366–2024: Abgesang

Ich weine keine Träne hinterher.

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Jahresende. Es tut mir leid, ich wollte über etwas ganz anderes schreiben, doch es gelang und gelingt mir gerade nicht. Das heißt wohl, daß ich damit ziemlich heftig beschäftigt bin.

Ich habe in meinen Kladden geblättert und gelesen – nein, es gibt von mir keinen Rückblick auf das zuendegehende Jahr. Über das, was wirklich schön war, kann ich nichts schreiben – und von all dem anderen hatte wohl jede und jeder selbst genug. Nun, zumindest hatte ich fast jeden Tag etwas, mit dem ich zufrieden war. Aber sonst?

Vielleicht ist es gar nicht so gut, immer wieder zurückzublicken. Wahrscheinlich ist es besser, den Blick auf das zu richten, was vor mir liegt. Auch wenn ich vieles davon noch nicht kenne, nicht weiß, was auf mich wartet und auf mich zukommt. Ja, ich habe wieder Pläne gemacht, Vorhaben notiert und Wünsche. Aber nicht einen einzgen Vorsatz werde ich fassen, gleich gar keinen guten. Sicher ist unter anderem, daß ich weiterhin als Marktmönch über die Märkte ziehe, daß ich jeden Tag ein paar Worte freilasse, daß ich auf so einige Fortschritte hoffe. Unsicher aber ist viel, viel mehr.

 

Ich genoß heute das sonnige und kalte Wetter (leider ohne Schnee), die Wärme des Ofens, den Kaffee, den Stollen, viel Musik. Ich genoß heute meine Tagträume einer ganz bestimmten Art. Nein, ich habe mir meine durchaus gute Stimmung nicht mit einer Rückschau verdorben.

In etwa vier Stunden ist es dann soweit: Ein Jahr ist Geschichte, komplett. Leider und zum Glück haben Ereignisse daraus noch (Nach-)Wirkungen im dann aktuellen Jahr. Deshalb ist da auch immer wieder Hoffnung, nicht wahr?

 

Erinnerung des Tages:
Silvester 2001 habe ich zum letzten Mal Neujahrsgrüße auf CB FM 37 ausgetauscht …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 31. Dezember 2024 mit den gemachten Einträgen im neuen Papierkalender, mit einer Vereinbarung für den Jahreswechsel, mit den Rouladen um 18 Uhr.

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365–2024: Althergebracht

Viele kennen es nicht aus eigener Erfahrung.

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An einem Tag wie heute – draußen ist es kalt geblieben und schneelos – gibt es kaum besseres, als in der guten Stube zu sitzen vorm brennenden Kaminofen. Die Schwib­bogen leuchten, zwei Kerzen spenden wie die Flammen vom Holzfeuer flackerndes, warmes Licht. Es ist und bleibt eine andere Wärme, an die die einer Fern- oder anderen Heizung nicht herankommt. Und dazu noch das Knistern vom Holz …

Ich weiß, mittlerweile gibt es mehr Menschen, die ohne Ofenheizung aufwuchsen, als solche, die Holz und Kohlen heranschaffen und Asche rausbringen mußten – oder, aus meiner Sicht, durften. Die haben das nie selbst erlebt, nie selbst einen Küchenherd angefeuert. Ja, ich weiß um den Feinstaub und die Abgase und all die unschönen Effekte von Feuer, von Öfen. Dennoch trauere ich dem nach, denn einfach so ohne Strom und Internet und all dem anderen Notwendigen etwas zu haben, an dem man sich wärmen und auch Essen kochen kann, finde ich wirklich gut. Nein, ich will werder zurück zur Natur noch zurück in die Sechziger oder ins „finstere” Mittelalter. Aber wenn ich mir die Weltlage ansehe …

Ich kann mich daran erinnern, daß mein Vater als Spinner bezeichnet wurde, als er 1993 beim Einbau einer modernen Gasheizung den anderen der beiden im Haus vorhandenen Schornsteine funktionsfähig beließ, auch die daran angeschlossenen Küchenherde, die mit Kohle und Holz gefeuert wurden, blieben betriebsfähig erhalten. Denn wenn einer Gasheizung der Strom fehlt, geht da nichts mehr (elektro­magnetische Ventile und elektrische Zündung). Doch mein Vater hat sich an der zumeist unsachlichen Kritik nicht gestört, auf seiner Meinung und seinem Plan beharrt. Noch vor der Pflicht dazu und weit vor seiner Erkrankung ließ er den Schorn­stein mit einem Feinstaubfilter ausrüsten. Hoffentlich darf das, was jetzt vorhanden ist, noch eine Weile so genutzt werden, wie es jetzt gerade genutzt wird: Holzfeuer im Kaminofen, Kartoffeln auf dem mit Holz befeuerten Küchenherd gekocht.

Althergebrachte Methode der Wärmeerzeugung in Häusern und Wohnungen. Ich mußte sie als Kind schon beherrschen, wenn ich im Winter nicht so sehr frieren wollte. Und eine Zeitlang war ich ja auch Heizer in einer Schule (und Hausmeister). Den Umgang mit Holz und Kohle und Asche beherrsche ich noch heute, und ich werde es hoffentlich noch ein paar Jahre immer wieder nutzen können. Denn so eine Ofenwärme ist doch etwas ganz anderes, etwas viel Gemütlicheres als ein Heizkörper, wie warm und unkompliziert der auch ist.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich mußte heute die Aschekästen zweier Öfen leeren – ach, das habe ich schon sehr lange nicht gemacht!

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 30. Dezember 2024 mit den brennenden Öfen, mit dem erledigten Einkauf, mit dem Hackepeter am Abend.

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364–2024: #TankaToGo

Im Angesicht der fliehenden Zeit.

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Drei Tage später
Verschwindet ein ganzes Jahr
Im Dunkel der Zeit

Dabei brannten erst gestern
Walpurgisfeuer am Berg

Ein Tanka.

 

 

Es war doch grad erst Ostern, und Pfingsten ist auch noch nicht lang her? Wo ist die ganze Zeit geblieben? Hab ich in früheren Jahren auch so gejammert am Jahresende? Bin ich denn bereit für dieses 2025?

Seid ihr es vielleicht?

 

Erinnerung des Tages:
Das erste Badezimmer im Haus der Großeltern hatte zwei Türen, war von zwei Wohnungen im Erdgeschoß aus zugängig (um 1970 herum).

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 29. Dezember 2024 mit dem Besuch beim Vater (der heute viel geredet hat), mit dem Feuer im Kaminofen, mit der aufgefüllten Radioaktivität (Wasser aus der stärksten frei zugänglichen radioaktiven Quelle Deutschlands, der Gleesbergquelle in Schlema).

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363–2024: Eventualitäten

Ich hab mich das sehr oft gefragt.

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Wenn ich so durch meine Kladde blättere, dann finde ich im Jahre 2024 ziemlich oft „Was-wäre-wenn”-Szenen. Zumeist in der Form mit „wenn-nicht”, also: Was wäre, wenn das nicht oder Was wäre, wenn ich nicht oder Was wäre, wenn die (Mehrzahl) nicht. Ich habe nicht darauf geachtet, ob das in realen Notizen öfter vorkam als in fiktiven oder umgekehrt. Aber die Häufigkeit insgesamt hat mich überrascht. Dabei geschieht jedoch das Katastro­phi­sieren nicht mehr, fast nicht mehr, und es zeigt sich eher eine Vorbereitung auf mehrere mögliche Verläufe, Fortsetzungen, Reaktionen.

Gut, ich kann also sagen, daß ich micht nicht mehr so oft in hypothetischen Konstrukten des „Was-wäre-wenn”-Typs verheddere oder verliere. Eine unange­neh­mere Variante ist nicht mehr – wie früher üblich – immer die wahrscheinlichere, ungünstige Bedingungen herrschen nicht automatisch nur wegen meiner Existenz. Während früher solche Eventu­ali­täten immer auch zu Angst führten, Hemm­schwellen ins Unermeßliche wachsen ließen, dafür sorgten, daß ich mich schämte, sind sie heute Bestandteile eines drurchaus lust­vol­len Herumspielens mit und in meinen Realitäten. Ja, richtig gelesen: Realitäten – ich habe mehrere davon; ihr doch auch, oder? Jedenflalls habe ich mit mehreren Realitäten auch mehr Eventualitäten.

Aus der Frage „Was wäre, wenn …” ergab sich nur noch ganz, ganz selten (ein einziges Mal im ganzen Jahr bisher) ein Zögern, ein Vermeiden – und das ist etwas, das ich als Erfolg verbuche für 2024.

 

Erinnerung des Tages:
Einmal im Jahr hatte der Bäcker, einer unserer Nachbarn, seine Backstube montags für Kundschaft geöffnet: Nur am Montag nach dem Totensonntag wurden (ausschließlich) die Weihnachts- und Christstollen nach Kundenrezept zusammengerührt und gebacken.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 28. Dezenber 2024 mit mit meiner Pünktlichkeit, mit Bock-Bäcker-Stollen zum Kaffee am Nachmittag, mit Knoblauchbrühwurst am Abend.

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362–2024: Endlich

Einige Überlegungen vor dem Jahreswechsel.

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Einstein soll gesagt haben:
„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.”
(Ja, es gibt begründete Zweifel an genau seiner Urheberschaft. Und selbst das unendliche Universum hat Grenzen, ein Ende, und ist dennoch unendlich …)

Ich erlebe gerade wie viele eine Endlichkeit. Die eines Jahres. Es geht auf sein Ende zu, hat nur noch vier (wenn ihr hier erst nach Mitternacht lest: drei) Tage. Für viele wird es wieder Zeit für einen Rückblick, manche möchten dieses Jahresende für einen Abschluß nutzen. Aber: Das, was da kommt, ist doch nur immer wieder ein neuer Tag. Einer, an dem es sich für jeden von uns Menschen „lohnt” aufzustehen? Das halte ich für einen ausgemachten Humbug.

Lohnen. Was soll das denn in diesem Zusammenhang heißen? Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, daß das nicht immer geht. Ich bin aufgestanden, obwohl ich es nicht wollte, obwohl ich wußte, daß an einem Tag nichts Gutes und gleich gar nichts Besseres geschehen wird, als daß ich weiterleben muß (ja, so schlimm war es wirklich). Da war in mir weder Kraft noch Hoffnung, wirklich nicht, wochenlang.

Wenn ich aufstehe, dann um zu leben. Ein paar Stunden, einen nächsten Tag. Immer und immer wieder. Eine Woche ist ein langer Zeitraum. Ein ganzer Monat, ein ganzes Jahr: am Anfang unüberschaubar lang, im Rückblick oft schnell, manchmal zu schnell vorbei. Da ist es wie mit der Stunde des Wartens: Die ist viel länger als die zwei, drei Stunden, die man sich trifft. Ich weiß, daß es auch andersherum sein kann, keine Sorge. Aber auch da schon zeigt sich, daß Zeit nicht immer gleich abläuft, nicht für uns Menschen, zumindest nicht für mich.

Und ja, ich frage mich, wo dieses Jahr 2024 hin ist. Besonders die zweite Jahreshälfte hätte gut und gern doppelt oder dreimal so lang sein können. War es aber nicht, und im Rückblick ist das gut so. Weihnachten 2025 ist noch unendlich weit entfernt, und es wird dann wie immer viel zu plötzlich und völlig unvorhersehbar da sein. Ich weiß.

Andererseits: Es ist gut, daß vieles endlich ist. Und tröstet mich auch oft.

 

Erinnerung des Tages:
Ich verbrachte nur zwei Jahreswechsel nicht an einem Wohnort meiner engeren Famile: Einmal war ich in Prora, einmal in Erfurt, sonst immer zuhause oder bei den Schwiegereltern.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 27. Dezember 2024 mit entgegengebrachtem Verständnis, mit dem ausgelesenen ersten von vier Bänden „Otherland”, mit getroffenen Vorbereitungen für die nächsten Tage.

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361–2024: Hinab

Ein absurder Traum, den ich in der Nacht notieren konnte.

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Das ist, was mir von etwa zehn Minuten Traum geblieben ist, was davon ich fest­hal­ten konnte vor einigen Tagen. Ich hatte mir vorher ein älteres Video angesehen mit den Türmern in St. Annen, in dem in einer ziemlich lange Sequenz die Kamera die Treppe hinabstieg. Es ist ein Video über den vierten Advent mit der Bergparade dort, das seit Jahren auf meiner Festplatte gespeichert ist, und in dem diese Szene vorkommt.

 

 

Ich träume. Ich weiß, daß ich träume, einen Traum erlebe. Ich gehe eine Treppe hinab, deren Stufen sich seltsam anfühlen, irgendwie weich und die Höhe stimmt auch nicht immer. Ab und an scheint die halbe oder anderthalbe Normhöhe verbaut zu sein. Die Schwie­rigkeit: nach einer halben muß ich auf dem linken Bein, nach einer anderthalben auf dem rechten Bein eine Stufe tiefer hüpfen. Es ist so, und ich halte mich an diese Vorschrift. Außerdem verändert sich die Breite der Treppe ständig.

Es geht abwärts. Immer hinunter, wie weit noch, kann ich nicht erahnen. Wie in Wachzeiten habe ich ein wenig Angst vor der Tiefe unter mir. Ich weiß zwar, daß ich träume und mir deshalb nichts geschehen kann. Aber das beeindruckt meine Ängstlichkeit nicht, sie ist da und läßt mich flacher atmen und schneller. Etwas schießt neben der Treppe von unten nach oben an mir vorbei, so schnell, daß ich es nicht erkennen kann und außer des hellen Äquivalents zu einem Schatten – eine lichtgraue, vorbeihuschende Spur – nur einen Luftzug wahrnehmen kann. Kühl, Kellergeruch hinterlassend.

Weiter hinab, tönt es in mir. Denk an die Hüpfregeln, erinnere ich mich selbst. Und stelle fest, daß ich nicht mehr weiß, welches Bein zu welcher Stufenhöhe vorgeschrieben ist. Also hüpfe ich dreimal nacheinander rechts, dreimal nacheinender links. Nichts passiert, kein Warnton, keine Lichtsignale, nichts. Dann mache ich jetzt in meinem Traum eben nach meiner Dreier-Methode weiter. Abwärts, immer weiter. Keine Ahnung warum, keine Idee wohin. Muß ein Traum, ein Weg in einem Traum überhaupt ein Ziel haben? Die Beine schmerzen jetzt, das wird bösen Muskelkater geben.

Und obwohl es nicht gestattet ist, sich auf der Treppe niederzu­setzen: Jetzt brauche ich eine Pause. Die Knie tun weh beim Beugen. Mit der rechten Hand halte ich mich an einem Handlauf fest, mit der linken versuche ich, die Sitzfläche, die Stufe zu ertasten und greife ins Leere – das Erschrecken darüber läßt mich schweiß­gebadet im Bett sitzen …

 

 

Hm. Für manche ist ja morgen schon Weihnachten vorbei. Andere beenden diese Zeit mit dem 6. Januar. Ich brauche so einiges länger, um „runterzukommen”, bis zum 2. Februar nämlich. Vielleicht ist dieses endlose Treppab eine Art Allegorie darauf gewesen? Ich habe keine Ahnung, Traumdeutung ist und war noch nie mein Ding. Da ich aber im Traum nicht in die Dunkelheit hinabsteigen mußte, gebe ich dem Ganzen eine in der Tendenz positive Bedeutung.

Zwei Wünsche läßt mir jeder aufgeschriebene Traum zurück: Ich möchte mich an viel mehr Träume vollständig erinnern können; und ich wüßte nur zu gern, was mir da mein Denkicht mitteilen möchte oder was es da gerade sortiert.

Ich wünsch euch allen schöne Traüme.

 

Erinnerung des Tages:
An einem zweiten Weihnachtstag vor vielen Jahren besorgte ich spätabends noch Eis und Sprühsahne an einer Tankstelle. Hach ja.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 26. Dezember 2024 mit einem installierten Tool (Sprache zu Text, funktioniert), mit einem „notierten” Text, mit einer leisen Vorfreude.

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360–2024: Zeitverschiebung

Sowas ist immer ein wenig sonderbar, nicht wahr?

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Heut früh fühlte es sich sehr sonderbar an, als ich etwa um Neun an den Rechner ging und mich umsah. Da war einfach kein neuer Beitrag in meinem Blog hier. Immerhin ging 24 Tage lang einer schon um Sechs online, geplant, das gebe ich zu. Aber das fehlte dennoch, wider besseren Wissens.

Jetzt wird es für fast ein Jahr wieder am Abend Neues geben, und zwar ab heute immer um 19.45 Uhr. Warum gerade um die Zeit und nicht mehr wie vorm Advent? Nun, in der Jahresmitte hat sich mein Leben um ein paar Stunden verschoben, ich erwähnte das schon: Schlagartig konnte ich nicht mehr bis Elf schlafen; ich werde morgens um Fünf herum wach, ohne Wecker. Deshalb gehe ich seither auch viel früher zu Bett, bin dann noch ein Weilchen mit dem Tablet zugange oder mit einem Buch. Da ist dreiviertel Acht eine Zeit, die ich auch ohne lange Planung einhalten kann.

Ich habe übrigens noch immer nicht herausgefunden, was diese Veränderung von der Eule zur Lerche verursachte. Eine Ahnung habe ich, aber selbst, wenn die stim­men würde, dann wäre die Veränderung etwa zwei Wochen vor dem auslösenden Ereignis eingetreten – das wäre etwas gespenstisch, oder? Außerdem ist einiges unverändert geblieben, denn z. B. Termine vor 11.00 Uhr sind mir noch immer zuwider und ich geh noch immer am liebsten erst nach der ersten Kanne Kaffee irgendwohin. Andererseits kann ich mittlerweile auch schon eine Stunde nach dem Wachwerden kommunizieren. Puh. Und dann ist der Marktmönch auf den Märkten noch immer der, der selbst eine Stunde vor Marktöffung noch nicht aus dem Schlaf­sack krabbeln will.

Ich habe es einfach akzeptiert, daß sich mein Tag so weit in der Zeit verschoben hat. Habe nicht einen einzigen Tag dagegen angekämpft. Trotzdem würde ich gerne die Ursache, den Anlaß, den Zweck wissen. Ich mein: Irgendetwas muß da doch gewesen sein oder noch sein? Allerdings werde ich dem ganz sicher nicht obsessiv auf den Grund gehen wollen; es ist, wie es ist, und es scheint nicht schlecht zu sein.

 

Verschobene Zeit. Heute also erstmals nach langer Zeit und für lange Zeit 19.45 Uhr.

 

Erinnerung des Tages:
Ein wenig vermisse ich das, was meine Kinderweihnacht mit ausmachte: Geborgenheit.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 25. Dezember 2024 mit dem „Reste”-Essen, mit dem so weihnacht­lichen Gefühl, mit einigen für das nächste Jahr schon notierten Sachen.

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359 – Advent 2024: 24. Türchen

 
Das ist der 15. Adventskalender hier. Ich widme ihn allen, die krank sind oder Unterstüt­zung benötigen, allen, die einsam oder allein sind. Möge allen Menschen eine im wahrsten Sinne des Wortes wunder­volle Weihnachtszeit beschieden sein. Meine Kerzen brennen wieder für alle Menschen und Tiere, vor allem für die, die Hoffnung und Trost brauchen.

 
 

Die Weihnachtsgeschichte, kurz und anders.

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Die gute Nacht (1926)
Bertolt Brecht (∗ 1898 – † 1956)
 

Der Tag, vor dem der große Christ
Zur Welt geboren worden ist
War hart und wüst und ohne Vernunft.
Seine Eltern hatten keine Unterkunft
Und auf den Straßen herrschte ein arger Verkehr
Und die Polizei war hinter ihnen her
Und sie fürchteten sich vor seiner Geburt
Die gegen Abend erwartet wurd.

Denn seine Geburt fiel in die kalte Zeit.
Aber sie verlief zur Zufriedenheit.
Der Stall, den sie doch noch gefunden hatten
War warm und mit Moos zwischen seinen Latten
Und mit Kreide war auf die Tür gemalt
Dass der Stall bewohnt war und bezahlt.
So wurde es doch noch eine gute Nacht
Auch das Heu war wärmer als sie gedacht.

Ochs und Esel waren dabei
Damit alles in der Ordnung sei.
Eine Krippe gab einen kleinen Tisch
Und der Hausknecht brachte ihnen heimlich einen Fisch.
(Denn es musste bei der Geburt des großen Christ
Alles heimlich gehen und mit List.)
Doch der Fisch war ausgezeichnet und reichte durchaus
Und Maria lachte ihren Mann wegen seiner Besorgnis aus.

Denn am Abend legte sich sogar der Wind
Und war nicht mehr so kalt, wie die Winde sonst sind.
Aber bei Nacht war er fast wie ein Föhn.
Und der Stall war warm. Und das Kind war sehr schön.
Und es fehlte schon fast gar nichts mehr –
Da kamen auch noch die Dreikönig daher!
Maria und Joseph waren zufrieden sehr.
Sie legten sich sehr zufrieden zum Ruhn
Mehr konnte die Welt für den Christ nicht tun.

 
 

 

Der Brecht, der notorische Kommunist, mußte natürlich auch mal über dieses Thema schreiben. Etwas schnodderig find ich sein Gedicht, der Konfirmand in mir (ich war 33 zu meiner Konfirmation) meint sogar: ein wenig blasphemisch. Aber warum soll ein Mensch, gleich welcher Weltanschauung und Religion, nicht über Weihnachten nachdenken, nicht darüber schreiben?

Heute ist der Heilige Abend, nach dem die Heilige Nacht folgt. Möge sie so still sein, wie ihr sie euch wünscht. Möget ihr – egal wo und wer ihr seid – den Frieden finden, zuerst im Innen, dann für die ganze Welt auch im Außen. Weltfrieden, am besten, ehe die Menschheit ausgestorben ist …

Ach: Es wird aller Voraussicht nach auch einen 16. Adventskalender geben.

 

Ich schleiche mich davon und wünsche eine schönen Heiligen Abend. Wenn ihr beschert werdet, soll es reichlich sein.

Der Emil

 

P. S.: Zufrieden war ich gestern, am 23. Dezember 2024 mit dem erledigten Einkauf, mit der Unterwegszeit draußen, mit der angesetzten braunen Mehlschwitze.

P.P.S.: Ab morgen erscheinen meine Beiträge wieder am Abend – allerdings um 19.45 Uhr, und das wird dann auch das ganze nächste Jahr so bleiben bis zum Advent.


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358 – Advent 2024: 23. Türchen

 
Das ist der 15. Adventskalender hier. Ich widme ihn allen, die krank sind oder Unterstüt­zung benötigen, allen, die einsam oder allein sind. Möge allen Menschen eine im wahrsten Sinne des Wortes wunder­volle Weihnachtszeit beschieden sein. Meine Kerzen brennen wieder für alle Menschen und Tiere, vor allem für die, die Hoffnung und Trost brauchen.

 
 

Das unbedingt notwendige Orakel für das nächste Jahr.

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„Wir brauchen für morgen unbedingt noch eine große, wirksame Prophezeiung!” „Bitte: Was?” „Na Du weißt doch, morgen ist ein Lostag. Da befragen viele Menschen die Zukunft nach Möglich­keiten!” „Moment. Äh: Wie? Das ist morgen?

Zwei Wichtel sitzen unter einem Weihnachtsbaum, der eine schaut sehr irritiert drein. „Das kann nicht morgen sein. Nein, das ist unmöglich. Schließlich ist Mariä Lichtmeß grad drei Wochen her!?” Der andere zieht einen Kalender aus einer unsichtbaren Hosen­ta­sche. Blättert und zeigt dem anderen Seiten voller Einträge – und die belegen, daß jetzt wirklich Weihnachten sein muß. Uff. Beide sitzen da und kratzen sich an Kopf und Bart. Eine Prophezeiung muß also sein. Privat oder menschheitsweit? Stille, betretene. Nachdenkgeräusche, die überlaut um die geschmückte Fichte wehen.

„Scheiße. Weihnachten. Morgen schon. Das ist echt doof.” Beide schweigen wieder eine Weile. „Und wir müssen wirklich …?” „Ja, wie jedes Jahr.” Schnaufen ist zu hören. „Vor allem: wirksam.” „Ja, wirksam.”

Zwei Wichtel sitzen schwitzend und nachdenkend unter einem Weihnachtsbaum. Da hat der eine eine Idee, der der andere nur unter Vorbehalt zustimmen kann: „Wir prophezeien für alle, die sich menschlich verhalten und solidarisch, ein Jahr, auf das zufrieden zurückgeblickt werden kann.” „Menschliches Verhalten kann auch sehr beschissen sein?” Aber eine bessere Idee finden die beiden Wichtel wirklich nicht. Daran kann natürlich der viele Glühwein Schuld gewesen sein, den sie nach und nach wegschlürften … Oder war es der heiße Met?

 
 

 

Ich schleiche mich davon und wünsche eine schöne Advents- und Weihnachtszeit.

Der Emil

 

P. S.: Zufrieden war ich gestern, am 22. Dezember 2024 mit den vielen heruntergebrannten Kerzen, mit der Weihnachtsmusik (zum Teil sehr schräg mitgesungen), mit der gemütlichen Gammelei in Weihnachtsstimmung.


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357 – Advent 2024: 4. Advent

 
Das ist der 15. Adventskalender hier. Ich widme ihn allen, die krank sind oder Unterstüt­zung benötigen, allen, die einsam oder allein sind. Möge allen Menschen eine im wahrsten Sinne des Wortes wunder­volle Weihnachtszeit beschieden sein. Meine Kerzen brennen wieder für alle Menschen und Tiere, vor allem für die, die Hoffnung und Trost brauchen.

 
 

Die Geschichte des Tisches und des darauf stehenden Leuchters.

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Er war rot. Auf einem runden Fuß ruhten zwei sich kreuzende Holzarme. Über dem Kreuzpunkt wuchs eine kleine, goldene Säule in die Höhe, auf der eine goldene Kugel und noch über ihr ein goldener Stern ruhten (bei der Großtante saß ganz oben ein Engelein). In der vier Enden der Arme finden sich Lichtertüllen mit Tropfenfängern. Vier dickere, kurze Kerzen wurden ihm aufgesteckt (und immer wieder erneuert). Rote Kerzen auf dem roten Advents­leuchter.

Dieser Leuchter war eine Konstante der Adventszeit bei meinen Eltern zuhause. Bis zum Jahr des Ungemachs. Es war der vierte Advent, nach dem Adventskaffee. Niemand hatte daran gedacht, die Kerzen zu löschen. Alle waren wir aus dem Wohnzimmer hinaus­gegangen, hatten in der Küche und sonstwo im Haus zu tun. Irgendwann roch mein Vater etwas. Die unbeobachtet herunter­brennenden Kerzen hatten die Fichtenzweige in Brand gesetzt, die Tischdecke brannte auch. Feuer in der Wohnung. Ich sah, wie Vater die Sofadecke von der Couch riß und auf die Flammen warf. Mit einem Kissen klopfte er dann auf die Decke, heftig, eine ganze Weile. Und dann war das Feuer aus.

Die Wohnung stank danach ein paar Tage nach Rauch. Dagegen kamen auch die Räucherkerzen, das Raumspray und der Rauchver­zehrer nicht an. Wir hatten dennoch Glück im Unglück, brauchten keine Feuerwehr und hatten auch – ganz wichtig! – den Teppich nicht mit Löschwasser versaut. Der Leuchter, der rote, war nicht zu retten und wurde bei meinen Eltern auch nie durch einen gleich­ar­tigen oder ähnlichen ersetzt. Nie wieder blieb auch nur eine Kerze ungelöscht, wenn alle den Raum verließen.

Der Tisch mit den angekokelten Intarsien steht seit Jahren bei mir in der Wohnung. Auf ihm liegen in der Weihnachtszeit Tannen- oder Fichtenzweige, aber keine Tischdecke. In der Mitte steht seit ein paar Jahren ein Leuchter wie der, der damals verbrannte. Rot, vierarmig, mit Kugel und Stern in Gold. Allerdings sind heute Tüllen für Teelichte an den Enden. Die sehen nicht ganz so festlich aus wie die Adventskerzen, aber die Brandgefahr ist viel, viel geringer. Doch auch ich lösche alle Kerzen, wenn ich für mehr als zehn Minuten den Raum oder gar die Wohnung verlasse. Ich muß weiß Gott keinen zweiten Brand in einem Zimmer erleben.

 
 

 

Ich schleiche mich davon und wünsche eine schöne Advents- und Weihnachtszeit.

Der Emil

 

P. S.: Zufrieden war ich gestern, am 21. Dezember 2024 mit den weggebrachten Büchern, mit dem erledigten Einkauf, mit den gelesenen Weihnachtsgeschichten (Fröhliche Weihnachten für freche Frauen).


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