Rauswurf mit Abschiedsgeschenk.
Das Tierchen schaut mich sehr böse an – oder ist das der ängstliche Blick? So genau weiß ich es nicht, also entscheide ich mich für den bösen Blick. Wie konnte ich aber auch! Das, was ich tat, war der Gipfel dessen, was es sich an Qualen vorstellen konnte. Hungrig auf der Suche nach dem, was in meinem Vorratsschrank so verführerisch duftete, war es unterwegs, ließ sich von ein paar winzigen Bröckchen nur verführen und landete in der Falle. Von den wenigen Krümeln wurde das Tierchen nicht satt; so saß es die ganze Nacht hungrig inmitten all der Wohlgerüche, die von den Keksen und den Rosinen und den Erbsen ausgingen. Die! Ganze! Nacht!
Nun, ich bin dem Tierchen nicht böse. Es hatte doch nur getan, was es tun mußte: Futter gesucht. In meinem Vorratsschrank. Als ich feststellte, daß von dem Wenigen, welches ich nicht in Gläsern und Dosen lagerte, dann doch fast alles aufgenagt war: Bulgur, Rosinen, die Tüte Gebäckmischung, der Zwieback – aufgenagt, ja, da kaufte ich drei Lebendfallen. Und machte mich schlau, was Mäuse wirklich mögen als Köder in der Mausefalle. Als ich begann, alle zwei Tage drei Rosinen mit Schokocreme zu bestreichen, denn Schokolade und Rosinen sollten die besten Köder sein, glaubte ich zunächst an einen schnellen Erfolg. Allein, die Mäuse waren schlauer.
Aber heute, nach über einer Woche, heute saß das Tierchen in der Falle. Niedlich finde ich sie schon, die Mäuse, aber ich möchte keine wilden Mäuse im Haushalt haben. Wenn ich ihn – es ist eindeutig ein Mäuserich – nachher im Oberdorf in den Wald entlasse, dann gebe ich dem bös dreinschauenden Tierchen noch ein Geschenk mit: Den Rest der angefressenen Tüte Rosinen streu ich irgendwo in die Büsche. Und ich werde das Loch oder den Spalt, durch den die Mäuslein in meinen Vorratsschrank schlüpfen können, finden und verschließen. Und ein paar Tage noch werde ich weiter Rosinen mit Schokocreme präparieren, vorsichtshalber für den Fall, daß das Tierchen nicht alleine war …
Erinnerung des Tages:
In der Werkstatt meines Großvaters wurden nicht nur viele Spinnen öfter mal mit Insekten gefüttert, nein, in der gab es auch mindestens eine Mäusefamilie, die immer gefüttert und mit Wasser versorgt wurde.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
P.S.: Am 31. Mai 2025 war ich zufrieden mit dem Kaffee am frühen Morgen in aller Ruhe, mit der Mitfahrgelegenheit zum Bahnhof, mit dem zweistündigen Reisegespräch.
© 2025 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


@deremil Schön geschrieben. So in der Richtung haben wir das Anfang des Jahres gemacht. War bei uns wohl ein Einzeltäter
Remote-Antwort
Ursprüngliche Kommentar-URL
Dein Profil
Warum muss ich mein Profil eingeben?
Diese Website ist Teil des ⁂ Open Social Web, einem Netzwerk miteinander verbundener sozialer Plattformen (wie beispielsweise Mastodon, Pixelfed, Friendica und andere). Im Gegensatz zu zentralisierten sozialen Medien befindet sich dein Profil auf einer Plattform deiner Wahl, und du kannst mit Menschen auf verschiedenen Plattformen interagieren.
Wenn du dein Profil eingibst, können wir an dein Profil senden, wo du diese Aktion abschließen kannst.
Was willste denn mit den bedauernswerten Kreaturen auch sonst machen …
@deremil
Ich find die Lebendfallen gut und freue mich sie dann weiter Ausserhalb wieder frei zu lassen.
Remote-Antwort
Ursprüngliche Kommentar-URL
Dein Profil
Warum muss ich mein Profil eingeben?
Diese Website ist Teil des ⁂ Open Social Web, einem Netzwerk miteinander verbundener sozialer Plattformen (wie beispielsweise Mastodon, Pixelfed, Friendica und andere). Im Gegensatz zu zentralisierten sozialen Medien befindet sich dein Profil auf einer Plattform deiner Wahl, und du kannst mit Menschen auf verschiedenen Plattformen interagieren.
Wenn du dein Profil eingibst, können wir an dein Profil senden, wo du diese Aktion abschließen kannst.
Ich fange die Tierchen mit Zarbitter Schokolade. Es dauert schon eine ganze Weile, bis sie rein gehen, Aber früher oder später ist eine drin. Man muss nur regelmäßig kontrollieren, einmal hatte ich es zu u spät entdeckt, da war sie leider schon verhungert …
Wenn ich solche Fallen aufstellen müßte, würde ich eher zweimal täglich nachsehen, ob was gefangen ist.
Danke, dass er weiter leben darf.
Nach unserem Polterabend vor nun bereits 49Jahren, quetschten Kollegen an unserem Hochzeitstag Mäuse durch den Briefschlitz unserer Wohnung im vierten Stock. Das Schloss sicherten sie mit einem sogenannten „Kobold“, der Schlüssel dafür war im Briefkasten im Erdgeschoss. Mein Mann flitzte also vier Treppen runter, wir schlossen auf und fanden am Gitter hinter dem Briefschlitz eine weiße Maus. Geistesgegenwärtig griff mein Mann zu und setzte sie in einen leeren großen Tonkrug, in dem am Vortag noch die Polterabendbowle war. Mit einer Tischtenniskelle erschlossen wir das Gefäß. Als wir uns in unser einziges Zimmer saßen und uns von der Hochzeitsstrapaze ausruhen wollten, flitzten zwei weitere Mäuse auf dem Regal entlang. Das waren japanische Tanzmäuse. Mit allerlei Tricks (Diakästen als Trennwände u.ö.) gelang es uns, auch die beiden in die Enge zu treiben und zur weißen Maus zu setzen. Wir setzten die drei dann im benachbarten Park aus, was uns damals richtig erschien. Heute denke ich, dass sie das vielleicht nicht überlebt haben. Aber vielleicht war noch so viel Mäuseinstinkt vorhanden, dass das eventuell doch der Fall war. Ach ja, den Streich spielten uns die Kollegen, weil wir den Polterabend nur im allerengsten Freundeskreis feierten, da unter unserer Wohnung eine Frau mit zwei schwerbehinderten Kindern lebte, denen wir nicht unnötigen Tumult zumuten wollten. Und GsD habe ich überhaupt keine Angst und keinen Ekel vor sämtlichen Viehzeug, denn ansonsten wäre unser Hochzeitstag vielleicht anders zu Ende gegangen (ich kreischend auf dem Tisch oder so).
(Solche) Streiche mit Tieren waren und sind für mich Gründe für Abschiede auf Dauer … Das geht gar nicht.
Mit einem der damaligen Kollegen pflegen wir heute einen freundschaftlichen Kontakt. Er hat sich im Nachhinein sehr geschämt, schließlich waren die Männer alle nicht mehr im pubertären Alter.
Ich unterhielt mich jüngst mit einer Dame an der Bushaltestelle, die gesehen hatte, wie ich eine kleine Schnecke vom Gehweg pflückte und in den breiten Grünstreifen setzte. Sie fand das wohl bemerkenswert, worauf ich ihr erzählte, dass ich als Kind, wenn ich an manchen Sonntagen mit den Großeltern Waldspaziergänge unternahm, meistens meinen Blick auf den Weg vor mir richtete, um ja keine Ameise o.ä. Getier zu zertreten. In meiner kindlichen Phantasie stellte ich mir oft vor, wie ein Riese unseren Weg kreuzen würde, die Bäume wie Streichhölzer zerträte und wir für ihn die Ameisen wären. Keine Ahnung, wie ein Psychologe das deuten würde, aber mir geht es heute noch so, dass ich darauf achte, niemanden zu zertreten. Und nein, an Riesen glaube ich nicht mehr, jedenfalls nicht an die aus den Märchen und Sagen. Die heutigen Riesen sind nämlich viel gefährlicher,