Heut' ist mir poetisch zumute.
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Nach diesem Wahlsonntag (meine Nachbarschaft hat mich schockiert und enttäuscht) kann ich aber nicht selbst ein „schönes” Gedicht schreiben; ich versuchte es, brachte aber nur Unschönes zustande. Doch weil ich gerade wieder Bücher aussortiere, weiß ich, wo auf Anhieb welche zu finden sind. Und siehe: Ein Bild vor mir, gemalt nur mit wenigen Worten:
Am See
Mittagsstunde. Sommerfriede.
Seelenruhe. Märchenwetter.
Alles schweigt, und nun verstummen
Selbst die Silberpappelblätter.
Fast zu unbewegt dies Inbild.
Dieser Inbegriff zu leise.
Wärn da nichtder Sprung des Fisches
Und des Wassers leichte Kreise.
Robert Gernhardt: Reim und Zeit. Gedichte. S.134
Jubiläumsausgabe Reclams Universal Bibliothek Nr. 1111
© 1990, 2009, 2017 Philipp Reclam jun. GmbH & Co. KG, Stuttgart
ISBN 978-3-15-011111-6
Irgendwer nannte Robert Gernhardt einmal den legitimen Nachfolger Brechts. Doch er ist ganz sicher nicht nur das gewesen. Für mich ist er auch ein Poet, der mit seinen wenigen Worten Welten zu erschaffen vermochte, in denen ich mich tagelang versenken kann. Und das da oben: Das ist eines von diesen wundervollen Gedichten.
Erinnerung des Tages:
Das erste Gedicht, daß ich je von Robert Gernhardt las, sandte mir eine Netzbekannte 1993 (?) zu – ich weiß nicht mehr, wie es hieß, doch in meiner Erinnerung beschrieb es eine vorbeifliegende? italienische? Landschaft. Ja, ich wünsche mir grad ein besseres Gedächtnis.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
P.S.: Am 24. Februar 2025 war ich zufrieden mit dem Bummel durch einen Discounter, mit den zur Weggabe vorbereiteten Büchern, mit einer großen Sehnsucht in mir.


Ich habe solche Nachbarn auch, lieber Emil. Geredet habe ich, jede Gelegenheit genutzt. Es ist ermüdend. Noch ist es hier, wo ich wohne in der Gesamtheit anders, aber wie lange noch. Das Ungute ist längst auch hier angekommen.
Grüße schicke ich in die Stadt nicht weit weg von meiner.
Ich weiß nicht, wer konkret falsch abgebogen ist; die ganze Stadt jedenfalls hat dafür gesorgt, daß das Wahlergebnis braun aussieht.
Lichtblick im ganzen: Ich werde bald auch Dosenöffner und Napffüller für die Vor-Dem-Haus-Katze, die ein Kater ist, sein.
Hehe, du bist eben ein guter Mensch, Emil. Vielleicht kommt er irgendwann zum Aufwärmen mit hoch. Mein Gastkater macht mir große Freude. Er kommt jetzt immer jeden Tag vorbei, hüpft auf den Balkon und klopft an die Tür.
(Unser Wahlkreis ist wie ein Leuchtturm in der Dunkelheit, aber wie lange noch.)
Nein, der kommt nicht ins Haus, auch nicht, wenn er gelockt wird. Selbst Kraulen wird nur selten gestattet, sagen die, die ihn immer versorgen.
Ich habe solch ein Ergebnis erwartet, wenn auch auf ein anderes gehofft. Ein Lichtblick ist, dass trotz meiner überwiegend blaubraunen Nachbarschaft, jeder fünfte Berliner links gewählt hat und wir wieder mal ein Inseldasein führen.
So schlimm, so übel konnte ich es mir nicht vorstellen hierzustadt …