2025 – 289: Dennoch danke

Vorerst ist es eine Phantasie vom Einkaufen.

 

 

Ich fluche leise vor mich hin und ächze, als ich in die Knie gehe und mich hinabbeuge. „Warten Sie, ich helfe ihnen.” Ein junger Mann neben mir sagt das, aber ich bin ja schon unten. „Neee, laß mal, das geht schon. Zuhause muß es ja auch alleine gehen.” Ich greife meinen heruntergefallenen Einkauszettel und richte mich ächzend wieder auf. Ja, ich schnaufe heftig, weil mir in dieser Bückhocke, in der ich gerade war, das Atmen schwerer fällt als sonst. Der Bauch ist eben im Weg. „Dennoch danke für ihr Angebot.” Der jüngere Mann lächelt und schüttelt dabei den Kopf, verschwindet dann mit einem „gerne doch” hinter dem nächsten Regal. Ich aber mache mir Gedanken um meine Außenwirkung. Sehe ich mit meinen über sechzig Jahren wirklich so alt und unbeholfen aus, daß ich Hilfe zu benötigen scheine? Wenn ich allerdings noch nicht unten gewesen wäre …

 

 

Wahrscheinlich wird es mir irgendwann so gehen wie der Hauptperson da oben …

 

Erinnerung des Tages:
Ich war gerade 56 Jahre alt, als mir zum ersten Mal ein Sitzplatz im ÖPNV angeboten wurde. Heute geschah es wieder.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 16. Oktober 2025 war ich zufrieden mit einem durchsortierten Korb vom Beistell­regal, mit den ersten Worten in einer neuen Kladde, mit dem gekauften Hackenporsche (Einkaufstrolley).


© 2025 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
Dieser Beitrag wurde unter Geschriebenes, Miniatur abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu 2025 – 289: Dennoch danke

  1. Elvira sagt:

    An dem Tag, als mir das erste Mal ein Platz im Bus angeboten wurde, war der, an dem mir klar wurde, dass ich (äußerlich) alt geworden bin. Auch wenn es mir früher eher unangenehm war, wünschte ich mir manchmal doch, dass statt des Platzangebots wieder hinter mir her gepfiffen würde.
    Das mit dem Bücken habe ich letztens im Supermarkt erlebt, gleich 2x. Einer Kundin fiel etwas aus der Hand, ich bückte mich automatisch, was mir nicht leicht fällt. Doch die Kundin war schneller und bedankte sich dennoch. Beim Rausgehen fiel wieder jemanden etwas aus der Hand und eine viel ältere Dame als ich, die auch noch am Stock ging, bot ihre Hilfe an. Aber auch dieser Kunde benötigte keine Hilfe. Ich sprach die Frau an, denn ich fand es bemerkenswert, wie sehr unserer Generation diese Hilfsbereitschaft in Fleisch und Blut übergegangen ist, auch wenn uns diese Hilfe selber schwer fällt und wir sie eher nötig hätten. Sie meinte dann auch, dass sie in solchen Fällen gar nicht darüber nachdenkt, sondern automatisch helfen möchte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert