2025 – 193: Gähnend

Ein ziemlich durchwachsener Tag.

 

Auf dem Tisch vor mir steht eine knapp untertassengroße Holzscheibe mit einem Schlitz. In diesen stecke ich je nach Situation selbst beschriftete Schildchen, die auf das hinweisen, was möglich ist oder gerade passiert. Zu sehen ist meist „Schreibstube” oder „Handgeschrieben Ablaß”. Heute allerdings … Viele Leute waren es nicht, die sich während der regnerischen Zeit des Tages in die Burgruine wagten. Und die meisten hatten wenig Interesse an meiner Schreiberei. Also saß ich oft am Tisch, hatte mir die Kapuze der Mönchskutte ins Gesicht gezogen und döste und gähnte in ihrem Schutz vor mich hin. Auf dem währenddessen, heute wirklich sehr oft gezeigten Schildchen steht:

Senstionelle Vorführung: Schlafender Mönch!

Aber ja doch, mehr Betrieb wäre mir lieber gewesen. Dann wäre mir nicht ganz so fad gewesen und ich hätte weniger Zeit zum Grübeln genutzt. (Ich konnte mal wieder meine Fresse nicht halten und war ob der Reaktion darauf heftig überrascht – erweist sich das doch noch als Fehler? Ach, wenn ich das nur schon wüßte.) Am Abend aber stellte ich gerade fest: Es war doch ein netter Tag mit netten Menschen, kann sein, ich war zur Regenzeit nur nicht wach genug.

 

Erinnerung des Tages:
Ich wurde vor knapp zwei Jahren als einer der ersten über den Grund einer längerdauernden Abwesenheit informiert, die nun beendet ist.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 12. Juli 2025 war ich zufrieden mit dem trockengebliebenem Papier, mit den mir gezeigten Lächeln, mit einer Begegnung mit schon lange nicht mehr getroffenen Menschen.


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Über Der Emil

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