067.2026: Ach so

Einmal mehr Gedankenspielerei.

 

 

Wer sich, mehr oder weniger gewollt, mit seiner / ihrer Vergangenheit beschäftigt, muß auch akzeptieren, daß gemachte Fehler nicht auszulöschen sind. Die Erfolge aber, die sind leicht in die Bedeutungslosigkeit zu verdrängen.

 

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.


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066.2026: Reimspielerei

Das fiel beim Lesen und Kritzeln nebenbei aufs Papier.

 

Manchmal kann ich nicht so ganz ernsthaft und tiefsinnig sein. Und als ich in einem Buch von einem überraschenden Regenguß las, produzierte mein Hirn mitten in der Nacht dieses Reimspiel:

 

 

Es dämmert draußen vor dem Haus.
Ein Wind faucht: „Trau dich endlich raus!”
Kaum stehe ich am Straßenrand
und bin vom Wolkenspiel gebannt,
da fällt herab ein Regenwasser –
und ich bin wach und deutlich nasser
als ich mir wünsche grad zu sein.
 
Das ist nicht fein.

 

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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065.2026: Belohnung

Aber womit? Über die Schwierigkeit, etwas Passendes zu finden.

 

Bei manchem, das ich so erledigen muß/will, gibt es solche Fortschrittsmarken. Also wenn wieder ein Heft durchgeblättert, gescannt und zerrissen ist, wenn ein Stück vom Nähhaufen fertiggeworden ist. Und ehe ich das nächste zur Hand nehme, würde ich mich gern belohnen. Allerdings nicht mit einer Zigarette oder etwas Süßem – irgendetwas anderes wäre aber schön.

Allein: Da schlägt meine Ideenlosigkeit wieder zu. Denn es sollte nicht ungesund sein, nicht lange dauern (um den Arbeitsfluß nicht zu lang zu unterbrechen) und … Tja, was noch? Ich probierte es vorhin damit, nach jeder Fortschrittsmarke zwei Seiten des gerade angefangenen Buches zu lesen. Ja, das könnte ein Belohnung sein, wenn es nicht gleichzeitig eine Strafe wäre, nach nur zwei Seiten wieder aufzuhören!

Deshalb suchte ich gerade etwa 30 Minuten nach Anregungen für diese Belohnung, las hier und da über von mir schon verworfene oder mir als unpraktikabel erschei­nende Methoden. Puh. Ich kenne vieles, das mich erfreut, zufrieden macht, anspornt; aber nichts davon geht so schnell, wie ich es mir für diesen bestimmten Zweck vorstelle. Womit also …

Noch immer bin ich weit davon entfernt, etwas Passendes gefunden zu haben. Ich wechsele die Tätigkeit und erledige erstmal den Abwasch.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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064.2026: Am Abend

Der Klang ist so charakteristisch: Das große Orchestrion.

 

Draußen wird es dunkel, der Sonntag geht seinem Ende entgegen. Wie jeden Abend sitze ich da und überlege, was ich heute alles „geschafft” habe. Aufstehen, Schreiben, etwas Scannen, zwei Stunden anwesend sein beim Vereinstraining – bei dem ich nichts zu trainieren habe, aber Informationen bekomme und loswerde.

Einmal mehr wundere ich mich darüber, daß die Zeit auch beim scheinbaren Nichts­tun so schnell verrann und verrinnt. Dabei bin ich mir sicher, heute nicht getrödelt oder Zeit verträumt zu haben. Und doch scheint einiges davon vergangen zu sein, ohne daß ich (bewußte) Erinnerungen daran habe. Deswegen werde ich dennoch nicht anfangen, mir alles akribisch aufzschreiben, aufzulisten. Wobei sollte mir das helfen können? Eben, bei nichts, das wirklich von Bedeutung ist.

Daran bleibe ich hängen: was wirklich von Bedeutung ist. Ich versuche, mir dazu Notizen zu machen. Aber wie kann ich all die Dinge beschreiben, die mir in den Kopf kommen. Und zählt „Blowjob” tatsächlich dazu oder „Klopapier”? (Entschuldigung, aber das waren die ersten beiden notierten Begriffe.) Ich bin weder mit der Frage noch mit irgendeiner Art von Notizen als Antwort darauf fertig und werde beides mit in den Schlaf nehmen, denke ich.

Die schweren Brocken fallen mir zumeist abends zu. Und es dauert dann länger, einschlafen zu können, weil das Karussell im Kopf sich mit lauter, nach übergroßem Orchestrion klingender Rummelmusik noch dreht. Nachher schick ich den, der mit seinem Hund in der Nacht auf dem Rummelplatz Wache hält, zum Hauptschalter; der kümmert sich hoffentlich darum.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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063.2026: Unbegreiflich

Es betrifft mich nicht, ich denke trotzdem drüber nach.

 

Kurz nach dem Aufstehen daran gedacht: Heute ist Frauentag. Der war wichtig in meinem Heimatland – vom Muttertag wußte kaum jemand etwas. (Oder hatte der ein Nazi-Geschmäckle und wurde deswegen „vergessen”?) Der Frauentag war so wichtig wie der Lehrertag, der 1. Mai und der 7. Oktober. Na, das liegt mittlerweile Jahrzehnte zurück. Aber das, was wir Kinder gelernt haben zu diesem Tag, das haben nur wenige von uns vergessen, nicht wahr?

Daß einmal wieder für ganz normale Rechte der Frauen gekämpft werden muß (ich weiß, ich wollte mich für sieben Wochen solcher Vokabeln enthalten), war für mich unvorstellbar, ist mir unbegreiflich. Vor allem: Jetzt wird für die oft längst überfällige Umsetzung geltenden Rechts gestritten, was einfach absurd ist – und zwar in allen Lebensbereichen und Rechtsgebieten (UN-BRK, SGB II, Mietrecht usw.).

Kopfschüttelnd trank ich meinen Kaffee und dachte daran, daß auch dort damals nicht alles gut und richtig war; aber wenn ich mit Frauen rede, die das erlebten, dann gefiel ihnen einiges am Recht besser als heute.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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062.2026: Ich saß auf einem Steine

… und hatte echt nichts mit Walther von der Vogelweide zu tun.

 

Ich war heute zweimal in der Stadt unterwegs. Beim ersten Mal mußte ich einen Einkauf erledigen. Beim zweiten Mal war ich nur unterwegs. Und dann saß ich auf einem Stein. Da saß ich, saß einfach nur in der Gegend herum und schien mich zu langweilen. Aber nein, ganz im Gegenteil: Ich genoß die Muße, bis die Muse mich zu küssen versuchte. Sehr oft geschieht das sowieso nicht, auf den Musenkuß warte ich oft vergeblich. Aber wenn es passiert, dann glaube ich einen Satz zu hören, dann huscht nach einiger Zeit etwas schnell und unscharf im Augenwinkel durch mein Blickfeld. Und wie intensiv und wie lange ich auch nach einem vermeintlichen Tier Ausschau halte – am Ende war es eine Ahnung, ein Phantom, eine der ungeweinten Tränen.

Heute war die Eingebung in dem Augenblick verschwunden, da ich – endlich – die Kladde aus dem Rucksack hatte. Nicht schlimm, dachte ich, hatte ich doch eine Weile all den Ärger der Weltlage vergessen. Und außerdem: Die Zeit zum Herumsitzen nehme ich mir gern.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 07.03.2026 das gekaufte Gerät, die acht weggebrachten Bücher, die verdöste Zeit draußen.


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061.2026: Denkweise

Ein paar zaghaft und unsauber formulierten Gedanken dazu.

 

Ich bin mir sicher, daß ich in der Schule auch das Denken lernte. Jedenfalls die Art und Weise des Denkens, welches Bildung und Neugier und Phantasie und Utopie unbedingt brauchen. „Wissenschaftlich” mag ich es nicht nennen, aber vielleicht rational-logisch? Jedenfalls gehörten dazu auch das Finden von Fakten, die Prüfung von Behauptungen, das Erkennen von Unrichtigem. Und es war die Art und Weise des Denkens, das Denken, das ich selbst tun konnte und mußte. Ja, ich glaube, das habe ich in der Schule gelernt.

Mir half diese Fähigkeit auch über die drei Jahre Wehrdienst bei der NVA hinweg. Über die Zeit, in der selbst zu denken nicht überall gern gesehen war. Mitdenken im Dienst war dennoch gefragt, notwendig sogar, denn es machte hin und wieder einiges leichter, gar überflüssig, jedenfalls weniger zwanghaft. Natürlich hatten wir damals ein anderes Denkgebäude, in dem wir uns bewegten; und es sah von außen betrachtet oft anders aus als es war, denn „schöne” Fassaden konnten wir schaffen, Fassaden, die vor all dem standen und vieles von dem schützten, was wir so dachten.

Denken lernen. Nein, ein Schulfach gab es dafür nicht. Die Schulen im Land waren ja polytechnisch (stark naturwissenschaftlich-technisch ausgerichtet) und sollten zur Bildung von „allseitig und harmonisch entwickelten sozialistischen Persönlichkeiten”, später (also zu meiner Zeit) zu der von „vollwertigen Mitgliedern der sozialistischen Gesellschaft” beitragen. Ich denke noch immer, wir bekamen ein durchaus solides Grundwissen, eine recht gute Allgemeinbildung vermittelt – abseits aller politischen „Indoktrination”. Viele Lehrer schafften es, den Schülern auch Grundlagen des (nicht nur marxistischen) Humanismus' zu ver­mit­teln. Dafür bin ich ihnen dankbar (selbst einem StaBü-Lehrer, der schonungslos ehrlich war).

Das prägt mich bis heute. Ich hinterfrage, wo andere (Resigniert? Desillusioniert? Uninteressiert? Überdrüssig?) nur folgen oder abwinken. Eine große Wirkung auf das Hier und Jetzt habe ich damit nicht, Vorteile kann ich mir dadurch auch nicht erschleichen. Vielleicht macht mir diese Art und Weise zu denken mein Leben auch schwerer als notwendig? Ich weiß es nicht. Aber, so mühevoll es auch sein sollte, so interessant ist es auch für mich. Ich bleibe also dabei …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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060.2026: Zuviel

Ich machte heute drei Baustellen auf.

 

Als erstes sortierte ich aus meinem Kleiderschrank einiges aus, was zu verschlissen ist, um weiterhin getragen zu werden. Da waren Jacken und Westen und Hemden und Hosen, die so niemand mehr tragen kann; mir paßte von all dem auch nichts mehr. Jetzt hängen noch drei Jackets, etwas trachtig Angehauchtes und ein Smoking vorm Schrank. Tracht werde ich nie wieder tragen, die Jackets könnte ich im Haus hinhängen – aber was mache ich mit dem Smoking? Der ist wirklich nur drei- oder viermal getragen, und billig war er nun auch nicht grad (damals aber konnte ich ihn mir leisten) … Also?

Dann habe ich einmal alle unbenutzen Kladden hergesucht, aus drei verschiedenen Teilen einer Schrankwand. 85 Stück zählte ich, von DIN A4 über DIN B5, DIN A5, DIN B6 bis zu DIN A6 und in vielen Sonderformaten. Die meisten sind liniert, einige kariert, und dann sind da noch vier ganz ohne Lineatur. Nur eine einzige Kladde hat diese für mich unbenutzbare Punktlineatur „dotted” – ürgs. Diese Baustelle habe ich abgeschlossen; alle Kladden sind jetzt in zwei übereinanderliegenden Fächern verstaut.

Ich saß heute auch wieder da und scannte Zettel. Deren Haufen hat sich in den letzten Tagen wieder vergrößert, denn beim alltäglichen Sortieren von Papier fällt immer wieder etwas an, das Aufhebenswert zu sein scheint. Ich befürchte, daß hier noch ungefähr 30.000 Stücke Papier herumliegen, die ich ansehen muß … Ach, das scheint euch zuviel zu sein? Schaut mal in euer Portemonnaie oder in eure Börse. Was findet sich da? Eben … Irgendwann muß ich mir abgewöhnen, alles Mögliche und Unmögliche aufzuschreiben auf Zettel, die ich nicht sofort sortiere.

Von den drei Baustellen sind also zwei noch lange nicht an dem Punkt, da ich sie als abgeschlossen betrachten kann. Und ich bin mir sicher, daß ich morgen oder übermorgen eine weitere aufmachen werde, eine, deren Umfang ich jetzt, vorher, nicht wirklich abschätzen kann.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 06.03.2026 die sortierten und aufgeräumten Kladden, der Platz im Kleiderschrank, eine Umarmung.


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059.2026: Vorbereiten

Was Menschen lebenslang vermeiden und dennoch irgendwann tun.

 

 

Sie steht vor dem Spiegel, gerade, aufgerichtet, fest, beinahe in sich ruhend. Dem würde sie aber nie zustimmen können, denn in ihrem Inneren ist alles aufgewühlt, dort herrscht ein wahrlich wüstes Chaos an Gefühlen. Deshalb übt sie zu sprechen und eine zu ihren Worten passende Körpersprache zu zeigen. Denn eines ist ihr sehr bewußt: Irgendwie muß endlich dieses Ungewisse, dieses Hängen-im-Dazwischen, das Unentschiedene überwunden werden. Und es gibt wohl keine andere Möglichkeit, als daß sie ihr Herz öffnet und Klartext spricht. Er wird es sich angesichts seiner Stellung bei ihr nicht erlauben, das zu tun; dabei weiß sie ganz genau, daß ihn das exakt Gleiche umtreibt. Aber selbst ihr jahrzehntelanger Umgang miteinander hat sie nicht in die Lage versetzt, seine Antworten sicher vorherzusehen.

Deshalb steht sie vorm Spiegel und bereitet sich vor. Genau aus diesem Grund versucht sie dafür zu sorgen, daß wenigstens ihre Worte, ihr Verhalten keinen Zweifel zulassen. Keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit ihrer Worte und keinen Zweifel daran, welche Erwi­derung sie sich wünscht, erhofft. Nochmal. Von vorne. Alles. Auch das, was sie – weil sie sich dessen schämt – niemals, also bisher noch nie, irgendjemandem gesagt hat. Nein, sie konnte das auch nicht ihrem Mann mitteilen. Aber jetzt, jetzt übt sie das, womit sie am Nachmittag – Endlich! – etwas grundlegend verändern möchte.

Mitten in ihrer Redeübung vor dem Spiegel wird Tante Erdmute von einem Räuspern unterbrochen. Ihr stockt der Atem und das Herz. Denn da steht er in der Tür und gesteht, daß er all das schon lange weiß. Daß er ebenso empfindet. Und daß er ihren Umgang miteinander, so, wie er noch immer oder jetzt ist, als amüsantes Versteckspiel miteinander voreinander begreift. Vielleicht macht es, nachdem sie sich gestanden haben, was zu gestehen war, weiterhin ein heimliches, leises Vergnügen tagsüber? Und kleine Ausbrüche daraus können sie sich doch nach den Geständnissen erlauben, oder nicht?

Sie atmet, sichtlich erleichtert, auf und ist froh darüber, daß sie die allerpeinlichsten Geständnisse nicht am hellichten Tag und nicht mit Worten machen mußte.

 

 

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Der Emil


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058.2026: Kurzkrimi

Absonderlicher Notarzteinsatz.

 

 

Vor vielen Jahren saß hier im Haus der Tod neben einem auf dem Fensterbrett. Außen, da ganz oben im elften Stock. Der ließ sich vom Menschen über dessen augenblickliches Leben erzählen und auch darüber, warum sie jetzt genau da sitzen mußten. Schon nach wenigen Sätzen ging der Tod ins Zimmer und soff sich dort in die Bewußtlosigkeit. Als der Notarzt eintraf, stellte er den Exitus des Betrunkenen fest.

 

 

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Der Emil


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