247–2024: Ehrlich

Etwas, worauf ich keinerlei Reaktionen erwarte.

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Sei ehrlich: Wie viele Deiner Erinnerungen sind nutzlos? Und: Warum glaubst Du überhaupt, daß Deine Erinnerungen einen Nutzen haben sollen?

 

 

Das ist wieder eine, nein, das sind wieder zwei Fragen, die mich zur Zeit umtreiben. Und ich versuche auch herauszufinden, was denn für mich ein Nutzen sein kann …

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich habe beim Unterwegssein ein paar Bücher in einen Öffentlichen Bücherschrank gestellt.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 3. September 2024 mit den Worten am Morgen, mit etwas Umgebautem, mit dem Unterwegssein.

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246–2024: Rumgespielt

Das Nonsens-Gedicht brachte ich aus dem Halbschlaf mit.

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Zum Aufschreiben war ich nicht wach genug, deshalb habe ich eine Audioaufnahme gemacht. Das Ding da hat meine Träume nämlich gestört …

 

 
Die Zeile
 

Sie schwebte hernieder
Aus luftigen Höhen
Und lag dann bei mir hier einfach so rum
Ich fand sie nicht wieder
Das muß ich gestehen
Ich suchte mich wirklich dusslig und dumm
Und dann eines Tages
Hatt ich sie vergessen
Diese prächtige Zeile für ein Gedicht
Was soll es ich wag es
Im Versmaß vermessen
Und völlig egal ob sichs reimt oder nicht

 
Wieso erzähl' ich euch davon?
Weil ich's konn! Weil ich's konn!

 

 

Erinnerung des Tages:
Ich bin jetzt seit 15 Jahren Patient in der Praxis meines Hausarztes, die in der Zwischenzeit schon zweimal umgezogen ist.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 2. September 2024 mit Quatsch, mit dem Besuch beim Arzt, mit einem ausgelesenen Buch.

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245–2024: Entfernung

In Freundschaft, Liebe, Kollegialität usw. usf.

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Unklare, ungeklärte Beziehungsdinge: Dazu gehört auch die Frage, welche Distanz zwischen Dir und mir liegen muß, liegen darf, in welchen Bereichen wir uns unter­scheiden müssen, um miteinander umgehen zu können, um unsere Nähe aushalten zu können. Denn auch, wenn es sehr verlockend klingen: In allem übereinzustimmen führt mit Sicherheit schnell zu langweiligem Alltag ohne all die Dinge, die eine Beziehung welcher Art auch immer spannend und reizvoll und aufregend machen und gelingen lassen. Es ist wirklich Arbeit, die richtige Distanz und Nähe zu finden und zu halten.

Ich kann mir eine echt distanzlose Beziehung (gleich welcher Art, auch Liebes­be­zie­hung) nicht wirklich vorstellen. Ich kann mir nicht vorstellen, daß zwei Menschen, die miteinander eine (Liebes-)Beziehung eingehen, ihr gesamtes Leben für eben diese Beziehung aufgeben; und noch unerträglicher erscheint mir die Möglichkeit, daß das nur eine:r der Beteiligten tut.

 

Erinnerung des Tages:
Vor 21 Jahren kaufte ich etwas in einem Laden, der noch heute an selber Stelle in der Stadt existiert. Heute habe ich das Stück gereinigt und zum Glänzen gebracht.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 1. September 2024 mit dem für mich mittlerweile späten Aufstehen, mit interessanten Impulsen, mit der erledigten Beladung. (Aber ob jetzt wirklich alles Notwendige drin ist … Ich weiß es nicht sicher.)

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244–2024: August

Und auf Konventionen geschissen.

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Er wurde im Februar oder März geboren, heißt es. Wir aber feiern seinen Geburtstag am 24. August.

Das ist der Tag, an dem er zu uns kam. An dem wir ihn fanden. Vor 16 Jahren kamen wir am 24. August von unserem Ostseeurlaub zurück. Der Regen hatte uns verschont, wir waren gut erholt und auch gebräunt von den zwei Wochen an der See. Nach vier Stunden Fahrt brauchten wir eine Pause. Wir fuhren von der Autobahn ab. Wollten nicht groß nach einem Parkplatz suchen und stellten uns in einen Waldweg. Natürlich erledigten wir, was bei solchen Pausen zu erledigen ist. Jedenfalls wollte auch ich das tun. Aber dann sah ich ihn liegen. Angebunden hier neben diesem Waldweg, auf dem vielleicht alle Jubeljahre einmal jemand vorbeikommt. Einfach so, mit einem Stück Wäscheleine, das um den Bauch gebunden war und um einen Baum. Viel bewegen konnte er sich nicht. Lag auch nur noch still da. Wie lange schon? Ich ging zurück zum Auto und holte die Wasserflasche. Wenn er trinkt, so dachte ich, geben wir ihm eine Chance und nehmen ihn zu uns. Wenn er nicht trinkt, fahren wir mit ihm zu einem Tierarzt, hatte ich entschieden.

Er trank Wasser aus meiner Hand. Er. Von Anfang an sagte ich und dachte ich: Er. Ich machte ihn vom Baum los. Doch er wollte nicht gehen. Ich trug ihn zum Auto. Mein Mann hatte inzwischen eine Decke auf dem Rücksitz ausgebreitet. Ich setzte ihn in unser Auto, nein: legte ihn auf die Rückbank und er blieb da einfach liegen. Dann entfernte ich den Strick auch um seinen Bauch.

Er blieb weiter ganz ruhig, als ich ihn zuhause in einen Sessel legte. Und während wir unser Gepäck ausräumten. Er trank, wenn ich ihm Wasser anbot. Nach drei- oder viermal Trinken trug ich ihn hinaus in den Garten. Einige kleine Leberwurstbrotstücke stellte ich auf einer Untertasse vor seine Nase, daneben eine flache Schale mit Wasser. Ich hoffte, daß seine Lebensgeister noch kräftig genug seien. Und ja, sie waren es. Wir sahen ihn später trinken und fressen. Und dann, es waren vielleicht drei oder vier Stunden vergangen, seit wir ihn gefunden hatten, stand er auf, schnüffelte im Gras, ging ein paar Schritte zur Seite und hockte sich nieder zum Pinkeln.

Seither haben wir eine Hündin, die August heißt. August, nicht Auguste. Und für uns ist sie „er”, unser Hund, unser Mischling, unser Sonnenschein.

 

 

Erinnerung des Tages:
Wanda von der Asseburg hieß die Hündin, die mich einmal in eine Schneewehe ditschte (wahrscheinlich war das 1986 oder 1987).

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 31. August 2024 mit geleisteter Hilfe am Morgen, mit einem guten Rat der Goldschmiedin, mit angekommener Post.

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243–2024: Erbstück 029

Tagebuch A: Sonnabend, 29. Januar.

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Zu früh wachgeworden, halb sechs schon, und ich konnt lange Zeit nicht wieder einschlafen. Nach über einer Stunde erst dämmerte ich wieder weg. Der Halbschlaf dauerte dann bis kurz nach Zehn. Nach dem Kaffee und dem Rechner kümmerte ich mich heute um die Vorräte außerhalb des Kühlschranks. Beim noch nicht ange­bro­chenen Zucker und bei einem Päckchen Bandnudeln sind das MHD überschritten, aber wie sollen trockene Nudeln verderben oder gar der Zucker, der auch als Konservierungsmittel verwendet wird? Ja, ich habe jetzt das am längsten Haltbare nach hinten und unten geräumt und das Ältere obendrauf und vornedran. Falls ich wieder einmal nicht rausgehen kann: Ich denke, von den Vorräten kann ich drei Wochen gut leben, wenn das Wasser nicht abgestellt wird. Und da ich drei Flaschen Spiritus und einen Spirituskocher habe, würde es wohl auch zwei Wochen ohne Strom in der Wohnung gehen. Ja, das Telefon und der Rechner … Aber ich konnte früher gut ohne beides leben, mit Büchern, die ich lesen, und mit Papier, das ich beschreiben kann … Ich hab aber eine Powerbanke, die (sehr lang­sam) über Solarzellen aufgeladen werden kann.

In der Küche bin ich jetzt fertig. Vielleicht werde ich von all dem gesam­melten Geschirr und von all den gesammelten Dosen doch einiges weggeben oder sogar wegwerfen.

So langsam mache ich mir doch Sorgen, ob es meinem Weib noch gutgeht. Seit sie am Silvestertag wegging, habe ich absolut nichts von ihr gehört. Das sind jetzt über vier Wochen. Nein, ich habe mich noch nicht mit dem Alleinsein abgefunden. Eventuell daran gewöhnt? Ja, etwas, aber mich noch lange nicht damit abgefunden. Doch ich zerbreche mir nicht mehr den Kopf darüber, was ich alles falsch gemacht habe. Denn ich bin mir sicher, daß am Ende einer Beziehung (die ARBEIT ist) bis auf Ausnahmefälle nicht nur einer die Schuld trägt oder eine. Und ich werde einen Teufel tun und auch weiterhin nicht anfangen mit der Aufrechnerei. Nein, das ist mir zu dumm. Hat sie denn schon irgendwann einmal jemandem wirklich geholfen, die Aufrech­nerei? Wenn eins dabei gewinnt: Fühlt man sich dann wirklich besser?

Ich stelle schon wieder so viele Fragen, auf die ich keine Antwort finden kann, egal, wie lang ich auch daran herumdenke. Das bleibt vergebliche Liebesmüh, ist überflüssige Anstrengung ohne eine Aussicht auf Erfolg.

Okay, ich lebe jetzt allein. Noch bin ich nicht Single, noch werde ich nicht auf Biegen und Brechen ein Weib suchen, auch nicht „nur” für Sex. Bis Ende Februar oder März werde ich damit ganz sicher noch warten können.

 

 

Mit diesem Text wird das geerbte Tagebuch fortgesetzt. Alle Teile der Erbkladden-Serie sind in diesem Link in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge (neueste zuerst) zu finden. Über eines der Notiz­bü­cher erzählte ich ja schon vor langer Zeit, im November 2012. Ich tippe die kleinen blauen lateinischen Buchstaben ab, immer mal wieder. Erst jetzt nämlich darf ich abschreiben aus den „von einem Freund geerbten” Kladden mit dieser winzigen Schrift.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich habe zwei (billige) Kompakt-Blitzlichtgeräte (batteriebetrieben, großer Blitzschuh), einen Souvenir-Aschenbecher von Halle (Saale) und eine Jenaer Glasform ins Haus gestellt. Alles war nach kurzer Zeit mitgenommen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 30. August 2024 mit mehreren Telefonaten, mit einer über die Hälfte gefüllten Liste, mit einem angekommenen Paket.

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242–2024: Beobachtet

Auch bei mir war das Zeitmanagement früher so bescheuert.

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Ein neutrales Zusammensein der Art, in dem eines nicht traurig, nicht unruhig, nicht reumütig, nicht abgelenkt ist, nicht auf dem Sprung und nicht bemüht, dem anderen etwas vorzumachen, ein neutrales Zusammensein mit unaufgeregtem Gespräch und Schweigen: Das ist selten geworden nach all den Jahren des Zusammen- und Neben­ein­anderherlebens. Sich Zeit zu nehmen füreinander, Zeit, in der nichts Konkretes geplant ist und auch nichts „nebenbei erledigt” werden soll, kommt vielen wie Zeitverschwendung vor …

Das ist aber keine Zeitverschwendung, keinesfalls. Oder erst dann eine, wenn es für nicht mehr notwendig gehalten wird und/​​oder nicht mehr erwünscht ist, dieses Sich-Zeit-für­ein­ander-Nehmen. Das nicht mehr zu tun ist bei mir einfach eine Dummheit gewesen.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Zwei LED-Schreibtischleuchten, eine Laptop-Tasche, einen Tupper-Krug und zwei Emsa-Tassen stellte ich ins Haus (hier weiß man Bescheid, daß die Dinge zu verschenken sind und funk­tio­nieren) – die waren schnell weg; zwei große Müllsäcke mühsam gesammelten Krempels fanden den Weg in die Mülltonne (da war nichts weiterhin Nutzbares dabei).

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 29. August 2024 mit der Aufräumaktion und dem vielen Platz auf dem Tisch, mit mehreren Telefonaten, und nachher werde ich mich in frischer Bettwäsche zur Ruhe begeben.

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241–2024: Unbemerkt

Da ist wieder eine jener Fragen.

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Wenn irgendetwas einfach und beinahe (oder gänzlich?) unbemerkt aufhört, ohne das etwas Neues, Anderes beginnt: Wie wichtig war das dann fürs Leben?

 

 

So ging es mir schon öfter und immer ohne jede Absicht meinerseits: Das drehte ich mich um und wollte etwas sehen und dann war das einfach weg. Nicht mehr da. Wie nie dagewesen. Ein Hobby beispiels­weise, eine Bekanntschaft, ein Haß, eine Liebelei. Und mein Leben ging unverändert weiter, ohne daß ich einen Ersatz für notwendig hielt. Dennoch war ich mir immer und bin mir sicher, daß das Verschwundene wichtig war für mich.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich brachte die letzthin aussortierten 14 Bücher heute in einen Öffentlichen Bücherschrank #publiclibrary.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 28. August 2024 mit dem Lesestoff am Morgen, mit den weggebrachten Büchern, mit Bratwurst und Sauerkraut und Brot.

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240–2024: Nachbarsrat

Geht aber wohl nur, wenn die Wände dünn sind.

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Seht euch doch einmal selbst an, wie ihr miteinander umgeht. Grad drei Jahre seid ihr jetzt zusammen, seit drei Jahren wohnt ihr hier nebenan. Mit der Zeit wurden eure Worte immer lauter, immer härter, sind jetzt sogar oft beleidigend. Bis ins vorige Jahr hinein habt ihr euch vorm Haus mit einem Kuß voneinander verab­schie­det, heute geht ihr wortlos jeder in seine Richtung davon. Ja, das ist Alltag, aber ihr wußtet doch beide, daß der auf euch zukommt. Der begann doch schon nach einem halben Jahr Beziehung, oder etwa nicht? Was glaubt ihr denn, wie es anderen geht: Die haben auch Alltag. Aber so, wie ihr euch mittlerweile gegenseitig verabscheut, so leben die nicht. Was habt ihr anders als andere gemacht – oder eben nicht gemacht?

Seit wann wart ihr zwei nicht mehr gemeinsam im Kino oder beim Tanzen? Wann war euer letztes gemeinsames Frühstück im Bett? Nein, nach dem anderen frage ich gar nicht erst. Unser Schlaf­zimmer liegt mit eurem Wand an Wand, und ehrlich, ich habe seit mindestens einem Jahr keine verdächtigen Geräusche mehr gehört. Wem von euch beiden tut das denn gut? Keinem? Na also. Aber solange ihr euch nicht wieder versteht, ist das auch weiterhin unmöglich? Ach, was denkt ihr denn, was alles möglich ist, wenn zwei es wollen. Probiert es aus. Macht es wie wir: Geht Freitag abends ins Kino, frühstückt am Sonnabend im Bett, geht schon nachmittags zu zweit duschen oder in die Wanne, und danach geht ins Bett miteinander und habt Spaß. Auch, wenn es euch am Anfang wie Pflicht vorkommt: Ihr werdet feststellen, das macht Spaß, wirklich.

Ja, genau so haben wir es gemacht, als wir unsere erste große Krise hatten. Ganz genau so. Und es war toll.

Wieso fragt ihr jetzt, warum meine Frau vor ein paar Wochen dann trotzdem ausgezogen ist?

 

 

Erinnerung des Tages:
Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich mir einen Wunsch erfüllen können dürfen, den ich über 30 Jahre hegte – und es war großartig.

 

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Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 27. August 2024 mit dem ziemlich frühen Aufstehen, mit der Zeit im Grünen, mit vielen neuen Bildern im Kopf.

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239–2024: Späßchen

Das geht auch in traditionellen Formen.

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Nicht, daß ich einen Clown gefrühstückt hätte, aber am Schreibplatz nervte mich eine Fliege und inspirierte mich gemeinsam mit den angenehmeren Temperaturen zu dem da:

 

 

Die Fliegen spielen
Über sonnigen Pfützen
Schon den Herbst ahnend

Der Abend dämmert früher
Dem Morgen graut es länger

Ein Tanka.

 

 

Allerdings freue ich mich auch auf den Herbst, auf die Zeit, da ich endlich nicht mehr im eigenen Saft schmorend unterwegs sein muß.

 

Erinnerung des Tages:
Ich wurde in einem Pionierferienlager 1978 Winter-Lagermeister im Schach.

 

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Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 26. August 2024 mit dem Besuch beim Hausarzt (Labor), mit meinem Lächeln beim Schreiben, mit der – leider verdammt langsam – vergehenden Zeit.

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238–2024: Landregen

Es mag manchem kitschig erscheinen, das echte Leben.

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Ich sitze am Fenster, schaue dem Regen zu und trinke meinen Weihnachtstee. Mitten im Sommer. Der Geschmack macht mir ein Wohlgefühl, läßt meine Gedanken zur Ruhe kommen; mir ist fast ein wenig besinnlich.

Landregen heißt das, was ich vorm Fenster sehe. Landregen mit kleinen, sanften Tropfen (ich stelle sie mir jedenfalls sanft vor). Er hüllt alles ein in seine Feuchtigkeit, erfrischt mit der Nässe die fast ausgetrocknete Wiese vorm Haus. Schon jetzt scheinen die Blätter der Bäume grüner zu sein als vor dem Regen. Vielleicht ist von ihnen nur der Staub abgewaschen, das Graue heruntergespült? Ich weiß es nicht. Der Tee ist längst nicht mehr heiß, doch ich mag den Geschmack auch, wenn er kalt ist. Der Regen. Daß ich einmal mich in dieses schlechte Wetter – denn Regen ist doch schlechtes Wetter, oder – hineinträumen würde, konnte ich mir nie vorstellen. Aber heute …

Es liegt an ihm, an mir, an uns. An dem, was nach nur wenigen Sekunden Gewißheit war und ist. Diese Augen und diesen Blick werde ich nicht vergessen. Tief, grau, gierig, unwahrscheinlich auf­merk­sam. Es ist das, was uns guttut, es ist das, was uns manchmal unsere Umgebung vergessen und in den Augen des Gegenüber versinken läßt. Was uns reden und schweigen macht. Es ist, was uns einhüllt wie dieser Regen da draußen die Landschaft einhüllt: sanft, wohltuend, reinigend, erfrischend, immer wieder Neues zutage fördernd. Eine Art der Liebe, die ich bis dahin nicht kannte. Er liebt mich bedingungslos. Ich liebe ihn bedingungslos. Frei von Ansprüchen, ja, wirklich, das gibt es.

Die Tür geht. Ich höre, wie er den Regenschirm ins Bad stellt, wie er die nassen Sachen auszieht und sie irgendwo zum Trocknen aus­breitet, wahrscheinlich auch im Bad und in der Küche. Dann steht er hinter mir, seine Hand liegt auf meiner Schulter. Und ich lehne meinen Kopf an seinen nackten Körper, löse meinen Blick vom Land­regen und tauche ein in das Wir, in das Uns, in das, was wir vor dreizehn Jahren begannen.

 

 

Erinnerung des Tages:
Um Ideen zu finden, las ich meinen ersten Adventskalender von 2010 und geriet ins Träumen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 25. August 2024 mit meinen uralten Texten, mit einigen zum Weggeben bereitgestellten Dingen, mit der vergehenden Zeit (aus Gründen).

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