286–2024: Experiment

Meine erste (bewußte) Begegnung mit ChatGPT.

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Irgendwann in der Nacht von gestern auf heute notierte ich mir: „Schreibe mir eine 300 bis 500 Worte lange romantische Geschichte, in der sich zwei Menschen wegen einer entlaufenen Zwergwyandotte zwischen einem Holunderbusch und einer Mispel im Morgennebel kannenlernen.” Diesen Text (mit dem Schreib­fehler im letzten Wort!) gab ich als Prompt in einem Web-Interface ein. Und bekam nach wenigen Sekunden eine Antwort.

 

 

AI: Es war ein sanfter Morgen im Oktober, als der Nebel wie ein zarter Schleier über die Wiesen und Felder lag. Die Welt schien in ein geheimnisvolles Licht getaucht, und die Luft war frisch und kühl. In einem kleinen Dorf, umgeben von sanften Hügeln, lebte die junge Anna, die an diesem Morgen auf der Suche nach ihrer entlaufenen Zwergwyandotte war. Das kleine Huhn war ein Geschenk ihrer Großmutter gewesen und hatte sich in den letzten Tagen zu einem treuen Begleiter entwickelt.

Mit einem Korb in der Hand und einem leichten Lächeln auf den Lippen machte sich Anna auf den Weg in den Garten, wo sie die Zwergwyandotte zuletzt gesehen hatte. Zwischen einem alten Holunderbusch und einer Mispel, die in voller Frucht stand, hatte sie das Huhn vermutet. Während sie suchte, summte sie leise ein Lied, das sie oft mit ihrer Großmutter gesungen hatte.

Plötzlich hörte sie ein leises Scharren und ein sanftes Gackern. Ihr Herz schlug schneller, als sie sich dem Geräusch näherte. Doch anstatt ihrer Zwergwyandotte fand sie einen jungen Mann, der ebenfalls auf der Suche war. Er kniete im Gras, mit einem verwirrten Ausdruck auf seinem Gesicht, während er eine kleine, gefiederte Kreatur in den Händen hielt.

„Oh, hallo! Ist das deine Zwergwyandotte?” fragte Anna überrascht und trat näher. Der junge Mann sah auf und lächelte schüchtern. „Ja, ich glaube schon. Sie ist mir entlaufen, als ich sie zum Auslauf bringen wollte. Ich bin Lukas, übrigens.”

„Anna”, antwortete sie und konnte nicht anders, als über die Situation zu lachen. „Es scheint, als hätten wir beide das gleiche Problem.”

Lukas stand auf und hielt die Zwergwyandotte vorsichtig in seinen Händen. „Sie scheint ein wenig abenteuerlustig zu sein”, sagte er mit einem Augenzwinkern. „Vielleicht sollten wir sie gemeinsam zurückbringen.”

Während sie zusammen durch den Garten gingen, sprachen sie über ihre Liebe zur Natur und zu Tieren. Der Nebel umhüllte sie wie ein sanfter Mantel, und die Welt um sie herum schien zu verschwinden. Anna bemerkte, wie Lukas' Augen im diffusen Licht funkelten, und sie fühlte sich zu ihm hingezogen.

„„Weißt du”, begann Lukas, als sie an der Mispel vorbeikamen, „ich habe nie gedacht, dass ich an einem so nebligen Morgen jemanden wie dich treffen würde. Es fühlt sich an, als wäre es Schicksal.”

Anna lächelte und spürte, wie ihr Herz schneller schlug. „Vielleicht ist es das wirklich. Manchmal bringt das Leben uns an die unerwartetsten Orte.”

Als sie schließlich die Zwergwyandotte sicher in den Stall zurückbrachten, war der Nebel langsam gewichen und die Sonne begann, die Landschaft in warmes Licht zu tauchen. Lukas und Anna standen einen Moment lang still, ihre Blicke trafen sich, und in diesem Augenblick wussten sie, dass dies der Beginn von etwas Besonderem war.

„Möchtest du vielleicht morgen wiederkommen? Ich könnte dir meine anderen Tiere vorstellen”, schlug Anna vor, und Lukas nickte begeistert. „Das würde ich sehr gerne tun.”

So begann eine unerwartete Freundschaft zwischen zwei Seelen, die durch eine entlaufene Zwergwyandotte und den zauberhaften Morgennebel zusammengeführt wurden.

Dieser Text wurde von einer KI/​AI erstellt. Ich benutzte ChatGPT deutsch.

 

 

Ähm, ja: Daß die Maschine Zwergwyandotten kennt (und zwei von ihnen einbaut), hat mich überrascht, der eine Grammatikfehler nicht. Es ist definitiv anders als von mir erwartet, ich fühle mich versucht zu sagen: trivialer. Es sind 493 Wörter. Meine Vorstellung von „roman­tisch” ist auch eine andere. Ich weiß jetzt sicher, daß ich dieses Werkzeug zur Texterzeugung nicht nutzen kann, es kann nicht meine Texte schaffen. Vielleicht kann mir die Maschine irgendwann einmal eine Idee liefern, vielleicht! Aber meine Texte sind und bleiben anders.

Es war ein Experiment. Es ging tatsächlich ungefähr so aus, wie ich es erwartet hatte. Nur der ausgelieferte Text war irgendwie anders, aber von dem hatte ich ehrlich gesagt vorher auch überhaupt keine Vorstellung.

Ach: Zwergwyandotten sind eine nach einem nordamerikanischen Stamm von Urein­wohnern benannte, kleine Hühnerrasse in immerhin 28 verschiedenen Farbschlägen.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich brachte wiedereinmal einige (ich zähle sie nicht mehr) Bücher in einen Öffentlichen Bücherschrank #publiclibrary.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 12. Oktober 2024 mit dem gewagten Experiment, mit guten Nachrichten (die bekomme ich mittlerweile fast täglich), mit meiner Unterwegs-Zeit in der Stadt.

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285–2024: Eigenschaft

Einmal beim Lesen aufgefallene Sätze.

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Bücher haben die Eigenschaft, niemals ihre Meinung zu ändern. Sie können es versuchen. Man liest sie immer wieder, sie sagen immer das Gleiche. Nur unsere Deutung entwickelt sich weiter.

Henri Loevenbruck: Das Kopernikus-Syndrom S. 21
Deutsche Erstausgabe © 2008 Knaur Taschenbuch
Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. GmbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-426-63814-9

 

 

Stimmt. Ein gedrucktes Buch verändert sich nicht. Das merkte ich selbst, als ich in dieser Woche eben dieses Buch zu lesen begann: Es kam mir verdammt bekannt vor. Und dann fand ich auf Seite 30 eine mit Bleistift eingetragene Notiz über das Vorlesen des Buches im Radio. Tja, die weiteren 462 Seiten las ich nicht. Das Buch liegt jetzt zum Wegbringen bereit.

Bei einem anderen Buch, das ich zum werweißwievielten Male lese, bemerkte und bemerke ich immer wieder, daß ich die unterstrichenen Sätze noch immer für besondere, be-merkenswerte halte, einige von ihnen heute aber anders lese als in früheren Jahren. Das weiß ich, weil ich mir durchaus die eine oder andere (nicht herzeigbare) Notiz machte. Interessant, wie und warum sich meine Gedanken zu diesen Sätzen veränderten, wobei ich über die Gründe oft nur spekulieren konnte bzw. kann. Ja, die Deutungen entwickelten sich eindeutig weiter …

Wahrscheinlich sind diese Erfahrungen nicht nur meine, sondern die sehr vieler Leserinnen und Leser auf der ganzen Welt.

 

Erinnerung des Tages:
Beim Aussorttieren von Büchern fand ich eines, das mir eine meiner Verflossenen zu einem Geburtstag auf besondere Art und Weise schenkte.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 11. Oktober 2024 mit zwei langen Telefonaten, mit einem Gang durch die abenddämmernde Stadt, mit dem Sushi zum Abendessen (aber das war viel, viel zu wenig).


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284–2024: Abwarten

Eine heute erlebte Lebensweisheit (ohne das Scheitern).

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Um gut voranzukommen, ist es ab und an nötig, etwas zurück­zu­gehen (nein, nicht um Anlauf zu nehmen) oder eine Weile auf der Stelle zu verweilen und genau hin- oder großzügig wegzusehen, während abge­war­tet wird. Allerdings kann niemand wirklich sagen, wann genau genau was davon hilfreich wäre. Deshalb heißt es, jedes Mal all das auszuprobieren, immer im Angesicht eines mög­lichen Scheiterns.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Drei abgeranzte und schon lang nicht mehr passende Bluejeans gab ich in den Alt­klei­der­container.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 10. Oktober 2024 mit der Kinderbespaßung, mit dem leergeräumten Fliewatüüt, mit einem gegebenen und einem erhaltenen Versprechen.

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283–2024: Retrospektiv

Mich an meine jüngere Vergangenheit erinnernd.

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Weil gestern etwas ausfiel, auf das ich 21½ Jahre schon wartete (und auf das ich jetzt ein paar Tage länger warten muß), stöberte ich in meiner Vergangenheit herum – genauer gesagt, in meinem Blog. Ich sah mir an, was ich am 9. Oktober in all den Jahren veröffentlicht habe. Und ich war so überrascht von mir selbst, daß ich dieses Zurückschauen ab sofort einmal im Monat etablieren möchte. Nicht öffentlich hier, nicht wie heute, aber für mich selbst. Ich habe noch keine Ahnung, ob mir das gelingen und was es mir brigen wird, aber ich will es ausprobieren (und zwar immer am 13. jeden Monats, Terminerinnerung ist erstellt).

Heute aber verlinke ich auf meine Beiträge von 2011, dem ersten Jahr des täglichen Bloggens, von 2015, 2020 und 2023. Also:

Der erste 9. Oktober während meines #onepostaday-Abenteuers war ein Tag, an dem ich eine Wahrnehmungsübung machte. „Bewege Dich in Deiner Stadt und nimm alle 15 Minuten ein Bild auf. Orientiere Dich nicht an einer Uhr. Suche Motive. Alle 15 Minuten ein einziges Bild.” Irgendwann wiederhole ich das (Wird das etwa ein festes Vorhaben für jedes nun noch kommende Jahr?) und erziele hoffentlich ein ähnliches Ergebnis, wie ich es in meinem Beitrag Wahrnehmung herzeigte.

Nach fast 1800 Beiträgen faszinierte mich dann im Jahr 2015 ein repariertes Kunst­werk, das im öffentlichen Raum in HaNeu (Halle-Neustadt) wieder zu sehen war und noch zu sehen ist: Die Schildkröte des Künstlers Otto Leibe machte mich Leicht glücklich.

Erinnert ihr euch an das Jahr 2020? Erinnert ihr euch gern daran? Ich nicht. Ich weiß (und kann es eben auch nachlesen), daß ich mich in jenem Jahr heftig auf mich selbst zurückgeworfen fühlte. (Es mag sein, daß ich mich davon nocht nicht ganz erholt habe.) Deshalb schrieb ich am 09.10.2020 auch etwas über einen meiner inneren Kämpfe, den wahrscheinlich niemand so richtig nachvollziehen kann, auch heute noch nicht. Nachzulesen ist das im Artikel Erschwernis.

Und im vorigen Jahr, im Jahr 2023? Da achtete ich schon wieder mehr auf das, was um mich herum geschah und geschieht. Mir wäre das Verfließen der Zeit (und mein Umgang mit ihr) sonst nämlich nicht so aufgefallen beim Betrachten dessen, was in der Stadt, im Land und in der Welt geschah. Ja, das, was ich in Möglichkeit notierte, gilt noch heute mit handeln, er­le­ben, gestalten, genießen und leben, so gut als es mir eben möglich ist. (Und die Möglichkeiten haben sich sogar noch verbessert seit vorigem Jahr).

Vier von – einschließlich heute – 5030 aufeinanderfolgenden Tagen, deren Beiträge ich wirklich nicht mehr alle kenne. Aber ich glaube, das ist kein Fehler, das ist kein Mangel, das ist einfach normal so.

Und zwei Vorhaben für die Zukunft. Der Rückblick wird Auswirkungen haben. Mein #onepostaday-Abenteuer geht weiter.

 

Erinnerung des Tages:
Von vieren habt ihr da oben gerade gelesen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 9. Oktober 2024 mit dem Aufstehen um Fünf in der Früh, mit sehr guten Nachrichten (oh, ich freue mich noch immer mit), mit Hirsebrei und Butterbohnen.

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282–2024: Glücksangst

Als ob der Zeitpunkt eine Rolle gespielt hätte.

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Ein seltsames Gefühl breitete sich in mir aus, als er mich fragte, ob ich glücklich bin. Nein, Moment, das sagte er ja überhaupt nicht. Er fragte, ob ich glaube, daß ich glücklich bin. Genau. „Glaubst Du, daß Du glücklich bist?” Genau das waren seine Worte. Wir lagen nebeneinander, händchenhaltend, ich weiß nicht mehr, ob vorher oder danach. Aber in diesem Moment, als er mich das fragte, dachte ich: ja. Ich fühlte mich dabei sehr traurig, fast so, als sei dieses Glück etwas Ungutes, etwas Bedrohliches. Und als ich seine Frage mit einem leisen Ja beantwortet hatte, wußte ich, was sich da so seltsam anfühlte: Ich erkannte, was ich verlieren könnte.

Wahrscheinlich klang mein Wort anders. Er nahm mich in den Arm, legte seinen Kopf an meinen und flüsterte mir zu. Davon, daß auch er glücklich sei in diesem Moment, dieses Glück aber nicht ewig dauern könnte, daß er diesen Moment und solche Momente immer und immer wieder mit mir erleben will. Das versöhnte mich etwas mit der Endlichkeit alles Guten und ich konnte mich in seine Hände und Lippen und Zärtlichkeiten fallen lassen.

Ah, es muß also vorher gewesen sein …

 

 

(In meinem Kopf geistert noch immer die Frage, ob ich ein Geschlecht „vergeben muß” an die hier denkende, sich erinnernde Person.)

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Auf meinem Weg nach Irgendwo stellte ich nebenher einige Bücher in einen Öffentlichen Bücherschrank #publiclibrary.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 8. Oktober 2024 mit dem frühen weckerlosen Erwachen, mit meinem Umgang mit der Enttäuschung, mit dem Mitfreuen für jemand anderen.

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281–2024: Darwin

Auch das ist Wilhelm Busch.

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„Wilhelm Busch …” „Ja! Der mit Max und Moritz!”

Natürlich stimmt das. Und vielleicht sind auch noch die fromme Helene, Hans Hucke­bein und Fips bekann. Aber Busch malte auch, zeichnete und schrieb ganz viele andere Sachen. Gedichte vor allem, von denen ich ein titelloses mir irgendwann abgetippt habe:

 

 

Sie stritten sich beim Wein herum,
was das nun wieder wäre;
das mit dem Darwin wär' gar zu dumm
und wider die menschliche Ehre.

Sie tranken manchen Humpen aus,
sie stolperten aus den Türen,
sie grunzten vernehmlich und kamen zu Haus
gekrochen auf allen Vieren.

Wilhelm Busch (∗ 1832 – † 1908)

 

 

Humor. Bei Busch oft von einer grotesken, beinahe makabren Art. Das da oben schrieb ich wohl aus einem 1963 gedruckten Reclam-Bändchen (aus Leipzig) ab. Ich bedaure grad, daß ich es nicht finde (vielleicht sogar nicht mehr besitze). Denn das Gedicht macht mich neugierig auf den anderen, weniger bekannten Wilhelm Busch. So manches Kleinod seines Schaffens finde ich im Projekt Gutenberg – ihr dann wohl auch …

In den nächsten Tagen werde ich euch mit Gereimtem verschonen. Hoffe ich.

 

Erinnerung des Tages:
Wenn heute nur der siebte Oktober des vorigen Jahres in den Nachrichten erwähnt wird und nicht ein einziges Mal ebenso prominent der 7. Oktober 1949 (Tag der Gründung der DDR): Grad „in den Medien” (ÖRR) sollte diese Tatsache weder verschwiegen noch gar absicht­lich vergessen werden.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 7. Monat 2024 mit erledigtem Haushalt, mit dem verhinderten Fehler, mit einer mächtig großen Hoffnung.

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280–2024: Gereimtes

Burg Rabenstein am Wochenende.

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Ein' feste Burg am Stadtrand steht
seit vielen, vielen Jahren.
Weil ihr sie einfach überseht,
seid ihr vorbeigefahren.

In ihrem Innern ist die Zeit
wie überall verronnen.
Und die Verklärung hat ein Kleid
aus Sagen ihr gesponnen.

Die Ritter hausen längst nicht mehr
zwischen den alten Mauern.
Doch ihre Geister gehn umher
und lassen uns erschauern.

Ein Rabe sitzt tagaus, tagein,
ganz oben auf dem Dach.
Die Burg steht fest auf einem Stein,
vorüber fließt ein Bach.

So steht die Burg wie eh und je
am Rande einer Stadt.
Im Bergfried lebt die gute Fee,
die sie beschützet hat.

Ein' feste Burg am Stadtrand steht,
verborgen hinter Bäumen.
Falls ihr sie nochmal überseht:
Jetzt könnt ihr von ihr träumen.

 

 

Wenn ich lange genug an der Mauer einer Burg bleibe, fallen mir auch solche Zeilen zu. Gebrauchsreimerei, ohne großen Anspruch. Eine Übung für das Sprachgefühl, die Sprachmelodie – mehr ist es nicht. Aber solche Übungen sind für mich notwendig.

Ich hoffe, ihr hattet ein schönes langes Wochenende.

 

Erinnerung des Tages:
Es gab bei der Verabschiedung viele schöne Erinnerungen, die ich nicht teilen mag.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 6. Oktober 2024 mit dem trockenen Wetter, mit versprochenen Wiedersehen, mit dem flinken Abbau.

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279–2024: Palaver

Kurzer Abriß über einen Mädelsabend.

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Oh ja. Ich hatte eines, ein echtes Palaver. Das war kein Geplauder, keine Plauderei. So harmlos war es nicht. Ein Palaver ist … deutlich an­stren­gender als Small Talk. Weil in dem oft ziemlich kontroverse, gegensätzliche Standpunkte aufeinandertreffen, welche dann noch vehement vertreten werden. (Das ist jedenfalls meine Erfahrung.) Ja, auch unter uns Freundinnen können mal die Fetzen fliegen. Wie gestern, als es um die verschiedenen Formen des Fremdgehens ging. Tse, was die eine oder andere doch für wunderliche Ansichten dazu hat! Eine war regelrecht verklemmt, die hält es doch tat­säch­lich schon für Fremdgehen, wenn ihr Kerl nur an eine andere denkt (wenn sie sich allerdings von ihrem Chef vögeln läßt: das ist ganz sicher kein Fremdgehen, das gehört zur Karriere). Eine andere fragt immer nach dem Namen, so geht sie dann nicht fremd, sondern bekannt. Und ich als Single werde von zweien beneidet, weil ich damit – also mit der Fremdgeherei – keine Probleme habe. Nun, das Gezeter ging los, als ich sagte, daß sie für ihre Probleme damit ja wohl selbst verantwortlich sind! Sie müßten ja keines daraus machen! Ja, daraus entstand das fast dreistündige Palaver, bei dem wir zwei weitere Flaschen Wein leerten, wonach wir uns noch über gewisse Ereig­nisse und Praktiken austauschten und feststellten, daß wir alle auf Oralsex stehen – das ist ja ganz bestimmt nichts, was als Fremdgehen gewertet werden kann. So wurde aus dem Palaver ein albernes Gekicher, und wir gingen später versöhnt auseinander.

 

 

Nun, ich selbst habe das Palaver nicht erlebt. Aber vor vielen Jahren war ich Augen- und Ohrenzuege eines solchen Mädelsabends, der in seinem Verlauf häufig als Palaver bezeichnet wurde. Manchmal bin ich ganz froh, darüber, daß ich mir auch zu solchen Nebensächlichkeiten Notizen machte.

 

Erinnerung des Tages:
Als ich nebenbei eine Gartenkneipe besorgte, gab es einen Gast, der am Tisch regelmäßig schlief und dabei sein volles Bierglas auf seinem Bauch stehend festhielt.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 5. Oktober 2024 mit dem Erwachen im Fliewatüüt, mit weing Regen, mit merhreren Met, die sich auf meinem Tisch materialisierten.

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278–2024: Flink

Mit lakonischer Stimme in zügigem Tempo zu lesen.

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Sagt auch niemand mehr: flink. Gibt nur noch schnell. Und zwar alles. Am besten schnell. Keine Zeit mehr. Und dann noch: schnell mal. Schnell mal dies, schnell mal das. Flink ist wahrscheinlich nicht schnell genug. So langsam wie flugs. Ach. Und das Gegenteil von schnell ist gleich. Mach ich gleich. Geschwind gesagt. Aber dann. Gleheich! Bei Behörden vielleicht noch unverzüglich. Niemals aber noch flink. In Windeseile war auch flink. Aber heute? Sagt niemand mehr. Beides nicht. Viel zu schnell ist möglich, aber doch nicht viel zu flink.

Schade. War ein schönes Wort, das flink. Sah immer etwas nach Reh aus. Meint ihr nicht? Jedenfalls mußte sich niemand beeilen, um flink zu sein. Schnell sein ist Hetzen. Flink war nur nicht langsam. Ist. Nicht langsam und nicht schnell. Anmutig vielleicht noch dazu. Jedenfalls hat flink eine ganz andere Bedeutung als schnell. Für mich. Nur weiß ich nicht mehr, wo ich es heute noch verwenden könnte. Es sieht immer unpassender aus. Immer unpassender. Dieses kleine feine Wort flink.

Flink noch Ade gesagt …

 

 

So sprach es in meinem Kopf vor ein paar Tagen. Als ich bemerkte, daß ich dieses eine, gerade in einem Buch gelesene Wort, seit langem nicht mehr in meinem Alltag vernommen hatte. Es gibt mit Sicherheit noch mehr solche Worte/​Wörter, die mit der Zeit verblaßten, verschwanden. Doch bei diesem fiel es mir besonders auf. „Flink wie ein Reh” stand da geschrieben, und ich kenne auch noch „wieselflink” – aber wer weiß schon noch, was ein Wiesel ist … Wenn bestimmte Dinge, Tiere, Tätigkeiten aus dem alltäglichen Leben verschwinden, so vergessen wir Menschen auch die Worte dafür. Weil wir sonst zu traurig wären über den Verlust?

Sprache entwickelt sich, ja. Aber ich befürchte, sie verliert auch ihre Vielfalt. Deshalb erinnere ich heute an dieses kleine Wörtchen flink. Vergeßt es nicht ganz. (Und wer ihn kennt, kann sich ja gern vorstellen, daß Hagen Rether den Text aus dem grauen Kasten vorträgt.)

 

Erinnerung des Tages:
Als ich zum ersten Mal den Hashtag #moderndenken las, mit dem das Land Sachsen-Anhalt seit geraumer Zeit für sich wirbt, fragte ich mich: „Was zum Henker ist enken?”

 

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Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 4. Oktober 2024 mit uralten Witzen, mit dem trockengebliebenen Schlafplatz, mit Kaffee beim Nachbarn.

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277–2024: Althergebrachtes

Viel zu viele ungeklärte Fragen zu dem, was ich einst lernte.

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Überkommenes. Überliefertes. Übernommenes. Sehr Vieles von dem, was wir von unseren Altvorderen ererbten. Was schon immer so gemacht wurde. Angestaubt, aber irgendwie funktionierend. Retro. Altmodisch. Vintage. Gut. Nicht besser, nein: Gut. Wann, wann nur wurde gut schlechter als besser? Denn eines ist ganz sicher: Besser ist noch lange nicht gut. Das wissen wir doch alle. Oder?

 

Erinnerung des Tages:
Als ich zum ersten Mal einen Markt hier mitgestaltete, wurden ein anderer Akteur und ich gute Kumpels.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 3. Oktober 2024 mit dem viel zu späten ersten Kaffee, mit vielen netten Unterhaltungen, mit so manchem derben Scherz.

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