Wenn mich Eigenes von Eigenem ablenkt …
Heute gelang es mir, die sonderbaren Fragen des Morgens auszublenden und die weniger sonderbaren auszuhalten. Von den Nachrichten aus der Welt da draußen hielt ich mich fern. Die nämlich machen mein Leben nicht besser, festigen aber meine Sorgen. Das wollte ich heute vermeiden.
So saß ich heute vormittag dann über eine Kladde gebeugt am Schreibplatz und versuchte, Worte zu Papier zu bringen. Eine uralte Geschichte, die schon über zehn Jahre auf ihre Fertigstellung wartet, las ich mehrfach, um wieder in den Erzählfluß eintauchen zukönnen. Nebenbei wechselte ich hin und wieder das auf den Scanner liegende Material und klickte im zugehörigen Programm auf die Schaltflächen. Zwei Sätze konnte ich weiterspinnen, bis mich einer der Scans ablenkte. Da war meine Handschrift, ja, aber die Worte waren mir nicht bekannt. Ich erinnerte mich jedenfalls nicht an sie.
Meine Neugier war geweckt. Ich begann zu suchen. Was stand um das notierte Datum herum in meinem Blog (nichts, was auf eben jene Worte hinweisen hätte können). Gab es Ereignisse, die mich dazu hätten inspirieren können (wirklich nichts in den zwei Wochen davor, auch nichts im Kalender zu finden). Habe ich in meiner Kladde etwas dazu notiert (kann ja sein, daß ich das vom Zettel abschrieb – aber nein, nichts dergleichen). Nach gefühlt ewiger Zeit gab ich die Suche auf. Die Worte aber, die schrieb ich mir ab in meine jetzt genutzte Kladde. Dann legte ich das nächste Papier auf den Scanner, klickte im Programm das Notwendige an und versuchte, mich wieder in die alte Geschichte zu vertiefen. Ich las sie erneut von vorn und stolperte über die beiden kurz vorher angefügten Sätze: Nein, die paßten doch nicht dazu, sie waren zu anders.
Und so war während meiner Beschäftigung mit anderen (vielleicht) eigenen Worten meine Lust auf das Beenden der alten Geschichte verweht wie der Hauch eines kostbaren Parfüms. Ich weiß noch, daß der Duft sehr, sehr angenehm war, in mir Erinnerungen hervorrufen konnte – doch der Geruch und die damit verbundenen Erinnerungen sind vorerst unerreichbar. Und die Unvollendete harrt weiter ihrer Fertigstellung.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
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