Antrieb, Lust und Appetit nach und nach wiederfinden.
Seit ein paar Tagen schon sind Antriebslosigkeit, Appetitlosigkeit und Lustlosigkeit wieder größer, als mir lieb sein kann. Noch nenne ich den Zustand nicht depressive Episode oder Depression, noch glaube ich, daß es beherrschbar ist und bleibt. Aber nicht ohne Hilfe. Nein, ich brauche weder mehr Sonne noch mehr frische Luft – und auch „Sport” ist etwas, das mich wirklich abschreckt. (Beim Frühsport in der Tagesklinik damals ging ich sogar kotzen.)
Was ich seit gestern aber geändert habe: Die Dosis meines Antidepressivums. Statt nur einmal am Tag nehme ich es jetzt morgens und abends, wenn sich nach zwei Wochen nichts bessert, gehe ich auf die maximal empfohlene Dosis. Das ist mit meinem Hausarzt seit langer Zeit schon abgesprochen, ich muß nicht jedesmal sein o.k. einholen. Schließlich bin ja ich es, der eine gewünschte Wirkung spürt oder eben nicht ausreichend oder gar nicht spürt. Und deshalb … Nein, ich habe keine Bedarfsmedikation, bisher schaffte ich es in den letzten Jahren immer ohne. Und ja, wenn meine Methode nicht funktioniert, dann hole ich mir Hilfe.
Vorerst werde ich die drei Losigkeiten aushalten, gegen sie anschreiben. Das geht, wirkt aber auch nicht sofort. Was ich nicht annehme: daß das durch die fehlende tägliche Blogroutine verstärkt wurde. Für zwei Wochen werde ich mich beobachten, günstige Momente gnadenlos ausnutzen. Einmal am Tag nach draußen gehen gehört dazu.
Wer Höhenangst hat, kennt vielleicht dieses Phänomen: Ich muß nicht am Abgrund stehen oder entlanggehen, es reicht das Wissen um seine Nähe, und schon werden die Knie weich. Ich kann dann trotzdem über eine Brücke gehen, Blick stur geradeaus, unter hoher Anspannung, und ansprechen sollte mich dabei auch niemand. Aber es ist mir möglich. Das weiß ich. Und so ähnlich wie die Gänge über die Brücken, hoffe ich, schaffe ich es auch, wieder Antrieb, Lust (Motivation!) und Appetit zu haben. Weil ich weiß, daß ich das alles haben kann.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
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(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Möge es dir bald wieder fühlbar besser gehen.
Danke. ’s muß.
Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass es dir bald wieder gut geht, lieber Emil.