2025 – 030: Zwanzig

Jeden Tag diese immer gleiche Zahl, jeden Tag. Der Anfänger.

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Eine Seite in dieser Kladde hat genau 20 Zeilen. Jede Seite in jeder der Kladden. Seit vier Jahren. Und wohl auch noch für weitere etwa zehn Jahre: Im Schrank liegen noch über 30 Stück davon. Damals hatte ich mir bei der Geschäftsaufgabe dieses einen wundervollen Schreibwarenladens einen Karton davon gekauft, einen original­ver­packten Karton mit 50 Stück dieser herrlichen Notizbücher mit dem linierten, chamoisen Papier und dem       /   /    oben außen auf den Seiten. Spottbillig bekam ich, wo ich vorher zehn Euro für ein Exem­plar bezahlte: den ganzen Karton zu genau diesem Preis.

Ich schreibe jeden Tag eine dieser Seiten voll. Immer nur diese 20 Zeilen. Niemals auch nur ein Wort mehr. Jedenfalls nicht in diesem Notizbuch. Gestern lautete die letzte Zeile: „so daß es keine über­prüf­baren Hinweise auf nur irgend-”. Vorgestern stand da: „warme und weiche Haut, und wie sich ihre Brustwarzen”. Keine Lust mehr, jetzt noch weiter zurückzublättern. Aber genau so schreibe ich in diesen Kladden seit vier Jahren. Nur sehr, sehr selten schaffe ich es, eine komplette Geschichte in diesen zwanzig Zeilen unterzu­brin­gen. Und nur ein einziges Mal, an meinem Geburtstag voriges Jahr, waren noch sieben Zeilen nach einem Ende frei. Sieben Zeilen, die ich dann mit Geschwafel füllte.

Es gibt auf keiner dieser Seiten bisher eine Überschrift; das soll auch so bleiben. Ich möchte jeden Tag einer, nein, meinen Ideen einfach nur Raum geben, einen kleinen Raum. Und seit der ersten eigent­lich unvollen Seite stelle ich mir vor, was die so beschrie­benen Seiten mit Menschen machen könnte, die all das als gedruckte Bücher lesen könnten und würden. Ich kann mir auch vorstellen, mit welchem Beinamen die Kritik mich bedenken würde: Anfänger. Nicht weil ich wie einer schreibe (doch diese Mißdeu­tung wäre beabsichtigt), sondern weil darin eben nur Anfänge zu lesen wären, Anfänge und nichts als Anfänge.

Und seit heute frage ich mich, warum nicht auch diese Eine-Seite-Texte komplett sein können, abgeschlossene Werke sein können, einfach eine neue und mutige Textform? Nur erdreistete sich bisher niemand, die herzuzeigen, als Kunst zu begreifen. Zehn Jahre noch kann ich so weiterschreiben, kann ich an jedem Tag 20 Zeilen auf einer Seite in einem dieser Notizbücher füllen.

 

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Auf dem Weg zum Einkaufen brachte ich 13 Bücher und eine ungezählte Menge CDs in ein Öffentliches Bücherregal.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 30. Januar 2025 war ich zufrieden mit dem am Vormittag erwiesenen Hilfsdienst, mit dem Termin beim Hausarzt, mit den zwei gesehenen utopischen Filmen (Involution, Salyut-7).


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2025 – 029: Unerklärbar

Diese unerwartete Faszination von fremden Worten.

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Meine Stimmung heute war … eben genau das, unerklärbar. Sehnsüchtig, traurig, glücklich, ganz nah am Wasser gebaut und unzufrieden zufrieden. Nein, das reicht nicht annähernd aus, um halbwegs zu beschreiben, wie ich heute war und bin. Müde bin ich auch noch.

Und dann finde ich beim Aufschlagen eines Buches eine sehr kurze … einen sehr kurzen Text, drei Absätze nur, der mich umhaut, aus den Latschen kippen läßt, mich in die Vergangenheit katapultiert, mich den Atem anhalten läßt – und ich war vor dem dritten Absatz tatsächlich arg- und ahnungslos. (Der dritte Absatz ist im Buch erst nach dem Umblättern zu sehen und zu lesen.) Ja, schon zum dritten Mal zitiere ich aus eben diesem Buch.

 

 
Straßentheater
 

Immer mehr Zuschauer kommen. Das Gedränge um gute Plätze wird immer größer. Die hinteren Reihen stehen auf Zehenspitzen, einige hüpfen sogar auf und nieder, um wenigstens etwas vom Geschehen zu erhaschen, das sich im Licht der Scheinwerfer abspielt. Der Haupt­dar­steller liegt neben seinem Motorrad auf der Straße und verrenkt seine Glieder. Feuerwehrleute mit einer Bahre kommen gerannt; ein Arzt beugt sich über den Hauptdarsteller, fühlt mit der Fingerspitze an dessen Halsschlagader. Dann ein Zeichen zum Rettungswagen hin. Zwei weißgekleidete Sanitäter kommen mit großen Taschen, bilden dann mit dem Arzt und drei Feuerwehrleuten um den Verletzten einen Pulk, der den Zuschauern die Sicht nimmt.

Die Polizei, die mit Blaulicht eintrifft, entschädigt die Gaffer. Stimmen werden laut, die alles gesehen haben wollen. Andere Stimmen werden laut, die wissen wollen, was passiert ist. Die Polizei drängt die Zu­schauer zurück, damit die Helfer den Verletzten zum Rettungswagen bringen können. Einige Zuschauer sind der Meinung, daß er tot sein, andere wollen gesehen haben, daß er noch atmet. Der Verletzte ver­schwindet im Rettungswagen. Der Motor heult auf, mit Sirenengeheul setzt sich der Wagen in Bewegung.

Auf der Straße liegt nur noch das Motorrad. Einige wenden sich ab, weil sie kein Blut sehen können. Andere unterhalten sich über die Gefahren des Motorradfahrens. Neun Zuschauer stehen nun als Zeugen im Mittelpunkt. Die Polizei notiert ihre Beobachtungen. Und es dauert lange, bis ein Zuschauer Notiz von einem Mädchen nimmt, das leise vor sich hinwimmert, weil es das Motorrad ihres Bruders erkannt hat.

Wolfgang Gabel: Ganz woanders, aber mittendrin. S. 7f.
© Arena Verlag GmbH, Würzburg 1990. ISBN 3-401-08014-8

 

 

Der erste Absatz: Oh ja, das klingt nach Theater oder Film. Aber der Hauptdarsteller wird zum Verletzten. Im zweiten Absatz: Jetzt klingt es nach einem Verkehrsunfall mit einer ganzen Anzahl an Gaffern. Dritter Absatz: Das ist kein Theater, nie Theater gewesen. Unfallaufnahme im alltäglichen Straßenverkehr. Und dann der letzte Satz.

Es ist noch immer dieses Buch von Wolfgang Gabel, das ich lese. Nicht von vorn nach hinten, sondern immer wieder einmal einen Text daraus. Die erste Geschichte hatte ich bisher übersehen. Die bei Wikipedia zu findende Liste seiner Werke zeigt: Dieses Buch war das letzte, daß von ihm veröffentlicht wurde. Ich konnte heute nur diesen kurzen Text lesen. Und war davon so beeindruckt, daß ich ihn komplett zitiere. Mal sehen, was ich später noch in diesem Buch entdecke, vielleicht finde und lese ich sogar andere seiner Werke, irgendwann.

War/ist Wolfgang Gabel einer, den ihr, dessen Bücher ihr kennt?

 

Erinnerung des Tages:
Das letzte (ähnliche) Buch, das mich gleich von Anfang an so ergriff, war 2013 „Angst auf weiße Zettel schreiben und andere Texte” von Ben Witter.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 29. Januar 2025 war ich zufrieden mit selbstgekochtem Mittagessen (Regensburger, Kartoffelbrei, braune Zwiebeln und braune Butter), mit der Zeit im Bad, mit dem Telefonat mit meiner allerallerallerbesten Freundin.


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2025 – 028: Anfang

Ob das nur meine Gedanken sind?

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Irgendwann begannen einige Menschen (vielleicht war es auch nur ein einziger), sich nicht mehr als ein Bestandteil der Erdenwelt, sondern als deren Beherrscher und – noch schlimmer! – als deren Besitzer zu bezeichnen und – noch schlimmer! – sich zu benehmen. Damit, glaube ich, fing der ganze Scheiß an …

 

 

Sehe ich das zu einfach? Hm …

 

Erinnerung des Tages:
Der erste Discounter, in dem ich nach der Wende einkaufen ging, war ein L*dl im Zelt, und der war für einige Monate der einzige Laden seiner Art in der Nähe.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 28. Januar 2025 war ich zufrieden mit der Bürgermeisterwahl im Briefwahllokal, mit aufgefüllten Vorräten, mit einem Textentwurf (nicht für mich).


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2025 – 027: Immernoch

Mit Erinnerungen an vor Jahren Geschehenes wieder ausgegraben.

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Das ist schon die zweite Wiederholung in diesem Jahr. Es ist nicht so, daß ich nichts Neues zu schreiben wüßte. So manches Neue ähnelt dem Damaligen sehr, wirklich sehr. Erinnerungen, Träume und Hoffnungen sind doch immer vorhanden, selbst wenn sie unrealistisch und unerfüllbar scheinen. Jaja, denkt euch, was ihr wollt dazu. Mir selbst gefällt es noch immer und wieder und meine Zweifel daran sind weg. Und ehe ich etwas Neues zusammenstümpere, zeige ich noch einmal, was mir schon gelungen scheint.

 

 
Traumsplittern
 

Was ich noch nicht vermissen kann, weil ich’s nicht kenne,
geht mir seit Wochen nächtlich um im Traum,
in dem ich jedesmal die Finger mir verbrenne
und baden geh‘ in Wellen voller Schaum.

Was ich noch nie gesehen, läßt mich nächtens zittern.
Was ich noch nie berührte, fehlt mir sehr.
In Herz und Bauch spür‘ ich so manches Ding zersplittern,
und Zweifel machen mir das Denken schwer.

Es scheint, ich kann mein Warten träumend nicht verkürzen.
Die Zeit steht still; die Sterne leuchten kaum.
Und doch: Ich werde mich ins Abenteuer stürzen –
wenn er sich bald erfüllt: mein Sehnsuchtstraum.

Zuerst veröffentlicht in meinem Blog am 17. Februar 2016

 

 

Solche Träume können sich ja auch mehrmals erfüllen, nicht wahr? Solche wunder­vollen Momente lassen sich auf die eine oder andere Art (sehr ähnlich zumindest) wiederholen, glaube ich. Solange es noch unerfüllte Sehnsüchte gibt, solange gehört das da zu meinen Hoffnungen, und die sind etwas, wovon ich nie aufhören möchte zu träumen – auch wenn sich dieser Traum schon hin und wieder erfüllt hat und vielleicht nie wieder erfüllen wird. Vom allerleckersten Eis eures Lebens könnt ihr doch auch immer wieder einmal naschen, oder? — Ich habe wunderschöne Erinne­rungen an jene Zeit, die dann folgte, und ich werde irgendwann sicher wieder welche erwerben …

Und bei aller Unbill des Alltags ist es doch eine wünschenswerte Möglichkeit für ein kleines Glück?

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Eine große Einkaufstasche Altpapier und einen blauen Sack mit allem möglichen Krempel brachte ich in die Tonnen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 27. Januar 2025 war ich zufrieden mit der zweiten Tasse Kaffee, mit einem ausgelesnen Buch (Otherland Teil II), mit im Kalender eingetragenen Terminen für Märkte.


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2025 – 026: Ausruhen

Das war wieder einmal notwendig.

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Es gibt Tage, an denen ruhe ich mich einfach nur aus. Vom Leben, vom Denken, von den Ängsten, von der Sehnsucht. Ich ruhe mich aus und mache (fast) nichts. Außer Atmen, Essen, Trinken, (dann eben doch, aber anders irgendwie) Denken und mein Bad aufsuchen. Verlorene und vertane Zeit wird das von manchen genannt. Von mir nicht. (Gut, ich brauchte einige Zeit, um das aus meinem Bewertungskanon zu streichen.) Ich ruhe. Mache eine Pause. Keine aktive Pause, nein. Ich ruhe. Ich ruhe mich aus.

Heute tat ich genau das. Ausruhen und Musikhören. Und nur wenig schrieb ich heute nieder. Ich hoffe, ich bin ausgeruht genug für ein paar mehr geschäftige Tage.

 

Erinnerung des Tages:
Musik aus meiner Jugend: Stefan Diestelmann, Hansi Biebl und Jürgen Kehrt hatte ich lange nicht gehört.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 26. Januar 2025 war ich zufrieden mit der Ruhe, mit dem Faulenzen, mit gehörter Musik.


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2025 – 025: Eselteich

Kein Esel, kaum Enten, nur andere Vierbeiner.

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Ich glaube, niemand weiß, wieso dieser Tümpel Eselteich heißt. Zu anderen Örtlichkeiten gibt es Sagen, Legenden, Anekdoten, die die Namensgebung „erklären”, doch zum Eselteich hörte ich solches noch nie. Nun, am Ende ist es egal, wieso etwas benannt wurde, wie es benannt ist …

Ich drehe heute eine zweite Runde um das kleine Gewässer. Nur wenige Vögel sind da, und noch ist die Dose mit Haferflocken und Linsen nicht leer. Normalerweise setze ich mich auf eine der Bänke, streue vom Futter etwas vor meine Füße und werde von den Enten überrannt. Heute aber muß ich nach den Tieren suchen. Dafür zähle ich sieben Hunde, die mit ihren Menschen unterwegs sind. Da ist vom Rehpinscher mit Mäntelchen bis zum Chowchow mit der blauen Zunge alles vertreten; nur von den Schauhündchen sind keine dabei. Und die dazugehörigen Menschen: Ja, sie ähneln ihren Tieren – oder ähneln die Tiere den Halterinnen und Haltern?

Der Vögel im und am Eselteich aber werden nicht mehr. Das Wetter ist mir für eine dritte Runde doch etwas zu kühl bzw. ich bin nicht ganz passend gekleidet dafür. Seufzend streue ich den Rest des Futters nahe am Ufer ins Gras. Und wie ich noch so dastehe und mich über die Abwesenheit des Federviehs wundere, flitzt eine Maus zwischen den Halmen umher und tut sich gütlich an den Haferflocken. Sie erschrickt, als ich mich zum Gehen abwende, ergreift aber nicht die Flucht. Ich wünsche dem Tierchen leise, fast flüsternd einen guten Appetit und mache mich auf den Weg vom Eselteich nach Hause.

 

 

Erinnerung des Tages:
Diesen einen speziellen Ring trage ich seit etwa 1997/98; ich erschrak, als ich zum ersten Mal in der Öffentlichkeit darauf angesprochen wurde – es wurde ein angenehmes Gespräch.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 25. Januar 2025 war ich zufrieden mit erledigter Hausarbeit, mit einem in einem Rutsch durchgelesenen Buch, mit einigen skurrilen Ideen (notiert).


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2025 – 024: Schriftgröße

Naja, Größe ist vielleicht nicht ganz angemessen.

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Manchmal überkommt mich das Bedürfnis, größere Papierformate zu beschreiben als das meiner Kladde (16,5 cm x 12 cm, Zeilenhöhe 6 mm). Und dann sitze ich und schreibe mit einer Bandzugfeder (manche kennen die unterdem Namen Redis-Feder), und dann ist mir die Schrift zu groß, und dann greife ich zu einer Schwellzugfeder (einfache Feder mit sehr spitzer, geteilter Spitze) und schreibe damit weiter, und dann stelle ich fest, daß ich auch auf DIN A4 mit 10 mm Zeilenabstand oder gar 14 mm „Zeilen”-Abstand exakt sogroß schreibe, wie ich das in meiner Immer­dabeikladde tu. In der sind die Großbuchstaben über der Zeilenlinie maximal vier, minimal drei Millimeter groß; Kleinbuchstaben zwischen anderthalb und zwei Millimeter.

Egal, wie ich schreibe und schreiben möchte: Es läuft immer auf diese kleine Schrift hinaus. Obwohl ich mittlerweile nicht mehr deutlich lesen kann, was ich schreibe/schrieb, wenn ich meine Brille nicht aufhabe! Trotzdem verschreibe ich mich nur sehr selten, ohne das gleich zu merken. (Und außerdem habe ich mittlerweile nur noch sehr, sehr selten keine Sehhilfe in Benutzung.) Jedenfalls frage ich mich, welchen Grund es für genau diese kleine Zielschriftgröße gibt (mit lateinischen Buchstaben kann ich größer oder auch noch kleiner schreiben)?

Genau, weil mir das heute wieder passierte, schreibe ich darüber. Aber ich zeige das Geschriebene, an dem ich das einmal mehr feststellte, nicht her. Denn das ist kein für die normale Öffentlicheit bestimmter Text. Einen anderen heute noch extra als Schriftprobe zu verfertigen, schaffte ich nicht. Denn: Als mir auffiel, was mir auffiel, suchte ich andere Zettel, um das zu überprüfen. Ja, es gibt viele Beispiele für genau diese Schriftgrößenänderung, d. h. es ist wirklich normal für mich.

Und auf den Märkten schaffe ich es, das Wort „riesengroß” in Buchstaben kleiner als ½ mm freihändig (und ohne Brille) mit einer sehr feinen Feder zu schreiben. Das werd ich in den nächsten Tagen mal herzeigen.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich stellte gegen Abend ein funtionierendes Radio, eine funktionierenden Schreibtischlampe und einige Teller (Einzelstücke) ins Haus, nach 45 min war alles bereits weggeholt.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 24. Januar 2025 war ich zufrieden mit Aussortiertem, mit einem getanen Gefallen, mit angehörten Musikkassetten.


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2025 – 023: Denkfutter V. 2.0

Und nach neun Jahren noch immer nicht weitergekommen.
(Eine Wiederholung aus dem Jahr 2015.)

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Nehmt es mir nicht krumm, aber: Ich zitiere mich heute selbst, ich wiederhole mich. Im Oktober 2015 dachte ich über Dinge nach, die mir auch heute noch durch den Kopf gehen, denn noch immer suche ich nach meinem eigenen Tempo. Das ändert sich bei mir übrigens häufiger, als mir lieb ist, und ist doch immer langsamer als das, was allgemein so als Tempo gefordert scheint.

 


 
Menschheitsaufgabe. Mehr und/oder Weniger.
 

Die Entdeckung der Langsamkeit als wichtige Lebensqualität – ich nenne es jetzt großspurig “Aufgabe für die Menschheit” und für mich. Neudeutsch wird das Entschleunigung genannt, was ich als Wiederfinden des den Menschen eigenen Tempos empfinde, meines eigenen Tempos. Jeder nach seinen Fähigkeiten (Teil einer großen Losung im Sozialismus). Ich hoffe ja wirklich noch darauf, daß die Schädlichkeit der ständigen Überforderung allgemein erkannt und dann auch abgeschafft wird und bemühe mich nach Kräften, das in meinem Leben umzusetzen. Allerdings fühle ich mich sehr oft daran gehindert, wieder in ein Hamsterrad hineinbefohlen, in dem ich wahrlich nicht unterwegssein will. Ich bin keiner der Schnelläufer, ich brauche meine Zeit, mehr Zeit als viele andere. Es gibt nunmal, so wie ich es im Zuge der Tour #AnsKap bemerkte, Schnellradler, die in kurzer Zeit ihr Ziel erreichen wollen, und andere Radler, die die Tour er-leben wollen und sich Zeit dafür geben. Wieso sollte in unserer Gesellschaft kein Platz für Menschen sein, die nicht zuerst hetzen und rennen und rammeln, sonder die zuerst leben und den Rest dementsprechend drumherumorganisieren?

Ich lese auch, daß da ein Kreis von Menschen ist, in dem Menschen sich gut aufgehoben fühlen. Ein Kreis, ein Netzwerk? Jedenfalls etwas, wo keiner erster und vornedran sein will und/oder muß. Gleiche unter Gleichen sein, bei allen Verschiedenheiten der Menschen: Das funktioniert wirklich. Wer schreibt mir denn vor, daß ich mich, wer bestimmt denn, daß die Menschen sich immer und immer wieder vergleichen müssen und dabei immer und immer wieder ihr Augenmerk nur auf das richten, was sie weniger gut als andere haben/können. Von wem lasse ich mir das schlechte Gewissen, das Minderwertigkeitsgefühl machen? Wem nützt dieses ständige “mich-zu-klein-Fühlen” überhaupt? Mir doch nicht. Und denen, die sich größer scheller gebildeter wohlsituierter besser als ich fühlen, nützt es ihnen etwas? (Nein, ich erwarte auf all diese rhetorischen Fragen {an mich, sowieso nur an mich gerichtet} keine Antworten.)

Ach, da nehm ich den Gegenwind gerne inkauf, auch wenn es bergauf geht, auch wenn es schwer ist/fällt. Aber ich möchte einfach nicht irgendjemandem der irgendetwas hinterherhetzen. Diese Gesellschaft erscheint mir in besonderen Momenten als eine, die das ganze Volk durch einen “Course de la Paix”, eine “Tour de France” treiben will. Und nur, wer als erster durchs Ziel kommt, kann ein “wertvolles Mitglied der Gesellschaft” sein. Meine Güte, wie breit die Zieleinfahrt da sein müßte, wenn alle nebeneinander gemeinsam durchs Ziel radeln! Aber wie ist das denn bei diesen Radrennen? Hatten und haben die Letzten, die ins Ziel kommen, nicht auch immer Applaus und sogar besondere Sympathien bekommen? Die “Leistung” ist doch eben nicht der “Sieg” in einem Kampf, sondern die Leistung war es, ist es und sollte einzig und allein die Tatsache sein, den Weg geschafft zu haben, und sei es nur auf einer Teilstrecke … (Autsch! Jetzt beginnt der Vergleich Leben./.Radrennen auf Vorder- und Hinterrad zu eiern!)

Nochmal kurz: Weniger vergleichen, weniger Defizitprimat, weniger (auch selbstgemachter) Leistungsdruck, weniger hetzen; mehr Zeit geben und mehr Leben zulassen würde meiner Meinung nach uns allen guttun. Und vielleicht will ich deshalb lieber gehen als radeln.

Wörtlich übernommen (aber von Tipfehlern befreit) von meinem Blogartikel vom 4. Oktober 2015.

 


 

Das ist, was ich noch heute denke. Damit bin ich heute noch nicht fertig. Und es kamen noch neue Schwierigkeiten hinzu. Allerdings sehe ich trotz aller propagierten Entschleunigung allerorten keine stattgefundene – außer bei der Deutschen Bahn … (Sorry, aber der mußte jetzt sein.)

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Einigen Computerschrott (uralte Mäuse, Tastaturen, Kleinteile, Kabel) beim Sat*rn entsorgt.

 

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Der Emil

 

P.S.: Am 23. Januar 2025 war ich zufrieden mit dem langen Schlaf, mit gelesenen eigenen Texten, mit dem Löschfortschritt.


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2025 – 022: Einfach

Allerdings ist Nur-Denken oft nicht so.

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Auf manche Frage, die ich habe, kann ich mir sehr einfach selbst antworten: Ich muß das, wozu ich diese Frage habe, ein­fach nur ausprobieren, einfach nur machen. Nur darauf herum­zu­denken erschwert die Antworten regelmäßig.

 

 

Erinnerung des Tages:
Eine im Ausland verlorene Handtasche erschwerte die Wiedereinreise am Grenzübergang. Die Ausstellung eines Ersatzdokuments durch den BGS dauerte knapp zwei Stunden.

 

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P.S.: Am 22. Januar 2025 war ich zufrieden mit der Ausdauer, mit etwas Ausprobiertem, mit dem Auffrischen einer Erinnerung.


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2025 – 021: Phantastisch

Wie gut es doch ist, eine beste Freundin zu haben.

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Es ist Zeit, das Schreibzeug wegzulegen. Denn die veranschlagte Schreib­zeit ist um. Wieder stecke ich in dieser Zwickmühle: Noch fließen die Worte, aber der Wecken eben war eine heftige Störung. Und wie meist pfeiffe ich auf die Disziplin abzbrechen und halte noch ein paar Sätze fest. Es ist gerade fünf nach halb Drei. Mir fallen ziemlich viele Details ein, die die Kleindung und Erscheinung der Hauptfigur betreffen. Und von da schweife ich schnell ab zu den Gedanken und Phanatsien einer zweiten Person, die bisher nur beobachtend in Erscheinung trat. Es kommt mir beinahe so vor, als würden sich in der jetzt meine Vorstellungen breitmachen von der Rothaarigen. Natürlich spekuliere ich beim Schreiben auch über Handlungen und Träume der von mir geschaffenen Menschen.

Dann stutze ich. Erschrecke sogar ein wenig darüber, daß ich so viele klischeehaft männliche Wünsche in die Beob­ach­terin hinein­schreibe, die scheinbar auch in mir sind. Aber sie ist und bleibt weiblich, diese Figur, und sie war es auch ihr ganzes Leben lang. Soweit ich bisher von ihr weiß. Beide, die Hauptfigur und die Beob­ach­terin haben keine Vorbilder in meinem Erleben, ich webe beide aus ganz verschiedenen Fäden. Mein letzter Liebhaber hatte zum Beispiel viele dieser typischen Pornowünsche. Aber eine Frau kann die doch nicht haben, nicht so, oder?

Mist. Woher soll ich denn wissen, was Frauen wirklich erregend finden? Es ist acht Minuten nach halb Vier, als ich darüber grübelnd ins Stocken komme. Und dann fällt mir jemand ein. „Hey Vivi, ich bins, Ramona. Sag mal, meinst Du, Du könntest mir bissl helfen? Ich brauch noch ein paar schmutzige, geile Träume von Frauen. Du hast davon doch immer reichlich, sagtest Du mal? Wie wärs denn in einer Stunde bei mir? Phantastisch, ich freu mich auf Dich.”

 

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Mir fiel gestern eine Kaffeemaschine zu Boden (eine Baustellenkaffeemaschine, nicht die von mir üblicherweise benutzte), sie ist unreparierbar kaputt.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 21. Januar 2025 war ich zufrieden mit meinen Phantasien, mit abgeschlossenen Vorbereitungen für morgen, mit einem SF-Film von 1986 (Star Crystal).


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