2025 – 280: Am Jahrestag

Einer der Ewiggestrigen jammert mal wieder herum.

 

Vor 76 Jahren. Aber von diesem Jahrestag war heute in den Nachrichten nichts zu hören oder sehen. Oder habe ich es nur verpaßt? Glaub ich nicht …

Nun gut, dazu gibt es nicht so schockierende Bilder und Filme wie zu dem anderen siebenten Oktober. Der war heute allgegenwärtig in der Bundesrepublik Deutsch­land, in den Medien. Deutsche Geschichte – ja klar, die aus dem falschen Teilstaat – aber nicht. Bin ich der einzige, der sich wundert?

Für wen spielt denn dieser Jahrestag der Gründung des angeschlossenen Teils noch eine Rolle? Nein, es war keine Wiedervereinigung, wirklich nicht (denn etwas Wieder-Vereinigtes muß vorher einmal geeint gewesen und getrennt worden sein). Nun, wir DDR-Geborenen, die wir uns eine andere DDR wünschten 1989 (das war weit vor „wir sind ein Volk”), wir werden weniger, sind schon weniger geworden. Irgendwann erinnert niemand mehr an die Utopie DDR, dann wird nur noch von Unrechtsstaat, Unfreiheit, MfS, dem Einheits-Kohl usw. usf. gesprochen und geschrieben …

Vor 76 Jahren wurde in der SBZ – als Reaktion auf die Gründung der Bundesrepublik Deutschland aus den drei westlichen Besatzungszonen am 23. Mai 1949 – am 7. Oktober 1949 die DDR, die Deutsche Demokratische Republik gegründet. Dieses meiner Meinung nach durchaus bedeutsame geschichtliche Datum wurde in den Nach­rich­ten, die ich heute las, sah und hörte, nicht erwähnt … (Ach: Wer wüßte auf Anhieb das Gründungsdatum der BRD?)

 

Erinnerung des Tages:
Die an das Land, in dem ich geboren und erwachsen wurde.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 7. Oktober 2025 war ich zufrieden mit dem selbstgekochten Linseneintopf, mit dem selbst­gemachten Nudeleintopf, mit einer geleerten 1-TB-Festplatte.


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2025 – 279: Eine ungewollte Unterbrechung

Manchmal brauche auch ich den Mut zur Lücke.

 

In meiner Immerdabeikladde klafft wieder eine Lücke: Ich habe weder am Sonn­abend noch am Sonntag etwas aufgeschrieben. Erlebt habe ich viel, sehr viel. Und das meiste war schön, erfreulich, herzwärmend und darüber fand ich keine Gelegen­heit dazu. Sonderbar, oder? (Natürlich finden sich die Blogtexte im Notizbuch, doch nicht ein Wort mehr.)

Außerdem heißt es doch: „Wes das Herz voll ist, des gehet der Mund über.” (In meinem Fall ist es meistens der Stift auf Papier.) Das griff aber auch nicht, irgendwie. Na, ich vergleich das jetzt mal mit einer anderen Situation: Ich mache bei beson­de­ren Ereignissen weder Handy-Filme noch viele Fotos; ich möchte dann den Moment erleben, mit all meinen Sinnen. Die Erinnerungen an das Erlebte sind mir mehr wert als jedes Filmchen oder jeder Schnappschuß.

Da ist eine Lücke. In den Notizen, aber nicht in meinem Kopf. Vielleicht, aber wirklich nur vielleich, ergänze ich in den nächsten Tagen etwas. Oder ich lasse es bleiben. Ich mein: Niemand hat Anspruch auf Vollständigkeit meines Tagebuches, nicht wahr? Nicht einmal ich selbst … Ich sollte genügend Mut zur Lücke haben.

 

Erinnerung des Tages:
Als ich heute doch noch einkaufen war, hatte ich meinen Einkaufszettel zuhause liegen­ge­lassen; aber ich erinnerte mich an alles, was darauf stand und kaufte auch nicht mehr als das.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 6. Oktober 2025 war ich zufrieden mit dem Kaffee gleich nach dem Aufstehen, mit der nachmittäglichen Zeit auf meiner Couch, mit einer durch- und aussortierten Marktkiste.


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2025 – 278: Empfohlener Perspektivwechsel

Etwas wie vorgeschlagen von allen Seiten betrachten?

 

 

Von allen Seiten betrachten. Gut gemeinter Hinweis, aber wenn da eine Person mit dem Rücken zur Wand, gar an der Wand steht: Wie soll ich die Person dann von hinten betrachen können!? Und diesen riesigen Stein, der dort auf dem Feld liegt: Wie kann ich mir den von unten ansehen?

 

 

Ja, mein Denkicht schlägt einmal mehr Purzelbäume … Und ich weiß, erst vor ein paar Tagen hatte ich etwas ähnliches hergezeigt.

 

Erinnerung des Tages:
Mit Stammgästen über vergangene Märkte geplaudert.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 5. Oktober 2025 war ich zufrieden mit leuchtenden Kinderaugen, mit dem Besuch vom Sohn mit der ganzen Familie, mit dem doch recht schnellen Abbau.


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2025 – 277: Gezogen

Närrisches Beharren auf der eigenen Methode.

 

Wie oft stand ich vor Türen, die sich von mir nicht öffnen ließen. Und ich fragte mich imme: Warum? Eines Tages, als ich einmal nicht mit der Tür ins Haus fallen wollte, drückte ich nicht gegen die Tür wie sonst immer. Ich habe an der Tür gezogen (und dabei wohl auch etwas gelernt, wie ihr euch denken könnt, vor allem im über­tra­ge­nen Sinne) …

 

Erinnerung des Tages:
Ein wenig vermisse ich sie, die mir schon lange nicht mehr begegneten: die selbstgescho­be­nen Drehtüren mit drei oder vier Flügeln.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 4. Oktober 2025 war ich zufrieden mit dem nicht ganz der miesen Vorhersage entsprechendem Wetter, mit dem gespendeten heißen Met, mit lächelnden Gesichtern am Tisch.


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2025 – 276: Ich bin in Feierlaune

Die ganze Meute ist es, die sich hier zusammenfand.

 

Aber ich bin es nicht wegen des offiziösen Feiertages hierzulande, sondern wegen der Leute, mit denen ich gerade mehr oder weniger zusammenbin. Und ich bin damit nicht alleine, denn so ein Markt ist immer eine Art Fest für die beteiligten Händler, Gastronomen, Handwerker, Künstler – kurzum: für das anwesende Personal. Wir scherzen, führen tiefgründige Gespräche, streiten und vertragen uns wieder. Ja, es wird auch Met und anderes getrunken. Aber noch nie erlebte ich persönlich mit, daß es (handfesten) Streit gab.

Wir feiern also unser Wiedersehen, daß es uns allen noch oder wieder gutgeht, daß wir für einen Moment aus dem Alltag aussteigen können. Und immer wieder ertönt Lachen auf dem Markt (und es wird nachher, wenn keine Besucher mehr anwesend sind, noch lauter werden).

Die Feierlaune bleibt bis zu dem Moment, da zum Marktende alles wieder abgebaut und verladen werden muß. Ich hoffe, daß nicht – wie ich es vor ein paar Jahren selbst erlebte – einer der Touristen fragt, ob wir auch die Kulissen (Burgruinen, Schlösser, Burgen) abbauen müssen (ja, die Frage war ernstgemeint). Übrigens wird auch ein moderater Regen meine Feierlaune nicht erheblich beeinträchtigen, das läßt sich aushalten, solange die Schlafstelle trocken bleibt.

Ich bin in Feierlaune. Und wenn ihr möchtet und könnt, dann besucht mich doch morgen oder übermorgen (also am 4. oder 5. Oktober) im Gelände der kleinsten Burg Sachsens. Mir wäre es ein Vergnügen.

 


Heute kann ich weder mit einer besonderen Erinnerung noch mit etwas Weggebenem aufwarten.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 3. Oktober 2025 war ich zufrieden mit vielen bekannten Gesichtern unter den Besuchern, mit zwei besonderen Umarmungen, mit leckerem Sauerkraut aus der Schenke.


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2025 – 275: Zu wenig Vorbereitung

Wie es am besten funktioniert mit der Spontaneität.

 

 

Immer öfter fällt mir auf, daß die Menschen, die wirklich spontan handeln können, sich ihr ganzes Leben lang auf jeden einzelnen dieser Momente vorbereitet haben durch ihre Art, ihr Leben zu leben. Spontan zu sein, wird bei zu wenig Vorbereitung zuverlässig unmöglich bleiben.

 

 

Ja, das wird Widerspruch ernten, befürchte ich. Aber das ist meine Meinung, die aus meinen Erfahrungen entstand.

 

Erinnerung des Tages:
Einmal stand mein Zelt hier etwa zehn Meter weiter links. Der Wasserspeier am Burgdach durch­näßte mein Zelt und mich. Seither meide ich den Platz.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 02. Oktober 2025 war ich zufrieden mit der geschafften Abfahrt nur kurz nach Plan, mit der flüssigen Fahrt hierher, mit dem recht früh (ca. 16.30 Uhr) abgeschlossenem Aufbau.


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2025 – 274: Goldenes Oktoberlicht

Wir hatten jetzt Altweibersommer.

 

Er ist ein normales Wetterphänomen, eine Phase gleichmäßigen Wettergeschehens Ende September und im Oktober. Ein stabiles Hochdruckgebiet ist für das trockene, warme Ausklingen des Sommers verantwortlich. Und so wurden und sind jetzt ja auch die Herbstfarben allgegenwärtig. Unterm blauen Himmel finden sich rot­gol­dene Blätter an Sträuchern und Bäumen. Die lassen die Welt in einem warmen Licht erscheinen, das von mir goldenes Oktoberlicht genannt wird.

Ich mag die Lichtstimmung aus einem besonderen, beinahe absonderlichen Grund. Denn für mich nimmt dieses goldene Oktoberlicht das vorweg, was mich an der Advents- und Weihnachtszeit fasziniert: Der goldene Schimmer des Kerzenlichts, der durch die Flammen brennender Kerzen übers gesamte Ambiente gelegt wird. Hach, wie ich mich darauf freue!

Einstweilen gebe ich mich mit der herbstlichen Lichtstimmung zufrieden. Die Wetter­vorhersage fürs Wochenende behagt mir allerdings nicht. Aber wer weiß? Vielleicht kommt der Altweibersommer für ein Weilchen zurück.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Einiges nicht mehr nutzbares Kleinzeug verließ heute meine Wohnung.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 1. Oktober 2025 war ich zufrieden mit aussortiertem Krempel, mit der gepackten Aus­rü­stung, mit dem vorm Haus stehenden und beladenen Fliewatüüt.


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2025 – 273: Es glimmt

Das Innere läßt ein Außen entstehen, das im Innen weiterwirkt.

 

 

Wir saßen draußen, den ganzen Nachmittag, redend, schweigend, essend, trinkend. Als die Sonne hinterm Scheunendach verschwand, wurde ein Feuer entfacht. Das wärmte uns einen ganzen Abend lang, weil wir es immer wieder mit Holz fütterten. Und es wärmte uns auch der Gleichklang unserer Gedanken und Gefühle. Als wir langsam müde wurden, ließen wir das Feuer ausgehen; die letzten drei stückchen Glut wurden mit Wasser gelöscht.

Nun liegen wir alle in unseren Betten oder Schlafsäcken. Und in mir glimmt es immer noch, dieses Gefühl der Gemeinsamkeit, des auch wortlosen Verstehens, des Einanderwahrnehmens, des individuellen Selbst- und unseres Einsseins. Es glimmt in mir und läßt mich in einen wohligen Schlaf gleiten.

 

 

Erinnerung des Tages:
Ich hörte heute meine Großmutter mit ganz hoher Stimme wieder „Widdihwiddiwiddihwitt” rufen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 30. September 2025 war ich zufrieden mit meiner Kreativität, mit aussortierten alten Medikamenten, mit den Habaneros zum Abendessen.


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2025 – 272: Ein schräger Vogel

Oder vielleicht nur ein hinkender Vergleich, ein blödes Bild?

 

Manchmal vergleiche ich die Zeit mit einem Vogel, einem schrägen Vogel:

Wie oft sehe ich dem hinterher, den ich den Zeitenvogel nenne: wie er immer wieder eilig von mir fortzufliegen scheint. Wenn ich mich gutfühle, vergeht die Zeit schnell, zu schnell. Geht es mir nicht so gut, dann trippelt dieser unmögliche Zeitenvogel neben mir her oder vor meinen Füßen herum, so daß er mich immer wieder fast zum Stolpern bringt. Und mit dieser ihm so ungewohnten, fremden Art der Fort­be­we­gung zu Fuß ist er viel langsamer als in seinem Element, in der Luft. In solchen Phasen scheint die Zeit einfach nicht voranzukommen, beinahe stillzustehen …

 

(Das ist einer der bisher titel- und überschriftenlosen Texte, er schlummerte seit Juli 2023 in einer Kladde.)

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Eine alte Pfanne mit zerkratzter Antihaftbeschichtung liegt jetzt im Müll.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 29. September 2025 war ich zufrieden mit weiterer gebügelter Wäsche, mit der Zeit auf der Couch am Nachmittag, mit Titel und Überschrift.


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2025 – 271: Behäbig wurde ich genannt

Ich kann mich damit abfinden, arrangieren, es paßt ja irgendwie.

 

Das Jahr gallopiert seinem Ende entgegen, denke ich so bei mir. Ich blätterte heute nicht in meinen Kladden nach weiteren Geschichten, nahm mir aber Zeit zum träumen. Den Träumen der Nacht nachhängend, in denen ich zwischen Bäumen und Moos Dinge sehen durfte. Ja, deren Verwirklichung ist unwahrscheinlich, aber die Vorstellung dessen ist angenehm, anregend, schön. Dann stellte ich fest, wieviel Zeit ich so ergebnislos zugebracht habe, und bin keineswegs erschrocken. Nein. Alles gut so, wie es bis jetzt heute war.

Mein eigenes Tempo einzuhalten, gelingt mir nämlich wieder besser. Ich ließ mich in den vergangenen Monaten sehr oft antreiben – das spürte ich abends und in den Pausen, die ich noch erhaschen konnte. Ich weiß nicht, wie oft ich hier schon über diese Geschwindigkeit jammerte, in der heute alles erledigt werden muß (EPZE-Zahl). Angenehm ist das für mich nicht, es beschert mir Streß der unangenehmen Art. Und das, obwohl ich auch nicht unbedingt reich gesegnet bin mit Geduld!

Was mich immer öfter wundert: Wieso lasse ich mich so derb antreiben, in ein Tempo drängen, in dem ich nicht wirklich adäquat agieren kann, zu viele (Flüchtigkeits-)​Fehler mache bzw. geschehen lasse. Letzthin nannte es jemand behäbig, wie ich mich bewegte. Eben in meinem eigenen Tempo, was ich der Person gegenüber auch vorher ankündigte. Behäbig! Pah! (Obwohl: So ganz unrichtig ist dieses Wort dann doch nicht; aber es hat heutzutage ein Geschmäckle.) Als ich Kind war, durften die Menschen meines jetzigen Alters langsamer werden und sein als die Jüngeren. Da störte sich beinahe niemand daran. Und heute? Ich denke nur an die Läden, in denen nach der Kasse kein Platz mehr ist, von dem ich meine Einkäufe in meinen Rucksack packen kann. Oder wenn ich manchmal beim Bezahlen mit Bargeld etwas mehr Zeit brauche als es zum Bezahlen mit Karte brauchen würde. Selbst dann, wenn ich mit dem Fliewatüüt unterwegs bin und mich ziemlich genau an die Geschwindig­keits­be­grenzungen halte (zulässige Höchstgeschwindigkeit) … In solchen Momente störe ich das allgegenwärtige Schnell-Schnell.

Bald ist die Zeit, in der das Einhalten meines eigenen Tempos, also meine Langsam­keit, als weniger störend empfunden wird von den mich umgebenden Hektikern. Und ich nehme mir schon jetzt vor, im nächsten Jahr zumeist ungehetzt zu bleiben.

 

Erinnerung des Tages:
Im Einsamen Gehäft konnten mehrere Menschen im jeweils eigenen Tempo leben und kamen doch ganz wunderbar miteinander aus, jedes Mal.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 28. September 2025 war ich zufrieden mit den Träumen der Nacht, mit meiner Arschruhe, mit ein paar gescannten Seiten.


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