2025 – 179: Verlegenheit

Auch eine Frage von Anstand und Moral im öffentlichen Raum.

 

Wenn ich hierzustadt am Ufer der Saale unterwegs bin, zum Beispiel jetzt, bei diesem sommerlichen Wetter, dann kann das manchmal …

Nun, an einigen Stellen liegen Menschen in der Sonne und lassen sich anscheinend bräunen. Nicht irgendwo versteckt hinter irgendwelchen Hecken, sondern vom Weg aus gut sichtbar. Das ist für mich kein Problem, wirklich nicht. Was ich verwunderlich finde, ist meine Verlegenheit bei solchen Anblicken. Denn als Augentier sehe ich mir nackte Menschen sehr gerne an, gerne auch etwas länger als nur einen Moment. Und wenn der Mensch dann weiblich ist, dann geht in meinem Kopf folgendes los: „Spanner. Gehört sich nicht, so genau hinzuschauen. Wow, ein schönes Weib. Ach, würde ich mich nur näher herantrauen. Sieh zu, daß Du den Blick davon lösen und endlich weitergehen kannst. Und laß die Kamera, das ist unanständig.” Ich will ja auch nicht als Spanner verschrieen sein.

Ja wie denn nun? Ist Hinsehen für mehr als einen Augenblick erlaubt oder sollte ich mich schamhaft wegdrehen, schnell weitergehen? Außerdem saß ich schon da auf der Bank im Schatten, als sie kam, sich ungeniert komplett auszog und in die Sonne legte. Was ist moralisches, anständiges Verhalten in einer solchen Situation? Hätte ich fragen sollen, ob sie sich durch meine Blicke gestört oder belästigt fühlt?

(Ich blieb etwas über eine halbe Stunde auf der Bank sitzen, schrieb weiter in meine Kladde und sah doch ab und zu einmal hin. Ich werde eure Kommentare lesen, aber wahrscheinlich nicht auf jeden antworten.)

 

Erinnerung des Tages:
Ich erinnere mich an eine kurze Filmszene (einen Sketch?), da vor einer auf einer Schreib­maschine tippenden Person ein weibliches Aktmodell stand. (Nein, ich finde das einfach nicht im Internet.)

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 28. Juni 2025 war ich zufrieden mit dem Schreiben an der Saale, mit dem weiteren Ausprobieren der Kamera, mit einem Moskauer Eis aus dem магазин (Magazin, russ. für Laden).


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Über Der Emil

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