Ein paar zaghaft und unsauber formulierten Gedanken dazu.
Ich bin mir sicher, daß ich in der Schule auch das Denken lernte. Jedenfalls die Art und Weise des Denkens, welches Bildung und Neugier und Phantasie und Utopie unbedingt brauchen. „Wissenschaftlich” mag ich es nicht nennen, aber vielleicht rational-logisch? Jedenfalls gehörten dazu auch das Finden von Fakten, die Prüfung von Behauptungen, das Erkennen von Unrichtigem. Und es war die Art und Weise des Denkens, das Denken, das ich selbst tun konnte und mußte. Ja, ich glaube, das habe ich in der Schule gelernt.
Mir half diese Fähigkeit auch über die drei Jahre Wehrdienst bei der NVA hinweg. Über die Zeit, in der selbst zu denken nicht überall gern gesehen war. Mitdenken im Dienst war dennoch gefragt, notwendig sogar, denn es machte hin und wieder einiges leichter, gar überflüssig, jedenfalls weniger zwanghaft. Natürlich hatten wir damals ein anderes Denkgebäude, in dem wir uns bewegten; und es sah von außen betrachtet oft anders aus als es war, denn „schöne” Fassaden konnten wir schaffen, Fassaden, die vor all dem standen und vieles von dem schützten, was wir so dachten.
Denken lernen. Nein, ein Schulfach gab es dafür nicht. Die Schulen im Land waren ja polytechnisch (stark naturwissenschaftlich-technisch ausgerichtet) und sollten zur Bildung von „allseitig und harmonisch entwickelten sozialistischen Persönlichkeiten”, später (also zu meiner Zeit) zu der von „vollwertigen Mitgliedern der sozialistischen Gesellschaft” beitragen. Ich denke noch immer, wir bekamen ein durchaus solides Grundwissen, eine recht gute Allgemeinbildung vermittelt – abseits aller politischen „Indoktrination”. Viele Lehrer schafften es, den Schülern auch Grundlagen des (nicht nur marxistischen) Humanismus' zu vermitteln. Dafür bin ich ihnen dankbar (selbst einem StaBü-Lehrer, der schonungslos ehrlich war).
Das prägt mich bis heute. Ich hinterfrage, wo andere (Resigniert? Desillusioniert? Uninteressiert? Überdrüssig?) nur folgen oder abwinken. Eine große Wirkung auf das Hier und Jetzt habe ich damit nicht, Vorteile kann ich mir dadurch auch nicht erschleichen. Vielleicht macht mir diese Art und Weise zu denken mein Leben auch schwerer als notwendig? Ich weiß es nicht. Aber, so mühevoll es auch sein sollte, so interessant ist es auch für mich. Ich bleibe also dabei …
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
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