2025 – 312: Der Antrieb

Und meine Verwunderung über diese eine spezielle Frage.

 

Seit einiger Zeit stehe ich auf, setze den Kaffee an und mich an den Schreibplatz. Manchmal gelingt es mir, Erinnerungsfetzen von Träumen zu notieren. Manchmal sind es Ideen, die ich gleich nach dem Wachwerden hatte, kurz wälzte und dann festhalten will. Wohlgemerkt: vorm Kaffee. Vor einiger Zeit hatte ich ja einen anders verschobenen Tageslauf, den, der morgens schon um Fünf anfing. Jetzt ist es zwischen halb Sieben und halb Neun, daß ich von der Schlafstatt klettere. Zu 99 % ohne Wecker; es funktioniert noch immer, daß ich wachwerde zu der Zeit, für die ich mir das am Abend zuvor vornehme. Neu ist, daß ich nicht zuerst am Rechner sitze und dort meinen Kaffee und einen Keks zu mir nehme, neu ist, daß ich sogar noch vorm Kaffee Zeug aufschreibe. Darüber wundere ich mich wirklich. Woher kommt das, was treibt mich dazu? (Und ganz ehrlich: Noch immer frage ich mich, wieso ich so unbedingt schreiben muß, viel mehr schreiben muß, als ich in allen meinen Blogs herzuzeigen mich wage.)

In der zuendegehenden Woche war die Frage nach diesem Antrieb täglicher Bestand­teil der morgendlichen (und anderen) Notizen. Und bis auf die Phrase „weil ich eben muß” fand ich nichts, das als Antwort darauf tauglich wäre. — Nun, es gibt in meinem Leben viele unbeantwortete Fragen, bei denen es mich absolut nicht stört, daß sie unbeantwortet blieben und bleiben. Doch diese eine ist anders. Es geht nicht um mein ganzes Leben, nein nein, sondern wirklich nur um dieses eine ganz besondere Ding, das Schreiben. Das „laut Denken” mitten hinein in die Welt, aus mir heraus, mit Worten auf Papier (und danach ins Netz gestellt). Ja, ich weiß auch, daß es für sehr viele Sachen keinen Grund und keinen (erkennbaren) Anlaß braucht, die passieren einfach. Aber es läßt mich nicht los, beinahe bei jeder Notiz frage ich mich, wieso ich schreiben muß (nicht beim Einkaufszettel, nicht bei verschiedenen Listen). Das braucht doch etwas, das es anstößt?

Hätte ich ein Sendungsbewußtsein, das ich so manchen (Profi-)Schriftstellerinnen und Schriftstellern zuschreibe: Das wäre eine vorerst akzeptable Erklärung; doch dann wollte ich ganz sicher wissen, wo dieses Sendungsbewußtsein herkäme. Kann ich akzeptieren, daß das Schreibenmüssen zu meinem Naturell gehört, einfach Bestandteil meines Lebens, meines Schicksals ist? Schaffe ich es irgendwann, mich von dieser Frage nach meinem Antrieb zu lösen? Kann ich auch einmal einfach so nicht schreiben, nichts notieren? (Ich habe es schon oft versucht, aber das ist mir nicht möglich, nicht länger als zwölf Stunden kann ich mich davon abhalten.) Mal sehen, ob ich heute Abend und/oder morgen früh ohne diese eine Frage auskomme. Und für wie lange ich noch vorm Kaffee Tinte, Feder und Papier zur Hand nehmen werde.

 

Erinnerung des Tages:
Ich gönnte mir heute nochmal 90 min „Die größten Hits des Ostens (1)”; die Sendung lief gestern Abend im MDR und ich kannte fast jedes Lied.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 8. November 2025 war ich zufrieden mit den morgendlichen Notizen, mit dem Einkauf noch vor Mittag, mit der spätnachmittäglichen Zeit in der Stadt.


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Über Der Emil

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