2025 – 160: Endlos

Es fällt mir immer wieder auf, immer wieder.

 

 

Dieser Tag endet
Die Zeit aber existiert
Zeitlos für immer

Nicht nur sie scheint uns endlos
Manches bricht alle Grenzen

Ein Tanka.

 

 

Ja, die letzten Stunden auf einem Markt ziehen sich hin. Zum Glück war uns das Wetter heute wohler gesonnen als am Sonnabend und Sonntag.

 

Erinnerung des Tages:
Es war eher eine Nichterinnerung an Besucher, die mich schon seit Jahren immer wieder aufsuchen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 9. Juni 2025 war ich zufrieden dem mit dem lächelndem Publikum, mit verschiedenen Leckereien, mit trockenen Wetter und Abbau.


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2025 – 159: Sprunghaft

Oder einfach nur vielseitig interessiert.

 

Manchmal verzettele ich mich. Manchmal beginne ich, etwas zu tun, doch lange bevor ich das zuendenbringen konnte, wende ich mich etwas völlig anderem zu. Manchmal plane ich etwas (auch gemeinsam mit anderen Menschen), habe dann aber viel lieber etwas völlig anderes vor. Das kann sich bei mir im Viertelstundentakt ändern. Fast alles kann sich bei mir im Viertelstundentakt ändern.

Manchmal wird mir dann nachgesagt oder vorgeworfen, ich sei sprunghaft. Äh: Nein? Weil manchmal ein Plan, ein Vorhaben einer Sache entgegensteht, die in eben jenem Moment viel interessanter, sogar wichtiger zu sein scheint für mich. Ich gestehe, daß es mit mir keine absolute Planungssicherheit gibt. Ob es die bei anderen Menschen gibt, kann ich nicht beurteilen, will ich auch nicht beurteilen.

Heute war ich natürlich mit dem Thema Deutsche Handschriften vorm Normal­schrifterlaß beschäftigt. Außerdem lagen zwei Kladden vor mir, in denen ich den einen oder anderen Gedanken festhielt. Ich führte Gespräche parallel, zu unter­schied­lichen Themen (wobei mir die als ehemaliger Kneipenwirt geübte Fähigkeit zum gleich­zei­tigen Wahrnehmen mehrerer Gespräche/Bestellungen sehr half). Nun, das war aber eher preemptives Multitasking im Zeitscheibenverfahren, nicht wirklich echt parallel. Ich schaffte es, von einem zum anderen Dialog zu springen, dabei überall gleich ungeteilte Aufmerksamkeit vorzuschützen. Ich war sprunghaft.

Zuhause habe ich seit geraumer Zeit einen Kurzzeitwecker, mit dessen Hilfe ich meine Konzentration immer für 25 Minuten auf eine einzige Sache fixieren möchte. Dann taucht ein Stichwort auf, zu dem ich unbedingt mehr wissen muß. Sofort! Nein, das duldet keinen Aufschub, das muß sofort geklärt werden! Auch da bin ich sprunghaft.

Also ja: Ich bin sprunghaft, vielseitig interessiert könnte ich es auch nennen. Zu sehr gesteuert vom Lustprinzip? Das … Nun ja, das wohl auch. Stört mich das? Nicht mehr (höchstens dann, wenn ich über all dem Interessanten etwas Wichtiges vergessen habe).

 

Erinnerung des Tages:
Mit einem Rüganer sprach ich heute über meine Zeit in Prora auf Rügen – er diente zur gleichen Zeit dort.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 8. Juni 2025 war ich zufrieden mit dem dem entspannten Morgen, mit leckerer Bohnensuppe, mit gemeinsamem lautem Lachen.


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2025 – 158: Morgenlicht

Mir ist das schon zu hell, üblicherweise.

 

Ich mag das Morgenlicht. Aber nur im Winter. Wenn es erst dann sichtbar wird, wenn ich wach bin. Direkt aus dem Schlaf heraus ist es mir die längste Zeit des Jahres zu hell. Zusätzlich ist da ja noch die vermaledeite, unnötige und unnütze Verschiebung des Landes in die OstEuropäische Zeitzone …

Viel lieber als das Morgenlicht ist mir dann doch die Abenddämmerung, wenn es auf meine liebste Zeit zugeht: Nacht. Dunkelheit macht mir nur sehr, sehr selten Angst; ich fühle mich in Dunkelheit eher geborgen. Aber es gibt (wie fast immer und überall) Ausnahmen. Wenn ich im Zelt erwache, nämlich. Und es nicht gerade regnet. Obwohl – so ein feiner Landregen ist auch was Schönes.

Morgenlicht also. Ja, heute war es erträglich, weil die Sonne hinter ein paar Wolken sich versteckte. Es war nicht kühl, nicht zu warm – und ich saß da und genoß den Ausblick aufs Gelände. Und ich merkte, daß ich mir gestern ein wenig Sonnenbrand im Gesicht zugezogen hatte. Aber ich war im Morgenlicht zufrieden mir mir und der Welt – nur der Kaffee fehlte ein wenig. Für einen Morgenmuffel wie mich ist das doch ganz gut, oder?

 

Erinnerung des Tages:
Mitternächtlicher Rum kam seit 2018 auf keinem Markt mehr vor – aber wir sangen damals sehr lustige Lieder.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 7. Juni 2025 war ich zufrieden mit dem eingerämten Zelt, mit vielen netten Gesprächen auch im Regen, mit dem leckeren Honigbier.


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2025 – 157: Erwartet

In Vorfreude auf einen romantischen Abend.

 

 

Der Tisch ist festlich gedeckt. Weiße Tischdecke, Tischläufer, ein Strauß Blumen. Geschirr und Besteck für zwei. Weingläser, in der bauchigen Karaffe ein Bordeaux, tiefrot funkelnd. Bald werden die Kerzen angezündet werden. Die Kartoffeln brauchen vielleicht noch fünf, sechs Minuten, dann wird alles serviert. Ein Soßenkännchen steht bereit, eine Schüssel für die Karotten, eine für die Kartoffeln, und die Platte für den Rehbraten.

Alles wird zum Tisch gebracht, die Kerzen werden entzündet. Es ist 18.30 Uhr. Heute wird das Telefon nicht klingeln. Wieder sitzt er allein am Tisch und wartet geduldig auf sie. Wie vor vier Jahren. Sie wollte pünktlich sein, das hatte sie versprochen – und solche Ver­spre­chen hielt sie immer. An diesem Tag aber klingelte es um 18.30 Uhr nicht an der Tür. Es war sein Telefon. Jemand erzählte ihm von einem Unfall. Er legte auf, saß am Tisch, bis alles kalt geworden war und es dann doch noch an seiner Tür klingelte. Zwei Polizisten standen davor. Danach erinnert er sich erst wieder an das Gesicht eines Arztes und daran, daß er um keinen Preis ins Krankenhaus wollte, weil sie ja jederzeit noch kommen könnte, verspätet, ja, aber sie hält ihre Versprechen immer.

Und dann fällt ihm auf, daß er sie nicht vor vier, sondern schon vor sechs Jahren erwartet hatte …

 

 

Erinnerung des Tages:
Gleich neben dem heute bezogenen Platz stand das Zelt, in dem ich meinen allerersten Mittelaltermarkt miterlebte.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 6. Juni 2025 war ich zufrieden mit der störungsfreien Fahrt, mit dem trockenen Aufbau, mit den vielen Umarmungen zur Begrüßung.


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2025 – 156: Vorbereitet

Jetzt bin ich es doch, trotz Unlust und Aufschieberei.

 

Im allgemeinen bin ich gern gut vorbereitet auf das, was vor mir liegt. Mit vagen Ankündigungen von irgendetwas, über das mir aber nichts Konkretes mitgeteilt wird, komme ich überhaupt nicht zurecht. Da kann mir noch so oft versichert werden, daß es nichts Schlimmes, was Schönes, etwas, das ich mir schon lange wünsche sein wird: Nein, das läßt jede Vorfreude schlagartig erlöschen. Nicht Angst, aber Widerwillen macht sich in mir breit. Und manchmal habe ich keine Lust darauf, etwas für mich selbst vorzubereiten, obwohl oder gerade weil ich weiß, was mich erwartet.

Ich mußte mich heute vorbereiten auf das Pfingstwochenende. Also: all meinen Krempel überprüfen, ein oder zwei Sachen auffüllen, dies oder das noch verändern. Aber ich schob das den ganzen Tag vor mir her. Hatte so gar keine Lust. Und weiß doch, daß das Pfingstwochenende großartig werden wird. Und ein wenig feucht bis naß, denn es werden für Feitag bis Sonntag noch Regenschauer vorausgesagt. Nicht schlimm, denn der Pfingstmontag wird bis jetzt noch als regenfrei und sonnig pro­gno­stiziert. Es bestehen also gute Chancen, alles trocken wieder einzupacken.

Erst nach 17 Uhr begann ich relativ hektisch mit dem Notwendigen. Als erstes schrieb ich den Einkaufszettel, den ich morgen am Beginn der Fahrt brauche. Dann die Schreibkiste, die Garderobetüte, die Lebenskiste. Meinen Stecken darf ich nicht vergessen und eine Regenjacke. Und jetzt, wo beinahe alles fertig ist, kommt auch langsam Vorfreude und Lust auf die Begegnungen auf. Drei Tage Bruder Emil als Marktmöch im Zelt auf Burg Regenstein in Blankenburg am Harz. Und am meisten freu ich mich gerade auf die Zeit, die ich hoffentlich im Zuber verbringen werde.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Aus meinem Kleiderschrank habe ich alle gefundenen blauen Jeansklamotten in den Alt­klei­der­container umgeräumt.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 5. Juni 2025 war ich zufrieden mit den während des Aufschiebens erledigten Neben­sachen, mit den doch geschafften Vorbereitungen, mit schon verladenem Kram.


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2025 – 155: Teilweise

Ich denke, das ist ein allgemein bekanntes Phänomen.

 

 

Es gibt Dinge, die gehören zusammen; und doch ist jedes einzelne dieser Dinge für sich perfekt. Nicht bei allem, was zusam­men­ge­hört, doch jeder Mensch kennt, so glaube ich, Beispiele für die für sich allein perfekten Teile: Messer, Gabeln, Löffel, Matrjoschkas, die Instrumente eines Orchesters …

 

 

Erinnerung des Tages:
Ich würde gern mal wieder eine Sense dengeln (das haben mir Opa und Vater beigebracht).

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 4. Juni 2025 war ich zufrieden mit aussortiertem Altpapier, mit einem geschriebenen Brief, mit Tagliatelle am Abend.


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2025 – 154: Schwierigkeit

Ich hätte nie vermutet, daß das ein Problem sein kann.

 

Vorweg: Ich brauche keine Hinweise auf Bezugsquellen und/oder „life hacks”, denn ich wollte und will weder online bestellen noch „Trick 17b mit Selbstverarschung” anwenden.

Kopierpapier. Gibt es mittlerweile auch beim Discounter, in Drogeriemärkten und sonstwo. Stimmt. Ich brauche Kopierpapier in der Größe DIN A5. Das ist für Hefte und Blöcke ein wirklich gängiges Format, und ich kenne es durchaus noch aus der Arbeit in diversen Büros und ähnlichen Umgebungen. Kleine Sachen konnten einfach auf die kleinen Blätter gedruckt werden.

Also auf ins Getümmel, ab zum Papierschotten. DIN A5? Kopierpapier? Nö. Auch in einer zweiten Filialen dieser Kette nur sonderbare Blicke ob meines Wunsches. Ich fühlte mich angestarrt wie ein exotischer Perverser, nur weil ich nicht auf DIN A4 drucken möchte. Der Drogeriemarkt, der auch sehr viel Bürobedarf im Sortiment hat, könnte Kopierpapier in der gewünschten Größe besorgen, wenn – ja, wenn ich davon 10 Packen abnehme, also kaufe. Der inhabergeführte Schreibwarenladen, in dem ich so gerne Schreibgeräte (Füllfederhalter) und Kladden kaufte, existiert nicht mehr.

Ich klapperte einige Filialen der allgegenwärtigen Billigheimer ab, auch bei denen gibt es zwar Kopier­papier, aber nur das in der von mir nicht gewünschten Größe. Ich könnte die Blätter doch bei Bedarf mit einem Rollschneider – Der da ist grad im Angebot! – halbieren, dann hätte ich immer, was ich brauche. Neee, dann hätte ich zu großes Papier, daß ich mir Blatt für Blatt teilen, und zwar millimetergenau teilen müßte. Das, finde ich, ist vertane Lebenszeit.

Nun, es wäre abzusehen gewesen, daß es etwas so Ungewöhnliches nicht im Laden gibt? Ich hätte es ja gleich bei Azamon bestellen können? Neeee! Kann ich nicht! Bei denen kaufe ich nicht! Und auch nicht bei der Lektrobucht! Es muß doch irgendwo in einem Laden dieser Stadt …

Vertane Zeit, meine Suche nach Papier DIN A5? Nicht ganz, denn so war ich meine Zeit draußen unterwegs. Und schließlich, nach bis dahin sechs erfolglos besuchten Geschäften, war ich in einer dritten Filiale vom Papierschotten und kaufte dort Kopier­papier DIN A5, 500 Blatt zu einem Preis, für den ich auch 1.000 Blatt DIN A4 (entspricht 2.000 Blatt A5) hätte kaufen können. Wahrscheinlich wär ich andern­falls noch in einen Copyshop gegangen, bei dem ich mir schon A5 kopieren ließ. Drei Stunden in der Stadt unterwegs, letztlich mit Erfolg: mit dem gesuchten Papier.

 

Erinnerung des Tages:
Oh, wie schön wars immer, im Schreibwarenladen auf der Großen Ulrichstraße zu stöbern!

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 3. Juni 2025 war ich zufrieden mit Geschriebenem, mit etwas endlich Ersetztem, mit dem gekauften Papier.


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2025 – 153: Entschachtelt

Ich bin über meinen Schatten gesprungen.

 

Es stimmt, das war schon ein richtiger Tick von mir, ein echter Spleen. Ich habe alle möglichen Plastedosen mit dicht schließendem Deckel immer sorgfältig gereinigt, abgewaschen also, und dann aufgehoben. Das ist so eine Sache, die mit den vier­eckigen Behältern für „Frische Rahmbutter” in der DDR begann. In die konnte man ja alles mögliche einsortieren, in denen wurde vieles gesammelt. Vor Jahren wurde die Produktion des Streichfetts (mittlerweile unter dem Namen „Frische Sahnige”) dann eingestellt. Ich habe noch zwei der Schachteln, in denen Kleinkram (den ich wohl auch wegschmeißen kann) gesammelt ist.

Meine Aufheberei endete damit längst noch nicht: Weiterhin reinigte und sammelte ich alle mäglichen Plasteschachteln. Und immer wieder habe ich eine ganze Anzahl dieser Schachteln entsorgt. Selbst von den Senf- (Bautzner) oder Joghurteimern trennte ich mich immer wieder, aber von denen behalte ich immer drei oder vier, in denen ich Suppen u. a. einfriere. Nur diese kleinen Becher (immer nur die mit dicht schließendem Deckel) von Salaten und auch immer wieder viereckige Margarine­schachteln … Uff. Mittlerweile habe ich mir tatsächlich für Lebensmittel geeignete Vorratsdosen in ausreichender Anzahl zugelegt. Die gesammelten brauche ich also wirklich nicht mehr.

Heute bin ich am Vormittag über meinen Schatten gesprungen. Ich habe alle auf­find­baren Plasteschachteln zusammengesucht. Und sie in die Gelbe Tonne gebracht. Es braucht bestimmt einige Zeit, ehe ich auch damit aufhöre, die Dosen und Becher abzuwaschen. Die dürfen ja löffelrein entsorgt werden. Aber ich befürchte, eine so langjährige Routine wird etwas Entwöhnungszeit brauchen. Vorerst habe ich meinen Haushalt weitgehend entschachtelt.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Steht schon da oben: Ich habe eine ganze Menge Plasteschachteln weggeworfen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 2. Juni 2025 war ich zufrieden mit dem Linseneintopf, mit dem Unterwegssein in der Stadt, mit dem Entschachteln.


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2025 – 152: Lautstark

Und ich wurde zuverlässig verfehlt.

 

 

Ein Blitz nah beim Haus
Heftiges Donnergrollen
Landregen dazu

Nach dem lautstarken Wetter
Grüne Wiesen ringsumher

Ein Tanka.

 

 

Regen gab es heute häufiger. Etwa 15 Uhr sah ich diesen einen Blitz vor meinem Fenster, war vom lauten Knall erschrocken und hörte ein ewig langes Donner­grollen. Einschlag nicht ganz 100 m vom Haus weg.

Der Regen tut den Pflanzen hier wirklich gut.

 

Erinnerung des Tages:
Bei beiden Großeltern gab es Gewitterroutinen, die sich sehr ähnelten: Die Jahreskerze wurde entzündet, man saß angekleidet in der Küche, die Kassette mit allen wichtigen Papieren stand bereit. Im reetgedeckten Haus in Mecklenburg öfter als im Erzgebirge.

 

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Der Emil

 

P.S.: Am 1. Juni 2025 war ich zufrieden mit dem Ausschlafen, mit den geretteten Linsen (ich hatte wohl zweimal gesalzen), mit Brathering am Abend.


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2025 – 151: Tierchen

Rauswurf mit Abschiedsgeschenk.

 

 

Das Tierchen schaut mich sehr böse an – oder ist das der ängstliche Blick? So genau weiß ich es nicht, also entscheide ich mich für den bösen Blick. Wie konnte ich aber auch! Das, was ich tat, war der Gipfel dessen, was es sich an Qualen vorstellen konnte. Hungrig auf der Suche nach dem, was in meinem Vorratsschrank so verfüh­re­risch duftete, war es unterwegs, ließ sich von ein paar winzigen Bröckchen nur verführen und landete in der Falle. Von den wenigen Krümeln wurde das Tierchen nicht satt; so saß es die ganze Nacht hungrig inmitten all der Wohlgerüche, die von den Keksen und den Rosinen und den Erbsen ausgingen. Die! Ganze! Nacht!

Nun, ich bin dem Tierchen nicht böse. Es hatte doch nur getan, was es tun mußte: Futter gesucht. In meinem Vorratsschrank. Als ich feststellte, daß von dem Wenigen, welches ich nicht in Gläsern und Dosen lagerte, dann doch fast alles aufgenagt war: Bulgur, Rosinen, die Tüte Gebäckmischung, der Zwieback – aufgenagt, ja, da kaufte ich drei Lebendfallen. Und machte mich schlau, was Mäuse wirklich mögen als Köder in der Mausefalle. Als ich begann, alle zwei Tage drei Rosinen mit Schokocreme zu bestreichen, denn Schokolade und Rosinen sollten die besten Köder sein, glaubte ich zunächst an einen schnellen Erfolg. Allein, die Mäuse waren schlauer.

Aber heute, nach über einer Woche, heute saß das Tierchen in der Falle. Niedlich finde ich sie schon, die Mäuse, aber ich möchte keine wilden Mäuse im Haushalt haben. Wenn ich ihn – es ist eindeutig ein Mäuserich – nachher im Oberdorf in den Wald entlasse, dann gebe ich dem bös dreinschauenden Tierchen noch ein Geschenk mit: Den Rest der angefressenen Tüte Rosinen streu ich irgendwo in die Büsche. Und ich werde das Loch oder den Spalt, durch den die Mäuslein in meinen Vorratsschrank schlüpfen können, finden und verschließen. Und ein paar Tage noch werde ich weiter Rosinen mit Schokocreme präparieren, vorsichtshalber für den Fall, daß das Tierchen nicht alleine war …

 

 

Erinnerung des Tages:
In der Werkstatt meines Großvaters wurden nicht nur viele Spinnen öfter mal mit Insekten gefüttert, nein, in der gab es auch mindestens eine Mäusefamilie, die immer gefüttert und mit Wasser versorgt wurde.

 

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Der Emil

 

P.S.: Am 31. Mai 2025 war ich zufrieden mit dem Kaffee am frühen Morgen in aller Ruhe, mit der Mitfahrgelegenheit zum Bahnhof, mit dem zweistündigen Reisegespräch.


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