088.2026: Altertümlich

Eine Szene in totaler Finsternis und was aus ihr wurde.

 

 

Endlich sind sie unten, die unendlich lange Treppe liegt hinter ihnen. Und gerade jetzt erlischt die Kopflampe. Sie stehen wie versteinert in undurchdringlicher Finsternis. Eine andere Lampe haben sie nicht dabei.

 

 

Nach diesen drei Sätzen wurde ich gestört, mußte ich mich um etwas anderes kümmern. Nach den 15 Minuten abseits vom Text war die Szenerie, die ganze Geschichte einfach weg. Verschwunden. Fast eine Stunde saß ich vor dem Papier und suchte. Nach der Stimmung, die ich damit transportieren wollte (düster, aber nicht hoffnungslos) – doch selbst als die wiedergefunden war, sah ich keinen Weg, sie niederzuschreiben. Das ist die Krux an meiner Arte, Texte zu verfassen: Am Stück runterschreiben, direkt aus dem Kopf in fertige Sätze packen. Wenn ich da aus dem Fließen gerissen werde, ist es i. d. R. vergebliche Liebesmüh', ihn später fortsetzen zu wollen.

Die drei Sätze stehen niedergeschrieben, ein Klebchen ragt in der Kladde etwas über den Seitenrand hinaus und weist mich auf etwas Unvollendetes hin. Hin und wieder sehe ich mir solche Abbrüche an, schreibe sie auf einen Zettel in der Hoffnung, hineinzufinden und so weiterschreiben zu können. Aber die Zettel schmeiße ich regel­mäßig weg, weil sie nichts Neues, nichts Passendes brachten. Hier, bei diesem Beispiel weiß ich noch, daß das Geräusch des Streichholzanzündens eine Rolle spielen sollte – aber welche nur? Mit Bleistift habe ich das zum Anfang dazu­ge­schrie­ben. Und eben diese Streichhölzer bedingten wohl zum Teil das „Altertümlich”.

Drei Sätze und zwei drei Worte. Mehr ist nach der Unterbrechung, die den Abbruch bedeutete, nicht geblieben …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


© 2026 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
Dieser Beitrag wurde unter 2026, Geschriebenes abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.

5 Kommentare zu 088.2026: Altertümlich

  1. Nati sagt:

    So ergeht es mir bei Gedichten.
    Bei Geschichten habe ich da weniger Probleme, weil sie erst eine Weile im Kopf rumspuken bevor ich sie aufschreibe.

  2. Oh, das ist bitter. So erging es mir mal mitten in einer längeren Fantasy-Geschichte. Es dauerte sage und schreibe fünf Jahre, bis mir die komplette Handlung endlich wieder einfiel und ich daran weiterarbeiten konnte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert