Unsortiert verschwommener Einblick in das, was bei mir Denkicht heißt.
Am Sonntagmorgen unterhalte ich mich mit einem Menschen, der mir sehr nahesteht. Ziemlich schnell kommen wir dabei völlig unvorbereitet auf ein Thema, das uns beide wirklich interessiert. Und wie das so ist, springt meine Phantasie an, sehr heftig. Ja, das ist nicht ungewöhnlich bei mir, das kenne ich. Manchmal entstehen aus solchen Momenten kleine Geschichten, Schnurren, Sätze …
Heute nicht. Denn die Phantasie würde, so sie umgesetzt wird, Handeln erfordern. Handeln auf unbekanntem Terrain. Ungefähr so, als würde ich jetzt stante pede Filethäkeln müssen mit vorzeigbaren Ergebnissen. In meinem Kopf wirbeln Trilliarden von Bedenken und ein paar „Dafürs” umeinander, beinahe zentrifugenhaft: Die unwahrscheinlicheren Dinge verschwinden aus diesem Gemenge. Vor allem das, was nur unter unglücklichster Verkettung widrigster Umstände infolge unmöglicher Fehltritte und Gedankenlosigkeiten geschehen könnte, vor allem das verschwindet schnell. Was bleibt, ist die Angst vor der eigenen Courage.
Hab ich schon mehrfach überwunden, erinnere ich mich. Immer mit weichen Knien und zitternden Händen (im übertragenen Sinne), erinnere ich mich. Am besten gelang mir das immer, wenn ich nicht zu lange und nicht zu analytisch herumkaute auf dem, was ich da beginnen, beenden, tun, lassen und oder durchsetzen wollte. Also hinsichtlich einer Sache, die noch lange nicht spruchreif ist: Kopf ausschalten. Klingt plausibel und einfach.
Ach, es geht wirklich um eine Kleinigkeit, um etwas, das kaum sichtbar sein wird. Das wahrscheinlich niemandem außer mir auffallen wird. Und trotzdem könnte es in mir zu etwas führen, dessen Beherrschung ich mir (noch) nicht vorstellen kann.
Vieles ist konkret einfach nicht auszudrücken, konkret nicht einfach auszudrücken. Es sind Schwaden von Dunst, die am Rande meiner Wirklichkeit entlangwabern. Nicht greifbar vor einem möglichen Geschehen, doch indem ich solches aufschreibe, will ich es für mich greifbar machen. Am End kommt es darauf an, etwas zuzulassen und mitzugestalten und auszuhalten im positivsten aller Sinne – alles wie immer, nicht wahr?
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
© 2026 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


@deremil
Denkicht – eine schöne Wortfindung. Deinen Blogbeitrag kann ich absolut beipflichten.
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Ich dachte lange, es sein meine Wortschöpfung – ist es aber nicht. Walter Benjamin schrieb in einem Brief:
»Immerhin erscheint mir die Sache so: eine Identität des Denkens als eines besonderen, weder „Gegenstandes“ noch „Gedachten“ würde ich leugnen, weil ich ein „Denken“ als Korrelat der Wahrheit bestreite. Die Wahrheit ist „denkicht“ (ich muß mir dies Wort bilden weil mir keines zur Verfügung steht).«
Quelle: https://www.kritiknetz.de/images/stories/texte/walter-benjamin-gesammelte-briefe-baende_1_bis_2.pdf S. 162