Ich wurde wach. Machte mir Kaffee, aß statt des Keks' ein Wiener Würstchen. Nahm meine Medikamente und saß wie jeden Tag bei mir zuhause zwei Tassen Kaffee lang vorm Rechner. Danach ziehe ich an meinen Schreibplatz um, lege mir Kladden und Schreibgerät zurecht, stell das Tablet daneben. Spätestens dann dudelt irgendetwas im Hintergrund (meist Internet-Radio, manchmal ZDF). Nach kurzer Zeit findet sich etwas in meinem Denkicht, das ich aufschreibe, wenn nicht, lese ich ein paar Seiten in einem Buch. So bringe ich mich selbst dazu, ins Schreiben zu kommen.
Seit dem Jahreswechsel geht das kaum noch. Ich bin gedanklich viel zu sehr mit der Weltlage und -politik, mit der deutschen Sozialpolitik, mit der Nazifizierung allüberall beschäftigt. Und ich habe Angst, wirklich Angst. (Ja, da ist außerdem noch meine sonderbare Hoffnung, früh genug zu sterben …)
Diese Angst lähmt. Und verursacht ein übermächtiges Gefühl der Ohnmacht, fast die Gewißheit, nichts gegen all die Unbill tun zu können, der Verrohung nichts entgegensetzen zu können. Schlimm. Schlimm für mich, denn es drückt, ich drücke mich so in Richtung Depression. Die Antriebslosigkeit ist schon da, jede Handlung braucht Überwindung und Anstrengung und Umdeutelungen(!), damit ich weiter einigermaßen aktiv bleibe. Aus den Anlaufschwierigkeiten heute kam ich bis grad eben nicht heraus … Aber mit einem Mal war mein Bedürfnis da, genau darüber etwas zu erzählen. Vielleicht bin ich nur ein Sonderling, einer von ganz wenigen Menschen, denen es so oder ähnlich geht. Wahrscheinlich versuchen viele, diesen inneren Zustand – ganz gleich, ob mit oder ohne Depression oder mehr oder weniger „neurodivergent/neurodivers” – lieber zu verbergen vor der Welt, vor den Bekannten, vor Freunden und Bezugspersonen.
Ich kann das heute nicht verstecken, ich muß das mal laut sagen. (Ich lese mir diesen Text gleich noch laut vor, ehe ich ihn abtippe und veröffentliche.) Angst ist doch eine Schwäche, und niemand zeigt freiwillig seine Schwächen, denn das macht angreifbar, nicht wahr? Scheiß drauf. Nicht nur, wes das Herz voll ist, des gehet der Mund über – auch wenn es im Kopf zu turbulent wird, habe ich die Möglichkeit, mich durch Äußerungen zu entlasten (und nicht nur die Möglichkeit, mich zu betäuben). Vor allem: Beim schriftlichen Nachdenken fallen mir letztlich doch noch Dinge ein, die ich tun kann. Nicht unbedingt gegen die Übel der Welt, aber doch für mich, für mein Befinden. Deshalb gehe ich nachher in die „Galerie im Grünen” und bringe von dort mindestens drei Fotos mit, die herzeigbar sein werden. Später werde ich mich an irgendeiner Art Gedicht versuchen, Gebrauchslyrik für mich anfertigen (hoffe ich).
Verzeiht mir die Bauchnabel-Spökenkiekerei
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
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