047.2026: Sieben Wochen ohne

Ich passe die Aktion einfach für mich an.

 

Heute ist Aschermittwoch. An diesem Tag beginnt die Fastenzeit nach christlichem Brauch. Nun, meine Position zur Religion und zur Kirche ist euch bestimmt bekannt (mit der Institution habe ich nicht viel zu tun, und die Inhalte der Religion habe ich auch für mich angepaßt). Seit Jahren schon kenne ich diese Aktion der EKD (Evan­ge­lische Kirchen Deutschlands); und manchmal versuche ich, mich auf deren jährlich wechselnde Themen einzulassen.

In diesem Jahr lautet das Motto „Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte” – und ich möchte in diesen sieben Wochen auf alle Kriegs- und Kampfrhetorik verzichten: Nix Kämpfen, keine Schlacht, kein vernichtender Schlag usw. usf. Ich möchte ohne all diese Wendungen und Phrasen auskommen, die ganze Fastenzeit lang. Ich weiß, daß das schwierig werden kann. Mal ganz ehrlich: Seid ihr euch bewußt, wie oft ihr ein diese Abart der Sprache benutzt? Selbst die allerfriedlichsten Wettbewerbe oder Vergleiche werden kriegsrhetorisch beschrieben … Das muß nicht sein, glaube ich.

In anderen Bereichen der Sprache schaffe ich es ja auch, mich zu b… beschränken, meine Ausdrücke zu verändern und Worte und Wortgruppen zu vermeiden. Ich weiß, daß mir selbst bei der Suche nach passenden Bezeichnungen einige überhaupt nicht mehr in den Sinn kommen – ich muß dann aktiv nach Unerwünschtem suchen. Nein, das ist keine Selbstzensur. Das ist Ausdruck meines Respekts, meiner Achtung,ja sogar meiner Abgrenzung. — Noch weiß ich nicht, wie praktikabel oder komfortabel das für mich werden und sein wird. Einen Versuch ist es mir aber wert.

Zum Pazifisten werde ich dadurch auch nicht werden.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 


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Über Der Emil

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4 Kommentare zu 047.2026: Sieben Wochen ohne

  1. Hiraeth sagt:

    Das sind gute Vorsätze, da bin ich dabei.

  2. Flusskiesel sagt:

    Tatsächlich ist mir vor einiger Zeit schon aufgefallen, dass man (also auch ich) dazu neigt, sprachlich immer weiter zu eskalieren. Gerade im beruflichen Umfeld.

    Es gab da mal einen Dilbert-Cartoon, der das aufgespießt hat. Da sah man Leute, die so Sachen sagen: „DAS KANN UNS DEN KOPF KOSTEN!“ oder „WENN DAS SO UND SO IST, KÖNNEN WIR UNS GLEICH ERSCHIESSEN!“. In der Mitte steht dann Dilbert und sagt irgendetwas Harmloses.

    Seitdem achte ich mehr darauf, wie ich rede und versuche, solche Übertreibungen zu vermeiden.

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