2025 – 290: Kein Verstecken

Denn eine solche Pause trau ich mich nicht zu machen.

 

 

Ich würde jetzt gern kurz verschwinden
Nur ein paar Tage nicht zu finden
sein – und so auch nichts zu hören
Ich ließe mich keinesfalls stören

Es wäre für Nerviges echt eine Hürde
Wenn ich für 'ne Weile verschwinden würde

 

 

Weltenflucht, jaja, aber nur kurz, wie ihr lesen könnt. Täte vielleicht vielen gut im Moment, ist aber eher nicht möglich, stimmt's? Weil das nichts an der allgemeinen Weltlage und wesentlich persönlicheren Umständen ändern würde …

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Einige angeschlagene Gläser landeten im Müll und eine jahrelang herumstehende Küchen­waage (alt, analog) zum Verschenken im Haus.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 17. Oktober 2025 war ich zufrieden mit dem angefangenen Umsortieren des Küchen­regals (3 von 5 Ebenen), mit dem Kaffee auf der Couch am Nachmittag, mit der abgegebenen Waage.


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2025 – 289: Dennoch danke

Vorerst ist es eine Phantasie vom Einkaufen.

 

 

Ich fluche leise vor mich hin und ächze, als ich in die Knie gehe und mich hinabbeuge. „Warten Sie, ich helfe ihnen.” Ein junger Mann neben mir sagt das, aber ich bin ja schon unten. „Neee, laß mal, das geht schon. Zuhause muß es ja auch alleine gehen.” Ich greife meinen heruntergefallenen Einkauszettel und richte mich ächzend wieder auf. Ja, ich schnaufe heftig, weil mir in dieser Bückhocke, in der ich gerade war, das Atmen schwerer fällt als sonst. Der Bauch ist eben im Weg. „Dennoch danke für ihr Angebot.” Der jüngere Mann lächelt und schüttelt dabei den Kopf, verschwindet dann mit einem „gerne doch” hinter dem nächsten Regal. Ich aber mache mir Gedanken um meine Außenwirkung. Sehe ich mit meinen über sechzig Jahren wirklich so alt und unbeholfen aus, daß ich Hilfe zu benötigen scheine? Wenn ich allerdings noch nicht unten gewesen wäre …

 

 

Wahrscheinlich wird es mir irgendwann so gehen wie der Hauptperson da oben …

 

Erinnerung des Tages:
Ich war gerade 56 Jahre alt, als mir zum ersten Mal ein Sitzplatz im ÖPNV angeboten wurde. Heute geschah es wieder.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 16. Oktober 2025 war ich zufrieden mit einem durchsortierten Korb vom Beistell­regal, mit den ersten Worten in einer neuen Kladde, mit dem gekauften Hackenporsche (Einkaufstrolley).


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2025 – 288: Keine Antworten

Ein Zustand, den ich nicht (mehr) als außergewöhnlich ansehe.

 

So sollte es für mich schon sehr lange sein, denn eines, das ich im Physikstudium lernte, war: Auch die Wissenschaft weiß beileibe nicht auf alle Fragen eine Antwort.

Also bei den Fragen, die ich mir, die ich ans Leben und ans Universum stelle, kann ich akzeptieren, daß es auf meine Fragen einfach keine Antwort geben kann, keine Antwort gibt. Ich erinnere mich da an das Verhalten von Mehrkörpersystemen, deren (beschreibende/bestimmende) Gleichungen nicht vollständig lösbar sind (und das ist „nur” Mechanik).

Auch bei Fragen an Menschen geschieht es immer wieder, daß mir nicht geantwortet wird. Dafür gibt es tausende von Gründen. Auch das kann ich mittlerweile hinneh­men, das Nachbohren habe ich mir abgewöhnt.

Nur dann, wenn ich Fragen an Behörden habe, begründete, notwendige Fragen (auf deren Beantwortung ich angewisen bin, weil ich die Antwort z. Bsp. einer weiteren Behörde zukommen lassen muß) habe, die mir nicht (und schon gar nicht in ange­messener Zeit) beantwortet werden, dann werde ich sauer. Dann schleicht sich Angst in mich ein. Dann herrscht ein Maß an Ungewißheit, das ich nicht ertragen kann. Dann …

Ach ja, auf manche Fragen antworte ich auch nicht immer und nicht jeder. Weil ich nicht dazu in der Lage bin vor Scham oder Angst beispielsweise. Oder weil ich wirklich keine Antwort weiß und nicht irgendetwas zusammenphantasieren möchte. Ja, es ist normal, daß es auf Fragen keine Antwort gibt. Meint ihr nicht auch?

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Drei wirklich dicke Wälzer stellte ich in ein Öffentliches Bücherregal.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 15. Oktober 2025 war ich zufrieden mit einem Stapel ins Haus gelegter Glückwunsch­karten (waren nach einer Stunde weg), mit zwei Kannen Tee über den Tag, mit meinem Entschluß, morgen eine neue Kladde zu beginnen (und die letzten elf Seiten der bisherigen leerzulassen).


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2025 – 287: Seitenschläfer

Was mich viel zu oft in meiner Ruhe beeinträchtigt.

 

Lange Jahre konnte ich nur schlafen, wenn ich ganz flach auf dem Rücken lag – selbst ein Kopfkissen war da etwas Störendes. Mittlerweile bin ich Seitenschläfer mit der Tendenz zur Bauchlage. Beim Einschlafen bette ich meinen Kopf häufig auf Oberarm und Ellenbogen, auch ein Kopfkissen muß mittlerweile sein.

Meine Schlaflage bereitet mir nachts allerdings Unbehagen. Ich weiß nie, wohin mit dem Arm der Seite, auf der ich gerade liege; und auch der obenliegende findet keinen mir genehmen Platz. Wohin damit? So werde ich fast jedesmal wach, wenn ich die Seite wechsele, und wusele ein paar Minuten herum. Es kommt sogar vor, daß die Arme schmerzen wegen einer unbequemen Haltung und Lage. Und dieses Dilemma verhindert auch, daß ich mich als Bauchschläfer versuche.

Und so beschäftigt mich seit einiger Zeit eine praktische Frage in der Zeit vorm Einschlafen: Wohin mit den Armen!? Bisher fand ich keine bequeme, praktikable Lösung.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Zwei Klappboxen voller zerschnittener und zerknüllter Zettel (etwas Werbung war auch dabei) brachte ich ins Altpapier.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 14. Oktober 2025 war ich zufrieden mit dem Fortschritt beim Zettelsortieren (oh, ich war rigoros), mit dem vom Schrank geholten Karton voller Bücher, mit profanem Schmalzfleisch auf dem Brot.


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2025 – 286: Ihre sonderbaren Sätze

Ein besonderes Notizbuch für sowas habe ich noch nicht angelegt.

 

 

Sie weiß nicht mehr, seit wann sie diese Art von Sätzen in dieses eine Notizbuch einträgt. Es muß Jahre hersein, daß sie damit anfing: Die Schrift auf den ersten Seiten ist nicht die, die sie heute hat. Vielleicht die Hälfte aller Seiten ist beschrieben, vielleicht etwas mehr als die Hälfte. Doch scheint noch unendlich viel Platz darin zu sein, den Tante Erdmute nach und nach mit ihrer Schönschrift füllen wird.

Heute ist er in der Stadt unterwegs und erledigt die notwendigen Einkäufe. Sie möchte nicht, daß er all das lesen kann, was sie zum Teil auch über ihn schon niederschrieb. Und sie möchte auch nicht, daß überhaupt seine Neugier geweckt würde, wenn er nur von diesem Notizbuch wüßte. Ein wenig muß sie sich also beeilen, jedenfalls darf sie nicht zuviel Zeit vergeuden.

»Zeitreiseproblem: Wenn Zeitreisen möglich wären, wie würde es sich wirklich mit der in anderen Zeiten verlebten Zeitspanne verhalten? Ist die in meiner Ursprungszeit einfach so nie abgelaufen? Wenn sie da aber nicht existiert, müßte dann nicht auch jede Erinnerung an die Anderzeit verschwunden sein?«

Tante Erdmute zieht mit dem Lineal einen geraden Strich unter ihren Sätzen von links nach rechts über die Seite. Wie immer, wenn sie hier etwas Neues hinzufügt. Ach ja, wenn Zeitreisen möglich wären, so wüßte sie ein paar lohnenswerte Ziele, an denen sie ihre Neugier befriedigen wollen würde. Und schreibt dann weiter:

»Wenn einmal mehr jemand sagt, daß ich doch nun wirklich nicht gemeint, nicht mitgemeint bin, ich mich aber dennoch betroffen fühle … Wer irrt sich: Mein Gegenüber oder ich?«

Strich.

»Wieso nur stelle ich mir immer wieder Fragen, auf die ich mir selbst keine Antwort geben kann? Eine von ihnen, nein, sogar mehrere von ihnen müßte ich ihm stellen, er könnte sie mir beantworten. Doch noch bin ich nicht bereit, mich so weit vor ihm bloßzustellen.«

Wieder ein Strich. Und dann ist es genug für diesen Tag, beschließt sie. Die Zettel, auf denen sie all das vorher festgehalten hatte, verbrennt sie nachher gleich noch draußen im Garten. Vorher aber schiebt sie das Notizbuch wieder hinter die lange Reihe an Karl-May-Bänden im Bücherregal. Für solche Art seichter Literatur hat er sich noch nie interessiert. Auch diesmal, glaubt Tante Erdmute, wird er nichts von ihren Geheimnissen entdecken können.

 

 

Erinnerung des Tages:
Vor vielen Jahren wollte jemand von mir ein Lied über Bananensaft haben; ich schrieb zwei Strophen (und den Refrain) auf die Melodie von Auld Lang Syne.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 13. Oktober 2025 war ich zufrieden mit dem herbstbunt leuchtenden Laub an den Bäumen, einem ungeplanten Gespräch mit einer völlig fremden Frau vorm Laden, mit weiteren bearbeiteten Zetteln.


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2025 – 285: Sonntagsvergnügen, einsames

Ich weiß heute, womit ich meine Zeit „vergeudete”.

 

Kurz vor Acht war ich halbwach, wollte aber einfach nicht unter meiner Decke her­vor­kriechen. Also blieb ich etwa eine halbe Stunde kuschelig warm und luzide träumend liegen. Und dann, nach den ersten beiden Tassen Kaffee, saß ich ab halb Zehn am Schreibplatz.

Zunächst versuchte ich, mit meiner Zettelsortiererei weiterzukommen. Eine Pilzstiege (27½ cm x 37½ cm x 11 cm) ist in dieser Woche nicht viel leerer geworden: Jedes einzelne Stück Papier lese ich, sortiere es in drei Stapel (behalten, prüfen, zerreißen). Mir besonders wichtig erscheinende Texte schreibe ich gleich in ein Notizbuch ab – doch es sind weniger als gehofft. Mir fehlt eindeutig ein (objektiv kalibriertes) System zur Beurteilung dessen, was ich auf den Zetteln meist nebenbei festhielt. Und vor allem wüßte ich bei vielen Zetteln, aus welchem Grund ich das Aufgeschriebene für so interessant hielt.

Einen Zettel fand ich heute, den ich nicht selbst geschrieben habe. Einen fremden Einkaufszettel:

  • Tüten Suppe
  • Peperoni
  • Speck
  • Herzen   Hä-Klein
  • Käse
  • Wurst
  • Spee
  • Zeitung

Bei dem weiß ich noch, warum ich den habe: Einkaufszettel sind interessante Rätsel, ich versuche immer zu erraten, was aus den gelisteten Dingen wohl werden sollte.

Dann war ich in meine Zettel versunken. Für längere Zeit, deren Verstreichen ich nicht bemerkte. Hier und da stiegen Erinnerungen in mir auf, die mit den Worten auf dem Papier zusammenhängen. Nur einmal war das unangenehm, sonst lösten sie alle ein wohliges Gefühl in mir aus. Bei den abgeschriebenen Notizen habe ich das Erinnerte und das Empfinden ergänzt. In fast fünf Stunden habe ich so exakt 50 (ja, leider nicht mehr) Notizen bearbeitet – nur ein wirklich kleiner Teil dessen, was noch immer in der Pilzkiste verbleibt. Sechs schrieb ich ab, und dann auch noch die fünf, die auf dem Behalten-Häufchen lagen. Zweiundzwanzig will ich heute Abend oder morgen ein weiteres Mal prüfen. Siebenzehn (ja, nur 17), unter denen auch dieser Einkaufszettel, sind in kleine Schnipsel verwandelt worden.

Mich mit mir selbst zu beschäftigen, war mir lange Zeit nicht möglich. Es tut gut, heute dazu in der Lage zu sein. Und meinen eigenen Absichten, Intentionen auf die Spur zu kommen, war ein zwar einsames, aber lehrreiches Sonntagsvergnügen.

Nebenbei habe ich natürlich auch meinen ganz normalen Alltag gelebt mit Kochen und Essen, mit dem Aufbrühen von Tee, mit Lesen im Buch und am Rechner. Und nach dem Ende des Tram-Chaos (Mitteldeutschen Marathon, der Marktplatz war für die Straßenbahnen gesperrt) war ich auch noch draußen in der Stadt unterwegs.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich gab einige Notizzettel und mehr anderes Papier in den Aktenvernichter.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 12. Oktober 2025 war ich zufrieden mit meinen Erinnerungen, mit zwei Pläuschchen in der Stadt, mit der Unaufgeregtheit des ganzen Tages.


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2025 – 284: Eine Formulierungsfrage

Aus meinen Alltagsbeobachtungen geschlußfolgert:
Mein Sprachgebrauch hat bewußte Veränderungen nötig.

 

Und zwar immer dann, wenn es ums Denken geht. Denn häufig nenne ich es „nur” nachdenken, wo ich – präziser ausgedrückt – etwas bedenken muß, ehe ich z. B. ent­scheide oder handele. Vorher bedenken und nicht vorher nachdenken … Ja, es ist allgemeiner Sprachgebrauch; und wahrscheinlich stört sich daran gerade auch niemand außer mir. Dennoch stutzte ich heute einmal mehr beim ungewollten Zuhören im Bus über genau diesen Satz: „Darüber muß ich vorher nachdenken.” Das klang in dem Moment so absurd, daß es sich in meinem Kopf festsetzte.

Außerdem habe ich zur Zeit auch das Gefühl, daß viele es als belastend empfinden, selbst denken zu müssen. Es gibt doch haufenweise „fertige”, „einfache” „Lösungen” für die meisten Probleme, oder nicht? Wozu also den eigenen Grips anstrengen? Unnütze Energieverschwendung, die Menschen haben gar nicht die Zeit, sich so lang auf eine Sache zu konzent…

Oh, ein Eichhörnchen! Aber ein graues, sind das nicht die bösen, kranken Tie…

Was hat dieser Politiker gesagt? Ach, das betrifft mich ja ni…

Wieso ist hier die Straße gesperrt? Oh, wieder ein Fußgänger, der an der Ampel nicht zuerst die Autos vorbeigelass…

Übertriebene Beispiele für die geringer werdenden Aufmerksamkeitsspannen. Und bei allem, was selbst gedacht, bedacht werden müßte, höre ich: „Das geht mich doch nichts an, das betrifft mich doch nicht, was kann ich daran schon ändern, darum muß sich jemand anderes kümmern.” Das finde ich irgendwie nicht richtig, sogar falsch. Woran das wohl liegen mag? Darüber muß ich mal nachd… Nein, da sollte ich mir die Zeit nehmen, das ausgiebig zu bedenken.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ins Öffentlichen Bücherregal neben dem Fairteiler stellte ich sieben Bücher.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 11. Oktober 2025 war ich zufrieden mit den erledigten Einkäufen, mit der ersten Fahrt in einer TINA (es gibt viel zu scrollen), mit drei Broten aus dem Fairteiler.


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2025 – 283: Ein Traum vom Träumen

Sehr sonderbares nächtliches Erleben.

 

Im Traum träumte mir, daß ich bei „feinen Leuten” zu Gast war und dort das stille Örtchen – ein recht luxuriöses seiner Art – habe aufsuchen müssen. Allerdings mußte ich feststellen, daß trotz all meiner Bemühungen die Spülung nicht tat, was sie tun sollte; meine Hinterlassenschaften blieben deutlich sichtbar … Und nun?

 

Das Schrägste daran ist: Ich weiß, diesen (Alp-)Traum träumte ich bzw. die handelnde Person in einem meiner Träume. Was weiß ich, was mir mein Denkicht damit wieder erklären möchte. (Ach, und wie ich in dieser Situation im wahren Leben reagieren würde: Ich weiß es nicht, aber es wäre mir bestimmt verdammt peinlich.)

 

Heute habe ich weder etwas weggegeben/entsorgt noch eine spezielle, erwähnenswerte Erinnerung gehabt.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 10. Oktober 2025 war ich zufrieden mit meiner Zeit in der Badewanne, mit dem Kaffee am Nachmittag, mit Couscous mit Zaziki.


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2025 – 282: Ziemlich alte Gedanken

Ich fand eines meiner Lamentos von 2009 wieder.

 

Lamento, das: ausdauerndes, ausgiebiges Lamentieren oder Gejammer. (Obwohl das meins nicht ganz trifft.)

 

Ist es nicht mindestens ein wenig unheimlich, was man um sich herum beob­achten kann? Diese Entsolidarisierung, das „Jeder ist sich selbst der Nächste”, das Besitzansprücheerheben, dieses pure Schwarz-Weiß-Denken?

Parteien behaupten, daß andre Parteien „gegen etwas” sind, was angeblich not­wendig ist, oder fürs Schlechtere/Schlechteste. Was sie selbst wollen und tun, ist neuerdings immer „alternativlos”. Dabei gibt es immer eine Wahl, wenn man sich nicht einem Diktat unterwirft.

Und deshalb bin ich der Meinung, daß wir alle schon längst wieder in einer Dik­ta­tur leben: in der (von den Mächtigen gewollten und um jeden Preis der Welt aufrechterhaltenen) Diktatur des Kapitals. Denn zu dessen Gunsten, zugun­sten seines freien Tummelplatzes „Markt” – und hier meint „frei” nichts anderes als frei von sinnvoller Regulierung – wurde verdammt viel Soziales ab­ge­schafft und/oder ohne Not vom Kapital abhängig gemacht. Das wäre nie zwingend notwendig gewesen, es hätte immer andere Möglichkeiten gegeben, glaube ich. Ja, das hätte dem Kapital nicht so perfekt in die Taschen gespielt, aber es hätte diese Möglichkeiten gegeben.

Wie kamen denn hierzulande die weit über dem europäischen Durchschnitt liegenden Arzneimittelpreise zustande? Wieso sind private Kopien kaum noch möglich? Wieso breitet sich Zeitarbeit/Arbeitnehmerüberlassung immer weiter aus? Warum werden Brillen und Zahnersatz nicht mehr einfach von den gesetz­lichen Krankenkassen bezahlt? Wieso müssen Einrichtungen Betriebe (oft „privatwirtschaftliche”) Unternehmen, die Teile der (eigentlich staatlich zu garantierenden) Daseinsfürsorge für die Bürger dieses Landes übernehmen, Gewinne ausschütten und ihren mehr oder weniger verwaltend „Wirkenden” unanständig hohe Entgelte zahlen? Wieso bekommen etwa zehn Banken hier­zu­lande 500 Mrd. Euro Hilfen zugeschustert, aber für etwa 7 Mio. bedürftige Menschen hierzulande sind läppische (zusätzliche) 10 Mrd. Euro lebens­not­wen­dige Hilfe nicht bezahlbar?

Das ist nicht mein Land; das ist keine Politik, mit der ich auch nur ansatzweise einverstanden sein kann. Ich befürchte, „Das Kapital” enthält verdammt viele Wahrheiten.

 

Zweitausendneun, spätestens -zehn aufgeschrieben. Sechzehn Jahre alt, der Text. Hat sich im Vergleich zu meinen damaligen Gedanken etwas verbessert an der Situation? Natürlich ist das eine Art Gejammer gewesen, damals, denn ich war schon damals sehr, sehr unzufrieden mit alledem. Heute (ja, gerade heute) scheint mir einiges bis vieles weitaus schlimmer als damals, und wenn ich mir ansehe, was aus dem Teil „Sozial” des Sozialstaates gemacht werden soll, kommt mir das K… Die Mitvulven und Mitglieder dieser Regierung kann ich nur verachten.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Als ich heute zum Einkaufen ging, nahm ich einige Bücher mit zum Öffentlichen Bücherregal.

 

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Der Emil

 

P.S.: Am 9. Oktober 2025 war ich zufrieden mit hellem Dinkel-Rosinenbrot, mit (aus-)sortierten Notizen auf Zetteln, mit immeroch entspannter Grundstimmung.


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2025 – 281: In einem Satz

Wahrscheinlich könnte ich ähnlich denken wie diese Person.

 

 

Heute war Sonnabend – und nach dem gestern doch echt nervigen Abend, an dem ich von einem sehr guten Freund so heftig gestört wurde, daß ich ein Thema verbrannte und einen zur Hälfte fertigen Text noch einmal von Anfang an komplett neu schreiben mußte, und nachdem mir heute früh wieder jemand so heftig zusetzte, daß ich davon verdammt wütend, laut und ungehalten wurde und mich das selbst störte, habe ich endlich beschlossen, daß ich in solchen Situationen früher als bisher innehalten und meinem Gegenüber ein deutlich bestimmteres, aber trotzdem freundlich formulier­tes und intoniertes „Halt!” engegensetzen muß mit der Ankündigung, zu der und der Uhrzeit oder nach dem Ver­streichen einer gewissen Zeitspanne mich ihm widmen zu können; und so hoffe ich, in der Zukunft keine solchen Verluste mehr zu erleiden und auch nicht mehr für ein verschrobenes egoistisches Arschloch gehalten zu werden, wie es bisher öfter vorkam, wenn ich dem Gerede hinter meinem Rücken Glauben schenken möchte.

 

 

Erinnerung des Tages:
Einmal war ich mit meinen Eltern noch zur POS-Zeit (1970-1978) in Berlin, Hauptstadt der DDR, und es gab Kakao aus dem echten Tetra-Pack (Tetraeder).

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 8. Oktober 2025 war ich zufrieden mit gebügelter und weggeräumter Wäsche, mit Nudel­ein­topf satt, mit der den ganzen Tag anhaltenden Entspannung.


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