2025 – 333: Schlecht geschlafen

Und trotzdem, denke und glaube ich, geht es mir gut.

 

Es passiert vier- oder fünfmal im Jahr, da schrecke ich panisch aus dem Schlaf hoch. Wegen des Gefühles, daß mir eine saure, brennende Flüssigkeit in die Atemwege gerät. Immer liege ich in den Momenten auf der linken Seite, die folgend geschil­derten Empfindungen habe ich auch nur in der linken Seite.

Gleich am Anfang dessen setze ich mich auf. Ich huste, und manchmal war es das auch schon. Zwei Minuten später kann ich versuchen weiterzuschlafen. Doch wie gesagt, ist das einige Male im Jahr anders. in der vergangenen Nacht geschah es zwei Mal.

Das Husten reicht nicht. Ich habe wirklich Schwierigkeiten einzuatmen. Gegen einen starken Widerstand. Nicht genug Luft, viel zu wenig. Ausatmen ist leicht. Aber Einat­men nicht. Schnappend, stoßweise, gegen einen Druck. Nur ein Dittel oder die Hälfte des Normalen. Ich … Ich bin dabei noch nie gestorben, aber die Angst davor ist da. Ich bin nicht eingeschränkt in meinen Bewegungen, ich kann denken, kann sogar schreiben (Stichworte), das Fenster weit öffnen. Beim Luftholen entstehen sonder­bare Geräusche; und da ist immer ein heftiger Hustenreiz, den ich hin und wieder unterdrücke. Es braucht – ich hab nicht gezählt – dreißig oder fünfzig von den erschwerten Atemzügen, ehe das Gefühl der Luftnot schwindet, das Husten fast aufhört. Die Zeiten des Ausatmens reduzieren sich aufs übliche Maß, die langen Pausen zwischen den einzenen Atembewegungen gehen von bis zu 15 Sekunden wieder runter auf zwei. Nach zehn Minuten ist dann alles wieder normal, nur der saure, bittere, brennende Geschmack ist noch da. Der geht auch nicht beim Trinken weg. All das immer in der linken Körperhälfte.

Ja, ich bin noch immer Raucher. Ich habe keine Ahnung, ob das einem Asthma-Anfall gleicht. Es passiert mir nur nachts, besser: nur im Schlaf, nur auf der linken Seite liegend. Ja, ich hab ab und zu auch Sodbrennen. Zweimal diese Panik, in einer Nacht. Beide Male schlief ich danach wieder. Träumte sogar Angenehmes. Ich weiß nicht, was das auslöst, was ich lassen muß, um das nicht zu erleben. Heute freu ich mich des Lebens. Ja, es geht mir gut, niemand muß sich Sorgen machen.

 

Achtung: Ab morgen ist Advent. Zum 16. Male hier in diesem Blog. Und deshalb, weil nämlich die Türchen eines Adventskalenders am Morgen geöffnet werden, gehen auch meine Beiträge schon früh am Morgen online …

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich konnte heute eine winterliche Jacke (mehrere Nähte aufgegangen, auch sonst schon sehr ramponiert) ersetzen und somit auch entsorgen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 29. November 2025 war ich zufrieden mit dem Ausgeschlafensein nach der Nacht, mit einigen weggebrachten Büchern, mit einer neuen winterlichen Jacke.


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2025 – 332: Störung gefunden

Der Abbruch, gefolgt vom Neubeginn des Lesens. Gut so.

 

Ich weiß jetzt, was mich an Ray Bradburys „Die Marschroniken” gestört hat.

Ich habe nämlich das Buch nochmal von Anfang an gelesen. Und da waren vier Seiten, an die ich mich absolut nicht erinnern konnte. Aber ich bin mir sicher: Diese Sätze wären mir unbedingt aufgefallen. So fehlte mir ein wichtiger Teil des Juni 2001, der Landung der vierten Expedition.

 

 

Ich hasse es, schlau zu sein, […] wenn ich mir gar nicht wirklich schlau vorkomme und es auch gar nicht sein will. Wenn ich gar nicht herumschleichen und Pläne machen und mir deswegen groß­artig vorkommrn will. Ich hasse das Gefühl, zu glauben, ich täte etwas Rechtes, wenn ich mir dessen in Wirklichkeit gar nicht so sicher bin. Wer sind wir schon? Die Mehrheit? Ist das die Antwort? Die Mehrheit ist immer heilig, nicht wahr? Immer, immer; sie irrt sich nie, keinen winzigen, unbedeutenden Augenblick irrt sie, nicht wahr? Auch in zehn Millionen Jahren nicht. […] Was ist denn diese Mehrheit, und wer gehört dazu? Und was denken diese Leute, und wie sind sie geworden, was sie sind, und werden sie sich jemals ändern, und wie zum Teufel bin ich in diese verdammte Mehrheit geraten? Mir ist nicht gut. Leide ich an Klaustrophobie, an Angst vor großen Menschenmengen, oder meldet sich nur mein gesunder Menschenverstand? Kann ein Mann recht haben, während die ganze übrige Welt ihren Standpunkt für richtig hält? Denken wir nicht darüber nach. Kriechen wir vielmehr herum, und tun wir was Aufregendes und drücken ab. Da und da.

Ray Bradbury: Die Marschroniken. Roman in Erzählungen. S. 106
© für die deutschsprachige Ausgabe 1972
by Marion von Schröder Verlag GmbH Düsseldorf
© Verlag Das Neue Leben Berlin, Berlin, 1981
Lizenz-Nr. 409-160/137/81 · Bestell-Nr. 622 498 2

 

 

Die von mir getätigten Auslassungen sind wirklich nicht von Bedeutung. Die Her­vor­hebungen (kursiv) sind im Buch so gedruckt.

Diese Sätze fehlten mir. Und sie fehlten sehr deutlich. Aber das sind Gedanken, die auch ich habe. Fragen, die auch ich mir stelle. Schlußfolgerungen, sehr sichere An­nah­men, die ich hege. Ängste, die auch mich hin und wieder befallen. Hab ich Recht, wenn alle andern etwas Anderes für richtig halten? Wenn sie ihre Wahrheit für die einzig richtige halten, andere Ansichten für sie niemals akzeptabel sein können? Und artet das bei allen andern Menschen, außer bei mir selbst, in eine solche Selbst­über­höhung aus, immer und in jedem Fall?

Diese Textstelle … Was da geschrieben steht … Ihr Fehlen hat mir das Verstehen des Buchs, des Textes, des Geschehens erschwert. Und ich lese die halbe Seite zum x-ten Mal. Immer und immer wieder. Ich erkenne Parallelen (glaube ich).

Ich habe verdammt viel Denkfuttter gefunden auf den vier Seiten. Was denkt ihr, wenn ihr das lest?

 

Erinnerung des Tages:
Bei meinen Großeltern gab es einen Schwibbogen, auf dem echte Kerzen brannten.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 28. November 2025 war ich zufrieden mit den gestellten Medikamenten (immer für zwei Wochen), mit Unterwegssein in der Stadt, mit Bemme und Brot zum Abend.


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2025 – 331: Notwendiger Abschied

Nach über 15 Jahren ist es jetzt soweit.

 

Wenn ich es genau betrachte,können es auch 19 Jahre gewesen sein. Denn ich habe mir erst als ich in dieser Wohnung lebte jenes Set (gibt es dafür kein deutsches Wort?) gekauft aus Wasserkocher (1,7 l) und Kaffeemaschine mit Thermoskanne. Die Kaffeemaschine ist schon lange kaputt, die Kanne habe ich noch und sie paßt unter meine aktuelle Maschine. Nun hat es den Wasserkocher erwischt. Seit drei Tagen bemerke ich jedesmal, wenn ich ihn benutze, Wasser auf dem Unterteil mit der Stromversorgung. Es scheint, der abnehmbare Behälter ist nicht mehr dicht.

Heute ließ ich ihn – wassergefüllt und außen gut abgetrocknet – zwei Stunden auf Küchenrolle stehen. Ja, die wurde ziemlich feucht; also ist das Ding nicht mehr dicht. In diesem Fall bin ich vielleicht sogar übervorsichtig (ich erlebte als Jugendlicher einen 220-V-Stromfluß vom rechten Daumen zum linken Zeigefinger tatsächlich schadlos, bin aber seitdem ziemlich auf Sicherheit bedacht, wenn es um Elektrizität geht) und entschied, daß ich mir wohl ein neues Gerät beschaffen muß. Puh. Wasserkocher.

Bei der Gelegenheit dachte ich dann auch an den kaputten Eierpiekser und die fehlenden Würstchenzange. Okay, genug zu besorgen. Am Nachmittag ging ich um Zwei aus dem Haus. Drei Stunden und drei Geschäfte später hatte ich alles im dritten Laden gekauft. Nebenher sah ich mir noch den Weihnachtsmarkt im Zentrum der Stadt an: Ich halte diese Zufahrts- und Zugangserschwernisse samt der daneben­stehenden Polizeikräfte für a) nicht ausreichend wirkungsvoll und b) unvernünftig. Wenn kein Auto auf den Markt fahren kann (was ist mit NAW und RTW?) und kein Fahrrad durchkommt: Was soll das? Selbst für Leute mit Rollstuhl ist der Zugang nur erschwert möglich … Bei 3000 Weihnachtsmärkten ist auf dreien etwas passiert. (Jedenfalls auf weit unter einem Prozent.) Wann werden für die Sicherheit von Radwegen ebensolche Maßnahmen ergriffen?

Den Eierpiekser habe ich benutzt. Die Zange abgewaschen. Mit dem Wasserkocher Tee aufgegossen. Und ich habe mir etwas Wildes zu essen gemacht: Kidneybohnen, Letscho, Sauerkraut in einem Topf aufkochen, dann italienische Kartoffel-Weizen­mehlklößchen dazugeben. Da ich das Ganze abenteuerlich würzte, war es sehr interessant und machte mich gut satt.

Erst vor ein paar Minuten fiel mir auf, daß heute Donnerstag ist und nur noch zwei Tage übrig sind von der Voradventszeit. Ich hab noch einiges zu dekorieren. Und ich freue mich jetzt schon heftig auf das, was da auf mich zukommen wird.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Der kaputte Eierpiekser ist weg und der undichte Wasserkocher auch.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 27. November 2025 war ich zufrieden mit einem aussortierten Papierkarton, mit den gekauften Haushaltsdingen, mit Letscho und Kidneybohnen und Sauerkraut und Gnocchi.


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2025 – 330: Parkbank aufm Deich

Das ist ein typisches November-Bild in meinem Kopf.

 

 

Von der Seeseite blicke ich hinauf auf den Deich. Die Luft ist diesig, fast neblig, und schmeckt nach Tang und Salz. Auflandiger Wind biegt das Gras und drückt in meinen Rücken: steife Brise (s-t wie in ist oder Husten gesprochen). Der feuchte Sand ist brrrrr kalt unter meinen bloßen Füßen, wird es auch bleiben, bis die Sonne ihn bescheint und trocknet. Ob das aber heute noch geschehen wird, bei der Wolkendecke? Ich weiß nicht …

Verwittert sieht sie aus, die Bank oben auf dem Deich. Wie lange wird sie schon da stehen? Zehn Jahre oder fünf, oder schon viel länger? Das rauhe Klima hier hat ihr bestimmt heftig zugesetzt, da altert Holz schneller als woanders. Was ist das eigentlich: Buche, Eiche – Nadelholz wohl eher nicht. Vielleicht war die Bank, waren ihre Bretter früher sogar Treibholz? Hier oben soll es einige Leute geben, die aus dem, was die See wieder freigibt, etwas machen: Souvenirs, Nützliches, warum nicht auch Bänke.

Ein Bild im Kopf. Ein Farbfoto, das „nur Graustufen und Schwarz” zeigt, denn selbst das Gras verbirgt sein Grün noch in der Mor­gen­dämmerung. Eines, das der Novemberstimmung entspricht. Eines, das nicht düster ist und auch keine solche Stimmung hervorruft. Passend eben. Und ich fühl mich derweil ganz ähnlich wie die Park­bank aufm Deich.

 

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ein Paar zerschlissener, abgelaufener Schuhe habe ich entsorgt und zehn Bücher ins Öffent­liche Bücherregal gestellt.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 26. November 2025 war ich zufrieden mit weiteren gescannten Papierstücken, mit dem in 10 Minuten runtergeschriebenen Text (ohne nötige Überarbeitungen), mit neuen Schuhen.


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2025 – 329: Verflossene Utopie

Ein 75 Jahre altes Stück Literatur vor mir auf dem Tisch.

 

Wie lange stand das Buch schon bei mir? Es ist wahrscheinlich, daß ich es aus einem Öffentlichen Bücherregal oder einer Zu-Verschenken-Kiste habe. Die Erzählungen, aus denen der Roman besteht, sind schon vor 1950 entstanden. Damals verfaßte Ray Bradbury Die Marschroniken (in den USA 1950 erstmals herausgegeben), in denen die Jahre 1999 bis 2005 und das Jahr 2026 die Handlungszeiträume sind. Ich lese das Buch jetzt, und ich lese ein dystopisches Werk, das die Auswüchse imperialistischer (bewußt gewähltes Wort) Phantasmen und ihre Auswirkungen beschreibt. Und so leid es mir tut, ich sehe … Nein, kein Wortüber das Gebaren von wirklich unange­neh­men, schlechten Menschen in verantwortlichen Positionen.

Nun, die Sprache. Ich lese die deutsche Übersetzung. Thomas Schlück übersetzte das Werk aus dem Amerikanischen für die 1972 erschienene deutsche Erstausgabe – „aus dem Amerikanischen” … (Ob das noch heute gemacht wird, diese Unter­schei­dung zwischen Englisch und Amerikanisch?) Es gefällt mir, wie die Sprache in mir Bilder und Filme und Gedanken entstehen läßt. Wie nachvollziehbar für mich auch die Schauplätze und die Handelnden und all das Drumherum ausgearbeitet sind. Ob ich das Original verstehen könnte?

Zur Zeit lese ich (beinahe las ich schon) also Die Marschroniken. Und amüsiere mich zum Teil darüber, wie sich jemand 1950 die Zeit vor 26 bis 20 Jahren und das nächste Jahr vorstellen konnte. So ganz weit weg von den wissenschaftlich-phantastischen Werken aus meinem Kulturkreis und vom Universum aus StarTrek oder Dr. Who (und all deren Ablegern). Ich stellte und stelle mir die Menschen der Zukunft immer vor als solche, die Besitzansprüche und Gier nach privatem Eigentum und Besitz über­wanden und stattdessen Teilen und solidarisches Handeln zur Maxime des Lebens machen konnten. Ja, diese Vorstellung hat gerade in jüngster Zeit heftige Dellen und Kratzer bekommen, aber so ganz gebe ich meine Hoffnungen noch nicht auf.

Knapp ein Drittel oder etwas mehr als ein Viertel des Buches bleibt mir noch; doch ich habe auch schon hinten im Buch herumgeblättert. Ich bemerke im Moment ein sonderbar unbestimmtes Gefühl, daß ich Wichtiges darin übersehen, überlesen habe. Aus diesem Grund saß ich heute am späten Nachmittag da und überlegte, ob ich vor dem Ende einfach noch einmal von vorne anfange. Noch bin ich zu keinem Ergebnis gekommen. (Aber ich hätte schon Lust zu tun, was sonst nur selten möglich ist.)

Und: Ist es nicht verwunderlich, daß die ferne Zukunft schon lange vorbei ist, daß Morgen und Übermorgen schon Vorgestern und Gestern waren?

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ziemlich viele eingescannte Zettel sind jetzt zerschnippeltes Altpapier.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 25. November 2025 war ich zufrieden mit dem Lesestoff, mit einer sortierten Ecke, mit dem Heidelbeerjoghurt.


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2025 – 328: Im Verhältnis

Wozu, womit, mit wem – ohne diese Angabe ist die Phrase unsinnig.

 

Sie nimmt meiner Meinung nach wirklich überhand, diese verstümmelte Ver­wen­dung eines Vergleichs oder einer Verbindung. Manchmal erkenne ich ohne eine Konkretisierung noch nicht einmal, was von beidem gemeint sein kann. „Im Verhätnis geht's Dir ja noch gut.” Wenn da weder vorher noch nachher irgendetwas Erklärendes kommt, dann …

Ich bemerke dieses gehäufte Auftreten allgemein und am Wochenende außerdem sehr konkret. Denn auf meine Nachfragen reagierte meine Mutter fast immer nur unwirsch. Ihrer Meinung nach müßte ich doch wissen, was sie meint mit „aber im Verhältnis …”. Als das dann mehrmals und zum x-ten Mal erklang und wahrscheinlich jedes Mal in einem anderen, sich mir nicht erschließenden Zusammenhang, antwor­tete ich darauf nur noch mit einem langgezogenen „aber klaaaaaaaaar”. Na, damit richtete ich ja was an! Da war für zwei Stunden ganz dicke Luft.

Für einige Zeit versuchte ich, keine Antwort mehr zu geben. War auch nicht richtig. (Ich kenne das von meiner Mutter wirklich zur Genüge: Nur was sie sagt, kann so stimmen, nur so wie sie etwas tut, wird das richtig getan. Tja …) Am Ende vertrugen wir uns wieder einigermaßen. Im Verhältnis ging das alles doch ganz gut.

Wenn ich mich doch dazu überreden könnte, diese Halbphrase einfach zu ignorieren.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich habe zwei weitere Lichterketten (ohne ihre Lämpchen) weggeworfen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 24. November 2025 war ich zufrieden mit dem problemlosen Packen, mit dem Anblick von Silberreihern und Graureihern und Kormoranen ganz dicht beieinander in der Zwickauer Mulde, mit einem Mitbringsel.

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2025 – 327: Deutlich sichtbare Veränderungen

Ein kleiner Blick über Straße und Bach mitten im Dorf.

 

Das alte, leicht windschiefe Haus hinterm alten Mühlgraben steht ohne Fenster und Dachdeckung da. Seit Mai wurde daran gearbeitet, soweit ich das erkennen konnte, wurde auch die Dielung herausgenommen. Es sieht also aus, als sollte es im näch­sten Jahr nicht abgerissen, sondern wieder auf- und ausgebaut werden. Ich kann mich noch an das Hutzelweib erinnnern, das zu meiner Kinderzeit allein darin wohnte. Im Grundstück lebten noch ein paar Hühner. Dorfleben, wie es früher so war. Als ich aus dem Ort wegging, lebte die alter Frau schon nicht mehr. Zwischen ihren beiden Kindern entbrannte wohl ein Streit, der erst viel später beendet wurde. Da zog einer der Enkelsöhne ein und wohnte das Haus ab. Etwa so alt wie ich war er. Aber am Haus oder im Grundstück tat er keinen Handschlag, wie das Dorfgetratsche berichtete. Dann, vor zwei Jahren, starb der Mann.

Ein Jahr lang geschah nichts. Und dann verschwand nach und nach das Gestrüpp im Garten, es standen Abfallmulden neben dem Haus, die immer wieder gefüllt und ausgetauscht wurden. Nur selten waren mehr als ein Mensch im Haus zugange und im Grundstück. Stimmt, ich habe nicht sehr viel von den Arbeiten mitbekommen, ich war zu selten im Dorf bei Muttern. Aber um so heftiger fielen mir die Veränderungen auf, die jedesmal sichtbar waren.

Jetzt fehlt eben die Dachdeckung. Ich weiß, es war Dachpappe, ich denke, mehrere Schichten, und darauf waren sogar noch Pappschindeln. Das Zeug zu entsorgen ist richtig teuer. Die Bretter liegen jetzt frei und sollten vielleicht doch bald vor Regen und Schnee geschützt werden. Und es sind auch keine Fenster mehr da, wo sie jahr­zehntelang waren, nur leere Löcher in den Wänden. Auch da, hoffe ich, wird in den nächsten Wochen noch einiges gesichert werden. Sonst könnten Nässe und Frost einige Schäden verursachen.

Ein wenig neugierig bin ich jetzt, wie sich der Anblick des alten, leicht windschiefen Hauses verändert haben wird, wenn ich das nächste Mal wieder hinsehen kann. Lichterbögen werden an/in ihm wahrscheinlich nicht leuchten. Vielleicht zur Advents- und Weihnachtszeit zum nächsten Jahresende.

 

Erinnerung des Tages:
Der Menschenauflauf, der sich beim Einheben der neuen Glocken in den Turm der Kirche des Dorfes 2000 bildete …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 23. November 2025 war ich zufrieden mit dem Verschwinden der Verdauungs­be­schwer­den, mit aufgebauter Advents- und Weihnachtsbeleuchtung, mit einigen Notizen.


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2025 – 326: Eine Unmöglichkeit

Was aber, wenn es doch eine einzige, einmalige Möglichkeit gäbe?

 

Stell dir vor, du könntest drei bis fünf Sekunden deines Lebens ungeschehen machen oder drei bis fünf Sekunden in deinen Lebenslauf einfügen – jeweils als ganz kurze Szene des Lebens mit allen Konsequenzen: Dein Leben würde deshalb ganz anders verlaufen sein, du wärst ein ganz anderer Mensch, die Kreise, in denen du lebtest, wären ganz andere – nicht wahr? Und bedenke: Es ist nur eines möglich, Einfügen (dann kein Löschen) oder Löschen (dann kein Einfügen), nur eine einzige Mög­lich­keit dazu existiert. Wurde die Möglichkeit genutzt, erhält dein Leben ein Kennzeichen, einen Vermerk, so daß es absolut keine weitere Möglichkeit geben wird.

Hast du auf Anhieb eine Idee, wie du diese einzige Möglichkeit nutzen würdest? (Ich würde wohl nicht.)

Würdest du sie überhaupt nutzen wollen? (Niemand muß sie nutzen.)

Diese wenigen Sekunden … Wenn du dir Löschen vorstellen kannst, vielleicht sogar konkret vorstellen kannst: Hast du eine Ahnung von den Konsequenzen für dich und für andere beteiligte Menschen? (Ist das überhaupt in allen EInzelheiten denkbar?)

Nur so wenige Sekunden … Wenn du Einfügen wählen würdest: Welche Hoffnungen verbindest du mit dem, was vom in dieser kurzen Zeit Geschehenden dein ganzes Leben völlig umkrempeln wird?

Ist es Angst, Zufriedenheit, Abgefundensein, Gewohnheit oder oder oder, was dich eine solche einmalige Gelegenheit nicht nutzen ließe? (Bei mir ist es die Ungewißheit, die schnöde Ungewißheit.)

Nicht in meinem Leben kann ich mir einen solchen Eingriff vorstellen. Da ist nichts zu löschen, nichts einzufügen – noch nicht, gestehe ich augenzwinkernd. Denn wer weiß, was noch kommt? Allerdings ist in mir lange schon der Wunsch, daß es diese Möglichkeit für das Leben eines anderen Menschen geben würde bzw. gegeben hätte … Bisher sprach und schrieb ich nicht über diese sonderbare Idee, hütete sie als eines meiner Geheimnisse. Warum ich ausgerechnet jetzt damit herausrücke? Mir war in der Nacht schon danach. Ach: Ein wenig gruselig finde ich diese Idee, diese Vorstellung trotz allem.

 

Erinnerung des Tages:
In unmittelbarer Nähe des Elternhauses gab es früher drei kleine Läden, die immer fast alles hatten, was man so brauchte. Drei sich im Sortiment sehr ähnelnde Läden.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 22. November 2025 war ich zufrieden mit diesem nachts um 3.30 Uhr geschriebenen Text, mit dem Einkauf für meine Mutter, mit einem unverhofften Gespräch.


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2025 – 325: Aus der Vergangenheit

Nein, nicht wirklich auferstanden aus Ruinen.

 

Ein Schlaglicht. Im Traum. Sogar der dazugehörige Geruch war da.

Ich stand als Kind in der Böttcherwerkstatt meines Großvaters. Der baute auch lenk­bare Schlitten, Bobschlitten oder kurz Bobs. Aber mit langen, durchgehenden Kufen, die durch Bewegung am Lenkrad gebogen wurden. Holzbretter mit Rundstahlkufen drunter. Ja, damit ließen sich wirklich Kurven fahren. Und wenn es – wie im Traum – Winter war und kalt, dann wurde die Werkstatt mit einem Ofen beheizt. Der fraß alles Hölzerne, auch Hobel- und Sägespäne. In der Nacht stand ich vorm Ofen und füllte ihn mit Unmengen an Sägespänen, mit der kleinen Kohlenschaufel. Ich schau­felte und schau­felte und war nicht fleißig genug. Das Feuer erlosch. Es wurde kalt.

Da wurde ich wach, hatte aber noch den Geruch des Holzfeuers in der Nase. Ich wurde wach, weil mir kalt war: Bei weit offenem Fenster lag ich auf meiner Bett­decke. Brrrrr. Halb Vier. Fenster zu, bei der Gelegenheit gleich nochmal ins Bad und dann zurück, unter die Decke. Nochmal hoch, einmal überall nachsehen, ob es nicht irgendwo in der Wohnung kokelt. Nein, alles gut. Aber draußen roch die Luft nach Holzfeuer. Heizung halbwegs aufdrehen …

Den Rest der Nacht blieb das Fenster zu. Ich war auch bald wieder warm und eingeschlafen.

So realistisch träume ich selten. Das war eine wirklich erscheinende Szene aus der Vergangenheit, die ich durchlebte und roch – das hab ich nicht oft. Naja, Träume sind schon ein sehr geheimnisvolles, sonderbares Ding. Ich hoffe, ich langweile mit diesem Thema niemanden.

 

Erinnerung des Tages:
Die Mitropa im Zwickauer Bahnhof besuchten wir gern, wenn Zeit dafür war – sie ist seit vielen Jahren geschlossen und fehlt.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 21. November 2025 war ich zufrieden mit der überstandenen Fahrt inkl. SEV, mit dem recht kalten Wetter (es wird der Jahreszeit entsprechend winterlich), mit Bockwurst mit Senf und Semmel dazu.


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2025 – 324: Sang- und klanglos

Keiner weint dem eine Träne nach. Keiner?

 

 

Mancher Abschied ist sehr still und bleibt so lange unbemerkt: Der Schreck, wenn dann nach Jahren das Fehlen erst auffällt, ist meist enorm (wenn das, was sich da sang- und klanglos verabschiedete, nicht völlig egal geworden ist – was durchaus vorkommt).

 

 

Keine Sorge, da ist nichts akut.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich gab heute ein Nokia 1110 (100 % Akku) mitsamt Netzteil in den Elektronikschrott.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 20. November 2025 war ich zufrieden mit dem ausgelesenen Buch (Heinz Kruschel: Tantalus), mit dem sehr kurzen offiziösen Termin, mit dem gepackten Krempel.


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