2025 – 144: Erwartet

Eine Nachricht, die ich nicht wirklich bekommen wollte.

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Nun ja, mein Vater lebt seit Jahren in einer Pflegeeinrichtung. Heute bekam ich Nachricht, daß er – vollkommen in seiner Demenz versunken – jetzt nur noch palliativ versorgt wird. Sein Zustand ist schlecht, er bekommt Morphium und die Atmung … Naja.

Alle Planung für die kommende Woche ist für mich damit hinfällig. Ich muß jetzt erstmal sehen, wie ich das handhabe, wie ich damit umgehe. Und wann wird sein Leben wohl enden? Ich hatte mir gewünscht (nicht nur ich), daß er bis zum Geburtstag seiner Frau, meiner Mutter, durchhält und dann einmal noch einen hellen Moment hat. Wird anders kommen, denken wir jetzt alle.

 

Kann ich schon jetzt um ihn trauern, jetzt, da er (wahrscheinlich) noch lebt?

Bitte: Keine Kommentare. Auch nicht aus dem #Fediverse. Danke.

 

Erinnerung des Tages:
Tja, seit dem Anruf dreht sich fast alles in meinem Kopf um meinen sterbenden Vater.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 24. Mai 2025 war ich zufrieden mit … Ich bin dankbar für das, was er mir erlaubt und möglich gemacht hat, und ich habe ihm vieles schon längst verzeihen können. Aber Zufriedenheit stellt sich heute nicht ein.


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2025 – 143: Jägerzaun

Vor über 50 Jahren durfte ich manchmal helfen.

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Mein Großvater, der gelernter Böttcher war, machte nicht nur Fässer und Bottiche. Nein, der tat auch ziemlich viel von dem, was Zimmerleute und Tischler so taten. Und deshalb baute er auch Zäune aus Holz. Immer dann, wenn ein Jägerzaun (oder Scherenzaun) angefertigt werden mußte, standen drei oder vier Böcke im Hof, auf denen mehrere schmale Balken oder dicke Latten lagen. Irgendeine Schablone war da auch im Spiel, aber ich weißnicht mehr, wie die genau aussah. Sie sorgte für den gleichmäßigen Abstand zwischen den darauf ausgelegten Zaunslatten. Die waren meist „Abfall”-Holz – es waren Abschnitte, die beim Sägen von Vierkantlatten aus dünneren Hölzern anfielen, und deren Querschnitt war gewölbt, ähnlich einem Kreis­segment. Und waren zwar meist entrindet, aber nicht immer gehobelt, sie blieben gerade so, wie das Holz gewachsen war.

Auf jenem Gestell wurden also in gleichmäßigen Abständen (Schablone) in einheit­li­chem Winkel eine Anzahl Latten aufgelegt. Darauf kam eine zweite Schicht, die im an der Senkrechten gespiegelten Winkel aufgelegt wurde. Und dann wurde genagelt. Überall da, wo Zaunslatte auf Zaunslatte lag, wurde ein Nagel einge­schla­gen. Einer nur, denn das Scherengitter sollte beweglich bleiben. Die auf der Rückseite heraus­ra­genden Nagelspitzen wurden – auch in Handarbeit – ordentlich versenkt. Die Höhe des aufgebauten Zaunes ließ sich leicht verändern: Er wurde flacher, je weiter die Felder auseinandergezogen wurden. Die übliche Breite sollte wohl 2,5 m sein.

Die genagelten Zaunteile wurden erst beim Zaunaufbau endgültig fertiggestellt. Nach dem Annageln an die Riegel wurden nämlich die Enden der Latten gerade abge­sägt, waagerecht unten und oben mit einer Handsäge an einer Richtschnur entlang und ebenso an den Seiten jeweils senkrecht. Es war der Ehrgeiz des Handwerkers, also meines Großvaters, daß die Enden der Zaunslatten ganz exakt aneinanderstießen, ohne (großen) Spalt und um Himmels Willen nicht schief. Alles in Handarbeit, ohne Strom, ohne Maschinen, immer mal wieder eine echte Friemelei. Das ist heutzutage kaum mehr vorstellbar, und es wäre wahrscheinlich auch vielen viel zu teuer.

Solche Zäune aus unbehandeltem Holz hielten zwanzig und mehr Jahre. Sie dunkelten nach, wurden grau und grauer. Aber sie standen. Großvater starb 1972, der Zaun um das dann von meinen Eltern geerbte Grundstück wurde erst nach der Wende erneuert, da war der Zaun sicher mehr als 30 Jahre alt. Und als Kind gefiel mir ein Jägerzaun weitaus besser als jeder andere, denn der ließ sich wunderbar über­klettern. Und er war auch die perfekte Rankhilfe für verschiedene Pflanzen, die zu seinen Füßen wachsen durften.

Heute freu ich mich, wenn ich irgendwo solche Zäune sehe, sie sind seltener geworden in der Landschaft, in den Kleingartenanlagen. Und ich sehe dann meinen Opa, wie er die Nägel aus Hosentasche fischt und sie mit nur wenigen Schlägen des Zimmer­mannshammers in den Latten versenkt.

 

Erinnerung des Tages:
Als ich heute einen ziemlich alt aussehenden Jägerzaun sah, erinnerte ich mich lebhaft an deren Herstellung etwa 1970.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 23. Mai 2025 war ich zufrieden mit einer kurzen Busfahrt mit Umleitung, mit einer Umarmung am Nachmittag, mit dem in der Stadt gefallenen Regen.


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2025 – 142: Zerbrechlich

Womit ich mich doch schon alles beschäftigt habe.

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Das allerbeste Beispiel für die Zerbrechlichkeit der Schönheit und der Natur war ein „Experiment” an der Technischen Hochschule Karl-Marx-Stadt, Sektion Physik, gleich im ersten oder zweiten Semester. Einer der Seminar- oder Praktikumsleiter legte eine Rose (aber ganz sicher bin ich mir nicht, es war jedenfalls eine gelbe Blüte) in flüssigen Stickstoff. Nicht für lange Zeit, nur für zwei, drei Sätze. Und dann nahm er mit einer hölzernen Grillzange die Blume aus der Flüssigkeit, hielt sie über dem Tisch etwa einen Meter in die Höhe und ließ sie fallen. Beim Aufprall zersprang der Versuchsgegenstand in viele, viele Teile, selbst der Stengel zersplitterte.

Es gibt auch Nichtmaterielles, das zerbrechlich ist. Und das beim Zerbrechen nicht „Klirr!” macht, sondern eine schreiende Stille verursacht. Aber das weiß ja wirklich jede und jeder.

Nein nein, keine Sorge, da ist bei mir wirklich nichts passiert. Nicht in den letzten Jahren, nicht in den letzten Tagen. Aber ich bin grad dabei, mich mit Dingen zu beschäftigen, die im Studium wichtig waren – zum Beispiel intersystem crossing, als ich an der Entwicklung eines Verfahrens zur transcutanen Sauerstoffgehaltsmessung im Blut mitarbeitete. Und so tauchte auch die Erinnerung an die Blütensplitter auf, die wirklich Eindruck hinterließen bei mir.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Längst abgelaufene (MHD u.a. 2018) Fix-Tüten für alles mögliche warf ich heute weg.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 22. Mai 2025 war ich zufrieden mit dem überraschenden Handwerkerbesuch einen Tag vor dem Termin, mit begonnenem Umsortieren in der Küche, mit dem Fotospaziergang ohne Fotos.


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2025 – 141: Naturschauspiel

Nur ausgedachte, vorstellbare Schönheit.

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Weißes Blütenblatt
Im Kelch der roten Tulpe
Nah beim Pflaumenbaum

Was für ein Durcheinander
Das meine Augen erfreut

 

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Einige jahrelang ungenutzte Plastebehältnisse und etwa zehn Senf-/Joghurteimer verließen meine Wohnung.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 21. Mai 2025 war ich zufrieden mit einigen kleinen Änderungen im Haushalt, mit einer von mir erfüllten Bitte, mit Couscous zu Mittag und zu Abend.


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2025 – 140: Gewese

Mir ist es fast nur als Aufforderung geläufig.

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Gewese. Ist das nicht ein schönes, ein altes, heute fast ungebräuchliches Wort? Ich habe es im Ohr: „Mach doch nicht soviel/so ein Gewese.” Gut, Wiktionary meint, es sei eine Wortbildung des 20. Jahrhunderts, aber: Gewese ist schon im Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm enthalten (Wiktionary verweist allerdings in einer Fußnote darauf).

Interessant ist für mich auch, was das Wortschatzportal der Universität zu Leipzig an Ergebnissen zum Wort Gewese liefert. Dort gibt es nämlich (im Browser auf dem Rechner oder ausnahmsweise am Tablet, am Smartphone nutze ich solche Seiten nicht) oben rechts die Möglichkeit, den Korpus (die Gesamtheit der ausgewerteten Quellen) zu wechseln. Und ja, man kann für die Deutsche Sprache damit z. Bsp. auf „News 2024” umschalten und liest, was an Nachrichten aus dem letzten Jahr schon längst wieder vergessen ist.

Ab und an benötige ich solche Handreichungen zur Verwendung von Begriffen und Wendungen. Aktuellen Rechtscheibwörterbücher liefern dazu nur wenig, für mich zuwenig. Deshalb habe ich mir das Wörterbuchnetz und das Wortschatzportal in meine Lesezeichen gepackt, auch das Oxford English Dictionary, das leider nur einge­schränkte Informationen liefert, solange ich mich dort nicht einkaufe.

Ach, das waren noch Zeiten, in denen das meiste in diesem Internet (nicht nur im WWW) verfügbar war, ohne daß jedes Angebot gesondert bezahlt werden mußte (noch dazu in irgendwelchen Abonnements, wie es heute üblich ist). Aber ich will nicht soviel Aufhebens darum machen, denn noch immer gibt es ja gute Informa­tions­quellen – zumindest außerhalb der Unbelievable States of Trumpeltier …

 

Erinnerung des Tages:
Ja, für den Internetzugang benutzte auch ich AOL-CDs mit XXX Frei-Stunden, ehe ich ein Abo über die Lokalzeitung hatte.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 20. Mai 2025 war ich zufrieden mit den gefundenen Hilfen zu Wörtern, mit abge­schlos­sener Datenschubserei einer ganz speziellen Festplatte, mit Pasta und Pesto Calabrese.


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2025 – 139: Einbildung

Oder wurde da etwas bewußt ausgedacht?

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Wie kann ich bemerken, wie finde ich heraus, daß sich jemand etwas nur einbildet oder etwas nur ausgedacht hat? Ist beides unterscheidbar? Und wie ist das bei mir selbst?

 

 

Die Fragen kamen nicht von ungefähr. Wenn ich in meinen alten Kladden herumlese, dann finden sich darin Notizen zu tatsächlich Erlebtem und natürlich (wie könnte es bei mir anders sein) auch „erfundene” Texte. Leider, leider war ich früher nicht so pingelig wie heute bzw. nahm es mit der Kennzeichnung fiktiver Begebenheiten nicht sehr genau. Und so saß ich heute da, ratlos: War mir das wirklich passiert, hatte ich das wirklich erlebt und/oder gesehen? Habe ich mir das nur eingebildet, es mir ausgedacht? — Ach, wie sehr war ich versucht, mein früheres Ich zu schelten, für einen Blödmann zu halten. Dann aber fiel mir ein, daß das nichts an meinem Problem ändert, meine Fragen nicht beantwortet, und so ließ ich es sein, mit mir zu hadern.

Seit ich täglich blogge, kann ich beides voneinander unterscheiden und habe noch eine dritte Kategorie: das Verfremdete. Also nicht nur Erlebnisse und Ausgedachtes (auch das Ausgedachte muß nicht immer Fiktion sein), sondern auch das zumeist für das öffentliche Herzeigen Dekonkretisierte. Überwiegend schon an der Schriftfarbe erkennbar, zusätzlich immer noch gekennzeichnet.

Ach: Muß ich mir ausdenken, was ich mir einbilde?

 

Erinnerung des Tages:
Sehr sonderbar: Ich weiß wirklich nicht, ob es eine Erinnerung ist oder etwas verinnerlichtes Ausgedachtes.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 19. Mai 2025 war ich zufrieden mit ollen Kamellen (selbstaufgeschriebenen), mit der am Nachmittag auf der Couch verbrachten Zeit , mit etwa 400 GB gelöschten Daten.


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2025 – 138: Reserviert

Vorstellung von ehemals Vertrautem und doch nur selten Gesehenem.

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Der Anblick ist sonderbar vertraut: Auf allen, wirklich allen Tischen stehen „Reserviert”-Schilder. Kurz hinter dem Eingang ins Lokal erwartet die Gäste die Aufforderung: „Bitte warten! Sie werden plaziert.” Die Stühle mit braunem Cord bezogen, Tischdecken in Gelb, die künstlichen Grünpflanzen von Staub bedeckt. Ein Experi­ment zu Zeitreisen vielleicht? Denn wenn – Wenn! – die einmal irgendwann einmal möglich gewesen sein werden, dann doch wohl nicht körperlich, sondern nur … Wie könnte das genannt werden? Psychisch? Geistig? Jedenfalls in einer Art AKE, nicht wahr? Das direkte Einspeisen des Erlebens und Handelns in der Zielumgebung zur Zielzeit in das Hirn des Zeitreisenden zu seiner Jetztzeit.

Ist Kaffeehausmusik zu hören? Jedenfalls breitet sich ein Geräusch­teppich aus, der ebenfalls irgendwie bekannt zu sein scheint. Ein Klavier, Streicher, ein Saxophon vielleicht oder eine Klarinette, dazu Gitarre und fast unhörbares Schlagzeug. Kein Gesang. Und kein Geruch!

Was auch fehlt, sind Menschen. In dieser Kulisse scheinen noch nie welche gewesen zu sein oder schon lange keine mehr. Am Tresen rechts steigt ein dünner Rauchfaden aus einem Aschenbecher auf.

 

 

Erinnerung des Tages:
Im schmalen Gastraum eines Hotels in Koblenz trank ich vor der Jahrtausendwende meinen ersten Federweißen; seitdem mag ich dieses Getränk.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 18. Mai 2025 war ich zufrieden mit umsortierten Kladden (wieso nur habe ich sooooooo viele), mit Sauerkrautsalat, mit aufgeschriebenen Phantasien.


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2025 – 137: Gesalzen

Etwas, das zum menschlichen Leben gehört.

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Humor ist das Salz des Lebens und wer gut gesalzen ist, bleibt lange frisch.

Karel Čapek (∗ 1890 – †1938)

 

 

Nachgedacht über den Humor. Wie halte ich's damit?

Ich gestehe: Ich gleite mit zunehmendem Alter immer öfter in Sarkasmus ab (meine eigene Einschätzung, die nicht völlig richtig sein muß). Und ich mag auch den schlüpfrigen Humor und solchen, der nicht mehr bolliddiggl korräckt ist. Ich liebe E. O. Plauen, Karl Valentin, Gustav und Erich, nur regional bekannte Spaßmacher wie die Schnarzjer hierzustadt. Ja, der Humor war anders in der DDR, meiner Meinung nach feiner, versteckter (sofern er sich in der Öffentlichkeit zeigen mußte) – aber auch derber, entlarvender, gepfefferter (so er im Versteckten, rein Privaten auftrat). Kabarett ist mir lieber als Comedians.

Ich bin mir sicher, daß ich ohne Humor nicht leben kann, nie leben konnte. Dabei „reicht” mir der, der mich zum Schmunzeln bringt (idealerweise verbunden mit Nachdenken und Kopfnicken), den brüllenden Humor ertrage ich manchmal nicht, obwohl auch ich in der Lage bin, solchen zu produzieren – aber meist finde ich den selbst dann viel zu verstörend, um ihn „rauszulassen”. Und ich denke, daß Humor manchmal sogar zu überleben half und hilft.

Grad überlegte ich, einen alten Flachwitz wiederzugeben – aber nein, davon kennt ihr wahrscheinlich selbst genügend …

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Knapp 100 Hörbücher löschte ich heute von verschiedenen Datenträgern – ich hörte nie eines und werde das voraussichtlich auch nie tun.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 17. Mai 2025 war ich zufrieden mit dem Fortschritt bei der Datenschubserei, mit der Nichtumsetzung eines Planes, mit Kaßler und Schupfnudeln und Meerrettich.


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2025 – 136: Kalenderblatt

Eine wahrlich obskure Quellenangabe.

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Olle Erwin schrieb ja wundervolle Romane, denkt nur an den „Wundertäter”. Doch er konnte auch sehr, sehr kleine Sachen machen. Die fanden sich unter anderem auf den Blättchen der Abreißkalender, die wir in der DDR so hatten. Und ich denke, daß ich das hier von da abgeschrieben habe:

 

 

Dort ruht der Stein
In seinem Sein.
Hier eifre ich
In meinem Mein.

Erwin Strittmatter (Wahrscheinlich aus den „Selbstermunterungen”.)

 

 

Ich weiß die genaue Quelle wirklich nicht und habe auch das Kalenderblatt nicht aufgehoben. Der Vierzeiler steht in einem kleinen Notizbüchlein, daß ich während meiner Zeit an der EOS führte, also von 1978 bis 1982. Immer wieder staune ich über das, was ich merkwürdig (des Merkens würdig) fand in so jungen Jahren …

 

Erinnerung des Tages:
In den Jahren 1978 bis 1982 war ich auch regelmäßig Gast bei Veranstaltungen der Urania und las regelmäßig deren gleichnamige Zeitschrift.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 16. Mai 2025 war ich zufrieden mit durchgeführter Datenschubserei, mit ausgesondertem Papier, mit zwei Kannen Tee.


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2025 – 135: Ausstieg

Wenn jemand sich eine Auszeit gönnen möchte.

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Diesmal ist es nicht so einfach. Da sind zu viele Verpflichtungen, die nicht ignoriert werden können, denen nachgekommen werden muß. Es ist Versprochenes dabei, das schwieriger ist als gedacht. Es ist Gefordertes dabei, das um den Preis des eigenen Untergangs erledigt werden muß. Aber so geht es nicht weiter, so anstrengend, auslaugend, überfordernd durch eigene Schuld.

Einfach ein paar Tage, drei oder vier, heraustreten aus dem norma­len Alltag. In das eigene, nicht fremdbestimmte Leben eintauchen, sich selbst fühlen und zuhören und pflegen. Und ja, auch bedauern und trösten. Vorübergehend unauffindbar sein für alle Zwänge, auch für die selbstauferlegten. Die Nachrichten oder besser: All das, was für Nachrichten gehalten werden soll, nicht heranlassen an das Ich. Schlafen vielleicht, lange und störungsfrei schlafen. Und lesen, ein gutes Buch lesen, ein dickes gutes Buch.

Dazu für drei oder vier Tage weg davon, sich unbedingt mitteilen zu müssen. Nicht schweigen, nicht so lange schweigen, schon weiter reden und singen, nur nicht für Zuhörerinnen. Ebenfalls nur für sich selbst. Schreiben? Wenn's denn sein muß; aber es muß ja nicht sein. Oder schreiben, und das Geschriebene gleich zerreißen, sofort verbrennen, ganz egal, wie gelungen die Sätze zu sein scheinen. Das eigene Urteil ist nämlich oft zu sehr bestimmt von den Erwar­tungen anderer. An die paßt sich der Mensch sowieso viel zu schnell und zu leicht und ohne Widerspruch an. Um zu gefallen? Oder um nicht anzuecken? Um nur nicht ausgeschlossen zu werden? Aber um welchen Preis?

Verschieben. Vieles läßt sich verschieben. Manches läßt sich sofort erledigen, vorziehen, vorzeitig tun. Anderes hat wohl noch eine gute Woche Zeit. Herausfinden, was wozu zählt und sich an die Arbeit machen. Nur für zwei Tage noch. Und dann: Für vier Tage verschwinden. Durch das Leben taumeln, mäandern. Alles abfallen lassen, abschütteln. Dem Trott entgehen. Keine hundert Stunden lang, aber für viele, viele freie Atemzüge. Ob das noch geht?

Buchungsbestätigung erhalten. Aussteigen zur Auszeit, bald.

 

 

Das ist niemand, der in meinem Figurenkanon schon vorgestellt wurde. Selbst ich weiß nichts weiter als das, was hier steht. Eine Figur. (Sie ist nicht auto­bio­grafisch, denn ich habe seit Jahren regelmäßig meine Auszeiten „im Mittelalter”.) Ich wüßte allerdings nur allzugern, wo die plötzlich herkommt und wieso sie so unpersönlich blieb …

 


 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 15. Mai 2025 war ich zufrieden mit zwölf Stunden Schlaf bis kurz nach Zehn, mit dem Rest der Möhrensuppe, mit dreieinhalb Stunden Unterwegssein draußen..


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