2025 – 060: Müdigkeit

Trotz allem war es ein ziemlich normaler Tag.

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Heute wurde ich nach acht Stunden und zehn Minuten Schlaf ohne einen Wecker wach. Draußen war es grau, noch längst nicht taghell. Wie jeden Morgen sorgte ich für ausreichend Kaffee, nahm meine Pillen, aß einen Keks und saß kurz, wirklich kurz am Rechner. Die Müdigkeit wich nämlich nicht von mir, deshalb zog ich den Mittagsschlaf vor, machte also einen Vormittagsschlaf. Der sich dann über fast fünf Stunden hinzog.

Ab und zu tauchte ich dabei in luzide Träume ein und registrierte sonderbare Geräusche. Ein Spielmannszug zog in einem der Träume unten vorm Haus vorbei bzw. sogar mehrmals ums Haus herum. Zwei mögliche Erklärungen fielen mir im Traum ein: Heute beginnt der Ramadan – aber wird das so lautstark gefeiert? Oder ein Faschingisten-Verein probt für die für Montag vorgesehene Störung des städtischen Nahverkehrs (genannt Rosenmontagszug). Nun, es waren luzide Träume, ich stand nicht auf und sah nach.

Selbst, als ich am Nachmittag meine Schlafstatt verlassen hatte und mich verspätet den täglichen Routinen widmete, sah ich nicht nach der Ursache des noch immer anhaltenden Tschingdarassabumm. Irgendwann bemerkte ich nur, daß es aufgehört hatte. Das allerdings erst, als die zweite CD komplett angehört war (Umbra et Imago: Mea Culpa, nach Deine Lakaien: Forest Enter Exit). Ich denke, gegenüber im Gelände des Vereins wurde Fleisch Ade geprobt. Die Zwangsluschtichkeit stört mich übrigens überall, ich konnte nur als wirklich kleines Kind etwas mit diesem Brauchtum anfangen – und Morgenradio mit scherzenden, witzelnden Menschen macht mir auch keinen Spaß (mehr).

So verging der Sonnabend darüber, daß ich amSchreibplatz saß und mich um ein Märchen bemühte, das ich endlich einmal fertigschreiben möchte. Es ist wieder nicht gelungen, aber einen kleinen Fortschritt gibt es wohl. Für den Abend schnitt ich einen Kopf Salat klein, drei Zwiebeln dazu, rührte mir eine Salatsoße an. Und ja, ich aß Salamibrote dazu, nur der Salat hätte mir nach diesem anstrengenden Tag nicht gereicht.

Ich gratulierte mir – nebenbei bemerkt – auch heute wieder zum Tag der NVA …

 

Erinnerung des Tages:
Eine der besonderen Belobigungen in der NVA war übrigens ein „Foto vor der entfalteten Truppenfahne” – sowas ist heute kaum noch vorstellbar …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 1. März 2025 war ich zufrieden mit dem vielen Schlaf, mit einem kleinen Fortschritt, mit der Schüsseln frischen Salats.


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2025 – 059: Bitter

Ich wartete auf eine Nachricht und war sehr berührt.

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Bitterer Vorschlag

Von nun an bitte ich ich:
mich zu vergessen.
Ich bin nicht nötiger
als Salz und Wind.
Stört dich das Salz,
so zuckere dein Essen.
Stört dich der Wind –
bleib nicht, wo Winde sind.

Heinz Kahlau: Du. Liebesgedichte. S. 52
© Aufbau Verlag, Berlin und Weimar 1970
2. Auflage Lizenz-Nr. 301. 120/235/72 · Bestell-Nr. 610 996 8

 

 

Das ist aus einem der Bücher, die ich Zeit meines Lebens nicht weggeben werde. In denen ich immer wieder lese. Mit denen ich mich tröste, wenn ich – wie so oft – auf Nachrichten warte. Ja, das hätte ich schon oft jemandem schicken, für jemanden rezitieren können, aber jetzt gerade kann ich das nicht. Jetzt will ich das nicht. So verbittert bin ich diesmal nicht, war ich, wenn ich es recht bedenke, noch nie.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich entsorgte heute mehrere Putzmittelreste, die schon seit einigen Jahren ungenutzt bei mir herumstanden.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 28. Februar 2025 war ich zufrieden mit einem kurzen Vormittagsnickerchen, mit dem erledigten Einkauf, mit gelesenem Trost.



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2025 – 058: Wochenendausflug

Ein wunderbarer Plan wird Wirklichkeit.

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Das gemeinsame Wochenende war schon lange geplant, sehr gut vorbereitet – und endlich waren sie unterwegs. Die Fahrt verlief zum größten Teil schweigend, sie fragte sich, ob das so bleiben würde. Denn die Voraussetzungen für dieses gemeinsame Wochen­ende hatten sich ja leider ganz plötzlich geändert. Ihr Freund war mit seinem Fahrrad gestürzt, er und ihr gemeinsamer Sohn waren mit Knochenbrüchen und Abschürfungen ins Kranken­haus gekommen. Sie sollte sich keine Sorgen machen (Ha! Als ob das möglich wäre, wenn ihr Kind betroffen ist!) und eben alleine mit den Freunden das Wochenende verbringen. Nach einigem Hin und Her hatte sie schließlich nachgegeben, nicht ohne den Eindruck des Bedauerns bei ihm zu hinterlassen. Allerdings …

Und jetzt? Ohne ihren Freund und das Kind war die Situation viel zu verführerisch und zu eindeutig. Es war ihrem Kerl vielleicht nicht aufgefallen, weil der kein Gespür für erotische Signale hatte. Doch sie bemerkte schon seit einiger Zeit, seit allen klar war, daß dieses gemeinsame Wochenende stattfinden würde, deutliche, eindeutige Blicke von den beiden, mit denen sie jetzt im VW-Bus saß. Und auch die eine oder andere der Bemerkungen war eindeutig zweideutig zu verstehen. Das Schweigen war eher gespannt als peinlich oder aus einem Unwohlsein heraus begründet

Im Ferienhaus erschien es ihr direkt nach der Ankunft jedenfalls viel zu warm. Nicht nur ihr, wie sie bald darauf feststellte. Das kam ihren heimlichen Wünschen allerdings sehr entgegen …

 

 

Nein, ich glaube nicht, daß das zur Geschichte der Lustschreiberin gehört – aber so ganz sicher kann ich da nicht sein, oder?

 

Erinnerung des Tages:
Es gibt eine, eine sehr schöne, aber ich trau mich nicht, die hier zu erwähnen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 27. Februar 2025 war ich zufrieden mit zwei wieder funtionstüchtig gemachten Füll­feder­haltern, mit einer überwundenen Traurigkeit, mit Leberkäse mit Spiegelei.


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2025 – 057: Bezirksinspektor

Nein, das wird ganz sicher keine Amtsanmaßung.

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Obwohl ich mit länger- und langfristigen Plänen meine Schwierigkeiten habe, faßte ich heute einen solchen. Und das kam so:

Aus irgendeinem Grund, der mir entfallen ist (stimmt nicht, es waren gestern im #Fediversum gesehene Reisepläne), sah ich, der ich aus dem Bezirk Karl-Marx-Stadt komme, mir heute den Bezirk Halle ein wenig genauer an. Immerhin lebe ich jetzt … aber nein, das ist zu verwirrend.

Vierzehn Bezirke gab es im kleinen Land, die 1952 aus den Ländern gebildet wurden, vierzehn. Berlin, Hauptstadt der DDR, war den Bezirken gleichgestellt, wurde aber – soweit ich mich erinnere – nie offiziell als Bezirk bezeichnet. Und dennoch hörte und hört man allerorten immer wieder: Die DDR war in 15 Bezirke gegliedert. Ich lebe seit über 20 Jahren im Gebiet des Bezirkes Halle. Ich weiß sogar noch, daß Fahrzeuge aus diesem Bezirk KfZ-Kennzeichen hatten, die mit K oder V begannen. Daß man aber in der DDR anhand der Buchstabenpaare auch erkennen konnte, zu welchem Kreis ein zugelassenes Fahrzeug gehörte, erfuhr ich auch erst heute.

Zurück zum Bezirk Halle. In ihm gab es drei Stadtkreise: Halle, Dessau und sogar Halle-Neustadt [das war mal ein eigenständiger Kreis und ist heute nur noch Stadtteil von Halle (Saale)]. Diese drei Orte kenne ich, denn auch in Dessau war ich schon mehrmals. Aber dann waren da noch 20 Kreise mit 19 Kreisstädten. Die Kreise waren mit einer Ausnahme nach eben diesen Kreisstädten benannt. Bis auf den Saalkreis nämlich, einem von nur zwei Kreisen in der gesamten DDR, die nicht nach ihrer Kreisstadt benannt wurden (Halle/Saale war Kreisstadt, der andere Kreis war der Kreis Rügen, Bez. Rostock.) Einer der damaligen Kreise liegt heute außerhalb von Sachsen-Anhalt (das ganze Bundesland hat zur Zeit elf Landkreise und drei kreisfreie Städte), alle anderen schon.

Das ist, was ich mir vorstellen kann: Ich werde versuchen, in diesem Jahr alle 19 dieser Kreisstädte einmal zu besuchen. Artern, Aschersleben, Bernburg, Bitterfeld, Eisleben, Gräfenhainichen, Hettstedt, Hohenmölsen, Köthen, Merseburg, Naumburg, Nebra, Quedlinburg, Querfurt, Roßlau, Sangerhausen, Weißenfels, Wittenberg und Zeitz. Einige der Städte kenne ich schon, in einigen war ich auch schon als Marktmönch, eine der Städte wurde „eingemeindet”. Mal sehen, ob ich jeweils die Gebäude des Rates des Kreises finde, jedenfalls die Hauptgebäude, denn auch in der DDR waren Verwaltungen durchaus auf mehrere Standorte (allerdings in einer Stadt) aufgeteilt. Das heißt, ich werde an 19 Tagen unterwegs sein und auf die Suche nach der Vergangenheit gehen. Zudem habe ich vor, Martin Schnuffi #Winkfried Piekso von Stachelhausen III. Edgar immer mitzunehmen.

Und die, die ich in diesem Jahr nicht schaffe, die seh' ich mir dann nächstes Jahr an.

 

Erinnerung des Tages:
In der Badewanne hatte ich eine wohlige Gänsehaut wie beim Live-Konzert von „Pipe meets Organ” am 3. Juli 2011.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 26. Februar 2025 war ich zufrieden mit positiven Meldungen zur Gesundheit, mit einem angenehm kurzen Pflichttermin, mit entspannender Musik während der Zeit in der Badewanne.


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2025 – 056: Lustschreiberin

Keinesfalls pornographisch erscheinen dürfende Pornographie.

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Woanders lese ich: Einfach drauflosschreiben. Wenn ich ehrlich bin, tu ich das jeden Tag. Und wirklich jeden Tag hoffe ich darauf, daß ich in den … daß die Worte zu fließen beginnen. Das tun sie, täglich. Doch nicht immer entsteht Text, den ich für herzeigbar halte. Nun, ich schreibe (fast) alles mit Tinte auf Papier. Deshalb bleibt nichts übrig, das auf „privat” gestellt bleiben muß im Blog; was nicht herzeigbar ist, tippe ich nämlich nicht ab. Das heutige aber …

 

 

Etwas für sie soll ich schreiben, nur für sie. Und es soll ihr Lust machen, ihre Lust vergrößern. Sie wird, so sagt sie, es an jedem Abend hernehmen und lesen, an dem sie nicht mit mir zusammen­sein kann. Aber Pornographie soll es um Himmels Willen nicht sein. Erotik, ja, Andeutungen, ja. Aber bitte auch keine Worte, die sie stören; und es sind viele deutliche, explizite Worte und viele blumig umschreibende oder fachwissenschaftliche Worte, die sie die Lust verlieren lassen. Je nun, wie bezeichne ich denn jetzt alles, was unter der Gürtellinie zu finden ist? Welche Worte kann ich für die wachsende Erregung und Bereitschaft nutzen? Wenn ich all das, was mich erregt, was mir gefällt, gerade nicht verwenden darf?

Auch mir widerstrebt es zum Beispiel, Yoni und Lingam zu sagen oder zu schreiben. Das ist meiner Lebenswelt völlig fremd, in der heißt das eher … Ach ja, ich soll ja nicht. Aber damit geht es doch schon los; denn wenn ich den Fuß nicht Fuß, nicht Gehwerkzeug und auch nicht untere Extremität oder Pes (Mz.: Pedes) nennen darf: Muß ich dann Schuhinhalt bemühen!? Und all die Verben (für die Spätgeborenen: Tunwörter)! Eine mögliche Leserin und ein möglicher Leser können sich mein Dilemma vielleicht vorstellen. Meine Aufgabe lautet: Schreibe mir einen Porno, ohne pornogra­phisch zu werden – und wage es nicht, mir mit Fachwörtern oder irgendwelchen blumigen Umschreibungen zu kommen!

Seit Tagen sitze ich vor dem Papier und sammle Worte. Versuche zu sammeln. Finde aber keine. Kann mir keine vorstellen, die ihren Ansprüchen genügen könnten. Und das Schlimmste für mich in dieser Situation: Ich weiß, daß sie selbst die Wörter, die sie mir sozusagen verbietet, liebend gern benutzt, wenn wir miteinander sind.

Vielleicht reicht es, wenn ich … Hm. Wir haben ja so einige Dinge numeriert.

Also hier, nur für Dich: Eins. Drei, vier, sechs. Zwei, fünf, sechs, acht.

Langsam, Liebste:
Eins.
Zwei.
Drei.
Vier.
Fünf.
Sechs.
Sieben.
Acht. — Kurze Pause? Nein?
Neun.
Zehn.
Elf. — Ach, wie schön das ist.
Zwölf.
Zwölf, Liebste.

 

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Zum Öffentlichen Bücherregal brachte ich heute 59 Bücher, davon 23 aus der sogenannten Schwarzen Reihe (Spektrum, Verlag Volk und Welt).

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 25. Februar 2025 war ich zufrieden mit dem Geschriebenen, mit den angenähten Knöpfen, mit den vielen weggegebenen Büchern.


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2025 – 055: Schönes

Heut' ist mir poetisch zumute.

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Nach diesem Wahlsonntag (meine Nachbarschaft hat mich schockiert und ent­täuscht) kann ich aber nicht selbst ein „schönes” Gedicht schreiben; ich versuchte es, brachte aber nur Unschönes zustande. Doch weil ich gerade wieder Bücher aus­sortiere, weiß ich, wo auf Anhieb welche zu finden sind. Und siehe: Ein Bild vor mir, gemalt nur mit wenigen Worten:

 

 
Am See
 

Mittagsstunde. Sommerfriede.
Seelenruhe. Märchenwetter.
Alles schweigt, und nun verstummen
Selbst die Silberpappelblätter.

Fast zu unbewegt dies Inbild.
Dieser Inbegriff zu leise.
Wärn da nichtder Sprung des Fisches
Und des Wassers leichte Kreise.

 
Robert Gernhardt: Reim und Zeit. Gedichte. S.134
Jubiläumsausgabe Reclams Universal Bibliothek Nr. 1111
© 1990, 2009, 2017 Philipp Reclam jun. GmbH & Co. KG, Stuttgart
ISBN 978-3-15-011111-6

 

 

Irgendwer nannte Robert Gernhardt einmal den legitimen Nachfolger Brechts. Doch er ist ganz sicher nicht nur das gewesen. Für mich ist er auch ein Poet, der mit seinen wenigen Worten Welten zu erschaffen vermochte, in denen ich mich tagelang versenken kann. Und das da oben: Das ist eines von diesen wundervollen Gedichten.

 

Erinnerung des Tages:
Das erste Gedicht, daß ich je von Robert Gernhardt las, sandte mir eine Netzbekannte 1993 (?) zu – ich weiß nicht mehr, wie es hieß, doch in meiner Erinnerung beschrieb es eine vorbei­flie­gende? italienische? Landschaft. Ja, ich wünsche mir grad ein besseres Gedächtnis.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 24. Februar 2025 war ich zufrieden mit dem Bummel durch einen Discounter, mit den zur Weggabe vorbereiteten Büchern, mit einer großen Sehnsucht in mir.



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2025 – 054: Rohfassung

So sehen Texte aus, die bei mir entstehen.

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Ich zeig euch wieder, womit es bei mir täglich anfängt, wie hier erscheinender Text vor dem Abtippen aussieht. Unter dem Bild ist der Text wiedergegeben.

 

Eine Seite aus meiner Immerdabeikladde, beschrieben in Kurrent. Den Text gebe ich im Blogbeitrag wieder.

Anfang der heutigen Notizen.
Es ist meine tägliche Handschrift; lateinische – also heute übliche – Buchstaben machen mir mittlerweile Mühe. (Fremdworte wurden in den deutschen Schriften i. d. R. in lateinischen Buchstaben wiedergegeben, so wie es hier in meinem Text zu sehen ist.)

 

Wieder fehlt ein Tag. Nicht, weil ich nichts erlebt habe, auch nicht, weil ich nichts vom Erlebten für aufschreibenswert hielt. Mir fehlte die Lust, das Bedürfnis, all das aufzuschreiben. Aus diesem Grund ist meine Kladde auch kein Tagebuch (was sie auch nicht ist, weil ich auch andere Texte hineinschreibe). Bei den Beiträgen zu meinem Blog (bzw. zu meinen Blogs) klappt das tägliche Schreiben weitaus besser. Und ich weiß nicht, woher der Unterschied kommt.

Es gibt immer wieder Momente, in denen ich mir die Disziplin (und die Inspiration) anerkannter Schriftstellerinnen wünsche. Was wäre ich an Romanen, Erzählungen und Novellen zu schaffen in der Lage! Nicht nur Anfänge, kurze oder gar winzige (Senryū) Schreibereien. Es stimmt (leider) auch, daß ich immer wieder die Lust ver­liere, an längeren Notizen weiterzu-„arbeiten”, entworfene Anfänge zu irgendeinem Ende zu bringen.

Und da sehe ich eine Parallele zu meinem Leben: Ich fürchte an allem ein Ende. Nicht meinen Tod, nein, aber den letzten Vorgang, der zum Tod führt: das Sterben. Und gestern beim Sch[l]auchtauchen wollte, konnte ich auch kein rechtes, mir wirklich passendes Ende finden. Heute denke ich, daß ein richtiger cliff hanger viel besser gewesen sein könnte.

 


 

(Hinweis: Die im Text in lateinischen Buchstaben notierten Worte habe ich kursiv ausgezeichnet. Und es fehlen im Notat einige i-Punkte …) Das also steht da nieder­ge­schrieben. Nichts davon belastet mich aktuell; es ist einfach nur mein schriftlich festgehaltener Gedankenfluß. Denn ich bin zur Zeit recht zufrieden mit meinem Leben, mit meinem Schreiben, mit meinem Denken. Und meine Ängste, zumindest die, die ich kenne, lähmen mich nicht (mehr), so wie sie es zu Zeiten der manifesten akuten Depression taten. Ich habe später weitergeschrieben, nachdem ich diese Seite fotogafierte. Da finden sich dann aber Sätze, die ich hier nicht herzeigen möchte.

Wäre das Notierte von Anfang an für den Blog vorgesehen gewesen, hätte ich übrigens mit grünem Stift geschrieben; schwarz ist für das Tagebuch reserviert. Es geht in meiner Kladde also einigermaßen bunt zu, denn ich scheibe auch rote und blaue Sätze auf. Ach ja: Der fehlende Tag fehlt nur in dieser Kladde, nirgends sonst. Den gestrigen Blogbeitrag schrieb ich aus einer Laune heraus auf Zetteln.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Auch an einem Sonntag ist Altpapier in den Container zu bringen möglich gewesen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 23. Februar 2025 war ich zufrieden mit sortierten Bildern, mit aussortiertem Altpaier, mit dem teilweise ausgeräumten Fach im Bücherregal.


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2025 – 053: Schlauchtauchen

Gewerbehofhinterhofhundeausführkrimi. Mit Happy End.

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Nur selten gehe ich auf der abendlichen Runde mit Waltrud von der Asseburg – eine Riesenschnauzerin, die auf ihren vollen Namen besteht, wenn sie einem Kommando gehorchen soll – hinten herum um den kleinen Gewerbehof. Heute sind wir früh genug, um die fünfzehn Minuten zusätzlichen Wegs zu schaffen. Plötzlich aber bleibt der Hund knapp vor mir wie angewurzelt stehen, höchste Anspannung im Körper, bereit, jederzeit loszujagen. Die Ohren aufgestellt, witternd, den Blick zum nicht eingezäunten Hinterhof der Fahrradwerkstatt vom alten Zausel gerichtet. Sie knurrt sehr, sehr leise, und signalisiert mir damit irgendetwas Ungewöhnliches. Und ja, da war vor wenigen Sekunden ein dumpfes Geräusch; aber ich konnte es nicht zuordnen, nichteinmal die Richtung, aus der es kam, war für mich einigermaßen sicher festzustellen.

Ich fasse Waltruds Leine kürzer und wir gehen in die Richtung, in die sie mich zieht. Was nimmt der Hund wahr, daß ich noch nicht entdecken kann? Außerdem stehen hier hinten nur schrottreife, nicht mehr zu gebrauchende Fahrradteile, also kaputte Rahmen, Räder mit ikonischen Achten, einige Kisten mit unbrauchbarem Kleinschrott und eine ziemlich große Holzkiste, in der der Zausel Reifen und Schlüche und anderes Gummizeug sammelt. Wer von hier hinten Altmetall entwenden will, muß jedes Teil gut sechshundert Meter weit tragen, durch einen schmalen Gang zwischen zwei Grundstücken bis vor an die Straße. Also rechne ich nicht damit, auf Schrottdiebe zu treffen. Eher wird sich ein Tier hierher verirrt haben. Aber es muß etwas sein, das die Instinkte meiner Hündin weckte und fast ihre ganze Aufmerksamkeit beansprucht.

Ich räuspere mich und rufe ein zaghaftes Hallo in den Hof. Etwas raschelt. Ich sage laut, daß ich den Hund von der Leine lassen und ihn nach einem Dieb suchen lassen werde. Da taucht eine Gestalt in der Gummikiste auf. Ob ich den Hund wiklich losmache, fragt der schmächtige Kerl mich. Er habe doch nur zwei oder drei sehr schmale Rennradschläuche gesucht, aus denen er sich etwas basteln will. Aber heute noch basteln will – und deshalb kann er nicht bis übermorgen warten, um den alten Zausel am Montag selbst darum zu bitten. Und wenn er etwas von dem Weggewor­fenen nimmt, dann ist das doch kein richtiger Diebstahl. Außerdem käme hier hinten nie jemand vorbei und es sei das erste Mal, daß jemand ihn hier im Hof entdeckt hat. Während wir miteinander sprechen, steigt der, der den Gummimüll durchsucht hat, aus der Kiste heraus. In der Hand hält er wirklich nur zwei Schläuche, mehr brauche er sowieso nicht und jetzt würde er gerne heimgehen, wenn ich dafür sorge, daß er unbeschadet an meinem Hund vorbeikommt.

Ich lasse ihn gehen. Was soll ich auch anderes tun? Wenn ich neben dem Discounter im Ort Menschen sehe, die Lebensmittel aus den Containern retten, sympathisiere ich ja auch mit denen und rufe nicht die 110 an, um einen Diebstahl anzuzeigen. Und so, wie ich die Lebensmittelretter für mich eher Mülltaucher nenne, so habe ich heute meinen ersten Schlauchtaucher auf frischer Tat ertappt. Beim Schlauchtauchen. Über eines ärgere ich mich aber doch: Ich habe den Hänfling nicht gefragt, was er denn aus den dünnen Fahrradschläuchen machen will. Ob das was mit Sadomaso zu tun haben wird?

 

 

Inspiriert hat mich heute morgen ein Trööt von Irgendlink (der da: Irgendlink tröötet im Fediversum). Da war bei mir sofort der Tube-Diver und gleich danach der Schlauch-Taucher da. Keine zehn Minuten später begann ich schon, diesen Text zu verfassen. Danke für den Anstoß. — Irgendlink betreibt auch mehrere Webseiten, auf denen er unter anderem über seine Abenteuer als Radreisekünstler berichtet. Die erste Anlaufstelle dafür ist wohl Irgendlink. Artist in Motion.

 

Erinnerung des Tages:
Winkfried zog vor ziemlich genau neun Monaten bei mir ein, ich seh ihn noch heute traurig im Regal sitzen …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 22. Februar 2025 war ich zufrieden mit dem Besuch mit #Winkfried bei Meister Yoda (ein Grafitto), mit fast vier Stunden draußen unterwegs, mit Käseknacker zum Abend.


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2025 – 052: Blau

Spontane Reimerei über ein altes Frühlingsgedicht.

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Frühling läßt sein blaues Band …
Blau? Grad jetzt in diesem Land?
Alles, aber doch nicht Blau.
Zartes Grün! Ein lichtes Grau!
Oder Apricot und Mauve?
Weil: Zur Zeit ist Blau echt doof …

 

 

Es gibt Gebrauchsgrafik und Akzidenzendruckerei – kann das von mir Stegreif-Gereim­te als Gebrauchslyrik bezeichnet werden?

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Eine erkleckliche Anzahl an Stiften und zwei große Taschen Altpapier wurden in die Container gebracht.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 21. Februar 2025 war ich zufrieden mit dem Wissen über die Vor-Dem-Haus-Katze, mit den alten Fotos von mir, mit einer frühabendlichen Zeit der Melancholie.


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2025 – 051: Ohrwurm

Aber bei #NotJustSad eben ganz anders …

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„Es geht ein dunkle Wolk herein …”

Alles grau. Alles. Himmel, Straßen, Wiesen, Menschen, Tiere. Grau. Einheitlich grau, seit auch das Licht diffus und grau ist.

Ich vermisse die Farben nicht. Was soll das auch sein: Farben? Irgendwie habe ich das Wort noch in meiner Erinnerung, nur das Wort, nichts anderes. Ich habe auch keine Idee, wobei Farben eine Rolle spielen könnte. Braucht die jemand? Wozu?

Ah. Aaaaaah. Das Grau tut so gut. Nichts blendet mich. Wobei: Was ist Blenden? War das was mit Photographie? Oder mit Spiegeln? Verdammt, warum erinnere ich mich nicht? Andererseits: Es war und ist wohl völlig unwichtig.

„ … wohl in das grüne Gras.”

 

 

 

Keine Sorge, bitte. Der Text entstand während oder kurz nach der Therapie in der Tagesklinik, mir geht es aber gut. Als ich heute vormittag plötzlich dieses Lied im Ohr hatte, suchte ich ihn heraus. Und ich denke, er beschreibt einen Aspekt meiner Depression ganz gut. Fehlende Farben sind sicher unvorstellbar für viele, doch das war mein Empfinden zu jener Zeit (an die ich mich erinnern kann).

Und das Lied ist schön, ich sang es gern und singe es noch immer hin und wieder. Und es hat für mich wirklich nichts depressives, nichts mit der Losigkeit zu tun. Obwohl es um einen Abschied geht, gehört für mich zu dem ein Wiedersehen dazu.

 

Erinnerung des Tages:
Manchmal vermisse ich meine Schwalbe, die mich einige Jahre überall hinbrachte, wo ich hinwollte (1978 bis 1984).

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 20. Februar 2025 war ich zufrieden mit den Lebkuchen zum Kaffee, mit weiteren 300 g hand­gemahlenem Kaffee, mit der Zeit an den Ententeichen (nur Futter verteilt, nichts fotografiert).


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