Einmal völlig anders über etwas nachdenken.
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Selbst das, was den Menschen unangenehm erscheint, was den Menschen ihr Selbst als unglücklich erscheinen läßt, kann anders betrachtet werden:
Als meine Sorge zur Welt kam, hegte und pflegte ich sie mit zärtlicher Liebe. Wie alles Lebende wuchs sie, wurde stark und schön und war voll wunderbarer Freuden.
Wir liebten einander, meine Sorge und ich, und liebten die Welt rings um uns. Denn meine Sorge war freundlich, und ich war freundlich zu ihr. Wenn wir miteinander sprachen, meine Sorge und ich, vergingen die Tage wie im Flug, und wundervolle Träume schmückten unsere Nächte. Denn meine Sorge hatte eine beredte Zunge, und ich redete viel mit ihr. Wenn wir miteinander sangen, meine Sorge und ich, saßen die Nachbarn an den Fenstern, denn unsere Lieder waren tief wie das Meer, und unsere Melodien riefen ferne Erinnerungen zurück. Wenn wir miteinander auf der Straße gingen, meine Sorge und ich, blickten die Leute uns wohlwollend nach und flüsterten die schönsten Sachen …
Aber wie alles Lebende starb meine Sorge, und nun bin ich mit meinen Gedanken allein. Jetzt tönen meine Worte plump in meinen Ohren. Keine Nachbarn kommen, um meine Lieder zu hören. Niemand blickt mir nach, wenn ich über die Straße gehe. Nur im Schlaf höre ich mitleidige Stimmen sagen: »Seht, hier liegt der Mann, dessen Sorge gestorben ist.«
Khalil Gibran (∗ 1883 – † 1931)
Ich schrieb mir das Stück Text in eine meiner Kladden ab, und ich schrieb dazu, daß ich es im 2022er Kalender von „Der andere Advent” fand. Vielleicht, so dachte ich wahrscheinlich, vielleicht inspirieren mich diese Sätze einmal zu einer Geschichte, einer Miniatur, einem Gedicht gar. Weil ich um solche Notizen weiß, blättere ich immer mal wieder durch meine Aufzeichnungen. Diesmal fand ich eben dieses Stück Text von Khalil Gibran. Und ich wurde nicht inspiriert, sondern denke, daß die Worte für sich selbst stehen können.
Ich bewundere in diesem Fall übrigens auch die Arbeit, die die Übersetzerin / der Übersetzer leistete. Ohne sie hätte ich das nicht lesen, mich nicht davon berühren lassen können. Leider weiß ich – wie so oft – nicht, wer so feinfühlig in meiner Sprache wiedergeben konnte, was Gibran in seiner Sprache formulierte.
Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Es stehen 22 Bücher mehr im Öffentlichen Bücherregal.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
P.S.: Zufrieden war ich am 15. Oktober 2024 mit den Gedankenspielen am Vormittag, mit dem EKG, mit dem Sauerkrautsalat.
© 2024 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung). Khalil Gibrans Werke sind über 90 Jahre nach seinem Tod gemeinfrei.

