296–2024: Ratlos

Ich hatte einst mit einem ähnlichen Dilemma zu kämpfen.

To get a Google translation use this link.

 

 

Früh am Morgen. Kurz vor sechs Uhr. Den ersten Kaffee habe ich schon getrunken. Draußen ist es noch nicht hell, und ich kann die Stadt noch leise nennen (abgesehen von den Vögeln). Da ist Schreibdruck – ich will, muß schreiben – und das Gefühl, daß die übliche Kladde nicht paßt, ich also anderes Papier brauche. Klingt bescheuert? Ist es auch. Und mit diesem „Problem” kämpfe ich nun schon seit vielen Jahren.

Es dauert einige Zeit, einen Entschluß zu fassen. Noch ist kein einzi­ger Buchstabe geschrieben. Aber der Drang ist noch da, viel­leicht sogar noch etwas stärker geworden. Ratlos schaue ich meine Hefte, Blöcke und Kladden und auf meine Scheibgeräte. Nein, das wird nichts, ich finde nichts, das mir im Moment zusagt, nichts, das ich ergreifen und nutzen möchte. Ein Diktiergerät und jemand, der das Gesprochene dann aufschreibt oder abtippt, wäre jetzt gut. Oder – aber nein, ich habe nirgendwo eine Sprache-zu-Text-App installiert. Außerdem würde die untrainiert danz sicher viel zu viele Stellen produzieren, an denen ich schwer nachzubearbeiten hätte. Ich nehme dann doch ein Schulheft zur Hand und einen Füllfederhalter. Ganz oben auf die erste Seite schreibe ich ein großes F, weit geschwungen und mit kleinen Verzierungen, doch es bleibt allein auf dem Papier. Ich weiß nicht mehr, welches Wort ich vor fünf Sekunden schreiben wollte. Ich lasse das F Eff sein und klappe das Heft wieder zu, packe auch den Federhalter wieder weg. Kurz vor Acht und noch kein einziges Wort geschrieben.

„Alle meine Texte werden auf Papier geschrieben.” Wie oft habe ich diesen Satz schon geäußert. Ich muß den Text aus meinem Kopf herausbekommen, so schnell als möglich. Sonst gerät er durch­ein­ander, wird von mir vergessen oder unnötig verdreht. Wenn es auf dem Blatt nicht geht … Das Tablet mit der BlueTooth-Tastatur liegt neben mir, ich klappe es auf, stell es vor mir auf den Tisch. Ich gieße mir den vierten oder fünften Kaffee ein, rauche eine Zigarette an. Halb Neun. Im Editor erscheinen die ersten Buchstaben, Worte, Zeilen. Es schreibt sich aus mit heraus. Im dritten Absatz verfange ich mich an einem Detail, das ich für witzig halte (ist es aber nicht mehr, nachdem ich es aufgeschrieben sehe). Wie ich es auch zu formulieren versuche: Das wird nichts. Also streiche ich den Gag heraus, benutze die Löschtaste, und komprimiere den Rest bis zur zweiten Schlüsselszene. Um Elf ist fertig, was den Schreibdruck erzeugt hatte, und völlig untypisch ist es schon als fertige Datei vorhanden. Ratlos starre ich das Tablet an. Wieso sträubt sich sonst immer alles in mir gegen das Gerät?

Danach bin ich ein wenig im Netz unterwegs. Der letzte Schluck Kaffee aus der Thermoskanne. Eine Zigarette. Eine zweite Kanne Kaffee muß es sein heute, ich setze sie an. Statt einfach nur auf das Gebräu zu warten, wasche ich das wenige Geschirr ab, das es nötig hat. Mit dem frischen Kaffe kehre ich zum Schreibzeug zurück. Weg mit dem Tablet! Ich nehme meine Alltagskladde und den dazuge­hö­ri­gen Gelschreiber und schaffe es, etwas Gereimtes auf- und noch weitere drei ihrer Seiten vollzuschreiben.

 

 

Natürlich klingt der Text sehr danach, daß ich damit mich und meinen Vormittag beschreibe, denn meine Tage beginnen ähnlich. Er wurde aber von der noch namen­losen neuen Figur verfaßt, gehört zu dieser. Ich nämlich zwinge mich mittlerweile dazu (ja, das geht wirklich und stört mich nicht mehr), alles in eine Kladde zu schreiben. Unterwegs mit einem Vierfarbkugelschreiber und zuhause mit schwarzer bzw. blauer Tinte und Feder (für Rot und Grün habe ich da spezielle Stifte). Nur für zwei besondere Projekte habe ich jeweils ein gesondertes Notizbuch.

 

Erinnerung des Tages:
Ich konnte mit meiner Schwalbe tatsächlich Hochstart machen und dann auch einige Meter nur auf dem Hinterrad fahren.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 22. Oktober 2024 mit einem ausgeräumten Fach im Bücherregal, mit dem Tee am Nachmittag, mit dem Üben lange nicht mehr genutzter Handfertigkeiten.

© 2024 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2024, Geschriebenes, Miniatur, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

295–2024: Normalität

Ein ideenloser Morgen läutet einen Tag ein.

To get a Google translation use this link.

 

 

Stille im Kopf. Keine wabernden Gedanken. Dasitzen, das eigene Sein beobachten. Auf die Ablenkungen von Fernsehen und Radio verzichten. Die Geräusche draußen vor dem Fenster lassen. Alle digitalen Endgeräte (Rechner, Tablet, Smartphone) ignorieren. Kaffee trinken, Keks essen. Medikamente nehmen. Zigarette? Ach, heute nicht, jedenfalls jetzt noch nicht. Dasitzen und weiter der Versuchung widerstehen, zurückzuklettern unter die Bettdecke. Weil es dort auch nicht anders ist. Nicht anders sein kann als hier. Weil davon das Gedankengewimmel auch nicht wieder in Gang gesetzt wird.

Erschreckend. So sieht es aus im Kopf eines …? So also beginnen die Tage der Normalen? So … Leer. Nein, das ist nicht ruhig, das ist leer. Ob ich mich an das Schweigen der inneren Stimmen, an den Hall der seltenen Schritte meiner wenigen, vereinzelten Gedanken in dieser Leere gewöhnen kann? Ich habe den traurigen und sehr erschreckenden Verdacht, daß jedes Flüstern zu einem mehr als ohrenbetäubenden Echo wird, wenn der gedachte Gedanke nur platt genug war oder ist.

Diese Stille im Kopf macht mir Angst. Wenn das der Zustand nach dem Sterben sein wird, dann … Dann wünsche ich mir den Lärm und das Chaos in meinem Kopf zurück und mir noch dazu das Ewige Leben. Dasitzen. Wenn ich doch nur das Dasitzen schon beenden könnte.

 

 

Erinnerung des Tages:
Zu meiner Jugendweihe 1978 waren Schlaghosen und hohe Absätze auch für uns Jungs modern und damit Pflicht.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 21. Oktober 2024 mit drei ausgeräumten Schubladen (in einer davon liegt wieder etwas), mit der fürs konzentrierte Lesen genommenen Zeit, mit dem reaktivierten Nokia 1110i.

© 2024 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2024, Geschriebenes, Miniatur, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , , , | 1 Kommentar

294–2024: Begrüßung

Ich lerne jemanden kennen.

To get a Google translation use this link.

 

Es ist schon erstaunlich. Nachdem sich Tante Erdmute schon lange nicht mehr bei mir blicken ließ, tauchte gestern (oder vorgestern?) eine neue Figur bei mir auf. Hier, unsere erste Begegnung (Gedächtnisprotokoll):

 

 

„Ach. Ähm – hallo Du, wer bist Du denn?” „Weiß nich.” „Was?” Ich bin erstaunt. „Naja, hab irgendwie noch keinen Namen.” „Das ist ja … Hättest Du gern einen?” „Ja 'türlich. Aber ich weiß ja nichmal, ob ich Weiblein oder Männlein bin.”

Wir sprachen dann noch eine ganze Weile miteinander. Es stellte sich heraus, daß die andere Person Texte verfaßt, die irgendwo veröffentlicht werden – es klang sehr nach Lokalzeitung. Aber sie ist nicht nur mit Reportagen beschäftigt, aus ihrer Feder stammen auch Kolumnen u.v.a.m. Wir fanden weiter heraus, daß die Person in den 40ern ist, ein erwachsenes Kind hat, zur Miete in einer kleinen Stadt wohnt, im ersten Stock eines Altbaus. Zur Zeit alleine, denn die letzte Beziehung ging nach knapp drei Jahren zuende. Sie scheiterte an den Alltäglichkeiten. Nach und nach gerieten wir ins Plaudern über Sprache und Schreiben, so verlor ich etwas aus den Augen, daß ich mehr von der Person wissen wollte.

 

 

Ich weiß noch immer nicht, ob sie Weiblein oder Männlein oder was auch immer ist. Aber es liegen hier schon zwei … Szenen (kurz habe ich nach einem passenden Wort gesucht), in denen diese Figur eine zentrale Rolle spielt. Mal sehen, welche Rolle mein Denkicht ihr zugedacht hat. (Manchmal vermute ich nämlich, daß alle die von mir erfundenen, gefundenen Figuren nur schützend vor­ge­schobene Konstrukte sind, damit ich, damit mein Denkicht bestimmte Mitteilungen ohne Bedenken machen kann.)

Willkommen in der realen Phantasie.

 

Erinnerung des Tages:
Ich zerbrach mir heute den Kopf, unter was für einem Baum ich 2003 in Planena öfter saß: Pflaume, Apfel, Kirsche? (Eins von den Dreien war es auf alle Fälle.)

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 20. Oktober 2024 mit meiner ausgelebten Faulheit, mit Pasta Carbonara (ja, Fertigsoße), mit geschriebenem Text.

© 2024 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2024, Erlebtes, Geschriebenes, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 4 Kommentare

293–2024: Weitergedacht

Nach der Ernüchterung durch Alltäglichkeit.

To get a Google translation use this link.

 

Es ist nur ein Stücklein Text, das irgendwann und irgendwo beim Nachdenken über das Zusammenleben zweier Figuren entstand.

 

 

Und irgendwann sind alle Versprechen eingelöst oder vergessen, alle Geheimnisse entdeckt oder offenbart. Die Stimme des anderen Menschen ist so alltäglich geworden, daß sie kaum noch gehört wird – und für ihre leisen Töne sind die Ohren völlig unemp­find­lich geworden. Die Partner werden sich wieder „fremd”, wenn sie sich gar zu genau kennen. Wirklich! Daran denkt vorher niemand, das kommt immer wieder unerwartet. Diese Ernüchterung, diese Zäsur im Zusammenleben zweier Menschen kann nicht ausgeschlossen werden. Doch es kann daran gearbeitet werden, alles zu tun versucht werden dafür, daß das nicht geschieht.

 

 

Heute habe ich an dieser Stelle weitergedacht. Und auch ein paar weitere Sätze notieren können. Das bleibt jetzt ein paar Tage oben auf dem Stapel, ganz oben, so daß ich jederzeit danach greifen kann und weiter daran arbeiten kann.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich stellte wieder Bücher in ein Öffentliches Bücherregal #publiclibrary – und noch immer sehe ich nicht, daß ich weniger Bücher zuhause habe.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 19. Oktober 2024 mit Arbeit für die Marktmöncherei, mit dem mit der Hand gemahlenem Kaffee, mit einem asiatischen Nudelgericht.

© 2024 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2024, Geschriebenes, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

292–2024: Außenansicht

Irgendwie aber genieße ich es auch, das zu sehen.

To get a Google translation use this link.

 

Es gibt Menschen, in denen Glück und Schrecken sich berühren, einen verstörenden Tanz miteinander wagen.

Das von außen zu beobachten führt bei mir zu einer unangenehmen, doch durchaus faszinierten Hilflosigkeit, zu einer Angefaßtheit, die mich an einen langsam beginnende Zahnschmerzen erinnert.

Manche werden jetzt sagen: Das ähnelt ja dem Gaffen bei einem Unfall. Stimmt – und stimmt auch nicht. Es gibt nicht viele solcher Menschen, bei denen das direkt erkennbar ist, oft beschleicht mich eine leise Ahnung, die erst viel später zur Gewißheit wird. Soetwas wird sorgfältig zu verbergen versucht. Einmal traf mich diese Erkenntnis recht brutal, war doch die Person ein Sonnenschein für alle, die sie kannten – und damit widersprach ihr Inneres komplett dem, was sie nach außen auch verkörpern wollte. Wir haben heute noch lockeren Kontakt, wir leben beide noch immer mit unseren Schwierigkeiten, sind noch nicht endgültig „geheilt”. Ich kann außerdem noch immer nicht wegsehen, wenn ich bei jemandem genau das vermute, zu erkennen glaube, erkenne, weiß.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Jahrelang aufgehobene „besondere” Flaschen und Gläser landeten heute da, wo sie schon längst hätten sein können: im Altglascontainer.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 18. Oktober 2024 mit Rückmeldungen zum gestrigen Ausflug, mit den durchgesehenen Bildern, mit dem erstandenen Regal (wenn nur erst umgeräumt und es dann aufgestellt wäre).

© 2024 – Der Emil. Text & Bilder unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2024, Erlebtes, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , , , | 2 Kommentare

291–2024: Rattenschwanz

Positives Erleben ist selten geworden, aber noch immer möglich.

To get a Google translation use this link.

 

Ein erstes Treffen bisher unbekannter Menschen, das auf Anhieb locker und gelöst ist und bleibt, in dem sich sofort vertraut wird, ist eines, das voraussichtlich keinen Rattenschwanz an Problemen nach sich zieht. Die Ehrlichkeit und Offenheit aller läßt keine Mißgunst aufkommen, da entstehen keine Verdächtigungen, da wird Nichts und Niemand abgewertet, da sind einfach Menschen mit- und beieinander und freuen sich des Lebens.

Ach, das möchte ich gern öfter erleben, gern auch wieder mit der heute erlebten Fachsimpelei ohne Belehrungen und Bewertungen.

 

Erinnerung des Tages:
Die Treppe auf den Dachboden bei den Mecklenburger Großeltern war sehr steil mit sehr kurzen Stufen, dort lernte ich, eine solche rückwärts hinunterzusteigen wie auf einer Leiter.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 17. Oktober 2024 mit dem frühen und ruhigen Start in den Tag, mit den netten Interaktionen (selbsterlebte und beobachtete), mit so einigen Inspirationen.

© 2024 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2024, Erlebtes, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , , | 6 Kommentare

290–2024: Unzulänglich

Ein Einblick ins allertiefste Innere des Geschichtenschreibens.

To get a Google translation use this link.

 

In der Phantasie, die noch im Kopf ist, ist alles immer so einfach. Da geschieht genau das Vorgesehene, nicht mehr und nicht weniger. Da finden sich immer die richtigen Worte. Jetzt aber, da die eine Phantasie zu Papier gebracht werden soll, wird es echt schwierig, kompliziert.

 

 

Die Außerirdischen auf ihrem Heimatplaneten zu beschreiben: Das ist einfach, da sie humanoide Züge tragen. Zwei Arme mit Händen, die drei Finger und einen Daumen haben, zwei Beine mit Füßen, an denen drei Zehen nach vorn und eine nach hinten zeigen. Ein Rumpf, der dem menschlichen ähnelt. Weil auch die Außerirdischen das sind, was auf der Erde Wirbeltiere, Säugetiere genannt wird. Wieder spielt dabei die Zahl Drei eine Rolle. Der große Unterschied zu uns Menschen ist aber die strikte Trennung von Sexualorganen und Ausscheidungsorganen bei ihnen. Woher ich das weiß? Nun, die Außerirdischen tragen weder Fell noch Kleidung, weil es auf diesem Planeten keine Jahreszeiten gibt und er in der habitablen Zone näher am Zentralgestirn des Planeten auf einer kaum elliptischen Bahn kreist, mit senkrecht zur Bahnebene stehender Rotationsachse. Es herrschen dauerhaft und überall 26 °C, oder in ihren Maßen: Δ ㆑ (und wahrscheinlich gibt es ein das sicherndes technisches System). Ja, auch ein Zahlensystem habe ich entwickelt, natürlich auf der Basis von 16 Fingern und Zehen, weil die nämlich immer sichtbar und somit zum Zählen geeignet sind. Und die Drei ist bei ihnen trotzdem die alles bestimmende Zahl.

Wenn nur das Talent zum Zeichnen vorhanden wäre! Wie bequem muß es sein, solche Dinge mit wenigen Strichen zu skizzieren …

Es gehen also einige dieser Außerirdischen – sie nennen sich „ワ㆗”, was etwa wie „Wpgf” klänge, wenn wir die Ultraschall­laute ihrer Sprache in für uns wahrnehmbare Frequenzen transponierten – auf ihrem Heimatplaneten spazieren. Drei Ausgewachsene und drei, die wohl ihr Nachwuchs sind. Und von den Jüngeren muß plötzlich eines Flüssigkeit ausscheiden. Es (noch ist das Geschlecht nicht eindeutig feststellbar) geht zu einem fruchtbringenden Obelisken und tut dort, was wir pinkeln nennen. Tja, und da ist plötzlich das Problem: Welche Farbe hat, was bei uns Urin genannt wird, bei den ワ㆗ – und wie wird sie dort genannt?

Die Kenntnis der auf jenem Planeten einzigen gesprochenen und geschriebenen Sprache ist selbst für solch einfache, alltäg­liche Szenen noch unzulänglich.

 

 

Einen solchen Spaß erlaube ich mir ab und zu. Es ist ein Vergnügen, bestimmte Aspekte, die mir z. B. in sozialen Interaktionen oder am menschlichen Körper verbes­se­rungs­wür­dig erscheinen oder in gesellschaftlichen Grundlagen, in utopischen bzw. wissen­schaft­lich-phantastischen Szenen an meine Vorstellungen anzupassen. Genau das habe ich getan. Allerdings werde ich aus Gründen hier nicht detailliert auf diese Veränderungen eingehen können, doch das macht nichts; Leserinnen und Leser habe eine eigene Phantasie.

(Ich habe im Text Sonderzeichen aus nicht-europäischen Sprachen verwendet. Es ist möglich, daß diese auf verschiedenen Endgeräten und Browsern, im Reader und in verscheidenen Apps nicht richtig angezeigt werden, obwohl sie als HTML-Entitäten codiert sind.)

 

Erinnerung des Tages:
Nun, heute war das eine aus der frühen Kindheit. Sie hatte mit Neugier zu tun und mit Scham. Denkt euch euren Teil.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 16. Oktober 2024 mit meiner Phantasie, mit einigen Vorbereitungen für morgen (Termin in einem Lost Place), mit Tortellini, die ich mit Käse überbuk.

© 2024 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2024, Geschriebenes, One Post a Day, Ungeschriebene Geschichten | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 4 Kommentare

289–2024: Gestorben

Einmal völlig anders über etwas nachdenken.

To get a Google translation use this link.

 

Selbst das, was den Menschen unangenehm erscheint, was den Menschen ihr Selbst als unglücklich erscheinen läßt, kann anders betrachtet werden:

 

 

Als meine Sorge zur Welt kam, hegte und pflegte ich sie mit zärtlicher Liebe. Wie alles Lebende wuchs sie, wurde stark und schön und war voll wunderbarer Freuden.

Wir liebten einander, meine Sorge und ich, und liebten die Welt rings um uns. Denn meine Sorge war freundlich, und ich war freundlich zu ihr. Wenn wir miteinander sprachen, meine Sorge und ich, vergingen die Tage wie im Flug, und wundervolle Träume schmückten unsere Nächte. Denn meine Sorge hatte eine beredte Zunge, und ich redete viel mit ihr. Wenn wir miteinander sangen, meine Sorge und ich, saßen die Nachbarn an den Fenstern, denn unsere Lieder waren tief wie das Meer, und unsere Melodien riefen ferne Erinnerungen zurück. Wenn wir miteinander auf der Straße gingen, meine Sorge und ich, blickten die Leute uns wohlwollend nach und flüsterten die schönsten Sachen …

Aber wie alles Lebende starb meine Sorge, und nun bin ich mit meinen Gedanken allein. Jetzt tönen meine Worte plump in meinen Ohren. Keine Nachbarn kommen, um meine Lieder zu hören. Niemand blickt mir nach, wenn ich über die Straße gehe. Nur im Schlaf höre ich mitleidige Stimmen sagen: »Seht, hier liegt der Mann, dessen Sorge gestorben ist.«

Khalil Gibran (∗ 1883 – † 1931)

 

 

Ich schrieb mir das Stück Text in eine meiner Kladden ab, und ich schrieb dazu, daß ich es im 2022er Kalender von „Der andere Advent” fand. Vielleicht, so dachte ich wahrscheinlich, vielleicht inspirieren mich diese Sätze einmal zu einer Geschichte, einer Miniatur, einem Gedicht gar. Weil ich um solche Notizen weiß, blättere ich immer mal wieder durch meine Aufzeichnungen. Diesmal fand ich eben dieses Stück Text von Khalil Gibran. Und ich wurde nicht inspiriert, sondern denke, daß die Worte für sich selbst stehen können.

Ich bewundere in diesem Fall übrigens auch die Arbeit, die die Übersetzerin / der Übersetzer leistete. Ohne sie hätte ich das nicht lesen, mich nicht davon berühren lassen können. Leider weiß ich – wie so oft – nicht, wer so feinfühlig in meiner Sprache wiedergeben konnte, was Gibran in seiner Sprache formulierte.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Es stehen 22 Bücher mehr im Öffentlichen Bücherregal.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 15. Oktober 2024 mit den Gedankenspielen am Vormittag, mit dem EKG, mit dem Sauerkrautsalat.

© 2024 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung). Khalil Gibrans Werke sind über 90 Jahre nach seinem Tod gemeinfrei.

Veröffentlicht unter 2024, Geschriebenes, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

288–2024: Stadtrand

Mit Worten gemalt: Stilleben. Oder Dystopie?

To get a Google translation use this link.

 

 

Die Freundschaften sind lockerer geworden. Die Zäune und Mauern zwischen den Schuhschachtelhäusern wuchsen weiter in die Höhe, doch überragten sie die Gebäude noch nicht. Die Wege zwischen den Grundstücken waren zugewachsen, niemand ging sie mehr. Auf dem Kinderspielplatz neben der Hausnummer 13 machten es sich Disteln und Brenneseln bequem; die wenigen Ratten brachten die Wippe nicht in Bewegung. Ein jäh losknatternder Freischneider zerschnitt unüberhörbar, unerwartet und unerschütterlich die stille Idylle.

 

 

Erinnerung des Tages:
Zwischen unserem und dem Nachbarhaus wurde von unseren Vätern ein Durchgang im Zaun geöffnet, auf daß wir Kinder nicht mehr übers Schuppendach klettern mußten (leichterer Weg als über den Zaun).

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 14. Oktober 2024 mit den erledigten Haushaltsdingen, mit der endlich begonnenen Näharbeit (Jeans kürzen ohne Nähmaschine), mit der Absprache eines Termins für diese Woche.

© 2024 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2024, Geschriebenes, Miniatur, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , , , | 2 Kommentare

287–2024: Kindheitsgeräusch

Heute gönnte ich mir eine ganze Menge davon.

To get a Google translation use this link.

 

Am Vormittag ließ ich mir die Badewanne ein – und durch geschickten Einsatz der Brause erzeugte ich mir einen übergroßen Berg Schaum über dem Wasser. Dann stieg ich hinein in die Wolke. Im sonntagsstillen Hochhaus, im neunten Stock griff ich irgendwann nach der Seife. Und dann ließ ich mit nassen Händen Seifenlauge auf den Schaum tropfen. Danach konnte ich fast zehn Minuten dieses Kindheits­ge­räusch hören und sehen: Das leise Knistern, wenn die Bläschen platzen, und die weißen Flecken in dem schwindenden Schaumberg auf meinem Badewasser. Das Knistern. Dieses besondere Knispeln. Könnt ihr es auch hören?

 

Erinnerung des Tages:
Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da mußte eine Füllung der Badewanne für zwei Erwachsene und zwei Kinder reichen, einmal pro Woche!

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 13. Oktober 2024 mit einem Bild, mit der Zeit und dem Geräusch in der Wanne, mit Ideen auch für die Weihnachtszeit.

© 2024 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2024, Erlebtes, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , , | 10 Kommentare