehen

Es klang wie eine Nebensächlichkeit.

 

 

Als letzthin ein guter Freund sich nach seinem Besuch bei mir ver­ab­schiedet hatte, drehte er sich noch einmal um. Und ehe ich die Tür schließen konnte, sagte er: „Mir scheint, es gibt nicht mehr viele andere als gebrochene Biographien, unterbrochene Sätze, unfer­tige Texte. Das ist etwas anderes als das, was man für ein Glück halten kann, aber da bin ich mir nicht sicher. Mir stellt sich da auch die Frage, ob es eine Realität gibt, in der sich all diese Bruchstücke wieder zusammenfügen lassen und all das Unfertige vollendet wird.” Dann ging er nach rechts und verschwand im Dunkel.

 

 

Erinnerung des Tages:
Heute war mir kurz vorm Beitrag veröffentlichen ein Kinderlied aus der DDR (Text: Gisela Stein­eckert) sehr präsent: Das ist der einfache Frieden.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 27. Oktober 2025 war ich zufrieden mit einem Telefonat, mit der Zeit in der Badewanne, mit dem Früchtetee mit Zitrone.


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2025 – 299: Genauer besehen

Das ist schon ein sonderbares Ding mit den Uhren bei mir.

 

Ich sehe meine Uhren an. Alle haben sie einen Stundenzeiger, einen Minutenzeiger, einen Sekundenzeiger. Alle meine sichtbaren Uhren sind elektrisch angetrieben; ich besitze noch welche mit mechanischen Werken, aber die liegen im Schrank. So sehe und höre(!) ich diese Sekundenzeiger (zumeist rot) hektisch weiterspringen. Und frage mich, wann und wozu ich im Alltag die Zeit wirklich auf die Sekunde genau wissen muß?

„Wie spät isses denn?” „Kurz nach Fünfe.” Oder: „Kurz vor Acht.” Diese (Un-)Ge­nau­igkeit reicht doch in den meisten Fällen aus. „Wann wirst Du denn hiersein?” „So um Drei rum?” „Paßt.” Niemand erwartet eine Zeitangabe wie: „Sechzehn Uhr dreizehn Minuten und 38 Sekunden.” Oder doch?

 

Runde Wanduhr. Vor zwölfstrahligem ornamentalem, dunklem Metall ein Messingzifferblatt mit Römischen Ziffern, die Zeiger mit Verschnörkelung.

Eine etwa 50 Jahre alte Wanduhr.
Mechanische Wanduhr, ziemlich alt und zur Zeit nicht funktionierend.

 

Wie ihr seht, habe ich meine mechanische Wanduhr aus dem Schrank geholt. Die hat keinen Sekundenzeiger. Nach dem Aufziehen lief sie nur ein paar Sekunden – ich muß sie also zum Uhrmacher bringen und reinigen lassen. Und dann herausfinden oder vom Uhrmacher erfragen, wie lange das Werk mit einmal Aufziehen läuft. Ob junge Leute solche Uhren wohl ohne Erklärung zum Funktionieren bringen würden, also den „Trick” mit dem Aufziehen herausfänden?

Sobald ich wieder etwas Geld erübrigen kann, bring ich sie zum Uhrmacher …

 

Erinnerung des Tages:
Bei den Großeltern gab es noch Pendeluhren mit Gewichtsaufzug; es gab oft Streit darüber, wer von uns Enkeln sie aufziehen durfte. Ich erinnere mich an das entstehende Geräusch.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 26. Oktober 2025 war ich zufrieden mit der Rückkehr in die MEZ, mit den Unterwegssein im Wind, mit dem Rest des Bohneneintopfs.


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2025 – 298: Es geht los

Ich möchte mich nicht selbst unter Druck setzen.

 

Auch dieses Jahr werde ich hier im Blog wieder einen Adventskalender schreiben. Also Beiträge, die thematisch passend sind und am frühen Morgen online gehen. Diesmal habe ich (noch) keine Liste, auf der auch nur irgendetwas davon „geplant” ist. Ja, versucht habe ich mich daran, vergeblich versucht. Doch das ist nicht … Das ist diesmal nicht unangenehm für mich, stelle ich fest.

Vorgestern saß ich etwa zwei Stunden am Schreibplatz, in denen ich über mein Vor­ha­ben nachdachte. Ich habe kein einziges Wort dafür geschrieben. Anderes Zeug, ja, das notierte ich nebenbei, sowas passiert ja meistens, sowas Nebensächliches. Und aus dem entstanden auch schon Beiträge, die ich für gelungen halte. Gestern hatte ich dafür keine Zeit, war mit anderen Dingen beschäftigt. Selbst im Tagebuchmodus entstanden nur drei Zeilen.

Heute setzte ich mich um zehn vor meine Kladde, las die letzten drei Tage, griff zu einem grünen Stift. Und schrieb mit dem in weniger als 30 Minuten die erste Adventsgeschichte auf. Ohne Räucherkerzchenduft in der Nase zu haben. Wow. So darf das gerne weitergehen. Einfach herausfließend. Wie ich es beim Schreiben am liebsten habe (weil das keinen Aufwand erfordert, den ich am Text noch betreiben müßte). Weil das meinem Prinzip des Schreibens am ehesten entspricht: dem Lustprinzip. Und: Ich fand im Aufgeschriebenen keinen Perspektiv-, keinen logischen und keinen Zeitfehler. (Die Rechtschreibfehler entstehen meist beim Abtippen …) Ich bin also sehr zufrieden gewesen mit meinem Text. Es geht nun endlich los mit der Vorbereitung meiner liebsten Zeit im Jahr.

 

Jaja, ich schreibe hier immer wieder davon, daß ich so viel schreibe, aufschreibe. Das meiste davon wird wohl außer mir nie jemand lesen. Jedenfalls habe ich (noch immer) nicht vor, aus all den Notizen ein Buch oder Bücher zu machen, das veröffentlicht werden würde. Wozu schreibt einer wie ich dann? Warum schreibt jemand ein ganz privates Tagebuch? Wieso erfindet jemand Geschichten, schreibt sie auf und zeigt sie dann aber nicht her? Mir macht das Ausdenken und Aufschreiben Spaß und Freude. Einen kleinen Teil davon zeige ich der Welt in meinen Blogs, aber nur einen kleinen Teil. Mehr möchte ich nicht. Ich will mich nicht unter Druck setzen (müssen), möchte bei meinem Lustprinzip bleiben.

 

Erinnerung des Tages:
Bei meinen Großeltern wurde der letzte Weihnachtsstollen am Ostersonntag angeschnitten, so lange wurde immer einer aufgehoben.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 25. Oktober 2025 war ich zufrieden mit der ersten Adventskalendergeschichte, mit dem Eintopf aus roten Bohnen, mit 13 in ein Öffentliches Bücherregal gestellten Büchern.


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2025 – 297: Ein halber Tag

Doch trotz Euphorie bleibe ich weiter realistisch.

 

Manchmal ist ein halber meiner Tage anders als alle anderen Tage. Heute hatte ich mich zum Beispiel von früh bis nach 14 Uhr von Rechner, Tablet und Telefon fern­ge­halten. Ich lebte diesen halben Tag wirklich offline. Es war ein wenig wie auf einem Markt. Und es tat mir wirklich unwahrscheinlich gut.

Am Nachmittag überlegte ich, ob ich diesen »halben Tag netzlos« nicht jede Woche machen möchte, oder wenigstens jede zweite Woche? Sinnvoll, denke ich, sinnvoll wäre das sicher, wahrscheinlich sogar mehrfach in der Woche. Aber ich bin (mittler­weile auch) ehrlich zu mir, ich weiß, daß ich es so oft nicht machen werde. Vielleicht kann nach und nach die Offline-Zeit häufiger werden, vielleicht. Zunächst nehme ich mir das einmal im Monat vor.

Nein, ich halte nichts vom Entschlacken und nichts von digital detox. Das ist mir beides ziem­lich suspekt. Meiner Meinung nach wird es außerdem noch zu meinen Lebzeiten (überlebens-)notwendig werden, über ein Digitales Endgerät verfügen zu können (App-Zwang!) und sehr vieles ausschließlich »digital oder online« zu erledigen. Post, Bank, Fahrscheine, Eintrittskarten, Steuererklärungen, Rezepte und Überweisungen, Identifikation, Bezahlvorgänge etc. etc. pp.

Ob damit aber auch nur irgendetwas davon schneller und einfacher erledigt bzw. leichter zugänglich wird? Ich zweifle sehr daran …

 

Erinnerung des Tages:
Die mußte ich heute auffrischen und dazu in meinen ersten Adventskalendern lesen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 24. Oktober 2025 war ich zufrieden mit dem halben Tag, mit schönen Phantasien, mit leckeren Numiroso.


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2025 – 296: Ein Leckerli

Völlig gegen jede Vernunft und Tradition.

 

Es ist bei mir ja üblich, daß ich mir die weihnachtlichen Genüsse – Pfeffer- und Leb­kuchen, Marzipan, Spekulatius und und und – erst nach dem Totensonntag erlaube. Das habe ich bisher tatsächlich immer geschafft.

Bisher.

Bis heute.

Heute konnte ich beim Einkaufen nicht widerstehen. Stollenkonfekt brachte ich mit, und den aß ich zuhause auch gleich auf. Boah. Lecker.

Aber das muß und wird die Ausnahme bleiben. Kaufen und bevorraten, ja. Aber essen erst nach dem Totensonntag. Ich muß auch noch herausfinden, wie ich in diesem Jahr an einen Weihnachtsstollen von einem ganz bestimmten Bäcker komme.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Diverses, seit Jahren ungenutzes Zeug landete heute entweder im Müll oder – so es noch wirklich i. O. war – als zu Verschenkendes im Haus.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 23. Oktober 2025 war ich zufrieden mit dem deutlich weniger vollgepackten Schrank im Flur, mit dem geschafften Weggeben, mit dem Kaffee am Nachmittag.


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2025 – 295: Was soll ich dazu sagen?

Ich weiß es nicht, aber ich lasse es einfach raus.

 

Es herbstet (ohne das Diminuitiv-l). Am Morgen scheinen die kleinen Wasserläufe zu dampfen. Auf ihnen treiben bunte Blätter der Nordsee zu; aber ja, der Weg dahin ist weit, sehr weit. Und vor meinem Mund kann ich Atemwölkchen machen. Nicht mehr lange, und der Tag bzw. die Tageszeiten passen wieder zum Sonnenstand. Am Rand der Dölauer Heide stehen Schmaltiere in lockeren Gruppen. Manchmal ragen nur die Köpfe aus dem Nebel heraus.

Die Sonne wärmt noch immer, wenn sie auf die Haut trifft. Ich meide sie wie immer. Je weiter ich in den Wald gehe, desto stärker riecht es nach Pilzen. Ohne Brille aber kann ich kaum welche sehen. Und ohne Messer und Korb nehme ich sowieso keine mit nachhause. Die Fichtenzapfen lasse ich auch liegen, denn einen Ofen, in dem ich sie verbrennen könnte, hab' ich nicht. Den dazugehörenden Geruch vermisse ich oft, des­halb verkokele ich ab und zu Fichtennadeln in einer Kerzenflamme. Mittlerweile habe ich auch eine Kastanie zuhauseliegen, ein glänzendes braunes Ding.

Ich muß meine Fensterbretter abräumen, die Decken wieder an ihre Winter­plätze legen. Das läßt die Wohnung etwas weniger kühl werden. Meine Bettdecke wurde schon vor Wochen zur Wintervariante zusammengeknöpft. Die Kerzenvorräte sind noch nicht ganz ergänzt, aber ich komme dem Ziel näher. Weihrauchkerzen muß ich allerdings noch bestellen.

Der Oktober geht seinem Ende entgegen. Bald schon ist November, Nebelmond oder Nebelung. Der Charakter der abgespielten Musik ändert sich ein wenig, jahreszeitlich bedingt. Die »richtige« Weihnachstmusik aber läuft erst nach dem Totensonntag. Bis dahin herbstet es bei mir und draußen.

Es herbstet. Was soll ich dazu schon sagen …

 

Erinnerung des Tages:
Beim Lesen alter eigener Notizen erinnerte ich mich daran, daß ständige alleinige Schuld eine Allmachtsphantasie der Depression war und ist.

 

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Der Emil

 

P.S.: Am 22. Oktober 2025 war ich zufrieden mit meinen Gedanken zu Alleinsein und Einsamkeit, mit sehr schneller Nudelsuppe (gekörnte Brühe, Suppennudeln, Ei), mit dem aufgeräumten Öffen­li­chen Bücherregal.


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2025 – 294: Eine Vermutung

Allerdings konnte ihre Richtigkeit noch nicht geprüft werden.

 

 

„Wer den Mut zum Weggehen hatte, müßte doch auch den Mut zum Zurückkehren finden können. — Dann bleibt ja nur noch die Frage, wie eins über all die abgebrochenen Brücken kommt.”
 
[F.M.: Gehen zu (z)weit (unveröff.)]

(Zuerst vor einigen Jahren woanders hergezeigt und heute ergänzt.)

 

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Zwei sehr fadenscheinige Hemden, einige Boxershorts und ein zerschlissenes Paar Schuhe gab ich in den Restmüll.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 21. Oktober 2025 war ich zufrieden mit zwei neuen Langarmshirts, mit einem neuen Paar Schuhe, mit leckerem Salat satt.


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