2025 – 145: Skeptisch

Begründetes und unbegründetes Zweifeln.

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Skepsis (ursprünglich Betrachtung, Überlegung, Untersuchung; heute häufig im Sinne „methodische Zweifel” genutzt) wurde mir in der Schule, im alltäglichen Leben und im Studium beigebracht als eine wichtige, notwendige Verhaltens- und Denk­weise, die bei der Suche nach Wahrheit unabdingbar ist. Ja, die ganze Wissenschaft in ihrer gesamten Geschichte kam und kommt ohne sie nicht aus. Behauptungen, Hypothesen müssen, solange sie nicht bewiesen oder widerlegt sind, angezweifelt werden, skeptisch untersucht, überprüft, nachvollzogen werden. Das gilt in allen Naturwissenschaften. (Wirtschaftswissenschaft erkenne ich ebenso wie Religions­wis­sen­schaft nicht annähernd so an, wie Naturwissenschaften.)

Im Alltag zweifeln Menschen oft. Heute aber kann man ja vieles überprüfen, indem man im Netz sucht und Informationen findet zu dem, was man bezweifelt – leider aber auch sehr viele falsche und gefälschte Informationen. Es ist ja auch meiner Bildung, meiner Sozialisation, meiner Familie und deren Traditionen und Über­lie­fe­run­gen, meinen Erfahrungen, ja sogar meinem Geschlecht geschuldet, woran ich leichter, meiner Meinung nach begründeter zweifle und wo ich nicht zweifle. (Muß ich Beispiele dafür anführen? Ich denke, das könnt ihr alle bei euch selbst ebenso feststellen.) Es gibt Menschen, denen ich (fast) alles (fast) bedingunglos glaube, und andere, bei denen ich jede einzelne Aussage, jede Handlung anzweifle (Beispiel: #KannNichtKanzler und Konsorten, Werbetexter:innen).

Skepsis führt bei mir dazu, daß ich mich weiter informiere, intensiver beschäftige mit dem, was ich da skeptisch betrachte. Nicht dazu, daß ich das sofort als Humbug, Unsinn, Lüge, Unwahrheit, Täuschung, Fehler, Irrlehre u.v.a.m. bezeichne und ein­sor­tiere, wie ich es mit den Dingen tu, die dem, was ich wirklich sicher weiß und was mehrfach als gültig bewiesen wurde, widersprechen.

Skeptisch bin ich auch bei Sachen, die weder bewiesen noch widerlegt – falsifiziert – werden können: Die kann ich skeptisch akzeptieren als Möglichkeit (vielleicht aber nur als wenig wahrscheinliche). Aber: Auch ich lehne Dinge ganz unskeptisch ab, wenn sie meinen Überzeugungen absolut nicht entsprechen. Insbesondere diverse politische Aussagen zweifle ich nicht an, sondern lehne sie ab. So, wie ich auch nicht zweifle, daß Frieden besser ist als Krieg (aber nun wirklich nicht um jeden Preis!).

Und wie oft bin ich auch skeptisch mir selbst gegenüber und prüfe und zweifle und prüfe und zweifle und weiß dennoch nicht zu (be-)urteilen …

 

Ihr merkt, das Leben geht auch nach weniger guten Nachrichten weiter. Das Denken hört nicht auf, das Fühlen auch nicht. Es ist grad nur ein klein wenig weniger leicht als vorher.

 

Erinnerung des Tages:
Schon in der Schule (ich glaube, auf der EOS) lernte ich Ockhams Rasiermesser kennen, das mir noch heute gute Dienste erweist.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 25. Mai 2025 war ich zufrieden mit einer Entscheidung, mit dieser und jener erledigten Kleinigkeit, mit Brot und Bratwurst und Sauerkraut.


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Über Der Emil

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4 Kommentare zu 2025 – 145: Skeptisch

  1. Max sagt:

    @deremil sextus empiricus hat hier ggf eine Erwähnung verdient.

    • Der Emil sagt:

      Da mußte ich jetzt erstmal eine Suchmaschine bemühen, und dann stellte ich fest, daß er im Skeptizismus-Artikel erwähnt wird …

      • Max sagt:

        @deremil habe ich hier versehentlich 2 Dinge zueinander geworfen die nicht zusammen gehören?

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