2025 – 240: Ich habe einen Plan

Zwei meiner Lieblingsbands spielen draußen und ohne Eintrittsgeld.

 

Früher, also vor einigen Jahren noch, gab es auf dem Latrinen- oder Lattenfest (offi­ziell: Laternenfest) hierzustadt einen Mittelalterlichen Bereich, in dem sogar unser Verein immer mal wieder mittat. Naja, das ist Geschichte; was da jetzt Mittel­alter­markt genannt wird, möchte ich nach den Erfahrungen der letzten drei Jahre nicht mehr unbedingt sehen. Aber am Sonnabend werde ich wohl dennoch an die eine Bühne auf der Ziegelwiese, unweit der Fontäne gehen.

Zwei meiner Lieblingsbands sind angekündigt, beide möchte ich gern sehen und hören.

Zum einen ist da Silly (leider schon lange ohne Tamara Danz, sie wird mir bestimmt fehlen). Die erlebte ich in Erfurt in der Kaserne auf dem Steiger im Haus der Armee 1984 zum ersten Mal, später nochmal irgendwo auch draußen ohne Eintrittsgeld. Leider nur zweimal. Und danach ist dann noch Staubkind auf dieser Bühne – ach, die gehören seit meiner Grufti-Zeit zur gern gehörten Musik.

Jetzt hoffe ich, daß es am Sonnabend nicht regnen wird. Und daß ich das lange Stehen ohne Probleme durchhalte. Schon übermorgen … Ich gönne mir den Sonn­aben­dabend auf alle Fälle.

 

Die beiden Konzerte sind da angekündigt (20.30 Uhr Silly, 22.30 Uhr Staubkind), ein Lageplan findet sich im Veranstaltungsflyer.

 

Erinnerung des Tages:
Diesmal nicht mehr vorhandene: Wo sah ich Silly zum zweiten Mal (es könnte auf einem Presse­fest in Karl-Marx-Stadt gewesen sein), und erlebte ich Staubkind überhaupt mal live?

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 28. August 2025 war ich zufrieden mit der neuen Bratpfanne, mit dem Unterwegssein in der Stadt (ich finde keine Fotomotive mehr, hmpf), mit Bratwurst und Brot und Senf am Abend.


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2025 – 239: Eine Liste von Verdächtigen

Das blieb mir von einem der Träume in der vergangenen Nacht.

 

Im Traum war ich wieder Uffz. bei der NVA (Unteroffizier, Nationale Volksarmee) und abkommandiert zum ABV (Abschnittsbevollmächtigten) eines Nachbardorfes. Den sollte ich bei Irgendetwas unterstützen. Die Dienstelle befand sich im Haus, das zu einem großen Teil das meiner Mecklenburger Großeltern war.

Ich erwachte, als ich während eines Streifengangs mit dem Polizisten ein lautes Quietschen hörte (das kam aus der Realität von der nicht weit vom Haus fahrenden S-Bahn und stört mich normalerweise nicht). Und ich notierte, was mir gerade noch gegenwärtig war vom Traum. Auch diese Liste mit den Namen von Verdächtigen, an die ich mich beim Wachwerden erinnern konnte:

  • Jan Ropikat
  • Ines Bewerden
  • Johannes Klackort
  • Erna Deuchel-Knupf

Es ist möglich, daß ich diese Namen schonmal träumte, sie kommen mir durchaus bekannt vor. Natürlich habe ich im Lauf des Tages einige Suchmaschinen bemüht, um etwas über diese Personen herauszufinden. Doch ich fand absolut nichts. Woher kommen diese Namen also? Wahrscheinlich aus meiner Phantasie, die auch schon andere Worte erschuf (auch Namen). Verwirrend auch, daß ich das Gefühl habe, der Traum kann nicht in meine Armeezeit passen; weder die Technik noch die Gebäude waren typisch für die Zeit kurz vor 1985. Außerhalb des Traumes aber sind seine Inhalte sowieso weder logisch noch erklärbar.

Übrigens: Teile dieses einen Traumes konnte ich am frühen Morgen, nach dem ersten Wachwerden, in der Zeit des Weiterdahindämmerns in einer Art Ausschnitts-Wiederholung sehen, u. a. die Namensliste. Das geschieht nur sehr selten, deshalb finde ich es heute erwähnenswert. Ich hoffe, ich weiß morgen über anderes als Träume zu schreiben.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich stellte sechs Bücher zu den zwölfen in der gähnend leeren Büchertelefonzelle am Markt.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 27. August 2025 war ich zufrieden mit gesichteten Bildern, mit dem Unterwegssein in der Stadt, mit dem Beiseitelegen eines Buchs (ich konnte wegen Grammatik und Druckbild, also Satz, nicht mehr als die ersten 70 Seiten lesen).


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2025 – 238: Ein Schreckmoment

Wie ich mir heute selbst ein Rätsel bleibe.

 

Huch! Es ist schon 19 Uhr und ich habe heute noch keinen Gedanken an den Blog hier „verschwendet”. — Nun denn, auf geht's.

Beim Sortieren von Papier fand ich einen Zettel, auf dem selbst für mich sonderbare Wortreihen untereinander stehen. Ich weiß nicht, wann und wo ich das geschrieben haben könnte, geschweige denn erinnere ich mich an den Anlaß. Vielleicht, nein, sicher nur etwas Zusammenphantasiertes:

 

 

es bringt die sonne nichts neues
emotionslos etwas betrachten
die abscheu ignorieren
auf die eigene traurigkeit warten
dem anderen vollständig vertrauen
mich der eigenen obsession widersetzen
alle lust miteinander ausleben
sonnenbrand zwischen den beinen
das mondlicht wie erwartet genießen

 

 

Kurrent ohne Großschreibung. Ohne irgendwelche weitere Notizen dazu. Sonderbar. Weil es meiner Mainung nach aus der Zeit stammt, in der ich jedes bißchen Nie­der­geschriebenes zumindest mit dem Datum versehe.

Ich saß am Nachmittag also vor diesem Zettel und versuchte, den Sinn darin zu ent­decken, den darin verborgenen Sinn zu finden. Ergebnislos. Zumindest auf diesem Zettel, mit diesen Worten bleibe ich mir selbst ein Rätsel. Das Ganze erscheint mir zusammenhanglos – ob es ein Traumnotat war? Aber die sehen normalerweise anders aus, da finde ich regelmäßig mehrere ganze, zusammenhängende Sätze, die Handlung und/oder Beschreibungen von Orten, Gebäuden und Gegenständen sind. Orten, die ich in vielen meinerTräume immer und immer wieder sehe. Gegenstände, die ich immer und immer wieder benutze (ZIL-135; eine Fernbedienung, die einen Saugroboter steuern kann; eine Kalaschnikow mit klappbarer Schulterstütze). Sogar Personen, denen ich im realen Leben begegnete, tauchen in Träumen immer wieder auf und verhalten sich da meiner Phantasie entsprechend. Manchmal ist das für mich, der ich das träume, wirklich gruselig. Heute aber kam ich, diesen Zettel betreffend, zu keiner verwertbaren Erkenntnis, zu keinem versöhnenden Schluß.

Und weil ich mit der Denkerei „Zeit verschwendete”, hatte ich noch einiges zu erledigen und darüber fast das #onepostaday vergessen.

Puh. 19.35 Uhr. Geschafft.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Vom sortierten Papier wurden etwa vier Fünftel durch den Reißwolf geschoben und in die Altpapiertonne gebracht.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 26. August 2025 war ich zufrieden mit den Honigbrötchen zum Frühstück, mit der im Nachdenken verbrachten Zeit, mit dem noch geschafften Blogtext.


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2025 – 237: Ein innerer Monolog

Meine wirren Gedanken sortiere ich manchmal schriftlich.

 

Heute muß ich aufschreiben, was mir durch den Kopf geistert. Der Dorftratsch völlig fremder Leute hat auch mein Dorftratsch-Repertoire von früher wieder aufgewühlt. Und viele persönliche Erlebnisse und Ideen stiegen wie Blasen an die Oberfläche meines Denkichts und forderten bzw. fordern Beachtung ein. Dies da zum Beispiel:

Ich hab in meinem Leben oft und viel gewartet: Auf einen großen Erfolg, auf das große Glück, auf die große Liebe, den großen Lottogewinn. Doch gibt es all das wirklich? Den Lottogewinn vielleicht, der ist jedoch nur sehr wenig wahrscheinlich (und unwahr­scheinlich, ja unmöglich, wenn eins wie ich nicht spielt). All das andere habe ich erfahren als eine ziemlich lange Aneinanderreihung von kleinen Schritten, von Anstrengungen, von Kompromissen. Das alles konnte und kann zwar groß sein oder werden, aber eher nicht schlagartig. Und nur in ganz seltenen Fällen kam Euphorie auf oder ähnliches. So erinnere ich mich an mein Leben und Erleben.

Und ich habe gelernt, daß es unmöglich ist, einen anderen Menschen ganz und gar nur für mich allein zu haben. (Die Gründe dafür sind vielfältig, wie ihr selbst wißt.) Für mich hilfreich war immer, daß ich wirklich eifersuchtsfrei lebe, gönnend zufrieden sein kann. Wenn jemand für mich da sein mag, dann ist das wie bei mir, denke ich und kann das auch so akzeptieren. Rund um die Uhr und ausschließlich mich mit dieser einen Person zu befassen, auf irgendetwas von dieser Person zu warten: Das geht, egal wie eng die Beziehung auch ist, nicht ohne mein Leben aufzugeben mit allem, was dazugehört. (Das schrieb ich ja schon öfter: Nicht ein Leben aus zweien machen, sondern zu den beiden ein drittes, gemeinsames haben, ohne ein eigenes zu verlieren.)

Kleine Schritte, kleine Momente, kurze „gestohlene” Stunden sind kleine Glücke, die mein Leben allein nicht ausmachen, aber sehr, sehr reich und oft auch schön machten und machen. Wer mit dem zufrieden sein kann (natürlich nicht, ohne sich mehr davon oder etwas anderes zu wünschen, aber zufrieden kann ich ja trotzdem sein), was möglich ist, wird vielleicht nicht verbittern …

Den letzten Satz da, den finde ich wichtig für mich, den werde ich mir irgendwo prominent notieren.

 

Erinnerung des Tages:
Ich erinnerte mich heute an ein erstes Mal, das jedoch aus beidseitigen Fehleinschätzungen resultierte und daher auch das einzige Mal blieb.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 25. August 2025 war ich zufrieden mit dem aus dem Fliewatüüt geholten Krempel, mit der zum Nachdenken genutzten Zeit, mit erledigter Arbeit im Haushalt.


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2025 – 236: Auf dem Dorffest

Früher und heute: Ich habe den Vergleich.

 

Als Kind waren die Dorffeste große Ereignisse: Walpurgis, Kirchweih (ohne Rummel, wurde in den Familien gefeiert und Kirmes genannt), Feuerwehrfest – und fast jeder Polterabend gehörte auch dazu. Immer trafen sich Menschen aus dem ganzen Dorf, die aus dem Oberdorf und aus dem Niederdorf, die vom Gemeindeberg, die Nach­barn, die bucklige Verwandtschaft: alle kamen zusammen, nicht immer am gleichen und auch nicht immer nur an einem Ort. Ich erinnere mich an Walpurgisnächte, an denen im Dorf mehr als ein Dutzend Feuer brannten. Und der Polterabend der Ratskellertochter ist noch heute Legende …

Irgendwer hatte immer irgendetwas Eßbares dabei, andere brachten Getränke, und selbst für die Kinder gab es Mirinda oder Mandora. Die Erwachsenen begnügten sich mit Bier oder Lindenblättrigem, seltener Sekt. Ja, zu DDR-Zeiten wurde oft auch Hochprozentiges getrunken; aber ich kann mich nicht daran erinnern, daß ich jemals eine Schnapsleiche gesehen hätte auf den Dorffesten. Und damals waren das Essen und Trinken und anderer Konsum nicht das Wichtigste bei all den Veranstaltungen: Das Dorf (bzw. seine Bewohner, auch ehemalige Bewohner) traf sich und man hatte Spaß miteinander. Da sah ich als Zwölfjähriger zum Beispiel etwas, das 1975 eigent­lich kein Kind hätte sehen dürfen (später wurde das etwas, das ich liebend gerne genieße). Naja, der Spaß wurde eben oft auch körperlich.

Jetzt am Wochenende waren die Vereine des 1060jährigen Dorfes präsent. In einem ziemlich großen Festzelt spielte sich das Hauptgeschehen ab. Am meisten Betrieb war draußen immer dort, wo es Spaß für die Kinder gab (also auch am Waffenstäder unseres Vereines). Und auch am späten Abend war es friedlich und freundlich. Es war niemand so betrunken, daß sie oder er ausfällig geworden wäRe. Selbst die anwesende Dorfjugebd schlug nicht über die Strenge.

Fazit: Echte Dorffeste sind heute noch ebenso dörflich wie früher und wesentlich entspannter als die größeren Stadtfeste, die ich in den letzten Jahren erlebte. Ein Hoch auf das echte Dorfleben.

 

Erinnerung des Tages:
Ach ja – diese Abende am Walpurgisfeuer, in dem (ganz früher) auch noch Autoreifen verbrannt wurden …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 24. August 2025 war ich zufrieden mit dem langsamen Erwachen im Zelt, mit interessanten Gesprächen und Witzen, mit der Heimfahrt.


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2025 – 235: Manches verschweigt er

Wenn da nicht nur eine fragwürdige Tautologie ist.

 

 

Die Schreibmaschine klappert seit seit genau 36 Minuten. In neun Minuten wird er einen Kaffee servieren, etwas Konversation mit ihr betreiben und sich verschiedene Sätze anhören müssen. Sie wird ihn um seine Meinung dazu „bitten” – allerdings wird er mit seinen Anmerkungen wie immer sehr vorsichtig sein. Es ist noch keine Woche her, da paßte ihr nicht, was sie von ihm hörte: Drei Tage mied sie ihn, verschwand immer wieder, wenn er auch nur in ihre Nähe zu kommen versuchte. Gut, sie wohnen in einem Haus, aber in einem ziemlich großen Haus; und aus dem Alter, da beide miteinander Verstecken spielten oder Fangen, sind sie beide schon mehrere Jahre raus, wie man so sagt.

Das Klappern ist soeben verstummt, er bringt den Kaffee zum Schreibtisch. Tante Erdmute sitzt zufrieden zurückgelehnt vor dem schwarzen Ungetüm. Sie lächelt ihn an, mit verträumten Blick, und trinkt zwei Schlückchen. Er steht wartend neben ihr. Seit Monaten geschieht immer montags, donnerstags und freitags dasselbe in der immer gleichen Reihenfolge. „Hier, hör mal”, sagt sie und liest dann einen Absatz vom soeben getippten Blatt ab. „Habe ich da nicht eine Tautologie benutzt? Daunenfedern – das ist doch etwas wie ein weißer Schimmel, ein totes Skelett oder so?” Kurz denkt er nach. Dann aber weiß er sie zu beruhigen. „Zunächst: Ich denke, es ist ein Pleonasmus.” Sieh zieht die Augenbrauen zusammen, will ihm ins Wort fallen. So winkt er kurz mit der Hand und fährt fort: „In manchen Fällen ist die Sprache in der Literatur deutlich anders als die Alltagssprache. Gehoben nennt sich das wohl. Und da – dessen bin ich mir sicher – da sind die Daunenfedern erlaubt.”

Ihre Stirn glättet sich; sie scheint mit der Antwort zufrieden und hat gleich noch eine weitere Frage. Allerdings dauert es, bis Tante Erdmute auf den Punkt kommt. Sie bittet darum, daß er bei der Ausge­stal­tung einer durchaus anzüglichen Szene seine männliche Sicht einbringt. Oh. Das kann er nicht tun, da würde er sich mit Sicherheit verplappern, verraten. Gut, es ist zwischen ihr und ihm seit Jahren kein Geheimnis mehr, aber sie spielen es noch immer. Und er möchte die Regeln dieses Spiels nicht verletzen. „Ich glaube, das wird nicht helfen. Zum einen kann ich mich an solche Szenen kaum noch erinnern, zum anderen hatte und habe ich doch eher Phantasien, die für die Allgemeinheit und die schöngeistige Literatur …” Tante Erdmute winkt ab, lächelt ihn an und beschließt:„Na gut, dann mußt Du damit leben, daß ich unsere …” „Natürlich, das werde ich. Noch einen Kaffee?„

Es ist eines der Wunder, die sie erleben: Sie verständigen sich mit unvollständigen Sätzen. Und so kann er weiterhin verschweigen, was offensichtlich ist – sie auch.

 

 

Erinnerung des Tages:
Als ich in Ostfriesland 1993 zum ersten Mal auf einem Deich stand, war Ebbe.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 23. August 2025 war ich zufrieden mit meiner Pünktlichkeit, mit dem recht reibungslosen Aufbau, mit den Gesprächen unter uns Vereinmitgliedern und mit dem Publikum.


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2025 – 234: Bis Neulich

Womit so einige Verwirrung zu stiften ist.

 

Ich glaube, dieses „Bis Neulich!” stammt aus einem Film oder aus einer Serie, nicht wahr? Ach nein, es war ein Programm von Volker Pispers. Mittlerweile höre ich es aber auch auf der Straße als Verabschiedungsfloskel …

Nicht irgendwo geklaut hatte ich dagegen einen von mir oft genutzten Satz zur Verabschiedung. Für mehr als zwölf Jahre sagte ich nämlich häufig: „Wir seh'n uns dann im Radio!” Und das meinten wir immer wörtlich. Denn wir trafen uns mit Sicherheit im Radio-Sender wieder, manchmal sogar im Sendestudio.

Habt ihr auch solche seltsamen, abstrusen Wendungen, die ihr nutzt? Ich bin neugierig …

 

Erinnerung des Tages:
Ich denke, es war im Pionierferienlager in Crispendorf, wo ich Pilze sammelte und trocknen wollte, das dann aber nicht durfte (das Trocknen).

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 22. August 2025 war ich zufrieden mit mehreren luziden Träumen am frühen Morgen, mit dem beladenen Fliewatüüt, mit einer Schüssel grünen Salates.


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2025 – 233: Ein Rezept von Oma

Ja, sie nannte es wirklich Bohnen-Matsch.

 

Es hat mir geschmeckt, was sie da zusammenmatschte, meine erzgebirgische Groß­mutter. Und das Rührei briet sie immer mit ausgelassenem Speck und Zwiebeln:

 

»Man bereitet aus vier oder fünf großen Gurken einen Gurkensalat mit nur wenig Salz. (Oma machte den immer mit saurer Sahne.) Ein Kilo geputzter Bohnen wird geschnippelt und mit reichlich Bohnenkraut gekocht und abgegossen. Weiterhin braucht man ein Kilo gewürfelter Salzkartoffeln. Beides gibt man – unbedingt noch warm – zum Gurkensalat und rührt gründlich durch. Mit Salz, Essig und etwas Zucker abschmecken, und vor dem Servieren gebräunte Speckwürfel darübergeben. Dazu gibt es am besten Rührei.«

 

Da wird aus etwas mehr als drei Kilogramm Zutaten ein Essen gemacht, und dann kommen noch Eier dazu. In solchen Mengen wird heutzutage eher selten gekocht. Wahrscheinlich reichte das für eine Großfamilie und/oder für mehrere Tage. Wenn ich mir das heute zubereiten wollte, dann nähme ich wohl zwei mittlere Gurken, ein halbes Pfund Bohnen, ein halbes Pfund Pellkartoffeln. Hm. Es ist auch ein ziemlich großer Aufwand, glaube ich. Aber vielleicht, vielleicht traue ich mir das irgendwann zu. (Ach, sie sprach es „Bunne-Maatsch” aus, aa ist ein sehr nah am a klingendes ä.)

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich brachte sieben Bücher in ein Öffentliches Bücherregal.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 22. August 2025 war ich zufrieden mit umsortiertem Marktzeug, mit dem wiederge­fun­denen Öffentlichen Bücherregal in den Franckeschen Stiftungen, mit der Zeit in der Badewanne.


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2025 – 232: Die anderen Schrittlängen

Vielleicht entsteht daraus eine komplette Fabel …

 

 

Ich weiß, Du bist ein Stadtleut, für euch ist das einunddasselbe. Aber für uns Waldleut nicht. Das da ist keine Spur, das ist eine Fährte. Leut machen Spuren, Tiere machen Fährten. Wenn statt des Fuchses hier ein Vogel entlanggegangen wäre, dann wäre auch das eine Fährte. Nein nein, auch Vögel gehen zu Fuß, die fliegen nicht immer. Ja, es soll da eine Ausnahme geben, einen einzigen Vogel, der nie landet außer zum Brüten, und der alles andere im Flug erledigt. Aber den haben wir hier im Wald noch nie gesehen. Und jetzt bleib mal kurz stehen. Wir drehen uns um und sehen uns unsere Spuren an. Ja, wir hinterlassen Spuren, keine Fährten, denn wir sind Leut, keine Tiere. Aber sieh. Auch unsere Spuren unter­schei­den sich voneinander. Du Stadtleut machst zum Beispiel immer gleich große Schritte, während wir Waldleut alle auf den Weg achtgeben und für Käfer und andres die Länge unsrer Schritte verändern. Nein, das ist nicht egal: Ein Käfer, ein einziger Käfer macht einen Unterschied, einen großen. Und das sollte auch einem Stadtleut klar sein.

 

 

Heute nacht gegen drei Uhr in meine Kladde gekritzelt, wahrscheinlich stammt die Szene aus einem Traum, der wieder ins Unbewußte zurücksank.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Eine Bananenkiste voller Kartonagen ist jetzt im Altpapiercontainer.

 

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Der Emil

 

P.S.: Am 20. August 2025 war ich zufrieden mit dem aussortierten Karton, mit weiterem Fortschritt in der Datenträgerarchäologie, mit Brotwurschd un Aardepplbrei.


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2025 – 231: Ganz sicher

Ich verstehe nicht, warum es so wenige Menschen verstehen.

 

Diese hundertprozentige Sicherheit, die allüberall von so vielen Menschen und Insti­tu­tio­nen und sonstigen Irgendwassen und Irgendwemen verlangt und versprochen wird …

Vor allem aber: Ich versteh es nicht. Denn der gesunde Menschenverstand sagt doch, daß es im Leben eines Menschen nur eine einzige Sache gibt, die mit genau 100%iger Sicherheit eintritt, und die ist der Tod. Alles andere kann zwar relativ sicher gestaltet werden und eintreten, aber eben nicht absolut sicher. Denn das Leben ist keine physikalische Gesetzmäßigkeit, die im Rahmen der bisher erlangten Kennt­nisse gilt und gegen die die Physik nunmal nicht verstoßen kann. Auch der Mensch kann gegen physikalische Gesetze nicht verstoßen, das ist ganz sicher.

Ist dieses Wissen schon mit POS und EOS verschwunden, verlorengegangen, oder erst später?

 

Erinnerung des Tages:
Ich lernte (in der Schule und im Studium) auch viel über „die Wahrheit” und ihre verschiedenen Formen und Definitionen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 19. August 2025 war ich zufrieden mit dem Fortschritt in der Datenträgerarchäologie, mit Hühnerfrikassee mit Bulgur, mit den getrunkenen 3 l Tee.


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