Der Dichter, Komponist und Sänger wurde vor 150 Jahren geboren.
Irgendwie ist es noch immer aktuell, nicht wahr? Es fiel mir gestern wieder ein, als ich eine Antwort auf einen Kommentar hier schrieb. Ach herrje, dieses Lied erschien 1929, vor knapp 100 Jahren, bei der Deutschen Grammophon auf einer Schellack-Schallplatte. Geschrieben und komponiert hat es Anton Günther – 's Tholer-Hans-Tonel – schon 1920. Ich übersetze es diesmal nicht (Audio-Link unten) …
De fallische Politik
Anton Günther ( ∗ 1876 – † 1937 )
Wie schie warsch doch in alter Zeit,
su reden itze alle Leit.
Do hatt mer noch was rachts in Mogn,
es Volk dos hot sich aah vertrogn.
Doch itze, 's is ene wahre Schand,
's is alles außer Rand on Band,
on a dan ganzen Ugelück
is schuld die Politik!
Drüm nam mer doch lieber enn Strick,
fei lang un aah fei dick …
on hänge se in der Feieress nei
die fallische Politik;
denn die hot ons ben Genick,
die niedertrachtige, waggeschmissene,
fallische Politik!
Der Lehrgong will übern Maaster sei,
der Togdieb macht es meiste Geschrei,
mer find nirngst meh Zefriedenheit,
när Wucher, Schwindel, Haß on Neid.
Es Gald dos is en Volk sei Gott,
wos racht is werd verlacht, verspott,
der Tanzbuden is en Volk sei Kirch;
is dos e domm's Gewürg.
Drüm nam mer doch lieber enn Strick,
fei lang un aah fei dick […]
Sist gob ’s aabn Heiden, Jud on Christ,
itze Bürgerliche on Sozialist,
's haaßt Spartakist on Bolschewik
on Kommenist, nu du Ugelück!
Der aane is rut, der andere grü,
e paar zerrn haar, die andern hi,
doch, deß mir alle Menschen sei,
dos fällt kan Menschen ei!
Drüm nam mer doch lieber enn Strick,
fei lang un aah fei dick […]
Sist wor de Arbit huch geehrt,
doch itze is gerod verkehrt,
daar wos en meisten schimpft on schreit,
dan ehrn on achten alle Leit.
's redt jeder über Honger on Nut,
doch wenn mer'sch racht betrachten tut
su ene Wuhllust on Maschlachtigkeit,
die gob's ze kaaner Zeit!
Drüm nam mer doch lieber enn Strick,
fei lang un aah fei dick […]
Wos würn denn onnre Alten sogn,
die täten de Händ übern Kopp z'sammschlogn,
wos is aus ihre Kinner worn,
die hobn doch alle en Verstand verlorn.
Es gibt kaa Zucht, kaa Sittlichkeit,
e jeder redt gelehrt, gescheit,
de Köpp sei voll on es Herz is leer,
dos is aabn onner Malär.
Drüm nam mer doch lieber enn Strick,
fei lang un aah fei dick […]
Der Stiefelknacht werd kaa Ufenbank,
der Zieg wächst aah der Schwanz net lang,
e Ochs dos werd en Laabn kaa Kuh,
aus Gros do werd kaa Haberstruh.
Drüm loßt die ganze Streiterei,
wenn mir waarn alle aanig sei,
gemütlich on racht, wie de Alten warn,
su waarn mer an besten fahrn!
Drüm nam mer doch lieber enn Strick,
fei lang un aah fei dick …
on hänge se in der Feieress nei
die fallische Politik;
denn die hot ons ben Genick,
die niedertrachtige, waggeschmissene,
fallische Politik!
Zitiert aus eigenen Aufzeichungen des Textes für gemeinsames Singen am Grab Anton Günthers (1990/1991)
Wer sich Anton Günther anhören möchte, wie er das Lied selbst gesungen hat, der wird bei der Deutschen Digitalen Bibliothek fündig. Oben auf der Seite findet sich die Audiodatei (die sogar heruntergeladen werden kann).
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
© 2026 – Der Emil. Der Liedtext ist mittlerweile gemeinfrei und auf diversen Seiten im WWW zu finden.


