084.2026: Der Name

Was am Fluß alles geschehen sein könnte.

 

 

Ich vermisse diese Frau, die hier am Fluß immer – sehr oft jeden­falls – auf der Nachbarbank saß und die Enten mit Erbsen und Haferflocken fütterte. Meinen Versuch dieser Art ignorierten die Tiere, sie scharten sich um die Frau und einige fraßen ihr sogar aus der Hand. Ab und zu unterhielten wir uns von Bank zu Bank, sprachen übers Wetter, den Fluß und die Vögel. Immer war sie freundlich, offen, und sie verriet mir auch, wo Nutrias beobachtet werden können. Auch über diese Tiere sprachen wir, nachdem ich einige Stunden bei denen verbrachte.

Jetzt vermisse ich sie. Seit Weihnachten habe ich sie nicht mehr gesehen. Damals trank sie mit mir Kinderpunsch aus meiner Thermoskanne und bot mir das Du an, ganz offiziell. Seither war sie nicht mehr auf ihrer Bank. Und ich grübele, weil ich ihren Namen nicht mehr weiß. Ihre roten Haare, nicht gefärbt, wie sie immer versicherte, sehe ich noch vor mir, auch ihr Lächeln, das nur selten nicht zu sehen war. Doch der Name …

Natürlich. Eine Zufallsbekanntschaft. Wir sahen uns ja auch nicht täglich, eher so ein- oder zweimal im Monat. Immer zufällig. Haben uns trotzdem etwas kennengelernt in den drei Jahren – oder waren es vier? Jetzt vermisse ich sie. Und ich kann mich nicht an ihren Namen erinnern. Herrgott nochmal, so schwer kann das doch nicht sein? Die freundliche Frau von der Bank am Fluß hieß … heißt … Meine Güte: Was hat mein Gedächtnis doch für Lücken! Dabei weiß ich genau, daß ich den Vornamen aus meiner Familie kannte, eine meiner Cousinen hieß so: Karin – nein, Marion – nein, Manuela – nein, Hilke – nein, Heidi – nein. Aber ja, da war deren Schwester: Christel. Genau. Christel. Auch der Nachname der freundlichen Frau ist wieder da. Nur die Frau nicht.

Und so vermisse ich sie, die einen ungewöhnlichen Namen trägt. Christel Freundlich. Viel mehr als den Namen weiß ich dennoch nicht von ihr. Ob sich das irgendwann noch ändern kann?

 

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


© 2026 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2026, Geschriebenes, Miniatur | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 1 Kommentar

083.2026: Na also

Es war aber nicht nur Arschbackenzusammenkneifen.

 

Nun, da habe ich ja das eine Versprechen von gestern mit neuen Texten erfüllt – und das zweite mit den 20 Bildern schaffte ich heute auch. Dreizehn Motive, 22 Fotos. Am interessantesten war ein heute offen zugänglicher, aber bei weitem nicht sicherer Lost Place, in den ich mich ganz alleine nicht weiter hineintraute. Und ja, die Schrift ist genau so dort an der Wand zu sehen:

 

In dünnen schwarzen Großbuchstaben steht auf einem geweißten Bereich der Ziegelwand „SCHAUBURG”

Heute war das ein halbwegs zugänglicher Ort.
Hinweis auf ein verfallen(d)es Kulturgebäude. 2011 erst dort angebracht.

 

Da will ich unbedingt nochmal hin; vor vielen, vielen Jahren war ich nämlich schon drinnen. Damals war das alles aber weit weniger kaputt als heute, da bereits deut­liche Entkernungsvorgänge sichtbar sind. Echt schade drum, denn einst war es ein schönes, großes Kino und hatte sogar den 2. Weltkrieg weitgehend unversehrt überstanden …

Heute hatte ich auch ein wenig Glück beim Streifzug durch die Stadt, weil etwas zu sehen war, das sonst nicht mehr angesehen werden kann.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 28.03.2026 die Fahrt mit einer kurzen TINA (die nach kurzer Fahrt dann leider kaputt war – Softwareprobleme), die gefundenen Motive und ein beim Bäcker gekauftes kleines Brot.


© 2026 – Der Emil. Bild & Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2026, Erlebtes, Gesehenes | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

082.2026: Diskussionsende

Unbeabsichtigt belauschtes Dilemma mit gutem Ausgang.

 

 

„Jetzt aber mal Butter bei die Fische!” „Wozu? Ist doch alles klar wie Kloßbrühe!”

Ich habe mich gerade an den Tisch direkt daneben gesetzt und außer diesen beiden Sätzen nichts von dem geführten Gespräch gehört. Über was wurde da gestritten, gesprochen, diskutiert? Die zwei Menschen sehen beide unzufrieden aus; die eine Person hat keine Antwort bekommen und die andere etwas schon viel zu oft zu erklären versucht. Doch sie sprechen beide dieselbe Sprache, soll­ten sich demnach verstehen können? Meine Gedanken schweifen vom Geschehen im Café ab. Denn früher erlebte ich das auch, dieses Nichtverstehen, Aneinandervorbeireden. Nicht nur, wenn es um Gefühle ging, sondern auch bei ganz handfesten Versuchen, etwas gemeinsam zu entscheiden. Ich schaffte es nur selten, meine Beweggründe für mein Gegenüber nachvollziehbar zu machen. Sie und ich, wir hatten damals einen Versuch des Zusammenlebens gestartet, kamen aber aus ganz unterschiedlichen Lebenswirk­lich­kei­ten. Da trafen z. B. ihre reichen Eltern und wenig Beziehung auf meine normalverdienenden und viel familiären Halt. Noch dazu konnte ich ihre Probleme nur selten als Problem wahrnehmen – umgekehrt war es wohl auch so. Und nach einer Diskussion, bei der wieder nichts herauskam, die mit zwei Floskeln endete, endete auch unser Zusammenleben.

Kommunikationsschwierigkeiten. Zwischen Lebenspartnern. Das ist alltäglich allgegenwärtig, denke ich mir, und werde unterbrochen vom gerade servierten Milchkaffee. Gedankenverloren beginne ich, ihn zu rühren. Am Nebentisch wird gezahlt. Und es fällt der Satz, der mich für diese beiden Menschen hoffen läßt: „Na gut, dann getrennte Schlafzimmer, aber mit großen Betten …”

 

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


© 2026 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2026, Geschriebenes, Miniatur | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 1 Kommentar

081.2026: Mittagsschlaf

Der sollte öfter unter freiem Himmel gemacht werden.

 

 

Da steht diese Bank. Diese grüne Bank. Ich sehe sie fast jeden Tag, wenn ich den Weg ins Büro etwas abkürze. Oder: Den Weg vom Büro nach Hause.

Es ist der Südfriedhof, über den ich schneller heimkomme. Durch das kleine Tor hinten auf den Hauptweg, dann nach links am Brunnen vorbei. Die große Kastanie und die alte Linde – sie stehen an meinem Weg zum Haupteingang. Kurz danach finde ich die Bank. Die, auf der regelmäßig ein Mensch liegt und schläft. Und schnarcht. Friedliches Bild, oder?

Letzhin ging ich vorbei und hörte nichts. Dann kehrte ich um und rüttelte die Person. Weiter Stille. Aber Puls war noch da. Weil ich nicht genau wußte, was ich hätte tun können, rief ich die SMH (Schnelle Medizinische Hilfe, heute RTW und NAW, die über die Feuerwehr alarmiert und angefordert werden können). Nach gerade acht Minuten waren sie vor Ort. Unterkühlt, Puls und Atmung noch in Ordnung. Aufwecken konnten sie die Person aber nicht. Also Klinikum. Ich fuhr mit dem Linienbus hinterher. Und kam an, als sich die Augen gerade wieder öffneten.

Das Alter sei es, das den Menschen dahinrafft mit 58 Jahren, wurde mir mühvoll mit kratzender Stimme mitgeteilt. Und da stand ich neben dem Krankenbett, dachte über meine fünf Jahre mehr nach und lachte still vor mich hin. Hach, diese Jugend …

 

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


© 2026 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2026, Geschriebenes, Miniatur | Verschlagwortet mit , , , , , | 4 Kommentare

080.2026: Nix gesehen

Auf der Suche nach interessanten Motiven.

 

Gestern war ich wieder in der Stadt. Ich besuchte zwei Öffentliche Bücherschränke, stellte in den einen fünf Bücher hinein. Aus dem anderen nach mich ein Buch mit, in dem wissenschaftlich-phantastische Erzählungen (ja, aus der DDR) zu finden sind. Und solchen Lesestoff liebe ich!

Außerdem hatte ich die Kamera eingepackt, hatte vor, ein paar Bilder zu machen. Ich habe keine Ahnung, was passiert ist, doch ich finde nichts mehr, das ich für wirklich ablichtenswert halte. Es ist wie verhext! Manchmal sah ich etwas aus der fahrenden Funkenkutsche heraus und stieg bei nächster Gelegenheit aus. Aber dann: Einmal fand ich das Gesehene nicht wieder, mehrmals war es einfach nur uninteressant, banal, in meinen Augen kein Bild wert. Und so fragte ich mich, wann und weswegen der Blick fürs Motiv verlorenging. Auch die Fabulierlust ist zur Zeit nur sehr gering – ob ich beides trainieren kann, beides bald wieder habe?

Hm. Meine Kladde fülle ich noch immer täglich; nur ist das, was da steht, nicht wirklich zur Veröffentlichung hier geeignet. Hm. Aufgeben will ich noch lange nicht, es bleibt also nur eins übrig: Schreiben und Fotografieren, auch wenn es der Mühe nicht wert scheint. Spätestens morgen also gehe ich mit dem Ziel in die Stadt, mindestens 20 Bilder aufzunehmen, auch solche, die mir unnötig und uninteressant erscheinen. Und heute setze ich mich hin und schreibe etwas für den Blog, etwas, das nicht „nur” Tagebuchcharakter hat. Versprochen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


© 2026 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2026, Erlebtes, Gesehenes | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 7 Kommentare

079.2026: Plötzlich Hektik

Mißverständnis auf Grund von Verpeiltheit.

 

Da verabredeten ich und jemand anders ein weiteres Telefonat, in dem eine Aktion genauer bestimmt werden sollte.

Heute kam die Frage, ob es bei 17.00 Uhr bleiben würde. Und ich sagte ja, weil ich ja auf das Gespräch wartete. Daraufhin bekam ich den Hinweis, wo ich das Fliewatüüt parken soll. Mitten in der Stadt, hinter einer Baustelle, in der sich alles, alles staut. Dezente Hektik kam auf. Wenn das Einfädeln im Reißverschlußverfahren und das Freihalten von Kreuzungen nicht so extrem esoterisch geheime Künste wären …

Ich weiß nicht, wie ich es schaffte, aber 25 min später stand ich dort, wo ich stehen sollte. Magie! Oder besser: Magick. Was reinsollte, landete im Fliewatüüt. Und ich konnte nach Hause zurückfahren.

Blutdruck direkt nach dem Anruf: 175/110. Wieder zuhause, nach wenigen Momen­ten Erholung: 145/85. Ich hatte in beiden Momenten das Gefühl, daß er wesentlich (wesentlich!!!) höher gewesen sein müßte.

Der Rest des Tages aber war … flach, unaufgeregt, eher mäßig interessant. Davon hätte ich gerne mehr. So ganz allgemein …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


© 2026 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2026, Erlebtes | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

078.2026: Nicht der Rede wert

Es kommt dennoch über den Tag so einiges zusammen.

 

Gar so viel auf eigenem Mist herumdenken tut nicht immer gut. Deshalb hörte ich heute vormittag wieder damit auf. Stattdessen widmete ich mich: dem Abwasch, dem Wäschewaschen, dem Annähen von zwei Knöpfen, dem Scannen einiger Zettel, dem Einkauf und dem Träumen. Besonders die letzten beiden Dinge waren durchaus erfolgreich. Neben dem Aufgezählten geschah noch eine ganze Menge, die ich normalerweise nicht bemerke und deshalb auch nirgends erwähne. Hier etwas sor­tieren, da etwas umräumen, dort etwas suchen, finden und verräumen.

Einen Teil meiner Zeit verbrachte ich auch heute wieder mit der Ausrüstung, die mich auf die Mittelaltermärkte begleitet. Einer meiner Füllfederhalter verlor immer wieder Tinte, der wurde zerlegt und gereinigt und trocknet noch. Zwei leere Schul­hefte packte ich dazu als Ersatz für die vollgeschriebenen. Eine neue Rolle vom längsten Löschpapier der Märkte ist jetzt wieder dabei. Das fast leere Tintenfäßchen wurde ausgetauscht durch ein volles und die rundgeschriebene Venezianische Glas­feder durch eine andere ersetzt. Nachher werde ich die Markttextilien durchsehen und die gewaschenen Sachen wieder dazupacken (vielleicht mach' ich das aber auch erst morgen).

Genauer besehen summiert sich der Kleinkram auf etwas mehr als zwei Stunden (und Kaffee- und Teekochen sind noch nicht dabei und anderes Gedöns). Außerdem muß ich ja auch ins Bad, brauche Zeit für Essen und Kochen u.v.a.m. Aber all das ist ja nicht der Rede wert …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


© 2026 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2026, Erlebtes | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

077.2026: Aus dem Denkicht

Wünsche, Bedürfnisse, Bedürftigkeiten – ich will sie kennen.
Und zwischen ihnen unterscheiden können.

 

Wachwerden. Den eigenen Bedürfnissen nachspüren, vor allem denen, die nicht so ganz nach meinem Wunsch erfüllt werden können. Sie sind ja seit vielen Jahren schon etwas, das mich beschäftigt. Ich weiß, daß ich bedürftig bin, auf ganz unter­schiedlichen Gebieten; und ich weiß auch, daß ich mich im Rahmen meiner eigenen Möglichkeiten jetzt darum kümmere, diese Bedürftigkeiten (und ja, damit auch Bedürfnisse) zu erfüllen.

Das zu erkennen war damals, 2011, in der Tagesklinik ganz wichtig für mich: Ich verleugnete die nämlich jahrelang und war der festen Überzeugung, nichts von alledem, nach dem ich lechzte, stehe mir zu. Ja, so dachte ich damals, ich postulierte sogar eine Freiheit von Bedürfnissen für mich. Mit der Zeit lernte ich, daß ich mir auf diese Art viel zu viel verwehrte von dem, das zum Leben notwendig ist, einfach nur zum Leben dazugehört. (Nein, ich meine nicht nur Sex. Menschen haben emotionale, psychische Bedürfnisse; werden die nicht erfüllt, bleiben hindernde Bedürftigkeiten.)

So halte ich es bis heute für eine gute Idee, immer wieder über meine Bedürfnisse zu sinnieren, meinen Bedürftigkeiten Raum zu geben. Manchmal ist es nicht einfach, etwas davon zu benennen; doch ich muß es benennen können, darum wissen und nicht nur davon ahnen, um mich kümmern zu können, um auch einmal einzufordern (ja, das ist legitim, allerdings macht der Ton die Musik dabei). Ich habe da auch Wünsche, die weder einem Bedürfnis noch einer Bedürftigkeit zugehören, auch mit denen muß ich mich beschäftigen. Vor allem aber muß ich die Wünsche als Wünsche erkennen und dann mit ihnen umgehen …

Tatsächlich benötige ich die Zeit, in der ich solche „Probleme” wälze, wieder und wieder. Für mich ist es eine Art Abgleich meiner Träume und Phantasien mit der Realität, mit meiner Lebenswirklichkeit. Lange genug habe ich das vernachlässigt, abgelehnt. Wie wichtig es für mich, für mein Wohlbefinden ist, über all das zu wissen, mit diesem Bewußtsein der Wünsche, Bedürfnisse und Bedürftigkeiten umgehen zu können, lernte ich nach und nach.

Ihr meint, daß das doch eine sehr einfache Übung ist? Nun, dann versucht, euch Listen für alle drei Kategorien aufzuschreiben und alles wirklich korrekt einzuordnen. Viel Vergnügen wünsch' ich euch dabei …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


© 2026 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2026, Gedachtes | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 7 Kommentare

076.2026: Rapport

Oder: Warum ich am Wochenende keinen Blogtext schrieb.

 

Am Freitag fuhr ich noch am Vormittag los, um auf einem weiteren „Mittelalter”-Markt das Publikum zu unterhalten und meinen Bildungsauftrag zu erfüllen. Ich mag es, wenn ich genug Zeit zum Aufbauen und Einrichten habe, all das in aller Ruhe erledigen kann. Danach ist es mir auch recht, eine längere Pause zu haben. Am Abend vor dem Markt sitzen die Händler und Handwerker und Wirte und Künstler beieinander, in sich immer wieder verändernden Gruppen und Grüppchen. Es wird geschwatzt, gegessen und getrunken, philosophiert und gesponnen. Die Marktleute bringen sich gegenseitig über die Lustlosigkeit hinweg in die rechte Stimmung. Der Tag endet früh, ich seh noch eine Folge einer Serie auf dem Tablet, dann ist der Sandmann erfolgreich.

Die Nacht zum Sonnabend war kalt, außerhalb meiner Penntüte sogar saukalt. Und bis zum Klo waren es um halb Zwei 120 eilig geschlichene Schritte. Als ich dann endgültig aufstehe, habe ich etwa zehn Stunden geschlafen. Es scheint die Sonne durch Wolkenlücken hindurch. Aber: Nach Marktöffnug beginnt es bald zu regnen, mal mehr, mal weniger, doch so richtig trockene Zeiten gibt es tagsüber nicht. Dennoch ergeben sich gute Gespräche mit Besuchern. Und an einen kann ich mich erinnern, als er mir seine Visitenkarte gibt – wir sahen uns vor Jahren (und sprachen auch miteinander) bei einem Konzert und bei einer Filmproduktion. Tja, die Welt ist klein! Am Abend bin ich erst um Zehn und nach einer besonderen Begegnung müde genug für den Schlaf.

Wer knapp 50 m entfernt von einer funktionierenden Sirene nächtigt, in einem Zelt noch dazu, wird beim ziemlich genau um 3 Uhr ausgelösten Feueralarm sehr schnell sehr wach. Auch die knapp zehn Minuten später vorbeifahrenden Feuerwehrautos mit Martinshorn sind nicht zu überhören. Nach der Beruhigung des Pulses konnte ich weiterschlafen und kam wieder auf etwas mehr als zehn Stunden Schlaf bei Temperaturen um die 0 °C. Auch am Sonntag fand ich Kaffee bei einem anderen Handwerker (und später wie üblich mit der kleinen Thermoskanne an der Taverne), einen zu kraulenden Kuschelhund (von etwas mehr als 100 kg) und schließlich auch ausreichend Motivation für den Tag. Sonntag Judika nämlich. Trocken, sonnig, ab und zu auffrischender Wind. Wieder viel interessiertes Publikum. Aber auch unter Marktleuten wurde noch viel gescherzt und besprochen.

Das Wochenende war gut und voll. An beiden Markttagen ohne Zeit für das Fedi­verse oder den Blog. Schließlich wurde alles, das für die Besucher nicht sichtbar ist, am Sonntagnachmittag schon zusammengepackt. Zwanzig Minuten vor Schließung begann auch das allgemeine Wegräumen in allen Zelten, an allen Ständen. Und mit dem Abbau war ich schnell: Nach einer Stunde war alles im Fliewatüüt; vor mir lagen nur noch zwei Stunden Heimfahrt.

Ja, sicher habe ich die interessantesten Begebenheiten hier nicht aufgeführt, und es gibt gute Gründe dafür. Den gestrigen späten Abend und den heutigen Tag habe ich auch dazu genutzt, wieder im Hier und Heute anzukommen (die Montagsroutine half mir sehr dabei, weil sie eben heute nicht nur Routine war). Und in zwei Wochen bin ich wieder unterwegs …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


© 2026 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter #BruderEmil, 2026, Erlebtes | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

075.2026: Uffzele

Den erzgebirgischen Ausdruck suchte ich zuerst vergebens.

 

Einmal mehr habe ich etwas Notwendiges geschafft: Bis auf den Rucksack ist der Krempel fürs Wochenende seit gestern im Fliewatüüt verstaut, auch das getrocknete Zelt. Daher das „Uffzele”.

Heute war dann noch der Abwasch zu erledigen. All der Kleinkram in den Rucksack zu packen. Überall der Strom auszuschalten. Meine Lustlosigkeit auszuhalten. Ja, die ist immer da in den letzten Stunden, ehe ich mich ins „Mittelalter” aufmache. Das kenne ich, das gehört dazu, das muß so sein (nun, eher nicht, aber es ist nunmal, wie es ist).

Jetzt ist alles erledigt. Ich werde den Rechner herunterfahren und die Peripherie abziehen, den Rucksack und den Müll nehmen. Hinab, hinaus, hinfort. Irgendwann am Nachmittag wird ein eingerichtetes Zelt in Schloß Wildeck stehen. Vielleicht schaffe ich es sogar, das dort befindliche Museum von innen anzusehen. Und wenn ich gleich im Fliewatüüt sitze, dann kommt auch die Vorfreude zum Tragen, die auf nette Menschen und Tiere, auf interessante Gespräche und Begegnungen und auf besonders langen Schlaf in den Nächten.

Ach: Auf besseres Wetter als vorige Woche hoffe ich. (Und dann doch Erzgebirgisch: „Färrdich” – jedenfalls in der Gegend, aus der ich stamme.)

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


© 2026 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter #BruderEmil, 2026, Erlebtes | Verschlagwortet mit , , , , , | 2 Kommentare