2025 – 300: Beim Hinausgehen

Es klang wie eine Nebensächlichkeit.

 

 

Als letzthin ein guter Freund sich nach seinem Besuch bei mir ver­ab­schiedet hatte, drehte er sich noch einmal um. Und ehe ich die Tür schließen konnte, sagte er: „Mir scheint, es gibt nicht mehr viele andere als gebrochene Biographien, unterbrochene Sätze, unfer­tige Texte. Das ist etwas anderes als das, was man für ein Glück halten kann, aber da bin ich mir nicht sicher. Mir stellt sich da auch die Frage, ob es eine Realität gibt, in der sich all diese Bruchstücke wieder zusammenfügen lassen und all das Unfertige vollendet wird.” Dann ging er nach rechts und verschwand im Dunkel.

 

 

Erinnerung des Tages:
Heute war mir kurz vorm Beitrag veröffentlichen ein Kinderlied aus der DDR (Text: Gisela Stein­eckert) sehr präsent: Das ist der einfache Frieden.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 27. Oktober 2025 war ich zufrieden mit einem Telefonat, mit der Zeit in der Badewanne, mit dem Früchtetee mit Zitrone.


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2025 – 299: Genauer besehen

Das ist schon ein sonderbares Ding mit den Uhren bei mir.

 

Ich sehe meine Uhren an. Alle haben sie einen Stundenzeiger, einen Minutenzeiger, einen Sekundenzeiger. Alle meine sichtbaren Uhren sind elektrisch angetrieben; ich besitze noch welche mit mechanischen Werken, aber die liegen im Schrank. So sehe und höre(!) ich diese Sekundenzeiger (zumeist rot) hektisch weiterspringen. Und frage mich, wann und wozu ich im Alltag die Zeit wirklich auf die Sekunde genau wissen muß?

„Wie spät isses denn?” „Kurz nach Fünfe.” Oder: „Kurz vor Acht.” Diese (Un-)Ge­nau­igkeit reicht doch in den meisten Fällen aus. „Wann wirst Du denn hiersein?” „So um Drei rum?” „Paßt.” Niemand erwartet eine Zeitangabe wie: „Sechzehn Uhr dreizehn Minuten und 38 Sekunden.” Oder doch?

 

Runde Wanduhr. Vor zwölfstrahligem ornamentalem, dunklem Metall ein Messingzifferblatt mit Römischen Ziffern, die Zeiger mit Verschnörkelung.

Eine etwa 50 Jahre alte Wanduhr.
Mechanische Wanduhr, ziemlich alt und zur Zeit nicht funktionierend.

 

Wie ihr seht, habe ich meine mechanische Wanduhr aus dem Schrank geholt. Die hat keinen Sekundenzeiger. Nach dem Aufziehen lief sie nur ein paar Sekunden – ich muß sie also zum Uhrmacher bringen und reinigen lassen. Und dann herausfinden oder vom Uhrmacher erfragen, wie lange das Werk mit einmal Aufziehen läuft. Ob junge Leute solche Uhren wohl ohne Erklärung zum Funktionieren bringen würden, also den „Trick” mit dem Aufziehen herausfänden?

Sobald ich wieder etwas Geld erübrigen kann, bring ich sie zum Uhrmacher …

 

Erinnerung des Tages:
Bei den Großeltern gab es noch Pendeluhren mit Gewichtsaufzug; es gab oft Streit darüber, wer von uns Enkeln sie aufziehen durfte. Ich erinnere mich an das entstehende Geräusch.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 26. Oktober 2025 war ich zufrieden mit der Rückkehr in die MEZ, mit den Unterwegssein im Wind, mit dem Rest des Bohneneintopfs.


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2025 – 298: Es geht los

Ich möchte mich nicht selbst unter Druck setzen.

 

Auch dieses Jahr werde ich hier im Blog wieder einen Adventskalender schreiben. Also Beiträge, die thematisch passend sind und am frühen Morgen online gehen. Diesmal habe ich (noch) keine Liste, auf der auch nur irgendetwas davon „geplant” ist. Ja, versucht habe ich mich daran, vergeblich versucht. Doch das ist nicht … Das ist diesmal nicht unangenehm für mich, stelle ich fest.

Vorgestern saß ich etwa zwei Stunden am Schreibplatz, in denen ich über mein Vor­ha­ben nachdachte. Ich habe kein einziges Wort dafür geschrieben. Anderes Zeug, ja, das notierte ich nebenbei, sowas passiert ja meistens, sowas Nebensächliches. Und aus dem entstanden auch schon Beiträge, die ich für gelungen halte. Gestern hatte ich dafür keine Zeit, war mit anderen Dingen beschäftigt. Selbst im Tagebuchmodus entstanden nur drei Zeilen.

Heute setzte ich mich um zehn vor meine Kladde, las die letzten drei Tage, griff zu einem grünen Stift. Und schrieb mit dem in weniger als 30 Minuten die erste Adventsgeschichte auf. Ohne Räucherkerzchenduft in der Nase zu haben. Wow. So darf das gerne weitergehen. Einfach herausfließend. Wie ich es beim Schreiben am liebsten habe (weil das keinen Aufwand erfordert, den ich am Text noch betreiben müßte). Weil das meinem Prinzip des Schreibens am ehesten entspricht: dem Lustprinzip. Und: Ich fand im Aufgeschriebenen keinen Perspektiv-, keinen logischen und keinen Zeitfehler. (Die Rechtschreibfehler entstehen meist beim Abtippen …) Ich bin also sehr zufrieden gewesen mit meinem Text. Es geht nun endlich los mit der Vorbereitung meiner liebsten Zeit im Jahr.

 

Jaja, ich schreibe hier immer wieder davon, daß ich so viel schreibe, aufschreibe. Das meiste davon wird wohl außer mir nie jemand lesen. Jedenfalls habe ich (noch immer) nicht vor, aus all den Notizen ein Buch oder Bücher zu machen, das veröffentlicht werden würde. Wozu schreibt einer wie ich dann? Warum schreibt jemand ein ganz privates Tagebuch? Wieso erfindet jemand Geschichten, schreibt sie auf und zeigt sie dann aber nicht her? Mir macht das Ausdenken und Aufschreiben Spaß und Freude. Einen kleinen Teil davon zeige ich der Welt in meinen Blogs, aber nur einen kleinen Teil. Mehr möchte ich nicht. Ich will mich nicht unter Druck setzen (müssen), möchte bei meinem Lustprinzip bleiben.

 

Erinnerung des Tages:
Bei meinen Großeltern wurde der letzte Weihnachtsstollen am Ostersonntag angeschnitten, so lange wurde immer einer aufgehoben.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 25. Oktober 2025 war ich zufrieden mit der ersten Adventskalendergeschichte, mit dem Eintopf aus roten Bohnen, mit 13 in ein Öffentliches Bücherregal gestellten Büchern.


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2025 – 297: Ein halber Tag

Doch trotz Euphorie bleibe ich weiter realistisch.

 

Manchmal ist ein halber meiner Tage anders als alle anderen Tage. Heute hatte ich mich zum Beispiel von früh bis nach 14 Uhr von Rechner, Tablet und Telefon fern­ge­halten. Ich lebte diesen halben Tag wirklich offline. Es war ein wenig wie auf einem Markt. Und es tat mir wirklich unwahrscheinlich gut.

Am Nachmittag überlegte ich, ob ich diesen »halben Tag netzlos« nicht jede Woche machen möchte, oder wenigstens jede zweite Woche? Sinnvoll, denke ich, sinnvoll wäre das sicher, wahrscheinlich sogar mehrfach in der Woche. Aber ich bin (mittler­weile auch) ehrlich zu mir, ich weiß, daß ich es so oft nicht machen werde. Vielleicht kann nach und nach die Offline-Zeit häufiger werden, vielleicht. Zunächst nehme ich mir das einmal im Monat vor.

Nein, ich halte nichts vom Entschlacken und nichts von digital detox. Das ist mir beides ziem­lich suspekt. Meiner Meinung nach wird es außerdem noch zu meinen Lebzeiten (überlebens-)notwendig werden, über ein Digitales Endgerät verfügen zu können (App-Zwang!) und sehr vieles ausschließlich »digital oder online« zu erledigen. Post, Bank, Fahrscheine, Eintrittskarten, Steuererklärungen, Rezepte und Überweisungen, Identifikation, Bezahlvorgänge etc. etc. pp.

Ob damit aber auch nur irgendetwas davon schneller und einfacher erledigt bzw. leichter zugänglich wird? Ich zweifle sehr daran …

 

Erinnerung des Tages:
Die mußte ich heute auffrischen und dazu in meinen ersten Adventskalendern lesen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 24. Oktober 2025 war ich zufrieden mit dem halben Tag, mit schönen Phantasien, mit leckeren Numiroso.


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2025 – 296: Ein Leckerli

Völlig gegen jede Vernunft und Tradition.

 

Es ist bei mir ja üblich, daß ich mir die weihnachtlichen Genüsse – Pfeffer- und Leb­kuchen, Marzipan, Spekulatius und und und – erst nach dem Totensonntag erlaube. Das habe ich bisher tatsächlich immer geschafft.

Bisher.

Bis heute.

Heute konnte ich beim Einkaufen nicht widerstehen. Stollenkonfekt brachte ich mit, und den aß ich zuhause auch gleich auf. Boah. Lecker.

Aber das muß und wird die Ausnahme bleiben. Kaufen und bevorraten, ja. Aber essen erst nach dem Totensonntag. Ich muß auch noch herausfinden, wie ich in diesem Jahr an einen Weihnachtsstollen von einem ganz bestimmten Bäcker komme.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Diverses, seit Jahren ungenutzes Zeug landete heute entweder im Müll oder – so es noch wirklich i. O. war – als zu Verschenkendes im Haus.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 23. Oktober 2025 war ich zufrieden mit dem deutlich weniger vollgepackten Schrank im Flur, mit dem geschafften Weggeben, mit dem Kaffee am Nachmittag.


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2025 – 295: Was soll ich dazu sagen?

Ich weiß es nicht, aber ich lasse es einfach raus.

 

Es herbstet (ohne das Diminuitiv-l). Am Morgen scheinen die kleinen Wasserläufe zu dampfen. Auf ihnen treiben bunte Blätter der Nordsee zu; aber ja, der Weg dahin ist weit, sehr weit. Und vor meinem Mund kann ich Atemwölkchen machen. Nicht mehr lange, und der Tag bzw. die Tageszeiten passen wieder zum Sonnenstand. Am Rand der Dölauer Heide stehen Schmaltiere in lockeren Gruppen. Manchmal ragen nur die Köpfe aus dem Nebel heraus.

Die Sonne wärmt noch immer, wenn sie auf die Haut trifft. Ich meide sie wie immer. Je weiter ich in den Wald gehe, desto stärker riecht es nach Pilzen. Ohne Brille aber kann ich kaum welche sehen. Und ohne Messer und Korb nehme ich sowieso keine mit nachhause. Die Fichtenzapfen lasse ich auch liegen, denn einen Ofen, in dem ich sie verbrennen könnte, hab' ich nicht. Den dazugehörenden Geruch vermisse ich oft, des­halb verkokele ich ab und zu Fichtennadeln in einer Kerzenflamme. Mittlerweile habe ich auch eine Kastanie zuhauseliegen, ein glänzendes braunes Ding.

Ich muß meine Fensterbretter abräumen, die Decken wieder an ihre Winter­plätze legen. Das läßt die Wohnung etwas weniger kühl werden. Meine Bettdecke wurde schon vor Wochen zur Wintervariante zusammengeknöpft. Die Kerzenvorräte sind noch nicht ganz ergänzt, aber ich komme dem Ziel näher. Weihrauchkerzen muß ich allerdings noch bestellen.

Der Oktober geht seinem Ende entgegen. Bald schon ist November, Nebelmond oder Nebelung. Der Charakter der abgespielten Musik ändert sich ein wenig, jahreszeitlich bedingt. Die »richtige« Weihnachstmusik aber läuft erst nach dem Totensonntag. Bis dahin herbstet es bei mir und draußen.

Es herbstet. Was soll ich dazu schon sagen …

 

Erinnerung des Tages:
Beim Lesen alter eigener Notizen erinnerte ich mich daran, daß ständige alleinige Schuld eine Allmachtsphantasie der Depression war und ist.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 22. Oktober 2025 war ich zufrieden mit meinen Gedanken zu Alleinsein und Einsamkeit, mit sehr schneller Nudelsuppe (gekörnte Brühe, Suppennudeln, Ei), mit dem aufgeräumten Öffen­li­chen Bücherregal.


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2025 – 294: Eine Vermutung

Allerdings konnte ihre Richtigkeit noch nicht geprüft werden.

 

 

„Wer den Mut zum Weggehen hatte, müßte doch auch den Mut zum Zurückkehren finden können. — Dann bleibt ja nur noch die Frage, wie eins über all die abgebrochenen Brücken kommt.”
 
[F.M.: Gehen zu (z)weit (unveröff.)]

(Zuerst vor einigen Jahren woanders hergezeigt und heute ergänzt.)

 

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Zwei sehr fadenscheinige Hemden, einige Boxershorts und ein zerschlissenes Paar Schuhe gab ich in den Restmüll.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 21. Oktober 2025 war ich zufrieden mit zwei neuen Langarmshirts, mit einem neuen Paar Schuhe, mit leckerem Salat satt.


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2025 – 293: Sprichwörtlich

Mir ist noch immer völlig unklar, wie das zustandekam.

 

 

Es gibt ja so viele Sprichwörter und Redewendungen und geflügelte Worte, die in verschiedensten Situationen immer wieder hervor­ge­holt werden (und oft auch durcheinandergebracht), nicht wahr? Ich glaube, da hat jede und jeder eine Erinnerung an wenigstens ein eigenes Danebenliegen – und das, so denke ich, das haut dem Faß den Zacken aus der Krone …

 

 

„… das haut dem Faß den Zacken aus der Krone …” sagte gestern jemand ziemlich lautstark in sein Telefon, als wir nebeneinander an der Haltestelle auf eine Straßen­bahn warteten. Das rumpelte so heftig durch mein Denkicht, das mußte ich mir gestern aufschreiben. Der das aussprechenden Person wird es nicht aufgefallen sein, denke ich, denn es wurde noch eine ganze Weile weitergeschimpft ins Telefon.

Seit gestern überlege ich auch, wie sich diese beiden so unterschiedlichen, so weit auseinanderliegenden Phrasen miteinander verbinden konnten …

 

Erinnerung des Tages:
Ich hatte meinen Schlüsselbund schon an so manchem sonderbaren Platz deponiert und dann vergessen, wo das war. Heute fand ich ihn jedoch gleich wieder.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 20. Oktober 2025 war ich zufrieden mit dem fertigen Küchenregal, mit etwa zweieinhalb Stunden gemütlichen Lümmelns auf der Couch zur besten Mittagsschlafzeit, mit den beiden end­lich wieder scharfen Messern.


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2025 – 292: Immer wieder sonntags

Kleine Geheimnisse eines gelingenden Zusammenlebens.

 

 

Sie weiß nicht genau, warum der Sonntag für sie erst Sonntag ist, wenn sie den Gottesdienst im Fernsehen verfolgen kann. Sie war nie besonders religiös oder gläubig im Sinne der Kirche. Ja, auch sie denkt, daß da „Etwas” sein muß, doch sie hat keinen Namen dafür und keine Beweise. Die Kirchen, die Gotteshäuser, interessieren sie nur ausnahmsweise, wenn sie in ihnen Oasen der Stille und der Abkühlung finden kann. An den seltenen Tagen, da sie diese Sen­dung verpaßt, fehlt ihr allerdings die gesamte Sonntagslaune. Und dann kann er, der ihr Hausdiener und nicht ihr Butler ist, kaum etwas richtig und zu ihrer Zufriedenheit tun. Diese Sonntage sind schwierig, ähneln einem Minenfeld, einem gruseligen Labyrinth. Und beide, er und sie, sind froh, wenn sie überstanden sind.

Heute sitzt er wie üblich mit ihr zusammen, hat in den 45 Minuten vor der Mattscheibe nicht zu tun außer: anwesend sein. Er beob­ach­tet sie und sie weiß und spürt es. Wenn sie die Kirchenlieder mitsingt, zittrig und nicht mehr ganz so sicher in Melodie und Text, dann vergißt sie seine Anwesenheit. Es bereitet ihr nicht die Freude, die manche wohl haben können; doch das Mitsingen rührt immer etwas an in ihr, etwas Unbestimmtes, dennoch warm Einhüllendes, Bewahrendes. Sie könnte es niemandem erklären, auch ihm nicht. Vielleicht, so hofft sie, kennt er das ja auch …

Auch dieser Sonntag nimmt seinen Lauf mit all den Routinen und Ritualen, von denen sie schon seit Jahren kaum noch abweichen. In ihrem Alter ist sie wirklich nicht mehr versessen auf Neues. Und so kommt es auch heute wieder dazu, daß sie und er irgendwann in lautes Gelächter ausbrechen: „Herrlicher Baikal, du heiliges Meer, auf einer Lachstonne will ich dich zwingen!” So singt er – und spä­te­stens an diese Stelle unterbricht sie ihn und sagt: „Kannst Du nicht einmal ganz normal zu mir in die Badewanne steigen?” Tante Erdmute kann sich zu ihrer beider Bedauern noch immer nicht für das russische Liedgut begeistern. Und sie beide lachen miteinander und sitzen dann versonnen lächelnd zwischen den Bergen aus Schaum.

 

 

Erinnerung des Tages:
Als ich hierher nach Halle (Saale) kam, war der Bau der Neustädter Straßenbahnstrecke noch in vollem Gange und das Neustadt-Center noch keine zwei Jahre alt.

 

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Der Emil

 

P.S.: Am 19. Oktober 2025 war ich zufrieden mit meinem Nicht-Ärger über das zu späte Aufstehen, mit ein paar Ideen von und zu Tante Erdmute, mit dem Erleben rund um die Tram-Baustelle.


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2025 – 291: Ziemlich schwungvoll

Eine ewige Wiederholung, die nicht so leicht zu beenden ist.

 

 

Wie immer, wenn ich heimkomme, entledige ich mich ziemlich schwung­voll all der störenden und belastenden Dinge: Schuhe, Rucksack, Jeans – alles bis auf die Unterhose schleudere ich von mir bzw. auf seinen angestammten Platz. Als ich den Rucksack im Flur auf die Wanne mit der Schmutzwäsche werfe, klirrt es verdächtig. Scheiße. Das wird doch wohl nicht eine Flasche Bier zu Bruch gegangen sein?

Nein, Bier war es nicht. Aber ein Glas Nudelsoße (Arrabiata) hat sich zerlegt. Fluchend hole ich die Küchenrolle. So kleckerfrei als mög­lich nehme ich die Überreste heraus, gebe sie in den Mülleimer. Ich habe Glück gehabt, viel ist nicht aus dem Glas gequollen oder gelaufen, und alles scheint auf der Plastetüte des Brotes geblieben zu sein. Ja, so ist es, der Schmodder hatte keine Zeit, weiter nach unten zu laufen. Puh. So kümmere ich mich als nächstes ums Brot, nehme es aus der halbwegs abgewischten Tüte und packe es anders ein. Danach breite ich alles, was noch im Rucksack ist, auf dem Abwasch aus. Nirgends aber ist Soße zu finden. Den Rucksack wische ich aus, finde auch in dem keine Glassplitter und keine Soßenflecken.

Das ist ja nochmal glimpflich ausgegangen. Ich weiß nicht, womit das Glas zusemmenprallte, so heftig zusammenprallte, daß es zu Bruch gehen konnte. Mir fällt weder etwas ein noch auf. Hm. Na gut. Dann nehme ich mir zum x-ten Male vor, meinen Krempel nicht mehr zu werfen, sondern sorgfältig und mit einiger Vorsicht ab­zu­legen. Gut, das wird sicher nicht mehr ganz so befreiend sein wie die ziemlich schwungvolle Methode. Aber einen Schreck wie grad eben brauche ich ganz bestimmt nicht mehr.

Ich setze mich, noch bevor ich alles Eingekaufte verräumt habe, an den Tisch und mach mir mein Bier auf. Prost.

 

 

Erinnerung des Tages:
Wir kochten aus Zucker und Huflattichblüten einen „Kunsthonig”, den ich gern mal wieder essen möchte.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 18. Oktober 2025 war ich zufrieden mit dem frühen Einkauf mit Hackenporsche (fühlt sich noch sonderbar an), mit vier Stunden Unterwegssein in der Stadt, mit der Haptik der »neuen« Kladde.


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