2025 – 310: Verschiedene Nuancen von Grün

Diese Verschiedenheit trifft aber nicht nur auf Farben zu.

 

Seht euch doch einmal eine stinknormale Wiese an, im Frühjahr, im Sommer, im Herbst. Oder stellt euch einfach eine vor. Dort ist doch nie nur ein einziges Grün zu finden, es sind immer viele verschiedene Grüntöne zu entdecken. Helles, dunkleres, ins Gelbe gehend oder ins Graue. Und so ist es mit vielen Farben, mit Himmelblau zum Beispiel (das unterscheidet sich im Zenit von dem am Horizont auch sehr deutlich). Selbst das Violett in einem Fliederbusch: ganz sicher nicht nur ein einziger Farbton.

Selbst bei Schwarz findet sich das Phänomen. Ein Beispiel aus meinem praktischen Erleben: Es gibt schwarze Tinte, die beim Hindurchsehen grün ist und solche, die dann rot erscheint. Und so ist es auch bei gefärbten Textilien: beim Auswaschen von Jeans entpuppen sich die einen als rötlich, andere als grünlich. Ja, es gibt auch wirk­lich schwarze Textilien, die nur ausgrauen/ergrauen. Mittlerweile sogar häufiger als noch vor Jahren.

Was aber meiner Meinung nach zutrifft: In der Natur gibt es keine „reinen” Farben, außer im Regenbogen. Selbst eine rote Rose – eine einzelne! – hat nicht durchge­hend den einen Rotton von z. Bsp. 706 nm, sondern mindestens mehrere diskrete Wellenlängen zwischen 650 nm und 780 nm, vielleicht sogar (mehrere) kontinu­ier­liche Wellenlängenbereiche zwischen den Eckwerten.

Und jetzt seht euch andere Dinge und Wesen an, ganz besonders solche, die oft zu einer „einheitlichen”, „homogenen” Gruppe/Menge zusammengefaßt werden. Was meint ihr: Fällt euch dabei auch die Verschiedenheit auf, die durch die zusammen­fassende Vereinfachung, die vereinfachende Zusammenfassung überdeckt/versteckt wurden?

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich warf weitere weihnachliche Deko weg, die unreparierbar kaputt und nur noch aus nostal­gischen Gründen bei mir war.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 6. November 2025 war ich zufrieden mit dem fortgesetzten Aussortieren, mit Gelesenem, mit dem späten Unterwegssein.


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2025 – 309: An einem Novemberabend

Genauer: Donnerstag, 5. Nov. 1863 in der Nähe von Weilheim a. d. Teck

 

 

Es ist noch dunkel, wenn ich geweckt werde, und kalt im ganzen Haus. Als erstes wird das Feuer im Küchenherd angemacht, Wasser aufgesetzt. Dann ist den ganzen Tag dies und das zu erledi­gen, kaum daß genügend Zeit für ein Mittagessen bleibt. Oft verschiebt sich das sogar so weit, daß es zum Nachtessen wird. Wie heute. Nun, süßer Hirsebrei ist nicht ganz mein Geschmack, ein Stück Braten oder Geflügel wäre mir viel lieber gewesen.

So war ich den ganzen Tag auf den Beinen. Und jetzt, da im Hause Ruhe einkehrt, sitze ich wieder in der Küche. Lausche dem Wetter, das mit den Fenstern und den Läden spielt. Einmal noch gebe ich frische Scheite in den Ofen. Wie das knistert und knackt … Draußen ist es vollkommen finster, denn der Mond verschwindet immer wieder hinter den Wolken. Ich sitze am Küchentisch und spüre dem vergehenden Tag nach. Wie jeden Abend, an dem ich um diese Zeit noch nicht zu müde und erschöpft bin.

Ich zünde eine Kerze an. Und dann nehme ich die Feder zur Hand, tauche sie ins Tintenfaß und schreibe das Wichtigste des Tages in den Kalender. Direkt unter den den Spruch für den Tag. („Uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was Sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.” 2. Kor. 4, 18)

 

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich habe heute drei defekte Lichterketten entsorgt.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 5. November 2025 war ich zufrieden mit dem ungeplant längeren Schlaf, mit dem Einkauf im Baumarkt, mit dem Schreiben in der Funkenkutsche.


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2025 – 308: Im Vorübergehen

Hier seht ihr eine meiner Jugendsünden …

 

 

So im Vorübergehen warf ich hin
die Worte, die ich ohne Sinn
dem Wind entgegenrief am Strand.
Dann starrte ich die Ostsee an
bis meine letzte Trän' verran –
gleich danach nahm ich Deine Hand.

 

 

Das schrieb ich im Frühjahr 1981, in der 11. Klasse, mit 17 Jahren. Himmel, daß ich mich traue, ein solches Reim-Dich-oder-ich-freß-Dich herzuzeigen! Aber: Das war nicht mein erstes Gedicht, das gehört nicht zu meinen ersten Schreibversuchen. Und da ich weder 1980 noch 1981 überhaupt an der Ostsee war, weiß ich mit ziem­li­cher Sicherheit, daß die wenigen Zeilen nicht auf einem damals aktuellen Geschehen beruhen. Ich versuchte wohl, eine Phantasie auszudrücken, eine Melancholie, eine Enttäuschung, eine Versöhnung. Ich wüßte wirklich zu gern, was der Dichter uns damit sagen wollte …

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Dreißig unlesbar gemachte Daten-CDs/-DVDs gingen in die Gelbe Tonne.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 4. November 2025 war ich zufrieden mit dem Morgenschriebs, mit den bestellten Brillen, mit der leeren CD-Mappe.


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2025 – 307: Schonwieder Montag

Noch acht davon gibt es in diesem Jahr.

 

Nur noch 60 (sechzig) Tage, und dann muß ich mich an eine neue Jahreszahl gewöh­nen. Huch? Gestern war doch noch Anfang März, denke ich und bin wieder erstaunt, wie wenig von diesem Jahr in meinem Kopf hängengeblieben ist (dazu ist das meiste vom Hängengebliebenen auch noch beschissen). Noch acht Montage bleiben …

Was war denn heute bei mir los? Ich habe es wieder geschafft, ziemlich bald nach dem Aufstehen einiges zu notieren. Mit von den Nachrichten noch unverdorbenem Geist scheint das durchaus zu funktionieren. Da waren auch einige Gedanken dabei, die ich bisher immer vermieden/gemieden habe, zu all dem Krempel, den ich hier bei mir so angehäuft habe, den ich hier horte. Ich gebe ja schon Dinge weg; allerdings viel zu wenige selbst nach meinem eigenen Geschmack. Heute schrieb ich zu einer lange in meinem Schrank liegenden Kinderbrille alles auf, was ich noch dazu weiß, und alles, was mich bisher daran hindert(e), diese Brille zu spenden. Und nun, glaube ich, bin ich bereit dazu. Wenn ich das, dieses Verschriftlichen von Erinnerungen und Gefühlen, mit nur einem Stück täglich weitermachen kann, dann schaffe ich es, 400 Dinge im Jahr wegzugeben – zusätzlich zu den Büchern. (Was will ich mit mittlerweile fünf Handkaffeemühlen? Aber jede hat ihre eigene Geschichte …)

Heute erreichte ich endlich einen existentiell wichtigen Zahlungsempfänger (vorher war es wegen des Wochenendes einfach nicht möglich). Nun, die kürzlich ver­bes­serte Über­prü­fung der Kontodaten finde ich ganz richtig, aber wenn der Name des Kontoinhabers sich wegen der Umbenennung eines Unternehmens verändert, wäre es ziemlich wichitg gewesen, diesen neuen Namen zu wissen. Was soll ich sagen: Die Bezeichnung des Kontoinhabers hat nichts, wirklich nichts mit dem geänderten Firmennamen zu tun. Laut telefonischer Auskunft wurden die Mitteilungen über die diesbezüglichen Veränderungen am 30. Oktober in den Versand gegeben. Äußerst rechtzeitig, wenn dann trotz Feiertagen das Geld am ersten eines Monats auf dem Empfängerkonto sein muß. Hmpf.

Nun, auch einige Mails habe ich heute verschickt und beantwortet. Und anderen Kleinkram zuhause erledigt. Am Nachmittag ein wenig auf der Schlafstatt herüm­ge­lümmelt. Am späten Nachmittag CDs kopiert und aussortiert (Daten sind jetzt auf einer Festplatte). Und alles andere, das jeden Tag passieren muß, geschah ja heute auch noch.

Wenn der Blog gleich veröffentlicht ist, setze ich mich nochmal an den Schreibplatz. Für eine weitere Adventskalendergeschichte notierte ich mir ein paar Stichworte, mal sehen, ob ich wieder hineinfinde.

Ja, ich bin noch immer genervt von der Unzuverlässigkeit einer anderen Person. Mittlerweile sehr heftig. Auf der anderen Seite möchte ich keine Kraft mehr vergeu­den an unter Umständen wenig erfolgreiches Ärgern. Irgendeine praktikable Lösung werde ich da hoffentlich noch in diesem Jahr finden, ich habe ja noch 60 Tage Zeit dazu.

 

Erinnerung des Tages:
Nachdem ich endlich (wieder) eine Brille trug, konnten sich auch andere Familienmitglieder damit anfreunden.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 3. November 2025 war ich zufrieden mit niedergeschriebenen Gedanken, mit dem geschafften Kleinkram, mit der herumverlümmelten Zeit.


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2025 – 306: In der Kürze

Und ich fand keine Ruhe in meinem Herzen.

 

 

Dröhnend und schäumend
Tief hinab ins enge Tal
Gedanken fließen

Jetzt noch den Geist zu weiten
Will mir nicht recht gelingen

Ein Tanka.

 

 

Erinnerung des Tages:
Ich mußte an den vergeblichen Versuch denken, mir Entspannung durch PMR beizubringen …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 2. November 2025 war ich zufrieden mit zwei kurz nach dem Aufstehen beschriebenen Seiten, mit dem Unterwegssein in der Stadt, mit der Zeit in der Badewanne (noch andauernd).


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2025 – 305: Es fehlt mir etwas

Das war heute hoffentlich ein erfolgreicher erster Schritt.

 

Da kaufte ich mir eine Kamera, und seither habe ich mit ihr noch keine 50 Bilder aufgenommen. Mir fehlt etwas. Das Fotografieren auch, aber ohne Motivation und ohne einen Blick fürs Motiv (die fehlen mir beide) trage ich die Kamera viel zu oft unbenutzt mir mir herum.

Heute wollte ich das einmal mehr ändern. Also war ich nach dem notwendigen Einkauf von Drei bis Sechs in der Stadt unterwegs. Fast so wie früher. Bin extra losgegangen, um wenigstens drei Bilder zu machen (also drei verschiedene Motive zu finden). Hatte die Kamera in der Hoodie-Tasche, griffbereit. Ich holte sie sogar oft heraus – aber das, was hätte ein Motiv sein können, war dann doch nur langweilig. Ist das nicht bescheuert? Ich fuhr hierhin und dahin, schaute mir dieses und jenes an – und fand mal wieder nichts, das ich ablichten wollte. Wie kann das sein? Wo ist all das hin, was mich vor Jahren noch immer wieder Interessantes sehen und foto­gra­fieren lies? Hat sich meine Welt so weit verändert, daß in ihr nichts Festhaltenswertes mehr findet? Wo ist mein Blick dafür geblieben? — Allerdings ließ ich mich nicht entmutigen. Und sieh da, es wurden doch noch 15 Fotos, die ich machte. Und um die kümmere ich mich morgen.

Am Fairteiler war ich heute auch. Wenn ich Bananen essen würde, gerne essen würde, hätte ich mich heute damit eindecken können. Allein: Bananen sind ganz sicher nicht meine Lieblingsfrüchte. Ein paar Clementinen, eine Pampelmuse, ein Bund Radieschen und zwei Äpfel werden meinen Vitaminbedarf decken. Und in das Öffentliche Bücherregal gleich daneben stellte ich heute fünf Bücher. Hätte es nicht wirklich heftig zu regnen begonnen, wäre ich wohl auch noch über den Marktplatz geschlendert (da war was, zusätzlich zum Silbersalz-Festival, aber ich weiß nicht was). Vielleicht wären dort noch ein paar Bilder entstanden, und vielleicht entstehen dort morgen einige. Irgendwie muß ich mich wieder daran gewöhnen, mit der Kamera hinzusehen, denn das fehlt mir und ich will genau das wieder können.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Fünf Bücher gab ich heute ins Öffentliche Bücherregal.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 1. November 2025 war ich zufrieden mit dem Unterwegssein, mit wenigen (aber gemachten) Fotos, mit Salat satt.


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2025 – 304: Ohne Ende

Wenn ich etwas Zeit zum Denken habe und mir Gedanken notiere.

 

 

Wie oft wünschten sich Menschen wohl schon, das Leben, das sie gerade leben, nicht mehr nur aushalten zu müssen. Ob dieser Wunsch irgendwann komplett vergeht?

 

 

Wenn ich das dazugekritzelte Datum richtig entziffere, notierte ich die beiden Sätze am 1. November 2011 auf einer Karteikarte (01/11/11 – die Schrift paßt nicht zum anderen möglichen Datum im Jahre 2001).

Damals war ich auf dem Weg aus diesem Aushalten heraus, aus einem Aushalten von ziemlich unangenehmen, unschönen Lebensumständen. Doch auf Dauer ist der Wunsch nach mehr als nur aushalten bei mir nicht verschwunden; er kommt immer und immer wieder. Ich bin mir auch nicht sicher, ob es ohne diesen Wunsch ein gutes Leben wäre. Aushalten ist doch etwas, das zum Leben dazugehört. Denn: Selbst wenn etwas gut oder sehr gut ist, muß ich das aushalten (können) …

 

Einmal mehr unsortierte, schon länger vorhandene und längst nicht abgeschlossene Gedankengkänge.

 

Erinnerung des Tages:
Vor Jahren (2017) postete ich an diesem Tag alle 95 Thesen in einem Kurznachrichtendienst/Microbloggingsystem.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 31. Oktober 2025 war ich zufrieden mit der gehörten Musik (Umbra et Imago einmal rauf und runter), mit Kaffee am Nachmittag (mach ich mir selten), mit Bratwürsten am Abend.


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2025 – 303: Das fiel mir auf

Ein Gedankengang, aus einer Nacht zu zwein entsprungen.

 

Im Buch ist einer (der Protagonist sogar) krank und kehrt nach Jahren in die Gegend seiner Jugend zurück, und damit auch zurück zu den Menschen, die schon in der Vergangenheit eine Rolle spielten in seinem Leben.

 

 

Sie sagt Ja, wenn sie Ja meint, und Nein, wenn ihr nach Nein zumute ist. Ich habe mit ihr geschlafen, wir haben eine Nacht miteinander verbracht, es war wie früher, doch ich spüre, daß ich daraus keine Rechte ableiten darf. Ich fürchte fast, sie könnte, wenn ich mit ihr darüber spräche, auflachen und Na und? fragen. Na und? Schließlich sind wir allesamt nicht gerade zimperlich, jedenfalls geben wir uns so, Schwache werden an die Wand gedrückt, gehen am guten Glauben zugrunde, daran hat sich nicht viel geändert, trotz aller schönen Vorsätze; oft genug sind wir gezwungen, jemand zu sein, der wir nicht sind, wir machen uns was vor und wissen am Ende nicht mehr, wie wir heißen.

Armin Müller: Meine verschiedenen Leben. S. 83
© Greifenverlag zu Rudolstadt 1978. 2. Auflage 1981
Lizenz-Nr. 384-220/21/81 · Bestell-Nr. 525 180 7

 

 

Da kommt einer – vielleicht hat er ein nicht mehr ganz so gutes Gewissen – vom Hölzchen zum Stöckchen; und irgendwie unerwartet (für mich) stehen da Worte über das im eigenen Empfinden erlebte Elend der menschlichen Existenz, der eigenen Existenz, der Selbstverleugnung. Das verallgemeinernde wir (im Teil nach dem Semikolon) scheint mir zu Recht dort geschrieben zu stehen.

Mit Sicherheit liegt es (auch?) an meiner ganz persönlichen Erfahrung, an meiner Geschichte, daß mich dieses Stück Text aus der Erzählung so heftig berührt, anrührt. Ich kenne Menschen, die – so glaube ich – über diese Sätze einfach so hinweglesen würden, denen nichts daran auffiele. Bin ich allgemein empfänglicher für solche Wendungen, solche scheinbar abrupten Richtungswechsel in einem Gedankenfluß? Und wenn dem so ist, bin ich es dann immer, oder nur zu bestimmten, aber unbestimmbaren Zeiten?

Das Buch übrigens habe ich an einem Nachmittag komplett gelesen. Und ich werde es mit Sicherheit mindestens ein zweites Mal lesen, möglicherweise noch öfter. Ich will ein Verstehen finden, nicht nur das Angerührtsein. Das unterscheidet Müllers Erzählung von vielen, von den meisten Büchern, die ich las und lese. Das Buch arbeitet in mir …

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Als ich heute meine Einkäufe erledigte, stellte ich 14 Bücher in ein Öffentliches Bücherregal.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 30. Oktober 2025 war ich zufrieden mit den erledigten Einkäufen (morgen ist ja Feiertag, sind alle Geschäfte geschlossen), mit einem Mittagsschlaf, mit Spaghetti Carbonara.


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2025 – 302: Wer nicht verstehen will

Heute hatte ich mehrere Momente der Art |: Kopf → Tisch :|

 

Es gibt tatsächlich Leute, die wollen nicht verstehen, was ihnen mitgeteilt wird.

Natürlich gibt es auch für mich viele Dinge, die ich nicht verstehen kann. Weil mir eine eigene Erfahrung fehlt, weil mir Vor- und Grundwissen fehlt und wer weiß was sonst noch. Ich frage dann, woher oder von wem ich mehr Information bekommen kann – und selbst dann, wenn mir ein Buch empfohlen wird: Ich versuche, mehr zum Thema zu erfahren.

Wer nicht verstehen will, fragt meiner Beobachtung nach eher nach »Belegen«, nach anekdotischen Evidenzen. Oder tönt von Verblendung, Schlafschafen und Humbug und Unmöglichkeit. Da zählt nur Meinung, und zwar die eigene – und wer anderer Meinung ist, egal wie faktenbasiert die auch ist, wie sehr die auch wissenschaftlich anerkannte Tatsache ist, der liegt falsch, ist dumm.

Bei anderen Sachverhalten geht das bis zur Leugnung von Wahrheit und Tatsache. Und manchmal geht mir das so sehr auf die Nieren, daß ich mir darüber Luft machen muß. (Nein, heute erlebte ich das nicht online.)

 

Erinnerung des Tages:
Als eine Meinung noch eine Meinung war und die Menschen anerkannten, daß es mehrere gleichermaßen berechtigte davon gibt – was war das angenehm!

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 29. Oktober 2025 war ich zufrieden mit zwei Stunden Mittagsschlaf, mit Rührei und Butterbrot, mit dem Zulassen meiner Schlappheit.


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2025 – 301: Statt Lesezeichen

Die Handschrift leicht nach links geneigt und sehr rund.

 

 

Etwas Besonderes hatte er schon mitgebracht, mein alter Freund. Er weiß ja, daß ich Zettel sammle, Einkaufszettel und andere, die so auf den Wegen herumliegen, die ich gehe. Als er bei einem Tee anfing, von seinem Ausflug nach Karlovy Vary zu erzählen, von dem, den er vor acht Wochen ungefähr mit der Eisenbahn gemacht hatte, holte er dann bald einen Zettel aus der Hosentasche. Ihm gegenüber saß – von Johangeorgenstadt bis Nejdek – ein Mädchen, zumindest aber eine sehr junge Frau, und las in einem Buch. Der Zug fuhr schon wieder los vom Bahnhof Nejdek, da sah er das Buch noch auf dem Sitz gegenüber liegen – sie hatte es beim Aussteigen liegengelassen, vergessen. Er warf nahm es und warf einen Blick hinein, die kyrilli­schen Buchstaben konnte er allerdings nicht lesen. Doch diesen Zettel da … Er reichte ihn mir.

Einmal alle Konventionen mißachten, vergessen, ignorieren, drauf pfeifen. Und all das ausleben, das ich mir in meinen geheimen Träumen erlaube: Geld ausgeben und verschenken, Leute anquatschen; Menschen fragen, ob ich sie splitternackt zeichnen oder wenigsten einmal so sehen darf; Wände beschreiben und alle Arten von Scheiben; in einer Kirche anzügliche Lieder singen und dazu nackend tanzen. Alle Scham ablegen, ich sein, ganz pur und unverstellt …

Das Buch ließ er beim Aussteigen in Karlsbad auch im Zug liegen, den Zettel mußte er mitnehmen. Ob sie ihn geschrieben hatte, die Leserin? Er meinte noch, daß er keinen Mann kenne, der nach links geneigt schriebe. Also bis auf mich. Aber ich sei ja Linkshänder und das zählte also nicht. So brabbelte er, während ich die Worte schnell abschrieb. Denn schenken wollte er mir diesen Zettel keinesfalls, nur zeigen. Naja, knauserig war er schon immer …

 

 

Erinnerung des Tages:
Eines der ersten Bilder, die mir per MMS geschickt wurden (ich glaube, das dritte), war eines von jenen, die niemand anderes hätte jemals sehen dürfen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 28. Oktober 2025 war ich zufrieden mit gebügelter und verräumter Wäsche, mit Linsen­ein­topf, mit einem heute kopmlett gelesenen Buch (Armin Müller: Meine verschiedenen Leben).


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