024.2026: Altes Lied

Der Dichter, Komponist und Sänger wurde vor 150 Jahren geboren.

 

Irgendwie ist es noch immer aktuell, nicht wahr? Es fiel mir gestern wieder ein, als ich eine Antwort auf einen Kommentar hier schrieb. Ach herrje, dieses Lied erschien 1929, vor knapp 100 Jahren, bei der Deutschen Grammophon auf einer Schellack-Schall­platte. Geschrieben und komponiert hat es Anton Günther – 's Tholer-Hans-Tonel – schon 1920. Ich übersetze es diesmal nicht (Audio-Link unten) …

 

 
De fallische Politik
Anton Günther ( ∗ 1876 – † 1937 )

Wie schie warsch doch in alter Zeit,
su reden itze alle Leit.
Do hatt mer noch was rachts in Mogn,
es Volk dos hot sich aah vertrogn.
Doch itze, 's is ene wahre Schand,
's is alles außer Rand on Band,
on a dan ganzen Ugelück
is schuld die Politik!

Drüm nam mer doch lieber enn Strick,
fei lang un aah fei dick …
on hänge se in der Feieress nei
die fallische Politik;
denn die hot ons ben Genick,
die niedertrachtige, waggeschmissene,
fallische Politik!

Der Lehrgong will übern Maaster sei,
der Togdieb macht es meiste Geschrei,
mer find nirngst meh Zefriedenheit,
när Wucher, Schwindel, Haß on Neid.
Es Gald dos is en Volk sei Gott,
wos racht is werd verlacht, verspott,
der Tanzbuden is en Volk sei Kirch;
is dos e domm's Gewürg.

Drüm nam mer doch lieber enn Strick,
fei lang un aah fei dick […]

Sist gob ’s aabn Heiden, Jud on Christ,
itze Bürgerliche on Sozialist,
's haaßt Spartakist on Bolschewik
on Kommenist, nu du Ugelück!
Der aane is rut, der andere grü,
e paar zerrn haar, die andern hi,
doch, deß mir alle Menschen sei,
dos fällt kan Menschen ei!

Drüm nam mer doch lieber enn Strick,
fei lang un aah fei dick […]

Sist wor de Arbit huch geehrt,
doch itze is gerod verkehrt,
daar wos en meisten schimpft on schreit,
dan ehrn on achten alle Leit.
's redt jeder über Honger on Nut,
doch wenn mer'sch racht betrachten tut
su ene Wuhllust on Maschlachtigkeit,
die gob's ze kaaner Zeit!

Drüm nam mer doch lieber enn Strick,
fei lang un aah fei dick […]

Wos würn denn onnre Alten sogn,
die täten de Händ übern Kopp z'sammschlogn,
wos is aus ihre Kinner worn,
die hobn doch alle en Verstand verlorn.
Es gibt kaa Zucht, kaa Sittlichkeit,
e jeder redt gelehrt, gescheit,
de Köpp sei voll on es Herz is leer,
dos is aabn onner Malär.

Drüm nam mer doch lieber enn Strick,
fei lang un aah fei dick […]

Der Stiefelknacht werd kaa Ufenbank,
der Zieg wächst aah der Schwanz net lang,
e Ochs dos werd en Laabn kaa Kuh,
aus Gros do werd kaa Haberstruh.
Drüm loßt die ganze Streiterei,
wenn mir waarn alle aanig sei,
gemütlich on racht, wie de Alten warn,
su waarn mer an besten fahrn!

Drüm nam mer doch lieber enn Strick,
fei lang un aah fei dick …
on hänge se in der Feieress nei
die fallische Politik;
denn die hot ons ben Genick,
die niedertrachtige, waggeschmissene,
fallische Politik!

Zitiert aus eigenen Aufzeichungen des Textes für gemeinsames Singen am Grab Anton Günthers (1990/1991)

 

 

Wer sich Anton Günther anhören möchte, wie er das Lied selbst gesungen hat, der wird bei der Deutschen Digitalen Bibliothek fündig. Oben auf der Seite findet sich die Audiodatei (die sogar heruntergeladen werden kann).

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 


© 2026 – Der Emil. Der Liedtext ist mittlerweile gemeinfrei und auf diversen Seiten im WWW zu finden.

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023.2026: Erschrocken

Manchmal geschehen gespenstische Dinge im Alltag.

 

Ich mußte heute tatsächlich einige Dinge einkaufen und war deswegen in einem Discounter ganz in der Nähe. Mittendrin im Laden signalisierte mir mein Telefon, daß da eine wahrscheinlich wichtige Nachricht wäre (nicht alle Apps dürfen das). Und wie ich das Ding in der Hand hatte, tritt jemand ziemlich nah an mich heran. Es begann fast eine Minute „Belehrung” über Überwachung (danke, daß weiß ich alles) und über die Schädlichkeit der Handystrahlung in konspirativem Ton. Leider war ich in dem Moment nicht schlagfertig und stand so ungünstigDaß ich nicht so einfach entkommen konnte; ich hätte die Person unsanft wegschieben müssen, um wortlos zu entkommen. Dann aber ließ ich meinen Einkaufswagen stehen und schob mich mit einem unfreundlichen „Mehr will ich wirklich nicht hören.” vorbei. Welch ein Glück, daß ich sowieso etwas nicht gefunden hatte und eine Mitarbeiterin grad ums Eck kam, die ich fragen konnte.

Als ich zu meinem Wagen zurückkehrte, war die sonderbare Person weg. Ja, noch im Laden. Ich schaffte es aber, ohne nocheinmal angequatscht zu werden, zur Kasse und nach Hause zu kommen. Der seit gestern nicht funktionierenden Aufzug wurde leider noch nicht repariert. Doch ich schaffte den Aufstieg in den neunten Stock. Nicht mehr ganz so wie vor Jahren, als ich das aus Prinzip einmal täglich machte, aber ich brach vor meiner Tür nicht völlig außer Atem zusammen.

Ich bin ja wirklich viel gewohnt, aber das war gespenstisch. Und klang auch sehr pampig. Vielleicht wäre ich etwas schneller entkommen, wenn ich nicht grad so angestrengt hätte über eine Antwort nachdenken müssen. Dann wäre ich wahrscheinlich auch nicht so sehr erschrocken beim Angesprochenwerden …

 

Erinnerung des Tages:
Früher interessierte ich mich tatsächlich eine Weile für die kreative Auslegung von Daten bzw. Spuren, die Erich von Däniken so populär machte.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 22.01.2026 das Einkaufen am Vormittag (sonst gar nicht meine Zeit dazu), der recht gut geschaffte Aufstieg, ein später, ungeplanter Mittagsschlaf.


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022.2026: Überdruß

Es war überwiegend zum Fremdschämen.

 

Ich habe nur kurz versucht, der sogenannten Rede des sogenannten … na ihr wißt schon. Und ich war immer der Meinung, es sei wider die Regeln des guten Journalis­mus, jemanden in heftiger geistiger Verwirrtheit der Lächerlichkeit preiszugeben. Lange habe ich es wirklich nicht ausgehalten, dem Kauderwelsch zu folgen, ich mußte immer wieder wegsehen und -hören. Überhaut geht mir auf den Sack, wie die Nachrichtenredaktionen das alles im Übermaß verbreiten. Das, was sogenannte Experten da gehört haben, wurde jedenfalls nicht gesagt. Und die Unfähigkeit der Unwillen so vieler Politiker∗innen und Politiker:innendarsteller:innen, jetzt endlich zu handeln (besonders hierzulande) läßt mich auf so vielen Gebieten zweifeln …

Ach, genug mit dem Kopf geschüttelt für heute.

Heute habe ich wieder alte Daten betrachtet und zum Teil gelöscht. Ach, was ich da so fand, ist schon erstaunlich, manchmal erschreckend und manchmal sehr schön. Als wäre vieles davon von fremden Menschen und nicht von mir … Hm. Wenn ich irgendwann einmal fertigbin mit dieser 3-TB-Platte, dann nehm ich mir die nächste her. Ich glaube, damit bin ich noch eine ganze Weile beschäftigt.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Leider habe ich nur 35 GB Daten löschen können (alles anzusehen dauert einfach zu lange).

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 21.01.2026 gefundene Notizen, entfernte Ärgernisse, ein Mittagsschlaf.


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021.2026: (Un-)Endlichkeit

Auf einem der durchgesehenen Zettel entdeckt. Ohne Datum.

 

 

Manches Warten scheint unendlich; und wenn es sich erfüllt, dann ist diese Erfüllung unerwartet endlich.

 

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich habe heute etwa 120 Zettel gescannt und ins Altpapier gegeben.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 20.01.2026 die Ergebnisse der Datenträgerarchäologie, die Scannerei, Salzkartoffeln mit Butter und Quark.


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020.2026: Behördenirrsinn

Wo die linke Hand nicht weiß, was die rechte schon sortiert hat.

 

Noch vorm Dreikönigstag erhielt ich meinen Bescheid über die (Weiter-)Bewilligung von Bürger­geld nach SGB II einschließlich der Bewilligung der Nachzahlung gemäß Nebenkostenabrechnung als KdU. Schließlich hatte ich diese Nebenko­sten­ab­rech­nung schon mit dem Antrag auf Weiterbewilligung eingereicht. Am vergangenen Sonnabend kam die Aufforderung zur Mitwirkung: Es wurde die – im Bewilligungs­be­scheid bereits berücksichtigte – Nebenkostenabrechnung noch nicht eingereicht, das ist bis vorgestern zu erledigen, widrigenfalls die Leistungen gesenkt oder eingestellt oder oder oder. Kommt das nur mir durchaus unprofessionell und fehlerhaft vor?

In meiner Antwort an den zuständigen Haufen das zuständige Jobcenter äußerte ich zwei Bitten: Erstens mögen sie sich bitte meinen Bewilligungsbescheid vom [Datum] ansehen. Zweitens bitte ich um eine für mich nachvollziehbare Erklärung, wie es zur wahrheitswidrigen Behauptung des Nichtvorliegens meiner eingereichten Nebenkostenabrechnung kommen konnte und setzte dafür eine durch Datum bestimmte, ausreichende Frist.

Auf die Erklärung bin ich wirklich neugierig. Und: Nach Ablauf der Frist stelle ich unabhängig von einer Antwort Antrag auf vollständige Datenauskunft nach §85 SGB X und Art. 15 (1) und (3) DSGVO. Mal sehen …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 


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019.2026: Verwundert

Immer wieder mal fällt mir eine Sonderlichkeit an mir auf.

 

Vor ein paar Tagen hatte ich etwas in der Hand, das sich im ersten Moment wie Leder­handschuhe anfühlte. Und beim Herausräumen aus dem Schrank habe ich es auch nicht gleich sehen können. Heute weiß ich schon nicht mehr, was das war, was das gewesen sien kann. An das Gefühl zwischen meinen Fingern erinnere ich mich noch gut, die Haptik habe ich nicht vergessen. Doch der Gegenstand ist aus meinem Gedächtnis komplett verschwunden. Verwirrend finde ich das; und ich bin verwun­dert darüber, daß meine Erinnerungen so sonderbar „funktionieren”. Da stelle ich mir ja auch die Frage, ob solche Erinnerungslücken, solche partiellen Erinnerungs­lücken nur bei mir auftreten, oder ob ich damit nicht alleine bin …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 18.01.2026 die viele Ruhe, der trotzdem geschaffte Kleinkram, Kassler mit Sauerkraut und Brot.


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018.2026: Mitgebrachtes

Unterwegs zum Schreibideen-Sammeln.

 

Gestern schon: Ab in Bus, Funkenkutsche und sogar S-Bahn, kreuz und quer durch die Stadt damit und die Ohren aufgesperrt. Es muß doch irgendwo ein Satz fallen, der bemerkenswert genug ist, oder?

In der Straßenbahn wurden keine Gespräche geführt, denen ich eine Schreibidee ablau­schen konnte. Seit wann ist das so? Und warum fiel mir das nicht schon viel früher auf? Ist es meine Unaufmerksamkeit, die mich nichts hören oder zumin­dest nichts bemerken ließ? Und wann habe ich mich zuletzt mit fremden Mitreisenden unterhalten? Gut, neben denen mit Telefonen sah ich auch Menschen, die Bücher oder Zeitschriften in den Händen hielten. Das zumindest fiel mir auf. (Und was ich so alles zu sehen bekomme, wenn ich zufällig auf einen Smartphon-Bildschirm blicken muß – uiuiuiuiui.)

Später in der S-Bahn dann hörte ich dieses standardisierte Männädscherr-Säggs'sch: „Ja, bidde äsäbb!” „…” „Na schbädsdns Diensdaahch!” Ja, ich brauchte eine Weile, bis ich das „äsäbb” als a.s.a.p. identifizieren konnte. Und laut war der an seinem Telefon! Mir ist dieses Gebrülle immer peinlich, das ist einer der schlimmsten Fremdschäm-Momente. Nachdem der Typ ausgestiegen war, konnte ich noch zwei Sätze notieren, die vielversprechend scheinen.

 

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Der Emil

 


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017.2026: Nicht schon wieder

Doch, schon wieder – und ich kann nichts daran ändern.

 

Der nächste „Plan”, der nicht funktionierte oder erst später als geplant funktionieren kann. Sonderbar, wie mich das ins Wanken bringt. Hm. Das ist schon ein Ding mit der Stabilität – ich dachte, es wäre mehr davon vorhanden bei mir …

Na, erstmal egal. Fällt etwas Geplantes weg, habe ich mehr Zeit und Gelegenheit für Ungeplantes, vielleicht sogar für etwas von der „nice-to”-Liste. Hm, mal sehen, was draufsteht und heute möglich sein könnte, vor allem: wozu oder worauf ich noch Lust bekomme. Oder mir machen kann. Ich nehme sogar noch Wetten an, ob mir das gelingen wird.

Wie lautete der Spruch zu DDR-Zeiten? Ach, es war aus einem (Spott-)Gedicht:
»Und ist der Plan auch gut gelungen, bestimmt verträgt er Änderungen.«

 

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Der Emil

 


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016.2026: Weitergehen

Etwas, das ich nie verlernt oder vergessen habe.

 

Heute vormittag ließ mich eine meiner Figuren wissen: »Weitergehen war für mich noch nie möglich (ja, ich habe es nicht einmal in Betracht gezogen!), wenn ich vor einem Abgrund oder vor einer Wand stand. Und: Ich stand oft genug zu lange da und blickte in die Tiefe … Außerdem sah ich viel zu viele, die weitergingen und abstürzten oder sich eine blutige Stirn holten (das waren die Glücklicheren) beim Weitergehen. Trotz allem frage ich mich von Zeit zu Zeit, ob ich eine dieser Erfahrungen nicht vielleicht doch hätte machen sollen? — Ich habe nie verlernt oder vergessen, mich vor solchen unnötigen Problemen zu bewahren (bei anderen funktionierte das bei Weitem nicht so gut).«

So sind sie, die von mir geschaffenen Figuren. Hauen mir solche Brocken vor den Latz, ohne auch nur die kleinste Erklärung dazu zu geben.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich heute das Erwachen zur „programmierten” Zeit, zwei Sachen von der „nice-to”-Liste.


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015.2026: Nachtwach

Nach drei Einschlafversuchen wieder am Schreibplatz.

 

Ja. Manchmal bin ich zu müde zum Einschlafen. Dann beginnt mein Denkicht sich mit sich selbst zu beschäftigen und sorgt für innere Unruhe. Okay, dann nutze ich siesen Zustand und kümmere mich um das, was für heutenoch vorgesehen war: ein Gedicht.

 

 

Ich könnte ein Haiku versuchen –
Doch läßt auch ein Senryū mich fluchen.
Das Tanka will mir nicht gelingen.
Vielleicht wird's ein Vierzeiler bringen …

 

 

Kein Kunstwerk, wirklich nicht. Aber jetzt hab ich das Gedicht für mich doch noch fertiggestellt. (Vorhin hab ich es sehr oft und sehr lange vergeblich versucht – naja, und obwohl es nicht poetisch ist, scheint das da oben doch Lyrik sein zu können.)

Vielleicht war es nur dieses unerfüllte Ding, das mich am Schlafen hinderte. Ich versuch es jetzt einfach nochmal.

 

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Der Emil

 


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