2025 – 184: Sehnsuchtsvoll

Ich träume von einem Naturphänomen.

 

Und kurz vorm Veröffentlichen fällt mir noch eine Variante ein, die ich vorher nicht gesehen hatte. Die habe ich dann unten ergänzt.

 

 

All die Tautröpfchen
Vergänglich im Sonnenschein
Glitzernde Pünktchen

Kurze Zeit auf der Wiese
Ein leuchtendes Sternenfeld

Ein Tanka.

 

 

Ich erinnere mich an die Kühle eines Morgens, an dem das zu beobachten ist. Auch an die angenehme leichte Erwärmung, die die aufgehende Sonne verbreitet. Und in mir breitet sich eine Sehnsucht aus, die mir die stehende Hitze (Demse/Demmse/Dämmse) nicht leichter erträglich macht … Und doch ist es eine romantisch schöne Vorstellung.

Na sowas: Das ist schon das zehnte Tanka, das ich in diesem Jahr hier herzeige. Hätte ich die letzten beiden Zeilen weglassen sollen? Dann würde es wohl so aussehen:

    All die Tautröpfchen
    Vergänglich im Sonnenschein
    Ein Sternenfeld glänzt

Dann wäre es ein Haiku oder ein Senryū, nein, es ist ein Haiku. Und das entstand sozusagen nebenbei. Wirklich erst im Prozeß des endgültigen Fertigmachens zum Veröffentlichen.

 

Erinnerung des Tages:
Im tiefsten Winter glitzerten Eisblumen an den Fenstern der Riesenberger Häuser im Sonnen­auf­gang über kniehohem Schnee.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 3. Juli 2025 war ich zufrieden mit der normal sommerlichen Temperatur, mit Geschrie­benem, mit dem Zitronensorbet.


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2025 – 183: Zustandsbeschreibung

Gleich auf der zweiten Seite eines Buches gefunden.

 

 

Wir sollten ehrlich bekennen: Die Rätsel der Erde sind noch nicht gelöst, obwohl wir längst aufgebrochen sind, den Himmel zu stürmen. Die alte Moral und Menschlichkeit haben ausgedient, nun sind wir dabei, uns neu einzurichten. Es ist nicht einmal sicher, ob ein Mann und eine Frau weiter so zusammenleben können wie bisher. Nur Kinder werden geboren wie eh und je, Familien sind brüchig, viele Ehen tot. Weder die Wohnungen noch die Kleider, Schuhe, Straßen, Transportmittel, gleich gar nicht die Städte sind so, wie wir's uns wünschen. Es gibt noch unheilbare Krankheiten, unbewässerte Felder und unbeachtetes Wissen, Können, Talent. Es besteht der Zwang, kostspielige und mörderische Waffen zu schaffen und sie nach wenigen Jahren durch noch kostspieligere und mörderischere zu ersetzen, damit nichts Schlimmes geschieht. Die Musik in den Tanzsälen ist zu laut, die weithergeholten Moden mißfallen uns, und manchmal sind wir von unseren eigenen Kindern entsetzt, die der neuen Art des Zusammenlebens, das wir zu begründen versuchen, gleichgültig oder zweifelnd gegen­über­stehen.

 

 

Ich hatte mich entschlossen, mehr zu lesen, um Ideen zu finden. Den Krimi von Charlotte Link legte ich nach wenigen Sätzen zur Seite. Stattdessen nahm ich dieses Buch zur Hand, das eine maßlose, ungewöhnliche Begegnung eines Professors für Ethik („Moral”) beschreibt, der mit seinen 40 Jahren von einem Tag auf den anderen aus seinem Alltag flieht. Nicht nur diese Sätze regten mein Denkicht an (und viele andere auch meine – zum Teil erotische – Phantasie).

Ein wenig werden sich viele Menschen in den Protagonisten wiederfinden. Auch ich erlebte schon Einiges, sammelte Erfahrungen, das und die mich betroffen machten. Ich mußte deswegen mein Denken und mein Leben ändern, gegen meinen eigenen Widerstand. Es galt auch schon zu genießen, solange das zu Genießende dauerte, und dann nicht nachzutrauern, enttäuscht zu sein von der Endlichkeit des Genusses, der Genießbarkeit. Ja, ich habe mich schon vor vielen Jahren vom Glauben abgewen­det, daß immerwährendes Glück (gleich welcher Art) erstrebenswert oder gar möglich ist.

Doch der zitierte Text wurde von mir aus ganz anderen Gründen ausgewählt.

Ist das nicht eine Beschreibung exakt des Zustands, in dem wir unsere Welt gerade vorfinden? Oder ist der Zustand noch schlimmer, noch hoffnugsloser, als in dieser Zustands­be­schreibung? Ich lese zwischen den Zeilen ein Stöhnen ob der Unab­wend­barkeit und Unveränderbarkeit der Situation. Mancher entdeckt vielleicht sogar Resignation, Dreinfügen in das Gegebene. Und natürlich: am Ende das das Stöhnen über die Jugend, nicht wahr?

Ich bin – allerdings nicht gerade bei dem gegenwärtigen Wetter – nur zu gerne bereit, vieles davon ad absurdum zu führen, vielem davon zu widersprechen, eine laute Musik zu genießen, eine Mode akzeptabel bis angenehm zu finden, Talent und Wissen und Können zu finden und zu verbreiten (wenigstens deren Auswirkungen). In all den anderen Angelegenheiten kann ich versuchen, meinen (kleinen) Teil beizutragen zu allfälligen Veränderungen. Ich kann z. Bsp. Straßen mit einem Greifer verändern, indem ich Müll auflese und dahin werfe, wo er hingehört; die Straße ist dann noch immer nicht so, wie ich sie mir wünsche, aber ein wenig näher meiner Vorstellung, meinem Wunschbild von einer Straße. Und an meiner Moral, an meinem Moralempfinden, meinem Moralverständnis kann ich wohl auch arbeiten – doch ich muß nichts davon dem anpassen, was gerade herrschende Moral genannt wird.

Ja, die Zeit, in der ich jetzt lebe, ist die unsicherste, in der ich bisher je gelebt habe. Die Sätze, die ich oben zitiere, sind aber nicht aus dieser Zeit. Denn sie wurden 1978 veröffentlicht auf Seite 6 im Buch von Eberhard Panitz: Die Moral der Nixe. Eine Sommergeschichte. Erschienen ist es damals in 7. Auflage im Mitteldeutschen Verlag Halle · Leipzig mit der Lizenz-Nr. 444-300/79/86 · 7001 (Best.-Nr. 638 630 8). Und mir scheint, das Zitierte trifft noch immer und vielleicht sogar mehr zu heutzutage.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Heute brachte ich 14 Bücher in einen Öffentlichen Bücherschrank (ich mußte leider draußen unterwegs sein).

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 2. Juli 2025 war ich zufrieden mit der Wirkung meiner Behelfskühlmaßnahmen, mit etwas Aufgetrenntem, mit gefrorenem Joghurt.


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2025 – 182: Zukunft

Eine unschuldige erlernte Utopie, die wohl verloren ist.

 

 

Was kann ich denn guten Gewissens von der Zukunft sagen, die ich gesehen habe? Damals, als Kind? Von der, die so anders sein wird als das, was wir Menschen bisher aus unserer Gegenwart oder Ver­gan­genheit gemacht haben? Immerhin mußte ich miterleben, wie die Gegenwart zur Vergangenheit wurde und die Zukunft zu einer Gegenwart, die nichts, wirklich nichts mit Zukunft gemein hat.

Zukunft wurde abgeschafft, weil die meisten Ideen zu ihrer Gestal­tung abge­tan wurden als Hirngespinste, als bloße Spinnereien von verwirrten Utopisten. Alles sollte bleiben wie bisher und realisierbar sein. Damit wurde entschieden, nichts von all dem umzusetzen, was zu einem Fortschritt hätte führen können. Elektromobilität, wie sie zwischen etwa 1880 und 1910 allgemein anerkannte Technik war, wurde schnell wieder abgeschafft. Schienengebundener Trans­port, also hauptsächlich Eisenbahnen: zurückgebaut. Dazu kamen Monokulturen im Ackerbau, Aufrüstung und immer wieder Kriege, finanzielle Ausgrenzung usw. usf.

Die Menschen wurden erst zu Bürgern und dann zu Konsumenten degradiert, sie verloren zuerst ihre Menschen- und dann auch ihren Bürgerrechte.

Dabei waren in der Zukunft wirklich alle Menschen gleich an Rechten. Und die Pflichten wurden ihnen auferlegt nach dem Maß ihrer Möglichkeiten, Fähigkeiten und Ferigkeiten. Alle trugen dazu bei, das Leben aller Menschen mit der Erde, auf der Erde, für die Erde möglich zu machen. Da stellte sich niemand über seinen Nach­barn oder irgendeinen anderen Menschen. Da war Eigentum an Boden, Wasser, Energie undmöglich. Die Anhäufung von irgend­welchen Reichtümern gab es nur in der Gefühlswelt. Hunger und Notlagen wurden nicht geduldet, Zwang war etwas, das selbstver­ständ­lich ungebräuchlich war (nur in ganz wenigen Ausnahmen war er zulässig und äußerst streng geregelt).

Nein, ich habe diese Zukunft nicht geträumt. Ich habe sie gesehen. Sie wurde mir gezeigt. Und als ich endlich in der Lage gewesen wäre, für sie zu arbeiten … Siehe oben.

 

 

Erinnerung des Tages:
Vor Jahren war ich in der Saale schwimmen, ich glaube, das könnte ich wieder einmal tun.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 1. Juli 2025 war ich zufrieden mit dem langen Schlaf (wieder 12 Stunden), mit dem Weglassen aller ungeliebten Anstrengungen, mit viel kaltem Tee.


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2025 – 181: Frische

Einfach mal nebender Spur – sein und denken.

 

Nach einer knappen Stunde muß ich das Handtuch neu mit kaltem Wasser tränken. Dann legen ich es mir wieder über die Schultern. Ich habe mir einen Ventilator so gestellt, daß ich im Luftstrom sitze. Außerdem steht eine Schüssel mit Kühlakkus neben mir, auch im Luftstrom. Keine Ahnung, ob das wirlich hilft. Aber mir scheint, daß davon ein wenig Frische herrührt.

Nein, Wassermelone mag ich nicht. Und so viel Eis mag ich auch nicht essen (wenn, das eher Sorbet). Nun, zwei Gurken habe ich vorhin in Gurkensalat umgewandelt, auch der war frisch. Angenehm war es heute wirlich nur in diesem einen Discounter, in dem ich die Gurken und ein Päckchen Filtertüten holte.

Morgen werde ich meine Füße wohl in eine Schüssel kalten Wassers stellen über den Tag.

 

Ein frischer Wind wäre jetzt schön. Nicht nur beim Wetter, sondern auch in der Politik überall auf dieser Erde. Endlich wirklich etwas tun gegen die finanzielle (und soziale) Ungerechtigkeit, gegen das Fortschreiten der Erderwärmung, gegen Krieg und Gewalt.

 

Und: Frische Ideen müssen her, ich kann doch nicht die ganze Woche nur über das vom Wetter ausgelöste Mißempfinden schreiben. Also her mit Gedichten von Heinz Kahlau, Kurzgeschichten von Erwin Strittmatter, einem Roman von Charlotte Link. Lesen, lesen, lesen – und nebenher Musik hören, die ich seit Jahren nicht mehr gehört habe. Ein paar von den kurzen Dingen schreiben: Haiku, Senryū, 28er, Tanka, einfache Vierzeiler – einfach nur als Fingerübungen; ja, vielleicht gelingen mir auch ein paar fantasierte Kürzest­ge­schichtchen. Bemühe werde ich mich, denn da ist ja doch ein Ehrgeiz in mir. Und ich werde mich auch nicht davor scheuen, Papier einfach nur vollzukritzeln mit Zeug, das in sich keinen Sinn erkennen läßt (und vielleicht nenne ich das dann Dada). Einfach mal nebender Spur – sein und denken.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Schweren Herzens eine Garnitur völlig verschlissene (fadenscheinige) Bettwäsche in den Müll gebracht.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 30. Juni 2025 war ich zufrieden mit der Kühlung mit einfachen Mitteln, mit weiter­sor­tier­tem Papierkram, mit dem kühlschrankkalten Gurkensalat.


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2025 – 180: Sonntag

Es muß doch etwas Gutes daran zu finden sein.

 

Oh, was war denn das? Ich schlief bis 15 Uhr, d. h. fast sechzehn Stunden am Stück. Aufgestanden bin ich dann erst um Vier. Natürlich gab es auch heute Kaffee und Keks.

Sechzehn Stunden. Ich werde heute wohl nur sechs oder sieben Stunden wach sein, außerhalb der Schlafstatt verbringen. Draußen ist es heute noch wärmer als gestern, das bekommt mir nicht, da bleib ich lieber zuhause. Und ich habe heute auch nicht viel machen können, zum einen wegen der der Wärme und zum anderen hatte ich ja nicht viel Zeit. Einen Text habe ich abgetippt, in dem ich noch einen blöden Fehler korrigieren mußte (da war mir was im Ablauf der Ereignisse durcheinandergeraten), was doch ziemlich viel Arbeit erforderte. Der wird aber nicht hier im Blog erscheinen, nein, ganz sicher nicht.

In der kommenden Woche soll es noch heißer werden (warm ist das nämlich nicht mehr). Ich will das nicht. Vielleicht stelle ich meinen Tagesablauf um und werde nachts aktiv sein. Dann war der heutige Tag der Einstieg in diese Umstellung …

 

Erinnerung des Tages:
Für „Hitzefrei” gab es im der DDR ziemlich strenge Regeln; und es gab viele Schuljahre (1970 – 1982), in denen es das nicht ein einziges Mal gab.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 29. Juni 2025 war ich zufrieden mit dem sehr langen Schlaf, mit dem korrigierten Text.


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2025 – 179: Verlegenheit

Auch eine Frage von Anstand und Moral im öffentlichen Raum.

 

Wenn ich hierzustadt am Ufer der Saale unterwegs bin, zum Beispiel jetzt, bei diesem sommerlichen Wetter, dann kann das manchmal …

Nun, an einigen Stellen liegen Menschen in der Sonne und lassen sich anscheinend bräunen. Nicht irgendwo versteckt hinter irgendwelchen Hecken, sondern vom Weg aus gut sichtbar. Das ist für mich kein Problem, wirklich nicht. Was ich verwunderlich finde, ist meine Verlegenheit bei solchen Anblicken. Denn als Augentier sehe ich mir nackte Menschen sehr gerne an, gerne auch etwas länger als nur einen Moment. Und wenn der Mensch dann weiblich ist, dann geht in meinem Kopf folgendes los: „Spanner. Gehört sich nicht, so genau hinzuschauen. Wow, ein schönes Weib. Ach, würde ich mich nur näher herantrauen. Sieh zu, daß Du den Blick davon lösen und endlich weitergehen kannst. Und laß die Kamera, das ist unanständig.” Ich will ja auch nicht als Spanner verschrieen sein.

Ja wie denn nun? Ist Hinsehen für mehr als einen Augenblick erlaubt oder sollte ich mich schamhaft wegdrehen, schnell weitergehen? Außerdem saß ich schon da auf der Bank im Schatten, als sie kam, sich ungeniert komplett auszog und in die Sonne legte. Was ist moralisches, anständiges Verhalten in einer solchen Situation? Hätte ich fragen sollen, ob sie sich durch meine Blicke gestört oder belästigt fühlt?

(Ich blieb etwas über eine halbe Stunde auf der Bank sitzen, schrieb weiter in meine Kladde und sah doch ab und zu einmal hin. Ich werde eure Kommentare lesen, aber wahrscheinlich nicht auf jeden antworten.)

 

Erinnerung des Tages:
Ich erinnere mich an eine kurze Filmszene (einen Sketch?), da vor einer auf einer Schreib­maschine tippenden Person ein weibliches Aktmodell stand. (Nein, ich finde das einfach nicht im Internet.)

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 28. Juni 2025 war ich zufrieden mit dem Schreiben an der Saale, mit dem weiteren Ausprobieren der Kamera, mit einem Moskauer Eis aus dem магазин (Magazin, russ. für Laden).


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2025 – 178: Ordnung

Sisyphusarbeit beim Kampf gegen Windmühlen.

 

Natürlich stellte ich mir heute die Frage, wann und wobei und weswegen wir (und ich denke, das betrifft sehr viele Menschen hierzulande) unsere Utopien bzw. unseren Glauben daran, unsere Hoffnung darauf verloren haben. Aber ich hatte – zum Glück? – nicht die Gelegenheit, intensiver darüber nachzudenken.

Was beschäftigte mich also heute? Heute habe ich die Papierstapel, also zwei von drei Papierhaufen durchsortiert. Zunächst mal nach Sachgebieten getrennt: Konto­aus­züge, Mietsachen, ARGE bzw. Jobcenter und Arbeitsamt/-agentur. Auch ein wenig Privates befand sich zwischen all dem Papier; von dem aber konnte ich das meiste einfach so wegwerfen oder schreddern (z. Bsp. Ausdrucke von Blogartikeln). Sogar ein Polizeiliches Führungszeugnis war dabei … Den Rest, also den dritten Haufen, werde ich wohl morgen schaffen – und danach geht es an das zeitliche Sortieren und Abheften. Puh.

Außerdem habe ich heute zwei meiner kaputten Hemden und zwei verschlissene Shirts weggeworfen. Ja, auch mein Kleiderschrank braucht dringend eine komplette Revision seines Inhaltes. In diesem Jahr noch. Ach, wenn mir das Loslassen und Wegwerfen bzw. Weggeben nur leichter fallen würde. Aber auch an den Klei­dungs­stücken hängen zumeist sehr wichtige Erinnerungen, wegen denen ich mich eben nicht so leicht davon trennen kann. Und ja, einiges stammt auch noch von meinem Vater … Vielleicht fülle ich zunächst einen blauen Sack mit dem Zeug, bei dem ich mir das Weggeben noch am leichtesten vorstellen kann?

Und immer, wenn ich es geschafft habe, etwas zu ordnen und/oder wegzugeben, sammelt sich die doppelte Menge an Ungeordnetem hier an, so scheint es mir. Denn es existieren schon zwei neue Papierhaufen, um die ich mich kümmern muß. Ja, die habe ich aus einem Schrank herausgeholt – aber in dem ist wirklich kein bißchen mehr Platz als zuvor!

Außerdem macht mir die Aufräumerei zuhause trotz allem ein schlechtes Gewissen. Denn das hindert mich daran, anderes zu unternehmen, beispielsweise Vorhaben in die Tat umzusetzen (Bezirksinspektor!). Ich weiß einfach nicht zu entscheiden, was für mich wirklich wichtiger ist oder sein sollte.

Sonst aber, sonst war heute ein sehr ereignisloser Tag

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Zwei Hemden und zwei Shirts gab ich in den Müll, eine eher ungeliebte (weil viel zu neue) Handkaffeemühle wurde nach kurzer Zeit von jemandem mitgenommen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 27. Juni 2025 war ich zufrieden mit dem Ergebnis des Sortierens, mit einer großen Portion Oliven (die habe ich bis vor ein paar Jahren überhaupt nicht gegessen), mit der vorbereiteten Aufarbeitung eines alten Notebooks.


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2025 – 177: Vision

Wenn ich gewußt hätte, was ich noch erleben muß.

 

Wir malten uns unsere Zukunft aus in fröhlichen, friedlichen Farben. Das Leben sollte für alle leichter, unbeschwerter werden in der Zeit, die vor uns lag.

(Den gestrigen Tag betreffend.) Hitze und Wind, Unwetterwarnungen. Beschädigte Anlagen zur Aufarbeitung radioaktiver Rohstoffe. Zerstörte Wohnhäuser und ganze Straßen­züge in Schutt und Asche. Nur eine Familie (von vielen in ähnlicher Situation) muß 4.000.000.000 € (vier Milliarden) Erbschaftssteuern zahlen. Eine Vielzahl von Drohnen wird im Krieg eingesetzt. Wassermangel in vielen Gegenden. Heftigste Regenfälle und Überflutungen, immer öfter. Bürgergeld wird abgeschafft bzw. in etwas anderes Billigeres und Unsichereres umgewandelt. Preissteigerungen allüber­all. Veruntreuung zieht keine Strafe nach sich. Braune Scheiße soll vom Grundgesetz geschützt sein. Die Versorgung der Menschen muß unbedingt zur Erwirtschaftung von Gewinnen führen. Um den Klimawandel aufzuhalten (oder gar umzukehren), ist es definitiv zu spät – also muß gar nichts mehr getan werden diesbezüglich.

Soso. Und da soll ich noch irgendeine Art von Zuversicht, guter Laune usw. usf. haben können?

 

Doch, ich bemühe mich darum, nicht zu resignieren. Ich schaffe mir Momente, in denen ich eine kleine persönliche Zufriedenheit all dem Mist entgegensetzen kann (siehe gestern). Und Liebe ist auch. Daran klammere ich mich fest. Hoffnung? Ich weiß nicht; auf alle Fälle bitte keine Verzweiflung. Das scheint der Lauf der Welt zur Zeit. So wurde er von uns allerdings nicht erwartet. Das Vorhersehen solcher Umstände ist zum Glück leider nicht möglich.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Eine alte Küchenwage und ein Brotkasten waren nach etwa 30 min im Haus schon wieder weg.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 26. Juni 2025 war ich zufrieden mit den ersten Bildern mit der neuen Kamera (eini­ger­maßen zufrieden, es braucht einige Übung), mit der Sichtung eines Teichhühnchens mit Küken, mit einigen weggegebenen/weggeworfenen Dingen.


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2025 – 176: Sechseinhalb

Ich mußte mich an Weihnachten 2018 erinnern.

 

Seit einigen Wochen schon war ich auf der nicht ernsthaften Suche nach einer anderen Kamera. Denn meine Lumix habe ich jetzt seit sechseinhalb Jahren, wie ich heute beim Suchen in meinem Blog festellen konnte. Nein, sie ist noch nicht kaputt, aber ab und zu gibt es schon einen Wackelkontakt beim Einsetzen der Speicherkarten.

Heute war es jedenfalls notwendig, eine neue schwarze Patrone für meinen Drucker kaufen. Also machte ich mich zum Planeten auf, um dort selbige zu kaufen. (Wie sagen die Hersteller: An unseren Druckern verdienen wir gut – an der Tinte aber verdienen wir uns dumm und dämlich.) Und wie immer schaute ich noch, ob es vielleicht ein neues Tablet (das hier ist auch schon drei Jahre alt und wird gefühlt immer langsamer) oder eine Digitalkamera gäbe, für die ich mich spontan etscheiden könnte.

Nun, bei den Tablets wurde ich nicht fündig. Aber ich nahm heute eine Bridgekamera mit nach Hause zu einem beinahe unschlagbaren Preis. Die ist zwar größer und schwerer als die bisherige, aber das stört mich wenig. Mal sehen, ob mich das neue Gerät dazu verführt, wieder mehr zu fotografieren. Bisher war das bei mir oft so mit neuen Geräten.

Am Ende war ich froh, wieder zuhause zu sein. Es ist eben doch trotz wehenden Lüftchens etwas zu warm bzw. zu schül für mich. Wäh.

 

Erinnerung des Tages:
Wie spannend doch die Fotografie früher war, als der Film noch zum Entwickeln gegeben werden mußte und ich die Abzüge manchmal erst nach mehreren Tagen sehen konnte.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 25. Juni 2025 war ich zufrieden mit dem Einkauf, mit einem Gespräche mit einer unbekannten, aber ebenfalls einen Fächer benutzenden Dame in der Funkenkutsche, mit einem lauwarmen Bad in der Wanne.


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2025 – 175: Passiert

Ein Tag wie ein dicker Nebel oder so.

 

Heute war es wirklich sehr angenehm, was die Temperaturen draußen betraf. Auch in der Wohnung habe ich es wieder etwas weniger warm. Ich saß lustlos vor den Papierhaufen, die sortiert werden müssen, hab die Waschmaschine laufen lassen, ziemlich viel Tee getrunken, und auch wieder viel geschwitzt. Der Kopf aber, der blieb weitgehend leer. Ebenso das Papier, auf dem ich üblicherweise tagsüber notiere, was mir so einfällt.

Auf dem Sportplatz gegenüber landete zur Mittagszeit der Rettungshubschrauber. Nach etwa 90 Minuten hob er wieder ab.

Zu einem Text vermisse ich die Urschrift der ersten fünf Seiten, aber mir fehlte heute wirklich der Antrieb, danach zu suchen. Ich mahlte Kaffee mit der Handmühle. Irgendwann mußte ich dann doch raus, etwas zur Post bringen (Uff! Die Filiale ist seit 30.10.2024 geschlossen – ach so?) und Weniges einkaufen. Auf dem Hinweg schon kostete ich die Kirschen vom Baum (Sauer­kirschen, echt saure Sauerkirschen), auch auf dem Rückweg versuchte ich nochmal drei – sehr adstringierend, diese Früchte. Brrrrrr.

So. Kurz nach Sieben fiel mir erst ein, daß ich meinen Blog heute trotzdem nicht vernach­lässigen möchte. Ich habe mich jetzt sehr beeilt, wenigstens diese wenigen Zeilen dalassen zu können.

Müde bin ich, auch (!) in der Form, die sich durch Schlaf reduzieren läßt.

 

Erinnerung des Tages:
Im Mecklenburger Hof stand ein Baum mit gelben Süßkirschen, gleich neben den Sträuchern der Schwarzen Johannisbeere.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 24. Juni 2025 war ich zufrieden mit meiner Gelassenheit trotz des leeren Kopfes, mit dem Mut zum Kirschenessen, mit dem Fortschritt beim Kaffeemahlen mit der Hand.


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