2025 – 150: Weltuntergang

Ein sehr musikalischer Tag.

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Ich weiß gar nicht (und such jetzt auch nicht danach), wie lange gesungen wurde (und vielleicht auch noch wird): „Am 30. Mai ist der Weltuntergang – wir leben nicht mehr lang …” Und es hieß im Lied auch, daß keiner weiß, der 30. Mai welchen Jahres es sein wird …

Heute hörte ich ein anderes Lied, mehrfach, weil ich es mag. Weil es in ihm heißt: „Und was draußen passiert interessiert mich nicht. Geht die Welt heute unter, geht sie ohne mich.”

 

 

Ja, leider YT. Und jaja, das Lied ist schon fast 40 Jahre alt, von 1986! Aber diese beiden Sätze, von dieser Stimme!

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Weitere Sachen aus meiner Studentenzeit wurden zu Altpapier – ich wußte nicht, daß noch so viel davon existierte.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 30. Mai 2025 war ich zufrieden mit der erledigten Aufgabe, mit aufgewärmtem Gemüse­eintopf, mit meiner Abgeklärtheit (anders weiß ich es grad nicht zu nennen) beim Sortieren.


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2025 – 149: Flieder

Oder doch lieber Rhodedendron? Ach nein, Flieder.

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Diese Sträucher oder niedrigen Bäume: wer kennt sie nicht. Und jetzt, da er blüht, ist er auch kaum zu übersehen.

Aber: Wenn ihr Flieder lest oder hört, was kommt euch da zuerst in den Sinn? Die Blüten mit ihren Farben, der Duft, die Blätter – oder das Summen der nektar­sam­melnden Insekten?

Ich rieche ihn zuerst und sehe dann entweder weiße oder dunkelblaue Blütenstände vor meinem inneren Auge. Schon, wenn ich das Wort lese oder höre. Und wenn ich, wie heute, zwischen Rhodedendron und Flieder hinundhergehen kann und dabei mehrere Bienen- und Hummelarten sehe (u. a. eine der Blauen Holzbiene ähnliche, die aber viel, viel kleiner als jene war) beobachte und natürlich auch höre, dann freu ich mich durchaus meines Lebens. Und beim Flieder steh' ich lieber.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Sechzehn Hefter mit Mitschriften, Übungen und anderem aus meinem Studium (1985 – 1988) kamen ins Altpapier.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 29. Mai 2025 war ich zufrieden mit der vielen Ruhe, mit der gefundenen Bedienungs­anleitung meiner allerersten Computer-Mouse (GM-6), mit einigen notierten Erinnerungen.


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2025 – 148: Aussicht

Die interessanteste Sache dort oben.

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„Wenn Du da hinaufgehst, bis ganz oben, dann siehst Du die Ampeln an der Kreuzung direkt vor der Autobahn.”

Beate schaut verständnislos die ältere Frau an und fragt, wozu sie denn auf den Berg gehen soll. Die Ampel ist ja wohl nichts, was zu einer schönen Aussicht gehört. Es wird ja wohl auch noch Anderes von da oben aus zu sehen sein? Nein, mehr ist da nicht, das Interessanteste ist diese Ampel. Weil an der immer Bewegung ist, immer Verkehr – außer bei Stau, da ist es dann wirklich uninteressant, weil nichts sich bewegt. Und so überlegt sie, was es sonst im Leben der älteren Frau noch gibt, was deren Leben jetzt ausmacht. Der tägliche Besuch von ihren Kolleginnen und ihr. Außerhalb des Pflegedienstes wird sie kaum noch Kontakte haben, denn Fräulein F. hatte nie Kinder, hatte nie welche gewollt, so erzählte sie es zumindest. Das Warum, den Grund oder die Gründe dafür erwähnte sie jedoch nie. Und wann war sie wohl zuletzt oben gewesen zum Ampelbeobachten? Vor fünf Jahren oder zehn? Aber sie kennt Fräulein F. seit fünf Jahren als überwiegernd bettlägerige Person, für die schon der Weg ins Wohnzimmer eine kleine Fernwanderung ist. Ihren Humor hat sie behalten, trotz ihrer Einsamkeit.

„Als ich mit meinem Verlobten das erste Mal dort oben war, gab es weder die Straße noch die Ampel. Aber es war romantisch dort oben. Und zwei Wochen später hat er mich verlassen …” Nun, wenigstens einmal wird sie jetzt anhalten dort oben, ein paar Bilder mit ihrem Telefon machen und sie dann für Fräulein F. ausdrucken: eins mit roter Ampel, eins mit gelber und eins mit grüner …

 

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Eine ganze Anzahl unternehmensinterner „Lehr”-Bücher aus meiner Vergangenheit gingen heute ins Altpapier.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 28. Mai 2025 war ich zufrieden mit dem Mohnzopf zum Frühstück, mit dem vielen Regen (ja, Hagel war auch dabei), mit meiner wiedergefundenen Abizeitung (1982).


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2025 – 147: Danach

Eine Veränderung, die bis jetzt nichts für mich geändert hat.

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Und am Tag danach sitze ich hier; und es hat sich gefühlt nichts geändert; dabei sollte sich doch alles geändert haben, zumindest in meinem Leben, in meinen Empfin­dungen. Aber da ist zur Zeit nur ein „Endlich hat er seine wohlverdiente Ruhe.”

Und ich steh' herum wie ein Kalb, das seine ersten Schritte draußen auf der Wiese macht, mit großen Augen in die Welt schaut und (noch) nichts davon, noch nichts von alledem versteht. Etwas ist anders als im Stall, ja, aber was das ist: Keine Ahnung.

Es hat begonnen, was nach einem Sterben notwendig ist – Bürokratie: Anträge, Abmeldungen, Kündigungen und zum Beispiel auch die Klärung komplizierter Nach­folge­re­ge­lungen. Boah. Wer damit alleingelassen bleibt …

Und der Rest des Lebens geht weiter, einfach so. Es muß eingekauft werden, dies und das im Haushalt ist zu tun, ich lese; und ich schreibe dies und das auf, was ich nicht vergessen möchte. Das Geschriebene sehe ich mir an und ich denke dabei daran, daß es wahrscheinlich nie jemand lesen wird, daß, wenn ich nicht wirklich etwas festlege und unternehme, alles einfach nur weggeworfen werden wird. Da ist sie wieder, die Frage, was von meinem Leben bleibt außer den Nachkommen …

 

Erinnerung des Tages:
Im Dorf gab es zwölf Bäckereien, von denen ich noch neun selbst kennenlernte. Heute gibt es nur noch eine einzige.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 27. Mai 2025 war ich zufrieden mit der Besprechung am Vormittag, mit einem Gang durchs Dorf, mit leckerem Mett.


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2025 – 146: Gesendet

Ja, ich darf das wirklich einfach abschicken in die Öffentlichkeit.

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Das ist doch eine bombastische Formulierung, knackig, für alle verständlich, nicht zu lang – exakt auf den Punkt gebracht. Sowas dürfte mir gern öfter einfallen. Andererseits: Kilngt das nicht wie eine Binsenweisheit, wie ein Gemeinplatz? Hm … Irgendwie schon. Und ich glaube, ich kenne den Satz. Nur woher? Mal schnell mit der Suchmaschine … Mist! Dutzende Fundstellen, aber keine von irgendeiner Berühmtheit. Dennoch habe ich immer mehr das Gefühl, ich kenne den Satz viel zu gut, um ihn nicht irgendwo schon gelesen zu haben. Neeee, den kann ich jetzt nicht einfach so ins Internet senden, da habe ich Angst, den jemandem geklaut zu haben. Also andere Suchmaschine nehmen, nochmal: Wieder einige Fundstellen, nicht hundertprozentig übereinstimmend, aber doch nahe genug.

Moment. Das da, das ist doch … Das ist genau dieser Satz, der mir heute einfiel! Und den habe ich selbst vor sieben Jahren in einem Blog veröffentlicht? Ups. Oh, und es gibt keine älteren Fundstellen? Dann ist das ja tatsächlich von mir, dann dachte ich vor sieben Jahren schon wie heute noch immer oder schonwieder. Warum aber erinnerte ich mich nicht daran, daß ich das schrieb, daß mir selbst das eingefallen war? Ist doch kein schwieriger Satz, den ich mir nicht hätte merken können, oder?

Ich schreib jetzt noch dazu, daß ich das schon vor Jahren schrieb und verlinke den alten Text. Dann aber, dann wird der Beitrag gesendet. Darf ich ja, einfach so. — Wie vergeßlich ich doch bin …

 

 

Ich glaube, daß nicht nur ich manchmal auf Dinge stoße, die ich geschrieben und schon längst wieder vergessen habe. Oder?

 

Erinnerung des Tages:
Ich stolperte heute bei der Suche nach einer Idee über genau das beschriebene Phänomen. Tja!

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 16. Mai 2025 war ich zufrieden mit einem umgesetzten Entschluß, mit einem netten Gespräch in der S-Bahn, mit zehn Minuten Alleinsein.


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2025 – 145: Skeptisch

Begründetes und unbegründetes Zweifeln.

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Skepsis (ursprünglich Betrachtung, Überlegung, Untersuchung; heute häufig im Sinne „methodische Zweifel” genutzt) wurde mir in der Schule, im alltäglichen Leben und im Studium beigebracht als eine wichtige, notwendige Verhaltens- und Denk­weise, die bei der Suche nach Wahrheit unabdingbar ist. Ja, die ganze Wissenschaft in ihrer gesamten Geschichte kam und kommt ohne sie nicht aus. Behauptungen, Hypothesen müssen, solange sie nicht bewiesen oder widerlegt sind, angezweifelt werden, skeptisch untersucht, überprüft, nachvollzogen werden. Das gilt in allen Naturwissenschaften. (Wirtschaftswissenschaft erkenne ich ebenso wie Religions­wis­sen­schaft nicht annähernd so an, wie Naturwissenschaften.)

Im Alltag zweifeln Menschen oft. Heute aber kann man ja vieles überprüfen, indem man im Netz sucht und Informationen findet zu dem, was man bezweifelt – leider aber auch sehr viele falsche und gefälschte Informationen. Es ist ja auch meiner Bildung, meiner Sozialisation, meiner Familie und deren Traditionen und Über­lie­fe­run­gen, meinen Erfahrungen, ja sogar meinem Geschlecht geschuldet, woran ich leichter, meiner Meinung nach begründeter zweifle und wo ich nicht zweifle. (Muß ich Beispiele dafür anführen? Ich denke, das könnt ihr alle bei euch selbst ebenso feststellen.) Es gibt Menschen, denen ich (fast) alles (fast) bedingunglos glaube, und andere, bei denen ich jede einzelne Aussage, jede Handlung anzweifle (Beispiel: #KannNichtKanzler und Konsorten, Werbetexter:innen).

Skepsis führt bei mir dazu, daß ich mich weiter informiere, intensiver beschäftige mit dem, was ich da skeptisch betrachte. Nicht dazu, daß ich das sofort als Humbug, Unsinn, Lüge, Unwahrheit, Täuschung, Fehler, Irrlehre u.v.a.m. bezeichne und ein­sor­tiere, wie ich es mit den Dingen tu, die dem, was ich wirklich sicher weiß und was mehrfach als gültig bewiesen wurde, widersprechen.

Skeptisch bin ich auch bei Sachen, die weder bewiesen noch widerlegt – falsifiziert – werden können: Die kann ich skeptisch akzeptieren als Möglichkeit (vielleicht aber nur als wenig wahrscheinliche). Aber: Auch ich lehne Dinge ganz unskeptisch ab, wenn sie meinen Überzeugungen absolut nicht entsprechen. Insbesondere diverse politische Aussagen zweifle ich nicht an, sondern lehne sie ab. So, wie ich auch nicht zweifle, daß Frieden besser ist als Krieg (aber nun wirklich nicht um jeden Preis!).

Und wie oft bin ich auch skeptisch mir selbst gegenüber und prüfe und zweifle und prüfe und zweifle und weiß dennoch nicht zu (be-)urteilen …

 

Ihr merkt, das Leben geht auch nach weniger guten Nachrichten weiter. Das Denken hört nicht auf, das Fühlen auch nicht. Es ist grad nur ein klein wenig weniger leicht als vorher.

 

Erinnerung des Tages:
Schon in der Schule (ich glaube, auf der EOS) lernte ich Ockhams Rasiermesser kennen, das mir noch heute gute Dienste erweist.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 25. Mai 2025 war ich zufrieden mit einer Entscheidung, mit dieser und jener erledigten Kleinigkeit, mit Brot und Bratwurst und Sauerkraut.


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2025 – 144: Erwartet

Eine Nachricht, die ich nicht wirklich bekommen wollte.

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Nun ja, mein Vater lebt seit Jahren in einer Pflegeeinrichtung. Heute bekam ich Nachricht, daß er – vollkommen in seiner Demenz versunken – jetzt nur noch palliativ versorgt wird. Sein Zustand ist schlecht, er bekommt Morphium und die Atmung … Naja.

Alle Planung für die kommende Woche ist für mich damit hinfällig. Ich muß jetzt erstmal sehen, wie ich das handhabe, wie ich damit umgehe. Und wann wird sein Leben wohl enden? Ich hatte mir gewünscht (nicht nur ich), daß er bis zum Geburtstag seiner Frau, meiner Mutter, durchhält und dann einmal noch einen hellen Moment hat. Wird anders kommen, denken wir jetzt alle.

 

Kann ich schon jetzt um ihn trauern, jetzt, da er (wahrscheinlich) noch lebt?

Bitte: Keine Kommentare. Auch nicht aus dem #Fediverse. Danke.

 

Erinnerung des Tages:
Tja, seit dem Anruf dreht sich fast alles in meinem Kopf um meinen sterbenden Vater.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 24. Mai 2025 war ich zufrieden mit … Ich bin dankbar für das, was er mir erlaubt und möglich gemacht hat, und ich habe ihm vieles schon längst verzeihen können. Aber Zufriedenheit stellt sich heute nicht ein.


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2025 – 143: Jägerzaun

Vor über 50 Jahren durfte ich manchmal helfen.

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Mein Großvater, der gelernter Böttcher war, machte nicht nur Fässer und Bottiche. Nein, der tat auch ziemlich viel von dem, was Zimmerleute und Tischler so taten. Und deshalb baute er auch Zäune aus Holz. Immer dann, wenn ein Jägerzaun (oder Scherenzaun) angefertigt werden mußte, standen drei oder vier Böcke im Hof, auf denen mehrere schmale Balken oder dicke Latten lagen. Irgendeine Schablone war da auch im Spiel, aber ich weißnicht mehr, wie die genau aussah. Sie sorgte für den gleichmäßigen Abstand zwischen den darauf ausgelegten Zaunslatten. Die waren meist „Abfall”-Holz – es waren Abschnitte, die beim Sägen von Vierkantlatten aus dünneren Hölzern anfielen, und deren Querschnitt war gewölbt, ähnlich einem Kreis­segment. Und waren zwar meist entrindet, aber nicht immer gehobelt, sie blieben gerade so, wie das Holz gewachsen war.

Auf jenem Gestell wurden also in gleichmäßigen Abständen (Schablone) in einheit­li­chem Winkel eine Anzahl Latten aufgelegt. Darauf kam eine zweite Schicht, die im an der Senkrechten gespiegelten Winkel aufgelegt wurde. Und dann wurde genagelt. Überall da, wo Zaunslatte auf Zaunslatte lag, wurde ein Nagel einge­schla­gen. Einer nur, denn das Scherengitter sollte beweglich bleiben. Die auf der Rückseite heraus­ra­genden Nagelspitzen wurden – auch in Handarbeit – ordentlich versenkt. Die Höhe des aufgebauten Zaunes ließ sich leicht verändern: Er wurde flacher, je weiter die Felder auseinandergezogen wurden. Die übliche Breite sollte wohl 2,5 m sein.

Die genagelten Zaunteile wurden erst beim Zaunaufbau endgültig fertiggestellt. Nach dem Annageln an die Riegel wurden nämlich die Enden der Latten gerade abge­sägt, waagerecht unten und oben mit einer Handsäge an einer Richtschnur entlang und ebenso an den Seiten jeweils senkrecht. Es war der Ehrgeiz des Handwerkers, also meines Großvaters, daß die Enden der Zaunslatten ganz exakt aneinanderstießen, ohne (großen) Spalt und um Himmels Willen nicht schief. Alles in Handarbeit, ohne Strom, ohne Maschinen, immer mal wieder eine echte Friemelei. Das ist heutzutage kaum mehr vorstellbar, und es wäre wahrscheinlich auch vielen viel zu teuer.

Solche Zäune aus unbehandeltem Holz hielten zwanzig und mehr Jahre. Sie dunkelten nach, wurden grau und grauer. Aber sie standen. Großvater starb 1972, der Zaun um das dann von meinen Eltern geerbte Grundstück wurde erst nach der Wende erneuert, da war der Zaun sicher mehr als 30 Jahre alt. Und als Kind gefiel mir ein Jägerzaun weitaus besser als jeder andere, denn der ließ sich wunderbar über­klettern. Und er war auch die perfekte Rankhilfe für verschiedene Pflanzen, die zu seinen Füßen wachsen durften.

Heute freu ich mich, wenn ich irgendwo solche Zäune sehe, sie sind seltener geworden in der Landschaft, in den Kleingartenanlagen. Und ich sehe dann meinen Opa, wie er die Nägel aus Hosentasche fischt und sie mit nur wenigen Schlägen des Zimmer­mannshammers in den Latten versenkt.

 

Erinnerung des Tages:
Als ich heute einen ziemlich alt aussehenden Jägerzaun sah, erinnerte ich mich lebhaft an deren Herstellung etwa 1970.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 23. Mai 2025 war ich zufrieden mit einer kurzen Busfahrt mit Umleitung, mit einer Umarmung am Nachmittag, mit dem in der Stadt gefallenen Regen.


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2025 – 142: Zerbrechlich

Womit ich mich doch schon alles beschäftigt habe.

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Das allerbeste Beispiel für die Zerbrechlichkeit der Schönheit und der Natur war ein „Experiment” an der Technischen Hochschule Karl-Marx-Stadt, Sektion Physik, gleich im ersten oder zweiten Semester. Einer der Seminar- oder Praktikumsleiter legte eine Rose (aber ganz sicher bin ich mir nicht, es war jedenfalls eine gelbe Blüte) in flüssigen Stickstoff. Nicht für lange Zeit, nur für zwei, drei Sätze. Und dann nahm er mit einer hölzernen Grillzange die Blume aus der Flüssigkeit, hielt sie über dem Tisch etwa einen Meter in die Höhe und ließ sie fallen. Beim Aufprall zersprang der Versuchsgegenstand in viele, viele Teile, selbst der Stengel zersplitterte.

Es gibt auch Nichtmaterielles, das zerbrechlich ist. Und das beim Zerbrechen nicht „Klirr!” macht, sondern eine schreiende Stille verursacht. Aber das weiß ja wirklich jede und jeder.

Nein nein, keine Sorge, da ist bei mir wirklich nichts passiert. Nicht in den letzten Jahren, nicht in den letzten Tagen. Aber ich bin grad dabei, mich mit Dingen zu beschäftigen, die im Studium wichtig waren – zum Beispiel intersystem crossing, als ich an der Entwicklung eines Verfahrens zur transcutanen Sauerstoffgehaltsmessung im Blut mitarbeitete. Und so tauchte auch die Erinnerung an die Blütensplitter auf, die wirklich Eindruck hinterließen bei mir.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Längst abgelaufene (MHD u.a. 2018) Fix-Tüten für alles mögliche warf ich heute weg.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 22. Mai 2025 war ich zufrieden mit dem überraschenden Handwerkerbesuch einen Tag vor dem Termin, mit begonnenem Umsortieren in der Küche, mit dem Fotospaziergang ohne Fotos.


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2025 – 141: Naturschauspiel

Nur ausgedachte, vorstellbare Schönheit.

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Weißes Blütenblatt
Im Kelch der roten Tulpe
Nah beim Pflaumenbaum

Was für ein Durcheinander
Das meine Augen erfreut

 

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Einige jahrelang ungenutzte Plastebehältnisse und etwa zehn Senf-/Joghurteimer verließen meine Wohnung.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 21. Mai 2025 war ich zufrieden mit einigen kleinen Änderungen im Haushalt, mit einer von mir erfüllten Bitte, mit Couscous zu Mittag und zu Abend.


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