2021,242: Leere

Ein unerklärliches und vom Verstand kaum faßbares Phänomen.

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Manchmal verliere ich einfach so den Faden. Nicht nur beim Schreiben, nicht nur bei profanen Tätigkeiten. Auch beim Denken. Dann höre ich mitten im Satz – mitten im Wort gar! – damit auf. Dann denke ich nichts mehr, dann bin selbst ich nicht mehr: Dann ist da nur grundlose Leere. Ich verharre in dieser unerklärlichen Leere, für eine von mir nicht meßbare Zeit. Ich erschrecke heftig, wenn ich diese Leere dann irgenwann bemerke. Und dann frage ich nach dem Wieso und nach dem Sinn dieser Leere. Ich frage mich und die Leere auch.
 
Allerdings ist die Leere, wenn ich sie einmal bemerkt habe, nicht mehr existent – weil sie nicht mehr leer ist, sondern mit meiner Aufmerksamkeit gefüllt.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 30.08.2021 waren positiv die endlich überprüften Originaltöne vom Sonnabend, endlich nachgekaufte Tinte, es gab schwarze FFP-2-Masken für relativ kleines Geld.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Sechs der Schwerter.

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CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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2021,241: Nachbarschaftsnachmittag

Genießer, Geschichtentauscher, rasender Reporter, Fremder, Mensch.

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Ich möchte heute über meinen Sonntag erzählen. Ich fürchte aber, ich erzähle mehr über gestern:

 

Der Sonntag. Seit langer Zeit war ich endlich mal wieder bereits um neun Uhr wach. Ich hoffe, das kann ich in die Woche und überhaupt in die Zukunft retten. Denn mein derzeitiger Schlafrhythmus gefällt mir nicht. Überhaupt nicht. Aber wach um Neun, das war bis zum Beginn der Corona-Pandemie normal für mich und auch ganz angenehm. Sonntags nahm ich mir früher ziemlich genau anderthalb Stunden Zeit, um in den Tag zu starten. Heute tat ich es wieder. Und danach?

Danach saß ich über meiner Kladde. Denn mein Besuch gestern im ältesten Haus Giebichensteins hatte einen Grund und einen Nebeneffekt. Bevor ich mich nämlich dem Hof- und Nachbarschaftsfest und seinen Attraktionen und Besuchern widmete, nahm ich mir Zeit für BURG2. Das ist ein Kunstort, ein Ort, an dem Kunst sichtbar, erlebbar und oft sogar mit den Künstler:innen diskutierbar ist: Studentischer Ausstellungsraum der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Viel Platz ist darinnen nicht. Umso mehr Platz lassen die dort ausgestellten Kunstwerke für eigenes Denken. (Ich mag es nicht, wenn davon gesprochen oder geschrieben wird, daß ein Kunstwerk viel Raum für Interpretationen lasse. Zu dieser Phrase kommen immer wieder unangenehme Erinnerungen hoch an die Interpretation von Kunstwerken [Gedichten!] in meiner Schulzeit.) Jedenfalls notierte ich mir, vor der kleinen Galerie stehend, ein paar Gedanken zu dem, was zur Zeit dort ausgestellt ist. Ja, ich kam darüber mit der ebenfalls Notizen machenden einen Künstlerin ins Gespräch. Und ja, ich sprach dann sogar mit den beiden zur Zeit dort ausstellenden Künstlerinnen über ihre Werke und meine und ihre Gedanken dazu. Und nochmal ja, ich versuchte heute, aus den Notizen herzeigbaren Text zu generieren. Der ist noch nicht fertig, aber er ist angefangen und entwickelte sich bis zum Nachmittag durchaus erfreulich. Es wird daraus ganz sicher noch in dieser Woche ein Blogbeitrag entstehen.

Es sind noch mehr eigenständige, kurze Texte gestern entstanden. Und an all denen dachte ich heute herum und schrieb Ergänzendes dazu auf.

Gestern. Ein Nachbarschafts- und Hoffest. Das Wetter spielte zum Glück mit. Die Nachbarn aus drei Häusern an dieser Straße veranstalteten zum Beispiel einen »Trödelmarkt der Träume« (das ist ein Buch von Michael Ende), auf dem man die dort angebotenen Dinge gegen eigene Geschichten eintauschen konnte. Dort lag ein DIN A4 großes Notizbuch aus DDR-Zeiten, in seinem kleinkariert grauen Design, dessen viele leere Seiten mich lockten. Ja, in dieses Notizbuch schrieb ich eine kurze Geschichte über Dinge und damit verbundene Erinnerungen. Und die tauschte ich ein gegen ein schwarzes Plüschpony mit Blesse und weißen Fesseln, das seit gestern mit mir zusammenwohnt. Es gab in einem der Höfe – es waren urspünglich drei durch mittlerweile eingestürzte Hofmauern zu einem einzigen großen und abenteuerlichem Innenhof verwachsene Hinterhöfe – sehr, sehr leckere vor Ort gebackene Pizza, die Möglichkeit zu Tischgesprächen im Format »Schwatzen und Schmatzen«, selbstgebackene Kuchen und Kaffee aus dem Küchenfenster einer Nachbarin, Musik vom Plattenteller hier und mit Akkordeon und Laute live gespielter Musik in einem andern Hinterhof. Da war eine Ausstellung in einem Fahrradkeller (Das runde Ding), eine Geruchsstation, mir völlig unbekannte frittierte Leckereien. Und es waren jede Menge Nachbarmenschen anwesend, die miteinander sprachen, philosophierten, plauderten, lauschten, die Nachbarschaft feierten. Eine wilde, freundliche, zum Teil von morbiden Gemäuern und wildem Grün umgebene, sehr ge- und belebte, äußerst angenehme Nachbarschaft. Bunt. Kreativ. Mit Kindern, Künstlern, Idealen und Ideen und gemeinsamem Anpacken. Hach, wie aus einer anderen Zeit stammend …

Ich habe gestern genau hingesehen. Und hingehört. Selbst als Wildfremder fühlte ich mich willkommen, einbezogen, ja, zum Mitmachen und Mitreden durchaus aufgefordert. Ich fühlte mich wohl zwischen all den Fremden. Und selbst die Tatsache, daß wir – Jan und ich – mit einem Reportagegerät Gespräche und Antworten für eine Radiosendung zum Thema «Nachbarschaft« aufnahmen, wurde nirgends und von niemandem als störend empfunden.

»Aus vielen Baustellen werden Gebäude und Mauern. Viele Gebäude und Mauern stürzen irgendwann ein, werden zu Ruinen. Wenn auf einer Baustelle ein Grundstein gelegt wird, dann wird der also oft auch schon für die späteren Ruinen gelegt. Aber eine Ruine ist meiner Erfahrunf nach nur in Ausnahmefällen das Ende. Denn aus Ruinen kann, wenn es nur gewollt wird und in Angriff genommen wird, Neues, Schönes entstehen. Wer genau hinsieht, kann das immer wieder entdecken.« (Aus der Kladde abgeschrieben.)

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 29.08.2021 waren positiv Aufstehen um Neun (wie ich es am liebsten täglich hätte, aber in den letzten Monaten nur selten konnte), Pasta Carbonara (ohne Sahne, ja), zwei Hanf-Radler zum Tagesabschluß.
 
Die Tageskarte für morgen ist XI – Die Gerechtigkeit.

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2021,240: Trennung

Teil eines längeren Entwurfs, den ich wohl nie beende.

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Lange Zeit sehnsuchtete ich einer unerfüllten, unerfüllbaren Liebe hinterher, die ich einst selbst unmöglich gemacht hatte. Solche Fehler sind und bleiben unkorrigierbar. Wenn es in einer realen Beziehung wirklich schwierig wurde und Arbeit darin und daran notwendig war, konnte ich mich ganz bequem zurück­lehnen und mir einreden, daß die ja sowieso nicht auf Dauer angelegt war. Schließlich wartete und hoffte ich auf diese eine Liebe. In der würde ich ja endlich mein vollkom­menes Glück erleben. Ich übersah dabei all die kleinen Glücke, die ich erlebte, all die guten und wunderbaren Momente tat ich als unwichtig oder nebensächlich ab. So machte ich mich – rückblickend erkannt – durch die eine Hoffnung richtig unglücklich. Wir wurden irgendwann tatsächlich ein Paar, in einer Fernbeziehung, später in einer Wohnung. Ich schien zu schweben vor Glück. Ich vernachlässigte alles andere noch mehr als sowieso schon. Ich wollte dieses Paarsein unbedingt und ich wollte es unbedingt für immer und ewig. Viel zu spät erst merkte ich, daß das eben nicht dem entsprach, was mein Leben sein sollte. Denn da fehlte mir plötzlich etwas. Und ich war noch unglücklicher. Noch weniger zufrieden. Mir fehlte zu vieles, vor allem meine Freundinnen und Freunde. Das unbeschwerte Zusammensein, das in dieser Beziehung nicht möglich war: Denn ich versuchte alles zu tun, um die bis an mein Lebensende zu erhalten. Es brauchte nur einen einzigen heftigen Anstoß, um das zu erkennen.

Denn denen, die mich kannten, fiel diese Veränderung auf. Jede winzige Entscheidung wurde lange abgewogen, und oft verzichtete ich auf eine gute Zeit, weil das Mißtrauen hätte erregen können, überhaupt hätte mißfallen können. Bis mich eine Freundin eines Tages direkt darauf ansprach. Ich wäre ein vertrockneter Spaßbefürchter geworden. Obwohl ich nicht den Spaß, sondern seine hypothetischen Folgen fürchtete. Aber deswegen vermied ich so vieles, das zu meinem Leben immer dazugehört hatte. Diese eine Freundin hielt mir in einem langen Gespräch den Spiegel vors Gesicht und zwang mich hinzusehen. Genau hinzusehen. Mit ihrer Hilfe tat ich das bis weit über den Sonnenaufgang hinaus … Nach dieser Nacht, in der ich nicht “nach Hause” kam, fand ich alles, was ich in die Wohnung gebracht hatte, in Koffern, Kartons und Säcken vor die Tür gestellt. Wenn ich nicht bei ihr schlafen will, brauche ich auch nicht mehr in ihre Wohnung zu kommen, stand auf einem Zettel. Ich war geschockt und erleichtert zugleich. Aber ich schämte mich auch, weil ich lange Zeit nicht den Mut gefunden hatte, die Wahrheit zu erkennen und die Wirklichkeit danach zu gestalten. Ich, der Feigling. Ich, der Dulder. Ich. Hätte. Schon. Längst. Gehen. Sollen. Und nun: Das Notwendige, das ich nicht zu tun vermochte, wurde mir abgenommen. Mein Versagen wurde einmal mehr deutlich. Ich war am Boden zerstört. Es dauerte eine Woche, bis ich mich wieder aufgerappelt hatte. Bis ich wieder lebte. Wenn ich heute in den Tagebüchern von damals blättere, erschrecke ich über die Verblendung, mit der ich mich selbst betrog.

 

 

Seit mittlerweile 14 Jahren existieren die ungefähr 60 eng beschriebenen DIN-A5-Seiten eines wirren, für mich anscheinend nicht fertigzustellenden Textes. Er ist nicht, wirklich nicht autobiografisch; ich habe mir viel Mühe gegeben, vier handelnde Personen zu erschaffen. Aber ich entfernte und entferne mich immer wieder und jedesmal mehr von ihnen, wenn ich daran arbeiten wollte und will. Zur Zeit denke ich erstmals ernsthaft darüber nach, ihn und alle Kopien davon einfach zu vernichten, zu löschen. Allein: So viel Arbeit einfach wegzuwerfen widerstrebt mir heftig. Ich gebe mir noch eine Woche Zeit, dann bin ich entweder weitergekommen mit der Bearbeitung oder ich schmeiß ihn endgültig weg. Versprochen.

Nachsatz, in einem Anfall von schmerzhafter Selbsterkenntnis angefügt:
Auch sonst gibt es in meinem Leben vieles, mit dem ich ebenso rigoros umgehen sollte.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 28.08.2021 waren positiv der Mut zum Zeigen und Gestehen, ein Nachmittag im ältesten Haus Giebichensteins, ein alter DEFA-Film am Rechner.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Acht der Stäbe.

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2021,239: Miniatur

Ein mir aus dem Herzen redender Text.

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Dinge, die reden
 

Dinge, die reden? Das gibt es doch nicht. Nein, das gibt es nicht. Aber es gibt doch Dinge, die sehr beredt sind. Die Liebe oder die Hingabe eines Herzens haben sie zum Reden gebracht. Meistens sind es alte Dinge. Die Herzen, die sie zum Reden gebracht haben, schlagen nicht mehr, aber die Dinge erzählen noch von dem Leid oder der Lust, die diese Herzen bewegt haben. Es können aber auch sehr junge Dinge sein, in denen sich gar unser eigenes Herz spiegelt. Darum, wer auf das Reden der Dinge achtet, hört Menschenherzen schlagen.

Ursula Grunewald: Über kleine Dinge. S. 5
Zweite Auflage © Evangelische Verlagsanstalt GmbH. Berlin 1969

 

 

Ich dachte, irgendwann hatte auch ich einmal ein paar Texte geschrieben zum Thema “Wenn Dinge reden könnten” oder “Sprechende Dinge”. Ich finde sie aber nicht wieder. Moment. Moooooooooooment! Hach! Doch! Große Freude: Die Beiträge hießen “Den Dingen eine Stimme verleihen” (insgesamt vier Beiträge bisher). Aber da schrieb ich ja über etwas ganz anderes. Nicht über die von Ursula Gruneland beschriebene Art, wie Dinge reden, nein, sondern weit weniger grundsätzlich. Doch auch die oben beschriebene Art des Redens kenne ich von so vielen Dingen. Immer wieder helfen sie mir, meine Erinnnerungen aufzufrischen und nicht verblassen zu lassen. Oder sie lassen mich erahnen, von welcher Bedeutung sie, die Dinge, für Menschen waren, indem sie, die Dinge, davon reden.

Wenn ich denn wetten würde, was ich aber nicht tu, würde ich wetten mögen, daß (beinahe?) jede:r solche Dinge kennt und hat, die reden, die beredt sind. Und denen der Mensch gerne zuhört beim Reden. Es gibt Dinge, die nur einem einzigen oder nur ganz wenigen Menschen gegenüber gesprächig werden. Und ich weiß, daß es Dinge gibt, die zu vielen, zu Tausenden, zu Millionen Menschen reden. Und damit deren Herz anrühren, deren Seele streicheln, Kraft spenden.

Dinge, die reden. Dinge, die genau so reden. Die sind mir lieb und teuer. Und manche teile ich sogar gern mit anderen Menscen, mit euch zum Beispiel.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 27.08.2021 waren positiv sehr langer Schlaf, ein wenig Fabulerlust, ein echtes Freitagsgefühl.
 
Die Tageskarte für morgen ist der Ritter der Münzen.

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2021,238: Schnipsel

Aus einem geträumten Text stückweis' notiert.

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Manchmal wache ich morgens auf und finde mehrere beschriebene und/oder bekritzelte Zettel neben mir vor. Darauf stehen dann sehr merkwürdige Sätze:

 

 

“Die Tatsache, daß ich mir seit einiger Zeit gewisse Fragen stelle, beunruhigt mich weit mehr als es diese Fragen oder mögliche Antworten darauf je tun könnten.”

 

 

Da ich den Text nur träumte, weiß ich nicht, um welche Fragen genau es sich handelt.

 

 

“Selbst bei Selbstgesprächen achte ich nunmehr peinlich genau darauf, weder in Fragen noch Antworten auch nur die kleinste Indiskretion zuzulassen.”

 

 

Da scheint meine innere Zensurbehörde ja ziemlich rigoros mitgeträumt zu haben.

Nochmal: Die Sätze stammen nicht aus szenischen Träumen, sondern aus einem geträumten gedruckten Text. Auch etwas anderes war heute Morgen besonders: Alles Aufgeschriebene, auch das hier nicht wiedergegebene, notierte ich in lateinischen Druckbuchstaben …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 26.08.2021 waren positiv der geschaffte Labortermin, eine geäußerte und erfüllte Bitte, die kaputte Kladde (zu nur zwei Dritteln beschrieben) nun doch durch eine andere ersetzt zu haben.
 
Die Tageskarte für morgen ist III – Die Herrscherin.

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2021,237: Sturmgebraus

Spätsommerliche Wetterbeobachtungen im neunten Stock.

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Es ist noch Sommer. Noch nicht Herbst. Und doch stürmt es um die Häuser. Der Wind drückt mit großer Kraft auf die Fenster. Und wenn eine Tür hier oben in der Wohnung nicht ganz dicht geschlossen ist, so tönt sein Heulen nicht nur aus der Lüftung, sondern auch aus den Spalten im Türrahmen. Schaurig klingt das. Immer wieder und immernoch. Hohltönendes Jaulen, das nicht endet. Doch ist dieses Geräusch an manchen (guten) Tagen auch als lustiges Liedlein benenn- und wahrnehmbar, das der Wind sich pfeift. Außerdem zeigt das Heulen und Jaulen an, daß die Fenster und die Wohnungstür nicht hundertprozentig luftdicht sind. Und das ist gut so.

Eine leicht flackernde Kerze und Windgeräusche verdeutlichen mir nach dem Dunkelwerden des öfteren die Lebendigkeit der Welt da draußen.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 25.08.2021 waren positiv eine getroffene Verabredung, ein längerer Spaziergang am Nachmittag, aufgefüllter Vorrat.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Zehn der Münzen.

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2021,236: Dunkelgrau

Ein wiedergefundener Text.

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Es ist so … Still. Zu still. Nichts geschieht. Nichts. Für jegliches fehlt die Kraft. Aneinandergereiht und ununterscheidbar folgen Tage aufeinander und Nächte. Die Minuten dehnen sich auf Stundenlänge. Nur noch liegen. Liegen. Atmen. Darauf warten, daß jemand herantritt und etwas tut. Stumm tut. Gesprochen wird hier nie. Ein Mensch kann es nicht. Die anderen Menschen tun es nicht. Wieso ist das so. Alles in dieser tonlos bleiernen Stille. Eine Stimme zu hören: Das könnte so aufmunternd sein. Niemand aber spricht. Niemand. Die Münder bewegen sich nicht mehr. Die Handschuhe sind häufig schwarz. Und über den Augen immer ein Schleier: Dunkelgrau.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 24.08.2021 waren positiv Kartoffel-Möhrenbrei, gescannte Zettel und Papiere, leckere Datteln als Nascherei.
 
Die Tageskarte für morgen ist III – Die Herrscherin.

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2021,235: Statusmeldung

Ich darf mal wortkarg sein, nicht wahr?

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Dem Fuß mit Stauchung/Zerrung geht es wesentlich besser.

Der “Mückenstich out of hell” sind sogar mehrere und morgen lasse ich nachsehen, ob da nicht Wanderröte entstanden ist (ich bin unsicher).

Die ersten beiden Maschinen Wäsche sind durchgelaufen und aufgehängt.

Der Transporter ist zurückgegeben und ich weiß nicht, wie ich der allerallerallerbesten Freundin und ihrem Freund danken kann.

Es gab vorhin Rühreier mit Speck und Butterbrot.

 

Muß ich heute mehr schreiben?

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 23.08.2021 waren positiv die meisten Dinge, die heute oben im Text stehen.
 
Die Tageskarte für morgen ist XI – Der Gehängte.

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2021,234: Verspätung

Ich mußte unbedingt heute noch zum Röntgen.

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Irgendwie bin ich über einen etwa 5 cm hohen Baumstumpf gestolpert – aber ich weiß nicht, was wirklich passierte. Glücklich war ich, daß es erst auf dem Rückweg vom Klo geschah, auf dem Hinweg wäre das sehr, sehr peinlich ausgegangen. Der Fuß tat weh, so sehr, daß ich später die DRK-Leute mal draufsehen ließ. Ein Rettungssanitäter tastete den Fuß ab. Nur eine einzige Stelle schmerzte beim Druck darauf wirklich. Da war auch kaum etwas angeschwollen. Doch jede Bewegung ließ mich zusammenzucken vor Schmerz. Nun, es gab Eisspray und einen stabilisierenden Verband und den Rat, hochzulagern und zu kühlen. Auf dem Markt. Nein, das funktionierte nicht wirklich. Und mit nur zwei Schmerztabletten im Abstand von sechs Stunden war alles auch recht erträglich. Aber: Ich sollte heute noch zum Röntgen, nicht erst morgen früh, nein, heute. Um sicherzugehen, das nichts gebrochen oder angebrochen ist.

Die Sanis suchten mich noch zweimal auf, immer mit dem dringenden und eindrücklichen Rat, heute noch röntgen zu lassen. Nun, wir konnten alle entstandenen logistischen Probleme klären. Und die allerallerallerbeste Freundin holte mich dann vom Markt ab und brachte mich noch in die Notaufnahme. Es war wirklich sehr wenig Betrieb und es dauerte nur 1 ¼ Stunde bis zur erfeulichen Gewißheit, daß ich nur Stauchungen und Zerrungen im Mittelfuß habe: nichts war gebrochen oder angebrochen. Und der Schmwerz beim Bewegen ließ auch langsam nach. Als ich fertig war, holten mich die allerallerallerbeste Freundin und ihr Kerl wieder ab und brachten mich heim.

Etwa dreiviertel Zehn war ich dann endlich zuhause. Ein, zwei Dinge habe ich noch ausgeräumt. Und dann kam ich endlich dazu, mein Lebenszeichen zu verfassen. Ich habe übrigens an jedem Punkt in der Notaufnahme für die freundliche Behandlung und die getane Arbeit, das Dasein für mich als Patienten gedankt. Weil es tatsächlich so war. Jetzt noch Bad, Bier, Bett – dann ist Ruhe. Morgen wird weiter ausgepackt und Wäsche gewaschen.

 

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Der Emil

 

P.S.: Am 22.08.2021 waren positiv die trocken abgebauten Zelte, die kurze Zeit und das Ergebnis in der ZNA, das Feierabendbier.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Acht der Münzen.

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2021,233: Papier

Und seine wichtigste Rolle.

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Früher wurde es in Mitteleuropa aus Hadern und Lumpen gemacht. Und es gewann über die Zeit an Wichtigkeit. Bis es hierzulande zum Wichtigsten wurde, das der Mensch haben muß(te): Papiere. Wer die nicht hat(te), hat(te) keine (Menschen-)Rechte. Und dann brauchte es für alles mögliche ein Papier, einen Wisch, einen gestempelten Schein. Nur nicht für die Kindererziehung und ähnlich einfache Aufgaben. Dafür braucht(e) es kein Papier. Wichtig war Papier auch für das Rechtswesen, für die Wirtschaft als Rechnung und Mahnung und Geld und Wechsel usw. usf., für die Kunst und für die Bücher. Und nicht zu vergessen das Papier “im Bad”. Weil aber immer mehr Holz zu Zellulose und dann zu Papier gemacht wurde und damit die Wälder nach und nach schwanden, kam die Zeit, da das papierlose Büro ausgerufen wurde. Wißt ihr noch?
 
Mir jedenfalls würden ohne Papier für mich beinahe lebenswichtige Dinge fehlen: Bücher, Kladden, Zeitungen und die wichtigste Rolle.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 21.08.2021 waren positiv viele nette Gespräche, geschenktes Softeis, der laue (noch andauernde Abend.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Sieben der Münzen.

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