014.2026: Verstellt

Wieso ich wieder keine Bilder von den Skulpturen habe.

 

Ich war auf dem Weg zur „Galerie im Grünen” – an dem so benannten Weg hier in Haneu stehen mehrere Skulpturen, die ich fotografieren wollte. Allerdings mußte ich einen kleinen Umweg gehen, um noch einen Brief bei einem behördenählichen Center einzuwerfen. Nachdem das erledigt war, verstellte mir das Schicksal – das Leben? – den geplanten Weg. Konkreter gesagt: Die HAVAG stellte mir zunächst eine der neuen Straßenbahnen vom Typ TINA vor die Nase. Ich mag diese Funkenkutsche und stieg also ein. Das Fahrzeug 853 fuhr mich von Haneu zum Bahnhof und noch ein Stück weiter. Und unterwegs, kurz bevor ich aussteigen wollte, kam eine zweite TINA – Fahrzeug 851 – entgegen zwischen zwei Haltestellen. Also blieb ich länger in der Funkenkutsche sitzen, weil ich auch mit der anderen unbedingt mitfahren wollte. Außerdem hatte ich mich beim Lesen eines Blogs daran erinnert, daß früher viele meiner Schreibideen von in der Tram aufgeschnappten Sätzen herrührten.

Schreibimpulse hörte ich heute nicht bzw. habe ich sie im Gehörten (ein laut keifen­des Weib – anders kann ich das nicht benennen – am Telefon, zwei sich überlaut streitende Prolls, ein ganz schrecklich weinendes Kind, dessen Worte nicht zu verste­hen waren vor lauter Schluchzen, ein Selbst­ge­sprä­che führender Araber o. ä.) nicht erkennen können. Aber ich fuhr mit zwei der neuen Funkenkutschen (deren Kopf­teile ein bißchen nach Hecht aussehen). Ja, noch sind sie für mich etwas Besonderes. Deshalb ließ ich mich zwei Runden durch die Stadt schaukeln: Haneu – Bahnhof – Haneu – Marktplatz – Haneu. Und mit der 853 fuhr ich zweimal. Hach, wenn mir das Leben doch öfter so schön meinen Weg verstellen würde …

Die Skulpturen werden wohl nicht so schnell weglaufen. Und jetzt werde ich mein Gedicht schreiben.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich heute auch die beiden TINAs.


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013.2026: Anlaufschwierigkeiten

Nicht zum ersten Mal in diesem Jahr.

 

Ich wurde wach. Machte mir Kaffee, aß statt des Keks' ein Wiener Würstchen. Nahm meine Medikamente und saß wie jeden Tag bei mir zuhause zwei Tassen Kaffee lang vorm Rechner. Danach ziehe ich an meinen Schreibplatz um, lege mir Kladden und Schreib­gerät zurecht, stell das Tablet daneben. Spätestens dann dudelt irgendetwas im Hintergrund (meist Internet-Radio, manchmal ZDF). Nach kurzer Zeit findet sich etwas in meinem Denkicht, das ich aufschreibe, wenn nicht, lese ich ein paar Seiten in einem Buch. So bringe ich mich selbst dazu, ins Schreiben zu kommen.

Seit dem Jahreswechsel geht das kaum noch. Ich bin gedanklich viel zu sehr mit der Weltlage und -politik, mit der deutschen Sozialpolitik, mit der Nazifizierung allüberall beschäftigt. Und ich habe Angst, wirklich Angst. (Ja, da ist außerdem noch meine son­der­bare Hoffnung, früh genug zu sterben …)

Diese Angst lähmt. Und verursacht ein übermächtiges Gefühl der Ohnmacht, fast die Gewißheit, nichts gegen all die Unbill tun zu können, der Verrohung nichts entge­gen­setzen zu können. Schlimm. Schlimm für mich, denn es drückt, ich drücke mich so in Richtung Depression. Die Antriebslosigkeit ist schon da, jede Handlung braucht Über­windung und Anstrengung und Umdeutelungen(!), damit ich weiter eini­ger­maßen aktiv bleibe. Aus den Anlaufschwierigkeiten heute kam ich bis grad eben nicht heraus … Aber mit einem Mal war mein Bedürfnis da, genau darüber etwas zu erzählen. Vielleicht bin ich nur ein Sonderling, einer von ganz wenigen Menschen, denen es so oder ähnlich geht. Wahrscheinlich versuchen viele, diesen inneren Zustand – ganz gleich, ob mit oder ohne Depression oder mehr oder weniger „neuro­di­vergent/neurodivers” – lieber zu verbergen vor der Welt, vor den Bekannten, vor Freunden und Bezugspersonen.

Ich kann das heute nicht verstecken, ich muß das mal laut sagen. (Ich lese mir diesen Text gleich noch laut vor, ehe ich ihn abtippe und veröffentliche.) Angst ist doch eine Schwäche, und niemand zeigt freiwillig seine Schwächen, denn das macht angreifbar, nicht wahr? Scheiß drauf. Nicht nur, wes das Herz voll ist, des gehet der Mund über – auch wenn es im Kopf zu turbulent wird, habe ich die Möglichkeit, mich durch Äußerungen zu entlasten (und nicht nur die Möglichkeit, mich zu betäuben). Vor allem: Beim schriftlichen Nachdenken fallen mir letztlich doch noch Dinge ein, die ich tun kann. Nicht unbedingt gegen die Übel der Welt, aber doch für mich, für mein Befinden. Deshalb gehe ich nachher in die „Galerie im Grünen” und bringe von dort mindestens drei Fotos mit, die herzeigbar sein werden. Später werde ich mich an irgendeiner Art Gedicht versuchen, Gebrauchslyrik für mich anfertigen (hoffe ich).

Verzeiht mir die Bauchnabel-Spökenkiekerei

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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012.2026: Gezwungenermaßen

Dabei wollte ich das heute nun wirklich nicht tun.

 

Ich versuche, jeden Tag rauszugehen. Wenn's ganz schlecht läuft, gehe ich vier oder fünf Runden ums Haus; oft verbinde ich das Unterwegssein mit allfälligen Einkäufen. Heute wollte ich ohne Ladenbesuch in die „Galerie im Grünen” – ich hatte die Kamera gestern Abend schon eingepackt. Daraus wurd jedoch nichts. Denn: Heute sortierte ich auf dem Schrank im Flur herum, fand etwas Gesuchtes nicht und durchstöberte also auch noch die Küche (die sehr kleine Küche). Dort wurde ich fündig, klar; und außerdem stellte ich fest, daß ich etwas für mich sehr Wichtiges restlos aufgebraucht hatte. Die aus Dresden stammende und bei Exzellent produzierte Worcester-Sauce Dresdner Art benötige ich ziemlich oft (zu allem möglichen und unmöglichen, wie es andere mit Sojasoße oder Maggi machen). Deshalb nahm ich die Kamera aus dem Rucksack, schrieb noch Kidneybohnen und Salamiabschnitte auf den Einkaufszettel und Letscho, und dann machte ich mich gezwungenermaßen auf den Weg zu einem Discounter, der genau diese Sauce hat. Den Hinweg ging ich zu Fuß. Danach suchte ich noch etwas Bestimmtes in einem Spittel-und-Kram-Laden fast am Ende von Neu­stadt, fand es aber nicht. Naja, so wichtig war und ist das für mich nicht, es wäre nur ein Wär-ganz-nett gewesen. Von da aus nutzte ich Straßenbahn und Bus, um wieder nach Hause zu kommen.

Auf die Art und Weise war ich heute zwei Stunden draußen unterwegs, länger, als ich für den ursprünglichen Weg gebraucht hätte.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ein Paar kleinere (aber recht ordentliche No-Name-) Lautsprecherboxen stellte ich ins Haus; mehrere seit Jahrzehnten unbenutzte und mittlerweile unansehnliche Tischdecken gab ich in den Müll.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich heute auch die entsorgten Dinge (#RadikalWeg), die Nudelsuppe mit Ei, zwei Kannen Tee.


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011.2026: Spontan

Und ich muß mich noch dran gewöhnen.

 

Noch fremdele ich damit, einfach immer dann einen Beitrag zu veröffentlichen, wenn ich einen fertig habe. Da entdecke ich gerade, daß #onepostaday eine auch ein­schränkende Routine war für mich: nur ein Beitrag jeden Tag. Gut, das umging ich ab und zu mit Hilfe meiner anderen Blogs, aber dennoch war es in der Regel nur ein Beitrag pro Tag. Mehr glaubte ich nicht zu müssen – oder zu dürfen. — Dabei bin ich in den Microblogging-Systemen (derzeit ist es SharKey im Fediverse) durchaus schon seit langem in der Lage, mehrere Nachrichten pro Tag zu senden und auf viele zu antworten. Dementsprechend – denke ich – sollte ich das auch in meinem Hauptblog umsetzen können, oder nicht?

Schreiben geschieht bei mir überwiegend spontan, selbst tagebücheln funktioniert nur so: wenn mir danach ist (zum Glück ist mir mittlerweile wieder täglich danach). Woran ich mich wagen werde: Texte sofort freizulassen, wenn ich sie geschrieben habe, nicht erst zu irgendeiner festgelegten Zeit. Und wenn es nur ein oder zwei oder drei Sätze sind: Raus damit. Doch ganz so einfach ist das noch nicht; ich mußte mir auch jetzt grad wieder Mut machen dafür.


Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich gerade dieses Erkennen und der erfolgreiche Schubs.


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010.2026: Vertane Zeit?

Der Kampf mit einem Phantom – oder um eines.

 

Ich schreibe. Ich schreibe mit einer Stahlfeder, die ich immer wieder ins Tintenfaß tauchen muß. Und ich suche nach einem Antonym zu „denken”. Also ein Wort, das das Nicht-Denken bezeichnet, als Verb. Es ist in etwa so vertrackt wie die Suche nach dem Gegenteil von durstig (in Analogie zu hungrig – satt), wofür letzlich das mitt­ler­weile überall gebräuchliche „sitt” kreiert wurde … Nun habe ich auch schon erfolglos ver­sucht, ein Gegenteil zu denkend zu finden. „Gedankenlos” befriedigt mein Sprach­gefühl aber wirklich nicht. — So suchend saß/sitze ich eine knappe Stunde über der aufgeschlagenen Kladde, vor dem angefangenen Satz. Dann endlich ergebe ich mich in mein Schicksal und schreibe die sieben fertigen Zeilen um. Was danach auf dem Papier steht, ist allerdings etwas ganz anderes, nicht mehr das, was ich (und vor allem wie ich es) ausdrücken wollte. Außerdem bin ich froh, daß nicht eine Wort­fin­dungs­störung, sondern ein wirklich fehlendes nicht existierendes Wort Ursache dafür ist. Aber daß ein einziges Nichtwort solche Wirkung hat …

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich bin gleich unterwegs und bringe über 20 CDs in ein Öffentliches Bücherregal.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich heute vormittag der erledigte Abwasch, eine erledigte Bürokratie (völlig überflüssig, weil unveränderte Situation).


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009.2026: Ach menno

Es gab für heute einen wundervollen Plan.

 

Einen wirklich wundervollen Plan, der sich aus terminlichen Gründen leider nicht voll­ständig umsetzen läßt: Puh, nicht schön, sowas – nicht schön, aber verstehbar. Also gut, es wird anders als geplant, es war sogar schon anders als geplant. Vor einigen Jahren hätte mich das völlig aus der Bahn geworfen, aus dem Konzept gebracht, umgehauen, ganz tief ins Loch geschubst. Ha! Da seh ich heute wieder, daß ich seit­her trotz #notjustsad (also trotz der Depression) einiges an Stabilität zugelegt habe. Denn all das geschieht heute nicht, trotz geplatztem Plan. Ich werde nachher einen langen Mittagsschlaf machen; für den hätte ich ohne verändertem Plan keine Zeit. Ja, das ist noch nicht „Das Beste draus machen”, aber ich bin wohl schon auf dem Weg dorthin. (Und ganz zufrieden damit.)

 

Erinnerung des Tages:
Es gab Zeiten, da war ich an allem Schuld, was irgendwie schiefging, und an den Gründen und Anlässen dafür. Auch am Glatteis!

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich gestern und heute, am 12.01.2026, erledigte Hausarbeit, der Umgang mit der Situation nach geplatztem Plan.


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008.2026: Auswahlproblem

Ach, hätte ich doch nur so eine Art Speisekarte.

 

Nur selten ist mein Kühlschrank (und der restliche Vorrat) so reichlich bestückt wie heute. Ich weiß nicht, was ich zum Abend essen soll. Die Auswahl ist wirklich groß: Gnocchi, Brathering, Kartoffeln mit Quark und Leberwurst, Wurstbrote, verschiedene Käse … Am Ende wird es wohl eine von den Sachen werden, die kaum Aufwand er­for­dern (also ohne zu kochen machbar sind). Sonderbar, daß ich mit großer Auswahl mich überfordere, zuhause zumindest. Zu anderen Gelegenheiten ist das nicht so; selbst bei Joghurt und Marmelade greife ich immer zu ein und derselben mir bekannten Sorte – und beim Toilettenpapier sowieso. Und wenn ich wirklich einmal in einer Gaststätte esse, dann kann die Speisekarte nicht groß und vielfältig genug sein.

Heute aber fällt mir die Auswahl des Abendessens schwer. Sogar Pizza ist noch im Tief­kühlfach. Grad beim Verräumen der Einkäufe dachte ich, ich hätte mich festge­legt. Brathering mit Brot wird es wohl werden. Oder ich richte mir etwas Gehacktes an, ehe ich das ins Frostfach packe … Nein, ich weiß es wirklich nicht.

 

Erinnerung des heutigen Tages:
In der DDR bekam man am Sonnabend nur dann Brot beim Bäcker, wenn man es bestellt hatte.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 10.01.2026 der ruhige Vormittag, der erledigte Einkauf, doch noch gefundene Worte.


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007.2026: Unbelastet

Der Anschein aber trügt.

 

Nichts. Kein Wort, kein Bild, keine einzige Erinnerung an einen der Träume. Das ist ungewöhnlich, passiert mir sonst nicht kaum. Denn irgendwas bleibt immer, wenig­stens ein Gefühl – aber heute ist da nichts. Wenn ich es umdeuteln müßte, könnte ich sagen: Den heutigen Tag beginne ich unbelastet. Zumindest unbelastet von Überresten meiner Träume. Allerdings ist das falsch, diese Aussage ist falsch, fühlt sich zumindest falsch an, denn: Ich bin heute belastet vom Fehlen. Vom Fehlen dessen, was mir allmorgendlich zumindest einen Anstoß zum Denken, zum Träumen, zum Phantasieren und Fabulieren gibt. Und so stelle ich fest, daß Nichts auch schwerer wiegen kann als jegliche andere Last …

 

Gestern weggegeben bzw. entsorgt:
Eine verschlissene Jacke, eine schon lange kaputte Hose, auf Streichholzlänge gespitzte Blei- und Buntstifte warf ich in den Müll.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 09.01.2026 die aussortierten Dinge, etwa 40 gescannte Zettel, die verwundene Enttäuschung.


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006.2026: Es nagt

Ein nicht nur optisches Rätsel.

 

Direkt nach dem Aufstehen blieb mir aus der Zeit des Wartens auf den Kaffee ein Satz im Kopf hängen. Er fiel in einem luziden Traum:

 

 

Wohl jeder Spiegel zeigt die ungeschminkte, unrasierte Wahrheit, die ich allerdings nur sehen kann, solange meine Augen noch nicht komplett geöffnet sind.

 

 

Mir kommt es vor, als sei dies durchaus zu vergleichen mit dem Tip fürs Sterne­be­ob­achten: Die schwächeren Sterne sieht man besser, wenn man einen Punkt knapp daneben fixiert (stimmt wirklich für Beobachtung mit dem bloßen Auge).

Kann es sein, daß die deutliche Sichtbarkeit aller Details das Gesamtbild verschleiert, verbirgt?

 

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Der Emil

 


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005.2026: Es ist gut

Obwohl es sich im Nachhinein irgendwie seltsam anfühlt.

 

So. Das war dann eine sehr schnelle, selbst von mir nicht so vorhergesehene Sache: Scheiß auf 5500 aufeinanderfolgende tägliche Beiträge (Schluß mit Beitrag 5482). Denn gestern fehlte mir nämlich jegliche Idee und darüberhinaus auch noch jegliche Lust auf einen neuen Blogbeitrag. Nun, es fühlte sich vorher wirklich bedrohlich an, mit dieser Routine zu brechen – und das war es nun doch nicht. Aber ich muß mich noch daran gewöhnen, daß ich nicht mehr täglich liefern muß/will/kann.

Keinen täglichen Beitrag zu schreiben heißt auch, etwa zwei Stunden weniger pro Tag verpflichtet zu sein. Wie? Zwei Stunden am Tag? Ja, diese Zeit benötigte ich im Durchschnitt für einen fertigen Artikel. Es ging auch schneller, na klar, aber an man­chen saß ich auch wesentlich länger. Da vernachlässige ich sogar all die Zeit, die ich z. Bsp. lesend verbrachte, um Ideen zu finden, da denke ich nicht an all die notierten Zeilen, die nie Verwendung fanden (bisher).

Ja, ich bin auch ein wenig traurig ob des Endes einer 15jährigen Routine. Weiß nicht, wie ich es ohne aushalten werde und vor allem, wie lange ich es aushalten kann. Da sind einige Ideen, die in meiner Vorstellung nur mit ihrer Wiederaufnahme richtig gut funtionieren können (vielleicht hätte ich Herrndorf nicht wieder lesen sollen).

Statt darauf herumzudenken, sollte ich mich mit anderen Baustellen beschäftigen. Dinge loswerden, die zwanzig Jahre von mir hier in dieser Wohnung aufbewahrt wurden und werden, von deren Existenz ich zwar weiß, die ich aber in all der Zeit nicht ein einziges Mal in der Hand hatte. Einiges davon hat seine Bedeutung für mich zwar noch nicht ganz verloren, aber … Da ist viel Ballast dabei, den ich loslassen möchte. Ich hoffe, ich schaffe das.

 

Da sitze ich nun. Es ist etwas weg, von dem ich dachte, daß es zu mir gehört, mich sogar zum Teil ausmacht. Es ist noch viel zu viel da von dem, das ich nicht loslassen konnte bzw. kann … Ihr werdet ja lesen können, was mir die Zukunft bringt.

 

Aufgefallene Erinnerung:
Es gab Zeiten, in denen die gesammelten und aufgehobenen Erinnerungsstücke mir Sicher­heit vermittelten (Sicherheit vor dem Vergessen).

Weggegeben bzw. entsorgt:
Ich sortierte die Medikamentenkiste durch: Alles weit über dem angegebenen „Verwendbar bis” ist im Müll …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 05. und am 06.01.2026 ein – von außen betrachtet – abruptes Ende mit abgefallener Last, der ruhige Beginn des Feiertages, gescanntes Papier (ob ich auch alle meine Kladden scannen sollte?).


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