Sehr positiv überrascht von der Stadt Halle (Saale)
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Vor Jahren entdeckte ich, daß es in Halle-Neustadt wirklich sehr viel Kunst im Öffentlichen Raum zu sehen gab und gibt. Am Ärztehaus zum Beispiel, sehr versteckt, in einer heruntergekommenen Grünanlage stand eine von Vandalen unter anderem ihres Kopfes beraubte Schildkröte (vor 2006 entdeckt, fotografiert hab ich sie 2012). Eine Kunststeinskulptur, die Otto Leibe 1973 schuf und die damals, 2012, einen sehr traurigen Anblick bot. (Die ganze verlinkte Weseite ist tatsächlich sehenswert.)
Im Sommer diesen Jahres, 2015, wurde damit begonnen, die Schmuddelecke umzugestalten. Und mit dem wilden Gestrüpp verschwand auch die von mir geliebte und bedauerte, arg ramponierte Schildkröte. Sie war weg. Weg. Wie so viele Dinge aus DDR-Zeiten auf Nimmerwiedersehen verschwanden und verschwinden, wenn es eine gute, günstige Gelegenheit zu ihrer Beseitigung gab/gibt. Das bedauernswerte Tier, das zu seinen besten Zeiten viele Kinder in der eigenständigen, sozialistischen Stadt Halle-Neustadt vor und nach einem Arztbesuch Mut machte und tröstete, hatte ja schon lang kaum noch jemand gesehen. Es würde also aller Wahrscheinlichkeit nach auch niemand vermissen.
Und dann. EIn paar Tage her. Vielleicht vier Wochen. Vor kurzem jedenfalls wurde die Umgestaltung der Grünanlage abgeschlossen. Und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie glücklich ich war, als auch die Schildkröte wieder auftauchte! Auf einem neuen, besseren Standort. Und sie wurde repariert, wiederhergestellt. Detailreich, mit Augen und Nase und Mund; und sogar der Schwanz wurde wieder angefügt an das Tier. Inwieweit das originalgetreu ist, weiß ich nicht. Aber ich freue mich darüber, daß ein Kunstwerk weiterhin im Öffentlichen Raum steht, zu sehen ist, Erinnerungen wecken kann, den Blick kurz fesseln kann und vielleicht auch wie früher von Kindern besetzt werden kann.
Die Stadt Halle (Saale) hat mich mit diesem Umgang mit Kunst wirklich sehr, sehr positiv überrascht. Danke an alle, die sich um dieses Kleinod k&ummerten und die für diese gute Tat verantwortlich sind.
Ach ja: Hier sind die Bilder.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 8. Oktober 2015 war der Nachmittag in der Stadt.
Tageskarte 2015-10-09: Dei Zehn der Kelche.
© 2015 – Der Emil. Text & Bilder unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).








hach schön, zumal ich Schildkröten sehr verehre! Das ist doch mal ein guter Start in den neuen Tag- danke dir
herzliche Grüsse
Ich hätte gern mehr solcher Nachrichten — auch in Zeitungen und anderen Medien. Ein paar mehr gute Neuigkeiten, gute Taten und dafür viel weniger Kriegsberichte, Kriminalfälle, Verunglimpfungen.
„Halle (Saale): Immer mehr Kunstwerke, die bei der Erbauung der «sozialistischen» Stadt Halle-Neustadt als Auftragsarbeiten nahmhafter Künstler in den öffentlichen Raum plaziert wurden, erhalten deutlich wachsende Aufmerksamkeit. Insbesondere die restaurierten und durch Aufwertung der Standorte sichtbarer gemachten Skulpturen wie Otto Leibes Schildkröte sind mittlerweile auch Ziele von Touristen aus allen Gegenden der Welt“
nach mehr positiven Nachrichten sehnen wir uns wohl alle, sie gibt es ja auch, werden aber immer wieder gerne unter die Redaktionsteppiche gekehrt, leider …
schön, dass Halle nicht nur entfernt, sondern auch restauriert und exponierte Stellen sucht und findet! ich wünsche dir ein schönes Wochenende, lG Ulli
Ach ist die Klasse! Die Schildkröte ist Carstens Wappentier, weil er, wie Schildkröten den Kopf einzieht und somit keinen Hals hat.
ganz besonders schön finde ich, dass Halle die Grünanlage wieder aufpeppt und Kindern die Gelegenheit bietet auf Schildkröten zu reiten. Ich durfte das mal im Tierpark Hellabrunn ganz richtig – auf einem lebenden Exemplar. Heute wäre das verboten – aber als ich Kind war … vor langer, langer Zeit!
Die steinerne ist vielleicht lebensgroß, aber etwas höher als in der Realität. Ob das mit den Kindern so beabsichtigt war oder ist, weiß ich natürlich nicht wirklich. Aber ich bekam von alten Haneuern dieses „und nach’m Doktor durft ich immer auf der Schildkröte reiten“ zu hören und hoffe, daß die „das-darf-man-nicht“-Angst nicht zu groß wird.
Das macht mich auch grad leicht glücklich.
Solche „kleinen“ Dinge — das hab ich auch bei Dir gelernt, wirklich — verdienen viel öfter viel mehr unserer Aufmerksamkeit, Achtsamkeit.
Oooh, dankeee.
das sieht wirklich schön aus
Ich such mal nach Bildern der früheren Umgebung und mach noch ein paar vom neuen Zustand. Ich bin neugierig, wie lang alles so gepflegt bleibt.
Das wäre super. Dann sieht man alles mal im direkten Vergleich und kann sich über das neue Bild noch mehr freuen.
Tja, von der Ausgangssituation habe ich (noch) keine Fotos gefunden bisher (aber da ist noch eine Festplatte mit Aufnahmen der Sigma DP2, die ich noch durchforsten muß) …
Danke für diese liebevollen Bilder und Worte.
(„Schildi“ ist herzig. Meine Schildkröte heißt übrigens Emma. Genauer: Emma Sitzkissen. Manche Schildkröten haben nämlich auch einen Nachnamen:))
Schildi war das Wort, das einer meiner Söhne verwendete. Und auch im DDR-Fernsehen gab’s da mal eine, oder?
Nachnamen haben nicht nur Schildkröten, sondern auch ganz andere Dinge 😉
Ich habe gerade meinen Sohn gefragt, was eine Schildi ist. Er wusste es (noch), aber nicht, wo der Ausdruck her kommt. Ich finde es schön, dass die Schildi wieder ganz und einsatzfähig ist. Jetzt können die vielen Kinderpopos sie wieder blank wetzen.
Ich hoffe darauf.