2025 – 320: Ein Buch wirkt nach

Es wird noch eine Weile immer wieder hergenommen werden.

 

Ich lese nicht gerne Romane, die historische Stoffe beschr… verar… Also, Romane mit Geschichten historischer Anmutung sind nicht meine Sache. Auch Kriminalromane oder sogenannte Thriller mag ich nicht.

Dennoch las ich in den letzten Tagen einen Mittelalter-Thriller (Eigenbezeichnung) von Marcello Simoni: „Die Abtei der hundert Täuschungen”. Ja, wirklich, ich las ihn von vorne bis hinten durch – und ich kann wirklich nicht sagen, wieso ich das tat. Und ganz hinten im Buch wird auf zwei weitere Werke Simonis hingewiesen, nämlich auf „Die Abtei der hundert Sünden” und auf „Die Abtei der hundert Verbrechen”, in denen mindestens einer der Protagonisten des gelesenen Buches vorkommt. Und drei weitere Bücher von diesem Autor werden auch beworben.

Erster Effekt: Marcello Simoni steht jetzt auf meiner Nimms-Mit-Liste, wenn ich etwas von ihm in den Öffentlichen Bücherregalen finde. Zweiter Effekt: Das gelesene Buch liegt hier und in ihm stecken drei Lesezeichen. Jeweils bei mich besonders berüh­ren­den Textstellen, die ich nicht einfach weglegen, vergessen will und kann. Sie einfach abzuschreiben oder zu scannen wird ihnen aber auch nicht gerecht. Also bleibt „Die Abtei der hundert Täuschungen” noch einige Zeit bei mir liegen, Ich werde es wie schon andere Bücher anderer Autoren immer wieder hernehmen, diese Passagen lesen, vielleicht zwei oder drei Seiten zurückblättern und von da an lesen, vielleicht auch zwei oder drei Seiten nach ihrem Ende noch lesen. Irgendwann macht es dann Klick im Kopf, und es entstehen eigene Ideen und Sätze, die – bis auf die Inspiration – wirklich nichts mit dem Buch zu tun haben.

Simonis Buch ist mit über 400 Seiten das dickste, das auf diesem Stapel liegt. Sonst sind da noch ein paar Bücher aus der Reihe „Kleine Edition” vom Mitteldeutschen Verlag Halle · Leipzig und aus der Reihe „Podium” vom Verlag Neues Leben Berlin. Kleine, handliche Büchlein mit weniger als 300 Seiten. Nein, andere sind da nicht zu finden, besser: nicht mehr zu finden, denn irgendwann trenne ich mich dann auch von Büchern, die darauf liegen. Es gibt keine festgelegte Zeitspanne dafür, irgend­wann fühlt es sich eben richtig an.

Ich las einen Mittelalter-Thriller. Und habe mich mittlerweile auch weiter umgesehen nach Büchern von Marcello Simoni. Und ich habe mal wieder den letzten Teil einer Trilogie zuerst gelesen. Was soll's, das Buch erschien mir als eine abgeschlossene Geschichte, ich hatte nie das Bedürfnis, die mir bis heute unbekannten vorher angesiedelten Teile zu lesen.

 

Erinnerung des Tages:
Beim Herumdenken erinnerte ich mich heut an ein Buch, das ich schon unzählige Male gelesen habe, und begann es heute wieder zu lesen. Christa Wolf: Kein Ort. Nirgends.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 16. November 2025 war ich zufrieden mit einem Eimer Joghurt (1 kg, aufgegessen übern Tag), mit der Tour durch die Stadt, mit Bulgur mit Königsberger Klopsen (TK-Ware).


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2025 – 319: Das eigene Herz

Nur: Heute führt auch der Verstand mir das vor.

 

Einmal mehr hadere ich mit meinen schlechten Quellenangaben, die ich früher machte. Von den nachstehenden Worten weiß ich nur noch, daß ich sie aus dem Buch „Wahre Geschichten aller Ard(t)“ abgeschrieben habe.

 

 

Achtgeben, achtgeben, daß dir dein krankes Herz nicht Menschen und Verhältnisse als Ärgernisse vorführt. Lieber die Lust zum Sich-Ärgern überwinden und damit vielleicht das Herz reparieren.

Erwin Strittmatter

 

 

Wenn ich sie lese, bin ich mit den Sätzen einverstanden und mit Erwin. Eines aber hat sich im Laufe der Jahre verändert: Nicht mehr nur das Herz führt mir vieles als ein Ärgernis vor. Mein Verstand verzweifelt fast an allem, was hierzulande in diesem Jahr verzapft (um nicht zu sagen: verbrochen) wurde von diesen … Und dennoch will ich dieses „Mich-Ärgern” überwinden, ja, und ich habe auch keine Lust und Freude daran. Ignorieren aber ist mir einfach nicht möglich, dazu betrifft mich viel zu viel von dieser ganzen Scheiße zu sehr.

Ach, mir träumte letztlich von einer anderen Vorgehensweise mit unseren Berufs­politikern: Das erste Jahr nach ihrer Wahl ist die Probezeit. Danach muß in einer zweiten Abstimmung des Volkes darüber befunden werden, ob sie tauglich sind und dem Wohle des Volkes dienen. Wenn nein, folgt innerhalb von vier Wochen eine Neuwahl. Wenn ja, dann bleiben sie bis zum Ende der Legislatur im Amt. Aber: Kein Gesetz, keine Verordnung, die im ersten Jahr und in der vorhergehenden Wahl­pe­riode beschlossen wurden, nichts davon darf in dieser Zeit verschlimmbessert werden, zurückgenommen werden. Eine Utopie, eine nicht umsetzbare, ich weiß. Aber träumen werde ich doch dürfen?

Und nun gehe ich wieder in mich und denke darüber nach, wie ich dem Ärgern begegnen kann, wie ich es umwandeln kann in etwas, das nicht so zerstörerisch, nicht so krankmachend wirkt … Auf das Herz und Verstand sich bewahren und reparieren lassen.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich stellte zehn Bücher in einen Öffentlichen Bücherschrank.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 15. November 2025 war ich zufrieden mit den sortierten Büchern, mit den Tauben vor meinem Fenster, mit dem Unterwegssein in der STadt.


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2025 – 318: Freitags kein Wannenbad

Da gibt es Einiges, das ich mit meiner Wohlfühlzeit verbinde.

 

Für zwei Tage wöchentlich steht in meinem (elektronischen) Kalender ein Alarm: Badewanne. Duschen ist nicht meins, ich genieße lieber Zeit in duftendem Schaum, in warmem Wasser, am liebsten sogar mit Kerzenschein (Teelichter).

Als Kind und Jugendlicher – also zwischen etwa 1968 und 1983 – war Familien­ba­de­tag am Sonnabend; in der Gartensaison oft auch schon am Freitag. Und ja, ich war derjenige, der den Badeofen anfeuerte, beheizte und das Ofenrohr ab und zu zum Glühen brachte. Meist nur mit Holz, davon fiel in den Werkstätten von Opa und Onkel – beide waren Böttcher und Tischler – ausreichend Abfall an. Wir sammelten auch selbst im Wald, es gibt im Erzgebirge die Tradition des „Stöck-raustuh” (Stöcke, also Totholz, raustun, sammeln, abbrechen) auch heute noch. Und es wurden immer „Kuttern un Zappn” – also Rindenstücke und Zapfen – gesammelt; allerdings verbrannte ich die meistens im „Haisl”, dem Wochenendhaus meiner Großeltern, sowohl im Küchenherd als auch im Durchbrandofen im Wohnbereich.

Zwei Dinge sind mir besonders deutlich in Erinnerung geblieben: Der Duft und das Geräusch. Wie harzhaltiges Holz und Zapfen beim Verbrennen riechen und knacken! Noch etwas ist mit den Erinnerungen an dieses Wochenenddomizil am Waldrand verbunden: Immer wurde davor gebadet. Wegen des gebotenen Wassersparens saßen oft eine meiner Cousinen (mütterlicherseits) und ich gemeinsam in der auf Löwentatzen stehenden Wanne, die viel größer und tiefer war als die heute üblichen: 1,90 m lang und fast 90 cm tief (bis zum Rand, Überlauf bei 75 cm bis 80 cm). Wir ließen Rindenschiffchen, selbstgemachte Rindenschiffchen zwischen uns hin- und herfahren, schrubbten uns gegenseitig den Rücken und hatten Spaß. (An Weiblein-Männlein-Dinge dachten wir damals ganz sicher noch nicht.)

Später, in Beziehungen lebend, vermißte ich die große Wanne meiner Großeltern (die später die meiner Familie war). Wie gern hätte ich ab und zu mit meiner Frau dringesessen … (Ja, auch heute gibt es jemanden, mit der ich das liebend gern tun würde, aber das Leben hat anderes vor, leider.)

Ach ja: Freitags erinnert mich mein Kalender nicht daran, daß ich in die Badewanne gehen sollte. Dennoch steige ich ab und zu freitags in meine Badewanne, in diesen unglaublich angenehmen Luxus. Immer dann, wenn ich es am Donnnerstag nicht schaffe. Denn bei mir sind Donnerstage und Sonntage Badetage, ohngeachtet der Tatsache, daß ich sonntags häufig auf den Mittelaltermärkten herumwusele. Da ich aber gestern ausreichend lang mich im warmen Wasser suhlte, war heute kein Wannenbad nötig.

Nächstes Jahr werde ich auch wieder woanders badengehen: Im Fluß oder in einem See oder Teich. Jedenfalls draußen, an der freien Luft. Und: im Zuber auf den Märkten, da auch.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Beim Ausräumen einer Ecke fiel viel Altpapier an, das ich sofort oder nach dem Passieren des Aktenvernichters entsorgte.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 14. November 2025 war ich zufrieden mit dem Schlaf kurz nach dem Aufstehen, mit der nachmittäglichen Zeit auf der Schlafstatt, mit dem aufgefüllten Glas mit blauer Tinte.


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2025 – 317: Anschlußproblem

„Fortschritt” ist nicht immer brauchbar oder sinnvoll.

 

Soso. Von den Dingern hatte ich mal vier oder fünf, und von einem davon weiß ich, daß ich es wegen Korrosion entsorgt hatte. Aber wo sind die, die dasein müßten? Ich hab mir gestern und heute einen Wolf gesucht und dabe Dinge gefunden, von denen ich schon längst vergessen hatte, daß ich sie suchte oder vermisse. Ihr alle kennt das sicher ge.nau.so. – oder? Nur das Gesuchte tauchte einfach nicht auf, nirgendwo.

Heute jedenfalls war ich dann unterwegs und wollte so ein Ding kaufen. Bitte mit normalem Steckdosenstromanschluß! Aber: Das gibt es nicht (mehr). Echt nicht, in vier Läden, die sowas verkaufen, gibt es nicht eines mit Anschluß für 220 V, das ist alles nur noch Micro-USB oder USB-C (meist sogar in dieser Kombi: Gerät hat Micro-USB und wird aufgeladen mit einem Kabel, an dessen anderem Ende ein USB-C-Stecker ist). Warum nur? WTF??? Das ist ja wie bei den kleineren Lichterketten, die es nur noch mit Batteriebetrieb gibt und längst nicht mehr mit Anschluß an 220 V. Das ist doch bekloppt. Das ist doch … Näääää, sinnvoll finde ich das nicht.

Letztendlich blieb mir nichts anderes üblich, als ein auf diese Weise anschluß­ver­krüp­peltes Ladegerät für Akkumulatoren der Größen AA/R6 und AAA/R03 zu erwerben, wenn ich dann statt der vielen Alkali- oder Zink-Kohle-Batterien in der Advents- und Weihnachtszeit eben die wiederaufladbaren Varianten verwenden möchte. Ja, das mußte heute sein – ein vernünftiges Ladegerät werde ich mir auf alle Fälle noch besorgen. Damit ich mir die Akkus nicht durch fehlerhaftes Ladeverhalten frühzeitig ruiniere. Spätestens dann, wenn ich mir das geholt habe, werde ich meine noch verschwundenen Ladegeräte wiederfinden, da bin ich mir sehr sicher (denn das ist immer so). Und ich frage mich: Wo ist der Conrad-Laden, wenn man ihn wirklich braucht?

Fortschritt schön und gut – aber muß der solche Auswirkungen haben?

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Einige defekte Akkus und eine ganze Anzahl entladener Batterien gab ich in die vorhandenen Sammelbehältnisse.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 13. November 2025 war ich zufrieden mit mit dem Aufstehen gegen Zehn (nach fast zwölf Stunden Schlaf), trotz allem mit dem gekauften Ladegerät, mit ausreichend Ausruhen übern Tag.


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2025 – 316: Ein Umschlag

Nur einer des Befindens. Und ein schöner Fund.

 

Am Morgen stellte ich fest: „Ich fühle mich.” Was bei mir immer etwas Gutes ist, denn in in der Depression war das viel zu oft nicht der Fall.

Aus dem „erlebnishungrig” des Morgens wurde dann noch am Vormittag eine eher unangenehme Hibbeligkeit. Sonderbar. Auf einmal hatte ich verdammt viele Ideen für Erlebbares, so viele, daß ich mich nicht mehr entscheiden konnte. Ein Luxus­pro­blem, ich weiß. Also tat ich, was ich bei solchen und ähnlichen Gelegenheiten immer und immer wieder versuche: mich beim Schreiben wieder einfangen. Es ist nicht leicht, genügend Konzentration dafür aufzubauen, überm Papier gelingt das aber recht zuverlässig. Im Schriftbild ist das deutlich sichtbar in vielen durchgestrichenen Wörtern am Seitenanfang – und spätestens am Ende der ersten Seite (etwas größer als DIN A5 zur Zeit) gibt es keine Durchstreichungen mehr. Heute allerdings …

Ich fing zweimal an. Ich strich viel zu viel durch. Gab nicht auf. Kritzelte auf Zettel. Ergebnislos, ja, aber der zweite Anfang wurde besser. Flüssiger. Nicht herzeigbar wegen des Inhalts, der nicht geeignet ist für eventuell vorhandene jugendliche Leser:innen. Ich fand auch kein vom Schriftbild her vergleichbares Material, also überlasse ich es euch, euch die chaotischen Zeilen vorzustellen. Und ja, nach etwa 90 Minuten war ich so weit bei mir, daß ich losgehen konnte in die Stadt. Kein neues Ziel lockte mich, erleben kann ich immer wieder viel im und um den Bahnhof herum. Ich stöbere im Bahnhofsbuchhandel, beobachte Ankommende, Verreisende, Wartende, Arbeitende. Ab und zu erhasche ich Teile eines Gespräches, sehe ich Dinge, die ich gerne fotografisch festhalten wollen würde (was ich aber nur selten tu).

Beim Umsehen fiel mir eine abgestellte Lok auf. Ich sah heute die V200 105, die sich als 221.105 jetzt ohne das RTS-Logo zeigt – Wikipedia hat ein Bild von ihr, sagt aber leider nichts darüber aus, wo sie zuletzt im Dienst war (seit 2010; kann sein, daß sie im DB-Museum Halle stand). Sie ist mindestens ein Jahr älter als ich, wurde 1961 oder 1962 gebaut:

 

Schmutzige, orange Diesellok 221.105 von links vorn aufgenommen; hinter der Lok ist rechts im Bild der Wasserturm am Bahnhof Halle (Saale) zu sehen

Die alte Diesellok.
221.105 (Ex V200.105, gebaut spätestens 1962) auf einem Abstellgleis
direkt vorm Wasserturm am Hauptbahnhof Halle (Saale)

 

Der Rest des Tages war dann relativ gemütlich. Und ich habe mal wieder etwas gefunden, das ich fotografieren wollte und konnte.

 

Erinnerung des Tages:
Ach, wie gern fuhr ich früher im dampfbespannten Zug, bevorzugt im Raucherabteil oder auf dem Gang bei geöffnetem Fenster.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 12. November 2025 war ich zufrieden mit meinem Ausflug zum Bahnhof, mit Bildern von der Lok, mit Schwein(en) im Briefkasten.


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2025 – 315: Traumhafte Geschichten

Was mitten in der Nacht festgehalten werden muß.

 

 

Es ist kurz nach Eins, also tiefste Nacht. Nach drei Stunden Schlaf bin ich wach, weil ich ins Badezimmer mußte, und nun finde ich nicht wieder in den Schlaf zurück. Ja, ich bin deshalb wütend, so wütend, daß ich heulen könnte. Das aber will ich heute und jetzt nicht.

Mir wird klar, daß ich schon geträumt haben muß. Doch statt an den Traum erinnere ich mich nur an einen Satz, an nichts anderes:
    Wer keine Fragen stellt, kann keine Geschichten sammeln.
Während ich diese wenigen Worte festhalte, taucht da ein zweiter Satz auf, der – so glaube ich in diesem Moment – auch zu diesem Traum gehört:
    Ich werde Dir Geschichten erzählen, bis Du Dich erinnern kannst.
Dabei habe ich nicht die geringste Idee, ob – und wenn ja, wie – beide Sätze zusammengehören. Aber sie sind jetzt aufgeschrieben. Und ich kann die Sätze befragen und mir selbst Fragen stellen, auch zu ihnen, und auf Antworten hoffen. Auf weitere Traumdetails warte und hoffe ich vergebens.

Als ich vor Jahren anfing, auf Papier zu denken und mich auf Papier zu erinnern, vermied ich es noch, mich dabei mit meinen Träumen zu beschäftigen. Träume sind Schäume, nichts von Wert, sie haben keine Substanz. Nicht nur davon war ich überzeugt. Es ist unmög­lich sie zu deuten; Träume sind der Abfall, der Ausschuß dessen, was in meinem Hirn vorgeht, bildete ich mir ein. Und auch von dieser Einbildung war ich felsenfest überzeugt. Bis mir eines Tages auffiel: In allen Träumen geht es nicht um Lehrsätze oder rationale Er­kennt­nis. Sondern um Gefühl und Ahnung. Darum, diese zu er­ken­nen, sie anzu­neh­men, und im besten Fall sie auch benennen zu können.

Heute Nacht sitze ich (leidlich wach) da und erinnere mich an zwei Sätze aus wahrscheinlich nur einem Traum. Deren mir gerade wich­tigsten Worte sind: Fragen, Geschichten, erinnern. Aber wer ist das angesprochene Du? Ob ich das selbst bin, nur ich selbst bin, weil ich in diesem Traum nur Selbstgespräche führte?

 

 

Ich weiß nicht, wie real das sein kann, was ich da heut in der Früh kurz nach dem ersten Kaffee schrieb. Doch ich konnte mir diese Szene vorstellen, sah sie vorm inneren Auge, deutlich, lebendig. Kam sie aus einem meiner Träume? An einen solchen kann ich mich selbst jedenfalls nicht erinnern (dafür an zwei andere). Die schreibende Person (und insofern ist sie mir nicht ganz fremd) stellt fast am Schluß eine für mich bedeutsame Frage: „Wer ist das angesprochene Du?”

 

Erinnerung des Tages:
Vor über 30 Jahren verschlang ich tatsächlich alle über Traumdeutung erhältliche Bücher und stellte fest: Nein, das ist nicht sinnvoll.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 11. November 2025 war ich zufrieden mit den fressenden Tauben bei mir auf dem Fensterbrett, mit Couscous mit verschiedenem Gemüse, mit einem halben Marzipanbrot.


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2025 – 314: Nicht unbedingt maulfaul

Wenn mein Schweigen mir durchaus notwendig erscheint.

 

Mir wurde letzthin gesagt, ich sei wirklich sehr maulfaul geworden in den letzten Jahren. Von einer Person, die mich ziemlich gut kennt. Ich habe natürlich vehement widersprochen.

Ja, ich sage mittlerweile weniger. Und manchmal sage ich gar nichts. Das kommt auf das Thema an, über das gesprochen wird oder gesprochen werden soll. Zu manchem habe ich nichts mehr zu sagen, hatte ich noch nie was zu sagen, weil ich wirklich keine Ahnung habe. Und ich habe nur noch wenig Lust, über Dingen ins Blaue hinein zu spekulieren. Es reicht mir, daß viele Nachrichten heutzutage nur noch als bloße Ansamm­lung von Konjunktiven bzw. konjunktivistischen Sprachkonstrukten daher­kom­men. Das muß ich nicht auch noch tun. Nicht zu vergessen: Zu manchem wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.

Ja, ich rede weniger. Denn es gibt Themen, die reizen mich so sehr, daß ich darüber nicht sprechen kann. Weil es wehtut. Weil ich mich nur justiziabel darüber äußern kann. Weil ich mein Gegenüber nicht vor den Kopf stoßen will. Weil mich das Thema unsagbar wütend macht. Und weil es mir widerstrebt, etwas, das in ausschweifend blumiger Umschreibung (Neusprech auch) gerade noch angenommen werden kann, jemandem näherzubringen, bei denen aber die einfache Wahrheit ganz sicher nicht mehr willkommen ist und nicht akzeptiert werden kann.

Dann verstumme ich mitten im Thema. Ab und zu sagte ich, warum ich mich zum Thema nicht weiter äußern werde. Meist stellte ich fest, daß ich das besser nicht erwähnt hätte. Nun ja, da waren einige ehemalige Freundinnen und Freunde unter denen, die Unverständnis zeigten und auf Antworten bestanden (die sie aber nie bekamen). Dann war ich wahlweise egoistischer Idiot, Schlafschaf, linksgrünversiffter Gutmensch, kein wirklicher/echter Freund usw. usf. Wie mich das immer nervte … Seither erkläre ich mein Verstummen nicht mehr und versuche, sehr elegant oder brachial das Thema zu wechseln. Falls das nicht möglich ist, muß ich ganz schnell irgendwo hin, nur um das Gespräch zu unterbrechen oder zu beenden.

Wie gesagt, letztens hieß es, ich sei maulfaul geworden. Wir unterhielten uns dann über das Warum und das Wie, und am Ende verstanden wir uns auch auf diesem Gebiet wieder bestens. Und aus maulfaul wurde sorgsam und selbstfürsorgend, also: gut für mich selbst sorgend. Ich werde also zu manchen Themen, zu denen ich mich früher noch auch hier im Blog äußerte, in Zukunft nichts mehr herzeigen. Und ich finde das zur Zeit gut so.

 

Erinnerung des Tages:
Vielleicht kennt ihr das auch? Ein erstes Mal, das mich selbst viel Überwindung kostete.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 10. November 2025 war ich zufrieden mit einigen umgeräumten Geräten, mit der nach­mit­täg­lichen Zeit auf der Schlafstatt, mit einer fast fertigen Adventsgeschichte.


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2025 – 313: Was ich wünsche

Weiß nicht, ob das meiner Vorstellung entsprechend ginge.

 

Ich weiß nicht, wie oft im Leben ich mir bisher oder wie lange ich mir schon einen gewissen gelassenen Größenwahn wünschte. Einen, der weitab von Überheblichkeit sein soll. Nein, nicht nur Selbstbewußtheit und Selbstsicherheit, sondern wirklich Größenwahn. Aber nicht in der Form des Allmachts-Wahns, den ich in der Depression hatte. Ich stelle mit eine (eingebildete, nicht wirklich existente) Überlegenheit vor, die Empfin­dung eines Darüberstehens: Wär das nicht wunderbar?

Ein Denkanstoß, der mich noch eine Weile beschäftigen wird.

 

Erinnerung des Tages:
Ich weiß nicht mehr, wann ich am Abend von der Öffnung der Grenze in Berlin erfuhr; es war sicher noch nicht in der Tagesschau, aber am Abend.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 9. November 2025 war ich zufrieden mit ein paar aussortierten Büchern (noch nicht weggebracht), mit der Teilnahme am Training der Ritterschaft (für mich nur Orga), mit der Zeit in der Badewanne.


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2025 – 312: Der Antrieb

Und meine Verwunderung über diese eine spezielle Frage.

 

Seit einiger Zeit stehe ich auf, setze den Kaffee an und mich an den Schreibplatz. Manchmal gelingt es mir, Erinnerungsfetzen von Träumen zu notieren. Manchmal sind es Ideen, die ich gleich nach dem Wachwerden hatte, kurz wälzte und dann festhalten will. Wohlgemerkt: vorm Kaffee. Vor einiger Zeit hatte ich ja einen anders verschobenen Tageslauf, den, der morgens schon um Fünf anfing. Jetzt ist es zwischen halb Sieben und halb Neun, daß ich von der Schlafstatt klettere. Zu 99 % ohne Wecker; es funktioniert noch immer, daß ich wachwerde zu der Zeit, für die ich mir das am Abend zuvor vornehme. Neu ist, daß ich nicht zuerst am Rechner sitze und dort meinen Kaffee und einen Keks zu mir nehme, neu ist, daß ich sogar noch vorm Kaffee Zeug aufschreibe. Darüber wundere ich mich wirklich. Woher kommt das, was treibt mich dazu? (Und ganz ehrlich: Noch immer frage ich mich, wieso ich so unbedingt schreiben muß, viel mehr schreiben muß, als ich in allen meinen Blogs herzuzeigen mich wage.)

In der zuendegehenden Woche war die Frage nach diesem Antrieb täglicher Bestand­teil der morgendlichen (und anderen) Notizen. Und bis auf die Phrase „weil ich eben muß” fand ich nichts, das als Antwort darauf tauglich wäre. — Nun, es gibt in meinem Leben viele unbeantwortete Fragen, bei denen es mich absolut nicht stört, daß sie unbeantwortet blieben und bleiben. Doch diese eine ist anders. Es geht nicht um mein ganzes Leben, nein nein, sondern wirklich nur um dieses eine ganz besondere Ding, das Schreiben. Das „laut Denken” mitten hinein in die Welt, aus mir heraus, mit Worten auf Papier (und danach ins Netz gestellt). Ja, ich weiß auch, daß es für sehr viele Sachen keinen Grund und keinen (erkennbaren) Anlaß braucht, die passieren einfach. Aber es läßt mich nicht los, beinahe bei jeder Notiz frage ich mich, wieso ich schreiben muß (nicht beim Einkaufszettel, nicht bei verschiedenen Listen). Das braucht doch etwas, das es anstößt?

Hätte ich ein Sendungsbewußtsein, das ich so manchen (Profi-)Schriftstellerinnen und Schriftstellern zuschreibe: Das wäre eine vorerst akzeptable Erklärung; doch dann wollte ich ganz sicher wissen, wo dieses Sendungsbewußtsein herkäme. Kann ich akzeptieren, daß das Schreibenmüssen zu meinem Naturell gehört, einfach Bestandteil meines Lebens, meines Schicksals ist? Schaffe ich es irgendwann, mich von dieser Frage nach meinem Antrieb zu lösen? Kann ich auch einmal einfach so nicht schreiben, nichts notieren? (Ich habe es schon oft versucht, aber das ist mir nicht möglich, nicht länger als zwölf Stunden kann ich mich davon abhalten.) Mal sehen, ob ich heute Abend und/oder morgen früh ohne diese eine Frage auskomme. Und für wie lange ich noch vorm Kaffee Tinte, Feder und Papier zur Hand nehmen werde.

 

Erinnerung des Tages:
Ich gönnte mir heute nochmal 90 min „Die größten Hits des Ostens (1)”; die Sendung lief gestern Abend im MDR und ich kannte fast jedes Lied.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 8. November 2025 war ich zufrieden mit den morgendlichen Notizen, mit dem Einkauf noch vor Mittag, mit der spätnachmittäglichen Zeit in der Stadt.


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2025 – 311: Ausgeklebt

Mittendrin fällt mir ein sonderbares Bild ein.

 

Da saß ich heute ziemlich früh schon am Schreibplatz, notierte mir die erinnerbaren Fetzen eines Traumes, und zwischendrein krachte mir dieser Satz aufs Papier (ich schrieb ihn nicht mit der üblichen Handschrift nieder).

 

 

So mancher Traum ist wie eine alte Leimrute, mir der vor vielen Jahren Vögel gefangen wurden: Funktioniert nicht mehr, weckt aber Erinnerungen an zarte Geschöpfe und Töne …

 

 

Da stand er, irgendwie störend in seiner lateinischen Blockschrift zwischen meinem Kurrent. Und zum Glück erinnerte ich mich kurz vor der Blogzeit an ihn. Sonst hätte ich heute wohl den täglichen Beitrag verpaßt.

 

Erinnerung des Tages:
Früher (also in der DDR) waren Mehrfachverteiler/-steckdosen (diese Verlängerungsschnüre mit mehreren Steckdosen) aufschraubbar, reparierbar; heute scheint das nicht mehr gewollt zu sein.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 7. November 2025 war ich zufrieden mit dem Schreiben am Morgen, mit der Nach­mit­tags­zeit auf der Schlafstatt, mit unbegreiflichem Vertrauen.


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