2025 – 154: Schwierigkeit

Ich hätte nie vermutet, daß das ein Problem sein kann.

 

Vorweg: Ich brauche keine Hinweise auf Bezugsquellen und/oder „life hacks”, denn ich wollte und will weder online bestellen noch „Trick 17b mit Selbstverarschung” anwenden.

Kopierpapier. Gibt es mittlerweile auch beim Discounter, in Drogeriemärkten und sonstwo. Stimmt. Ich brauche Kopierpapier in der Größe DIN A5. Das ist für Hefte und Blöcke ein wirklich gängiges Format, und ich kenne es durchaus noch aus der Arbeit in diversen Büros und ähnlichen Umgebungen. Kleine Sachen konnten einfach auf die kleinen Blätter gedruckt werden.

Also auf ins Getümmel, ab zum Papierschotten. DIN A5? Kopierpapier? Nö. Auch in einer zweiten Filialen dieser Kette nur sonderbare Blicke ob meines Wunsches. Ich fühlte mich angestarrt wie ein exotischer Perverser, nur weil ich nicht auf DIN A4 drucken möchte. Der Drogeriemarkt, der auch sehr viel Bürobedarf im Sortiment hat, könnte Kopierpapier in der gewünschten Größe besorgen, wenn – ja, wenn ich davon 10 Packen abnehme, also kaufe. Der inhabergeführte Schreibwarenladen, in dem ich so gerne Schreibgeräte (Füllfederhalter) und Kladden kaufte, existiert nicht mehr.

Ich klapperte einige Filialen der allgegenwärtigen Billigheimer ab, auch bei denen gibt es zwar Kopier­papier, aber nur das in der von mir nicht gewünschten Größe. Ich könnte die Blätter doch bei Bedarf mit einem Rollschneider – Der da ist grad im Angebot! – halbieren, dann hätte ich immer, was ich brauche. Neee, dann hätte ich zu großes Papier, daß ich mir Blatt für Blatt teilen, und zwar millimetergenau teilen müßte. Das, finde ich, ist vertane Lebenszeit.

Nun, es wäre abzusehen gewesen, daß es etwas so Ungewöhnliches nicht im Laden gibt? Ich hätte es ja gleich bei Azamon bestellen können? Neeee! Kann ich nicht! Bei denen kaufe ich nicht! Und auch nicht bei der Lektrobucht! Es muß doch irgendwo in einem Laden dieser Stadt …

Vertane Zeit, meine Suche nach Papier DIN A5? Nicht ganz, denn so war ich meine Zeit draußen unterwegs. Und schließlich, nach bis dahin sechs erfolglos besuchten Geschäften, war ich in einer dritten Filiale vom Papierschotten und kaufte dort Kopier­papier DIN A5, 500 Blatt zu einem Preis, für den ich auch 1.000 Blatt DIN A4 (entspricht 2.000 Blatt A5) hätte kaufen können. Wahrscheinlich wär ich andern­falls noch in einen Copyshop gegangen, bei dem ich mir schon A5 kopieren ließ. Drei Stunden in der Stadt unterwegs, letztlich mit Erfolg: mit dem gesuchten Papier.

 

Erinnerung des Tages:
Oh, wie schön wars immer, im Schreibwarenladen auf der Großen Ulrichstraße zu stöbern!

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 3. Juni 2025 war ich zufrieden mit Geschriebenem, mit etwas endlich Ersetztem, mit dem gekauften Papier.


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2025 – 153: Entschachtelt

Ich bin über meinen Schatten gesprungen.

 

Es stimmt, das war schon ein richtiger Tick von mir, ein echter Spleen. Ich habe alle möglichen Plastedosen mit dicht schließendem Deckel immer sorgfältig gereinigt, abgewaschen also, und dann aufgehoben. Das ist so eine Sache, die mit den vier­eckigen Behältern für „Frische Rahmbutter” in der DDR begann. In die konnte man ja alles mögliche einsortieren, in denen wurde vieles gesammelt. Vor Jahren wurde die Produktion des Streichfetts (mittlerweile unter dem Namen „Frische Sahnige”) dann eingestellt. Ich habe noch zwei der Schachteln, in denen Kleinkram (den ich wohl auch wegschmeißen kann) gesammelt ist.

Meine Aufheberei endete damit längst noch nicht: Weiterhin reinigte und sammelte ich alle mäglichen Plasteschachteln. Und immer wieder habe ich eine ganze Anzahl dieser Schachteln entsorgt. Selbst von den Senf- (Bautzner) oder Joghurteimern trennte ich mich immer wieder, aber von denen behalte ich immer drei oder vier, in denen ich Suppen u. a. einfriere. Nur diese kleinen Becher (immer nur die mit dicht schließendem Deckel) von Salaten und auch immer wieder viereckige Margarine­schachteln … Uff. Mittlerweile habe ich mir tatsächlich für Lebensmittel geeignete Vorratsdosen in ausreichender Anzahl zugelegt. Die gesammelten brauche ich also wirklich nicht mehr.

Heute bin ich am Vormittag über meinen Schatten gesprungen. Ich habe alle auf­find­baren Plasteschachteln zusammengesucht. Und sie in die Gelbe Tonne gebracht. Es braucht bestimmt einige Zeit, ehe ich auch damit aufhöre, die Dosen und Becher abzuwaschen. Die dürfen ja löffelrein entsorgt werden. Aber ich befürchte, eine so langjährige Routine wird etwas Entwöhnungszeit brauchen. Vorerst habe ich meinen Haushalt weitgehend entschachtelt.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Steht schon da oben: Ich habe eine ganze Menge Plasteschachteln weggeworfen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 2. Juni 2025 war ich zufrieden mit dem Linseneintopf, mit dem Unterwegssein in der Stadt, mit dem Entschachteln.


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2025 – 152: Lautstark

Und ich wurde zuverlässig verfehlt.

 

 

Ein Blitz nah beim Haus
Heftiges Donnergrollen
Landregen dazu

Nach dem lautstarken Wetter
Grüne Wiesen ringsumher

Ein Tanka.

 

 

Regen gab es heute häufiger. Etwa 15 Uhr sah ich diesen einen Blitz vor meinem Fenster, war vom lauten Knall erschrocken und hörte ein ewig langes Donner­grollen. Einschlag nicht ganz 100 m vom Haus weg.

Der Regen tut den Pflanzen hier wirklich gut.

 

Erinnerung des Tages:
Bei beiden Großeltern gab es Gewitterroutinen, die sich sehr ähnelten: Die Jahreskerze wurde entzündet, man saß angekleidet in der Küche, die Kassette mit allen wichtigen Papieren stand bereit. Im reetgedeckten Haus in Mecklenburg öfter als im Erzgebirge.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 1. Juni 2025 war ich zufrieden mit dem Ausschlafen, mit den geretteten Linsen (ich hatte wohl zweimal gesalzen), mit Brathering am Abend.


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2025 – 151: Tierchen

Rauswurf mit Abschiedsgeschenk.

 

 

Das Tierchen schaut mich sehr böse an – oder ist das der ängstliche Blick? So genau weiß ich es nicht, also entscheide ich mich für den bösen Blick. Wie konnte ich aber auch! Das, was ich tat, war der Gipfel dessen, was es sich an Qualen vorstellen konnte. Hungrig auf der Suche nach dem, was in meinem Vorratsschrank so verfüh­re­risch duftete, war es unterwegs, ließ sich von ein paar winzigen Bröckchen nur verführen und landete in der Falle. Von den wenigen Krümeln wurde das Tierchen nicht satt; so saß es die ganze Nacht hungrig inmitten all der Wohlgerüche, die von den Keksen und den Rosinen und den Erbsen ausgingen. Die! Ganze! Nacht!

Nun, ich bin dem Tierchen nicht böse. Es hatte doch nur getan, was es tun mußte: Futter gesucht. In meinem Vorratsschrank. Als ich feststellte, daß von dem Wenigen, welches ich nicht in Gläsern und Dosen lagerte, dann doch fast alles aufgenagt war: Bulgur, Rosinen, die Tüte Gebäckmischung, der Zwieback – aufgenagt, ja, da kaufte ich drei Lebendfallen. Und machte mich schlau, was Mäuse wirklich mögen als Köder in der Mausefalle. Als ich begann, alle zwei Tage drei Rosinen mit Schokocreme zu bestreichen, denn Schokolade und Rosinen sollten die besten Köder sein, glaubte ich zunächst an einen schnellen Erfolg. Allein, die Mäuse waren schlauer.

Aber heute, nach über einer Woche, heute saß das Tierchen in der Falle. Niedlich finde ich sie schon, die Mäuse, aber ich möchte keine wilden Mäuse im Haushalt haben. Wenn ich ihn – es ist eindeutig ein Mäuserich – nachher im Oberdorf in den Wald entlasse, dann gebe ich dem bös dreinschauenden Tierchen noch ein Geschenk mit: Den Rest der angefressenen Tüte Rosinen streu ich irgendwo in die Büsche. Und ich werde das Loch oder den Spalt, durch den die Mäuslein in meinen Vorratsschrank schlüpfen können, finden und verschließen. Und ein paar Tage noch werde ich weiter Rosinen mit Schokocreme präparieren, vorsichtshalber für den Fall, daß das Tierchen nicht alleine war …

 

 

Erinnerung des Tages:
In der Werkstatt meines Großvaters wurden nicht nur viele Spinnen öfter mal mit Insekten gefüttert, nein, in der gab es auch mindestens eine Mäusefamilie, die immer gefüttert und mit Wasser versorgt wurde.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 31. Mai 2025 war ich zufrieden mit dem Kaffee am frühen Morgen in aller Ruhe, mit der Mitfahrgelegenheit zum Bahnhof, mit dem zweistündigen Reisegespräch.


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2025 – 150: Weltuntergang

Ein sehr musikalischer Tag.

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Ich weiß gar nicht (und such jetzt auch nicht danach), wie lange gesungen wurde (und vielleicht auch noch wird): „Am 30. Mai ist der Weltuntergang – wir leben nicht mehr lang …” Und es hieß im Lied auch, daß keiner weiß, der 30. Mai welchen Jahres es sein wird …

Heute hörte ich ein anderes Lied, mehrfach, weil ich es mag. Weil es in ihm heißt: „Und was draußen passiert interessiert mich nicht. Geht die Welt heute unter, geht sie ohne mich.”

 

 

Ja, leider YT. Und jaja, das Lied ist schon fast 40 Jahre alt, von 1986! Aber diese beiden Sätze, von dieser Stimme!

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Weitere Sachen aus meiner Studentenzeit wurden zu Altpapier – ich wußte nicht, daß noch so viel davon existierte.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 30. Mai 2025 war ich zufrieden mit der erledigten Aufgabe, mit aufgewärmtem Gemüse­eintopf, mit meiner Abgeklärtheit (anders weiß ich es grad nicht zu nennen) beim Sortieren.


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2025 – 149: Flieder

Oder doch lieber Rhodedendron? Ach nein, Flieder.

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Diese Sträucher oder niedrigen Bäume: wer kennt sie nicht. Und jetzt, da er blüht, ist er auch kaum zu übersehen.

Aber: Wenn ihr Flieder lest oder hört, was kommt euch da zuerst in den Sinn? Die Blüten mit ihren Farben, der Duft, die Blätter – oder das Summen der nektar­sam­melnden Insekten?

Ich rieche ihn zuerst und sehe dann entweder weiße oder dunkelblaue Blütenstände vor meinem inneren Auge. Schon, wenn ich das Wort lese oder höre. Und wenn ich, wie heute, zwischen Rhodedendron und Flieder hinundhergehen kann und dabei mehrere Bienen- und Hummelarten sehe (u. a. eine der Blauen Holzbiene ähnliche, die aber viel, viel kleiner als jene war) beobachte und natürlich auch höre, dann freu ich mich durchaus meines Lebens. Und beim Flieder steh' ich lieber.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Sechzehn Hefter mit Mitschriften, Übungen und anderem aus meinem Studium (1985 – 1988) kamen ins Altpapier.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 29. Mai 2025 war ich zufrieden mit der vielen Ruhe, mit der gefundenen Bedienungs­anleitung meiner allerersten Computer-Mouse (GM-6), mit einigen notierten Erinnerungen.


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2025 – 148: Aussicht

Die interessanteste Sache dort oben.

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„Wenn Du da hinaufgehst, bis ganz oben, dann siehst Du die Ampeln an der Kreuzung direkt vor der Autobahn.”

Beate schaut verständnislos die ältere Frau an und fragt, wozu sie denn auf den Berg gehen soll. Die Ampel ist ja wohl nichts, was zu einer schönen Aussicht gehört. Es wird ja wohl auch noch Anderes von da oben aus zu sehen sein? Nein, mehr ist da nicht, das Interessanteste ist diese Ampel. Weil an der immer Bewegung ist, immer Verkehr – außer bei Stau, da ist es dann wirklich uninteressant, weil nichts sich bewegt. Und so überlegt sie, was es sonst im Leben der älteren Frau noch gibt, was deren Leben jetzt ausmacht. Der tägliche Besuch von ihren Kolleginnen und ihr. Außerhalb des Pflegedienstes wird sie kaum noch Kontakte haben, denn Fräulein F. hatte nie Kinder, hatte nie welche gewollt, so erzählte sie es zumindest. Das Warum, den Grund oder die Gründe dafür erwähnte sie jedoch nie. Und wann war sie wohl zuletzt oben gewesen zum Ampelbeobachten? Vor fünf Jahren oder zehn? Aber sie kennt Fräulein F. seit fünf Jahren als überwiegernd bettlägerige Person, für die schon der Weg ins Wohnzimmer eine kleine Fernwanderung ist. Ihren Humor hat sie behalten, trotz ihrer Einsamkeit.

„Als ich mit meinem Verlobten das erste Mal dort oben war, gab es weder die Straße noch die Ampel. Aber es war romantisch dort oben. Und zwei Wochen später hat er mich verlassen …” Nun, wenigstens einmal wird sie jetzt anhalten dort oben, ein paar Bilder mit ihrem Telefon machen und sie dann für Fräulein F. ausdrucken: eins mit roter Ampel, eins mit gelber und eins mit grüner …

 

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Eine ganze Anzahl unternehmensinterner „Lehr”-Bücher aus meiner Vergangenheit gingen heute ins Altpapier.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 28. Mai 2025 war ich zufrieden mit dem Mohnzopf zum Frühstück, mit dem vielen Regen (ja, Hagel war auch dabei), mit meiner wiedergefundenen Abizeitung (1982).


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2025 – 147: Danach

Eine Veränderung, die bis jetzt nichts für mich geändert hat.

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Und am Tag danach sitze ich hier; und es hat sich gefühlt nichts geändert; dabei sollte sich doch alles geändert haben, zumindest in meinem Leben, in meinen Empfin­dungen. Aber da ist zur Zeit nur ein „Endlich hat er seine wohlverdiente Ruhe.”

Und ich steh' herum wie ein Kalb, das seine ersten Schritte draußen auf der Wiese macht, mit großen Augen in die Welt schaut und (noch) nichts davon, noch nichts von alledem versteht. Etwas ist anders als im Stall, ja, aber was das ist: Keine Ahnung.

Es hat begonnen, was nach einem Sterben notwendig ist – Bürokratie: Anträge, Abmeldungen, Kündigungen und zum Beispiel auch die Klärung komplizierter Nach­folge­re­ge­lungen. Boah. Wer damit alleingelassen bleibt …

Und der Rest des Lebens geht weiter, einfach so. Es muß eingekauft werden, dies und das im Haushalt ist zu tun, ich lese; und ich schreibe dies und das auf, was ich nicht vergessen möchte. Das Geschriebene sehe ich mir an und ich denke dabei daran, daß es wahrscheinlich nie jemand lesen wird, daß, wenn ich nicht wirklich etwas festlege und unternehme, alles einfach nur weggeworfen werden wird. Da ist sie wieder, die Frage, was von meinem Leben bleibt außer den Nachkommen …

 

Erinnerung des Tages:
Im Dorf gab es zwölf Bäckereien, von denen ich noch neun selbst kennenlernte. Heute gibt es nur noch eine einzige.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 27. Mai 2025 war ich zufrieden mit der Besprechung am Vormittag, mit einem Gang durchs Dorf, mit leckerem Mett.


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2025 – 146: Gesendet

Ja, ich darf das wirklich einfach abschicken in die Öffentlichkeit.

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Das ist doch eine bombastische Formulierung, knackig, für alle verständlich, nicht zu lang – exakt auf den Punkt gebracht. Sowas dürfte mir gern öfter einfallen. Andererseits: Kilngt das nicht wie eine Binsenweisheit, wie ein Gemeinplatz? Hm … Irgendwie schon. Und ich glaube, ich kenne den Satz. Nur woher? Mal schnell mit der Suchmaschine … Mist! Dutzende Fundstellen, aber keine von irgendeiner Berühmtheit. Dennoch habe ich immer mehr das Gefühl, ich kenne den Satz viel zu gut, um ihn nicht irgendwo schon gelesen zu haben. Neeee, den kann ich jetzt nicht einfach so ins Internet senden, da habe ich Angst, den jemandem geklaut zu haben. Also andere Suchmaschine nehmen, nochmal: Wieder einige Fundstellen, nicht hundertprozentig übereinstimmend, aber doch nahe genug.

Moment. Das da, das ist doch … Das ist genau dieser Satz, der mir heute einfiel! Und den habe ich selbst vor sieben Jahren in einem Blog veröffentlicht? Ups. Oh, und es gibt keine älteren Fundstellen? Dann ist das ja tatsächlich von mir, dann dachte ich vor sieben Jahren schon wie heute noch immer oder schonwieder. Warum aber erinnerte ich mich nicht daran, daß ich das schrieb, daß mir selbst das eingefallen war? Ist doch kein schwieriger Satz, den ich mir nicht hätte merken können, oder?

Ich schreib jetzt noch dazu, daß ich das schon vor Jahren schrieb und verlinke den alten Text. Dann aber, dann wird der Beitrag gesendet. Darf ich ja, einfach so. — Wie vergeßlich ich doch bin …

 

 

Ich glaube, daß nicht nur ich manchmal auf Dinge stoße, die ich geschrieben und schon längst wieder vergessen habe. Oder?

 

Erinnerung des Tages:
Ich stolperte heute bei der Suche nach einer Idee über genau das beschriebene Phänomen. Tja!

 

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Der Emil

 

P.S.: Am 16. Mai 2025 war ich zufrieden mit einem umgesetzten Entschluß, mit einem netten Gespräch in der S-Bahn, mit zehn Minuten Alleinsein.


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2025 – 145: Skeptisch

Begründetes und unbegründetes Zweifeln.

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Skepsis (ursprünglich Betrachtung, Überlegung, Untersuchung; heute häufig im Sinne „methodische Zweifel” genutzt) wurde mir in der Schule, im alltäglichen Leben und im Studium beigebracht als eine wichtige, notwendige Verhaltens- und Denk­weise, die bei der Suche nach Wahrheit unabdingbar ist. Ja, die ganze Wissenschaft in ihrer gesamten Geschichte kam und kommt ohne sie nicht aus. Behauptungen, Hypothesen müssen, solange sie nicht bewiesen oder widerlegt sind, angezweifelt werden, skeptisch untersucht, überprüft, nachvollzogen werden. Das gilt in allen Naturwissenschaften. (Wirtschaftswissenschaft erkenne ich ebenso wie Religions­wis­sen­schaft nicht annähernd so an, wie Naturwissenschaften.)

Im Alltag zweifeln Menschen oft. Heute aber kann man ja vieles überprüfen, indem man im Netz sucht und Informationen findet zu dem, was man bezweifelt – leider aber auch sehr viele falsche und gefälschte Informationen. Es ist ja auch meiner Bildung, meiner Sozialisation, meiner Familie und deren Traditionen und Über­lie­fe­run­gen, meinen Erfahrungen, ja sogar meinem Geschlecht geschuldet, woran ich leichter, meiner Meinung nach begründeter zweifle und wo ich nicht zweifle. (Muß ich Beispiele dafür anführen? Ich denke, das könnt ihr alle bei euch selbst ebenso feststellen.) Es gibt Menschen, denen ich (fast) alles (fast) bedingunglos glaube, und andere, bei denen ich jede einzelne Aussage, jede Handlung anzweifle (Beispiel: #KannNichtKanzler und Konsorten, Werbetexter:innen).

Skepsis führt bei mir dazu, daß ich mich weiter informiere, intensiver beschäftige mit dem, was ich da skeptisch betrachte. Nicht dazu, daß ich das sofort als Humbug, Unsinn, Lüge, Unwahrheit, Täuschung, Fehler, Irrlehre u.v.a.m. bezeichne und ein­sor­tiere, wie ich es mit den Dingen tu, die dem, was ich wirklich sicher weiß und was mehrfach als gültig bewiesen wurde, widersprechen.

Skeptisch bin ich auch bei Sachen, die weder bewiesen noch widerlegt – falsifiziert – werden können: Die kann ich skeptisch akzeptieren als Möglichkeit (vielleicht aber nur als wenig wahrscheinliche). Aber: Auch ich lehne Dinge ganz unskeptisch ab, wenn sie meinen Überzeugungen absolut nicht entsprechen. Insbesondere diverse politische Aussagen zweifle ich nicht an, sondern lehne sie ab. So, wie ich auch nicht zweifle, daß Frieden besser ist als Krieg (aber nun wirklich nicht um jeden Preis!).

Und wie oft bin ich auch skeptisch mir selbst gegenüber und prüfe und zweifle und prüfe und zweifle und weiß dennoch nicht zu (be-)urteilen …

 

Ihr merkt, das Leben geht auch nach weniger guten Nachrichten weiter. Das Denken hört nicht auf, das Fühlen auch nicht. Es ist grad nur ein klein wenig weniger leicht als vorher.

 

Erinnerung des Tages:
Schon in der Schule (ich glaube, auf der EOS) lernte ich Ockhams Rasiermesser kennen, das mir noch heute gute Dienste erweist.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 25. Mai 2025 war ich zufrieden mit einer Entscheidung, mit dieser und jener erledigten Kleinigkeit, mit Brot und Bratwurst und Sauerkraut.


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