Ein spätes Geständnis kann die Vergangenheit nicht ändern.
„Nur selten hat sich mein Ärger” sie seufzt vernehmbar, „gegen die tatsächlichen Ursachen meines Leidens oder der von mir wahrgenommenen Ungerechtigkeiten gerichtet. Stattdessen suchte ich nach einem Sündenbock und nach einfachen Lösungen. Ich wollte mir nicht die Mühe machen, die Umstände und mich selbst zu erforschen. Immer habe ich alle Schuld für meine eigenen Dummheiten und meine Fehltritte auf etwas Äußeres geschoben, sie nie in mir gesucht.” Sie seufzt wieder und stellt das Bild ihres längst verstorbenen Mannes zurück auf den kleinen Tisch neben dem Fenster. Tante Erdmute bedauert heute, über all das niemals mit dem gesprochen zu haben, der unter ihren Launen leiden mußte – heute wäre ihr die dahinter verborgene eigene Scham eigentlich egal. Denn sie vermeidet die ihr unangenehmen Gespräche nicht mehr, wenn ihr dienstbarer Geist sie auf ihr längst überwunden geglaubtes Verhalten hinweist.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
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