Fragend sinnieren über ein uraltes Ideal.
Es ist etwas, das in vielen Philosophien und Religionen als erstrebenswertes gilt: das Sein ausschließlich im Hier und Jetzt. Mit diesem Gedanken wache ich auf, setze ich mir meinen Kaffee an. Aber umsetzen kann ich ihn heute früh nicht. Es zieht mich an den Rechner, ich bin neugierig auf das Fediverse und eine private Kommunikation. Und denke nebenbei über dieses Ideal nach, darauf herum. Ich bin mir nicht sicher, ob es in der heutigen, hiesigen Gesellschaft, in meiner Lebenssituation überhaupt möglich ist, so und ausschließlich so zu leben.
Und dann notiere ich mir diese Frage: Ist – nein könnte ein Tag ohne Gedanken an die Zukunft, ohne Befürchtungen und Hoffnugen und Erwartungen (wegen ihr und in Bezug auf sie) möglich und erträglich sein?
Bis jetzt fand ich noch keine mich zufriedenstellende Antwort darauf … (Obwohl: Als Kind war mir das wohl möglich, nicht wahr, und ertragen konnte ich es ja auch?)
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
© 2026 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Moin Emil,
ja, einen Tag so zu leben, das geht. Dauerhaft – das dürfen und können wohl wirklich nur Kinder.
Für Erwachsene gibt es leider die Notwendigkeit, zumindest an die nächste Zukunft zu denken, sie sich auszumalen. Stichworte Vorratshaltung (was will ich morgen essen?) oder Garten/Landwirtschaft – hier muss schon mal ein halbes oder ganzes Jahr vorausgedacht (und -geträumt) werden. Ohne Saat keine Ernte…
Und zum Leben „im Hier und Jetzt“ gehört unbedingt auch noch der zweite Gedanke: „Auch das geht vorbei“. Als Erinnerung, das Schöne zu genießen und als Trost, wenns mal grade ungemütlich oder unangenehm ist.
Das Wort „ausschließlich“ möchte ich in diesem Zusammenhang in Zweifel ziehen. Welche Philosophie/Religion möchte das denn?
Vielleicht der Buddhismus? Dort geht es aber eher um Erlösung aus dem ewigen Rad und Erleuchtung. Die ist aber nicht im „Hier und Jetzt“ sondern eine Befreiung von allem (also auch von dem „Hier und Jetzt“).
Wenn man ständig im „Hier und Jetzt“ (also bei sich selber) wäre, würde man meiner Meinung nach wahnsinnig werden.
Es geht vielmehr darum, sich vom ständigen „Nicht-im-Hier-und-Jetzt“ zu lösen und immer wieder an diesen einen Ort „Hier und Jetzt“ zurückzukehren.
Äh: Ausschließlich heißt doch aber gerade nicht „stets und ständig“?
Unter Berücksichtigung dieser Tatsache gehen wir doch d’accord …